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L

Loneman73
Mitglied

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8
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Hallo,

das Thema wurde hier schon vor einiger Zeit erörtert. Aber ich möchte es dennoch erneut aufgreifen, weil ich das Buch "Unberührt - Menschen ohne Beziehungserfahrung" von Arne Hoffmann schon seit geraumer Zeit habe, aber vor zwei Tagen erst wieder in die Hand nahm mit der Absicht, es zu lesen.

Nur mal zur Einstimmung - der Klappentext lautet:
Zitat:
Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge liegt die Gruppe der "Jungfrauen über 18" bei etwa einem Drittel dieser Altersgruppe. Manchen geht das so bis ins vierte oder fünfte Jahrzehnt ihres Lebens. Wie fühlt sich ein "Unberührter" in einer Gesellschaft, in der der partnerschaftliche Trend für viele immer mehr in Richtung Tagesabschnittsgefährte geht? Was für viele Menschen fast wie von selbst stattfindet, körperliche Zärtlichkeiten mit einem geliebten und begehrten Menschen, ist für andere ein Lebensthema, ein Lebenswunsch geworden. Jahre, ganze Jahrzehnte, in denen dieser Wunsch nicht in Erfüllung ging, werden innerlich häufig als "verlorene Jahrzehnte" abgebucht.


Gleich im ersten Artikel von Aik fand ich mich in vielen Punkten wieder. Und er bezieht sich auch offenbar auf ein Forum, das es (leider) nicht mehr gibt (www.ohne-erfahrung.de) - und wo ich mich anmeldete, als es noch existierte:

Zitat:
Die Realität sieht aber für einige Menschen anders aus. Jenseits der existierenden Liebe oder des ausgelebten Sexualtriebes gibt es noch Menschen, die "am Leben" nicht teilnehmen. Es ist eine Parallelwelt. Warum lese und schreibe ich in unseren Foren? In der normalen Umgebung wird mir ständig vorgeführt, dass ich nicht dazugehöre. Schließlich nehme ich an den normalen Alltäglichkeiten nicht teil. Ein Forum ändert das nicht, aber auf eine etwas kranke Weise vermittelt es Geborgenheit, die durch gewisse Gemeinsamkeiten entsteht, wohingegen in der Gegenwart normaler Menschen nur das Gefühl der eigenen Fremdartigkeit dominiert. ...


Wie viele Absolute Beginners gibt es in diesem Forum? Wie geht ihr mit eurer Einsamkeit, euren Sehnsüchten um?

Grüße

Loneman

28.10.2008 #1


246 Antworten ↓
W

winston
Mitglied

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Zitat von Saorsa:
sich selbst annehmen und gern haben, hat nichts damit zu tun, dass man sich nicht hinterfragen kann, wo die eigenen schwächen liegen und an diesen arbeiten kann.


Können tut man schon, nur die meisten ABs befinden sich schon in einem wahren Hinterfragungsstrudel.
Und auch wieder typisch: Hinterfragen, wo die eigenen Schwächen liegen.
Am besten rund um die Uhr und am besten, wenn man gerade auf andere Leute trifft. Sorry, aber so kann das nicht klappen.

Zitat von Saorsa:
der satz aus der werbung "ich möchte so bleiben wie ich bin", ist zum beispiel so ziemlich der dümmste, den ich kenne. jemand, der in seinem leben bleiben will, wie er ist, ist zur stagnation verurteilt.


Unbestritten ist es allerdings auch, daß sich viele Menschen in Richtungen anpassen MÜSSEN (nämlich egal ob sie wollen oder nicht), in die sie entwicklungstechnisch gar nicht wollen.
Die Alternative ist oft: Du passt Dich an (obwohl Du nicht damit kannst) oder Du bleibst übrig.

Zitat von Saorsa:
wenn man also gegengeschlechtlich nicht ankommt, sollte man sich wirklich fragen, wie man selbst auf andere wirkt, und warum da diese blockaden sind.


Ja und das am besten den ganzen Tag lang und bei jeder Gelegenheit mit jemand in Kontakt zu treten...
Ich halte das für ganz schlecht - vielmehr noch: ich halte das für eines der Grundprobleme der ABs.

Zitat von Saorsa:
die schuld auf die frauen, männer oder die gesellschaft abzuschieben, ist dabei so ziemlich die grösste ingnoranz.


Es geht nicht darum, daß irgendjemand schuld ist, sondern daß man zu sich selbst steht unabhängig davon, was einem von außen als Standard vermittelt wird. Und da ist es durchaus erlaubt, sich selbst mal so zu akzeptieren wie man ist und anderes kritisch zu hinterfragen. Offensichtlich findet man in dieser Gesellschaft aber nur dann Akzeptanz, wenn man zu jedem Schwachsinn applaudiert, den sie produziert.

Zitat von Saorsa:
im übrigen ist es in meinen augen nicht die einsamkeit, die einem fertig macht sondern die bewertung dieser. natürlich ist liebe, geborgenheit und letztlich sex ein bedürfnis des menschen, aber man kann sehr wohl ohne all dies glücklich und zufrieden werden, indem man die persönliche beurteilung dieses "grässlichen" zustandes verändert.


Ich möchte ja nicht wieder jemand zu nahe treten, daher versuche ich es einmal anders:
Wenn jemand Hunger hat, dann nützt es ihm auch herzlich wenig, wenn er diesen Zustand so beurteilt als hätte er keinen. Wie Du richtig sagst - es ist ein Grundbedürfnis und deshalb kann man es nicht wegreden.
Zudem möchte ich zu denken geben, was mit Babys passiert, die absolut keine Körperlichkeit und Zärtlichkeit erfahren. Also ganz so unproblematisch ist das ganze nicht.
Worin ich Dir allerdings recht gebe ist, daß man aus einer Beziehung oder Sex nicht mehr machen sollte, als es ist (oder einem eben ständig von der Gesellschaft vermittelt wird). Sie sollte quasi auf keinem Podest stehen, den man den ganzen Tag anhimmelt.

