Ursachen der Erythrophobie
Das Erröten selbst macht keine Angst. Die Angst vor dem Erröten entsteht erst durch unsere Bewertung. Erst wenn wir das Erröten als furchtbar, als Versagen oder als peinlich bewerten, bekommen wir Angst vor dem Erröten. Eine Errötungsangst beginnt meist mit einem Erlebnis, das wir als sehr peinlich erlebt haben. Wir waren in einer Situation, in der wir rot wurden und in der sich andere vielleicht über uns lustig gemacht haben. Wir fühlten uns erniedrigt und gedemütigt. Vielleicht haben die anderen auch gar nicht negativ reagiert, wir haben jedoch das Erröten als so peinlich erlebt, dass wir uns in Grund und Boden geschämt haben und daraufhin eine tierische Angst entwickelt haben, uns nochmals so zu blamieren.
Je mehr Angst wir jedoch vor dem Erröten haben, umso häufiger erröten wir auch und das Problem wird immer größer. Die Angst vor dem Erröten ist quasi das Benzin, das wir in die Glut kippen und das die Flammen erst so richtig entfacht. Es entsteht ein Teufelskreis, eine Art Kettenreaktion, aus ängstlichen Gedanken und daraus resultierenden Stressreaktionen unseres Körpers.
Eine Klientin sagte:
Je mehr ich versuche nicht rot zu werden, je mehr Angst ich davor habe, umso intensiver und länger dauert solch eine Rot-Phase dann auch an. Es ist einfach ein scheiß Teufelskreis, aus dem ich dann nicht mehr rauskomme.
Schauen wir uns diesen Teufelskreis näher an.
Wir wissen: Wenn uns jemand beobachtet, wenn wir im Mittelpunkt stehen, wenn wir ein Referat halten sollen, wenn die Aufmerksamkeit auf uns gerichtet ist, dann neigen wir zum Rotwerden.
Sobald wir in einer solchen Situation sind oder uns auch nur vorstellen, in einer solchen Situation zu sein, haben wir Angst, zu erröten.
Aufgrund dieser Angst sind wir nervös, aufgeregt und unsicher. Wir stehen gewissermaßen ständig unter Strom. Dadurch steigt unser Blutdruck, unser Herz schlägt schneller und wir spüren, wie eine Wärme in uns hochsteigt und sich das Erröten langsam anbahnt. Wir sagen uns "Jetzt bloß nicht rotwerden" und sofort merken wir, wie die Hitze in unser Gesicht schießt oder sich hektische Flecken bilden.
Wir kämpfen verzweifelt gegen das Rotwerden an, aber dadurch verstärken wir es erst recht und sind nun überzeugt, dass wohl auch der letzte Anwesende gemerkt hat, dass wir rot und unsicher sind.
Jetzt versetzen wir uns in Angst darüber, was die anderen wohl über uns und unser Rotwerden denken. Wir schämen uns und haben Angst, von den anderen auch noch auf unser Rotwerden angesprochen zu werden.
All diese Reaktionen laufen wie eine Kettenreaktion ab. Ängstliche Gedanken und Körperreaktionen schaukeln sich automatisch und in Sekundenschnelle gegenseitig hoch. Ist die Kettenreaktion erst mal in Gang gesetzt, können wir sie kaum noch unterbrechen. Sie hat eine Eigendynamik, die sich scheinbar unserem Einfluss entzieht. In einer Therapie lernen Sie, diese Kettenreaktion zu unterbrechen und zu verhindern, indem Sie lernen, Ihre angsterzeugenden Gedanken zu kontrollieren.
Gibt es Denk- und Verhaltensgewohnheiten, die eine Angst vorm Rotwerden fördern?
Ja, die gibt es. - Je geringer unser Selbstwertgefühl ist und je wichtiger uns die Meinung anderer ist, je mehr Sorgen wir uns darum machen, was andere wohl über uns denken könnten, umso mehr Angst haben wir vor dem Rotwerden. D.h. je größer unsere Angst vor Ablehnung ist, umso mehr Angst haben wir auch, dass andere uns aufgrund des Errötens ablehnen und umso mehr Angst haben wir natürlich vor dem Erröten.
