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Was ist eine Klaustrophobie?
In der Umgangssprache wird die Klaustrophobie oft als Platzangst bezeichnet. Dies ist jedoch nicht korrekt. Bei der Klaustrophobie handelt es sich um eine Raumangst, genauer gesagt, um die Angst, vor oder in geschlossenen oder engen Räumen. Neben panikartiger Angst, nicht flüchten zu können, zu ersticken und keine Kontrolle zu haben, verspüren Betroffene in solchen Situationen heftige körperliche Reaktionen.
Die Klaustrophobie gehört zu den spezifischen Phobien, d.h. zu den unangemessenen und übersteigerten Ängsten vor ungefährlichen Situationen.
In welchen Situationen tritt eine Klaustrophobie häufig auf?
Eine Klaustrophobie tritt in Situationen auf, in denen Betroffene glauben, nicht jederzeit die Möglichkeit zu haben, diese schnell wieder verlassen zu können oder in denen sie sich körperlich so stark eingeengt fühlen, dass in ihren Augen die Gefahr besteht, zu ersticken.
Zu solchen Situationen zählen z.B. Theater, Kinos, Lifte, Flugzeuge, U-Bahnen und Solarien. Die Klaustrophobie tritt auch auf in Situationen mit vielen Menschen, die dicht gedrängt stehen, etwa in überfüllten Bussen, oder unter Menschenmassen bei Konzerten und Sportveranstaltungen. Manchmal haben Betroffene auch Angst, an öffentlichen Orten die Klotür abzuschließen, wenn es kein Fenster im Klo gibt. Auch medizinische Untersuchungen wie die Untersuchung im Kernspintomographen können eine Klaustrophobie auslösen. Ja, selbst enge Umarmungen oder das gemeinsame Kuscheln mit dem Partner unter einer Decke können Angst verursachen.
Wie äußert sich eine Klaustrophobie?
Wie jede Angst, äußert sich eine Klaustrophobie im Denken, Fühlen, Körper und Verhalten.
Das am häufigsten erlebte Gefühl in einer Situation, wie etwa im Zug oder in einem Lift, ist die Angst,
keine Kontrolle mehr über sich zu haben,
die Angst, umzufallen und ohnmächtig zu werden,
die Angst, auszurasten
die Angst, dass die Luft knapp wird und man erstickt
die Angst, hilflos zu sein und
nicht flüchten zu können
Diese Angstgefühle werden von Panikgedanken begleitet wie:
Was ist, wenn ich hier nicht mehr rauskomme?
Ich halte das nicht mehr aus.
Ich muss hier raus.
Was denken die anderen, wenn sie mich so sehen?
Ich ersticke hier.
Eine Klaustrophobie wird von einer Reihe sehr unangenehmer Körperreaktionen begleitet. Die häufigsten Symptome sind:
Herzrasen, Herzklopfen
Atemnot
Schwindel
Benommenheit
Schweißausbrüche
Brustschmerzen
Druck- und Engegefühl in der Brust
Und schließlich hat eine Klaustrophobie auch Auswirkungen auf unser Verhalten.
Wir vermeiden es, uns in engen oder geschlossenen Räumen aufzuhalten.
Wenn wir in einem engen geschlossenen Raum sind, haben wir den Drang, wegzulaufen. Wir sind in ständiger Fluchtbereitschaft.
Wir nehmen Beruhigungsmittel oder trinken Alkohol, wenn wir in solche Situationen gehen sollen oder uns darin befinden.
Wir setzen uns bei Veranstaltungen an der Rand oder ganz hinten hin, um schnell flüchten zu können.
Wir suchen ständig nach Fluchtwegen und Fluchtmöglichkeiten.
Wir kontrollieren die Schlösser in Toilettentüren, ehe wir sie verschließen.
Wir treffen Vorsichtsmaßnahmen, um unsere Angst abzubauen. Wir schließen z.B. das Klo nicht ab, prüfen, ob es ein Fenster gibt, gehen nur in Begleitung auf die Toilette oder zu Veranstaltungen.
