Sönnchen
Hallo Leute,

mache mir gerade viel Gedanken um das Selbstbewusstsein, weil mir klar geworden ist, dass es mir daran fehlt.

Habe festgestellt, dass ich eigentlich viel zu wenig drüber weiß. Mir war eigentlich immer eher wichtig, dass nach außen alles "gut" aussieht, egal welcher Preis. Das mache ich jetzt nicht mehr (bzw. veruche es). Allerdings ist da nun ein Riesenloch in mir.... und ich glaube, dass muss mit Selbstbewusstsein gefüllt werden... aber wie?

Was ist Selbstbewusstsein denn für euch? Was macht einen selbstbewussten Menschen aus?

Ist jemand hier, der aktiv/bewusst an seinem Selbstbewusstsein arbeitet?

Was stärkt denn euer Selbstbewusstsein? Was ist Gift?

Hat jemand eine konkrete Buchempfehlung zu dem Thema?

LG
Verwirrtes Sönnchen

16.03.2008 10:16 • 16.02.2020 #1


21 Antworten ↓


SonneD
Hallo Sönnchen,

ich kenne sehr gut, was du beschreibst, nach außen ist alles in Ordnung, aber innen?

Mir haben einige Bücher geholfen, an meinem Selbsbewusstsein und Selbstwertgefühl zu arbeiten. Zum Beispiel hat mir "So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen" von Dr. Merkle sehr weiter geholfen. Es gibt noch andere Bücher auch vom pal-Verlag, schau dich doch auf der HP

https://www.psychic.de/

einfach mal um.

Es ist kein einfacher Kampf, den wir damit gehen, aber machbar. Wichtig ist, dass man dran bleibt und immer wieder versucht, die negativen Gedanken durch positive zu ersetzen. Auch die Übungen finde ich sehr wichtig, dass man sie wirklich auch macht.

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei!

Viele Grüße von SonneD!

16.03.2008 10:56 • #2



Hallo Sönnchen,

Selbstbewusstsein

x 3#3


Sönnchen
Danke für deine Antwort Namensvetterin!

Das Buch scheint wirklich interessant zu sein!
Danke dir! Werd morgen mal lostigern...

Ja, Selbstvertrauen ist jetzt wohl nach den Panikattacken die nächste Baustelle, fürchte ich!

Es geht also (wie auch schon bei den Panikattacken) darum, das eigene Gedankenkonstrukt zu überarbeiten, ja?

Mannoman... dann steht wohl die nächste "Schlacht" bevor!

LG

16.03.2008 12:42 • #3


Jophiel
Hallo!

Selbstunsicherheit und Panikattacken scheinen wohl irgendwie miteinander einher zu gehen, dass habe ich hier jetzt schon ein paar mal gelesen und bei mir selbst war es auch so.
Bei mir lag es zunächst mal an den Lebensumständen, ich hatte Stress, viele Probleme, war depressiv, hab mich schlecht ernährt und wenig bewegt und dann eben auch sehr wenig Selbstbewußtsein.
Als ich diese Dinge so halbwegs in den Griff bekommen habe, sind auch die Panikattacken verschwunden und das relativ plötzlich, weil es mir dann relativ gut ging, ich war nicht mehr so gestresst, so depressiv und selbstunsicher.
Was mir viel gebracht hat war der Sport, ich fühlte mich dadurch gesünder, was wiederum mein Selbstbewußtsein gehoben hat.

Darüber hinaus habe ich mich im Narzisssmus geübt
Ich habe damit angefangen mich selbst zu mögen, zunächst habe ich natürlich auch vieles über Äußerlichkeiten probiert. Bekleidung, Sonnenbank, Zähne bleichen und solche Dinge.