Zitat von Saorsa:
was die AB im eigentlich sinne betrifft, werten sie sich selber ab und nicht die gesellschaft. natürlich stellt sich die frage, warum habe ich noch keine erfahrungen und genau da liegt der therapeutische ansatz begraben. für mich ist ein AB ein mensch, der aufgrund irgendwelcher erfahrungen nicht in der lage ist (war), in einer altermässig dafür vorgesehen zeitperiode seine ersten gegengeschlechtliche erfahrungen zu machen. warum er diese erfahrungen nicht machen kann (konnte), liegt in seiner geschichte begraben. auch hier ist wieder arbeit an sich selbst gefordert.


Mit dem ersten Teil gebe ich Dir recht ("werten sich selbst ab") - die Gesellschaft trägt aber auch einiges dazu bei. Wenn ich nur daran denke, wie sich Menschen der Generationen meiner Eltern kennengelernt haben - das wäre heute schon rein gesellschaftlich völlig unmöglich. Ich meine, warum flüchten sich heute soviel Leute in Internet-Singlebörsen ? Weil sie real alle finden wonach sie suchen ? Warum gibt es so hohe Scheidungsraten ? Warum gibt es soviele Singles ?
Da stehen ja Rahmenbedinungen dahinter, die man nicht einfach wegdiskutieren kann, sondern die man sich bewußt machen und akzeptieren muß, um dann ohne sich selbst zu hinterfragen damit zu leben.
Was Erfahrungen betrifft hast Du sicher auch recht. Aber da läßt sich ein AB nicht in ein Schema pressen.
Ich kann Dir jedenfalls quasi posthum keinen Grund nennen, warum es bei mir solange mit Beziehungen nicht geklappt hat. Denn ich habe auch vor meinen Beziehungen (also als ich noch AB war) Kontakt mit einigen Frauen gehabt, habe welche getroffen - nur wurde aus den verschiedensten Gründen nie eine Beziehung draus. Allerdings hatte ich nie den Eindruck, daß hier die Blockade von meiner Seite ausging. Wenn jemand z.B. keine Beziehung mit einem will, dann muß man das eben akzeptieren.
Oft war es auch entäuschend und ich denke daß es besonders bei einer Ansammlung von Entäuschungen eine menschliche Reaktion ist und es Zeit braucht um das zu verarbeiten. Man will sich vor negativen Gefühlen schützen.
Irgendwann war ich dann halt wieder offen und dann ist es passiert - warum kann ich im Detail genausowenig erklären, wie warum es zuvor nicht geklappt hat. Eines kann ich aber schon sagen: Ich habe nicht ständig mich hinterfragt und meine Beziehungsfähigkeit in Frage gestellt usw. .
Therapien - und davon habe ich einige gemacht - waren in meinem Fall jedenfalls komplett nutzlos und ich schüttle heute noch den Kopf darüber, welcher Unsinn darin teils verzapft wurde. Allerdings gab es auch eine Therapeutin, die von sich aus meinte, daß man sowas nicht therapieren kann - was ich auch für eine sinnvolle Einschätzung halte.
Ich warne davor, in der Kindheit herumzukramen und alle möglichen Theorien aufzustellen. Das bewirkt nur eines: Es ignoriert völlig die Rahmenbedingungen, in denen die Menschen leben und es führt dazu das man alles und jedes an sich hinterfragt und eines der Grundübel nur weiter pflegt.

Zitat von Saorsa:
wieviel frauen oder wieviel sex ein mann hatte, sagt null und nichts über seine beziehungsfähigkeit aus. es gibt menschen, die haben unterunterbrochen kurz-beziehungen (monate bis ein paar jahre) und merken nicht, dass sie eigentlich nicht beziehungsfähig sind. die argumentation läuft meistens darauf hinaus, dass der partner nicht passend war. für mich persönlich ist das eher ein statement, dass man nicht willig ist, an einer beziehung und an sich zu arbeiten.


Das unterschreibe ich voll und ganz. Und deshalb kann ich auch mit der Pauschalabqualifizierung der AB´s mit "beziehungsunfähig" überhaupt nicht leben. Ihr Problem ist auch nicht, daß sie zu keiner fähig wären (weil das würde sich ja erst dann zeigen, wenn sie eine führen), sondern daß sie in keine kommen.

18.10.2008 16:44 • #170


Zum Beitrag im Thema ↓

A


Absolute Beginners - Menschen ohne Beziehungserfahrung

x 3


I

isis-z
Gast

Hallo Loneman...

