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Ich muss etwas weiter ausholen, ich hoffe ihr seht mir das nach. Es wäre schön, wenn ich Rat bekommen könnte, wie ich besser mit der Situation umgehen kann.
Ich(47) bin nunmehr seit fast sieben Jahren mit meinem Partner(35) zusammen. Wir führten bislang eine harmonische Beziehung. Der Altersunterschied war nie störend, und ich werde auch auf Ende 30 geschätzt. Er hat sich bewusst für eine 'ältere' Freundin entschieden, da er mit Frauen seines Alters auf Dauer nichts anfangen konnte. Ihm war wichtig, dass seine Partnerin schon 'gefestigt' ist und nicht so sprunghaft, wie es viele jüngere Frauen sind. Ausserdem ist er bedingt durch zu spät behandelten Hodenhochstand in der Kindheit praktisch zeugungsunfähig. Das war ein weiterer Grund für ihn, da bei Frauen gleichen Alters irgendwann auch der Kinderwunsch eine Rolle hätte spielen können. Er ist ein ruhiger, teils wenig selbstbewusster Mann. Auch hatte er schon immer mit depressiven Stimmungen zu tun. Seit nunmehr März ist er krank geschrieben,und er ist bei einer Therapeutin in Behandlung. Er nimmt Venlafaxin ein, außer kurzen Gesprächen im Abstand von 6 bis 8 Wochen findet keine Gesprächstherapie statt. Im ersten Jahr unserer Beziehung stellte ich fest, dass er sich virtuell mit einer Frau austauschte. Laut ihm nur harmlose Flirtereien. Nachdem ich das entdeckt hatte, löschte er von sich aus sowohl seinen Twitter und Facebook Account. Er wollte mich um keinen Preis verlieren, da ich die Beziehung beenden wollte. Ich konnte ihm verzeihen, und mit der Zeit auch wieder vertrauen. Er hat vor zwei Monaten aus therapeutischen Zwecken angefangen zu malen. Um seine Kunst zu präsentieren, legte er sich einen Instagram Account zu. Vor vier Wochen hat er mir diesen auch gezeigt. Ich entdeckte eine Frau der er folgt, mit der er auch bei online Spielen in Kontakt treten wollte, und ihr virtuelles Geld schenkte, um auf sich aufmerksam zu machen. Bei mir brach die alte Eifersucht durch. An diesem Abend ist er wutentbrannt gegangen, zwei Tage ohne Kontakt. Ich suchte das Gespräch, wir vertrugen uns und er sagte, dass er mich liebt. Am kommenden Wochenende sprachen wir erneut, er weinte und sagte, dass er Angst hat, dass ich ihm nicht vertraue. Ich sagte, dass es mich verletzt, wenn er im Web Kontakt mit Frauen sucht. Am Sonntag morgen sagte er mir, dass er nicht weiß, ob er noch Gefühle für mich hat. Eher wie für eine Schwester, und er wüsste nicht, ob er es sein lassen kann, mit Frauen zu schreiben. Für mich fiel eine Welt zusammen, wir waren im September noch zusammen im Urlaub. Ich muss dazu sagen, dass es auch nach sieben Jahren keine Nachricht ohne Herzen und Knutscher gab, oder wir nicht Händchen hielten. Wir einigten uns darauf, dass wir uns weiterhin sehen, und zu schauen was nun wird. Generell wurd er aber reservierter und war wie ein anderer Mensch für mich. Zwei Wochen nach dem Streit musste er seine Reha antreten, er ist jetzt knapp drei Wochen da. In der ersten Woche schrieb er mir noch zahlreiche Nachrichten, seit der zweiten Woche merklich weniger und distanziert und interessenlos an meiner Person. Ich selber fühle mich sehr schlecht, und kann nur schwer mit allem umgehen. Ich gehe nun auch in Therapie, habe am Freitag die vierte probatorische Sitzung gemacht. Ich nehme nun auch Antidepressiva. Ich habe seit meiner Jugend auch mit Depressionen zu tun, und leide an Angstzuständen. Dieses für mich schreckliche Erlebnis hat nun dazu geführt, dass ich ohne Hilfe nicht mehr weiter komme. Ich hoffe, dass der Text soweit verständlich ist, und würde mich sehr über einen Austausch evtl. mit Leuten in ähnlichen Situationen freuen.

