46

Hallo,

hat hier jemand genauere Erfahrung mit Tavor Entzug?

Kann es sein, dass es einem gestern schon wieder super ging aber heute wieder total mies?

LG

29.12.2013 19:20 • 27.10.2019 #1


157 Antworten ↓


Hallo Neuro87
Also Ich war 10 Jahre lang auf Tavor und bis vor 1 Monat noch in einer Psychosomatischen Klinik
wo Ich langsam entwöhnt wurde, dort hatte Ich auch Schwankungen wo es mir mal gut ging und dann wieder total schlecht,
allerdings weiß Ich nicht ob das nur am Tavor lag, weil Ich auch depressive Episoden hatte.

29.12.2013 19:50 • #2


Ich hab auch 2 mal einen Entzug gemacht. Hatte extrem hohen Bludruck, Anspannungszustände jenseits von gut und böse. Dachte jeden Tag ich sterbe 24h am Tag. Schlaf so gut wie gar nicht ....
Beim 2. Entzug dachte ich, ich habe es überstanden, es ging mir besser. Aber dann kam nochmal eine Phase nach ein paar Wochen .... hatte Angst durch Leitungswasser zu vergiften, dachte ich hab Tollwut etc ...

31.12.2013 16:24 • #3


shg-admos
....Ich war erstaunt, als mir erzählt wurde, dass im Laufe eines Jahres eine
ganze Menge Menschen in die Klinik kommen, um solch einen
Medikamentenentzug durchzuführen. Mir wurde gesagt: „Machen sie
sich keine Sorgen, das kriegen wir schon hin.“ Das hoffte ich, ehrlich
gesagt ging ich von einer Dauer von zwei Wochen aus. So schlimm
würde der Entzug schon nicht werden - was für eine grandiose
Fehleinschätzung.

Die erste Woche war noch ganz annehmbar. Ich wurde langsam
herunterdosiert und bekam zusätzlich Medikationen gegen mögliche
auftretende Krampfanfälle. Diese sind in der Regel eine Nebenwirkung
eines solchen Entzugs und können lebensbedrohliche Auswirkungen
haben. Es ist also dringendst (!) davon abzuraten, einen Lorazepam-
Entzug alleine zu Hause durchzuführen.

Ein Therapeutengespräch hatte ich in der Woche und ab und an
Ergotherapie, ein paar Bilder malen. Die Therapeutin - noch ganz jung -
war sehr nett und tat alles, um wieder einen Funken Stabilität in meine
Seele zu bringen. Dafür dass sie scheinbar „frisch von der Uni“ kam
hatte sie eine ganze Menge auf dem Kasten. Auch der Bezugspfleger,
Herr Hollen, war ein Ar. in seinem Bereich. Ein Mensch mit viel
Einfühlungsvermögen, der zudem den Patienten wirklich helfen wollte
und sie nicht nur als bloße Ziffer im System betrachtete. Ich habe oft
Glück mit meinen Therapeuten und Pflegern. Ich ging viel spazieren
oder plauderte mit meinen Mitpatienten. Das ging noch, denn ich erhielt
ja noch eine reduzierte Menge Lorazepam.

