05. Februar 2012
Sonntag
So ich melde mich mal wieder, in letzter Zeit ist ziemlich viel passiert. Ich habe wieder einen 4-Wochen Schulblock auf der Altenpflegeschule hinter mir und diese 4 Wochen hatten es in sich, vorallem die letzten 2. Aber ganz von vorne: Ich habe mich beim Therapeuten vorgestellt und bin jetzt fest für die Therapie angemeldet. Wann ich meinen ersten Termin habe, weiß ich im Moment nicht genau, aber ich freue mich darauf - auch in der Hoffnung dass sich dann endlich etwas ändert. Und das Chaos in meinem Kopf wieder ein bisschen Ordnung bekommt
Dann kam gestern vor genau zwei Wochen mein Opa, der bei uns im Haus wohnt ins Krankenhaus mit Verdacht auf Schlaganfall. An sich habe ich das recht gut aufgefasst, vielleicht auch durch meine Erfahrung aus dem Rettungsdienst. Jedenfalls wurden dann zahlreiche Untersuchungen gemacht und es hat sich heraus gestellt dass es kein Schlaganfall war. Diagnose Gallensteine und verengter Gallengang

Gallensteine wurden entfernt und der Gang geweitet. Blutzuckerwerte waren konstant über 400mg% bei bekannten Diabetes Typ 2

Insulinpumpe. Hat auch alles gut funktioniert und alles sah gar nicht so schlimm aus. Nach ein paar weiteren Untersuchungen kam dann aber alles anders. Auf einmal hieß es wir sollen den "Familienrat" einberufen und uns auf schwierige Zeiten gefasst machen. Ich verstand zunächst gar nichts. Vorgestern also am Freitag kam er dann wieder nach Hause. Als ich dann den Arztbrief mit sage und schreibe 18

Diagnosen gelesen hatte, verstand ich die ganzen Umstände

Bauchspeicheldrüsenkrebs, Gallenkrebs, befallene Leber, Hautkrebs und Metastasen in der Lunge. Herzinsuffizienz, beginnende Demenz... Das war also mein Opa jetzt. Ich versuchte so gefasst wie möglich damit umzugehen schließlich lernte ich Altenpflegerin und wusste wie man in solchen Situationen reagieren sollte. Meinem kleinen Bruder haben wir nichts gesagt, genauso wenig meiner Oma, beide würden sich psychisch kaputt machen. Mein Vater hat jetzt unglaubliche Angst seinen Vater, also Opa zu verlieren. Und meine Mama die hat einfach nur Angst dass sie ihn eines Morgens leblos irgendwo liegend findet. Und ich?!

Ich dachte ich habe mich im Griff aber die heutige Nacht hat mir gezeigt wie mein Unterbewusstsein diese Tatsache wirklich aufgenommen hat. Ich hatte einen schrecklichen Albtraum in dem ich meinen Opa sterben sah am Boden liegend mit blauen Flecken überall am Körper und niemand konnte ihm helfen ich habe im Traum geweint und als ich aufgewacht bin - habe ich ebenfalls geweint.

Jetzt wusste ich also wie es mir damit ging und ich wusste auch dass ich es nicht so einfach wegstecken würde wenn er - wie die Ärzte voraussgesagt hatten - in den nächsten 3-6 Monaten versterben würde. Mein Opa, der für seine "kleine" immer der zweite Vater war...
Ja und jetzt zu meinem Vater. Er hat Mama versprochen nichts mehr zu trinken, aber wie zu erwarten hat er es doch getan - heimlich. Fast täglich wird es schlimmer mit ihm. Er wird total vergesslich, schläft viel, frägt sehr oft nach wenn man ihm etwas erzählt, ist antriebslos, depressiv, launisch, jammert viel über körperliche Beschwerden, fühlt sich immer gleich persönlich angegriffen und merkt eigentlich gar nicht wie unerträglich er manchmal ist.

Mama geht es damit beschissen (tut mir Leid für die Ausdrucksweise) Sie weint oft, versucht aber trotzdem noch i-wie die Familie zusammen zu halten, vorallem meinen kleinen Bruder so gut es geht aus diesem ganzen Hin-und-Her herauszuhalten bzw. abzuschotten, was aber nicht immer klappt. Sie hat ihn zur Rede gestellt und gesagt er soll eine Therapie machen, aber er streitet alles ab und sagt er ist nicht krank bzw. hat keine Probleme...

wie es jetzt weitergehen soll bzw. wird, weiß nur der liebe Gott - abwarten.
Jetzt zu mir. Der Rettungsassistent hat mich am 19. Januar ganz spontan besucht. Es war sehr schön ihn wieder zu sehen. Zurzeit muss er viel arbeiten und wir sprechen uns kaum noch. Aber wenn wir beide wieder Zeit haben werden wir uns wieder sehen. Das ist aber nur ein kleiner Trost im Gegensatz zu dem was sonst in meinem Leben passiert.

Ich möchte nicht mehr in die Arbeit weil dort eine komplette Umstrukturierung ist und das Arbeitsklima so schlecht, außerdem überlege ich nach dem ersten Jahr auf Krankenpflege umzusteigen. Des weiteren habe ich mich wieder selbst verletzte, in der Schule, während des Unterichts

und ich weiß nicht mal warum. Meine Kopfschmerzen bringen mich zur Verzweiflung deswegen nehme ich starke Schmerzmittel. Mein Neurologe hat Angst dass ich in die Medikamentensucht abrutsche. Es kann keine Ursache für meine Kopfschmerzen gefunden werden und das Motto zu diesem Thema von den Ärzten ist einfach nur "sie müssen damit lernen zu leben" -
DANKE AUCH
Was soll ich da noch groß sagen??? Im Moment ist einfach jeder Tag eine neue Herausforderung und ein neuer Kampf gegen alle anderen, gegen meine Schicksale und am allermeisten mit mir selbst. Der Kampf der darüber entscheidet, ob ich aufgebe oder weitermache...