01.12.2019 02:22 • 14.12.2019 x 1 #1


58 Antworten ↓


Hallo,
Hm mein mann u ich leben auch nebeneinander und wir halten nur wegen den Kindern einen Alltag aufrecht, da unser Sohn jahrelang schwer krank war und erst seit diesem Jahr stabil ist. Er daddelt viel und wir reden seit Jahren nicht mehr viel . Dass er Depressionen hat ,hat er mir 8 Jahre lang verschwiegen und ich bin schwer krank geworden in der Ehe u seit 4 Jahren in Therapie . Mein Selbstwert liegt bei 0 und ich denke seit Jahren an Trennung. Er auch aber Aktiv werden ist nicht seine Stärke. Ich suche mir seit Jahren Hilfe bei Beratungsstellen aber ich leide eher still da ich dieses negative Muster bestens kenne.
Ich denke es macht Sinn in der Therapie nach Glaubenssätzen zu schauen und eure Beziehung zu analysieren. Ich weiß ganz genau , dass bei uns Übertragungen und unbewusste Elternanteile eine große Rolle spielen . Wissen ist schon mal der erste Schritt warum ich in so einer Beziehung bin und dadrin bleibe.

01.12.2019 09:38 • x 3 #2


Ich befinde mich momentan in einem totalen Gefühlschaos. Einerseits möchte ich, dass es wieder besser wird, und wir zusammen bleiben. Auf der anderen Seite mache ich mir natürlich viele Gedanken, ob es möglich ist, und ob ich mich nicht lieber trennen soll. Ich rauche seit dem Streit auch wieder, nachdem ich 1 1/2 Jahre nicht geraucht habe. Manchmal wenn die Gedanken zu übermächtig werden trinke ich auch Alk.. Ich weiß, dass das vollkommen falsch ist, zumal ich ja die AD nehme. Für den Moment fühle ich mich dann kurzzeitig besser, und stark genug mich von dieser belastenden Beziehung zu befreien. Das geht aber schnell vorbei, und ich bin wieder verzweifelt. Wir wohnen nicht zusammen, da meine zwei erwachsenen Kinder aus Studiengründen noch bei mir leben. Das ist ein Punkt, der ihn auch zunehmend belastet hat. Leider verstehen sich mein Sohn und meine Tochter nicht gut, und es kommt immer wieder zu angespannten Situationen. Er sagte mal, dass ihn ein Wochenende bei uns, manchmal mehr angestrengt hat, als eine Woche arbeiten zu gehen. Unter dem Aspekt, dass er beruflich nicht glücklich ist, ist dem schon eine 'starke' Bedeutung beizumessen. Seine Schwester hat vor drei Monaten ein Baby bekommen, was ihn emotional sehr bedrückt hat. Einerseits war Freude da, andererseits wurde ihm dadurch noch mal bewusst, dass er das wahrscheinlich nie haben würde. Er möchte nun noch mal final klären lassen, ob er nicht doch zeugungsfähig ist. Er hat die Idee, dass ihm ein Baby aus seiner Depression 'retten' könnte und dann alles besser wird. Er fragte mich, ob ich mir vorstellen kann, ein Baby mit ihm zu bekommen. Für mich ist dieses Thema aber durch, allein aufgrund meines Alters und den damit verbundenen Risiken einer Schwangerschaft. Ich denke auch nicht, dass es eine gute Idee ist, da er sein eigenes Leben noch nicht mal im Griff hat. Geschweige denn einem Baby /Kind die nötige Zuwendung und Energie geben kann, die es braucht. Ich weiß wovon ich spreche, da ich meine zwei Kinder quasi alleine groß gezogen habe. Trotz vorhandenen Partners, von dem ich mich nach über zwanzigjähriger Ehe getrennt habe. Diese Ehe war für mich auch ein Martyrium von schlagen über mehrfachen Betrug war alles dabei. Vor acht Jahren habe ich dann endlich die Kraft gefunden, mich zu befreien. Mein Vater ist in dem Jahr der Trennung an Krebs erkrankt, und auch gestorben. Das war für mich der letzte Schub den ich brauchte, um nicht weiter in einer lieblosen und schrecklichen Ehe zu bleiben. Dann lernte ich meinen jetzigen Freund kennen, der das genaue Gegenteil war. Er war liebevoll, umsorgend und fürsorglich. Unsere "Streitereien' konnte man im Laufe der ganzen Zeit zählen. Sie waren auch nie extrem, oder zerstörerisch. Deswegen trifft es mich jetzt um so mehr, dass er keine Gefühle mehr hat. Ich kann schlecht mit seiner nunmehr unterkühlten, distanzieren Art umgehen. Zumal seine Nachrichten ab der zweiten Woche immer weniger und liebloser wurden. Ich weiß, daß den Patienten geraten wird, die sozialen Kontakte in die "Außenwelt" zu reduzieren. Aber wie er sich jetzt verhält, finde ich schon grenzwertig. Zumal, ob der angespannten Situation zwischen uns. Ich hoffe, dass ihr mir schreiben werdet, sei es nur um andere Perspektiven aufgezeigt zu bekommen.

