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201427.04




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Ich bin kein Psychologe, kein Psychotherapeut und auch kein Lebensberater, Coach oder ähnliches und ich will es auch nie sein. Ich bin in erster Linie ein Betroffener, ein Ängstlicher, ein Leidender … nein, halt, ich war es. Von meiner Ausbildung her bin ich Mediziner, aber meine naturwissenschaftliche Ausbildung hat mir bei der Bewältigung meiner Angst überhaupt nicht geholfen. Ich will nur ein paar Wege aufzeigen, die mir sehr geholfen haben mich jeden Tag immer besser und selbstsicherer zu fühlen. Mein Problem war die Sozialphobie, ich bin und war ein sehr kommunikativer und humorvoller Mensch, den diese Angst aus heiterem Himmel und ohne erkennbare Ursache getroffen hatte. In engen Räumen und in Anwesenheit vieler Personen bekam ich plötzlich Herzrasen, verstärktes Schwitzen sowie Zittern und eine erhöhte Atemfrequenz. Oft genug kürzte ich solche Treffen ab mit dem Hinweis auf einen angeblich wichtigen Termin oder ähnliches. Ich war in der „Vermeidungsfalle“, ich verstand zum damaligen Zeitpunkt nicht wie Vermeidung meine Angst verstärken muss und die Situation nur noch schlimmer machte. Ich habe viel zum Thema Angst und Panik gelesen, tagelang und nächtelang, ich wollte alles dazu wissen. Was hat mir also konkret geholfen?

1. Ich verstand, dass ich mein Vermeidungsverhalten unbedingt unterbrechen musste, wenn ich meine Angst jemals unter Kontrolle bringen möchte.

Ich suchte nun ganz bewusst die Situationen auf die mir Angst machten, ich setzte mich der Angst bewusst aus. Das war am Anfang alles andere als leicht, ich hatte ordentlich damit zu kämpfen. Aber ich habe Tag für Tag neu gekämpft und schließlich gewonnen. Wenn man akut von Angst betroffen ist, neigt man zur Flucht und damit zur Vermeidung, weil es einfach kurzfristig eine Besserung bringt. So ein Verhalten ist doch menschlich und verständlich, man sehnt sich nach Erleichterung nach Freiheit von Angst. Ich habe jedes Mal neu gekämpft, es gab Tage da klappte es hervorragend und dann gab es wieder Tage die sehr bescheiden verliefen. Ich blieb aber immer in der Situation bis sich die Angst wieder legte. So wurde die Angst von Tag zu Tag und Woche zu Woche immer geringer, mein Körper lernte, dass mir in solchen Situationen nichts passieren wird, dass ich diese einfach aushalten konnte. Dieser Lernprozess braucht Zeit und ist alles andere als einfach. Aber rückblickend kann ich sagen, dass mir diese tägliche Überwindung wohl den größten Erfolg gebracht hat. Auch wenn man manchmal wieder in ein altes Muster fällt, am liebsten weglaufen würde aus der Situation und es vielleicht sogar tut, bringt es nichts sich dafür zu rügen. Die Lösung muss lauten immer wieder einen neuen Anlauf zu nehmen, niemals aufzugeben. Ich wusste ja, dass dieser Teufelskreis aus „Angst – Vermeidungsverhalten – noch mehr Angst – Angst vor der Angst“, durchbrochen werden muss um aus dieser Angstfalle befreit zu werden. Irgendwann war ich an dem Punkt angelangt an dem ich zwar hin und wieder eine aufkommende Angst verspürte, aber durch die vielen Erfolgserlebnisse der letzten Tage und Wochen konnte ich mich irgendwie beruhigen und schöpfte mehr Selbstvertrauen diese Situation auszuhalten, die Angst legte sich wieder. Dieser Schritt war wohl der Wichtigste um meine Angst zu besiegen.

2. Ich lernte mich selbst zu schätzen, mich selbst zu lieben und anzunehmen wie ich bin, ich lernte mein inneres Selbstgespräch und Selbstbewusstsein zu verbessern.