... mir ist immer so traurig wenn ich deinen Nick schreiben muss... lach, aber ich sehe ein, dass die Idee mit dem Bruce Willis keine befriedigende war. Nun ja, auf diese Weise habe ich unwissentlich deine Humorfähigkeit testen können und das Ergebnis war auf jeden Fall positiv... Eine gute Auffassungsgabe, daran zweifle ich bei mir, meine Eindrücke von den Mails der Anderen sind oft ganz widersprüchlich, je nachdem wie oft ich sie gelesen habe und meistens bereits am Tag darauf kann ich meine eigenen Antworten gar nicht mehr lesen, so anders denke ich dann... vielleicht liegt´s an den Emotionen, die durch die Schreibweise der Anderen erst entstehen, mit der Zeit aber nicht mehr in Erinnerung bleiben, vielleicht hat es sogar damit zu tun, dass der Kontakt nur virtuell statt findet und tman an die Projektion angewiesen ist, von der er gleichzeitig weiß, dass sie auf die falsche Fährte führen kann, irgendwie so oder ähnlich wird es sein. Zu viele Jahre wollte ich dir gar nicht andichten, ich kenne dein Alter - ungefähr - hätte aber doch sein können, dass du ein Frühentwickler bist.... lach. Nee, zu deiner Kindheit wollte ich was sagen. Das, was du mit deinem Stiefvater hattest war bei mir das gleiche in lila mit der leiblichen Mutter. Ich denke irgendjemand hätte die (Pseudo)Erzeuger damals am Kragen packen und ihnen erklären sollen, dass man mit einem Kind nicht so umgehen kann... es war aber leider gerade keiner zur Stelle. Und dass ist genau der Punkt, an den wir hin arbeiten müssen, nämlich irgendwann mal sagen zu können, dass jetzt Schluß ist und dass man diesen Leuten nicht die Macht über unser weiteres Leben zu bestimmen überlassen darf. Jedes Kind reagiert auf seine Weise auf die Situation der eigenen Unterdrückung, manche werden völlig sozial scheu, ich war es zeitweise auch, aber immer wieder gewann der Rebell in mir mit der LMAA-Devise, zum Teil bis hin zur Arroganz. Meine Schwierigkeiten waren folgende: Komischerweise hat es in meiner Familie auch Mitglieder gegeben, die mich liebten, aber irgendwie haben sie sich nicht getraut eine richtige Nähe zu mir aufzubauen, weil meine Mutter die "harte Erziehung" angeordnet hat. So gewann ich den Eindruck, dass man der Liebe immer hinterher rennen muss - bis zum vermeintlichen Erfolg, der aber... klar... immer ausgeblieben ist, weil es schlicht so nicht funktionieren kann... Also die Männer, die mir diese Aufregung ihrer Zuneigung hinterher zu rennen bieten konnten, kamen für mich als einzige geeignete Partner in Frage, die anderen "langweilligen" habe ich in den Wind geschossen. Lach. Der Zustand der inneren Leere ist dagegen ein total interessantes Thema. Es gibt ihn - nach meiner Auffassung - einmal negativ, als Gefühllosigkeit und Überdruss, einmal positiv als Selbstlosigkeit. Die meinte ich ja, falls du noch den Zusammenhang nachvollziehen kannst. Für eine innere Leere als Zustand der Depression wäre ich oft dankbar, weil ich sie ganz anders in der Erfahrung hab, nämlich als einen negativen und schmerzhaften Zustand, in dem man sich all die schlimmen Gedanken an frühere Kränkungen vor die Augen führt und sich durch Schuldgefühle und diverse (Zukunfts)ängste quält. Oder? Ich denke mittlerweile das man es auch aufgrund der Meditation (statt Medikation) schaffen kann, weil man in der Meditation lernt sich über diese Gedanken zu stellen, sie nicht zu beachten, sich als ein Wesen zu sehen, dass von seinen eigenen Gedankenkreisen unabhängig lebt. Das wird praktiziert, gefühlt - und nicht nur gedacht. Wobei man aber auch sagen kann, dass man diese miesen Gedanken und Gefühle durch positive beeinflussen kann, indem man - wenn sie anfangen die Überhand zu gewinnen, einfach Stop sagt. "Stop" oder "Unsinn" etc. Dann kommt ja die "Leere", bzw. ein freier Raum für positive Gedanken und das Erfolgserlebnis, weil man sich gerade dadurch selbst vor dem Unsinn gerettet hat. Ich denke auch, dass die Grundlage für diese Denkweisen die christliche Einstellung, nämlich das Sich-mit-dem-eigenen-Leid-abzufinden ist, das Annehmen des Päckchens, was man im Leben zu tragen hat... ABER - wir sind leider so vorprogrammiert, dass wir nichts Wert sind und all die Schicksalschläge und schlechten Gefühle die Strafe dafür sind. Ein absoluter Schwachsinn, das alles gehört zum Leben. Es besteht aus Erfolgen UND Niederlagen, die man ebenso bewältigen muss. Und niemand ist weniger Wert als ein Anderer. Der Eine mag ein A... sein, der Andere ist bekloppt, aber das alles ändert nichts am Wert des Menschen, auf den er sich jede Zeit berufen kann - und aufgrund dieser Erkenntnis die Finger von all dem Sch... lassen kann. Man wurde als Kind durch Angst einflössende Mittel "klein gehalten" anstatt stark fürs Leben gemacht. Das ging vom Strafenden Gott über Liebesentzug bis zu unsinnigen Schuldzuweisungen.

Ich bin die letzten Tage durch endlose, sich bis zum Horizont erstreckende Wiesen gelaufen... eine Einsamkeit, die mal - zur Abwechslung - Spaß machte, bin sehr froh darüber, dass ich es machen konnte. Auf deine Frage hin, wo meine Überlegungen wie schlimm es um mich steht, herkommen, sie gehören glaube den üblichen Trennungsphasen an. Heute habe ich echt lachen können... früher, in den Singlebörsen - und manchmal merkt man das auch in den Foren - habe ich Leute erlebt, die ihre Beziehungsniederlagen fröhlich und munter weiter zu geben pflegen indem sie einen kurzen Kontakt mit jemandem pflegen, den sie dann plötzlich meist mit Begründung, der andere wäre unmöglich o. Ä., beenden. Das kann zu einer richtigen Lawine ausufern, weil Schadenfreude bekanntlich keine wirkliche Freude sein kann nicht auf längere Zeit befriedigen kann. Ich kann nur empfehlen die Armbrust zu nehmen und in die richtige Richtung zu schießen, das ist gerecht, der Sünder kann sich dann selbst Gedanken darüber machen, ob er die Opferrolle, die er früher so gerne vergeben hat und die nun vor seinen Füßen liegt annimt oder sich daraus Sandwiches macht... aber interessiert´s jemanden wirklich was er damit macht?...

Das fällt mir noch ein: kennst du das Briefe-Schreiben an die ehemaligen Unterdrücker, man soll irgendwelche Geste machen, ihnen symbolisch den Sch..., den sie produziert haben zurück geben, sie müssen gar nicht dabei sein und den Brief muss man auch nicht weg schicken, aber es ist ein langer Prozess bis es einem so notwendig erscheint, dass man seinen Unwillen sich mit dem alten Kram zu beschäftigen überwinden kann...

Bis denne, dir eine schöne Zeit!

Isis

19.09.2008 20:20 • #77


Zum Beitrag im Thema ↓


M
Hallo Loneman,

mich betrifft dieses Thema auch, und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie ich damit umgehen soll und versuche, möglichst nicht daran zu denken. Vor einigen Jahren, so mit Ende 20, habe ich viel darüber nachgedacht und war ziemlich verzweifelt bei der Vorstellung, für immer allein zu bleiben. Zuerst habe ich immer noch gehofft, ich wäre ein "Spätentwickler", das kommt vielleicht alles noch, aber in dem Alter musste ich mir endgültig eingestehen, dass das vielleicht nie passieren wird. Das war einer der Gründe, warum ich zu der Zeit ziemlich starke Depressionen hatte. Aus diesem Grund meide ich mittlerweile das meiste, was mich an dieses Thema erinnern könnte, z. B. Liebesromane. Was du in den Zitaten geschrieben hast, kann ich nur bestätigen. Ich habe auch oft das Gefühl, nicht dazuzugehören, z. B. wenn ich auf eine Feier eingeladen bin und ohne Begleitung und Tanzpartner als Mauerblümchen in der Ecke sitze. Oder auch bei alltäglichen Situationen, wenn andere über das Thema Beziehungen reden. Ich hoffe dann immer, dass mich keiner in das Gespräch einbeziehen will, weil es mir wirklich unangenehm ist, keine Beziehungserfahrungen zu haben, ich fühle mich manchmal fast wie aussätzig und hoffe, dass keiner davon erfährt. Deswegen ziehe ich mich manchmal vor anderen Menschen zurück, um solche Situationen zu vermeiden. Ich möchte mich im Moment damit aber nicht näher befassen, sondern erst mal meine Ängste angehen, damit ich irgendwann wieder eine Arbeit und vielleicht auch ein paar soziale Kontakte finde. Damit habe ich erstmal genug zu tun. Wie gehst du denn mit dem Thema um?