01.12.2019 15:03 • #3


Flame
O.k.,das ist jetzt viel auf einmal,ich versuche mal ein paar Sachen aufzugreifen:

Das Eine ist,dass er mit Frauen im Internet schreibt.
Solange da keine Flirtereien im Spiel sind,ist das meiner Meinung nach völlig o.k..
Und sich mal zu schreiben,dass man den anderen mag nicht gleich als Flirt auslegen.
Wenn Du zu übertriebener Eifersucht neigst,würde ich das mal zum Therapiethema machen.
Einen Partner zu sehr einzuengen tut der Beziehung nicht gut.

Das Zweite ist die Depression.
Viele Menschen können während einer Depression keine Gefühle mehr für den Partner empfinden (mir ging es genauso) und das Gefühlsleben ist insgesamt stark beeinträchtigt bzw. gestört.
Deswegen würde ich das alles nicht eins zu eins nehmen,was er jetzt gerade äussert.
Z.B. dass ein Baby ihn "retten" könnte.
Unter Depressionen hat man so manche komische Gedanken...

Bei Dir zuhause ist dann noch zusätzlich Konfliktpotential wegen der des öfteren aufgeheizten Stimmung.
Und nun geht es auch Dir nicht gut,es kommt also eine Menge zusammen.
Kein Wunder,dass es gerade Gefühlsachterbahn ist aber das wird sich legen,wenn sich die Depressionen beginnen zu legen.

Keine Sorge,Dein Freund liebt Dich ganz sicher noch,ich hab das hier im Forum schon unzählige Male gelesen,dass die Gefühle unter Depressionen quasi "auf Eis gelegt" sind aber die tauen auch wieder auf.
Wichtig ist Geduld,es kann dauern bis eine Depression sich legt aber sie vergeht und darauf kommt es an.
Tu Dir viel Gutes und mache weiter Therapie.
Hilft Dir Dein AD?

01.12.2019 17:29 • x 1 #4


Ein Baby wird ihn überfordern .Er kann sich noch nicht vorstellen , was jahrelanger Schlafmangel aus einem Menschen machen kann. Stabile Menschen funktionieren dennoch gut aber instabile Menschen könnten da sehr schnell an ihre Grenzen stoßen. Also da vertraue ruhig deiner Intuition .

