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Natureboy78

Natureboy78

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Nach 2 sehr intensiven Jahren mit diversen beruflichen (bin selbstständig) und privaten Veränderungen (älteste Tochter zog aus, Mutter hat Demenz) fing es bei mir mit psychosomatischen Beschwerden an (Magenschmerzen, Verspannungen, Tinnitus, Unruhe, innere Abspannung) an. Im Urlaub seit vielen Jahren wieder 1 Panikattacke und das im Ausland auf einer Insel. Krankheitsängste begannen obwohl ich 2 Wochen zuvor Gesunden Untersuchung hatte mit Leistungs_EKG. Alles okay.

Leider blieb mir die Abspannung und auch das Gedankenkarrusel begann von vorne. "Angst zu sterben usw. Ich laß viele Bücher und erkundigte mich in Foren. Na ja, nach 2 Monaten gingen die körperlichen Beschwerden ein wenig zurück, dafür wurde die Unkonzentriertheit, das neben sich stehen, Watte im Kopf mehr, als ich nach einem üppigen Rotweinabend am nächsten Tag eine weitere Panikattacke bekam weil ich noch so neben der Spur war. Zeitgleich fing ich mit Johanniskrautkapseln an. Ich nahm diese 4 Wochen mit relativ wenig Erfolg und hörte vor 10 Tagen auf.

Seit 5 Tagen nehme ich jetzt Citalopram (nahm ich schon in der Vergangenheit). Nebenwirkungen halten sich noch in Grenzen, das allgemeine Befinden ist natürlich noch sehr sehr eingeschränkt. Neben sich stehen ist am Abend eigentlich fast weg und wenn ich es schaffe mich auf etwas anderes als auf mich und meinen Körper zu focusieren geht's auch. Mein Arzt und Psychiater riet mir in der Eingewöhnungsphase zu den Citalopram ein Beruhigungsmittel (Xanor) zu nehmen. Habe es 2 Tage genommen was sehr half. Heute nahm ich keine.

Hat jemand von euch Erfahrungen mit den Konzentrationsschwächen, neben sich stehen, Watte im Kopf/Depersonalisation im Zuge einer Angst/Panikerkrankung/Erschöpfungsdepression?

Ich hoffe mit den Tabletten und der Zeit reguliert sich das wieder von selbst

Lg

12.11.2017 18:58 • 19.10.2019 #1


68 Antworten ↓


Luisawssth


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Hey,

ersteinmal: ich kenne das nur zu gut, vor allem dieses neben sich stehen, nicht richtig da sein, alles scheint so unrealistisch. Ich habe erstmal angefangen zum verstehen, warum das passiert und was das ist. Es ist im Grunde ein Schutzmechanismus deiner Psyche. Gerade nach langanhaltenden oder häufigen schwereren Panik Attacken sind diese Symptome die Folge. Es ist ein Symptomm von starkem Stress. Dein Körper will sich abkapseln, sich schützen. Wichtig ist, zu akzeptieren, dass es da ist. Dagegen arbeiten ist Kontraproduktiv, genauso wie bei Panik. Mir hilft Achtsamkeitstraining immer sehr gut. Eine Übung ist zum Beispiel: zähle 5 Dinge auf die du siehst, hörst, spürst und riechst. Dann wiederholst du den Prozess bis du von allem nur noch eins aufzählst. Da gibt es auch hilfreiche Apps oder google das mal, zum Thema Achtsamkeit gibt es viele gute Übungen um im hier und Jetzt zu bleiben, auch sehr sinnvoll bei Panik Attacken.

Hoffe ich konnte helfen,

LG

11.06.2018 14:22 • x 1 #2


kopfloseshuhn

kopfloseshuhn


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Richtig. Die Depersonalisation etc sind schutzmechnismen und es ist eine Dissoziation gegen die es, direkt keine Medikamente gibt.
Kommen die Symptome von starken Angstgefühlen und Stress, kann es helfen hier anzusetzten und klar, sekundär mit weniger Stress und weniger Angst, können sich auch die entfremdungssymptome verändern.
Also hilft vielleicht dann doch ein AD oder Mittel gegen Ängste.
Allerdings ist damit ja nichts gelöst. Man muss immer gucken, welche Situation man verändern kann.
Denn sonst ist jedes Mittel zu nehmen wie gegen einen Stein im Schuh ein Schmerzmittel zu nehmen und dann weiter zu laufen. Das Problem wird nur größer!

11.06.2018 14:38 • #3


Skygirl07


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Ich weiß der Thread ist schon älter als ein Jahr...