Es klingt seltsam, aber all die Jahre hatte ich nie gelernt wie wichtig die Pflege meines Selbstbewusstseins und Wohlbefindens für meinen Körper und Geist ist. Ich überlegte mir gründlich, was meine Stärken und was meine Schwächen waren und schrieb diese auf. Ich überlegte mir zu jeder Schwäche was ich dagegen tun könnte oder wer mir dabei helfen könnte. Die Hauptsache war, ich tat etwas dagegen. Ich handelte. Ich ließ mich nicht lähmen von der Angst. Ich lernte mich selber besser kennen. Das klingt wahnsinnig dumm wenn man es das erste Mal liest, da man ja doch seit Jahren und Jahrzehnten in seinem Körper steckt. Man nimmt doch an, man sei die Person die einen am besten kennt. Das war bei mir nicht so. Ich hatte mich jahrelang vernachlässigt, bin im Berufs- und Familienleben aufgegangen, habe jeden Tag 150% gegeben, jeden Nacht- und Wochenenddienst um den man mich gebeten hat einzuspringen habe ich ohne zu Überlegen gemacht, habe in meiner Freizeit junge Kollegen in Diagnostik und Therapie unterrichtet und viel geforscht. Erst als ich zum ersten Mal bewusst darüber nachgedacht hatte, fiel mir auf wie wenig ich mich selbst kenne und dass ich jahrelang nur „funktioniert“ aber nicht „existiert, gelebt“ habe. Es war schmerzhaft, dass alles nun bewusst zu fühlen und ich war sauer auf mich selbst. Wie konnte ich nur als junger, hochmotivierter und idealistischer Mensch nur zulassen, dass ich all die Jahre in meinem Leben diese Ideale immer mehr aufgegeben habe und immer mehr funktioniert habe, so wie es die Gesellschaft, meine Familie und mein Arbeitgeber verlangt. Ich war mir selbst fremd. Es war höchste Zeit sich auf eine Reise zu begeben, zu mir selbst. Ich lernte mich immer besser kennen, arbeitete an meinen Schwächen und baute auch meine Stärken aus, nahm mir mehr Zeit für die Dinge die mir wirklich wichtig waren, setzte mir neue Ziele und gab meinem Leben eine Richtung vor, die meinem neu entdeckten „Selbst“ ganz entsprach. Dieser Schritt war absolut überlebensnotwendig, denn ich kam ins Handeln. Ich war aktiv, ich übte, versuchte, scheiterte, siegte und experimentierte mit neuen Sachen, Techniken und zu Zielen. Ich war in Bewegung, ich ließ mich nicht von der Angst lähmen oder einsperren.

3. Ich legte meinen Fokus auf Erfolgserlebnisse und belohnte mich für erfolgreiche Handlungen.

Dieser Schritt fiel mir fast schwerer als der erste Schritt, mein Vermeidungsverhalten aufzugeben. Wir sehen immer nur die Misserfolge, das Scheitern, die Schwierigkeiten. Unser Gedächtnis ruft uns das immer wieder in Erinnerung, vielleicht als Warnung oder als Schutz? Ich weiß es nicht. Was ich jedoch weiß ist, dass man dieses Denken ändern kann oder zumindest beeinflussen. Tag für Tag habe ich aufgeschrieben, was gut gelaufen ist, habe mich dafür mit Kleinigkeiten belohnt. Immer als ich Rückfälle hatte oder mich nicht sicher fühlte, habe ich meinem „Buch der Erfolge“ gelesen mich erinnert, das hat mir immer wieder Kraft gegeben als ich sie brauchte. Mit der Zeit bemerkte ich wie sich mein Fokus immer mehr auf die positiven Dinge legte und ich mich dadurch immer besser fühlte. Auch mein Umfeld bemerkte diese Veränderung, ich lobte die Menschen um mich herum viel mehr, im Privat- und im Berufsleben. Oft hörte ich das Kompliment: „Bei dir herrscht eine gute Stimmung, da kann man nur motiviert sein.“

