Generalisierte Angststörung - Therapie, Medikamente, Symptome & Ursachen

Generalisierte Angststörung ICD 10

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Die Generalisierte Angst besiegen? (Zukunftsangst)

Etwa 15 Prozent der Deutschen leiden irgendwann in ihrem Leben einmal an einer Form von Angststörung. Das ist relativ viel – trotzdem glauben viele Betroffene immer noch, dass sie mit ihren Ängsten ganz alleine sind. Das stimmt aber nicht, denn sie sind weder die einzigen mit den Symptomen für Panikattacken und Angst, die sehr verschieden sein können, noch ist es bei ihnen unmöglich, die Angst wieder loszuwerden.

Wichtig ist es allerdings, die Form der Angst genauer zu bestimmen und herauszufinden, woher sie kommt und wie sich das Verhalten im Alltag so verändern lässt, dass die Angst keine Chance mehr hat.

Was ist eine generalisierte Angststörung?

Eine generalisierte Angststörung – kurz GAS oder auch Zukunftsangst genannt, äußert sich dadurch, dass die Angst nicht spezifisch ist – die Betroffenen haben also nicht vor bestimmten Situationen, Tieren, Dingen oder Umständen Angst, sondern eine unbegründete, generelle Angst. Angst vor theoretisch möglichen Erkrankungen, Unglücken, dem Jobverlust oder dem Tod sind hier typisch. Die Angst ist hier typischerweise unbegründet, unrealistisch und übertrieben – obwohl beispielsweise das eigene Kind kerngesund und gutgelaunt wohlbehütet in der Schule sitzt, hat der oder die Betroffene unheimliche Angst, es könnte ihm etwas zustoßen. Häufig begleitend sind psychische und körperliche Symptome.

Diagnose – Wie äußert sich die generalisierte Angststörung?

Die Angst ist dadurch gekennzeichnet, dass diese sehr lange andauert – mindestens ein halbes Jahr. Sie wird dann diagnostiziert, wenn sich die Angst an den meisten Tagen äußert und nicht zu kontrollieren ist. Der Betroffene kann die Angst nicht kontrollieren – weder wann sie auftritt, wie häufig sie auftritt und wie lange sie anhält. Normalerweise bezieht sich die Angst auf viele verschiedene Dinge. Der Patient fühlt sich durch die Angst sehr stark belastet und beeinträchtigt und hat auch körperliche Symptome. Mindestens drei müssen es sein, bevor die Diagnose gestellt wird. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass die GAS keine körperliche Krankheit, sondern eine psychische Störung ist. Trotzdem gibt es verschiedene körperliche Symptome.

Symptome

Die körperlichen Symptome sind:

  • Schlafstörungen
  • Schneller Puls
  • Beschwerden mit dem Magen
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Taubheit
  • Schwitzen
  • Unregelmäßiges Herzklopfen
  • Zittern
  • Trockenheit im Mund

Die psychischen Symptome sind:

  • Reizbarkeit
  • Nervosität
  • Anspannung
  • Unfähigkeit, entspannen zu können
  • Aufgewühlt sein

In belastenden Situationen kann sich die Störung verschlimmern. Eine GAS ist nicht mit einer Panikstörung gleichzusetzen! Die Panikstörung entwickelt sich oft plötzlich und ist auch unter jüngeren Menschen sehr verbreitet. Eine GAS hingegen beginnt oft schleichend und trifft tendenziell gerade auch Erwachsene zwischen 30 und 35, wobei ältere Menschen ab 65 weniger häufig betroffen sind. Besonders oft sind aber auch Frauen betroffen. Allerdings gibt es Menschen, die zur gleichen Zeit unter einer Panikstörung und einer GAS leiden. Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie unter der generalisierten Angst leiden, dann machen Sie einen Angst-Test. Suchen Sie sich einen erfahrenen Therapeuten in Ihrer Nähe.

