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Nora5
Hallo Ihr Lieben,

leider hatte ich heute morgen einen sehr heftigen Tiefpunkt. Ich versuche seit 3.5 Monaten jetzt, zu verarbeiten, wie sehr mein Freund (der abgetaucht ist seitdem) mich getäuscht und belogen hat und die Wirklichkeit immer wieder so verdreht, dass er sich letztlich als Opfer fühlt.

Seit dem Moment, wo er weg war, benutze ich Skills und Skills und Skills und Skills, Skillketten, und habe wirklich alles aktiviert, was mir einfiel und was mir bisher geholfen hat im Leben.

Aber es wird nicht besser und ich komme einfach nicht über diese Enttäuschung hinweg. Das Grundgefühl ist immer wieder ein Gefühl von Schock und Fassungslosigkeit darüber, wie ein Mensch so etwas tun kann. Es ist mir so dermaßen unvorstellbar. Ich kann nicht lügen, ich bin extrem schlecht im Verdrängen und ich schaffe es auch ganz schlecht bis gar nicht, mich bei anderen Menschen zu verstellen.

Ich habe diesem Menschen wirklich alle Liebe geschenkt, die ich in mir habe. Ich hab ihn so unfassbar geliebt. Und jetzt stehe ich da als der dümmste und naivste Idiot des Jahrhunderts. Er streift mich einfach ab wie eine schlecht sitzende Jacke und es ist okay für ihn. Ich existiere nicht mehr in seinem Leben. So einfach geht das.

Weil ich schon wirklich soooo viel versucht habe, damit ich nicht 15 Stunden am Tag das Gefühl habe, komplett durchzudrehen, mache ich dieses Thema jetzt mal hier auf und vielleicht hilft´s ja irgendwie. Vielleicht ergibt sich ja was daraus. Und wenn´s sogar vielleicht noch wem anders hilft, noch besser!

Ich WILL da raus ich will wieder leben, ich bin ein so ultra positiver, lebendiger Mensch mit ganz ganz viel Lebensfreude sonst. Und zur Zeit fühl ich mich einfach nur noch nicht mehr in dieser Welt.

Liebe Grüße und guten Start ins Wochenende für Euch alle,
Nora

17.09.2021 19:06 • 19.10.2021 x 2 #1


98 Antworten ↓


Du bist dieselbe und Dein Wert bleibt gleich. Du stehst nicht als dummer naiver Idiot da, sondern als echter, ehrlicher und liebender Mensch. Wo ist das Problem? Schlecht dastehen tut doch er, der unechte, unehrliche. Dass Dich der Verlust schmerzt, ist klar, aber vielleicht hast Du schon früher etwas gemerkt und trotzdem an ihm festgehalten. Sei froh, dass er weg ist, er hätte Dir sonst noch viel mehr Schmerz bereitet.
Mitfühlende Grüße

17.09.2021 19:19 • x 6 #2



Verarbeiten von Lügen und Täuschung

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Myosotis
Zitat von Nora5:
Seit dem Moment, wo er weg war, benutze ich Skills und Skills und Skills und Skills, Skillketten, und habe wirklich alles aktiviert

(fett hervorgehoben von mir)

Vielleicht geht es jetzt, wo dir keiner deiner Skills aus diesem Schockgefühl und dieser Fassungslosigkeit heraus geholfen haben, darum "passiv" diesen Schmerz auszuhalten, dich dem hinzugeben. Dein Tiefpunkt von heute morgen war wohl ein entsprechendes Signal dafür.

17.09.2021 20:01 • x 4 #3


cube_melon
Zitat von Nora5:
Das Grundgefühl ist immer wieder ein Gefühl von Schock und Fassungslosigkeit darüber, wie ein Mensch so etwas tun kann.

Auch wenn ich nicht ein deinen Schuhen laufen kann, kenne ich das nur zu gut.

Das Thema kann viele Aspekte haben.

Man ist sich der eigenen Werte bewusst, dem was man gibt, investiert und vertraut. In dem Moment wo der Partner soch so verhält, fragt man sich was das war, was man wert ist.
Du hast ihn vermutlich sehr nahe an dich heran gelassen und er hat das Vertrauen missbraucht.
So etwas ist eine emotionale Grenzübertretung.
Man fühlt sich irgendwie entblöst, unsauber. Wie als möchte man sich von innen reinigen um alles von dem anderen loszuwerden. Wie als hätte man ein trojanisches Pferd in sein Herz gelassen.