Aber, was mir am aller meisten gebracht hat war, dass ich Möglichkeiten hatte anderen zu helfen und das dann auch ganz bewußt aufgenommen habe.
Ich bekam dadurch das Bewußtsein (Selbstbewußtsein), dass andere Menschen mich mögen, weil ich so bin, wie ich bin. Ich bin in vielen Dingen zwar immer noch ziemlich unsicher, aber ich fühle mich nicht mehr nutzlos und habe auch nicht mehr ständig dieses Gefühl, dass mich wahrscheinlich niemand mag.
Es ist mir jetzt zwar etwas peinlich das von mir selbst zu behaupten, denn so narzisstisch bin ich dann doch nicht, aber ich denke, die Leute die mich kennen würden mich als Hilfsbereit, Offen, Ehrlich und absolut Zuverlässig bezeichnen.

Mal als Beispiel: Letztes Jahr erzählte mir eine gute Bekannte, dass sie Zweifel daran hätte, ob sie ihrem Sohn immer eine gute Mutter gewesen sei. Ich hab dann darüber nachgedacht und ihr meine Meinung dazu per sms geschickt. Ihre Antwort war: „Mit Tränen in den Augen – Danke!“
Das war für mich ein echt schönes Gefühl, dass ich dazu in der Lage bin, jemandem etwas so nettes zu sagen, dass dieser zu Tränen gerührt ist.

Vor ein paar Wochen habe ich mich dann an sie gewendet, weil ich mich gerade von meiner Exfreundin getrennt hatte und jemanden zum reden brauchte. Ich hatte mich allerdings schon ein paar Monate nicht bei ihr gemeldet und daher nicht gleich so mit der Sprache raus gerückt.
Daraufhin sagte sie mir, „ich möchte, dass du weißt, dass ich auch vom Ende der Welt abholen würde, wenn du keinen Weg mehr zurück findest, dass bin ich dir einfach schuldig.“
Das hat mich dann zu Tränen gerührt, weil mir in dem Moment klar wurde, dass sie mich als Mensch, sehr mögen muss.

16.03.2008 18:40 • #4


Sönnchen
Hallo Jophiel,

vielen Dank für deine Antwort! Das macht so viel Mut und ist auch sehr rührend!

Sport steht schon viel zu lange auf meiner "To-Do-Liste". Da blockiere ich mich auch irgendwie selbst.... innerer Schweinehund und so. Will auch das Rauchen aufhören. Ich glaube, dann könnte ich mich schon einiges "besser" fühlen. Mir war nicht bewusst, das das so mit dem Selbstbewusstsein zusammenhängt. Aber es ist ja irgendwe auch voll logisch!

Das mit der Ernährung klappt (v. a. seit ich Supermärkte wieder entspannt betrete) eigentlich meist ganz gut. Kochen ist eines meiner Hobbies und Süßkram sowieso nicht so meins. Und jetzt wo su es "sagst": Ja, auf der Ebene spüre ich auch oftmals sowas wie Selbstbewusstsein. Also das Gefühl, mir mit einem guten (vollwertigem) Essen was Gutes zu tun. (Ich hatte auch mal eine Esstörung bzw. Ansätze und irgendwann hat es einfach "Klick" gemacht und seitdem habe ich glaube ich auf der Ebene ein sehr gutes Körpergefühl).
Das klappt betimmt auch mit anderen "Äußerlichkeiten" wenn man sie bewusster wahrnimmt. Leider muss ich aber zur Zeit sehr auf`s Geld achten, deswegen ist das alles nur begrenzt möglich. Klamotten z. B. sind leider kaum drin. Das ist schon etwas länger so und z. B. auch was, was mir auf das Selbstbewusstsein schlägt, so auf die Dauer. Aber ich glaube, da gäbe es an anderen Ecken auch noch Möglichkeiten was abzuzwacken ... z. B. beim Rauchen!
Ja, ich glaube, ich muss sowas echt wieder mehr in die Hand nehmen.

