Ursachen der Angst, hässlich zu sein

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Woher kommt die Angst, hässlich zu sein?

Vielleicht haben Sie sich schon des öfteren gefragt: Warum ich? Wieso habe ich diese Angst, hässlich zu sein, und andere nicht? Es gibt doch auch Menschen, die nicht perfekt aussehen und trotzdem ein zufriedenes und erfolgreiches Leben führen.

Ob wir diese Krankheit entwickeln, entscheidet sich in unserer Kindheit und in der Pubertät. Ich erinnere mich an Hartmut, einen Klienten von mir. Hartmut kam mit 35 Jahren in meine Praxis, da er unter Depressionen und Selbstmordgedanken litt. Er hatte starke Minderwertigkeitsgefühle, weil er glaubte, einen abnormalen Hinterkopf zu haben. Ich konnte nichts Ungewöhnliches an seinem Hinterkopf feststellen und so fragte ich ihn, wie er darauf komme. Er erzählte mir, dass er im Alter von 6 Jahren unbemerkt ein Gespräch seiner Eltern mithörte, in dem diese die Bemerkung machten, ihr Sohn komme hinsichtlich seines Äußeren so gar nicht nach ihnen oder den Verwandten. Irgendwie schlage er aus der Reihe. Hartmut schaute sich daraufhin Bilder seiner Verwandten an und kam zu dem Schluss: die Eltern haben Recht. Ich sehe niemandem ähnlich. Ich bin anders als die anderen. Daraus folgerte er: Etwas muss mit mir nicht stimmen. Ich bin abnormal. Diese Schlussfolgerung sah er fortan als Wahrheit über sich an und alle, die das Gegenteil behaupteten, wollten ihm nur nicht wehtun oder trauten sich nicht, ihm die Wahrheit – seine Wahrheit – zu sagen.

Geht es Ihnen ähnlich? Ich denke schon. Auch Sie haben Ihre guten Gründe, warum Sie überzeugt sind, hässlich zu sein und nichts und niemand konnte Sie bislang vom Gegenteil überzeugen. Sie fühlen sich, wie Hartmut, aufgrund Ihres vermeintlichen Makels minderwertig.

Ob wir eine Dysmorphophobie entwickeln oder nicht, hängt vor allem von 2 Faktoren ab:
einem negativen Selbstwertgefühl und negativen Erfahrungen in der Pubertät.


Schauen wir uns zunächst an, welche Einflüsse in der Kindheit zu einem negativen Selbstwertgefühl führen können.

Der Grundstein für unser Selbstwertgefühl wird in den ersten 7 Jahren gelegt. In dieser Zeit machen wir Erfahrungen, durch die wir lernen, uns eher anzunehmen oder abzulehnen. Was sind das für Erfahrungen?

Vielleicht waren Sie als Kind nie intelligent genug, nie hübsch genug, nie brav genug, einfach nicht gut genug – egal, was Sie taten. Sie wurden zudem vielleicht immer mit anderen verglichen, mit den Besseren, den Hübscheren, den Klügeren. Durch diese Erfahrungen hatten Sie sehr oft oder ständig das Gefühl: Ich bin nicht o.k., so wie ich bin. Mehr und mehr kamen Sie zu der Überzeugung: Ich bin nicht gut genug, Ich bin nicht in Ordnung, so wie ich bin. Man mag mich nur, wenn ich Leistung bringe, wenn ich alles perfekt mache, wenn ich den Erwartungen der anderen entspreche. Ich muss mir Liebe und Anerkennung verdienen. Ich bin nur wer, wenn andere mich mögen.

Heute steckt diese Angst, nicht gut genug zu sein und deshalb auf Ablehnung stoßen zu können, immer noch in Ihnen und beeinflusst Ihr Verhalten. Deshalb wollen Sie vielleicht alles perfekt machen und eben perfekt aussehen, weil:
Perfektes Aussehen = Ansehen = Anerkennung.

Und Anerkennung suchen und wollen wir doch alle. Anerkennung ist genauso wichtig für unser Überleben wie Luft und Nahrung. Ohne Anerkennung – ohne das Gefühl gemocht und geliebt zu werden - verhungern wir seelisch.

Dieses Verlangen nach Anerkennung ist heute umso größer, je mehr wir als Kinder gelernt haben, uns selbst abzulehnen. Und je mehr wir uns selbst ablehnen, umso größer ist unsere Angst, von anderen abgelehnt zu werden und umso größer ist unsere Unsicherheit bzgl der eigenen Person, umso mehr fragen wir uns
Bin ich überhaupt annehmbar?
Bin ich in Ordnung? Verdiene ich Wertschätzung?
Bin ich nicht voller Makel?

Dieses Gefühl, nicht in Ordnung zu sein und vor allem die Angst davor, wurde dann vielleicht in der Pubertät durch negative Erfahrungen mit Gleichaltrigen noch größer.

