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Angst vorm Erbrechen - Emetophobie

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Was ist eine Emetophobie (Angst vorm Erbrechen)?

Die Emetophobie ist eine spezifische Phobie, die allerdings kaum bekannt ist. Obwohl die Angst vor dem Erbrechen sogar relativ verbreitet ist, liegt die Unbekanntheit dieser speziellen Phobie wohl vor allem daran, dass die Betroffenen wenig oder gar nicht über ihre wirkliche Furcht sprechen.

Diese Angst bezieht sich darauf, sich selbst übergeben zu müssen oder aber darauf, erleben und zusehen zu müssen, wie sich eine andere Person übergibt.

Betroffene versuchen, diese Sorge aus Scham vor allen Menschen – auch Familie und engen Freunden – geheim zu halten und sagen niemandem, was sie wirklich quält. Es ist für den Emetophobiker meist auch schwierig überhaupt zu benennen, was genau er daran so furchtbar findet, sich übergeben zu müssen oder mitzuerleben, wie sich jemand übergeben muss.

Unterscheidung zwischen Übelkeit und Angstübelkeit

Ein gesunder Mensch fragt sich vielleicht, warum unterschieden werden muss, zwischen körperlicher Übelkeit und sogenannter Angstübelkeit, und was letztere überhaupt ist. Viele Menschen denken, dass einem ja nur selten schlecht ist – dies trifft auf viele Emetophobiker allerdings nicht zu. Denn sie haben eine enorme Angst davor, dass sie sich übergeben könnten, dass sich jemand in ihrer Nähe übergeben muss und sie es mitbekommen und mitunter auch davor, dass sie unbeabsichtigt beispielsweise mit einem Film, einem Musikvideo oder durch sonstige Medien, die Übergeben zeigen, in Kontakt mit dem Erbrechen kommen.

Durch diese Panik ist ihnen oft permanent schlecht – ohne dass sie allerdings diese Übelkeit als Angstübelkeit erleben.

Die Angst selbst sorgt hier für die eigene Übelkeit und diese Übelkeit natürlich für noch mehr Angst, sich übergeben zu müssen – ein Teufelskreis entsteht.

Dem gegenüber steht die körperliche Übelkeit, die zum Beispiel durch einen Reizdarm, Reizmagen oder körperliche Erkrankungen ausgelöst wird und ihrerseits Angst vor dem Erbrechen erzeugt. Auch wenn diese Angst berechtigt sein kann, da man sich ja wirklich übergeben muss, kann sie sich zu einer überzogenen Angst steigern.

Da viele Emetophobiker dem Trugschluss erliegen, dass sie keine Angst hätten, wenn ihnen nicht übel wäre (es ist ja die Angst, die erst zu der Übelkeit führt) müssen die Betroffenen erst lernen, körperliche von psychischer Übelkeit zu unterscheiden. Die Fähigkeit, die beiden Formen der Übelkeit voneinander unterscheiden zu können, kann vielen Betroffenen maßgeblich weiterhelfen.

Test

  • Die körperliche Übelkeit hat in der Regel einen Grund z. B. man hat etwas Schlechtes gegessen oder eine Infektion. Hier gibt es dann Begleiterscheinungen.
  • Auch durch Ablenkung wird körperliche Übelkeit nicht besser. Bei Angstübelkeit hingegen kann sie sich beruhigen, wenn man sich selbst beruhigt oder anderweitig ablenkt.
  • Die körperliche Übelkeit kommt in der Regel nicht alle paar Tage wieder. Häufig nur bei einer Magenverstimmung oder bei einer Magen-Darm-Infektion
  • Bei einem “normalen” Unwohlsein denkt man in der Regel nicht daran, dass andere einen hören oder sehen könnten. Man möchte einfach nur wieder schnell gesund werden.
  • Wer unter körperlich bedingter Übelkeit leidet, bekommt nicht rasch erneut Hunger
  • Es ist auch nicht möglich, sein Lieblingsessen zu sich zu nehmen, wenn einem körperlich übel ist – denn allein schon beim Gedanken daran wird einem noch schlechter, was bei Angstübelkeit nicht der Fall ist.
  • Wem körperlich übel ist, dem wird noch unwohler, wenn er oder sie Essen riecht
  • Ist die Übelkeit körperlich bedingt, so zittert der Körper nicht, denn das Zittern ist ein Symptom der Angst

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Was ist das größte Problem der Emetophobiker?