"Die Möglichkeit anderen zu helfen:"

Ich glaube hier muss ich besonders aufpassen. Eines meiner Probleme, das aus dem mangelnden Selbstbewusstsein resultiert, ist das ich mich schlecht von anderen und deren Probleme abgrenzen kann. Also so nach dem Motto: "Wenn`s Dir nicht gut geht, darf`s mir auch nicht gut gehen." und "Ich habe eine Verpflichtung zu helfen." Und es gibt eben Leute, die immer irgendein Problem haben... so fühle ich mich oft so, als würde ich auf der Strecke bleiben, weil ich erstmal die anderen Probleme lösen will und meine Problme ja gar nicht so wichtig sind. Fühl sich aber mittlerweile alles nur noch an wie eine unangenehme Verpflichtung. Weiß irgendwie auch nicht, wie ich da richtig rauskomme. Es gibt eben ein paar Leute, die es gewohnt sind, dass ich den Mülleimer mache.

Ich weiß auch, dass das rational Quatsch ist, aber es ist eben so "drin". Alles andere fühlt sich für mich irgendwie nach Verrat und "im Stich lassen" an.

LG

17.03.2008 07:46 • #5


Jophiel
Was du da ansprichst ist die Kehrseite der Medaille, man läßt sich dann auch mal ausnutzen, dass liegt auch wieder daran, dass man dann nicht das Selbstbewußtsein hat jemandem zu sagen, dass man nicht immer und ständig dasein und helfen kann, man ist einfach nicht dazu in der Lage „Nein“ zu sagen, weil man dann wieder Angst davor hat, der andere könnte es einem übel nehmen.

Ich hatte letztens auch so eine Situation, da sind Bekannte umgezogen und haben mich gebeten zu helfen, was ja eigentlich auch kein Thema ist. Allerdings sind sie in ein anderes Bundesland gezogen, 250 Kilometer entfernt und erwarteten von mir, dass ich sie auch zum Ausladen begleite.
Ich hätte an dem Tag dann 1000 Kilometer zurück legen müssen und hätte einen Zeitaufwand von 10 Stunden gehabt, außerdem hatte ich inzwischen den Eindruck, dass sie sich seit längerer Zeit nur noch bei mir melden, wenn sie in irgendeiner Weise Hilfe benötigten.
Ich habe dann also „Nein“ gesagt, hatte dann erst ein ungutes Gefühl dabei und hab mich dann bei anderen Bekannten versichert, dass da von mir etwas zu viel erwartet wurde, was mir dann auch bestätigt wurde.

Auch dass man als „Mülleimer“ missbraucht wird kenne ich, dass man ständig angerufen wird, um sich die Sorgen von jemandem anzuhören, die man aber nicht wirklich als solche erkennen kann, weil man merkt, dass derjenige gar nicht dazu bereit ist etwas zu ändern, nur am jammern ist und sich von den Ratschlägen die man gibt, gar nichts annimmt.
Und man bekommt dann das Gefühl, dass der Kontakt zu der Person nur daraus besteht, sich mit dem Kummer des anderen auseinander zu setzten, sonst nichts.

Inzwischen habe ich gelernt, dass mir solche Kontakte nichts bringen, man wird irgendwie ausgesaugt, ich habe sogar festgestellt, dass solche Leute sich oft gar nicht dafür interessieren, wenn man selbst mal ein Problem hat, über das man reden möchte.
Ich habe es sogar schon erlebt, dass mir jemand von seinen Problemen erzählt hat, die viel kleiner waren als meine eigenen, von meinen Problemen habe ich dann aber nichts erzählt, weil ich mich selbst mal wieder nicht so wichtig genommen habe.
Ja, man bleibt dann selbst auf der Strecke, das darf aber nicht sein, man darf ruhig den Anspruch haben, dass man von anderen etwas zurück bekommt, das ist völlig normal und nur menschlich.
Man kann nicht nur immer selbstlos sein, niemand ist so, man braucht selbst auch Anerkennung und Zuspruch, das steht einem als Mensch einfach zu.

