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Angst vorm Erröten - wie damit umgehen?

Wenn Sie sich für eine Therapie entschließen, dann empfehle ich Ihnen eine kognitive Verhaltenstherapie. Warum? Weil Ihre Angst vor dem Erröten von Ihrem Kopf, Ihrem Denken ausgeht, und genau da muss sie auch bekämpft werden.

Wenn Sie die Angst vor dem Erröten abbauen und verlieren möchten, dann müssen Sie an Ihren negativen und unangemessenen Bewertungen bezüglich des Errötens ansetzen. Ziel einer Therapie ist, dass Sie lernen, das Erröten nicht mehr als Katastrophe anzusehen, sondern als lästige, aber unbedrohliche Reaktion Ihres Körpers.

Je selbstbewusster Sie mit dem Erröten umgehen können, umso gelassener können Sie darauf reagieren, d.h. umso weniger geraten Sie in Panik, wenn Sie feststellen, dass Sie gleich wieder erröten. Je weniger Sie das Erröten als Katastrophe ansehen, umso weniger werden Sie erröten. Auf dieses Ziel werden Sie in der Therapie hinarbeiten.

Ein weiterer wichtiger Baustein der Therapie wird sein, dass Sie lernen, sich Schwächen und Fehler zuzugestehen und Sie lernen, sich trotz Ihrer Fehler anzunehmen. Sie lernen: das, was ich von mir selbst denke, ist wichtiger, als das, was andere von mir denken.

Wenn Sie das Erröten nicht mehr zum Problem machen, dann können Sie auf doofe Bemerkungen Ihrer Mitmenschen wie "Du brauchst doch nicht rot zu werden", so reagieren:
"Stimmt - das mache ich freiwillig" oder
"Nein, ich brauche nicht, aber dann kommen meine blauen Augen besser zur Geltung"

und dabei ein entwaffnendes Lächeln auf Ihre Lippen setzen.

Oder Sie können auf Fragen wie "Warum wirst du denn rot?" mit
"Wenn Du willst, kann ich das auch in Blau" antworten

Auch wenn dieses Ziel momentan für Sie noch in weiter, vielleicht sogar unerreichbarer Ferne liegt, es ist erreichbar für Sie. Ihre Angst ist gelernt und deshalb können Sie diese auch wieder verlernen.

Ziel der kognitiven Verhaltenstherapie kann es nicht sein, generell das Erröten zu verhindern - obwohl sich das die meisten Betroffenen wünschen. Das Erröten ist eine sinnvolle körperliche Reaktion.

Konkret lernen Sie in der Behandlung zunächst die Zusammenhänge zwischen Ihrem Denken, Gefühlen, körperlichen Reaktionen und Ihrem Verhalten kennen. Sie erkennen, dass Sie
- sich durch das ständige Beobachten unter Druck setzen
- sich Angst und Anspannung erzeugen, indem Sie sich das Erröten verbieten
- Angst und Anspannung verursachen, indem Sie Erröten als Katastrophe bewerten
- sich Angst erzeugen, indem Sie prophezeien, dass Sie erröten, andere dies wahrnehmen und Sie nicht für voll nehmen werden.

Dann werden die unangemessenen Einstellungen und Erwartungen überprüft und neue hilfreiche Einstellungen erarbeitet. Betroffene begeben sich dann mit diesen neuen Einstellungen ganz bewusst in Situationen, in denen sie erröten könnten. Sie geben sich die Erlaubnis, zu erröten, und lernen zu akzeptieren, wenn das Erröten auftritt. Ihre Konzentration liegt auf dem Gesprächsinhalt und den Zielen, die sie sich für dieses Gespräch setzen.

Schutzmaßnahmen wie dickes Make-up oder Solariumsbräune werden nicht mehr eingesetzt. Darüber hinaus erlernen Betroffene Entspannungsverfahren, Atemübungen und stärken ihr Selbstwertgefühl.