Viele Grüße
Marie

#2


L
Hallo Marie,

hast du irgendwelche Komplexe, z. B. bzgl. deinem Aussehen? Ich denke, dass bei vielen Absolute Beginners ein fehlendes oder unzureichendes Selbstwertgefühl eine innere Barriere aufbaut, wobei es sicherlich auch Ausnahmen gibt, die damit nicht erklärt werden können. So war ich z. B. eigentlich schon als Kind anders als andere, hatte im Grunde nur einen guten Freund, dessen Freundschaft mit der Grundschulzeit in die Brüche ging.
Dass du das meidest, was dich an jenes Thema erinnert, kann ich gut nachvollziehen. Ok, Liebesromane würde ich als männlicher Erdenmensch ohnehin nie lesen, aber ich schaue mir auch keine Liebeskomödien, -dramen oder gar Romanzen im TV an, weil es mich ziemlich belastet. Nur ist das Doofe, dass auch in Thrillern, Dramen oder Horror-Filmen Beziehungen oft eine Rolle spielen, aber zum Glück wird hier das Augenmerk nicht primär auf Liebe gelegt.
Kennst du vielleicht den Film "Sue - Ein Frau in New York"? Den habe ich damals zufällig im Fernsehen geschaut und war sehr berührt davon. Es geht in dem Drama um eine Frau Mitte dreißig, deren Privatleben keinerlei Kontinuität zeigt, die mit wildfremden Männern schläft, um hinterher in quälender Einsamkeit zu versinken. Sie zieht ruhelos durch die Straßen Manhattans, durch Bars, Coffeeshops, Waschsalons, Kinos, Parks und ist süchtig nach der Stadt, in der sie aber weder beruflich noch menschlich Fuß fassen kann. Ich konnte mich sehr gut in die Figur reinversetzen.
Das Gefühl, nicht dazuzugehören, ist mir schon bekannt, seit ich denken kann. In der Schule war ich ein Außenseiter, die Hauptschulzeit war die Hölle. Ich sehe mich als Loser, aber alles Jammern nützt sowieso nichts.

Vorhin habe ich mir mal einige deiner bisherigen Beiträge durchgelesen. Ich bin auch arbeitslos, bekomme allerdings ALG-II. Meine erste Lehre habe ich abgebrochen, weil ich von dummen Zicken gemobbt wurde. Das waren wirklich dermaßen oberflächliche Tratschtanten, mit denen ich überhaupt nichts anfangen konnte. Und so kam es dann, dass aufgrund meiner Depressionen und Sozialangst meine Lage dadurch noch angespannter wurde.
Meinem Fallmanager (so heißt ja heute ein ARGE-Mitarbeiter, der sich um schwierige Fälle kümmert) ist meine Situation bekannt, und er ist zum Glück eine Person, mit der ich gut auskomme.
Über ihn habe ich Ende letzten bis Anfang diesen Jahres auch eine tolle Maßnahme mitgemacht, durch die ich einen EDV-Computerschein erlang. Nicht, dass ich deswegen dankbar wäre, aber einerseits möchte ich schon arbeiten, und andererseits lastet ein gewisser Druck auf mir.
In der Maßnahme davor war es noch möglich, dass ich nur vier Stunden anwesend war, aber in dieser musste ich schließlich acht Stunden mit anderen Leuten zusammensein, wobei ich die meiste Zeit wenigstens durch PC-Arbeit abgelenkt war.
In den Pausen ging ich meist spazieren, weil ich Smalltalk in meiner Situation überhaupt nichts abgewinnen kann und ich auch gar nicht weiß, worüber ich reden soll.

Dass Nicky82, die dir geantwortet hat, ihrem Sachbearbeiter sagte, was Sache ist, finde ich richtig. Ich weiß noch, wie ich es meinem Sachbearbeiter früher erzählte, als ich noch in meiner damaligen Wohnung wohnte und massig Probleme bekam wegen Arbeitsaufnahme, Kürzung von Sozialhilfe etc. Ein derartiges Verständnis hatte ich nicht erwartet.
Man kann natürlich auch Pech haben und auf einen grantigen Sachbearbeiter stoßen, was bei mir auch schon vorgekommen ist.
Du musst dich echt nicht schämen, in deiner Situation Hartz IV zu beantragen. Du willst ja arbeiten, hast aber psychische Probleme. Es gibt jedoch Typen, die haben einfach keinen Bock auf Arbeit und sind in jeglicher Hinsicht gesund. DIE müsste man mal entsprechend am Schlafittchen packen. Also: Stell am besten einen Antrag, damit du auch krankenversichert bist!
Eine Arbeit zu finden, bei der man kaum mit Menschen zu tun hat - ja, die hätte ich als depressiver Sozialphobiker oder sozialphobischer Depressiver auch gern, ist aber wohl mehr Utopie als realistisch. Ich habe auch keine Ausbildung und muss meinem Fallmanager aktuell seit einiger Zeit monatlich am besten drei Bewerbungen vorlegen, weswegen ich von Zeitarbeitsfirma zu Zeitarbeitsfirma tingele, einen Personalbogen ausfülle und warte... Bezahlt wird in diesem Metier leider schlecht, und wenn ich daran denke, für unbestimmte Zeit in Vollzeit zu arbeiten... Hier spielt sicherlich auch das, was du angesprochen hast, eine Rolle - nämlich wenn über das Thema Beziehungen geredet wird. Ich weiß ja auch nicht, mit welchen Leuten ich dann zu tun haben werde, sollte ich in unabsehbarer Zeit eine Stelle bekommen.