Ab Tag Nummer 11
erwischte mich dann die Krähe im Sturzflug. Der Körper schrie nach
dem Medikament. Die Rezeptoren glaubten, es würde ihnen weiter
zugeführt werden. Doch da kam nichts, beziehungsweise nur noch eine
ganz kleine Menge von 0,5 Milligramm pro Tag. „Alarmstufe Rot“,
Gewitter, Sturm, Raketen, Maschinengewehrsalven in meinem Kopf. Ein
kopfähnliches Ding, das von oben bis unten durchgeschüttelt wurde. Ein
Tornado, Erdbeben, Tsunami, glühende Kohlen zwischen Stirn und
Amygdala. Die Hölle auf meinen Schultern, die Welt ist tot, wer bin ich
noch? Ein Abklatsch eines Menschen. Ein Nichts in einem zugigen,
nassen und kalten Erdloch. Bomben fallen, Volltreffer! In strömendem
Regen und stinkendem Matsch. Zwischen Tag 11 und Tag 31 ging ich
durch die Hölle. Schlaflosigkeit, Albträume, fürchterliche Depressionen,
Kraftlosigkeit und abgrundtiefe, brutale Angst. Schlief ich, dann hatte ich
Albträume, wachte ich auf, dann hatte ich eine massive Angst - kurz
vorm Kotzen. Es dauerte manchmal Stunden, bis ich einigermaßen ruhig
wurde und mich aus meinem Zimmer traute. Man spricht von einem
sogenannten „Rebound“-Effekt. Die Angst kommt stärker zu Tage, als
jemals zuvor. Ein Jahr lang hatte ich nun Lorazepam genommen, an ganz
schlimmen Tagen 4-5 Milligramm. Das Zeug lagert sich irgendwann in
den Fettzellen ab, deswegen dauert ein Entzug auch so fürchterlich lange
und die Nebenwirkungen kommen in Schüben. Ging ich nur den Flur
entlang, die Wahrscheinlichkeit bestand, dass ich jemanden treffe, bekam
ich panikartige Zustände. Ich stand permanent kurz vorm Heulen, hatte
eine fürchterliche Sorge, dass es immer so bleiben würde. Ich war völlig
panisch und apathisch zugleich, ja existierte kaum noch.
Hiiiillllfffffeeeeee! Ich erhielt zudem Atosil, ein Beruhigungsmittel,
welches mich teilweise wie ein Geist über die Gänge schlurfen ließ, ein
Roboter im Schlafanzug. Ich wunderte mich zu Anfang immer, wieso die
Menschen in der Psychiatrie so neben sich stehen, so langsam sind. Nun
war ich ein Teil von ihnen, langsam, apathisch, freudlos, verzweifelt. Ich
fühlte mich teilweise völlig „plemmplemm“. Eigentlich bin ich
Nichtraucher, in der Psychiatrie rauchte ich an harten Tagen eine ganze
Schachtel.

Insgesamt war ich fünf Wochen in der Klinik bis ich stabil genug war,
überhaupt in einen Zug zu steigen und nach Hause zu fahren. Und ich
wusste: Die Entzugssymptome und die verstärkte Angst würden noch
mehrere Wochen so weitergehen, zumindest mit großer Wahrscheinlichkeit.
Es gibt Tavor-Entwöhnungen, welche sich über ein halbes Jahr
oder länger strecken, bei einigen Menschen wiederum dauert es nur
einige Wochen, sicher ist: Das Elend geht vorbei, auch wenn man es
manchmal selber nicht mehr glaubt.
Ein Kumpel, der in der Vergangenheit sehr viel mit Dro. zu tun hatte,
erzählte mir, dass ein Heroin-Entzug nichts gegen eine Tavor-
Entwöhnung sei. Dieses hätten damals mehrere Heroin-Tavor-Abhängige
erzählt. Ein Tavor-Entzug gehört zu den härtesten Suchtbefreiungen
überhaupt.
Insgesamt dauert der Entzug, mit „Flash-Backs“ und Rebound-Effekten
wohl ca. zwei Monate, puh, ein Meilenstein. Wer das geschafft hat, den
kann eigentlich kaum noch etwas schrecken. Wer das geschafft hat, der
verdient ein Denkmal aus purem Gold. Das Denkmal setzt einem nur
leider keiner.

Ich habe es geschafft, das größte, massivste Leidenstal zu durchschreiten,
welches ich jemals erlebt habe. Ich hatte dem Teufel ins Gesicht
geschaut und mich dann abgewandt. Der Entzug war überstanden und
zudem hatte ich fünf Wochen lang keinen Tropfen B. angerührt.
Außerdem war ich nun 8 Kilo leichter, ich konnte einfach in der Zeit
kaum etwas essen. Ich war nun auf ein Medikament eingestellt
(Paroxetin), welches die Depressionen sehr stark linderte und auch die
soziale Phobie etwas abschwächte. Thank god, nach zwei Jahren auf der
Suche schlug nun endlich ein modernes Antidepressivum an. Was für
eine Erleichterung, damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Danke an wen
auch immer, dass diese fürchterlichen Entzugserscheinungen aufgehört
haben, niemals wieder Tavor!