Es muss unterschieden werden zwischen dem Sozialphobiker, der Angst vor dem Erbrechen hat, weil er befürchtet, sich zu blamieren – und dem Emetophobiker, dem nicht die Blamage Sorgen bereitet, sondern das Erbrechen an sich. Auch hier ist allerdings für viele Betroffene weniger das Erbrechen selbst, als vielmehr die Übelkeit und die fehlende Kontrolle über das Erbrechen das größte Problem. Denn wer kann schon genau wissen, wann in welchem Film in einer Szene jemand gezeigt wird, der sich erbricht oder in welchem Zeitungsartikel vielleicht etwas über Erbrechen zu lesen ist?

Wichtig zu wissen ist, dass nicht jeder die gleichen Ängste und Sorgen hat – es gibt Betroffene, denen es panische Angst macht, jemandem zu begegnen, der sich erbrechen könnte, die aber vor der eigenen Übelkeit keine Angst haben. Auch gibt es Betroffene, die zwar Angst davor haben, sich erbrechen zu müssen oder jemandem dabei zuzusehen, die aber über ihre Angst reden können und ihren Alltag „normal“ leben können.

Die Symptome – wie Emetophobie sich äußert

Körperliche Symptome / ähnlich zu Panikattacken

  • Übelkeit
  • Zittern
  • Schwächeanfall
  • Schweißausbrüche
  • Magenschmerzen
  • Schüttelfrost
  • Herzrasen

Manche Phobiker werden wahre Lebenskünstler, wenn es darum geht, Situationen zu vermeiden, die auch nur im Entferntesten dazu führen könnten, dass man in irgendeiner Weise mit dem Erbrechen zu tun haben könnte.
Beispielsweise entwickeln Emetophobiker folgende Strategien, um dem beängstigenden Erbrechen zu entgehen:

  • öffentliche Events wie etwa Partys, Familienfeiern, Betriebsfeste etc. werden gemieden (hier besteht die erhöhte Gefahr, dass Betrunkene unterwegs sind, die sich übergeben könnten)
  • Kinder meiden Schulausflüge oder Klassenfahrten
  • Reisen und öffentliche Verkehrsmittel werden aus Angst vor Reiseübelkeit gemieden, genauso gibt es auch die Angst, dass in Urlaubsländern Krankheiten oder fremdes Essen Erbrechen hervorrufen
  • um den möglichen Übelkeitsfaktor gering zu halten, wird nicht mehr auswärts gegessen
  • bestimmtes Essen, das besonders oft Übelkeit auslöst, wird grundsätzlich vermieden
  • es wird oft zu wenig gegessen, aus Angst vor der Übelkeit, die entsteht, wenn man zu viel gegessen hat.
  • oft lassen sich Emetophobiker krankschreiben, wenn im beruflichen oder schulischen Umfeld Erkrankungen kursieren wie etwa Magen-Darm-Viren
  • schwangere Frauen werden gemieden, denn diese könnten sich übergeben
  • eine eigene Schwangerschaft kommt für manche Frauen mit Emetophobie gar nicht erst in Frage
  • Kinder können gemieden werden, da diese sich auch oft übergeben
  • Filme im Kino oder im Fernsehen werden vermieden – es könnte sich darin jemand übergeben
  • der Gedanke, in einem Raum gefangen zu sein, in dem sich jemand übergeben könnte, ist eine große Angst vieler Emetophobiker. Viele suchen daher immer nach Mülleimern, in die sich übergeben werden kann oder vor allem auch nach Fluchtwegen
  • Nahrungsmittel werden genauestens auf ihre Haltbarkeit überprüft, damit nichts Verdorbenes zu sich genommen wird
  • Krankenhäuser und Arztpraxen werden aus Angst vor Viren gemieden
  • Anti-Brechmittel werden oft schon aus Vorbeugung eingenommen – die Gefahr einer Abhängigkeit ist groß

Ursachen & Auslöser – woher kommt die Angst zu Erbrechen?