Was heißt, du stellst dich ungeschickt an? Also, bei mir ist es so, dass ich grundsätzlich ziemlich unsicher bin. Und wenn jemand etwas nicht richtig erklärt oder zu doof ist, um etwas gut zu erklären, dann habe ich Angst, etwas falsch zu machen. Diese Problematik hängt bei mir aber auch mit Konfliktunfähigkeit zusammen, denn wenn ich dieses Problem nicht hätte, würde ich wohl auch ganz anders an eine Situation rangehen. Aber ich arbeite weiter dran.
Du bist sicher nicht dämlich, nur weil du gemobbt wirst - die, die dich mobben, sind dämlich. Sie tun es, weil du eine gute Zielscheibe abgibst. Und wer sich daran beteiligt, ist eine arme Wurst.

Ich war auch mal in einer Tagesklinik - hat mir gar nichts gebracht. Aber das heißt natürlich nicht, dass es bei dir auch so sein muss, da jeder Mensch unterschiedlich ist. Deine Angst, mit mehreren in einem Raum zu schlafen und täglich mit Fremden zusammen zu sein, sollte dich nicht von einer stationären Therapie abhalten. Glaub mir, mit der Zeit gewöhnst du dich an die fremden Leute, und sie gewöhnen sich an dich. Ihr seid alle in einem Boot, und es wird sehr wahrscheinlich Leute geben, mit denen du wunderbar zurechtkommen wirst - so war es bei mir.

Wie meine Situation ansonsten ist, kannst du ja anhand meiner anderen Postings lesen.

Grüße

Loneman

#3


I
Hallo an Alle,

ich möchte nur zu diesem Zitat Stellung beziehen:

Ein Forum ändert das nicht, aber auf eine etwas kranke Weise vermittelt es Geborgenheit, die durch gewisse Gemeinsamkeiten entsteht, wohingegen in der Gegenwart normaler Menschen nur das Gefühl der eigenen Fremdartigkeit dominiert.

1) Das Gefühl der Fremdartigkeit in der realen Welt ist sehr subjektiv und deshlab als Gefühl nicht unumgänglich.

2) Die Kontakte im Forum würde ich nich als "krank" bezeichnen, denn Gedankenaustausch ist die erste Stuffe des Kennenlernens. Er kann es sein, wenn man ihn nicht unterbricht.

Lieben Gruß,

Isis

#4


M
Also, wie lief das denn in Eurer Kindheit so ab?

Ich zum Beispiel finde in unseren Fotoalben kein Foto, auf dem mich meine Mutter oder mein Vater auf dem Arm hat. Ich liege im Kinderwagen ( und meine Eltern stehen brav dahinter), ich sitze im Kinderstühlchen, oder sonstwo, aber ich sehe mich auf keinem Foto in körperlichem Kontakt (Umarmung) mit meinen Eltern.
Ich habe meine Eltern auch nie in körperlichem Kontakt (Umarmung oder Küssen) erlebt. Auch als ich Schulkind war und Jugendliche kann ich mich nicht an körperliche Zuwendung (außer mal den einen Klaps) erinnern.

Ich finde es nicht sonderbar, wenn ich meine Mittagspause (die ja meine private Freizeit ist) alleine verbringe.
Ich finde es auch nicht sonderbar, nicht das Alltagsblabla der Kollegen mitzumachen (das mir schon auf die nerven geht, wenn ich nur hören muss).
Die Arbeit selbst ist ja gar nicht das Problem, das Problem ist, dass man einfach nicht seine Ruhe haben kann, weil andere ihre persönlichen Erwartungen erfüllt haben möchten und betreten sind, wenn diese nicht erfüllt werden (und dann in ihre Opferrolle fallen)

Und sind nicht auch viele Beziehungen nur durch Erwartungserfüllung in Funktion?

Sind unsere Wünsche nach einer erfüllten Beziehung wirklich von uns gewollt, oder stehen wir unter dem Erwartungsdruck der Norm zu entsprechen?

Und die Normen sind von Land zu Land ja ganz unterschiedlich?
Vielleicht ginge es manchem von uns in einem Harem besser, vielleicht fühlt sich der andere im Kloster wohler, vielleicht findet es jemand prima nur in einer WG zu leben, vielleicht ginge es manchem gut, wenn er in einer Männergruppe oder in einer Frauengruppe leben würde, andere würden ihr Glück finden, wenn sie sich mit Tieren umgeben.

Aber wir sehen diese Möglichkeiten gar nicht, weil wir darauf konditioniert sind, so zu leben wie wir es von klein auf gesehen haben und es von uns erwartet wird (von Mama, Tante Frieda, Opa Gerd.......lässt sich unendlich fortsetzen mit Menschen, die sich in ihrem ganzen Leben nie Gedanken darüber gemacht haben, was sie wirklich für ihr Leben wollen).

Wir sind nicht auf der Welt, um Erwartungen anderer zu erfüllen, oder Vorgelebtes nachzumachen.
Wir sind auf der Welt, um herauszufinden, was wir wirklich wollen und was uns gut tut.
Wir müssen lernen, in uns hineinzuhören und Kontakt mit uns selbst aufzumehmen. Dummerweise hat uns das niemand beigebracht.

Wir können nicht leben, was unserem gedrillten Verstand entspricht, wenn es unserem eigentlichen ICH entgegensteht.
Wir könnnen nur das leben, was unserem eigenen ICH entspricht.

Und da kommen sich wieder Verstand (gedrilltes und konditioniertes) und unser Unterbewusstsein (eigentliches Ich) in die Quere.


MissErfolg

#5


I
Yowz... der Konditionierung muss man sich entziehen. Wie - kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Dann ist auch eine gleichwertige Beziehung möglich, ohne Erwartungshaltung und Anspruchsdenken.

Nochmal Yowz... zu wenig Zuneigung und Körperkontakt in der Kindheit verursacht menschenscheues Verhalten bis ins Erwachsenenalter. Es ist ein Massenphänomen, sonst gäbe es diese Foren nicht.

Betroffen, Isis

#6


I
... das hat auf jeden Fall viel mit AB-Problematik zu tun.