So, um es mal auf den Punkt zu bringen, du scheinst jemand zu sein, der sehr Verständnisvoll und Hilfsbereit ist, du bemühst dich dein Leben in den Griff zu bekommen, was dir dadurch erschwert wird, dass du unter Panikattacken und einem Mangel an Selbstwertgefühl leidest und trotzdem versuchst du dann auch noch für andere da zu sein.
Ich denke, du bist viel stärker als du denkst, du musst es dir nur bewußt machen.

Das kaufen von Klamotten ist auch nicht wichtig, das hatte ich nur erwähnt, weil es eigentlich der falsche Weg ist, man versucht damit die Anerkennung anderer zu bekommen, aber das ist dann ja eine sehr oberflächliche Anerkennung, die im Grunde nichts wert ist und einem selbst auch nichts bringt. Denn, was bringt deinem Selbstvertrauen mehr, dass man über dich sagt, du bist immer gut gekleidet, oder dass man über dich sagt, du bist ein netter Mensch?
Natürlich will man beides, man möchte äußerlich und innerlich akzeptiert werden, aber, man kann sich auch einen guten äußerlichen Eindruck hinterlassen, ohne sich ständig neue Klamotten zu kaufen, oder überhaupt viel Geld dafür auszugeben.
Ich kannte mal eine Frau, die hatte ein ganz normales Durchschnittseinkommen, hat sich aber ständig teure Markenklamotten gekauft, finanziell geriet sie dadurch natürlich in Nöte, aber ihr war wohl es wichtiger stylisch auszusehen, dazu muss ich dann noch sagen, dass sie ziemlich Charakterlos war, sah gut aus aber nichts dahinter, also ein Blender.

Wenn man mit seinem Geld nicht auskommt, nagt das aber auch wieder an dem Selbstbewußtsein, auch das kenne ich, und um das dann wieder auszugleichen, gibt man dann wieder Geld aus, um das Gefühl zu bekommen, sich doch etwas leisten zu können, so wie andere auch, weil man immer wieder den Fehler macht sich mit Leuten zu vergleichen, mit denen man sich eigentlich nicht vergleichen darf.

Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach der Grösse unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer Hilfsbereitschaft und dem Mass unserer Menschlichkeit.
„M. L. King“

17.03.2008 09:47 • #6


Sönnchen
... also erstmal hab ich neulich bei einem 300 km - Umzug geholfen... soviel dazu. Und ja, ich bin absolut jemand, der sich aussaugen lässt. Was du beschrieben hast trifft auchgrößtenteils voll auf mich zu.
Ich habe sogar ein wahnsinnig schlechtes Gefühl dabei, wenn ich das Gefühl habe, dass es zu viel um mich geht. Dass jemand denken könnte, dass ich jemanden aussaugen will.

Ich fürchte, dass ich mich auch noch damit auseinandersetzen muss, welche meiner Kontakte vielleicht für mich extrem ungesund sind. Das Schlimme ist leider, dass ich da bei meiner besten Freundin anfangen muss... das Schlimme ist eben, dass wir ab und zu wirklich die besten Gespräche haben, die mir dann auch meist sehr viel geben. Aber so im normalen Alltag ist sie einfach sehr, sehr fordernd. Und auch sehr schnell eingeschnappt, wenn ich versuche Grenzen zu setzen. Mich ganz lösen - soweit bin ich nicht und ich weiß nicht ob ich da hin will. Wie gesagt, es gibt da eben auch noch die andere Seite, die mir sehr fehlen würde. Auch mit meinen Eltern hat sich das so eingeschlichen. Da kann und möchte ich auch den Kontakt nicht abbrechen. Sondern eben einen Weg finden, "sichtbarer" zu werden. Z. B. bin ich wahnsinnig von meinen Eltern enttäuscht, dass sie mich mit meiner Angststörung allein gelassen haben. Vor allem eben, weil ich immer versucht habe, vor allem meiner Mutter mit ihren Eheproblemen zu helfen. Immer versucht habe, "unauffällig" zu sein (also nicht negativ aufzufallen, z. B. die Schule hinbekommen), alles allein zu meistern. Hat auch geklappt, bis jetzt eben zum Studienende die Angsstörung zugeschlagen hat. Und dann dachte ich eben, dass ich jetzt wirklich "hilfsbedürftig" bin, dass ich jetzt mal dran bin. Dass ich mich jetzt mal fallen lassen kann. Das ging aber dann voll nach hinten los, ich wurde als Versagerin beschimpft etc. Seitdem suche ich nach einem Weg, mit ihnen umzugehen, ohne dass es zu sehr an mir saugt.