Hier ist es gut sich klar zu machen, das er aus dieser Zone raus ist. Ebenso wie sich die eigenen Grenzen wieder ganz bewusst zu machen. Hier ist es wichtig das man mit sich selbst so umgeht, als würde man einen Freund/Freundin bei einer solchen Trennung helfen. Man sollte wirklich vermeiden sich dafür zu hassen. Ebenso sollte man sehen das die Wertung des anderen wie eine Art Introjekt gegen einen selbst arbeiten kann. Wie als wenn seine abwertenden Worte oder Lügen in einem selbst nachhallen.

Dann ist noch das Gefühl das die Liebe, welche man gegeben hat, und die dem anderen gefühlt nichts wert war. Auch ob man überhaupt geliebt wurde.

Und das ist nur ein Teil von dem was in einem vorgehen kann.

Die ersten Monate können herausfordernd sein. War es bei mir bisher immer so.
Mittelfristig hat es geholfen es hinzunehmen wie es ist und zu beginnen meine Seele wieder zu pflegen.

17.09.2021 20:16 • x 7 #4


Mondkatze
Hallo

Du hast alles gegeben in der Beziehung. Du hast bedingungslos geliebt.
Das ist doch wundervoll.
Mach sein Problem nicht zu deinem.
Eure Beziehung ist nun vorbei, du hast gelernt, dass Menschen so sein können. Aber nicht alle sind so.
Du hast dir nichts vorzuwerfen.
Und wenn du wieder in einer Beziehung sein wirst, dann wirst du diese Beziehung genauso mit Liebe füllen, wie du es schon vorher getan hast.
Weil du so bist wie du bist.

17.09.2021 20:38 • x 6 #5


silverleaf
Liebe Nora,

es tut mir sehr leid, dass es Dir so schlecht geht !

Dass es nach einer so heftigen Enttäuschung schwerfällt, darüber hinwegzukommen, ist absolut verständlich und menschlich, es zeigt, dass Du ein empfindsamer Mensch bist, kein Roboter, und was Dir passiert ist, spricht Bände über diesen Typen und sagt nichts, aber auch gar nichts über Dich aus, schon gar nicht bist Du
Zitat von Nora5:
der dümmste und naivste Idiot des Jahrhunderts
,
im Gegenteil!

Was nun das Problem mit den schwierigen Gefühlen ist:

Skills sind nicht dafür da, Gefühle "wegzumachen". Gefühle wollen und müssen gespürt/ gefühlt/ erfahren werden, die Skills können nur dabei helfen, dabei nicht unterzugehen. Gefühle kann man nicht wegskillen, und das ist auch gut und gesund so.

Ich bin da mit @Myosotis einer Meinung, das Gefühl muss "empfunden" werden, das Gefühl zuzulassen ist der Weg.

Der wohl mit am schwierigsten zu meisternde Skill ist das "Emotions-Surfing", und ich glaube, dass Du da genau die "Heilung"/ Besserung liegt: das Gefühl intensiv und bewusst zu empfinden, ohne dabei unterzugehen.

Gefühle sind Energie und Wellen nicht ganz unähnlich. Sie haben Energie in sich, und ähnlich wie bei einer Welle verschwindet diese nicht einfach so. Wenn sie nicht empfunden/gespürt werden, bleibt diese Energie/ diese Anspannung bei Dir im Körper und Deiner Psyche und kann sich nicht abbauen/verwandeln, ähnlich einer Welle, die ihre Energie nicht an einem Strand auslaufen lassen kann. Solange Du Deinen Gefühlen nicht den nötigen Raum gibst, werden sie Dich weiter nicht zur Ruhe kommen lassen und werden ihre Kraft und Energie behalten.

Der Weg wäre also tatsächlich, dass Gefühl intensiv zu spüren. Mit dem Bild im Kopf, wie auf einem Surfbrett auf der Krone einer großen Welle zu surfen. Und Du wirst feststellen: Wenn Du das Gefühl spürst, ihm Raum zur Entfaltung gibst, wirst Du beobachten können, wie seine Energie geringer wird, wie es sich langsam abbaut, wie eine Welle, die auch irgendwann an Höhe verliert und am Strand ausläuft. Du surfst die Welle quasi "ab". Gegen ein Gefühl ankämpfen zu wollen funktioniert nicht, zumindest nicht auf Dauer. Das Gefühl zuzulassen ist der Weg.

