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Angst vor Ablehnung - die häufigste Angst
Die Angst vor Ablehnung ist vermutlich die häufigste und größte Angst von Menschen. Solange uns diese Angst nur gelegentlich begleitet, ist das nicht weiter schlimm. Haben wir jedoch eine übergroße Empfindlichkeit gegenüber Ablehnung, dann fühlen wir uns nicht nur häufig verletzt und deprimiert, wir sind auch extrem schüchtern, gehemmt und angepasst und wir meiden enge Beziehungen, sei es ob diese beruflicher, freundschaftlicher, partnerschaftlicher oder intimer Natur sind.
Eine Klientin sagte mal: Ich habe furchtbare Angst, dass mich jemand ablehnt. Wenn das passiert, ist es immer so, als ob die Welt untergeht. Ich weiß, dass dem nicht so ist, aber ich fühle mich so. Warum ist das so?
Das Bedürfnis nach Anerkennung und Wertschätzung durch andere ist ein ganz elementares menschliches Bedürfnis. Wir sind soziale Wesen und um in einer Gemeinschaft leben zu können, ist es wichtig, von dieser angenommen und akzeptiert zu werden. Andererseits dürfen wir aber auch nicht vergessen, dass alle Menschen egoistisch sind. Wir alle wollen für uns das Beste herausholen. Wir sind keine altruistischen Wesen. Und deshalb kommt es ständig zu Interessenkonflikten zwischen den Menschen und damit zu Ablehnung durch andere.
Wenn wir eine Ablehnung als Weltuntergang ansehen, dann ist es verständlich, dass wir nach allen erdenklichen Mitteln und Wegen suchen, uns zu schützen. Zu unserem Schutz eignen wir uns Strategien an, die uns vor diesem vernichtenden Gefühl und dem Ausschluss aus der Gemeinschaft schützen sollen.
Strategien, mit der Angst vor Ablehnung umzugehen
Es gibt im Wesentlichen 3 Strategien, die wir anwenden, um unseren Mitmenschen keine Angriffsfläche für eine Ablehnung zu bieten. Diese sehen so aus:
Die eine Strategie besteht darin, dass wir besonders lieb, höflich und angepasst sind - und dabei natürlich selbst viel zu kurz kommen. Wenn wir tun, was andere von uns erwarten, dann kann uns schließlich keiner böse sein so hoffen wir.
Die 2. Strategie besteht darin, dass wir die Graue-Maus Rolle spielen. Wir halten uns im Hintergrund, um nicht aufzufallen. Wer nicht auffällt, kann auch nicht kritisiert werden. Wir wagen nichts Neues, denn wer nichts will, kann auch nicht scheitern. Wir stellen keine Forderungen, äußern keine Kritik und lassen uns vieles - zu vieles - gefallen.
Die 3. Strategie, um anderen keine Angriffsfläche zu bieten, besteht darin, in Allem perfekt sein zu wollen. Wir wollen alles perfekt erledigen, uns perfekt kleiden, uns perfekt benehmen, perfekt aussehen, perfekt schminken. Wenn man alles perfekt macht, dann kann einen schließlich auch niemand kritisieren und ablehnen so denken wir. Das Fatale an dieser Strategie ist, dass wir durch unser Streben nach Perfektion viele Streicheleinheiten bekommen. Unser Perfektionsstreben wird also belohnt, gleichzeitig aber setzen wir uns immer mehr unter Druck, immer gut sein zu müssen, da wir sonst die anderen enttäuschen. Die Folge sind oft Überforderung, das Risiko, an Burnout oder einer Zwangsstörung zu erkranken.
Trotzdem: einen perfekten Schutz gibt es nicht, gleich welche Strategie wir anwenden, um einer Ablehnung zu entgehen. Die Angst vor Ablehnung bleibt und beeinflusst unser ganzes Denken, Fühlen und Handeln. Ein Betroffener drückte es so aus: Die Angst, gesehen zu werden, als das, was ich bin, ein Versager, ein schlechter Mensch, jemand, der eigentlich nur Fehler hat - diese Angst begleitet mich ständig. Ich fühle mich immer bedroht - ein einziges falsches Wort von mir könnte genügen, um anderen die Augen zu öffnen und dann wäre alles aus.