4. Ich suchte mir ein Ventil, eine Möglichkeit regelmäßig Druck und Spannung abzubauen.

Ich war immer sportlich aktiv, aber nun erhöhte ich aber die Anzahl meiner Ausdauer- (Lauf-) aktivitäten und auch mein Krafttraining. Immer dann wenn ich mich gestresst fühlte, müde nach einem harten Tag ging ich trainieren. Oft musste ich mich nach solchen Tagen zwingen, hatte wenig Lust dazu. Nach dem Training fühlte ich mich körperlich entspannt, manchmal auch müde - aber genau dieses Gefühl war unheimlich angenehm. Ich spürte wie ich innerlich ruhiger wurde, den Stress wegtrainiert hatte und mich psychisch einfach entspannter fühlte. Dieses Gefühl wollte ich nie mehr missen, es war quasi mein körpereigner Tranquillizer. Ich denke jeder braucht so ein Ventil um Spannung und Entspannung ins Gleichgewicht zu bringen. Manchmal muss man sich an schweren Tagen dazu zwingen, aber es lohnt sich definitiv. Hauptsache handeln und nicht von der Angst lähmen lassen! Es klingt paradox, aber genau an diesen "schlechten" Tagen oder vor "schweren" Tagen sollte man die höhste Dosis im Sport wählen, einfach alles geben, auspowern!

5. Eine Entspannungstechnik einüben, sich dafür bewusst Zeit nehmen, jeden Tag.

Am Anfang versuchte ich Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. Das Autogene Training gefiel mir, Jacobson eher nicht. Aber irgendwie wollte ich mehr, mir war das zu wenig. Ich fing an zu „meditieren“. Anfangs legte ich mich auf eine Matte, schloss die Augen und achtete auf meine Atmung, ich versuchte bewusst etwas länger auszuatmen als einzuatmen und achtete auf meine Bauchatmung. Allein diese einfache Übung entspannte mich enorm, ich führte sie immer 10 Minuten lang durch. Mittlerweile meditiere ich im Sitzen, achte dabei auf den Fluss meiner Atmung oder übe mich in Achtsamkeit (nehme die Gedanken an wie sie sind ohne sie zu verurteilen oder zu werten, lasse sie einfach vorbeiziehen). Ich möchte meine Meditation heute nicht mehr missen! Jeden Tag meditiere ich gleich nach dem Aufstehen 10 Minuten und abends wieder 10 Minuten, mehr Zeit braucht man nicht. Das Wichtigste hierbei ist wie im Sport, die Regelmäßigkeit. Ich bin überzeugt, dass Meditation sich nachhaltig auf unser Verhalten und unser Gehirn wirkt. Sie kostet nichts, kann von jedem/r erlernt werden, kann überall durchgeführt werden, man kann nichts falsch machen. Man muss es nur tun! Man muss wieder mal aktiv ins Handeln kommen, sich nicht von der Angst einschränken lassen. Das zählt, Tag für Tag, Einheit für Einheit. Der Erfolg folgt bestimmt.

6. Manchmal braucht man „Krücken“.

Nicht immer wird es einem gelingen alles selber zu schaffen. Ich hatte das große Glück einen Freund und Kollegen zu haben, der im selben Krankenhaus arbeitet und auch noch Psychiater ist. Es viel mir nicht leicht mich vor ihm zu öffnen und alles zu erzählen, obwohl wir uns seit dem Studium kannten. Ich habe ihm von meinem Problem erzählt, er hätte damals gleich mit einer medikamentösen Therapie (SSRI) begonnen in Kombination mit einer Psychotherapie. Ich hatte damals SSRIs abgelehnt und auch der Psychotherapie bin ich etwas skeptisch gegenüber gestanden. Wir haben uns mehrmals zu informellen Gesprächen getroffen, das war alles sehr locker und hatte nie einen Therapie-Charakter. Ich denke, dass mir seine offene und verständnisvolle Art sehr geholfen hat um mich zu öffnen und meine Probleme zu erkennen. Rückblickend hätte ich vielleicht einer Psychotherapie sofort zustimmen sollen und auch die medikamentöse Therapie macht Sinn, gar keine Frage, aber ich bin meinen Weg etwas anders gegangen. Auf jeden Fall sollte man sich Hilfe holen, von einem Experten. Es tut schon gut, wenn man nur einer Person von seinen Problemen erzählen kann, die seelische Last wird dadurch viel leichter.