Prinzipiell gebe ich nicht viel auf Äußerlichkeiten wie Klamotten, Autos und Co. und vergleiche mich da eigentlich auch wenig. Ich meinte eher das Gefühl mit Klamotten - in denen ich mich wohl fühle - durchs Leben zu gehen, genau zu spüren: "oh, der da hinten hat aber süß rübergekuckt", sich einfach wohl zu fühlen. Das ist was tolles, was ich vernachlässige und natürlich mit neuen Sachen am Schönsten!

Vielen Dank auch für die Einschätzung zu meiner Person!
Prinzipiell weiß ich sogar, dass ich stark bin - habe eben auch schon echt viel allein hinbekommen. Ich weiß nur einfach oft nicht, für was ich kämpfen soll, für was es sich lohnt. Hab ich was gefunden, kann ich SEHR selbstbewusst sein. Für mich selbst kämpfen - das muss ich mich erst noch trauen lernen!

LG und vielen Dank für die tollen Anregungen in der Antwort!

17.03.2008 15:44 • #7


Jophiel
Auf keinen Fall, solltest du voreilige Schlüsse ziehen, schon gar nicht, wenn es um deine beste Freundin und deine Eltern geht. Da solltest du eher einen Mittelweg finden, ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht dazu angeregt darüber nachzudenken, den Kontakt zu deinen Eltern abzubrechen, es sind immerhin deine Eltern, auch, wenn sie dich nicht gerade unterstützen.

Vieles was du schreibst erinnert mich an meine eigene, vergangene Situation, es ist ein langer denk und Lernprozeß, für sich selbst kämpfen zu können.
Ich habe mich für andere auch oft ins Feuer geworfen, aber meine eigenen Bedürfnisse nicht
so wichtig genommen, ich hätte auf andere ja anspruchsvoll oder sogar egoistisch wirken können.
Es ist heute noch so, dass ich ein Problem damit habe, jemanden um einen Gefallen zu bitten, dem ich selbst nicht schon etliche Gefälligkeiten erwiesen habe.
Wirklich schwierig ist es, wenn man tatsächlich keine echte Bezugsperson hat, jemand der einen tatsächlich mal irgendwie „auffängt“ und bei dem man das Gefühl hat, dass man sich auch wirklich fallen lassen kann, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, ob man Ihr oder Ihm zur Last fällt, weil man für diese Person überhaupt keine „Last“ sein kann.

Übrigens habe ich mich lange Zeit auch gestylt (wenn man das bei einem Mann überhaupt so nennen kann) wenn ich nur „da und da“ hin gegangen bin, man weiß ja nie, wer einem so über den Weg läuft. Selbst zur Arbeit habe ich lieber unbequeme Schuhe getragen, weil die eben besser aussahen und Abends taten mir dann die Füße weh.
Ich war auch ständig immer irgendwie „overdressed“, mit dem Tuxedo in die Pommes Bude.
Das habe ich aber abstellen können, ich trage jetzt oft Jogging-Schue, weil die so bequem sind und schaffe es inzwischen auch, Abends nur eine Jeansjacke über zu ziehen.