Es klingt hart (und das ist es auch), aber sich zu trauen, dass Gefühl zu spüren, ist der Weg, ihm seine Kraft zu nehmen.
Es ist schwer, gerade die ersten Male, aber wenn Du es einmal geschafft hast, ein schmerzhaftes Gefühl zuzulassen und bewusst zu spüren, wirst Du bemerken können, dass es in seiner Intensität irgendwann nachlässt. Ich habe da zuerst auch nicht dran geglaubt, habe Gefühle nicht zugelassen, in der Angst, dass diese mich komplett "verschlingen" und überwältigen würden, wenn ich sie zulasse. Und garantiert nie mehr aufhören. Aber das ist nicht passiert, der Schmerz wurde irgendwann weniger. Es gibt diesen Punkt, an dem das Gefühl in seiner Intensität nachlässt. Und wenn Du es einmal schaffst, ein schwieriges Gefühl bis zu diesem Punkt zu empfinden, kannst Du die Erfahrung machen, dass es eben nicht die Macht hat, Dich zu verschlingen. Und das Gehirn lernt das nebenbei mit. Es ist eine fast "körperliche" Erfahrung, die man da macht, und das Gehirn merkt sich diesen Punkt der "Entspannung", lernt, dass es diesen Punkt gibt und je öfter man das übt, umso besser kann man schwierige Gefühle zulassen und tolerieren, man kann das dann immer besser, weil die Erfahrung von "irgendwann nimmt die Intensität ab" sich dann vertiefen kann.

Alles Gute und ganz liebe Grüße
LG Silver

17.09.2021 23:59 • x 7 #6


zukunft-2021
Hallo Nora

Einen Menschen zu verlieren, den man über alles liebt, ist sehr schwer, und oftmals helfen da auch keine Worte. Seien diese auch noch so gut gemeint, aber Mondkatze hat völlig recht, wenn sie schreibt mache sein Problem nicht zu deinem. Schaue nach vorne auch wenn es noch so hart ist, und es ist hart ich weiß mache ganz kleine Schritte, tue dir etwas gutes, und wenn es auch noch so wenig ist, und es wird langsam besser, Liebe Nora ich wünsche Dir viel Erfolg dabei

18.09.2021 06:40 • x 6 #7


moo
@Nora5

Viele gute Ratschläge hast Du schon bekommen. Ergänzend möchte ich anregen, Deinem "Ex" - so hart und unsinnig es klingen mag - eine Art Mitgefühl zukommen zu lassen. Das was er tat, wird mit Sicherheit unerfreuliche Auswirkungen auf sein weiteres Leben haben, ggfs. auch darüber hinaus. Wir wissen es ja nicht.

Eure Leben haben sich berührt und jeder bekam seine Portion davon ab. So wie es aussieht, leidest Du vielleicht noch eine Weile darunter, aber Du hast - was aus Deinen bisherigen Posts zu entnehmen ist - zweifelsohne viel gelernt. Du durftest auch erleben, wie stark Du zu lieben fähig bist. Diese Erfahrung ist nicht zu unterschätzen. Wenn sie ehrlich war, hat sie Deinen Charakter gestärkt. Durch den Schmerz "danach" hast Du Dich außerdem in ein emotionales Tal begeben, das zu durchschreiten ebenfalls eine langfristig wichtige Episode darstellt. Das was Du durch den aktuellen Verarbeitungsprozess lernst, kann Dir keiner mehr nehmen - es konnte auch keiner für Dich leisten. Das ist Deine Leistung.

Wie seine Portion aussieht, ist nun seine Erfahrung. Ob und wann er sie bewusst, ignorant, leidend oder wie auch immer erlebt, ist seine Sache. Eure Berührung ist vorbei. Letztlich war er nie ein "Teil" von Dir und Du auch nicht von ihm. Egal, wie nahe Körper und Geist von Partnern sich kommen mögen, ein "Verlust", ein "Gewinn" findet nicht statt, wenn man genau hinschaut.

Mach irgendwann Deinen Frieden mit ihm. Dann ist alles vergessen. Selbst die schlechtesten Menschen sind immerhin (noch) Menschen.

18.09.2021 10:47 • x 3 #8


Abendschein
So etwas tut so weh. Es ist beinahe wie eine Trauer, ja das ist sie. Trauer, Traurigsein tut weh.