Mir geht es mit dem permanenten Neben sich stehen aktuell sehr schlecht. Ich bin mit schwerer Depression zurzeit in stationärer Behandlung. Und ich habe permanent das Gefühl nicht richtig da zu sein. Ganz schlimm. Geht so was wieder weg? Könnte das auch am Medikament liegen?

Ich bin ratlos.

01.10.2019 11:03 • #4


Barbara_G

Barbara_G


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Hallo Skygirl, tut mir Leid dass es dir momentan so schlecht geht.

Die Depersonalisation bzw dieses "Neben sich stehen" und "nicht ganz da sein" kann zu Behandlungsbeginn von den Medikamenten natürlich verstärkt werden. Nimmst du denn Citalopram? Und wenn ja, wie lange schon und in welcher Dosis? Nimmst du sonst noch irgendwelche Medis?


Zitat von Skygirl07:
Geht so was wieder weg?


Du bist in Behandlung, das heisst du willst dir helfen lassen und du lässt dir auch helfen. Das ist der wichtigste Schritt und somit ja, das wird auch wieder weggehen

01.10.2019 12:54 • #5


Skygirl07


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Hallo Barbara_G,

Danke! Ich nehme Duloxetin 120 mg seit ca 3,5 Wochen. Und zur Nacht Olanzapin.
Citalopram blieb bei mir wirkungslos. Ich schätze auch, dass es durch die Aufdosierung des Medikaments mit zu dem Effekt kommt. Natürlich hofft man jeden Tag, dass es ganz weg ist.

01.10.2019 15:28 • #6


Barbara_G

Barbara_G


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Ich kenne Duloxetin nicht, hab aber gelesen dass es ein SSRNI ist und somit dauert es einige Wochen bis es wirkt... und zu Behandlungsbeginn verstärkt es die Symptome und gemeinsam mit den Nebenwirkungen kann das bestimmt auch vom Medikament kommen. Ich hatte eine volle Wirkung von Citalopram nach ca 2 - 3 Monaten und damit ging dann auch das Gefühl des "Neben sich Stehens" weg. Wahrscheinlich musst du den Medikamenten noch ein bisschen Zeit geben bis sie wirken und zusammen mit einer Therapie, die du wahrscheinlich in der Klinik machst (?) geht es dir bestimmt bald wieder besser und du fühlst dich dann wieder wie du selbst

01.10.2019 15:52 • x 1 #7


Skygirl07


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Vielen Dank für die aufbauenden Hinweise! Das gibt mir viel an Hoffnung, dass es sich um einen vorübergehenden Zustand handelt. Die Therapie auf Station hat jetzt begonnen. Also brauche ich jetzt viel an Geduld. Ich fühle mich seit der Depression überhaupt nicht mehr wie ich selbst und hoffe mich wieder zu finden.

Lg

01.10.2019 18:30 • #8


Skygirl07


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Ich bin momentan sehr verzweifelt, weil ich dieses Gefühl schon nach dem Aufstehen habe mit dem Neben sich stehen. War es bei dir auch so durchgehend da? Ich weiß nicht wie ich damit draußen rumlaufen soll. Ich hoffe wirklich sehr, dass es mit an der Medikation liegt und dann in den nächsten Wochen zurück geht.

02.10.2019 06:57 • #9


Barbara_G

Barbara_G


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Ja das Gefühl war bei mir auch andauernd da, vom Aufwachen bis zum Schlafengehen. Besonders während meiner ersten Episode, als meine Angststörung zum ersten mal aufgetreten ist, hat es sehr lange gedauert, einige Monate. Es war dann auch nicht schlagartig von einen auf den anderen Tag weg, es war ein schleichender Prozess, den ich eigentlich nicht so richtig mitbekommen hatte. Hattest du das Gefühl auch schon bevor du die Medikamente genommen hast?

Da man sich in diesem Zustand selbst nicht richtig spürt, ist es wichtig Dinge zu tun bei denen man sich selbst gut spüren kann, seinen Körper. Spazieren gehen an der frischen Luft, wenn es irgendwie gehen sollte, eine Runde joggen. Autogenes Training hat mir immer geholfen. Eine Badewanne nehmen. Einen Hund streicheln. Diese Dinge lassen dich dich selbst spüren.

Depersonalisation ist eine sehr übliche Begleiterscheinung von Angststörungen und Depressionen. Dass du in Behandlung bist, ist das Beste was du machen kannst, gib den Medikamenten und der Therapie etwas Zeit bis sie wirken, keine Sorge, das wird wieder!

