@Cassiopeia und
@Steef
Lt. meiner Therapeutin ist die Reihenfolge:
- Trigger/Erinnerung (oder einfach nur der Gedanke daran, dass etwas mit einem "nicht stimmt")
- Bewertung (unbewusst)
Diese 2 Punkte laufen aber in Millisec.schnelle ab und auf darauf hat man bewusst keinen Einfluss. Erst danach kommt der Punkt, an dem man ansetzen kann...(Wobei man sagen muss, hier fühlt man sich ja meist dann schon schlechter, unruhig, grummeln etc.)
- unangenehme Gedanken, Gefühle treten auf und die bewusste Bewertung wie zB "Oh nein, jetzt geht das schon wieder los...gleich kriege ich keine Luft...etwas stimmt mit mir nicht..."
An diesem Punkt geht dann die Gedankenspirale los. Ich dachte vorher immer, das sei auch mein Problem. Aber das ist es nicht. Denn das ist die Reaktion auf die eigentlich "normal" empfundene Angst. Denn ja, wir dürfen vor ihr Angst haben, denn es fühlt sich ja auch nicht schön an (ich vermeide bewusst das Wort "nicht auszuhalten", wie ich es sonst immer getan habe).
Also soll die Angst doch da sein, wenn es doch sonst ein gesundes, uns schützendes Gefühl sein soll.
Also handel ich auch wie ein gesunder, mich schützen wollender Mensch und lasse sie zu.
Mir hilft es halt unwahrscheinlich gut, meinen Ratgeber über die ACT-Therapieform zur Hand zu nehmen und das ganze zu verinnerlichen und festigen. Momentan sitze ich fast täglich 30-60 Minuten mit dem Buch in aller Ruhe zu Hause. Mir fällt dann immer ein Stein nach dem anderen vom Herzen.
Und obwohl es mir schon einmal vor 10 Jahren so gut geholfen hatte, bin ich halt auch wieder vor einem halben Jahr krass in die Attacken reingerutscht. Danach kam auch noch eine depressive Verstimmung hinzu, weil ich dachte, nichts kann helfen und mit diesem Zustand ist das Leben doch nicht lebenswert.
Es erfordert super viel Mut, sich einfach ruhig hinzusetzen und in sich hineinzuhorchen.
Konkret:
Ich setze mich zu Hause hin, mache die Augen zu, fühle, was es zu fühlen gibt. Ich rede dann sogar oft mit der Angst

"Du darfst da sein. Ich lasse dich zu, weil du ein mir nützliches Empfinden bist. Und gerade schlägt mein Herz, ich schwitze, es kribbelt im Körper, ich fühle Schmerz, Traurigkeit. Ich lasse dich zu. Du bist ein ganz normales Gefühl und die Empfindungen darauf sind die Antwort darauf, dass mein Körper auch ganz normal, also gesund darauf reagiert"
Natürlich geht das nicht immer. Wenn ich im Auto sitze, dann muss ich mich schon auch auf´s Fahren konzentrieren. Oder im Supermarkt kann ich mich auch nichts´aufs Kühlfach setzen und einfach mal chillen
In solchen Situationen sage ich mir dann, dass es nur Gedanken und automatische Bewertungen sind. Schön. Dann sind sie as eben. Die gehen ja auch wieder. Wie so alles in der Natur ihren Fluss hat.
Kein Gedanke bleibt für immer

Sie wandeln sich immer.
Aber mir hilft auch die Erkenntnis, dass ich in guten Phasen die Angst vor der Zukunft gar nicht so spüre, wie in den unruhigen Phasen.
Also treffe ich auch nur noch Entscheidungen, wenn es mir gut geht. Wenn die Angstbrille nicht auf der Nase. Lerne dadurch also die Angst nicht ernster zu nehmen, als sie ist. Eine Art Konfrontationstherapie wahrscheinlich.
Aber ganz ehrlich, für mich war das ein Weg. Mir scheint jetzt nicht plötzlich die Sonne aus dem Po und alles ist wieder Friede, Freude...

