Zitat von winston:@Christina
Ich finde den Artikel bei esowatch schon deshalb gut, weil er einer der wenigen ist, der auch eine kritische Seite beleuchtet. Die kritische Seite von PA oder PTim allgemeinen bekommen ja die wenigsten Klienten jemals zu Gesicht. Was ich sehr schlecht finde, weil sie sich so auch nicht schützen können.
Egal ob klassische PA oder moderne PA (was immer das auch sein mag) - es gibt weder einen Wirkungsnachweis, noch eine Schadenskontrolle (wie leider bei allen PTs).
Und das muß man den Leuten klar sagen, damit sie zumindest wissen, worauf sie sich da einlassen.
Das Problem mit dem Artikel ist m.E., dass er ganz einfach nicht von (heutigen) psychodynamischen Verfahren handelt. Es ist so, als würde man sich in der Diskussion um moderne Antidepressiva auf die Kritik an der Lobotomie berufen.
Zu modernen psychodynamischen Ansätzen: Sie stimmen darin überein, dass es ein dynamisches Unbewusstes gibt, das das Verhalten neben den bewussten Impulsen und Entscheidungen beeinflusst. Das kann übrigens experimentell nachgewiesen werden. Ferner wird frühen Erfahrungen insbesondere mit nahen Bezugspersonen für die weitere Entwicklung der Persönlichkeit eine besondere Bedeutung beigemessen. Und man versucht, über die psychoanalytische Technik (freies Assoziieren, Traumdeutung, Interpretation von Fehlleistungen etc.) an die unbewussten Inhalte ranzukommen, um sie durch die dann bewusste Beschäftigung sinnvoller einordnen zu können.
Zitat von winston:Faktum ist auch, daß die Seite "Induzierte Erinnerungen" keine Erfindung von ein paar Irren ist, sondern leider Realität. Die Gründerin wurde wie viele andere jahrelang geschädigt und als Tüpfelchen auf dem "i"hat sie auch noch den Prozeß gegen den Therapeuten verloren und sitzt jetzt auf einem Haufen Schulden. Leider auch kein Einzelfall, wie das Forum beweist.
Es ist zweifellos ein Riesenproblem, dass Patienten so ziemlich in jeder Psychotherapie ihrem Therapeuten in gewisser Weise ausgeliefert sind. Vertrauen sie ihm und ihr Vertrauen wird missbraucht, ist der Schaden katastrophal. Können sie sich nicht anvertrauen, bleiben sie auf ihren Problemen sitzen.
Zitat von winston:Das ist ja quasi Standard in der analytischen Therapie, denn wer kann heute bitte mit Sicherheit behaupten oder belegen, daß z.B. irgendetwas in der Kindheit schuld an Symptomen in der Gegenwart ist.
Deshalb meine Kritik an dem Artikel. Dort steht:
Zitat:Es ist jedoch unplausibel, von diesem Faktum ausgehend darauf zu schließen, dass alle sexuellen Erfahrungen der Kindheit im späteren Leben Probleme verursachen werden, oder dass alle Probleme im späteren Leben, einschließlich sexueller, auf Kindheitserfahrungen zurückgehen würden. Für keine dieser Vorstellungen gibt es einen Beweis.
Es gibt auch niemanden, der solche Vorstellungen vertritt, nicht einmal Freud persönlich hat das so behauptet. Das gehört sicher zu den populärsten Irrtümern über die Psychoanalyse und ihre Geschichte.
Zitat von winston:Und gemäß meiner eigenen Erfahrung frage ich mich ernsthaft, wie man Ängste, die sich durch Beschäftigung mit ihnen im Gehirn festschreiben und verankern, jemals loswerden will, wenn man sich im Rahmen einer PA 3x die Woche bewußt mit ihnen und mit sich selbst beschäftigt.
In einer PA würde man versuchen, sich mit dem Unbewussten zu beschäftigen und dadurch eben nicht die ausgelatschten Pfade nachtrampeln, sondern die Seitenwege erkunden. Das braucht natürlich Zeit, die jemand mit einer akuten und schweren Angstsymptomatik nicht mitbringt. Und in einem solchen Fall ist die Analyse oder die tiefenpsychologisch fundierte Therapie dann idiotisch, zumal die Introspektion mindestens vorübergehend die Symptome verstärken kann. Es ist ein weiteres, schweres Problem, dass die wenigsten Therapeuten ihre Patienten vorher über die Vorgehensweise ihres Verfahrens aufklären bzw. über Alternativen informieren.
Liebe Grüße
Christina