01.12.2019 19:39 • x 2 #5


Lillibeth
Zitat von blue1979:
Hallo, Hm mein mann u ich leben auch nebeneinander und wir halten nur wegen den Kindern einen Alltag aufrecht, da unser Sohn jahrelang schwer krank war und erst seit diesem Jahr stabil ist. Er daddelt viel und wir reden seit Jahren nicht mehr viel . Dass er Depressionen hat ,hat er mir 8 Jahre lang verschwiegen und ich bin schwer krank geworden in der Ehe u seit 4 Jahren in Therapie . Mein Selbstwert liegt bei 0 und ich denke seit Jahren an Trennung. Er auch aber Aktiv werden ist nicht seine Stärke. Ich suche mir seit Jahren Hilfe bei Beratungsstellen aber ich leide eher still da ich dieses negative Muster bestens kenne. Ich denke es macht Sinn in der Therapie nach Glaubenssätzen zu schauen und eure Beziehung zu analysieren. Ich weiß ganz genau , dass bei uns Übertragungen und unbewusste Elternanteile eine große Rolle spielen . Wissen ist schon mal der erste Schritt warum ich in so einer Beziehung bin und dadrin bleibe.

Was therapierst Du denn ? Im Grunde kennst Du doch die Lösung

01.12.2019 20:42 • #6


Zitat von Lillibeth:
Was therapierst Du denn ? Im Grunde kennst Du doch die Lösung


Welche "Lösung" soll das denn sein? Trennung? Für ihre Kinder sollten sich Eltern ja wohl mal etwas zusammenreißen! Die Trennungs- und Scheidungsrate ist astronomisch, Alleinerziehende, Wechselmodell, traumatisierte, bindungsunfähige Kinder...tolle Gesellschaft.

01.12.2019 20:53 • #7


Zitat von Flame:
O.k.,das ist jetzt viel auf einmal,ich versuche mal ein paar Sachen aufzugreifen:Das Eine ist,dass er mit Frauen im Internet schreibt.Solange da keine Flirtereien im Spiel sind,ist das meiner Meinung nach völlig o.k..Und sich mal zu schreiben,dass man den anderen mag nicht gleich als Flirt auslegen.Wenn Du zu übertriebener Eifersucht neigst,würde ich das mal zum Therapiethema machen.Einen Partner zu sehr einzuengen tut der Beziehung nicht gut.Das Zweite ist die Depression.Viele Menschen können während einer Depression keine Gefühle mehr für ...


Ich bin mir momentan halt nicht sicher, ob er mich tatsächlich noch liebt. Zum Einen wegen der Aussage, zum Anderen wegen seinem momentanen 'Benehmen'. Er hat seit der zweiten Woche auch Kontakt zu zwei Frauen in der Reha, mit denen er und ein weiterer Mann schon diverses unternommen haben. Heute z. B. eine Wanderung. Angeblich zwei Mitfünfzigjährige, aber ich trau dieser Aussage nicht recht. Zumal er im Vorfeld erzählte, dass in der zweiten Woche einige jüngere Frauen aufgenommen wurden. Dieser Kontakt zu den 'Älteren' entstand erst ab diesem Zeitpunkt, davor war nie die Sprache von ihnen. Ausserdem ist er nun mal seit der zweiten Woche extrem reserviert, kühl und meldet sich kaum noch. Aber ich muss dir recht geben, durch die schlechten Erfahrungen mit meinem Ex bin ich doch zu einer sehr eifersüchtigen Frau geworden. Größtenteils habe ich es im Griff, aber manchmal bricht es auch massiv aus mir raus. Ich denke mal bei meinem jetzigen Partner ist es auch ein Stück weit dem Altersunterschied geschuldet, und der Angst, dass irgendwann doch eine jüngere Frau interessant sein könnte. Ich nehme die AD seit ungefähr neun Wochen, also noch vor unserem Streit. Ich merkte halt, dass mich meine Angststörungen, berufliche Dinge und on top seine Erkrankung massivst beeinträchtigt haben. Mein Hausarzt hat sie mir dann verschrieben, in der Hoffnung, dass es dann für mich besser wird. Ich würde schon sagen, dass es hilft, aber kann noch nicht abschließend sagen, ob es das richtige Medikament für mich ist.

