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Hallo,
ich habe mir gerade den gesamten Thread durchgelesen. Meine Mutter bekam in den 70er Jahren kurz nach meiner Geburt schwere Depressionen und Tavor verschrieben. Ich habe die gesamte Kindheit und Jugend mit ihren Krisen und Kuraufenthalten, Arztbesuchen (Beruhigungsspritzen nach Zusammenbrüchen), Alk. und Entzügen verbracht. Ich habe daher einen gesunden Respekt, bzw. eine Ablehnung gegen Benzos. Zusätzlich hatte ich mit Anfang 20 mal einen Dro. Trip probiert und der hat mich in einer 12-monatige Angstkrise katapultiert. Das war ein dummer Fehler, den ich nun aber nicht mehr ändern kann. Vielleicht wäre die Krankheit ja auch so ausgebrochen. Genetisch und von meiner Entwicklung her wundert es mich nach all den Jahren Therapie nicht, dass ich an Depressionen und Ängsten leide.
Ich habe von 2004 bis 2017 Citalopram genommen und war in der Zeit zwar auch nicht das blühende Leben, aber es war deutlich leichter als nun ohne. Viele Versuche es abzusetzen haben zu Rückfällen geführt und dann habe ich einfach wieder hochdosiert. Mir war dan klar, dass es ohne Therapie nix wird. Im Laufe der Therapie die seit 1.2015 läuft, wurde mir dann klar, dass die Medizin mich an einer weiteren Entwicklung hindert. Mein Therapeut meinte, dass es mir doch nun schon eine Weile gut geht und er mich gerne unterstützen würde es mal ohne zu probieren. Wobei er ausdrücklich sagte er ginge auch den anderen Weg mit mir weiter. Wenn ich die Höhen und Tiefen nicht 100% spüren würde, könnte ich ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter an mir arbeiten. Das leuchtet mir ein. Ich hatte seit dem Absetzen im März 2017 zwei sechsmonatige schwere Krisen und habe es ohne Citalopram und Tavor geschafft. Max. 1-2 Tavor im Monat wenn es sonst garnicht mehr ging.
Ich habe nun weit ausgeholt, aber so könnt ihr meine Gedanken besser nachvollziehen, denn es geht mir mal wieder schlecht und nun habe ich das Gefühl, dass ich mit der Therapie, meiner Selbsthilfegruppe, Freunden, Familie und allem was ich gelernt habe nicht weiter komme. Ich bin mal wieder an dem Punkt, wo ich einfach keinen Bock mehr habe auf den schei.. Ich denke nicht an Selbstmord, aber ch will am liebsten garnicht da sein. Am liebsten eine Narkose bekommen. Und das nach all dem was ich mühevoll gelernt habe. Es ist zum heulen. Manchmal denke ich in meinem Kopf wird ein Schalter umgelegt und dann ist dieser besch... Zustand einfach da. Dann suche ich nach Stressfaktoren usw. die dies begründen würden und manchmal finde ich was und manchmal gar nichts. Dann denke ich gestern war doch alles gut...
Wenn ich wie in letzter Zeit leider öfter morgens eine 0,5mg Tavor nehme, dann ist alles erträglich. ich fragte meine Ärztin, was denn passieren würde, wenn ich 0,5mg täglich über 2 Wochen nehmen würde und sie meinte, dass diese Dosis dann sicher schon nichts mehr bewirken würde. ich bräuchte mehr und würde sehr schnell in eine Abhängigkeit rutschen. kenne ich ja von meiner Mutter. Nun habe ich Angst vor Tavor und Angst vor einem Leben ohne. Manchmal denke ich es ist besser mich wissentlich kopfüber in die Abhängigkeit zu stürzen und statt so weiter zu leben. Jetzt lese ich hier manche nehmen das Tavor 20 Jahre in der gleichen Dosis und es wirkt immer noch. Der Entzug müsste die Hölle sein, aber wenn man es immer nimmt und so gut Leben kann... was solls. Dann stirbt man halt ein paar Jahre früher, hat aber gelebt. Ich weiss dass mir die Entscheidung keiner abnehmen kann, aber ich fühle mich mit der frage so alleine und die "gesunden" verstehen das nicht wirklich. Wenn ich nun wieder Tabletten nehme, dann ist es für mich wie eine Niederlage, aber ohne schaffe ich es ja scheinbar auch nicht so zu leben, dass es erträglich ist.
03.08.2019 12:55 •
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