02.10.2019 08:52 • x 1 #10


Skygirl07


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Liebe Barbara,

du bist eine sehr starke Persönlichkeit! Ich dagegen bin gerade schwach und versuche irgendwie was zu finden, dass ich nicht immer in diesen Zustand rutsche. Aber meine Psyche/Seele hat eben schon vor langer Zeit den Resetknopf gedrückt. Ich muss es annehmen wie es ist. Jeden Tag ein kleines bisschen mehr tun zur Ablenkung. Das sind tolle Tipps zum sich besser spüren.
Ja es war schon in Ansätzen vor der Medikation da bei mir. Nicht so ausgeprägt.

Was hat Dir geholfen, Dich nicht ständig damit gedanklich zu beschäftigen und hoffnungsvoll zu bleiben?
Warst Du auch mal in stationärer Behandlung?

Ich darf der Angst nicht so viel Raum bieten, dass das jetzt immer so bleibt.

Lg Skygirl

02.10.2019 11:02 • x 1 #11


Barbara_G

Barbara_G


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Ach wo, du bist auch eine starke Persönlichkeit! Du hast dich in die Behandlung begeben und willst dir helfen lassen, das zeigt von Staerke. Eine schwache Person würde das nicht tun!

Wenn es vor der Medikation nicht so ausgeprägt war, kann es gut sein dass jetzt als anfängliche Nebenwirkung deine Symptome verschlimmert werden... das war bei mir auch so. Ich habe mich damals wann immer es irgendwie ging dazu aufgerafft, eine kleine Runde joggen zu gehen.. wie gesagt wenn es irgendwie ging. Es gab auch unzaehlige Tage, an denen ich das Bett kaum verlassen konnte Dann hab ich mir im Fernsehen irgendeine leichte Kost angesehen um mich irgendwie abzulenken... Gilmore g i r ls .. Big bang Theory... irgendwas in der Art.

Die ersten Gespräche bei meiner Therapie haben mir damals sehr geholfen. Meine Therapeutin war die erste, was ich mit dem "neben sich stehen" meine. Da erfuhr ich, dass es auch andere Menschen gab die das erfahren mussten, und die das überwinden konnten.

Nein, stationär war ich nie in Behandlung. Aber in einer schlimmen Phase Wochenlang bei meiner Mama zuhause und konnte kaum raus gehen.

Nein, das bleibt nicht immer so. Und der Angst darfst du generell so wenig Raum wie möglich bieten. Möglichst mit alltäglichen Dingen beschäftigen, echte Dinge helfen dir dabei, dich "echt" zu fühlen. Das wird wieder, bestimmt!

02.10.2019 15:29 • x 2 #12


Skygirl07


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Liebe Barbara,

Danke für Deine liebe Nachricht. Ich wünschte, ich wäre so tapfer wie Du. Heute morgen bin ich unter Tränen aufgewacht und hatte schon wieder Angst vor diesem Zustand. Mich nicht zu fühlen und im Dämmerzustand durch den Tag zu gehen. Ich empfinde mich nicht mehr als die Person die ich war. Und ich weine, weil ich das so schlecht aushalten kann und Angst habe, dass es so bleibt. Ich bin Mama eines Jungen und verstecke mich in der Psychiatrie. Ich soll hier stabil werden und frage mich, wie ich mit diesem Gefühl meinen Alltag schaffen soll. Ich weiß nicht, was mich so krank gemacht hat. Ich habe Angst, daß nicht zu schaffen.

03.10.2019 08:06 • #13


Skygirl07


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Meine Mutter war schizophren und oft in Psychiatrien, als ich klein war. Das war sehr schlimm. Ich habe gerade Angst, dass sich das für meinen Sohn wiederholt. Weil ich nicht gesund werde.

03.10.2019 10:26 • #14


Barbara_G

Barbara_G


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Was sagen denn dein Ärzte und Therapeuten denn dazu dass du dich so benommen fühlst? Meinen die auch, dass das vom Medikament kommt?
Es bleibt nicht so. Es dauert ein bisschen bis man die richtige Medikation findet und bis die dann wirkt, dasselbe gilt für die Therapie.... ich kann mich erinnern, dass die ersten Wochen unter Citalopram auch ein Horror waren, bevor es langsam besser wurde.
Du versteckst dich nicht in der Psychiatrie. Du musst gesund und fit sein um deinem Jungen eine gute Mama zu sein und darum kümmerst du dich jetzt erst mal! Das hat nichts mit verstecken zu tun.
Du schaffst das, das dauert nur eine Weile

Und mach dir keine Sorgen wegen deinem Sohn, deine Mama hat dir die Schizophrenie nicht vererbt, also hat sie dein Sohn bestimmt auch nicht!