Auszus aus: Soziale Phobie. Die Krähe und der Papagei.
Autor: Mutiger Angsthase. 2015, S.93-97

20.01.2015 19:42 • x 2 #4


Moin,

Tavor war stärker als ich. Hab jetzt seit ca 8 Wochen tgl. Zwischen 1 bis 2.5 mg genommen um die Erstickungsängste nicht zu spüren.

In der kommende Woche bekomme ich den Termin für die klinische Therapie in der dann wohl auch der Entzug erfolgt.

Wer hat Erfahrung und kann mir berichten wie das abläuft? Welche Mittel werden als Ersatz verwendet.

LG Kathi

26.03.2016 14:06 • #5


Vergissmeinicht
Hey Kathi

ich hatte in meiner Endphase einen Entzug von 4,0 mg. Dagegen gehalten wurde mit Diazepam und ging über 6 Tage; dann war der Spuk vorbei. Ich hatte keinerlei Problem damit und danach.

26.03.2016 14:14 • #6


Lieben Dank Vergissmeinnnicht,
War es während den 6 Tagen schlimm? Wie lange hast du Tavor genommen? Ich werd sicher noch n anderes Medi bekommen. Aktuell nehme ich Lyrica 50-50-75 und es wirkt gar nicht gegen meine Ängste und vor allem Atemprobleme.

26.03.2016 16:29 • #7


engeline1705
Ich hab hier im Haus auch Tavor vorsichtshalber bekommen. Ich hab sie nie genommen und hab auch Angst davor. Ne frage wie fühlt es sich denn an wenn man die geschluckt hat? Wird man da wirklich ruhiger? Auto fahren kann man da bestimmt nicht oder?

26.03.2016 16:32 • x 1 #8


Es kommt auf die Dosis an. Generell sollte mal bei Benzol kein Auto fahren.....machen aber doch einige viele.

Anfangs halfen mir noch 0.5mg. Nun brauche ich schon 1 bis 2 mg hab dann den Tag aber auch "Ruhe".

Ich war immer ein Gegner von Menno und AD und NL. Nur wenn ich jetzt so tief unten ist gibt es nur Medis oder freie Entscheidung nicht mehr zu wollen.

26.03.2016 16:42 • #9


engeline1705
Ach so.....ich hab gehört das man davon schnell abhängig wird. Ich stelle es mir so vor das das Gefühl dann entspannt ist und am nächsten Tag ohne fühlt man sich dann zu nervös und schmeisst sich das Zeug nochmal rein oderß So tell ich es mir vor weil man da entspannter ist
Dann meinte eine zu mir ich müsse es erstmal probierne um zu schauen ob ich nicht davon einschlafe. Ich glaue meine Tabl. sind ganz niedrig dosiert

26.03.2016 16:46 • #10


juwi
Hallo Kathi,

ich hatte Tavor jahrelang genommen, war zuletzt auf einer Dosis von 3,5 mg (abends zum Schlafen) und habe den Entzug alleine zuhause gemacht. Entzugserscheinungen hatte ich gar keine, nur schlief ich halt wieder schlechter. Seit ich die richtigen Medikamente (ein Antidepressivum und ein Antipsychotikum) nehme, ist auch dieses Problem weitgehend beseitigt. Ich hatte auch etwas Angst vor dem Entzug des Tavor, weil man immer wieder schlimme Geschichten hört. Aber wie gesagt, ich spürte gar nichts.

26.03.2016 17:16 • x 1 #11


Ich habe insg. 8 Jahre benzos genommen davon das letzte Jahr täglich Diazepam (äquivalent zu ca. 0.5 - 1mg Tavor)
Den Entzug habe ich dann ambulant zu Hause gemacht. Alle 2-3 Wochen einen Tropfen Diazepam weniger, ausgehend von 10 Tropfen.

In einer Klinik würde ich NIE einen Entzug machen. Die machen es viel zu schnell und versuchen dann die Entzugssymptome mit einem anderen Psychopharmaka zu deckeln, was aber nicht funktioniert. Die Kliniken verwenden dann meisten Lyrica oder Doxepin, wenn der Patient es nicht aushält oder stellen dich komplett still mit einem Neuroleptikum.