Bleibe Dir und Deinem Weg treu. Das liest sich gut, so wie Du denkst und fühlst,
so unheimlich Menschlich, das mag ich sehr gerne.

Du wirst darüber hinweg kommen, irgendwann.
Alles braucht seine Zeit. Alles.

18.09.2021 11:30 • x 2 #9


Icefalki
Zitat von Nora5:
diese Enttäuschung hinweg


Dann bleib mal in deiner Enttäuschung und schaue sie dir ganz gut an:

Ja, es ist grauenhaft, wie eklig sich die Fratze von Lügen, Enttäuschung, Trauer, Zorn, Wut, Elend anfühlt. Grausam.

Ja, es ist grauenhaft, wie sehr man wegen Menschen leiden muss, die man geliebt hat.

Ja, es ist grauenhaft, alleine dazuhocken, und festzustellen, war alles ...... keine Ahnung..... Aber jetzt ist alles nur beschissen.

So, das darfst du alles fühlen und dir verzeihen, dass du das alles fühlen musst.

Wenn dieses Gefühlschaos akzeptiert werden kann, akzeptiert, dass einem so ein Dreck widerfahren ist, akzeptiert, dass MIR das passiert, ICH so leiden muss, dann beende es.

Lass los. Ist rum, war heftig, dumm gelaufen, aber rum. Es ist vorbei.

18.09.2021 12:32 • x 2 #10


Nora5
Hallo Ihr Lieben,

erstmal tausend Dank für so super liebe und hilfreiche Antworten, darauf werde ich auch noch eingehen. Ich kämpfe gerade total, darum, nicht zusammen zu klappen. Ich habe mit der Tel.seelsorge telefoniert und versucht mich für den heutigen Tag zu strukturieren. Die Angst ist so starkn, dass quasi gar nichts mehr ging. Ich habe jetzt geschafft, eine Schufa Bescheinigung zu beantragen wegen Besichtigung neuer Räume für meine Praxis nächste Woche, habe Kontoauszüge für 1,5 Jahre vorbereitet, so dass eine mgl. kurze, aber übersichtliche Dokumentation der Finanzen gegeben ist und ein Empfehlungsschreiben vorbereitet, welches ich der jetzigen Vermieterin per Mail senden kann zum Unterschreiben. Jetzt gehe ich gleich in die Praxis und drucke das aus. Ich habe so dermaßene Angst, jetzt komplett die Kontrolle zu verlieren und ganz kapitulieren zu müssen. Ich darf einfach jetzt nicht die Angst gewinnen lassen und aufgeben.

Liebe Grüße,
Nora

19.09.2021 15:58 • x 3 #11


Hoffnungsblick
Zitat von Nora5:
Ich hab ihn so unfassbar geliebt

Es ist schön, dass du tief lieben kannst. Nun hast du diese Erfahrung gemacht. Es ist deine Fähigkeit.
Er kann es vielleicht nicht. Möglicherweise hat er das erkannt, dass er es nicht kann oder dass er deine Liebe nicht erwidern kann. Das kommt für dich auf das Gleiche heraus.

Deine Fähigkeiten kann er dir nicht nehmen, auch nicht die Fähigkeit, zu lieben.


Zitat von Nora5:
Er streift mich einfach ab wie eine schlecht sitzende Jacke und es ist okay für ihn. Ich existiere nicht mehr in seinem Leben.


Ist er vielleicht ein Narzisst, der die Gefühle anderer Menschen "konsumiert"? Dann ist er deiner nicht wert. Dann ist es gut, dass so einer aus deinem Leben verschwunden ist.


Zitat von Nora5:
Ich WILL da raus ich will wieder leben, ich bin ein so ultra positiver, lebendiger Mensch mit ganz ganz viel Lebensfreude sonst.

Wenn du das so intensiv willst, wirst du es schaffen. Du wirst alle Hebel in Bewegung setzen, bis du frei bist. Dann wird deine Lebensfreude siegen.

Alles Gute dir!

19.09.2021 17:15 • x 1 #12


Nora5
Zitat von Fauda:
Du bist dieselbe und Dein Wert bleibt gleich.

