Mädle ....
Du stellst dir also einerseits eine "Therapie" vor, die dich so macht, wie du eigentlich gar nicht sein möchtest, ja?
Und andererseits möchtest du dann - natürlich! - dagegen opponieren, ja?
Die Frage ist nicht, was du alles "resigniert akzeptieren" möchtest, sondern: Wie MÖCHTEST du sein? Wie MÖCHTEST du leben?
Mit der Art, wie man ist und sein und leben will, ist natürlich auch die Verantwortung verbunden, die Konsequenzen davon ebenfalls zu tragen und zu akzeptieren.
Aber wenn man wirklich so ist, wie man sein will, wie man wirklich von innen her ist, dann ist man damit auch glücklich, Sans. Du bist im Moment nicht glücklich. Das weist darauf hin, dass du in Wirklichkeit nicht so
bist, wie du jetzt lebst. Oder auch: Dass du nicht so lebst, wie du eigentlich bist.
Oder auch, dass du falsche Ansprüche an dich und das Leben stellst und dich so selber unglücklich machst.
Das herauszusortieren, wäre auch eine Aufgabe deiner Threapie.
Manches von deinem Unglücklichsein ist möglicherweise einfach durch deine jetzigen Lebensumstände bedingt. Wenn man z.B. keine zu einem passenden Menschen in seiner Umgebung hat und auch sonst nirgendwo (z.B. im Internet), dann kann man sich unglücklich fühlen, ohne dass das therapierbar oder therapie-würdig wäre. Dann sollte man/frau das aber erkennen und es, soweit im Augenblick möglich, ändern oder akzeptieren.
Da trifft die Regel zu: "Andere, was du ändern kannst, und akzeptiere, was du nicht ändern kannst. Und lerne, das eine vom anderen zu unterscheiden."
Aber auch das ist meistens relativ, ob man etwas an seiner Lebenssituation ändern "kann" oder nicht. Meistens muss man abwägen, was einem wichtiger ist, und dann entscheiden, ob man seine äußere Lebenssituation ändern will oder nicht. Bei dir z.B., kurz vor einem Schulabschluss, wäre es wohl nicht sinnvoll, in eine andere Stadt zu ziehen. Es ist sicherlich besser, die Durststrecke der mangelnden adäquaten Kontakte durchzustehen, bis du mit dieser Schule fertig bist.
Zitat von SansSouci147:Zitat:Kannst du das bitte näher erklären? Ich verstehe es nicht.
Ehm.. Was verstehst du daran nicht? Beruf, Freundschaft und Partnerschaft sind meiner Ansicht nach das, was man für ein glückliches Leben braucht
Nein, "brauchen" tut man gar nichts. Man "braucht" nur das, was man auch wirklich selber von innen heraus
will. Vielleicht bist du gar kein Typ für eine Partnerschaft, oder noch nicht jetzt, sondern in späterem Alter, z.B.
Und einen "Beruf" zu haben ist natürlich normalerweise praktisch und es macht es wahrscheinlicher, dass man seine Brötchen damit verdienen kann. Aber was dieser "Beruf" eigentlich sein wird und ob du damit nachher wirklich Geld verdienen wirst (also mit dem Beruf, in dem du dich ausbildest), oder ob es nachher doch ganz anders kommt, weil du dich anders entwickelst oder die Umstände sich anders entwickeln, kannst du trotzdem nicht wissen. Am besten ist eine Berufsausbildung, bei der du mit dem
Herzen dabei bist. Etwas, das dir wirklich ein
Anliegen ist. Alles weitere wird sich im Laufe deines Lebens ergeben. Das Leben ist ein Abenteuer, ein Spiel. Wenn man alles im Voraus wüsste und alles planen könnte, wäre es langweilig. Manche planen es und schaffen es sogar eine Zeitlang genau so wie geplant, manche sind so auch glücklich, aber oft eben auch nicht, und manchmal geht das Schicksal dann doch eigene Wege (wie man so sagt). D.h. man kommt immer wieder an Scheidewege, an denen man eine neue Entscheidung über seine weitere Zeit treffen muss.
Zitat:Zitat:Gibt es "ein allgemeines Ziel einer Therapie"? Wer soll das Ziel festlegen?
Nunja, im allgemeinen Sinne erhofft man sich wohl eine Besserung einer momentanen psychischen Verfassung.
Das ist kein "Ziel", SansSouci. Sondern das ist die
Folge, wenn du zu einem deiner Ziele gelangt bist.
Die Frage ist wirklich immer wieder ganz einfach:
"Wer bin ich?" "Wer bin ich wirklich?"Und Hilfsfrage: "Wie will ich sein?" (Das geht nur in dem Ausmaß, wie man das wirklich in sich trägt. Aber es hilft einem, draufzukommen und hinzukommen.)
Zitat:Zitat:Also, langer Rede kurzer Sinn: Du musst erstmal selber wissen, was du "therapiert" haben willst.
Naja, das... Was will ich denn therapiert haben? Ich sehe das "Therapieren" immer noch als eine Form von "Verstellen" und eigentlich will ich mich nicht verstellen...
Nun ja, wenn du es immer weiter so (falsch) sehen willst - was kann man dagegen tun?
Sich zu verstellen ist das Gegenteil des Ziels einer Therapie. Zitat: Vielleicht will ich auch überhaupt nicht "therapiert" werden im Sinne von ich möchte mich ändern, sonder ich will die Dinge so nehmen können wie sie sind. Es einfach hinnehmen, dass es wohl immer so bleiben wird (wovon ich immer noch ausgehe)
Das ist in gewissem Sinne auch völlig okay. Du brauchst und sollst dich nicht
ändern, Sans. Sondern du sollst herausfinden, wie und wer du überhaupt bist, und danach dein Leben ausrichten.
Glaub mir, das macht glücklich und zufrieden, es herausgefunden zu haben und dann sein Leben so zu führen, dass es zu dir passt. Dann ist es
dein Leben.
Dazu gehört auch, wie schon gesagt, dass man bereit wird, Dinge zu akzeptieren, die man wirklich nicht ändern kann. Z.B. wenn man körperlich so gebaut ist, dass man im Turnunterricht nicht über ein "Pferd" springen kann, dann ist das eben so.
Du brauchst un solltest auch keine Therapie zu machen, nur weil andere das wollen. Nur wenn du selber spürst, dass du Bereiche hast, in denen du blockiert bist, in denen du dich nicht so verhalten kannst, wie du es
eigentlich möchtest, dann kannst du mit Hilfe einer Therapie daran arbeiten, diese Blockaden oder auch Verwirrungen aufzulösen.
Nur wenn du das Gefühl hast, dass das, wie du jetzt scheinbar "bist", nicht dein eigentliches Ich ist. Wenn du dein eigentliches Ich ausgraben und befreien möchtest.
Also, Sans: Was meinst du, wie ist dein wahres Wesen?
(Ich weiß, diese Frage frei zu beantworten würde fast schon deine Therapie unnötig machen - denn dafür musst du durch einige Unterdrückungsschichten durch. Und durch einige Tränen. Aber wenn du dabei den Gegendruck spürst, den Unwillen, deine eigentlichen positiven, ehrlich erwünschten und erhofften Eigenschaften hier hinzuschreiben und offenzulegen, dann spürst du zumindest dabei, wo deine unterdrückten Anteile liegen. Woran du arbeiten kannst.)
Ich hoffe, ich habe mich ein wenig verständlich und dir etwas Lust auf eine Therapie machen können, Sans.