17.03.2008 21:22 • #8


Sönnchen
Hallo Jophiel,

keine Sorge, der Umgang mit meinem Umfeld - das ist schon viel zu lang ein Thema in meinem Leben und nicht erst seit gestern da! Und den Kontakt will ich eben eigentlich nicht abbrechen. Das ist nur die allerallerletzte Option und die würde ich mir vorher SEHR gut überlegen.

Den Menschen, den Du beschreibst, den gibt es auch in meinem Leben. Mein Freund. Ohne ihn wäre das auch 100mal so schwer gewesen und keine Ahnung, wo ich heute wäre, wenn er nicht gewesen wäre. Ich bin eben nur so wahnsinnig enttäuscht, weil ich dachte, mein "Netz" würde auch aus meiner Familie bestehen. Dass ich immer versucht habe für meine Eltern (!) das Netz zu sein (was natürlich im nachhinein falsch ist) und dachte, das wäre selbstverstänlich in einer Familie. Jetzt, wo ich weiß, dass ich mit meinen - nicht gerade kleinen Problemen - allein gelassen wurde, weiß ich eben noch nicht, wie ich damit umgehen soll, wenn ich mit Problemen konfrontiert werde... eigentlich sollte ich warscheinlich sagen: "Ich hab selbst genug mit mir zu tun!" Und eigentlich ist es ja wirklich so... ob ich das hinbekomme? Habe schon Angst vor den Reaktionen. Meinen Eltern sehen das auch eher so, dass sie mir sowieso nicht helfen können (unnachgefragt) und deswegen halten sie sich da lieber raus. meine Mutter hat vor allem Angst, dass sie was falsch gemacht hat und ich ihr Vorwürfe machen könnte, glaube ich. Und eben ihre Position als "supertolle Frau, die Beruf, 3 Kinder, ein Riesenhaus, einen cholerischen und unberechenbaren Ehemann, Migräne und ein jahrelang todkrankes Kind (8 Jahre jünger, mittlerweile ist er - bis auf dass er täglich Antibiotika nimmt gesund, läuft Marathon usw.) wunderbar unter einen Hut gebracht hat und immer alles richtig gemacht hat" wackeln könnte. Ich glaube, unterbewusst weiß sie, dass vor allem ich zu kurz gekommen bin. Weil ich eben SEHR selbstständig war. Und weil meine Probleme mir damals wohl wirklich immer lächerlich vorkamen - was ist schon ein Streit mit einer Freundin gegen schlechtere Blutwerte oder einen Ehestreit? Meine jüngere Schwester hatte auch immer noch wahnsinnige Probleme in der Schule. Daher kommt das wohl auch alles, nehme ich an. Dass ich mich selbst so zurücknehme. Dass ich niemandem zu viel zumuten will. Damals war dann wohl - verständlicherweise - mein "normaler" Kummer z. B. Zukunftsängste, weil meine Eltern sich streiten "zu viel". Ich musste einfach sehr früh "erwachsen" sein. Aber an dieser Position hat sich dann irgendwie