Die Ursachen und Entstehung der Angststörung

Die psychisch bedingte Angststörung wird wohl durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren ausgelöst. Besonders häufig bekommen Menschen diese psychische Störung, die in der Kindheit ein schweres Trauma erlebt haben. Hierbei kann es sich um Missbrauchs- oder Gewalterfahrungen handeln. Aber die Belastung muss nicht bereits in der Kindheit stattgefunden haben, auch im Erwachsenenalter erlebte, sehr schwierige Situationen, können diese auslösen, und das selbst dann, wenn die schlimme Situation selbst bereits überwunden wurde. Dann reichen kleine Alltagsprobleme, die sich früher leicht lösen ließen, um die Betroffenen in einen Teufelskreis der Angst zu führen.

Kinder, Erziehung und Eltern

Wenn Kinder die Welt erblicken, kennen Sie bereits eine Grundangst. Wer Kinder hat, erfährt recht schnell, dass jedes Kind einen eigenen Charakter hat. Manche Kinder sind mutiger, andere ängstlicher. Manche Kinder sind frecher und andere eher schüchtern. Hier prägt das Verhalten und die Erziehung der Eltern maßgeblich die Verhaltensweisen des Kindes. Eltern die Ihrem Kind mehr zutrauen, werden auch eher ein Kind haben, das sich mehr traut.

Nehmen wir das Beispiel des “Laufens”. Zwischen dem ersten und dem zweiten Lebensjahr lernen die Kinder das Laufen. Für die Eltern ist es oft schwer zu ertragen, das Kind los zu lassen. Schnell stellt man sich vor wie das Kind auf dem Boden aufschlägt und sich am Kopf verletzen könnte. Aus diesem Grund halten viele Eltern Ihr Kind dauerhaft an der Hand. Das Kind spürt die Angst der Eltern und verbindet das Laufen mit etwas vor dem man Angst haben muss. Die Folge ist, dass das Kind für lange Zeit die Hand der Eltern sucht. Besser wäre, dem Kind zu vertrauen und es kontrolliert und frei zu begleiten. Natürlich muss das Kind nicht durch Schmerz das Laufen lernen, aber man muss auch den Mut haben, dem Kind etwas zuzutrauen.

Kinder spüren auch, ob ein Elternteil voller Angst oder Sorge ist. Wenn Sie z. B. beim Anblick einer Spinne aufschreien und wegrennen, dann dauert es nicht lange, bis Ihr Kind ebenfalls Angst vor Spinnen hat. Die Erziehung der Eltern begünstigt deswegen maßgeblich die Entstehung einer generalisierten Angststörung.

Genau wie Panikattacken setzt sich die Sorge recht hartnäckig bei den Betroffenen fest. Die GAS kann allerdings auch einem mehr oder weniger ständigen Unglücklich sein ähneln, wenn sie nicht so stark ausgeprägt ist. Dies birgt nicht nur die Gefahr, dass sich die Betroffenen irgendwie mit der Störung arrangieren wollen und sich keine Hilfe suchen, sondern kann auch zu Depressionen führen. Auf die Dauer kann die Angst schlimmer werden und andere Angststörungen hervorrufen. Empfehlenswert ist es also auf jeden Fall, sich Hilfe zu suchen.

Wer sich keine Hilfe sucht, läuft Gefahr, ein Leben lang in seinen Gedanken gefangen zu bleiben, auch wenn sich viele Betroffene der Illusion hingeben, mit der Angststörung doch ganz gut leben zu können.

Was ist der Unterschied zu normalen Problemgedanken?

Jeder Mensch macht sich hin und wieder Sorgen über bestimmte Dinge, hat Zweifel, Ängste und denkt über negative Situationen nach, die eventuell eintreten könnten. Allerdings ist das völlig normal – in einem gesunden Maß. Denn Menschen ohne generalisierte Angststörung sind nicht nur in der Lage, zu beurteilen, ob ihre Ängste berechtigt oder unberechtigt sind, sondern sie können ihrer Angst auch Einhalt gebieten, wenn diese einmal übersteigert ist.

Menschen mit einer generalisierten Angststörung hingegen haben mehr oder weniger immer und ständig Angst. Auch wenn sie selbst wissen, dass ihre Angst gerade unbegründet ist, fühlen sie sich nicht in der Lage, dagegen anzugehen. Die Angst bestimmt ihren Alltag und ihre Gedanken und schränkt sie oft massiv ein.