01.12.2019 21:35 • #8


Gaulin
Hallo Madima,

Warum denkst du über Trennung nach, wenn er dich nicht mehr liebt? Er weiß es am besten und es wäre eher seine Aufgabe. Natürlich, wenn du dich auf Dauer schlecht damit fühlst, solltest du eine Entscheidung treffen. Aber ich finde, man sollte sowas nicht immer gleich überbewerten. Nur weil der Partner immer so war, darf er nicht mal "anders" sein. Könnte es vielleicht auch sein, dass er den Abstand von den Problemen/Sorgen grad genießt, es ihm gut tut und sich deshalb zurückgezogen hat? Das darf er auch. Erlaube ihm ruhig etwas Freiheit. Wenn er nicht schätzt, was er an dir hat, wird er doch sicher seine Entscheidungen treffen. Versuche nicht ihn aus Angst noch weiter von dir wegzutreiben. Eifersucht nützt leider keinem was. Ganz im Gegenteil könntest du durch dein Misstrauen genau das auslösen, wovor du doch so große Angst hast. Es ist leicht gesagt, aber in eurem Fall sollten beide an sich arbeiten. Hier gibt es ungeklärte Dinge aus Vergangenheit.

Liebe Grüße
Gaulin

01.12.2019 22:51 • x 3 #9


Zur Zeit nehm ich nur noch 7 Stunden vt und beende dann die Therapie. Diese traumatherapie sollte mich stabilisieren aber das reden über verschiedene Anteile schwächt mich und das dauernde hinterfragen meines Erlebens , Fühlens und Denkens lenkt mich vom Leben ab. nun versuche ich mich dem Thema selbstfürsorge zu nähern und bin dabei , meinen destruktiven Anteil (hilflos, passiv, kann nichts ) langsam mit neuen Erfahrungen zu ersetzen . Es ist ein Versuch ,diese alten Mustern zu unterbrechen . Ein langer Weg mit hinfallen ,mal kurz oder länger liegen bleiben aber dann irgendwann auch aufzustehen .

Sorry das war off Topic:)

01.12.2019 23:32 • #10


Lillibeth
Zitat von sippin haterade:
Welche "Lösung" soll das denn sein? Trennung? Für ihre Kinder sollten sich Eltern ja wohl mal etwas zusammenreißen! Die Trennungs- und Scheidungsrate ist astronomisch, Alleinerziehende, Wechselmodell, traumatisierte, bindungsunfähige Kinder...tolle Gesellschaft.
l
Warum wegen Kindern zusammenreißen ? Völliger Quatsch. Ja, man muss in einer Ehe arbeiten und auch ich würde alles versuchen aber wenn ich Tabletten und Therapie bräuchte um das durchzustehen ist es wohl zu spät. Kinder merken das und leiden darunter mehr als unter einer vernünftigen Trennung. Denn ja, auch sowas kann vernünftig geregelt werden wenn man denn erwachsen genug ist. Meine Tochter würde sich sowas für mich sicherlich nicht wünschen.
Wieso denken viele das zwei unzufriedene Eltern zusammen besser sind als getrennte die zufrieden sind ? Von meinem Mann erwarte ich Unterstützung wenn es mir schlecht geht. Und die bekomme ich auch .

02.12.2019 06:46 • x 4 #11


[quote="Gaulin"]Hallo Madima,Warum denkst du über Trennung nach, wenn er dich nicht mehr liebt? Er weiß es am besten und es wäre eher seine Aufgabe. Natürlich, wenn du dich auf Dauer schlecht damit fühlst, solltest du eine Entscheidung treffen. Aber ich finde, man sollte sowas nicht immer gleich überbewerten. Nur weil der Partner immer so war, darf er nicht mal "anders" sein. Könnte es vielleicht auch sein, dass er den Abstand von den Problemen/Sorgen grad genießt, es ihm gut tut und sich deshalb zurückgezogen hat? Das darf er auch. Erlaube ihm ruhig etwas Freiheit. Wenn er nicht schätzt, was er an dir hat, wird er doch sicher seine Entscheidungen treffen. Versuche nicht ihn aus Angst noch weiter von dir wegzutreiben. Eifersucht nützt leider keinem was. Ganz im Gegenteil könntest du durch dein Misstrauen genau das auslösen, wovor du doch so große Angst hast. Es ist leicht gesagt, aber in eurem Fall sollten beide an sich arbeiten. Hier gibt es ungeklärte Dinge aus Vergangenheit. Liebe Grüße Gaulin [/quote

