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Hallo Nicky,
Die Angst vor der Angst bzw. vor dem "Schwindel" ist eigentlich bei fast jedem vorhanden. Sie ist es auch, die das System sozusagen aufrecht erhält. Denn hättest Du die Angst vor der Angst nicht, dann würde die GGW-Regulation gar nicht in Dein Bewußtsein treten. Das tut es aber und durch diese Selbstbeobachtung nehmen die Dinge dann ihren Lauf.
Wenn Du Angstschwindel hast, ist es schon realitätsfern, umzukippen. Wie gesagt, ich hatte das über Jahre und bin nie umgekippt und mir ist auch niemand bekannt, dem es je passiert wäre.
Obwohl ich natürlich nachvollziehen kann, daß dieses Gefühl vorherrschend ist, ich habe es ja auch selbst so erlebt. Aber irgendwann habe ich auch meine Einstellung dazu bewußt geändert.
Also, ich sage, es wird Dir nicht passieren - aber mal angenommen, Du würdest umkippen, was wäre für Dich schlimm daran ? Kannst Du das näher beschreiben ?
Zum Konfrontieren bzw. Vermeiden:
Wichtig wäre nicht, daß Du Dich mit bestimmten Situationen konfrontierst (z.B. Kaufhaus, Straße oder was auch immer), sondern mit den Symptomen. Und zwar in der Form, daß Du nicht versuchst dagegen zu kämpfen oder sie zu unterdrücken, sondern sie zuzulassen.
Wenn Du nämlich 5h komplett verkrampft in einem Kaufhaus stehst, dann hast Du Dich zwar 5h mit der Situation Kaufhaus konfrontiert, aber nicht mit den Symptomen, die Dir Angst machen. Da hast Du im Prinzip nur gelernt, wie Du Angstsymtpome 5h lang unterdrücken bzw. kontrollieren kannst. Im Grunde wäre das dann 5h Vermeidung gewesen.
Oder anders gesagt: Es wäre zielführender z.B. 15 Minuten zu Hause die Symptome zuzulassen, als 5h in einem Kaufhaus gegen den Schwindel anzukämpfen und ihn kontrollieren zu wollen.
Weil wenn Du diese 15 Minuten merkst und spürst "Aha, eigentlich kann ich ihn ja zulassen - es passiert nichts schlimmes", dann kannst Du es das nächste Mal 30 Minuten oder 3h und irgendwann kannst Du es auch wieder im Kaufhaus.
Das größte Problem bei Angstklienten ist -insbesondere bei schon länger andauernder Angstsymptomatik - meiner Erfahrung nach nicht die Angst(symptomatik) an sich, sondern ihr ständiger Versuch, diese kontrollieren und unterdrücken zu wollen.
Und das noch viel größere Problem ist, daß sie das selbst gar nicht mehr merken, DASS sie kontrollieren und unterdrücken, weil die Daueranspannung quasi schon ein Normalzustand wurde.
Ich selbst habe mich ja auch wie ein kranker Esel konfrontiert und war dann immer frustriert, daß sich eigentlich nichts besserte. Bis ich irgendwann selbst drauf kam (meine Therapeuten hatten diesbezüglich leider keine Reflexion): Ja ich gehe zwar in die Situationen, aber im Grunde unterdrücke ich permanent nur die Angst bzw. ihre Symptome. Ich sitze z.B. da und verhindere eigentlich nur um jeden Preis, daß ich umkippe. Ich verhindere um jeden Preis, daß ich einen Adrenalinstoß bekomme etc. etc.
Ich habe ein einziges Mal in meinem Leben ein Benzodiazepin (=Angstlöser) genommen und DA wurde mir bewußt, wie sehr die Daueranspannung bei mir schon ein Normalzustand war: Mich hat das Medikament (das ja auch muskelentspannend wirkt) regelrecht gewaltsam in eine Entspannung "gerissen" - ich kann es nicht anders beschreiben. Mein Körper hat sich richtiggehend gegen die Entspannung gewehrt. Ganz einfach deshalb, weil ich diese Abwehrhaltung über Jahre eintrainiert habe.
Daraufhin wurde mir dann so einiges klar und ich habe dann eben ganz bewußt versucht, zuzulassen. Natürlich funktioniert das nicht sofort, man muß es wieder lernen, aber wenn man es oft genug übt, wird auch das wieder Normalität. Wenn man es lernen kann, mit Unterdrückung zu reagieren, kann man es natürlich auch wieder lernen, mit Zulassen und Entspannung zu reagieren.
Sobald Du nämlich die Symptome zulassen kannst, verschwindet auch die Angst vor der Angst - denn vor was solltest Du noch Angst haben, wenn Du in der Lage bist, sie jederzeit zuzulassen ?
Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, aber wenn man auf mehreren Ebenen arbeitet (so wie schon beschrieben), dann ist das äußerst erfolgsversprechend.
Daß Du ein organisches Problem hast, halte ich für sehr unwahrscheinlich.
Wenn es Dich beruhigt, würde ich noch die eine oder andere Untersuchung machen lassen - nur irgendwann würde ich hier dann nicht nach Dingen suchen, die es nicht gibt und einen Schlußstrich ziehen. Ganz einfach deshalb, weil es nur das psychische Problem verschärft. Es wird dann zu nichts anderem führen, als diese Beschäftigung den Schwindel immer wieder "ernährt".
08.03.2010 22:36 •
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