- Auch die verständliche Neigung, uns ängstlich zu beobachten und unseren Körper nach ersten Anzeichen des Errötens abzusuchen, - um dieses zu verhindern - fördert die Neigung zum Erröten, da wir dadurch schnell eine Kettenreaktion aus Angstgedanken und körperlichen Reaktionen auslösen.
- Wenn wir Perfektion von uns fordern, dann setzen wir uns unter Druck. Und hohe Anspannung erhöht die Wahrscheinlichkeit des Errötens.
Eine Betroffene schrieb:
Während einer Unterrichtsstunde in der Fahrschule wurde ich plötzlich vor allen anderen Fahrschülern puterrot, als ich eine ganz leichte Frage nicht beantworten konnte. Das war mir entsetzlich peinlich. Alle haben über mich gelacht. Seit dieser Zeit traue ich mich kaum noch unter Menschen. Das Erröten wird immer schlimmer. Was soll ich nur tun?
Ich habe ihr geantwortet:
Auch wenn Sie es vielleicht nicht glauben können, unter der Angst vor dem Erröten leiden viele Menschen. Das Erröten ist eine ganz normale Reaktion wie Lachen oder Weinen. Wir erröten z.B. bei Aufregung, Wut und Scham. Unser Körper errötet, weil seine Körpertemperatur angestiegen ist und er sich wieder abkühlen möchte.
Im Grunde ist nicht das Erröten das Problem, sondern dass Sie es als peinlich bewerten. Sie glauben, sich deshalb vor anderen zu blamieren und lächerlich zu machen. Und wenn Sie sich selbst wegen des Errötens ablehnen, dann müssen Sie natürlich vermuten, dass andere es ebenfalls tun. Nun mag es sein, dass der eine oder andere Ihr Erröten in der Fahrschule bemerkte und als belustigend ansah, aber ganz sicher nicht alle Fahrschüler. Selbst aber wenn alle anderen es Ihnen als Schwäche auslegen sollten, können Sie entscheiden, wie Sie damit umgehen. Nur wenn Sie von sich fordern, perfekt zu sein, ist deren negative Meinung bedrohlich für Sie.
Um die Angst vor dem Erröten abzubauen, müssen Sie also Ihre Einstellung dazu verändern. Es gibt ganz sicher viele Fähigkeiten, Talente und Erfolge, die Sie beschreiben. Dass Sie in bestimmten Situationen erröten, ist lediglich eine einzelne Eigenheit von Ihnen, die Sie beschreibt. Außerdem ist es ganz wichtig, dass Sie sich wieder unter Menschen begeben, denn Ihre Angst wird sonst immer schlimmer. Grundsätzlich sollten Sie Ihr Selbstwertgefühl stärken. Auch eine Selbsthilfegruppe zu sozialen Ängsten könnte hilfreich für Sie sein.
Warum erröten manche Menschen schneller und stärker als andere?
Jeder hat wunde Punkte, hat seine Schwächen und dunklen Seiten und möchte diese vor anderen geheimhalten. Damit geht man nicht haussieren. Also gibt es für jeden von uns immer wieder Situationen, in denen wir peinlich berührt sind. Doch die wenigsten von uns erröten in solchen Momenten. Warum reagieren wir nicht alle mit Erröten?
Nun, jeder Körper ist anders und reagiert anders. Wir sind alle von Natur aus mit gewissen körperlichen Defiziten ausgestattet. Dies äußert sich darin, dass manche Organe und Körperfunktionen stressanfälliger sind als andere. Beim einen schlägt Stress eher auf den Magen, beim anderen eher auf das Herz und den Blutdruck und bei wieder anderen ist das Organ Haut eher stressanfällig. D.h. wenn Sie auf Stress leichter und schneller mit Erröten reagieren als andere, dann ist das vermutlich biologisch bedingt.
Hinzukommt, dass wir uns alle auch darin unterscheiden, wie dick unsere Haut ist. In Bezug auf das Erröten sind Menschen mit dicker Haut besser dran, weil sie erröten können, ohne dass dies die anderen sehen.
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