Zitat von Saorsa:sich selbst annehmen und gern haben, hat nichts damit zu tun, dass man sich nicht hinterfragen kann, wo die eigenen schwächen liegen und an diesen arbeiten kann.
Können tut man schon, nur die meisten ABs befinden sich schon in einem wahren Hinterfragungsstrudel.
Und auch wieder typisch: Hinterfragen, wo die eigenen Schwächen liegen.
Am besten rund um die Uhr und am besten, wenn man gerade auf andere Leute trifft. Sorry, aber so kann das nicht klappen.
Zitat von Saorsa:der satz aus der werbung "ich möchte so bleiben wie ich bin", ist zum beispiel so ziemlich der dümmste, den ich kenne. jemand, der in seinem leben bleiben will, wie er ist, ist zur stagnation verurteilt.
Unbestritten ist es allerdings auch, daß sich viele Menschen in Richtungen anpassen MÜSSEN (nämlich egal ob sie wollen oder nicht), in die sie entwicklungstechnisch gar nicht wollen.
Die Alternative ist oft: Du passt Dich an (obwohl Du nicht damit kannst) oder Du bleibst übrig.
Zitat von Saorsa:wenn man also gegengeschlechtlich nicht ankommt, sollte man sich wirklich fragen, wie man selbst auf andere wirkt, und warum da diese blockaden sind.
Ja und das am besten den ganzen Tag lang und bei jeder Gelegenheit mit jemand in Kontakt zu treten...
Ich halte das für ganz schlecht - vielmehr noch: ich halte das für eines der Grundprobleme der ABs.
Zitat von Saorsa:die schuld auf die frauen, männer oder die gesellschaft abzuschieben, ist dabei so ziemlich die grösste ingnoranz.
Es geht nicht darum, daß irgendjemand schuld ist, sondern daß man zu sich selbst steht unabhängig davon, was einem von außen als Standard vermittelt wird. Und da ist es durchaus erlaubt, sich selbst mal so zu akzeptieren wie man ist und anderes kritisch zu hinterfragen. Offensichtlich findet man in dieser Gesellschaft aber nur dann Akzeptanz, wenn man zu jedem Schwachsinn applaudiert, den sie produziert.
Zitat von Saorsa:im übrigen ist es in meinen augen nicht die einsamkeit, die einem fertig macht sondern die bewertung dieser. natürlich ist liebe, geborgenheit und letztlich sex ein bedürfnis des menschen, aber man kann sehr wohl ohne all dies glücklich und zufrieden werden, indem man die persönliche beurteilung dieses "grässlichen" zustandes verändert.
Ich möchte ja nicht wieder jemand zu nahe treten, daher versuche ich es einmal anders:
Wenn jemand Hunger hat, dann nützt es ihm auch herzlich wenig, wenn er diesen Zustand so beurteilt als hätte er keinen. Wie Du richtig sagst - es ist ein Grundbedürfnis und deshalb kann man es nicht wegreden.
Zudem möchte ich zu denken geben, was mit Babys passiert, die absolut keine Körperlichkeit und Zärtlichkeit erfahren. Also ganz so unproblematisch ist das ganze nicht.
Worin ich Dir allerdings recht gebe ist, daß man aus einer Beziehung oder Sex nicht mehr machen sollte, als es ist (oder einem eben ständig von der Gesellschaft vermittelt wird). Sie sollte quasi auf keinem Podest stehen, den man den ganzen Tag anhimmelt.
Zitat von Saorsa:was die AB im eigentlich sinne betrifft, werten sie sich selber ab und nicht die gesellschaft. natürlich stellt sich die frage, warum habe ich noch keine erfahrungen und genau da liegt der therapeutische ansatz begraben. für mich ist ein AB ein mensch, der aufgrund irgendwelcher erfahrungen nicht in der lage ist (war), in einer altermässig dafür vorgesehen zeitperiode seine ersten gegengeschlechtliche erfahrungen zu machen. warum er diese erfahrungen nicht machen kann (konnte), liegt in seiner geschichte begraben. auch hier ist wieder arbeit an sich selbst gefordert.
Mit dem ersten Teil gebe ich Dir recht ("werten sich selbst ab") - die Gesellschaft trägt aber auch einiges dazu bei. Wenn ich nur daran denke, wie sich Menschen der Generationen meiner Eltern kennengelernt haben - das wäre heute schon rein gesellschaftlich völlig unmöglich. Ich meine, warum flüchten sich heute soviel Leute in Internet-Singlebörsen ? Weil sie real alle finden wonach sie suchen ? Warum gibt es so hohe Scheidungsraten ? Warum gibt es soviele Singles ?
Da stehen ja Rahmenbedinungen dahinter, die man nicht einfach wegdiskutieren kann, sondern die man sich bewußt machen und akzeptieren muß, um dann ohne sich selbst zu hinterfragen damit zu leben.
Was Erfahrungen betrifft hast Du sicher auch recht. Aber da läßt sich ein AB nicht in ein Schema pressen.
Ich kann Dir jedenfalls quasi posthum keinen Grund nennen, warum es bei mir solange mit Beziehungen nicht geklappt hat. Denn ich habe auch vor meinen Beziehungen (also als ich noch AB war) Kontakt mit einigen Frauen gehabt, habe welche getroffen - nur wurde aus den verschiedensten Gründen nie eine Beziehung draus. Allerdings hatte ich nie den Eindruck, daß hier die Blockade von meiner Seite ausging. Wenn jemand z.B. keine Beziehung mit einem will, dann muß man das eben akzeptieren.
Oft war es auch entäuschend und ich denke daß es besonders bei einer Ansammlung von Entäuschungen eine menschliche Reaktion ist und es Zeit braucht um das zu verarbeiten. Man will sich vor negativen Gefühlen schützen.
Irgendwann war ich dann halt wieder offen und dann ist es passiert - warum kann ich im Detail genausowenig erklären, wie warum es zuvor nicht geklappt hat. Eines kann ich aber schon sagen: Ich habe nicht ständig mich hinterfragt und meine Beziehungsfähigkeit in Frage gestellt usw. .
Therapien - und davon habe ich einige gemacht - waren in meinem Fall jedenfalls komplett nutzlos und ich schüttle heute noch den Kopf darüber, welcher Unsinn darin teils verzapft wurde. Allerdings gab es auch eine Therapeutin, die von sich aus meinte, daß man sowas nicht therapieren kann - was ich auch für eine sinnvolle Einschätzung halte.
Ich warne davor, in der Kindheit herumzukramen und alle möglichen Theorien aufzustellen. Das bewirkt nur eines: Es ignoriert völlig die Rahmenbedingungen, in denen die Menschen leben und es führt dazu das man alles und jedes an sich hinterfragt und eines der Grundübel nur weiter pflegt.
Zitat von Saorsa:wieviel frauen oder wieviel sex ein mann hatte, sagt null und nichts über seine beziehungsfähigkeit aus. es gibt menschen, die haben unterunterbrochen kurz-beziehungen (monate bis ein paar jahre) und merken nicht, dass sie eigentlich nicht beziehungsfähig sind. die argumentation läuft meistens darauf hinaus, dass der partner nicht passend war. für mich persönlich ist das eher ein statement, dass man nicht willig ist, an einer beziehung und an sich zu arbeiten.
Das unterschreibe ich voll und ganz. Und deshalb kann ich auch mit der Pauschalabqualifizierung der AB´s mit "beziehungsunfähig" überhaupt nicht leben. Ihr Problem ist auch nicht, daß sie zu keiner fähig wären (weil das würde sich ja erst dann zeigen, wenn sie eine führen), sondern daß sie in keine kommen.