Zum Schluss noch eine Bitte:

Bitte keine Selbstmedikation mit welchen Medikamenten auch immer durchführen! Egal ob Johanniskraut oder Benzodiazepine. Auch das vermeintlich sanfte Johanniskraut kann mit vielen Medikamenten wechselwirken und teilweise nicht ungefährliche Zustände auslösen (ich spreche aus Erfahrung, habe ich schon oft in unserer Ambulanz erlebt). Sucht euch einen Fachmann, er wird mit euch gemeinsam den für euch passenden Weg finden und entscheiden ob überhaupt Medikamente notwendig sind. Manchmal können Medikamente echte „Lebensretter“ sein, aber ihre Anwendung und Verschreibung gehört in die Hände eines Fachmanns und bei aller Sympathie und Wertschätzung für den Beruf des Hausarztes, ein Hausarzt ist kein Facharzt für Psychiatrie und damit kein Fachmann. Lasst euch aber auch zuerst körperlich durchchecken, oft steckt z.B. ein Schilddrüsenleiden dahinter, das man ganz leicht und ohne viel Aufwand beseitigen kann.

Zusammenfassend kann ich noch sagen:

Die Angst hat mir natürlich viele unschöne, traurige und zornige Momente beschert, aber…
Ich denke nicht, dass ich mich ohne die Angst jemals so genau mit mir „selbst“ beschäftigt hätte. Ich hätte nie so viel über mich erfahren und nie so viel in meinem Leben geändert. Die Angst war für mich wohl ein „Stopp-Schild“, mein Körper wollte mir wohl deutlich zeigen, dass ich meinen Weg überdenken und ändern soll. Ich hätte nie so viel über die menschliche Psyche gelernt und auch nie so deutlich meinen Blickwinkel geändert. Heute fühle ich mich richtig gut, hin und wieder (ganz selten) meldet sich die Angst noch, aber in so einem Maß, dass ich sie ganz leicht kontrollieren kann, die Anspannung kann ich heute lösen. Die Angst hat mir geholfen Patienten mit Ängsten und Panikattacken besser zu verstehen, ich wurde was psychiatrische Symptome und Leiden betrifft empathischer, früher waren mir solche Schilderungen von Patienten nur eine Randnotiz wert, heute ist mein Bild vom Patienten ein ganzheitliches.


Meine Geschichte soll euch Mut und Hoffnung machen, mein Freund und Kollege hatte die Idee, dass ich meinen Weg hier in diesem Forum teile und das tue ich gerne. Gebt niemals auf, ich habe auch gekämpft, manche Kämpfe verloren aber letztendlich eine Menge in meinem Leben gewonnen. Meine Geschichte ist kein Ratgeber und keine To-Do-Liste, ich wollte nur zeigen und hinweisen wie es mir gelungen ist, vielleicht könnt ihr ja den einen oder anderen Tipp auch für euch umsetzen. Lasst euch von kleinen Niederlagen auf eurem Weg nicht entmutigen, ich hätte auch 100.000 Mal auf meinem Weg aufgeben können, aber ich habe immer wieder einen neuen Anlauf genommen. Angst kann jeden und jede von uns treffen, aber wir sind ihr nicht machtlos ausgeliefert, wir können uns entscheiden zu kämpfen und unser Leben zurückzuerobern. Jeder einzelne Kampf lohnt sich!

Ich wünsche euch alles Gute, niemals aufgeben, es lohnt sich!

P.S.: Falls ihr Fragen habt, könnt ihr mir gerne eine Nachricht schreiben oder hier posten. Ich bin kein Experte auf dem Gebiet, aber ich kann von meinen Erfahrungen berichten.

Auf das Thema antworten
Danke82xDanke


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  27.04.2014 20:29  
Hallo Hannes.g,

Ich habe eben kurz quer gelesen und danke dir sehr für deinen Hoffnung machenden Bericht, so etwas brauchen wir hier! Ich gehöre zwar zu den " Hypos", aber das ist ja letztlich auch egal.
Dir weiterhin alles Gute, jetzt werde ich " en détai l" lesen, freue mich schon,

liebe Grüße,
Charly



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  27.04.2014 20:58  
Hallo hannes,

erstmal danke für deinen ausführlichen Bericht und ich finde es einfach super, von deinen Erfahrungen zu schreiben im Umgang mit der Angst und das ist sehr ermutigend.
Auch ich wende seit Jahren Autogenes Training an und freue/belohne mich für meine Erfolgserlebnisse. Sport mache ich auch regelmäßig und Yoga und das stärkt auch mein Selbstvertrauen, indem ich auch konsequent dranbleibe. Mit Niederlagen hatte ich auch schon zu kämpfen und bin bereits bei einer guten Psychologin und einem Psychiater, die mir hilfreich zur Seite stehen.