Hallo Gaulin,

Ich denke aus dem Grund über Trennung nach, weil ich auch nur ein Mensch bin, dessen Grenzen irgendwann erreicht sind. Wie würdest du dich fühlen, wenn dein Partner dir kurz vor der Reha erklärt keine Gefühle mehr zu haben. Er dich mit kurzen, gefühlllosen Aussagen "abfertigt" und er im Gegensatz dazu alle Zeit der Welt für andere Dinge und Personen hat, die er im Gegensatz zu mir nicht jahrelang kennt. Ich habe sehr wohl Verständnis dafür, dass er sich in der Reha auf sich und seine Genesung konzentrieren sollte. Ich "belästige" ihn weder mit unnötigem Klammern, noch schreib ich ihm ansatzweise an wie es in mir aussieht. Ich gebe ihm die Ruhe und die Zeit, die er braucht. Aber ich denke, dass auch ich ein Recht dazu habe mir über die Situation Gedanken zu machen, und dann auch mitunter daran zu zweifeln. Für niemanden ist es schön auf Halde geschoben zu werden, ohne auch nur eine positive Reaktion seit dem Streit zu sehen.

02.12.2019 20:18 • x 1 #12


Flame
Mir kommt da gerade die Idee,ob ihr mal ein Paargespräch bei seinem Bezugstherapeuten anregt.
Vielleicht klärt sich dann für beide Seiten einiges auf und danach geht es eventuell beiden Partnern besser...vielleicht kommt ihr euch dann auch wieder näher.

03.12.2019 09:10 • x 1 #13


An sich eine schöne Idee, er möchte aber während der Reha keinerlei Besuch, weder von mir, noch seiner Familie

03.12.2019 12:55 • #14


Flame
O.k.,das ist nachvollziehbar aber ich kann auch gut verstehen,dass das für Dich eine schwierige Situation ist.

Versuch,es nicht überzubewerten,wenn er Kontakt zu Frauen hat in der Klinik.
Ich habe auch mal mit einem Mann (in der psychosomatischen Klinik) was unternommen,wir haben uns einfach gut verstanden und der Austausch mit Mitpatienten (egal,ob männlich oder weiblich) ist ja auch ein wichtiger Faktor bei der Genesung.

Was Dir evt. helfen kann,ist,dass Du bewusst positive Bilder in Deinem Kopf "einübst".


Momentan läuft in Deinem "Kopfkino" wahrscheinlich oft ein Film,in dem er mit anderen Frauen zu sehen ist.
Versuch mal,ein neues "Drehbuch" und in den Hauptrollen spielt ihr beide als glückliches Paar.

Die Energie folgt nämlich den Gedanken,das bedeutet,dass Dein Unterbewusstsein automatisch beginnen wird,den Film in die Realität umzusetzen.
Man kann es auch selbsterfüllende Prophezeiung nennen,die sind sehr machtvoll und wir haben das Glück,darauf Einfluss nehmen zu können.

Die positiven Bilder werden auch dazu führen,dass Du Dich insgesamt besser fühlst.
Die Ängste werden verringert und das Vertrauen - Grundlage jeder Beziehung- gestärkt.

In einer Krise wird alles durcheinander gewirbelt und man selbst befindet sich gefühlt im Auge des Sturms.
Krisen sind allerdings auch eine grosse Chance,miteinander zu wachsen und Beziehungen sind wie ein Gummiband:
Je weiter es gespannt ist (= je grösser der Abstand zueinander),desto näher rückt der Zeitpunkt,an dem es "zurückspringt" zum anderen Ende (ihr beide zueinander).

