Generalisierte Angststörung

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Was ist eine generalisierte Angst?

Sogen um morgen mache ich mir übermorgen, sagte der Komiker Eddi Arent einmal.

Wenn es doch nur so einfach wäre, sich seiner Sorgen zu entledigen. Menschen, die unter einer generalisierten Angststörung leiden, können ihre Sorgen nicht auf einen anderen Tag verschieben. Die Betroffenen fühlen sich ihren Befürchtungen ausgeliefert und ihre Gedanken drehen sich wie ein Karussel mehrere Stunden am Tag um mögliche Gefahren und Bedrohungen.

Eine generalisierte Angststörung zeichnet sich durch mehrere Monate anhaltende und übermäßige Sorgen und Befürchtungen aus, die sich um alle Lebensbereiche drehen können.

Mal kreisen die Gedanken der Betroffenen um Krankheiten, das Alter, Sterben oder Unfälle, dann um die Kinder, den Partner oder Alltagsereignisse. Eine Frage, die Betroffenen ständig durch den Kopf geht lautet: Was wäre, wenn ...?

Die ständige Beschäftigung mit den vermeintlichen oder tatsächlichen Gefahren bleibt nicht ohne Auswirkung auf das seelische und vor allem das körperliche Befinden. Dieses wird durch die Sorgen sehr in Mitleidenschaft gezogen. Zu den häufigsten Beschwerden zählen Anspannung, Muskelverspannungen, Reizbarkeit, Ruhelosigkeit und Nervosität, Ein-, Durchschlaf- und Konzentrationsprobleme. Häufig verspürte Gefühle sind Angst, verrückt zu werden oder durchzudrehen.

Da die Betroffenen wegen körperlicher Beschwerden zum Arzt gehen und diesem meist verschweigen, dass sie ständig grübeln und sich Sorgen machen, wird ihre Angststörung oft nicht erkannt und sie werden medizinisch behandelt, obwohl sie eher eine psychologische Behandlung bräuchten.

Erste Hinweise, ob Sie unter einer generalisierten Angststörung leiden könnten, gibt Ihnen dieser Angst Test.

Was ist der Unterschied zwischen "normalen" Sorgen und einer generalisierten Angststörung?

Machen wir uns nicht alle von Zeit zu Zeit Sorgen? Sind Sorgen nicht ganz normal? Ja, das sind sie. Gelegentliche Sorgen kennt jeder. Zu den häufigsten Zukunftsängsten zählen die Sorge um den Arbeitsplatz, die Kinder und die Gesundheit, die Sorge, im Alter finanziell nicht abgesichert zu sein oder mit den technischen und beruflichen Veränderungen nicht mithalten zu können.

In der Regel können wir solche Sorgen ausblenden und beiseite schieben, wenn sie auftauchen. Tipps für den Umgang mit "normalen" Sorgen. Sie sind dann vielleicht unterschwellig noch vorhanden, begleiten uns jedoch nicht bewusst Tag ein, Tag aus, belasten uns deshalb nicht sonderlich.

Nicht so bei Menschen, die unter einer generalisierten Angststörung leiden. Die Betroffenen machen sich nicht nur täglich stundenlang Sorgen, sie können diese auch nicht beiseite schieben und ihre Aufmerksamkeit anderen Dingen zuwenden. Sie erleben ihre Sorgen als unkontrollierbar und fühlen sich ihnen ausgeliefert. Kaum ist eine Sorge vorbei, kommt schon die nächste. Die Sorgen reihen sich wie die Perlen an einer Schur aneinander und ergreifen vom Denken der Betroffenen Besitz. Durch die Sorgen wird Angst zu einem ständigen Begleiter.

Welche Ursachen stecken hinter der generalisierten Angststörung?

Man geht heute davon aus, dass sich hinter der generalisierten Angststörung drei Ursachen verbergen:

1. persönliche Verwundbarkeit
Wir werden mit einer hohen Angstbereitschaft geboren. Wir reagieren dabei sensibler auf Veränderungen und richten unsere Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren. Außerdem lernen wir in der Kindheit von den Eltern, Geschwistern und Freunden sowie durch eigene Erfahrungen, wie wir Probleme und mögliche Bedrohungen bewerten, mit ihnen umgehen und wie stark wir unseren Fähigkeiten vertrauen können. Wir nehmen Bedrohungen verstärkt wahr und entwickeln die generelle Einstellung dazu, ob wir Einfluss haben oder ohne Kontrolle sind.
Wir entwickeln die Einstellungen: Die Welt ist gefährlich. Ich bin hilflos, Ereignisse sind nicht kontrollierbar.