Aber ich bin auf dem richtigen Weg und durch diese Erleichterung, die sich einstellt, wenn ich das Gefühl abfließen lassen und es von alleine Tschö sagen konnte, ist meine Heilung. Anstatt dass ich sie durch Ablenkung vermieden habe.
Es stellt sich nicht von heute auf morgen ein. Man braucht Übung und Geduld. Vor allem, jedes mal aufs Neue entscheiden, dass es okay ist.
Ich habe aufgehört zu googlen...hier der Ansatz, da der nächste...da schwirrt einem ja nur der Kopf. Ich konzentriere mich wieder auf mein Buch über die ACT-Therapie und versuche mir zu vertrauen.
@Cassiopeia
Hast du dich vorher einmal körperlich durchchecken lassen und alles ist in Ordnung?
Also wie geschrieben, ich deute die körperlichen Empfindungen (zB Herzrasen) nun nicht mehr als etwas, das mich verrückt macht oder mich sterben lässt. Denn es ist ja gut, dass das Herz klopft

Dein Herz als Organ unterscheidet nicht, ob es durch sportliche Anstrengungen rast oder durch Angstgefühle. Von daher ist es absolut natürlich, dass es rast. Egal ob durch Aufregung oder durch Sport. Ich habe durch Sport gelernt meinem Körper wieder zu vertrauen.
Und auch durch die Erkenntnis, alles normal (Ja, "normal" ist ein relativer Begriff

aber nur der Verständlichkeit halber nutze ich ihn trotzdem.
Das Schwierige ist, unser Kopf lernt mit jeder Ablenkung, dass sie ja auch hilft und so fallen wir immer wieder in die alten Muster und wollen etwas verdrängen, bekämpfen, was eigentlich gar nicht bekämpft werden muss.
Solche Erkenntisse sind jedoch ein Prozess. Der Prozess entsteht durch Übung und der Auseinandersetzung damit. Diese Zeit muss man sich nehmen, immer und immer wieder...bis es automatisch in einen übergeht.
Nichts klappt auf Knopfdruck. Also auch wichtig: Gaaanz viel Geduld mit sich selbst.
Rückschläge gehören zum Lernen dazu, oder?

Aus Rückschlägen lernen wir doch erst.
Und wichtig: Ja, Angst wird immer wieder mal auftreten. Das kann man nicht verhindern. Natürlich und mittlerweile kann ich sagen, Gott sei Dank. Denn sie schützt mich, ist also ein Freund.
Ich hoffe so sehr, dass ich euch damit etwas Mut zusprechen kann. Man muss quasi gnädig zu sich werden. Aber das stellt sich von alleine ein. Vieles stellt sich von alleine ein, man muss nicht ständi an sich den Gedanken und Gefühlen rumschrauben.
Der Ursprung unseres Leidens ist die Angst, nicht das was darauf folgt (Gedankenspirale...Kopfkino...)
Zulassen.
Mitgefühl zu sich selbst . (Die meisten haben vieles hinter sich bringen müssen an Schmerz in der Kindheit etc...)
Geduld.
Ein Buchtipp zum Mitgefühl mit sich selbst habe ich noch .
Aus diesem Mitgefühl heraus schaffen wir einen besseren Zugang zu weicheren Gefühlen uns selbst gegenüber im Gegenteil zu den harten Gefühlen der Verdrängung "Ich will das nicht." usw.
Dieses Buch hat mir geholfen mich in Geduld und Mitgefühl mit mir und den Ängsten zu üben.
Mich hat es darin unterstützt die Akzeptanz zu üben:
Selbstmitgefühl von Kerstin Neff
Und meine persönliche Bibel

Akzeptanz- und Commitment-Therapie für Angststörungen von Georg H. Eifert & John P. Forsyth
aufhören zu googlen und sich verrückt zu machen
Durch das Durchleben der Angst (dem Ursprung unseres Leidens) löst sich bei mir der Rest, von dem ich auch dachte es sei mein Problem, in Luft aus (Angstsprale, Kopfkino). Denn die Akzeptanz hat dem Rest den Nährboden weggenommen.
Ich wünsche euch einen schönen Tag. Hier in NRW hat der Sturm ganz schön getobt. Bleibt schön vorsichtig