Mein Mann und ich hatten auch sehr zu kämpfen während meiner Depression,ich hatte übrigens auch keine Gefühle mehr für ihn und fand das ganz schrecklich.
Wir haben also beider darunter sehr gelitten.

Mein Mann hat zum Glück Ruhe bewahrt und einfach signalisiert,dass er immer für mich da ist und meine Entscheidungen respektiert.
Nachdem die Depression abklang,in der alle positiven Gefühle in mir "eingefroren" waren,kamen die Gefühle für ihn langsam aber sicher wieder zurück und diese Zeit hat unsere Beziehung sehr gestärkt.

Man ist während einer Depression wirklich nicht man selbst und wenn Du es schaffst,das im Hinterkopf zu behalten,ist schon viel gewonnen!

03.12.2019 13:16 • x 1 #15


Danke Flame für deine Mut machende Nachricht. Ich versuche natürlich mir auch positive Gedanken zu machen, aber es fällt nicht immer einfach. Das wird mitunter auch meinen eigenen depressiven Episoden geschuldet sein. Ich versuche natürlich "stark" zu sein, und hoffe, dass mir durch meine Gesprächstherapie Wege aufgezeigt werden können, meine Ängste, meine Eifersucht, aber vor allem meine teils tiefe Traurigkeit, die mich schon lange begleitet, "besiegen' oder zumindest auf ein annehmbares Maß runterbrechen zu können.

03.12.2019 17:58 • #16


Flame
@Madima

Traurigkeit ist nicht angenehm aber schliesslich auch "nur" ein Gefühl,das kommt und geht.
Wenn man sie bewusst zulässt (nicht reinsteigern aber auch nicht davor fliehen wollen) kann sie sogar befreiend sein.
Wenn man alle Tränen mal fliessen lässt,fühlzt man sich hinterher leichter,ist wie eine Dusche für die Seele sag ich immer.

Wenn beide Partner depressiv sind,ist das eine besondere Herausforderung und deshalb ist es echt gut,dass Du therapeutische Hilfe an der Seite hast und auch Dein Partner in Behandlung ist.
Verurteile Dich nicht für Deine Gedanken und Gefühle,die dürfen da sein und die gehen auch wieder.

Ich hatte in meinem Leben schon mehrfach Depressionen,sie waren jedesmal anders aber es ging immer wieder bergauf danach.

Ach so,ich kann Dir in dem Zusammenhang noch ein gutes Buch empfehlen:

"Wenn das Leben zur Last wird" von Dr.Rolf Merkle.
Das Buch gibt praktische Anleitung im Umgang mit Depressionen,mir hat es seinerzeit sehr geholfen.
Denn wenn man zuhause ist und viel Zeit zum Grübeln hat,gleiten die Gedanken gerne mal in´s Negative ab,was ja normal ist bei Depressionen.
Mit diesem Buch kann man selbst gegensteuern und es spendet Trost.

Alles wird gut,ist nur eine Frage der Zeit!

03.12.2019 18:10 • x 1 #17


Carsten1974
Zitat von Madima:
Dann lernte ich meinen jetzigen Freund kennen, der das genaue Gegenteil war. Er war liebevoll, umsorgend und fürsorglich. Unsere "Streitereien' konnte man im Laufe der ganzen Zeit zählen. Sie waren auch nie extrem, oder zerstörerisch. Deswegen trifft es mich jetzt um so mehr, dass er keine Gefühle mehr hat. Ich kann schlecht mit seiner nunmehr unterkühlten, distanzieren Art umgehen. Zumal seine Nachrichten ab der zweiten Woche immer weniger und liebloser wurden. Ich weiß, daß den Patienten geraten wird, die sozialen Kontakte in die "Außenwelt" zu reduzieren. Aber wie er sich jetzt verhält, finde ich schon grenzwertig. Zumal, ob der angespannten Situation zwischen uns. Ich hoffe, dass ihr mir schreiben werdet, sei es nur um andere Perspektiven aufgezeigt zu bekommen.