Es ist noch nicht ganz geklärt, woher genau die Angst zu erbrechen wirklich kommt. Allerdings berichten viele Emetophobiker von traumatischen Erlebnissen, die sie als Kind hatten und die mit dem Erbrechen in Verbindung standen. Ein Beispiel hierfür wäre, dass ein Kind sich im Auto übergeben muss und dafür von den genervten Eltern eine Strafe bekommt. Für das Kind prägt sich ein: Du wirst nicht geliebt, wenn du kotzen musst! Andere Betroffene sagen, dass sie sich an kein Schlüsselerlebnis erinnern können, sondern dass sie beispielsweise mit Druck von außen schlecht umgehen können. Die Angst, kotzen zu müssen, ist also wiederum ein Symptom, dessen tiefere Ursachen behoben oder behandelt werden sollten. Wer Angst vorm Übergeben hat, befindet sich in einem Teufelskreis aus Panikattacken und sozialen Ängsten.

Therapie & Behandlung – Behandlungsmöglichkeiten von Emetophobie

Die Emetophobie bekämpfen, besiegen und überwinden

Die Behandlung ist möglich, sie muss allerdings auch gewollt werden. Eine kognitive Verhaltenstherapie oder eine Konfrontationstherapie sind hier wichtig und erzielen auch gute Erfolge. Der Emetophobiker wird langsam an die Realität des möglichen Erbrechens herangeführt und lernt, ihr mit Gleichgültigkeit zu begegnen. Dies kann in kleinen Schritten erfolgen – denn Verwandte oder Freunde, die es mit dem Betroffenen gut meinen, kommen alleine nicht weiter.

Eine Therapie geht den tieferen Ursachen der Angst auf den Grund und kann dem Emetophobiker helfen, sein Selbstbewusstsein zu stärken, Kontrollzwänge abzulegen und wieder ein freies Leben zu führen. Eine Entspannungstherapie hilft Betroffenen ebenso, sollte allerdings immer auch mit einer anderen Therapieform gekoppelt werden. Hilfreich kann gerade anfangs auch das Anmelden in einem Onlineforum sein, in dem es um Emetophobie geht – dies hilft auch dabei, die Scham abzulegen und zu verstehen, dass man mit der Angst nicht alleine ist. Es gibt auf alle Fälle Hoffnung und das ist nicht bei jeder Krankheit so!

Diese Störung muss nicht hingenommen werden – auch wenn sie den Alltag nicht stark einschränkt, ist es ratsam, sich einer Therapie zu unterziehen und die angebotenen Behandlungsmöglichkeiten wahrzunehmen. Die Erfolgsaussichten sind sehr gut und gerade dann, wenn die Betroffenen wirklich mit ganzem Herzen hinter der Therapie stehen, ist es oftmals „nur“ eine Frage von einigen Monaten, bis sie aus dem Teufelskreis der Angst ausgebrochen sind. Dem gegenüber stehen viele Jahre stilles Leiden, wenn keine Behandlung in Anspruch genommen wird. Sind Sie selbst Emetophobiker oder kennen jemanden, der unter der Angst vor dem Erbrechen leidet? Sprechen Sie ihn auf die Möglichkeit einer Therapie an und sagen Sie ihm, dass es auf jeden Fall einen Versuch wert ist, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Ist Heilung möglich?

Jede psychische Erkrankung ist so individuell wie der Mensch, der darunter leidet. Es gibt Menschen, die ihre Angststörung gänzlich besiegt haben. Rückfälle gibt es zwar immer wieder einmal, aber wenn die Störung über einen längeren Zeitraum nicht mehr aufgetreten ist und damit ein nahezu beschwerdefreies Leben möglich ist, hat sich das Selbstbewusstsein in dieser Zeit schon so stark gewandelt, dass auch kleine Rückschläge schnell überwunden werden können und so ein Rückfall gemeistert werden kann. Wichtig ist, dass Sie sich nicht zu Beginn zu hohe Ziele stecken. Sprechen Sie doch nicht von einer Heilung sondern von einer Besserung? Wer ohne Brechtüte das Haus verlässt und nicht an die Angst vor dem Übergeben denkt, ist zwar noch nicht gänzlich geheilt, aber es fühlt sich zumindest so an. Dadurch, dass Ihre Panik Kopfsache ist, haben Sie schon viel gewonnen. Bei Ihnen ist eine Behandlung möglich und diese sollten Sie auch nutzen. Gehen Sie den Ursachen auf den Grund. Machen Sie eine Therapie und überwinden Sie Ihre Angst. Sie schaffen das!