#7


L
Hallo Isis,

Aik beschrieb ja auch, dass das Gefühl der eigenen Fremdartigkeit in der Gegenwart normaler Menschen dominiert. Also Menschen, die nicht als Absolute Beginners gelten.

Grüße

Loneman

#8


H
Hallo an Alle hier !

Also, ich gehöre zu denen, die mit 49 Lebensjahren noch nie eine Liebesbeziehung oder Sex gehabt haben. Das Buch "Unberührt - Menschen ohne Beziehungserfahrung" von Arne Hoffmann werde ich mir demnächst besorgen. Der Zitierte Klappentext beschreibt das, was man mein Leben nennen könnte. In über 500 Beiträgen hier im Forum, habe ich es offensichtlich nicht geschafft, dies so mitteilen zu können, entlich spricht es einmal jemand an, DANKE!

Im Moment möchte ich nur sagen, dass ich persönlich nicht glaube, dass der Wunsch nach einer Zweierbeziehung (und nach Kindern) nur der Konditionierung durch die Gesellschaft entspricht, der man sich überlegen widersetzen kann. Ohne diesen Wunsch/Trieb hätte sich wohl erst überhaupt kein Leben auf diesem Planeten entwickelt.

Sorry, aber ich muss jetzt erst einmal tief durchatmen und nachdenken.

Liebe Grüsse,

Helpness

#9


I
Hallo Loneman,

ich bin selbst in den Pausen in meinem Kurs einkaufen oder spazieren gegangen, weil ich die Art der Unterhaltung nicht ertragen konnte. Zum allgemeinen Small Talk gesellt sich doch oft auch eine Art Rambo-Spiel, die sehr unangenehm sein kann. Ich weiß nicht ob du dich noch an die witzige Sparkassen-Werbung aus den 90-ern erinnerst, in der sich ein gewisser Schuma und Schröder ein Duell mit Hilfe von Fotos der eigenen Badewanne (Swimmingpool), dem Schaukelpferdchen (Ferrari), dem Haus (Residenz) usw. geliefert haben. Das heißt eigene Aufwertung auf Kosten Anderer und die kann man ziemlich oft in der Gesellschaft beobachten. Es ist keine Schande hier nich mitmachen zu wollen und dafür muss man sich auch nicht selbst zerfleischen.

Die andere Seite ist: Von zu wenig Zuwendung und Unterstützung der eigenen Eltern ist man zum schüchternen Menschen geworden, was häufig den Auslöser einer Kettenreaktion darstellt, die den Weg in die Vereinsamung bedeutet. Ich bin davon selbst betroffen - und weiß, dass ich die Folgen bis zu einer gewissen Grenze in der Therapie auffangen kann, mich jedoch mit dem Restbestand arrangieren muss... d. h. dass ich nicht damit aufhören werde bei den Kontaktversuchen der meisten Menschen durch Panik oder Rückzug zu reagieren, die Bindungen zu den einzelnen, von mir ausgewählten Menschen von mir intensiver empfunden und die Trennungen mehr Schmerzen bereiten werden als im Normalfall.

Dieses Schicksal ist unveränderlich, man muss sich mit ihm meiner Meinung nach abfinden. Durch das Erkennen und Einkalkullieren der eigenen Defizite kann man bei einem gewissen Maß an Selbstdisziplin eine zufrieden stellende Lebensqualität erreichen. Im Forum ist nicht nur das Gefühl mit einem bestimmten Problem nicht allein zu sein hilfreich, sondern ebenfalls die Gespräche mit anderen Betroffenen und ihre Anregungen, die den Prozess der Selbsterkennung beschleunigen.

... Und wo steht denn geschrieben, dass ein viruteller Gedankenaustausch oder Kontakt nicht zählt, das ist doch Quatch, im Prinzip ist jeder, der sich dazu aufgerafft hat in ein Forum zu gehen der eigenen Einsamkeit schon entronnen.

Lieben Gruß, Isis

#10


I
Lieber Helpness,

der Wunsch nach Zweisamkeit ist kein Teil der Konditionierung, nur unsere Art mit ihm umzugehen ist das Ergebnis des sozialen Umfelds und seiner an uns gestellten Ansprüche in unseren frühen Jahren. Eine liberale Erziehung hätte uns und vielen anderen Beteiligten das Leben wesentlich erleichtert. Glücklich, der solche Eltern gehabt hat. LG.

#11


H
Hallo isis-z !

Genau das habe ich ja, als Antwort auf den Beitrag von MissErfolg, geschrieben.

Es ging um das OB ÜBERHAUPT, WIE wir im einzelen mit dieser Sache umgehen, das ist ein anderes Thema, und sicherlich auch von Kultur, sozialem Umfeld und erlerntem Verhalten abhängig.

Loneman meint wahrscheinlich, genauso wie ich auch, beim sozialen Ausgeschlossen sein (Arbeitspausen, smal Talk etc.) ein ganz bestimmtes Thema, und nicht etwa: mein Haus, mein Pferd und meine Segeljacht.
Wenn ich mich hier irren sollte, dann lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

Liebe Grüsse,

Helpness

#12


L
Hallo MissErfolg (cooler Nick übrigens),

ich kenne auch kein Foto, in dem meine Mutter oder mein Vater mich im Arm hält. Als ich acht war, hat meine Ma wieder geheiratet, und auch seit der Zeit ist mir ein Kuss zwischen ihr und meinem Stiefvater nur zu Fotozwecken bekannt.

Ja, natürlich erwartet man in einer Beziehung gewisse Dinge vom anderen Partner, sonst wäre sie doch zum Scheitern verurteilt. Ich nenne da nur mal als wichtigstes Bindeglied die Treue. Wenn man diese von seinem Partner nicht erwarten kann, worin liegt dann der Sinn einer mit Liebe erfüllten Beziehung?
Also, mich schert der Erwartungsdruck einer wie auch immer gearteten Norm nicht, denn ich möchte mich ja in erster Linie glücklich machen und nicht die Gesellschaft. Inwiefern sollte ich denn deren Wünsche übernehmen, wenn sie einer glücklichen Beziehung abträglich wären?