03.10.2019 14:41 • x 1 #15


Skygirl07


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Danke Dir sehr liebe Barbara,

ich hatte einen wirklich schlimmen Tag. Aber es bringt ja gar nichts, sich diese Sache vom Hals zu wünschen und zu verfluchen und sich in Zeiten gedanklich zu flüchten, wo noch alles gut war.
Wenn ich gesund werden will, muss ich annehmen und einen Umgang damit finden.

Die Ärzte sagen, dass diese Depersonalisation von der Erkrankung kommt und nichts mit den Medis zu tun habe. Ich glaube da auch Deiner Theorie.

Glaubst Du, dass Dir auch das Citalopram da raus geholfen hat oder eher die Zeit und das Abklingen der Depression?

Danke sehr für all die lieben Worte!
Christiane

03.10.2019 18:57 • #16


Barbara_G

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Hallo Christiane,


Zitat von Skygirl07:
Aber es bringt ja gar nichts, sich diese Sache vom Hals zu wünschen und zu verfluchen und sich in Zeiten gedanklich zu flüchten, wo noch alles gut war.
Wenn ich gesund werden will, muss ich annehmen und einen Umgang damit finden.


Das ist eine gute Einstellung. Es wird wieder, aber nicht von alleine und das ist schon mal ein guter Ansatz! Du bist in Behandlung und laesst dir helfen, von jetzt an kann es nur noch bergauf gehen. Und genau dieser Ansatz zeigt, dass du eine starke Person bist!

Ich bin mir sehr sicher, dass mir das Citalopram geholfen hat, und auch die Therapie. Wie du sagst "man muss einen Umgang damit finden" ... und in diesem Punkt habe ich in der Therapie viel gelernt. Ich hab 2 mal versucht mein Medikament abzusetzen, beide male erlitt ich einen Rückfall, aber beide male haben mir die Medikamente wieder geholfen. Nur dauert es eben einige Wochen bis Monate bis das richtig wirkt, und zu Beginn der Medikamenteneinnahme wurden die Symptome immer sehr verschlimmert... das war für mich immer eine harte Geduldsprobe, diese Zeit durchzustehen. Aber ich hab es geschafft und du wirst es auch schaffen. Wie lange wirst du denn in der Klinik bleiben? Bist du zum ersten Mal stationär in Behandlung? Geht es dir zum ersten Mal so schlecht oder hattest du das schon mal?

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, ich bin erst nach dem Wochenende wieder online. lg Barbara

04.10.2019 15:53 • x 1 #17


MamaCita

MamaCita


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Liebe Skygirl07 , ich möchte dir auch ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen wünschen. Diese Hoffnungslosigkeit ,dass es nie wieder besser wird,ist leider auch sehr typisch und ich weiß noch wie ich heulend den ersten Tag in der Tagesklinik stand.... "Das es soweit kommen musste" aber wie Barbara schon schrieb,du hast dir Hilfe geholt und damit wird es Schritt für Schritt besser werden.
Das getrennt sein von der Familie ist natürlich schrecklich - aber ich denke die Zeit in der Klinik wird dir helfen...es ist ein geschützter Raum,wo du alles rauslassen kannst ,statt im Alltag funktionieren zu müssen. Ausserdem entstehen nicht selten gute Bekanntschaften unter Gleichgesinnten.

Also nochmals alles Gute für dich! Du schaffst das !

04.10.2019 16:22 • x 2 #18


Skygirl07


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Ich leide sehr unter diesem Zustand, dass ich mich nicht fühlen kann. Ich versuche die Angst, dass es kein Ende nimmt, runter zu schlucken. Ich fühle mich so furchtbar. Der Arzt sagt, wir bleiben bei dem Medikament, aber es zeigt keine Wirkung. Leider habe ich nur sehr wenig Therapiegespräche. Ich stabilisiere mich einfach nicht. So lange gibt es hier kein Vorankommen. Ich bin mir jeden Tag so fremd

Ich war vorher noch nie stationär. Es gibt kein Entlassdatum, weil es mir so schlecht geht. Es gab Krisen, aber nie so schlimm. .

05.10.2019 06:57 • #19


MamaCita

MamaCita


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Wie lange hattest du Citalopram genommen?war das vor dem stationären Aufenthalt?
Vielleicht sehen die Ärzte ja objektiv eine positive Tendenz,wenn sie es erstmal so belassen wollen?! Wie lang bist du nun stationär?
Vielleicht hilft dir auch ein positiv Tagebuch...um bewusst zu schauen welche Momente des Tages,seien sie auch noch so klein,gut waren. Sonst neigt man ja doch sehr dazu dass alles schlecht und voller Angst ist.
Bekommst du übers Wochenende Besuch?

05.10.2019 07:20 • x 1 #20




Dr. med. Andreas Schöpf

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