Wenn Du die Klinik verläßt, bist du zwar dein Tavor los, aber hast erstmal 1-2 andere Psychopharmaka an der Backe.

26.03.2016 17:49 • x 2 #12


Zitat von juwi:

Seit ich die richtigen Medikamente (ein Antidepressivum und ein Antipsychotikum) nehme, ist auch dieses Problem weitgehend beseitigt.



Hallo Juwi,

welche Medikation nimmst du aktuell und für welche Grundkrankheit?

Danke und LG,

26.03.2016 17:51 • #13


engeline1705
Also gibt es auch Tavor in Tropfenform? Man könnte sie auch bisl dosieren also je nach Bedarf? Ich hab bisher nie was genommen aber denke ab und zu nach wenn ich so zu Eltergesprächen gehen muss was ein Horror für mich ist. Will natürlich nicht wie auf Dro. da auftauchen aber überlege wirklich in Tropfenform was zu nehmen zur Beruhigung. Ich hab gemerkt das mir Baldrian und vo nix mehr bringt....ich hab dann so schreckliche Herzrasen wenn ich weiss es steht was bevor

Hab auch schon gehört das die Kliniken gerne was geben um den Patienten ruhig zu stellen schrecklich sowas

26.03.2016 17:53 • #14


engeline1705
Ich hab im Inet auch was von Atosil gelesen. Kenn jemand dieses Medikament?

26.03.2016 18:14 • #15


vivi38
Zitat von engeline1705:
Ich hab im Inet auch was von Atosil gelesen. Kenn jemand dieses Medikament?


Ich habe auch schon was davon gehört. Habe am Mittwoch meinen Hausarzt danach gefragt und er hat mir gesagt das es angeblich genauso abhängig machen soll wie Tavor. Aber im Internet habe ich gelesen das es nicht abhängig macht.

Mich würde auch mal interessieren wie die Erfahrungen mit dem Medikament sind?

26.03.2016 18:18 • #16


- Tavor gibt es nicht als Tropfenform
- Atosil ist ein Neuroleptika und macht NICHT abhängig. Es ist niederpotent und wirkt angstlösend und beruhigend.

26.03.2016 18:22 • #17


vivi38
Zitat von Panikju:
- Tavor gibt es nicht als Tropfenform
- Atosil ist ein Neuroleptika und macht NICHT abhängig. Es ist niederpotent und wirkt angstlösend und beruhigend.


Das es ein Neuroleptika ist und nicht abhängig macht weiß ich auch. Ich denke aber mal das es ein normaler Hausarzt nicht aufschreiben darf und das nur ein Psychologe oder Psychiater darf.

26.03.2016 18:26 • #18


engeline1705
Vivi ich hab im Internet gelesen das es eher zum schlafen eingenommen werden soll. Ich hab bisher immer ohne versucht. Wenn ich aber merke das ich nicht mehr kann es kommt immer so Zweifel trotz Therapie und allem Selbstkonfrontation etc. da kann mir auch meien Therapeutin nicht helfen

26.03.2016 18:46 • #19


vivi38
Zitat von engeline1705:
Vivi ich hab im Internet gelesen das es eher zum schlafen eingenommen werden soll. Ich hab bisher immer ohne versucht. Wenn ich aber merke das ich nicht mehr kann es kommt immer so Zweifel trotz Therapie und allem Selbstkonfrontation etc. da kann mir auch meien Therapeutin nicht helfen


Ja, ich würde es ja wenn auch nur zum Schlafen nehmen. Das habe ich auch gelesen.
Ich habe gerade Tavor als Notfallmedi und möchte davon weg. Ich bin gerade dabei einen Entzug zumachen und muss sagen das ich es wohl langsam geschafft habe.
Ich bin leider noch nicht in Therapie. Habe am Dienstag ein Vorgespräch für eine Therapie in einer Tagesklinik.

26.03.2016 18:50 • #20




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. med. Andreas Schöpf