Du zählst Möglichkeiten von Lebensformen auf und suggerierst, dass wir diese gar nicht sehen würden, weil wir darauf konditioniert wären, so zu leben, wie wir es von klein auf gewohnt sind. Aber inwiefern kann denn jemand glücklich sein, wenn er nur mit Tieren lebt? Womöglich ist dieser Mensch ja im Laufe seiner Zeit von Menschen so enttäuscht worden, dass er sich entschlossen hat, sich nur mit Tieren zu umgeben? Und wünscht sich wirklich jeder Mann einen Harem, wenn ihm doch eine Frau reicht? Wer findet es längerfristig schön, in einer WG zu leben und findet hier seine Erfüllung?

Was unserem eigentlichen Ich entspricht, ist gar nicht so einfach zu eruieren. Entspricht unser aktuelles Verhalten unserem wahren Ich, oder ist dieses nicht eher durch das Feedback der Umwelt bedingt, das unser wahres Ich nicht zur Entfaltung bringen kann?
Wenn jemand nur akzeptiert wird, wenn er gut drauf ist, in die Gegend grinst, obwohl es seiner innerlichen Haltung widerstrebt, ist das dann sein wahres Ich?

Grüße

Loneman

#13


L
Hallo Helpness,

korrigiere mich bitte, wenn ich falsch liege, aber bist oder warst du nicht verheiratet? Dann finde ich es schon sehr seltsam, dass du nie Sex hattest. Möglicherweise verwechsle ich dich auch hier mit jemandem.

Das Buch (http://www.single-generation.de/single- ... ffmann.htm) ist auf jeden Fall empfehlenswert, ich möchte gern zu einigen der darin Schreibenden Kontakt aufnehmen.
Auch ich habe mich schon auf den ersten Seiten in vielen Äußerungen wiedergefunden.

Ich finde es sogar absurd, dass der Wunsch nach einer Zweierbeziehung (und Kindern) nur der Konditionierung durch die Gesellschaft entspricht. Der Trend geht doch ohnehin in Richtung Patchwork-Family, gleichgeschlechtlich Beziehungen sind auch längst nicht mehr so verpönt. Es ist ganz normal - wie du schreibst - , dass man sich als Mensch einen Partner wünscht - die Gesellschaft spielt hier keine Rolle.

Viele Grüße

Loneman

#14


L
Hallo Isis,

apropos "Rambo": habe ich gestern auf DVD gesehen. War sehr gut, wenn auch ziemlich brutal.
Mit "Rambo-Spiel" meinst du wohl das eigene Sichzurschaustellen, um das andere Geschlecht zu beeindrucken, oder?
An die von dir erwähnte Sparkassen-Werbung kann ich mich nicht erinnern, nein. Ich weiß nur, dass es damals diese Didi-Heftchen gab, die man sich mitnehmen konnte. Aber gut, dass du das weiter erörtert hast. An so ein Verhalten kann ich mich in meiner Le(e)hrzeit beim Amtsgericht erinnern, als ich mit Zicken zu tun hatte.
Nein, es ist keine Schande, hier nicht mitmachen zu wollen, aber es erfordert eine gewisse Courage. Und die hat man entweder - oder nicht.

Wer zuwenig Zuwendung oder Unterstützung von den Eltern bekommt, dessen Weg in die mit einem geringen Selbstwertgefühl unterlegte Vereinsamung ist fast vorprogrammiert, ja. Als ich noch bei meinen Eltern wohnte, hat sich meine Ma im Grunde nur dafür interessiert, ob ich meine Hausaufgaben schon machte. Und mein Stiefvater, der mich ansonsten bei jeder Gelegenheit demütigte, interessierte sich auch nicht wirklich für mich, sondern fragte allenfalls mal in Hinblick auf die Schule nach. Naja, meine Schwester wusste ja schon lange, dass er mich nicht für einen Kerl hält, den er sich als solchen vorstellt. Da verwundert es dann nicht, dass meine Entwicklung Schaden genommen hat und ich aufgrund meiner Konfliktangst eine Sozialphobie entwickelte.
Was du in Bezug auf Kontaktversuche anderer Menschen geschildert hast, lässt sich wohl mit der "Macht der Gewohnheit" umschreiben. Dein Verhalten bzw. die konditionierte Angst steckt so tief in dir drin, dass du gar nicht oder kaum anders kannst.

Ich denke auch, dass unser Schicksal weitestgehend unabänderlich ist und "jeder seines Glückes Schmied" nur bedingt richtig ist.
Sicherlich kann man sein Gewicht optimieren, sein Aussehen vielleicht punktuell verbessern, aber ob diese Änderungen letztendlich wirklich etwas bewirken, sei dahingestellt. Es spielen so viele Faktoren eine Rolle, aber primär ist das Aussehen wohl ausschlaggebend, wie man von der Umwelt wahrgenommen wird. Dazu habe ich mich an anderer Stelle schon geäußert, was ich bei Bedarf auch gern hierhin kopieren kann.
In einem Forum wie diesem sieht man sich nicht, und das ist für so manchen Betroffenen vielleicht auch besser so, denn die (nicht erfolgten) Reaktionen auf das eingestellte Bild würden u. U. die Lage nicht wirklich verbessern.

Dass ein virtueller Gedankenaustausch oder Kontakt nicht zählt, habe ich nirgends geschrieben. Aber es ist nun mal ein Unterschied, ob man sich virtuell mit mehr oder weniger fremden Menschen unterhält oder mit Leuten etwas unternimmt, die mehr Nuancen von einem wahrnehmen können, was im Internet nun mal nicht geht.
Und dass jemand, der sich dazu aufgerafft hat, in ein Forum zu gehen, der eigenen Einsamkeit entronnen ist, ist doch eine ziemlich romantisierende Vorstellung. Ich schreibe zwar gern hier (sonst würde ich es nicht tun), aber deswegen fühle ich mich generell nicht weniger einsam.

Viele Grüße

Loneman

#15


H
Hallo Loneman73 !

Nein, ich war noch nie Verheiratet, hatte noch nie eine echte Liebesbeziehung (war nur selbst einmal einseitig verliebt) und hatte noch nie im Leben Sex (noch nicht einmal Kuscheln oder Küssen).
Man überliest das sehr leicht, oder verwechselt es mit etwas anderem, weil es wohl kaum zu glauben ist, und in kein Bild passt, aber es ist wahr.

