Ursachen der sozialen Phobie

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Ursachen der sozialen Phobie - sozialen Angst

Nach dem Modell der kognitiven Verhaltenstherapie haben Menschen, die unter einer sozialen Phobie leiden, ein geringes Selbstvertrauen. Sie unterschätzen ihre sozialen Fähigkeiten, halten sich für minderwertig und hässlich und haben Angst, dass andere dies erkennen und sie ablehnen.

Die zentralen negativen Grundeinstellungen sind:
"Ich bin minderwertig, dumm, nicht liebenswert.
Ich bin nicht attraktiv (genug). Ich bin hässlich.
Andere werden mich ablehnen, für einen Versager halten".

Gleichzeitig fordern sie von sich, dass andere ihre Angst nicht bemerken dürfen, und setzen sich damit unter Druck. Sie überprüfen ihre negativen Grundeinstellungen nicht, sondern beharren quasi darauf, dass andere sie ablehnen werden.

Letzlich rührt die Angst vor Ablehnung von der Selbstablehnung her, d.h. wenn man gering und schlecht von sich selbst denkt, dann erwartet und befürchtet man auch, dass andere schlecht von einem denken. Wenn wir uns ablehnen, dann ist unser Selbstwertgefühl im Keller und ein geringes Selbstwertgefühl ist die Ursache eines geringen Selbstvertrauens.

Wer sich für liebenswert hält,
muss den Vergleich mit anderen nicht fürchten.
Wer sich dagegen hässlich und unattraktiv findet,
der schneidet beim Vergleich mit anderen immer schlecht ab.

Die Angst, in den Augen anderer schlecht dazustehen, haben wir nur, wenn wir selbst geringschätzig von uns denken. Anders ausgedrückt: je mehr man sich selbst annimmt, umso mehr fühlt man sich von anderen angenommen.

Betroffene sind Experten darin, sich selbst kritisch zu beobachten und körperliche Veränderungen zu erspüren. Durch das ständige In-sich-Hineinhören sind sie häufig unkonzentriert und können sich nicht auf ihr Gegenüber einstellen. Sie können nicht spontan reagieren. Sie bemühen sich, alles richtig zu machen und bei anderen einen guten Eindruck zu machen. Dadurch sind soziale Kontakt sehr anstrengend.

Menschen mit sozialer Phobie berichten, dass in ihrer Familie wenig Wert auf Sozialkontakte mit anderen gelegt wurde, sie weniger in sozialen Kontakten unterstützt wurden, viel Wert auf die Meinung anderer gelegt wurde und Scham als Disziplinierungsmaßnahme eingesetzt wurde.

Warum entwickeln Menschen eine soziale Phobie?

1. Persönliche seelische Verwundbarkeit

Wir werden mit einer unterschiedlich hohen Angstbereitschaft geboren. Manche Menschen haben verstärkt Angst vor ungewohnten Situationen und tun sich schwer, sich neuen Situationen anzupassen.

2. Erfahrungen als Kinder und Jugendliche

Wenn Eltern überbehüten, stark kontrollieren und wenig emotionale Zuwendung geben, ist das Risiko höher, dass ihre Kinder an einer sozialen Phobie erkranken.

D.h., eine schlechte Kindheit, in der wir wenig Liebe und Zuwendung bekommen und immer nur Negatives über uns hören, fördert ein geringes Selbstwertgefühl und damit die Angst vor Ablehnung und Angst vor Kritik.

Manchmal akzeptieren Eltern ihre Kinder nur, wenn diese eine gute Leistung bringen. Die Kinder lernen dann, dass sie Angst haben müssen, wenn andere mit ihnen und ihrer Leistung unzufrieden sind. Sie entwickeln die Angst, nicht gut genug zu sein und wollen deshalb immer alles perfekt machen.

Traumatische Erfahrungen wie etwa ein sexueller Missbrauch und negative Erfahrungen mit Mitschülern, die einen ständig gehänselt oder ausgegrenzt haben, können dazu führen, dass unser Selbstvertrauen leidet und wir uns minderwertig vorkommen.

Eine Betroffener erzählt: Entwickelt hat sich das aus vielen menschlichen Zurückweisungen in meiner Jugend. Ich habe damals schon viele Zurückweisungen erfahren müssen, man hatte einfach kein Interesse, wenn ich mich mitteilen wollte. Ich denke, daß ich hier schon ein sehr geringes Selbstwertgefühl entwickelt habe.

Wenn wir oder unsere Eltern im Aussehen, der Religion oder Sprache von anderen abweichen, dann kann dies dazu führen, dass wir ausgeschlossen, gehänselt oder diskriminiert werden und wir den Eindruck bekommen, unerwünscht und minderwertig zu sein. Mehr darüber in wie Selbstablehnung entsteht.

Andererseits gibt es aber auch Betroffene, die sagen, sie hätten eine schöne Kindheit gehabt und könnten keinen Auslöser für ihre soziale Phobie erkennen. Ein Betroffener erzählt:
Bei mir gabs kein unmittelbares Ereignis und in meiner Familie hat auch kein einziger eine soziale Phobie. Mein Bruder ist das absolute Gegenteil von mir und er ist genauso aufgewachsen wie ich. Ich war schon immer sehr schüchtern und zurückhaltend, dass hat sich schon in meiner frühsten Kindheit bemerkbar gemacht – auch im Kindergarten. Ich war immer ein Außenseiter und konnte schlecht auf andere zugehen oder ein Gespräch anfangen. Die Angst hat sich irgendwie in mein Leben geschlichen, mittlerweile hat sie sich in meinem ganzen Leben ausgebreitet und macht ein "normales" Leben gar nicht mehr möglich.

Was ist der Unterschied zwischen Schüchternheit und sozialer Phobie?

Schüchterne Menschen sind im Zusammensein mit anderen gehemmt und kontaktscheu. Sie verspüren gelegentlich körperliche Symptome wie Erröten, Schwitzen oder Zittern, wenn sie mit anderen zusammen sind. Und schüchterne Menschen meiden manchmal auch Situationen, in denen sie abgelehnt werden könnten.

Menschen mit einer sozialen Phobie sind ebenfalls gehemmt und kontaktscheu, verspüren auch eine Reihe körperlicher Symptome und meiden auch Situationen - nur sie weisen diese Merkmale in sehr viel stärkerem Maße und sehr viel häufiger auf, als schüchterne Menschen. D.h. Menschen mit einer Sozialphobie meiden sehr viel häufiger Kontakte mit anderen als schüchterne Menschen. Menschen mit einer Sozialphobie verspüren sehr viel häufiger und stärker körperliche Symptome als schüchterne Menschen. Und Menschen mit einer Sozialphobie sind in stärkerem Maße gehemmt und kontaktscheu, als schüchterne Menschen.

Die Grenzen, wann man von Schüchternheit und wann von sozialer Phobie spricht, sind also fließend.

Letztlich entscheidend für die Diagnose der sozialen Phobie ist, wie stark Betroffene körperliche Symptome verspüren und wie stark sie privat und beruflich eingeschränkt sind.

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