In eine Klinik gehen?

Jeder Betroffene kennt den Punkt, an dem er einfach nicht mehr kann. Man ist ein Schatten seiner selbst, hat Depressionen und würde das Haus am liebsten nicht mehr verlassen. Der nächste Termin beim Therapeuten ist noch einige Tage hin, aber man bräuchte eigentlich schnelle Hilfe. Wenn Sie an diesem Punkt angekommen sind, sollten Sie über einen Therapieplatz nachdenken. Sprechen Sie mit Ihrem Therapeuten über die Möglichkeit in eine Klinik zu gehen. Dort sind Sie umgeben von Spezialisten, Psychologen und Gleichgesinnten. Jeder versteht Ihre Sorgen und Ängste. Sie fühlen sich dort nicht zwangsläufig ausgeliefert. Es ist einen Versuch wert und was gäbe es Schöneres, als ohne Gedanken an das Erbrechen das Haus zu verlassen?

In der Partnerschaft

Ein großes Thema ist die Angst vorm Übergeben in der Partnerschaft. Kommen wir gleich auf den Punkt. Sofern Sie gerade dabei sind, einen Menschen kennen zu lernen, versuchen Sie erst gar nicht, Ihre Panik zu unterdrücken oder zu verheimlichen. Ihre Ängste werden dadurch nur noch größer und wenn es dann vielleicht sogar zu einem Ausbruch kommt, dann erschrecken Sie Ihren Partner damit nur. Auch Sie werden sich dann weiter Vorwürfe machen und werden versuchen einen erneuten Ausbruch zu verhindern, so dass ein “normales” gemeinsames Zusammenleben nicht möglich ist.

Warum also nicht einfach mit offenen Karten spielen? Wenn Sie der andere Mensch toll findet, dann wird er an Ihnen nicht das Interesse verlieren, nur weil Sie vor etwas Angst haben. Auch wird er Sie deswegen nicht verurteilen oder verlassen. Ihnen wird ein Stein vom Herzen fallen, wenn Sie mit Ihrem Partner darüber geredet haben und er Sie in Ihre Arme schließt. Ein Partner kann Ihnen im übrigen sehr gut helfen, Ihre Emetophobie zu bekämpfen. Immer, wenn die Angst kommt, soll er Sie in den Arm nehmen, Ihnen die Hand reichen oder beruhigend auf Sie eingehen.

Sofern Sie keine Berührungen mögen, dann müssen Sie es Ihrem Partner auch unbedingt sagen. Es ist auch völlig normal, wenn man in einer akuten Panik auf Abstand gehen möchte. Wenn Sie zu ihm vertrauen finden und tief in Ihrem Inneren wissen, dass Ihr Partner Sie deswegen nie verlassen würde, gibt Ihnen das sehr viel Selbstbewusstsein für Ihre Beziehung und auch im Umgang mit anderen Menschen.

Sehr wichtig ist, dass Sie Ihrem Partner viele Informationen zur Angststörung an die Hand geben.

Selbsthilfe Tipps

Es ist sehr schwer, diese Angststörung selbst zu heilen. Trotzdem gibt es ein paar Tipps:

  • Nutzen Sie das Emetophobie Forum.
  • Suchen Sie sich eine Selbsthilfegruppe.
  • Achten Sie auf eine gesunde Ernährung
  • Machen Sie etwas Sport. Wenn nicht in Gesellschaft, dann allein.
  • Erhohlen Sie sich.
  • Lernen Sie die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen.
  • Erlernen Sie beruhigende Atemtechniken – auch Yoga kann Ihnen helfen, Ihre Mitte zu finden.
  • Ihr Leben gehört Ihnen und nicht Ihrer Panik.
  • Meiden Sie nicht alle Situationen, die Ihnen Angst bereiten. Öffnen Sie sich einer bevorstehenden Konfrontationstherapie. Sie werden gestärkt daraus hervorgehen.
  • Vertrauen Sie sich Ihren Freunden oder Verwandten an. Das lindert die Panik.

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