Vor und während der Pubertät entwickeln wir ein Verhältnis zu unserem Körper und unserem Geschlecht. Wir sind auf der Suche nach Orientierung, nach Vorbildern, nach einer Identität. In dieser Zeit der Orientierung sind wir besonders empfänglich und empfindlich für Einflüsse von außen und das umso mehr, je schwächer unser Selbstwertgefühl ist. Je schwächer unser Selbstwertgefühl nämlich ist, umso unsicherer sind wir in bezug auf unsere eigene Person und um so mehr treffen uns Hänseleien und spöttische Kommentare über unser Aussehen.

In dieser Zeit passiert es leicht, dass unser schon beschädigtes Selbstwertgefühl noch mehr einen Knacks bekommt. Je mehr wir in dieser Zeit erleben, dass die Anerkennung der anderen von der äußerlichen Attraktivität abhängt, umso verunsicherter sind wir, wenn wir den gängigen Schönheitsidealen nicht entsprechen. Dieser Eindruck der Unvollkommenheit wird noch durch die Werbung verstärkt.

Was sind das für negative Erfahrungen, die uns noch mehr das Gefühl geben, nicht attraktiv zu sein, weder äußerlich noch innerlich als Mensch?

Vielleicht wurden Sie über Jahre hinweg täglich gehänselt und belächelt, weil Sie zu dünn oder zu dick, zu klein oder zu groß, Ihre Brüste zu klein, Ihr Mund zu breit oder Ihre Nase zu groß waren. Sie mussten deshalb spöttische, beleidigende und abschätzige Kommentare über sich ergehen lassen und haben sich furchtbar geschämt. Ja, vielleicht wurden Sie sogar systematisch gemobbt und ausgegrenzt, weil Sie anders waren und sich nicht zu wehren wussten. Wie auch? Sie waren verunsichert und verschüchtert, weil Ihr Selbstwertgefühl vielleicht aufgrund Ihrer Erfahrungen im Elternaus geschwächt war und Sie niemanden hatten, mit dem Sie darüber sprechen konnten, dem Sie sich anvertrauen und bei dem Sie sich Trost holen konnten.

In diesen Jahren haben Sie gelernt: wer gut aussieht, bekommt Komplimente, wird eingeladen, hat viele Freunde, wird geschätzt und ist beliebt. Sie lernten, dass der Wert eines Menschen im Wesentlichen von seinem Aussehen abhängt und so hängt heute Ihr Selbstwert fast komplett von Ihrem Aussehen ab.

Ja, und dann sind da noch die Werbung, die Modeindustrie, die das ihrige dazu beitragen, dass wir uns unvollkommen oder unattraktiv fühlen. Sie verkünden ein Schönheitsideal, das für die meisten von uns schlicht weg unerreichbar ist. Und als ob das nicht schon verdammt unfair ist, uns Vorbilder hinzustellen, die für 99 Prozent der Menschen unerreichbar sind, greifen Sie auch noch tief in die Trickkiste.

Die Models in den Hochglanzmagazinen sind nämlich ein Kunstprodukt, nach dem Motto: jede Ähnlichkeit mit existierenden Personen ist rein zufälliger Natur. Mit allen möglichen Tricks der Kameraführung, der Photonachbearbeitung und der Visagistenkunst werden nämlich aus unscheinbaren und normalausehenden Menschen wie von Zauberhand Glamourgirls - Kunstprodukte, die es so im realen Leben nicht gibt.

Genug der Ursachenforschung. Konnten Sie meine Erklärungen über die Entstehung eines geringen Selbstwertgefühls und der Angst vor Ablehnung nachvollziehen? Können Sie verstehen, warum für Sie heute das Äußere so wichtig ist und Sie nicht nur Angst haben, hässlich zu sein, sondern überzeugt sind, dass dem so ist?

Welche Erfahrungen Ihrer Kindheit Sie auch immer geprägt haben, sie sind dafür verantwortlich, dass Ihr Selbstwertgefühl total von Ihrem Äußeren abhängt. Ihre Fixierung auf Ihre vermeintliche äußere Unvollkommenheit ist nur Ausdruck Ihres unvollkommenen Selbstwertgefühls. Sie projezieren nach außen, was Sie innerlich spüren – Ihre Unvollkommenheit.

Ihr Selbstbild entscheidet über Ihr Spiegelbild. Dies wird sehr eindrücklich von Menschen belegt, die sich einer Schönheitsoperation unterzogen haben, nach der Operation in den Spiegel schauen und dem Schönheitschirugen sagen: "Ich sehe genauso aus wie vor der Operation. Sie haben überhaupt nichts geändert".

Freunde und Bekannte sehen deutlich die Veränderung, nur diese Menschen beharren darauf, dass sie noch genauso hässlich aussehen wie vor der Operation. Manchmal sagen die Operierten auch: "Ich sehe, dass meine Ohren nicht mehr abstehen, aber ich fühle mich genauso, als ob sie noch abstehen würden".

Sie werden sich solange hässlich fühlen, wie Sie sich für hässlich halten. Erst wenn Sie Ihr Selbstbild ändern, werden Sie sich mit anderen Augen sehen.

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