Wir haben den Drang, Fenster und Türen zu öffnen, wenn wir einen Raum betreten.
Auf welche Ursachen ist die Klaustrophobie zurückzuführen?
Eine Klaustrophobie kann z.B. folgendermaßen entstehen. Wir sind seit längerer Zeit sehr angespannt, weil wir berufliche oder private Probleme haben. Wir haben ein Problem, für das wir keine Lösung finden. Wir fühlen uns überfordert, sind körperlich und seelisch etwas angegriffen und aus dem Gleichgewicht.
Dann passiert es: wir befinden uns in einem geschlossenen Raum und fühlen uns plötzlich unbehaglich und angespannt. Unser Herz schlägt vielleicht schneller, wir fangen zu schwitzen an, wir atmen schwerer. Wir wissen nicht, wieso und warum. Wir hören ängstlich in uns hinein und spüren, wie wir immer unruhiger und angespannter werden. Wir sind verunsichert, fühlen uns mulmig, wissen nicht, was wir davon halten sollen. Wir kommen zu dem Schluss, dass mit uns körperlich etwas nicht stimmen kann. Wir befürchten vielleicht, umzukippen. Je nachdem, um was für eine Veranstaltung es sich handelt, können wir nicht einfach so flüchten. Sei es, dass wir unangenehm auffallen würden oder wir von einer großen Menschenmenge umgeben sind, durch die kein Durchkommen ist. Wir fühlen uns gefangen und der Situation ausgeliefert. Vielleicht können wir aber auch einfach den Raum verlassen, ohne groß aufzufallen. Draußen angekommen sind wir erleichtert, die Symptome gehen zurück, wir werden ruhiger.
Da wir keine Erklärung für unsere unerwartet aufgetretenen Körperreaktionen haben, entwickeln wir eine Erwartungsangst. Werden wir uns wieder so komisch fühlen, wenn wir uns das nächste Mal in einem Raum aufhalten? Passiert uns das noch mal? Wir lernen, geschlossene Räume oder eine große Menschenmenge mit unangenehmen Körperreaktionen in Verbindung zu bringen. Deshalb meiden wir fortan geschlossene Räume und Menschenansammlungen oder können uns darin nur mit größter Anspannung aufhalten, weil wir ständig bereit sein wollen, zu flüchten, wenn sich die Symptome wieder melden.
Haben wir erst einmal angefangen, eine Situation aus Angst zu meiden, dann wird unsere Angst davor immer größer. Das kommt daher, weil wir uns einerseits nicht mehr vom Gegenteil überzeugen nämlich, dass die Situation ungefährlich ist und andererseits, weil wir die Gefährlichkeit in unserem Kopf immer mehr aufbauschen und dramatisieren. Die Angst nistet sich in unserem Denken und Fühlen ein und das umso mehr, je mehr wir solche Situationen zukünftig meiden. Wir haben eine Klaustrophobie eine Furcht vor dem Eingeschlossensein - entwickelt.
Nicht selten führen traumatische Erlebnisse wie ein Unfall, eine Vergewaltigung oder traumatische Erfahrungen bei der Geburt oder in der Kindheit zu einer Klaustrophobie.
Ein Klient erzählte, dass er als 6-jähriger alleine für eine Stunde in einem Aufzug stecken blieb und entsetzliche Angst hatte. Fahrstuhl fahren war für ihn von dort an ein Horror. Ein anderer Klient erzählte, dass sich seine Mitschüler mit ihm einen Spaß erlauben wollten und ihm eine Plastiktüte über den Kopf stülpten. Er wäre beinahe erstickt. Er kam zu mir in Therapie, da er als Ingenieur unter Tage in engen Stollen zu tun hatte und dort regelmäßig Panikanfälle bekam.
Man vermutet, dass Menschen, die eine Klaustrophobie leiden, überempfindlich gegenüber Einschränkungen der Atmung und Luftwege sind. So machen ihnen Sitzgurte, Krawatten oder enge Krägen mehr zu schaffen als anderen.