2. was die Erkrankung auslöst
Der Stress bzw. die hohe Belastung lösen die Sorgen aus. Wenn unser Leben aus dem Takt gerät, wir in eine Krisensituation geraten – z.B. durch Mobbing, Entlassung, Krankheiten, Operationen oder Partnerschaftskonflikte – dann sind wir gefährdet, an einer generalisierten Angststörung zu erkranken. Auch eine kontinuierlich hohe Stressbelastung, Überforderung oder chronische Schmerzen können die Erkrankung auslösen.

3. was die Erkrankung aufrechterhält
Wir sind Experten darin, nach möglichen Gefahren zu suchen und uns darauf zu konzentrieren: Was könnte alles Schlimmes passieren? Wir sind auf der Suche nach Sicherheit und Kontrolle, die wir nicht bekommen können.
Außerdem schätzen wir unsere Fähigkeiten, mit Problemen umzugehen, sehr gering ein. Hierdurch werden unsere Merk- und Konzentrationsfähigkeit erheblich gestört.

Wir vermeiden alle aus unserer Sicht gefährlichen Situationen und holen uns von unserem Umfeld immer wieder die Versicherung, dass alles in Ordnung ist. Hierdurch nehmen wir uns die Möglichkeit, zu erleben, dass nichts Schlimmes passiert bzw. wir damit umgehen können. Wir unterbrechen unsere Sorgen, um die Angst kurzfristig abzubauen, oder springen von einem Thema zum anderen. Wir glauben, dass es sinnvoll sei, sich Sorgen zu machen, um uns vor überraschend auftretenden negativen Ereignissen zu schützen.

Wie wird eine generalisierte Angst behandelt?

Die beste Therapiemethode für die Behandlung der generalisierten Angststörung ist die Kognitive VT. In einer kognitiven VT lernen Sie, was Angst ist, was Ihre Angst auslöst, welche Rolle Ihre sorgenvollen Gedanken dabei spielen und wie Sie diese ändern können. Und Sie lernen Verhaltensstrategien, um besser mit den täglichen Belastungen umzugehen.

Ein neuerer therapeutischer Ansatz ist die gezielte Sorgenkonfrontation. Zunächst einmal beobachten Sie, durch welche Tätigkeit oder welche Personen Ihre Sorgen ausgelöst werden, welchen Inhalt sie haben, wie stark sie sind, wann sie abnehmen, wann es sorgenfreie Phasen gibt. Sie notieren diese in einem Sorgentagebuch.

Danach üben Sie sich darin, sich mit Ihren Sorgen bewusst zu konfrontieren und sie zu Ende zu denken. Sie erlauben sich, an die Sorgen zu denken und unterbinden Versuche, sich abzulenken und zu meiden. Sie lernen auch, auf Rückversicherung durch andere zu verzichten.

Sie lernen, sich Ihre Sorgen bildhaft und konkret vorzustellen und die damit verknüpften Gefühle, Angst und körperliche Symptome, zu verspüren. Dadurch dass Sie sich immer wieder mit Ihren Befürchtungen konfrontieren, verlieren diese mit der Zeit ihre Bedrohlichkeit. Angst und körperliche Beschwerden lassen nach.

Auch die Konfrontationstherapie wird eingesetzt - beispielsweise, indem Sie sich mit Situationen konfrontieren, die Sie bisher gemieden haben. (Kinder werden nicht alleine nach draußen gelassen. Berichte über Krankheiten werden nicht gelesen. Nachrichten werden nicht gehört)

In der Behandlung lernen Sie auch ein Entspannungsverfahren. Meist empfiehlt der Therapeut die Progressive Muskelentspannung, da dieses Verfahren sehr leicht zu erlernen ist und sehr schnell wirkt. Das Erlernen dieses Entspannungsverfahrens wird Ihnen helfen, Ihre permanente Anspannung und Nervosität zu reduzieren, aber auch um wieder besser schlafen zu können.

Video zur generalisierten Angst

Dieser Videoclip ist Bestandteil einer Videoserie zur generalisierten Angststörung. Alle Video Clips zu diesem Thema, sowie weitere 150 andere Videos zu Angst und Panik, finden Sie im Expertenrat Video Ratgeber Portal. Um dieses Video anschauen zu können, benötigen Sie möglicherweise eine neuere Version des Flash Players, der bei Ihnen installiert ist. Hier können Sie diesen kostenlos herunterladen.


Medikamentöse Behandlung der generalisierten Angst

Ist die Einnahme von Medikamenten sinnvoll? Darauf gibt es eine klare Antwort: Nein. Ihre Angst und die mit der Angst verbundenen körperlichen Beeinträchtigungen werden durch Ihre sorgenvollen Gedanken und Befürchtungen verursacht. Wenn Sie aufhören, sich Sorgen zu machen, haben Sie keine Angst mehr und Ihre körperlichen Beschwerden gehen zurück. Medikamente helfen Ihnen nicht, Ihre Sorgen zu kontrollieren, - das können nur Sie.

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