Auf jedem Fall lohnt es sich, niemals aufzugeben. Das kann ich nur bestätigen.

Alles Gute auch für dich bei deinem weiteren Weg!



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  27.04.2014 21:06  
Hey Hannes,

vielen vielen Dank für den tollen Beitrag! Das ist ein sehr guter Weg! Ich bin ihn selber zum großen Teil gegangen, nur das Aushalten fällt mir noch schwer. Nun habe ich gerade selber mal wieder einen Rückfall, aber vielleicht ist es, wie du sagts, einfach ein Zeichen mich mal wieder etwas mit meinem Leben und mir auseinander zu setzen

Liebe Grüße
Keks



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Mittelfranken
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  27.04.2014 23:00  
Herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Bericht!

Deine Worte machen sehr viel Mut, und ich kann vieles was Du beschreibst unterstreichen.

Leider gibt es manchmal nach vielen erfolgreichen Jahren auch wieder heftige Rückschläge. Und manchmal klappen auch die bewährten Techniken nicht.

Aber Du hast völlig recht: niemals aufgeben!

Danke und Dir ganz viel Glück und Gesundheit :)



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  28.04.2014 13:57  
@
hannes und natürlich wer sich angesprochen fühlt

Dein ausführlicher Bericht hat mich sehr angesprochen, allerdings wüßte ich gern deine Meinung und Erfahrung zu einigen Aspekten.
Ich habe schon sehr, sehr lange hypochondrische Ängste, die so aussieht, dass ich meinen Körper und seine Funktionen akribisch beobachte und im Grunde vergeht kein Tag, an dem es nicht hier und da zwackt, was völlig normal ist, denn ich LEBE.
Diese Einsicht kann ich zwar kognitiv erfassen, die Emotio hinkt da aber hinterher...Ich habe kein Vertrauen in meinen Körper, der mich all die Jahre ( bin immerhin schon 45 Jahre alt) nie im Stich gelassen hat, ich war nie groß krank.

Es ist also einmal die Angst etwas zu haben, aber da ist auch die große Angst zum Arzt zu gehen, sprich vor einer schlimmen Diagnose. Ich hatte in frühester Kindheit ein traumatisches Erlebnis bei einem Arzt, ferner übervorsichtige Eltern.... das kann eine Erklärung sein, muss aber nicht. Ich meine also, die Faktoren zu kennen, die zu meiner Angst geführt haben.
Ich habe mich natürlich gefragt, woran es liegen kann, komme aber auf keine befriedigende Antwort, weiß auch gar nicht, ob das notwendig ist, Fakt ist, ich muss damit hier, jetzt, im Moment damit klar kommen.
Zusätzlich kommt noch hinzu, dass ich mich selbst für die Ängste verurteile, mir wie ein Bittsteller bei den Ärzten vorkomme, wobei mir das nie wirklich widerfahren ist.

Bei dir geht/ging es ja in erster Linie um eine Sozialphobie, bei mir sind es ausschließlich Krankheitsängste, niemand würde denken, dass ich diese Ängste und Kämpfe ausfechte.
Konkret frage ich mich, wie das richtige Verhalten aussehen soll, wo vermeide ich? Das körperliche Symptom ist da, die Panik folgt auf den Fuße, selten schaffe ich es mich allein zu beruhigen, ich brauch die Beruhigung von außen, am liebsten von einem Arzt, vor dem ich widerrum panische Angst habe.
Oft lande ich dann dort, habe mich dann aber immer schon Tage, Wochen mit meiner Angst abgekämpft, weil ich ja die Angst AUSHALTEN will (bin dann völlig fertig) und nicht vermeiden möchte, indem ich zum Arzt gehe. Ist das aus deiner Sicht richtig? Ich will auf der einen Seite meine Angst vor körperlichen Symptomen aushalten, auf der anderen Seite die Panik, wenn ich mich entschließe zum Arzt zu gehen.....und die eigene Verurteilung.