Immer dann, wenn wir uns in einer Situation total hilflos und ohnmächtig erleben, können wir verständlicherweise eine Angst davor entwickeln. Auch wenn wir uns als Erwachsene nicht mehr bewusst an dieses traumatische Erlebnis erinnern, es ist in unserem Unterbewusstsein gespeichert und die damit verbundenen Gefühle kommen wieder hoch, wenn wir uns in einer ähnlichen Situation befinden.
Wie wird die Klaustrophobie behandelt?
Wenn Sie eine Verhaltenstherapie machen, dann wird Ihr Therapeut mit Ihnen vielleicht nach den Ursachen für Ihre Klaustrophobie forschen. Für die Therapie selbst ist das Wissen um die Ursache für Ihre Klaustrophobie nicht unbedingt erforderlich. Viele Betroffene sind jedoch erleichtert, wenn sie wissen, dass ihre Angst auf eine traumatische Erfahrung zurückzuführen ist und sie nicht verrückt sind.
Ihr Therapeut wird mit Ihnen sicherlich auch über den Zusammenhang zwischen Ihren Gedanken und Gefühlen sprechen. Sie lernen, wie Sie durch Ihre Gedanken Ihre Angst aufbauen und verstärken, aber auch lindern und abbauen können. Und vermutlich wird Ihr Therapeut Sie anleiten, ein Entspannungsverfahren, wie etwa die Progressive Muskelentspannung, zu erlernen. Diese Entspannungstechnik hilft Ihnen, die körperlichen Begleiterscheinungen Ihrer Angst zu reduzieren. Sie können so körperlich gelassener in geschlossene Räume gehen.
Gewöhnlich wird die Klaustrophobie mit der Konfrontationstherapie behandelt. Ihr Therapeut wird Sie ermuntern, sich Ihrer Angst zu stellen, indem Sie sich in die Situationen begeben, in denen Ihre Angst auftritt. Mit Hilfe geeigneter Strategien lernen Sie in diesen Situationen mit Ihrer Angst umzugehen und erleben, dass Sie diese Situationen bewältigen können, ohne dass Ihnen etwas passiert. Sie lernen, geschlossene Räume nicht mehr als Bedrohung anzusehen.
Das Konfrontationstraining ist ein wesentlicher Baustein einer Angsttherapie, wenn nicht sogar der wichtigste. Ziel dieses Trainings ist, dass Sie und Ihr Körper lernen, Ihrem Kopf zu vertrauen. Vom Kopf her wissen Sie, dass es unangemessen ist, in geschlossenen Räumen Angst zu haben. Im Konfrontationstraining lernt auch Ihr Körper, diese Tatsache zu begreifen.
Das Konfrontationstraining stärkt Ihr Selbstvertrauen, angstbesetzte Situationen bewältigen zu können und mit vermeintlich oder tatsächlich gefährlichen Situationen umgehen zu können. Letztlich geht es darum, dass Sie sich das Vertrauen in sich, Ihren Körper und Ihre Fähigkeiten zurückerobern.
Vielleicht steht Ihre Klaustrophobie auch in Verbindung mit einer schwierigen Lebenssituation oder ungelösten Problemen. Dann wird Ihr Therapeut mit Ihnen auch darüber sprechen, wie Sie besser mit Stresssituationen und belastenden Ereignissen umgehen können. Sie lernen Problemlösefertigkeiten und Selbstbehauptungsstrategien.
Video zur Angst vor und in geschlossenen Räumen
Dieser Videoclip ist Bestandteil einer Videoserie zur Klaustrophobie. Alle Video Clips zu diesem Thema, sowie weitere 150 andere Videos zu Angst und Panik, finden Sie beim Expertenrat Video Ratgeber Portal. Um dieses Video anschauen zu können, benötigen Sie die neuste Version des Flash Players von Macromedia. Hier können Sie diesen kostenlos herunterladen.
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