Zitat von mini05:Aber wie kann man dagegen vorgehen? Ist da individuell, je nach Situation oder gibt es für "jede" Situation irgendein "Rezept"? Es ist einfach nervig jede paar Sekunden an seinen Gesundheitszustand zu denken...
Es ist natürlich höchst individuell, und das ist auch das Problem, denn allzu oft gerät man an Therapeuten, die die Konfrontation nach Schema F abspulen. Wichtig ist, dass du dich damit konfrontierst, wovor du Angst hast, nicht mit irgendeiner Situation, in der du Angst hast. Soll heißen: Wenn du Supermärkte meidest, weil du Angst hast, dort in aller Öffentlichkeit ohnmächtig zu werden, nutzt dir die Übung "Einkaufen im Supermarkt" nur dann etwas, wenn du dabei diese Angst
bewältigst. Wenn du es nur irgendwie schaffst, im Supermarkt einzkaufen und dich dabei von der Angst "erfolgreich" ablenkst oder zufällig mal keine Angst hattest oder dich dauernd damit beruhigst, dass du ja die Kreislauftropfen in der Tasche hast, kannst du es genauso gut sein lassen.
Und dann kann (und sollte) man seine Übungen auch vorbereiten: Wie wahrscheinlich ist es überhaupt, ohnmächtig zu werden? Was führt überhaupt "normalerweise" zur Ohnmacht, was läuft dann im Körper ab? Was kann man tun, es zu verhindern (in Bewegung bleiben, damit das Blut nicht in den Beinen "versacken" kann)? Was würde wohl realistischerweise passieren, wenn man ohnmächtig wird (Glas Wasser, Krankenwagen, Platzwunde vom Fallen etc.)? Wie "katastrophal" wäre das wirklich? Oder doch nur peinlich? Oder gar nicht so schlimm? Du musst die Katastrophengedanken zu Ende denken und auf ihren Realitätsgehalt überprüfen. Es ist nunmal tatsächlich möglich, in der Öffentlichkeit ohnmächtig zu werden. Aber dieses Risiko ist es m.E. nicht wert, sich zu seiner Vermeidung selbst massiv einzuschränken. Die Angst sollte schon durch obige Betrachtungen weniger werden, sie wird aber im Ernstfall sicher nicht ausbleiben. Beim Üben kann man dann - um die Angst, die ein paar (subjektiv sehr lange) Minuten recht stark anhalten kann, zu ertragen ohne zu flüchten - nach folgendem "Protokoll" vorgehen:
1. Umgebungscheck: Was nehme ich in meiner Umgebung wahr? Getrost gedanklich in Worte fassen, als würde man es jemandem erzählen.
2. Körpercheck: Beschreibung der Körperwahrnehmungen vom Kopf abwärts: Kopfdruck, Kloß im Hals, Bauchschmerzen, zittrige Hände, weiche Knie...
3. Bauchatmung: beruhigt und wirkt Hyperventilation entgegen.
4. Realitätscheck: Besteht eine reale Gefahr?
5. Bewegung, notfalls nur das An- und Entspannen von Muskeln.
Bei anderen Ängsten geht man grundsätzlich genauso vor. Theoretisch kann man so durch Konfrontation alle Befürchtungen abarbeiten. Wenn man aber im Hintergrund irgendwelche Krankheitsgewinne hat, die dafür sorgen, dass man die Angst besser aufrecht erhält, werden die Befürchtungen wechseln. Kaum dass du keine Angst mehr vor Ohnmacht hättest, käme die Angst, durchzudrehen oder was auch immer. Spätestens dann solltest du versuchen, mit therapeutischer Hilfe den Funktionen der Angst auf die Schliche zu kommen, sonst kannst du dich bis ins Rentenalter rein mit immer neuen Ängsten konfrontieren.
Liebe Grüße
Christina