Therapie und Behandlung – richtig behandeln

Kognitive Verhaltenstherapie

Gute Erfolge erzielt oft eine Behandlung mit der sog. kognitive Verhaltenstherapie, in der Betroffene lernen, inwiefern sie selbst ihre Angststörung positiv oder negativ beeinflussen können, wenn sie bestimmte Gedanken haben oder sich auf eine bestimmte Weise verhalten. Hierbei analysiert diese Form der Therapie jedoch nicht die Vergangenheit. Wichtig ist jedoch, dass der Betroffene selbst bereit ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und einer Behandlung zu stellen. Er oder sie muss erkennen, dass ein Problem vorliegt und dass es Zeit ist, zu handeln. Dann aber gibt es mit Geduld und Arbeit gute Aussichten auf Erfolg.

Sorgenkonfrontation

Die Sorgenkonfrontation wird immer dann eingesetzt, wenn die Gedanken nur noch um Ängste, Sorgen und Panik kreisen. Im Verlauf der Therapie mit einem Therapeuten werden verschiedene Ängste und häufige Sorgen gesammelt. Nun wird aus dieser Liste der Sorgen eine Sorge gewählt. Der Betroffene erarbeitet jetzt gemeinsam mit dem Therapeuten die möglichen und schlimmsten Folgen des Sorgenkonstrukts. Durch die Aufarbeitung und Erzählung der Ängste stellt sich beim Betroffenen ein Gewöhnungseffekt ein und die Bewertung der Situation verharmlost sich. Die ängstlichen Gedanken lassen nach.

Selbsthilfe

Gerade anfangs können auch Selbsthilfegruppen entscheidend weiterhelfen. Auch der Austausch im Psychic.de Selbsthilfe Forum kann Ihnen helfen Ihre Ängste besser zu verstehen. Gute Erfahrungen haben die Betroffenen oft auch mit Entspannungsübungen oder beispielsweise Yoga gemacht. Wichtig ist es allerdings, mit sich selbst Geduld zu haben – von heute auf morgen lässt sich diese Erkrankung nicht behandeln. Nutzen Sie das Forum für den Gedankenaustausch mit anderen Betroffenen.

Medikamente

Eine medikamentöse Behandlung ist teilweise möglich, aber nur eingeschränkt sinnvoll, auch wegen der Nebenwirkungen der Präparate. DAS Medikament, das auf jeden Fall hilft, gibt es zudem nicht.

Eingesetzt werden vor allem Benzodiazepine. Durch die Einnahme verringern sich zwar die meisten Symptome der Angststörung, gleichzeitig besteht aber die Gefahr der Gewöhnung und daraus resultierende Abhängigkeit. Es ist sehr wichtig, dass Sie Benzodiazepine nur in Absprache mit Ihrem Therapeuten einsetzen. Ein Selbstversuch ist unbedingt zu unterlassen. Weiterhin werden Antidepressiva und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eingesetzt. Auch Lyrica findet oft Anwendung. Hier finden Sie Erfahrungsberichte zu Lyrica.

Kann man die Angststörung heilen?

Eine gänzliche Heilung wird selten erreicht aber die Chance auf ein sorgenfreies Leben ist durchaus gegeben. Dieses sorgenfreie Leben wird sich für Sie wie eine Heilung anfühlen. Gedankliche Muster wird man nicht ganz besiegen können aber Ihre Ängste werden Sie nicht mehr beinträchtigen. Demnach sollten Sie berechtigte Hoffnung haben, Ihre Ängste dauerhaft überwinden zu können.

Wer den Verdacht hat, unter einer generalisierten Angststörung zu leiden, sollte sich möglichst schnell Hilfe suchen, um der Störung gar nicht erst die Chance zu geben, sich zu verfestigen. Bei psychischen Störungen spielt das eigene Denken oft eine sehr große Rolle, und je länger negative Denkmuster sich festsetzen können, desto schwerer fällt es, sie abzulegen. Da die Aussicht auf eine erfolgreiche Besserung gut ist, sollte jeder Betroffene nicht lange aus Gründen wie Scham oder Stolz zögern, sich helfen zu lassen.

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