Vermutlich wird Ihr Therapeut Ihnen auch empfehlen, ein Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung zu erlernen. Diese Entspannungstechnik hilft Ihnen, die körperlichen Begleiterscheinungen Ihrer Angst zu reduzieren. Da Ihr Erröten eine Stressreaktion des Körpers ist, werden Sie durch die Anwendung der Entspannung seltener erröten.

Selbsthilfe Strategien für die Überwindung der Angst vorm Rotwerden

1. Analysieren Sie Ihre negativen Gedanken und Vorstellungen, die zur Angst vor dem Erröten führen. Wie bewerten Sie die Tatsache, dass Sie erröten? Was folgern Sie daraus für Ihre Person?

2. Korrigieren Sie diese negativen Gedanken. Wie müssten Sie denken, um das Erröten als natürliche Reaktion des Körpers zu akzeptieren? Welche Haltung müssten Sie sich zulegen?

3. Geben Sie den Wunsch auf, nie mehr erröten zu wollen. Erröten ist eine wichtige körperliche Funktion.

4. Erlauben Sie anderen, Sie so zu sehen, wie Sie sind: ein liebenswerter Mensch, der ab und zu errötet.

5. Machen Sie eine Umfrage: Stehen Sie zu Ihrem Erröten und fragen Sie Ihre Freunde, wie diese darüber denken.

6. Stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl. Erstellen Sie eine Liste von Ihren Talenten, positiven Eigenschaften und Merkmalen. Rufen Sie sich diese häufig in Erinnerung.

7. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit beim Kontakt mit anderen weg vom Erröten auf die Ziele, die Sie im Gespräch erreichen möchten.

Je mehr Sie sich gegen das Erröten wehren, umso mehr verstärken Sie das Rotwerden und umso leichter und schneller erröten Sie. Das Erröten ist nur so schlimm, wie Sie es sehen.

Sollte man das Erröten operativ unterbinden?

Sie haben vielleicht schon einmal von einer Operation gehört, der sog. endoskopischen transthorakalen Sympathektomie (ETS). Das sympathische Nervensystem, ein Teil unseres vegetativen Nervensystem, steuert u.a. die Blutzufuhr zum Gesicht. Bei der Operation wird der sympathische Nerv durchtrennt oder abgeklemmt, der die Blutzufuhr reguliert und damit das Erröten unterbunden.

Es mag zwar einfacher klingen, sich kurz mal unter das Messer zu legen, als selbst an sich zu arbeiten, aber als Psychotherapeut kann ich Ihnen diese Operation nicht empfehlen.

Erröten ist eine normale biologische Anpassungsreaktion unseres Körpers, lediglich unsere Angst ist unangemessen. Zur Überwindung von Angst gibt es viele wirksame Strategien, eine Operation gehört hierzu jedoch definitiv nicht.

Ein solcher Eingriff in das sympathische System hat viele Nebenwirkungen, denn wir greifen nicht ungestraft in ein gut funktionierendes System ein. Da die Ursachen des Errötens nicht beseitigt werden, muss sich der Körper andere Wege suchen, den Temperaturanstieg auszugleichen:

Es kommt zum sog. Kompensatorischen Schwitzen, d.h. wir schwitzen verstärkt und zwar vor allem am Rumpf und an den Beinen.
- Wir bekommen trockene Hände und Augen, die Hände und Füße sind häufiger kalt.
- Die Thermoregulation des Körpers wird verändert.
- Manchmal treten Verdauungs- und Potenzprobleme auf.

Bei der Operation kann zudem kein Erfolg garantiert werden und andere Nerven können die Funktion der durchtrennten Nerven übernehmen, so dass nach einiger Zeit alles wieder beim Alten ist.

Worte einer Klientin, die unter Erythrophobie litt:

Erröten, lass es geschehen auch wenns die anderen sehen,
sie werden dir nicht ans Leben gehen.
Mögen sie lachen und reden, es sei dir egal.
Es sind alles Menschen und jeder ist fehlbar.
Drum sieh in dich und sage dir:
Du schaffst es jetzt und hier.

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