Wie konfrontiert man sich, deiner Meinung nach (als Betroffener und aus deiner medizinischen Praxis heraus) am Besten als Hypochonder? Die Beruhigung beim Arzt hält ja auch nicht lange, vielleicht einen Tag...... :shock:
Wo liegt bei mir die Vermeidung? Ich bewältige mein Leben nach außen sehr gut, innerlich ist der Teufel los. Symptome alle aussitzen, notfalls etwas Gravierendes/ Übersehendes in Kauf nehmen? Habe ich bisher nicht geschafft.

Wer nicht kämpft hat schon verloren, das ist meine Einstellung, daher habe ich zwecks besserem Verständnis meiner Angst inzwischen auch eine therapeutische Ausbildung, auch die Entspannungstechniken sind mir geläufig, ich wende sie aber nicht konsequent genug an, da hast du mich wieder sehr motiviert, heute morgen habe ich seit Wochen wieder einmal meditiert und es tat mir sehr gut.

Ich hoffe, dich nicht zu sehr zugetextet zu haben und würde mich über eine Rückmeldung ganz doll freuen!

Liebe Grüße,

Charly

Danke1xDanke


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  28.04.2014 14:18  
wow hannes..danke für deine Zeilen...lese es mir gleich nochmal in ruhe durch..es spricht mich auch sehr an und vlt hilft es mir auch etwas..mache mir ganz lange Gedanken um das Thema..was helfen könnte etc..Therapie und Medis kann nur begleitend sein..ändern müssen wir selber was..nur oft weis man nich genau wie und wo..

du arbeitest in einer Ambulanz?

@Charly was du schreibst kenne ich zu gut..auch mit keine Vetrauen in den eig.Körper haben..bin gerade dabei dies wieder aufzubauen,wie generell das Selbstvertrauen..

lg
Fee

Danke2xDanke


  28.04.2014 14:24  
Danke , Hannes

das war eine perfekte Zusammenfassung in sehr übersichtlicher Form.

Betroffene sollten sich das ausdrucken und immer mal wieder durchlesen und dran bleiben.

Super geschrieben und sehr hilfreich.

Danke1xDanke


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  28.04.2014 14:56  
@Fee

Ich versuche das mit dem Vertrauen in den eigenen Körper nun auch schon etwas länger..... :wink: Spaß muss sein, trotz der ernsten Problematik.
Ich habe soviel ausprobiert, Therapien, Medikamente, positive Affirmationen,Sport, weiß der Kuckuck was noch.

Das, was ich noch nicht oder nur in Ansätzen "geschafft" habe ist, Symptome auszusitzen. Ich habe es immer wieder versucht, über Wochen, dann ist da irgendwann der Zeitpunkt, an dem ich sprichwörtlich zusammenbreche, weil ich dem selbst auferlegten Druck, nämlich den Arzt NICHT aufzusuchen, nicht mehr standhalten kann: Ich esse nicht mehr, kann soziale Kontakte nur unter größter Anstrengung aufrecht erhalten, bin permanent hypernervös ein Flattergestell......und gehe dann zum Arzt. Dann kommt zwar die kurzfristige (riesengroße) Erleichterung, gleichzeitig die Trauer darüber, es wieder nicht geschafft zu haben und dann auch recht zuverlässig neue Symptome.
Wie gehst du es an, Fee?



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  28.04.2014 15:28  
Charly..schreibe dir später nochmal genauer dazu..

ich versuche dennoch "normal" zu essen..auch trotz Gedanken..bzw sage mir,es sind nur meine gedanken,es passiert nichts..ich hab hunger,es schmeckt mir etc..auch mit positiven sätzen,aber auch das ich nich weiter abnehmen darf..da ich ca 56 kg habe...

bis später

stelle dir mal ein stück kuchen hin..vlt magst ja und :kaffee:

lg
Fee

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