auch nichts mehr geändert. Meine Mutter hat bei mir "abgeladen", mein Vater hat seine Aggressionen an der Familie abgelassen. Da ich immer noch die war, die am wenigsten kleinbei gegeben hat - also für ihre Würde gekämpft hat - hab ich`s natürlich auch am Meisten abbekommen. Wenn er gar nicht mehr weiter kam, dann auch mit körperlicher Gewalt. Höhepunkt war dann mal eine ausgekugelte Schulter mit 15 und daraufhin habe ich auch ein Jahr nicht mit ihm gesprochen. Hab mir damals geschworen, das Abi zu machen und wegzugehen. Hab ich dann auch so gemacht.
Ich dachte, dass meine Probleme zu lächerlich sind, um sie anzusprechen. Wenn ich es versucht habe, hat meine Mutter oft gesagt: "Da musst du deine eigenen Erfahrunge machen." Was ja vielleicht nicht schlecht gedacht ist, mir aber oft so vorkam wie ein: "Das Thema ist mir zu anstrengend." gerade mit meinem Vater hatte ich eben auch immer das Gefühl, dass ich noch diejenige bin, die sich am wenigsten unterkriegen lässt. Deswegen habe ich immer versucht meine damals resignierte Mutter zu schützen und für sie mitzukämpfen, sie zu verteidigen, zu bestärken. Und sie hat es auch mit sich machen lassen. Ich glaube, sie war auch echt am Boden. Aber ich dachte eben immer, das das irgendwie auch zusammenschweißt. Naja, den Rest kennst du ja: Sönnchen kommt mit Problem zu Eltern, Eltern sagen: "Du bist jetzt alt genug, dich um deinen eigenen Kram zu kümmern. Wir waren immer für dich da und sind die besten Eltern der Welt. Du hattest alle Möglichkeiten und konntest studieren, irgendwann sind auch die anderen dran." das ist jetzt über ein Jahr her und ich kann es einfach immer noch nicht fassen. Mittlerweile "kümmern" sie sich ja "rührend", dass ich doch endlich bitte einen Job finde (bin komplett finanziell unabh. von ihnen). Meine Mutter sagte neulich: "Mir geht`s ja auch besser, wenn du dann endlich einen Job hast. Dann kann ich besser schlafen." Dass ich im letzten Jahr eine Angststörung überwunden habe, teilweise noch mit Folgen zu kämpfen habe, das ist ihnen irgendwie gar nicht bewusst, sie fragen nicht, wenn ich was erzähle, dann wird das Gespräch schnell von der persönlichen auf eine allgemeine Ebene geschoben und dann abgebrochen. Mittlerweile versuche ich`s irgendwie gar nicht mehr. Es fragt auch niemand. Gestern wieder so ein schei. Gespräch mit meiner Mutter gehabt. dabei konnten wir mal echt gut reden hatte ich das Gefühl. Warscheinlich nur, weil ich immer versucht habe ihre Probleme zu lösen. Das macht mich alles irgendwie fertig!