Übrigens, ich habe da vorher noch nie drüber nachgedacht, Kinderfotos wo mich jemand im Arm hällt oder so, gibt es von mir auch keine. Die einzige Ausnahme ist ein Foto von meiner Taufe (49 Jahre alt), da hällt mich der Pfarrer über dem Taufbecken im Arm.

Liebe Grüsse,

Helpness

#16


I
Loneman....

schade, dass du weniger einsam bist durch das Forum, aber das kommt vielleicht erst, man braucht Zeit um sich an die Leute zu gewöhnen. Ja, du hast vorher ein Zitat rein gestell, aus diesem Buch für AB... da stand drin dass wir im Internet auf eine kranke weise Geborgenheit verspüren. Das habe ich dann eben angesprochen, dass du es selbst nicht geschrieben hast ist mir klar. Ich würde auch hier sagen, dass es individuell und davon abhängig ist, wie man damit umgeht.

LG Isis

#17

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M
Ja, das mit den anderen Lebensformen sind nur Überlegungen, die mich gerade beschäftigen. Ich stelle das für mich selbst ja auch in Frage.

Das Problem ist, dass man in der Ehe der Eltern (Schwiegereltern, Freundeskreis...) so viele gescheiterte Beziehungen vorgelebt bekommt, dass es einfach auch schwierig ist, daran zu glauben, dass es wirklich funktionieren kann... (trotzdem wünscht man es sich)
...und man lebt das gelernte Verhalten der gleichgeschlechtlichen Person (Mutter) in der eigenen Beziehung unbewusst nach (ob man will oder nicht). Natürlich findet sich auch der "geeignete" Partner und das Ganze wird zur Wiederholung der Wiederholung, der Wiederholung.

Ich bezeichne mein Ego-Ich gerne als Demoversion und mein wahres Ich als Vollversion. (Die Demoversion bekommt man auch oft bei Vorstellungsgesprächen serviert und man selbst setzt diese auch gerne ein (gut gelernt)), aber leider ein Griff ins Klo.
Das Problem ist, dass man dann dauerhaft in der Demoversion bleiben muss, was wohl oder übel zu inneren Konflikten führt und wenn man doch die Vollversion gibt, zu äußeren Konflikten.

Im übrigen finde ich die Beiträge sehr interessant und lese diese auch gerne, aber es strengt mich unheimlich an, mich hineinzudenken und präzises Feedback zu geben.
Da bin ich doch neidisch auf die Männergehirne, die einfach ein klareres Denkprogramm mitbringen und die Dinge schnell, einfach und genau filtern und bezeichnen.

Danke übrigens (m&w) für Eure Einschätzungen und Sichtweisen, da kommt man einfach wieder ein Stück vom Fleck.

MissErfolg

#18


I
Zitat von Loneman73:
Als ich noch bei meinen Eltern wohnte, hat sich meine Ma im Grunde nur dafür interessiert, ob ich meine Hausaufgaben schon machte. Und mein Stiefvater, der mich ansonsten bei jeder Gelegenheit demütigte, interessierte sich auch nicht wirklich für mich, sondern fragte allenfalls mal in Hinblick auf die Schule nach. Naja, meine Schwester wusste ja schon lange, dass er mich nicht für einen Kerl hält, den er sich als solchen vorstellt. Da verwundert es dann nicht, dass meine Entwicklung Schaden genommen hat und ich aufgrund meiner Konfliktangst eine Sozialphobie entwickelte.

Mit Deinem vor Dir hergetragenen Problembewußtsein bist Du eine sichere Bank für die Psychologen.

NATÜRLICH ist es wesentlich, wie Du als Kind behandelt wurdest. Leider kommst Du nicht selber drauf und von den psychologischen Helferlein wirst schon aufgrund ihrer eigenen finanziellen Interessen nicht auf die Kindheit fokussiert. Nur ein langfristiger Patient ist ein guter Patient.

Irgendwie nehme ich Dir die Sozialphobie nicht ab, Du schreibst wie ein Wasserfall. Keep the psychodoc happy.

Kann sein, daß Du einen Stiefvater hast, ganz sicher hast Du einen leiblichen Vater. Trete mit dem mal in Beziehung und verabschiede Dich von ihm. Wenn Deine Wurzeln fest sind, dann kannst Du auch verläßlich für andere sein. Lies mal alice-miller.com wenn Du schon im Gegenzug ein Medikament erwähnst.

#19


M
Hallo Loneman,

danke für deine lange Antwort. Natürlich liegt meine Einsamkeit daran, dass ich Komplexe habe, wenn auch nicht was mein Aussehen angeht. In der Pubertät fand ich mich hässlich, das geht sicher vielen so, aber heute denke ich, dass ich normal und durchschnittlich aussehe. Meine Komplexe beziehen sich eher darauf, dass ich das Gefühl habe, mit anderen nicht mithalten zu können, langweilig und uninteressant zu sein. Und dadurch dass ich durch meine Ängste so zurückgezogen lebe, führe ich ja auch wirklich ein ziemlich langweiliges, uninteressantes Leben, das ist also eine Art Teufelskreis. Bei mir war es genauso wie bei dir, ich habe auch nur eine Freundin in der Grundschule gehabt und dann in der neuen Schule keinen Anschluss gefunden. Zu den anderen Beiträgen wollte ich noch sagen, dass ich auch glaube, dass der Wunsch nach Zweisamkeit nicht in erster Linie gesellschaftlich bedingt ist (obwohl das sicher auch mit eine Rolle spielt), sondern den meisten Menschen sozusagen "angeboren" ist. Ich bin sicher nicht in Depressionen verfallen, weil ich gesellschaftlichen Erwartungen nicht gerecht werden und bei Smalltalk nicht mitreden konnte, sondern weil ich Sehnsucht nach einem anderen Menschen hatte (und wohl auch immer noch habe) und die Befürchtung, dass sie sich nie erfüllen würde. Allerdings frage ich mich mittlerweile manchmal, ob ich überhaupt imstande wäre, eine Beziehung zu führen. Ich war von Kindheit an immer viel allein, vielleicht bin ich inzwischen so kauzig geworden, dass ich mit einer Beziehung gar nicht klarkommen würde. Bei mir war es übrigens als Kind auch so, dass es in meiner Familie kaum Körperkontakt gab, das spielt bei der Entstehung von Sozialphobie und Beziehungslosigkeit bestimmt eine große Rolle.

Viele Grüße
Marie

#20


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