Die 2 grundlegenden Einstellungen bei der Angst vor Ablehnung
Alle Erfahrungen, die wir machen, prägen und beeinflussen unser Denken und damit unser Fühlen und Handeln. Insbesondere unsere Erfahrungen in den ersten Lebensjahren haben einen großen Einfluss auf unsere Einstellungen gegenüber uns selbst und dem Leben. Die folgenden beiden Einstellungen sind quasi die Quintessenz unserer negativen Erfahrungen als Kinder und Jugendliche, wenn wir eine große Angst vor Ablehnung haben:
Die 2 grundlegenden Einstellungen bei der Angst vor Ablehnung
Einstellung 1: Ich bin nicht in Ordnung. Ich bin dumm, minderwertig, unattraktiv, langweilig, ein Versager.
Durch diese selbstabwertenden Gedanken fühlen Sie sich minderwertig. Und weil Sie überzeugt sind, minderwertig zu sein, haben Sie Angst, andere könnten über Sie ebenfalls so negativ denken. Sie haben Angst, andere könnten Ihr vermeintlich wahres Ich - Ihre Minderwertigkeit - erkennen.
Einstellung 2: Ich brauche die Anerkennung der anderen. Wenn diese mich nicht mögen, dann ist das ein Beweis dafür, dass ich nicht liebenswert bin.
Sie machen Ihren Wert also von anderen abhängig. Mit dieser Einstellung tun Sie alles, um die Anerkennung der anderen zu bekommen und zu erhalten. Und Sie unterlassen alles, wodurch Sie bei anderen in Ungnade fallen könnten.
Wie wird die Angst vor Ablehnung behandelt?
In der Therapie werden Sie und Ihr Therapeut vielleicht schauen, wie und warum Sie heute eine so schlechte Meinung von sich haben. Denn von sich aus sind Sie darauf nicht gekommen. Das haben Sie sich nicht selbst ausgedacht, das haben Sie von anderen. Dieses Wissen kann Ihnen helfen, weil Sie vielleicht erkennen, dass es ganz normal und verständlich ist, warum Sie heute so gering von sich denken.
Dieses Wissen alleine wird Ihnen jedoch nicht helfen, sich von Ihren selbstabwertenden Gedanken und Ihren Minderwertigkeitsgefühlen zu befreien. Ist es nicht so, dass Sie felsenfest davon überzeugt sind, minderwertig zu sein? Wenn dem so ist, dann ist das Ihr eigentliches, Ihr größtes Problem, das maßgeblich für Ihre übersteigerte Angst vor Ablehnung verantwortlich ist.
Wenn Sie lernen möchten, sich selbst mehr anzunehmen, dann schauen Sie in den Ratgeber "So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen" und in das Video zum Thema sich selbst annehmen an.
In einer Therapie lernen Sie, Ihre Einstellungen zu sich selbst zu hinterfragen und in Frage zu stellen. Ihr Therapeut wird Sie fragen, wo Ihre Beweise dafür sind, dass Sie dumm oder minderwertig sind. Er wird Sie auffordern, Ihre Einstellung, ohne die Anerkennung der anderen nicht leben zu können, zu hinterfragen und zu korrigieren.
Sie lernen, sich selbst mehr anzunehmen, sich selbst den Rücken und damit Ihr Selbstvertrauen zu stärken und das nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. D.h. Ihr Therapeut wird Ihnen vermutlich eine Reihe von Verhaltensübungen mit nach Hause geben, durch die Sie das theoretisch erworbene Wissen in die Praxis umsetzen sollen.
In der Therapie lernt das kleine verängstigte Kind in Ihnen erwachsen zu werden, indem es erkennt und lernt, dass es in Wirklichkeit liebenswert, groß und stark ist und deshalb keine Angst mehr haben muss.
Dies ist ein langsamer Prozess, der sich über Wochen und Monate erstrecken wird. Am Ende dieses Wegs, eines Tages in der Zukunft, werden Sie in den Spiegel schauen und Ihnen wird gefallen, was Sie sehen.
Video zur Angst vor Ablehnung
Dieser Videoclip ist Bestandteil einer Videoserie zur Angst vor Ablehnung. Alle Video Clips zu diesem Thema, sowie weitere 150 andere Videos zu Angst und Panik, finden Sie beim Expertenrat Video Ratgeber Portal. Um dieses Video anschauen zu können, benötigen Sie die neuste Version des Flash Players von Macromedia. Hier können Sie diesen kostenlos herunterladen.
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