Hallo Madima,
erstmal möchte ich Dir sage, dass mich Deine Schilderung berührt und ich verstehen kann, dass die Situation Dich sehr belastet. Ich kann mich einerseits sehr gut in Dich, aber auch in Deinen Partner hineinversetzen. Ich habe den Eindruck, dass ihr beide trotz Eurer jeweiligen seelischen Beeinträchtigungen, irgendwie auch eine ganz normale Beziehungskrise durchmacht, die in jeder Partnerschaft über kurz oder lang auftaucht.

Die Frage, die ihr beide daher zusammen klären müsstet, ist aus meiner Sicht, ob ihr beide diese Krise durchstehen wollt' und grundsätzlich zusammenbleiben. Dann wäre es eine Möglichkeit, eine Paartherapie zu beginnen, um wieder zueinander zu finden. Bis dahin würde ich versuchen, Deinen Partner "loszulassen", d.h. ihm seine Freiheit zu geben und ihn nicht in der Reha oder auch so zu bedrängen mit Erwartungen, die Du an ihn hast. Dies hat bei mir zum Beispiel nur zu noch größerem Rückzug von der Beziehung geführt.

Bist Du ihm wichtig, sollte er irgendwann von allein den Wunsch verspüren, sich bei Dir zu melden oder die Beziehung nach der Reha wieder zu intensivieren. Verspürt er diesen Wunsch nicht, dann ist Eure Beziehung wahrscheinlich nicht mehr zu retten.

Wenn Du ab sofort Dich vor allem um Dich kümmerst, zusiehst dass es Dir auch ohne ihn eingiermaßen gut geht, dann ist das aus meiner Sicht das Beste, was Du für Dich und auch für Eure Beziehung tun kannst. Möchtest Du ein extrem gutes Buch zum Thema lesen? Dann empfehle ich Dir "Die Psdychologie sexueller Leidenschaft" von David Schnarch. Mir hat es viele Augen geöffnet.

Auf jeden Fall wünsche ich Dir viel Kraft für Dich und den Weg, der vor Dir bzw. Euch liegt.

03.12.2019 19:15 • x 3 #18


Luna70
In einer psychosomatischen Reha wird (zumindest wurde es mir so erzählt) viel Wert auf gemeinsame Unternehmungen gelegt. Manchmal gibt es deshalb kein TV im Zimmer, damit die Leute abends zusammen sitzen und nicht alleine im Zimmer. Von daher ist es ganz normal, dass dein Partner mit anderen Leuten unterwegs ist und ich würde da nicht zu viel hinein interpretieren, wenn er von anderen Patienten erzählt. Zwangsläufig natürlich auch weibliche.

Durch die Therapien wird er zudem sehr mit sich selbst beschäftigt sein. Es ist ja Sinn der Sache, dass die Patienten zur Ruhe kommen, Abstand zum Alltag gewinnen. Es kann also alles ganz harmlos und nachvollziehbar sein, wie es sich jetzt verhält.

Ich denke, momentan kannst du nichts anderes tun als abwarten und versuchen, die Zeit gut zu überstehen.

03.12.2019 20:10 • x 2 #19


Ich danke euch allen für die vielen lieben Ratschläge, auch für die zwei Buchtipps Ich unternehme soweit es meine Verfassung zulässt schon einiges, wie spazieren gehen, war vergangenen Freitag nach langer Zeit mal wieder auf einem Konzert, und werde morgen mit meinem Sohn ins Kino gehen. Ich liebe ihn nach wie vor sehr, und kann/möchte mir gar nicht vorstellen ohne ihn zu sein. Er ist jetzt noch zwei Wochen da, falls er keine Verlängerung bekommt. Ich habe aber auch große Angst vor unserem ersten Zusammentreffen. Gedanken, was ist, wenn er dich dann erst mal nicht sehen möchte, und andere schlechte Szenarien spuken mir im Kopf rum.

03.12.2019 23:30 • x 2 #20




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