Liebe Fauda Danke, Danke, Danke, Danke! Ich muss das lernen, ich kann das nicht, ich habe da große Probleme! Ich hoffe, ich werde es lernen! Ich habe keine gesunde Wut, ich fühle immer nur Traurigkeit und ich habe ihn so unfassbar in mein Herz geschlossen. Ich habe da das Gefühl, komplett falsch und krank zu sein. Viel zu naiv gewesen zu sein.
Zitat von Fauda:
Du stehst nicht als dummer naiver Idiot da, sondern als echter, ehrlicher und liebender Mensch.

Ja das war ich auch aber meine Wahrnehmung, also meine Selbstzweifel, mein "mich verunsichern lassen" spielen mir da gemeine Streiche. Ich war sowas von ehrlich zu ihm. Und es tut so weh.
Zitat von Fauda:
Schlecht dastehen tut doch er, der unechte, unehrliche.

Ja das müsste ich schaffen, zu verinnerlichen. Er sieht das ja nicht so. Er fühlt sich ja im Recht. Er ist ja wütend auf mich.

19.09.2021 23:34 • #13


Lass Dich nicht "beeindrucken" von seiner Wut und "Recht haben". Stehe zu Dir, Du bist niemandem Rechenschaft schuldig.

19.09.2021 23:40 • x 1 #14


Nora5
Zitat von Myosotis:
Vielleicht geht es jetzt, wo dir keiner deiner Skills aus diesem Schockgefühl und dieser Fassungslosigkeit heraus geholfen haben, darum "passiv" diesen Schmerz auszuhalten, dich dem hinzugeben. Dein Tiefpunkt von heute morgen war wohl ein entsprechendes Signal dafür.

Liebe Myosotis ganz ganz ganz lieben Dank! Ja, da hast Du Recht. Jetzt habe ich wieder sehr viel geweint und es hat sich Einiges auch gelöst. Tatsächlich habe ich das allerdings in den 3.5 Monaten auch schon ganz viel. Nach meinem Gefühl ging es immer wieder von vorne los, ich halte so sehr an ihm fest. Ich weiß nicht, was er mit mir gemacht hat, dass ich so dermaßen festhalte. Das ist so krank. Ich vermisse ihn so unendlich. Ich habe das aber mit den Skills nur so überbetont, weil ich es nicht geschafft habe, das Ganze aufzuschreiben. Es war schon viel mehr als das. Ich war zweimal zur Nachsorge bei meiner früheren Therapeutin, hab viel da geweint. Ich hatte zwei Beratungsgespräche mit Rat und Tat e.v. für Angehörige von psychisch Kranken. Drei Gespräche mit der gleichen Beraterin von dem Sozialdienst katholischer Frauen. Die waren echt gut und hilfreich und der Prozess geht auch weiter. Ich habe 15 Stunden Traumatherapie bewilligt bekommen über den LVR weil es kurz, wenn auch nicht tragisch, zu einem körperlichen Übergriff kam. Ich habe mir selbst einen Hypnotherapeuten gesucht wo ich viermal a fast zwei Stunden war. Mit der ganzen Hilfe wurde viel bearbeitet. Es ist nur so dermaßen stark. Ich kippe immer wieder um und liege wie ein Käfer auf dem Rücken. Ich bin auch sehr viel verabredet mit Freunden, also da ist auch UNterstützung und positive Ablenkung. Drei Monate konnte ich gar nicht arbeiten aber ich habe gemerkt, dass das auch keine Lösung war, weil die Arbeit mir auch Struktur und Kraft gibt.

19.09.2021 23:41 • x 2 #15


Myosotis
Liebe Nora,

was ich wahrnehme, ist, dass du an zu vielen unterschiedlichen "Stellen" (Therapeuten, Freunde, Forum ...), nach Unterstützung suchst. Dadurch erhältst du m.E. zu viele Perspektiven, jeder mischt in dem Thema mit herum (auch ich), aus der besten Absicht heraus. Doch ich denke, das ist wenig zielführend.

Verstehe mich bitte richtig: Es ist immer schön, wenn man mitten im Gefühlschaos steckend, Menschen an seiner Seite hat, die helfend beistehen. Aber auch das kann zu viel sein, weil die vielen unterschiedlichen Perspektiven zusätzlich für Verwirrung sorgen, die gar nicht mehr verarbeitet werden können. Man bleibt letztlich stecken, weil man sich noch mehr im Thema verstrickt. Scheint dir deinen Schilderungen zufolge zu passieren.

Aber meiner Einschätzung nach, kannst du derzeit gar nicht anders als deinen Schmerz auf diese Weise anzugehen. Und deswegen finde ich das, was du machst, trotzdem völlig in Ordnung!

Ich war jetzt in dem Dilemma, ob ich dir das überhaupt schreiben soll, denn letztlich habe ich hiermit noch eine weitere Perspektive obendrauf gesetzt. Tja, also einerseits ein kleines "sorry" dafür Doch kann es sein, dass dir das bereits von anderen gesagt wurde?

20.09.2021 09:57 • x 2 #16


Nora5
Zitat von Myosotis:
Liebe Nora, was ich wahrnehme, ist, dass du an zu vielen unterschiedlichen "Stellen" (Therapeuten, Freunde, Forum ...), nach Unterstützung suchst. Dadurch erhältst du m.E. zu viele Perspektiven, jeder mischt in dem Thema mit herum (auch ich), aus der besten Absicht heraus. Doch ich denke, das ist wenig ...

Liebe Myosotis,

guten Morgen, lieben Dank für Deine Antwort!

Nee nee, keine Sorge, das ist wirklich nicht so! Dem kann ich sicher und überzeugt widersprechen.
Ganz im Gegenteil. Ich bin heilfroh, das Netzwerk hat mich gerettet. Das geht alles in eine Richtung.
Die Alternative wäre ein mehr an Medikamenten gewesen und das hätte mehr unterdrückt, so haben es die Gespräche aufgefangen. Durch verschiedene Gespräche fühlte ich mich zu keinem Zeitpunkt verwirrt dadurch, dass sich etwas widersprochen hätte. Es geht die ganze Zeit um Trauerverarbeitung. Ich wollte mit der mail nur sagen, ich drücke nicht einfach mit Skills "alles weg". Es wird bearbeitet. Ich habe auch einmal die Woche meine Selbsthilfegruppe, auch da ist ein Ort, wo ich ein bisschen was lassen kann und darüber reden und auch traurig sein. Ich versuche eben nicht, mit den skills etwas wegzumachen. Ich versuche einfach nur, zu überleben und meinen Alltag irgendwie zu schaffen.

Liebe Grüße, Nora

20.09.2021 11:05 • x 1 #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Myosotis

20.09.2021 11:20 • x 1 #18


Nora5
Puh, im Moment kostet das alles die gesamte Kraft, ich glaube, das ist Dissoziation, weil ich das alles nicht verarbeiten kann. Meine Gedanken springen die ganze Zeit, eben in der Sekunde nehme ich mir etwas vor und in der nächsten ist es weg, gelöscht. Das ist super anstrengend, ständig werde ich eingenebelt.

20.09.2021 13:20 • #19


Nora5
Zitat von cube_melon:
Du hast ihn vermutlich sehr nahe an dich heran gelassen und er hat das Vertrauen missbraucht.

Lieber Cube Melon,

vielen lieben Dank für Deine sehr reflektierte und einfühlsame Antwort!
Ja, ich habe ihn sehr nah an mich ran gelassen und mich dadurch auch so verletzlich gemacht. Er hat genau in die wundesten Punkte immer reingetreten. Immer, wenn ich das thematisiert habe, sagte er absolut glaubwürdig, nein, habe er nicht, würde er nicht, wäre nie seine Absicht. Und doch tut er es und hat es getan. Ich habe eigentlich nur den einen wirklich wunden Punkt und das ist Wegstoßen und plötzlicher Kontaktabbruch. Und das hat er immer gemacht. Er sagte dann immer, sein Trauma sei getriggert und dann ist er abgetaucht. Es gab Vereinbarungen, u.a. mit meiner Therapeutin und er war dabei, ob es nicht, wenn er überfordert sei, Sätze gäbe, die er sich im Handy speichern könne und in so einem Moment schicken. Es kam auch mal vor, dass er das getan hat. Aber meist hatte ich das Gefühl, jetzt will er wirklich quälen und mich weich kochen, bis ich gar nicht mehr kann. Und dann kommt einfach keinerlei Lebenszeichen. Und immer wieder im Gespräch kommt von ihm, nein, das sei aus Überforderung und meine Reaktionen seien eben viel zu extrem.

Ich werde auf jeden Fall meinen Teil daran weiter therapeutisch bearbeiten.

Ganz liebe Grüße,
Nora

21.09.2021 23:56 • x 1 #20



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