Zu den Klamotten nochmal: Ist bin mir eben echt so, dass ich das letze Mal 2005 richtig eingekauft habe (bei H&M, wohlgemerkt) und seitdem eigentlich immer die gleichen Sachen trage, die teilweise auch schon 10 Jahre alt sind. Weil ich es eben so gar nicht wichtig nehme. Aber ich glaube, so viel Vernachlässigung ist eben auch nicht mehr "gesund". Und dass es eben gut für`s SelbstBEWUSSTsein ist, mich dem ganzen wieder etwas bewusster zu widmen.

LG

18.03.2008 08:11 • #9


Jophiel
Die Ursache dafür, dass dein Selbstbewusstsein nicht so ausgeprägt ist, hast du damit dann wohl beschrieben. Du musstest früh selbständig werden, dazu das aggressive Verhalten deines Vaters und eine gwisse "Überangepasstheit" gegenüber deiner Mutter. Weil du es einfach nicht gewagt hast, Aufmerksamkeit, Anerkennung und Zuwendung einzufordern.
Wie hat deine Mutter denn auf die Aggressionen deines Vaters reagiert?
Klein beigegeben, es irgendwie abgetan (so ist er nun mal) oder sogar schön geredet?

Bei mir war es ähnlich, meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich 4 Jahre alt war, war dann nur an den Wochenenden bei meiner Mutter, unter der Woche habe ich bei meinen Großeltern gelebt. Meine Oma starb als ich 10 war, so musste ich dann ganz zu meiner Mutter ziehen, die sich absolut nicht um mich kümmern konnte, weil sie den ganzen Tag gearbeitet hat und selbst auch ziemliche Probleme hatte. Einen festen Partner hatte sie auch nicht.
Ich hatte immer das Gefühl eine Last für meine Mutter zu sein, war dann auch früh selbstständig und vor allem auch überangepasst.
Allerdings habe ich in der Pubertät dann einige Probleme bereitet, Schule geschwänzt, von zuhause abgehauen usw. Also das typische Verhalten eines Kinds, dass zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.
Mein Vater ist so ein "Egal-Typ", der hat sich nie um etwas Gedanken gemacht und ich hatte auch immer nur sehr wenig Kontakt zu ihm.
Ich habe noch eine ältere Schwester, die aber schon sehr frph verheiratet war, sie war auch ein Musterkind, das habe ich früher auch immer zu hören bekommen, dass sie ja nie so anstrengend gewesen wäre wie ich,

Wie auch immer, als mir irgendwann bewußt wurde, dass man sich sowieso nur auf sich selbst verlassen kann, habe ich dann beschlossen den einzigen Menschen der mir helfen kann stärker zu machen - also mich selbst. Wer bin ich und was will ich?

Meine Eltern waren in ihrer Rolle als solche also ziemlich schlecht, das läßt sich nun mal nicht ändern und ich habe damit auch abgeschlossen, im Gegenzug dürfen sie von mir aber auch nichts erwarten, nicht weil ich wütend oder enttäuscht von ihnen bin, sondern weil mir einfach der Bezug zu ihnen fehlt, meine ganze Familie ist für mich nur ein Bekanntenkreis.
Das ist die Art und Weise, wie ich am besten damit ungehen konnte.
Sie haben das auch so akzeptiert, halten mich einfach nur für ruhig und irgendwie verbohrt.
Um es in einen Satz zu fassen, als ich meine Eltern brauchte, waren sie nicht für mich da, das habe ich ihnen verziehen, weil ich sie auch nicht mehr brauchte.
Komischer weise suchen sie in den letzten Jahren immer mehr meine Nähe, fragen wie es mir geht, was ich so mache usw. Ich glaube sogar, sie sind von mir beeindruckt.

Natürlich hatte ich schwere Zeiten, war oft niedergeschlagen und verzweifelt, hab mich an Illusionen geklammert, vom Lotto-Gewinn geträumt und solche Dinge.
Vor allem war ich aber oft einsam und hilflos, weil ich es nie geschafft habe, eine feste Beziehung einzugehen, hatte hier ja an anderer Stelle mal erwähnt, dass ich immer auf Frauen warte, die den ersten Schritt machen, mit denen ich mich dann aber so gar nicht verstehe, weil man einfach viel zu unterschiedlich ist.

Nun ja, die Schwächen und Probleme die ich immer noch habe mal beiseite gelassen, habe ich inzwischen ein ziemliches Durchsetzungsvermögen, auch was meine persönlichen Interessen anbelangt, ich werde von dem Menschen mit denen ich zu tun habe nicht nur respektiert, sondern auch gemocht, wobei ich das immer noch nicht richtig annehmen kann, weil mir dann dich wieder der ein oder andere Selbstzweifel kommt, was aber manchmal gar nicht so schlecht ist, denn so höre ich zumindest nicht damit auf, selbstkritisch weiter an mir zu arbeiten.

19.03.2008 21:23 • #10


Sönnchen
Meine Mutter hat meist - soweit ich mich erinnern kann - -hilflos reagiert. Geweint. Gehofft, dass er von selbst checkt, dass hier was falsch läuft, dass es nicht in Ordnung ist, was er gerade macht. Da hatte ich aber schon früh raus, dass es diesem Kontrollmechanismus bei meinem Vater nicht gibt. Dass es nichts bringt, auf Einsicht zu hoffen. Entschuldigungen gab es bei uns in der Familie nicht. Irgendwann wurde einfach zum Alltag übergegangen, weil mein Vater sich abreagiert hatte und meine Mutter nicht mehr "beleidigt" "gespielt" hat. Muss ja weitergehen... bis zur nächsten Eskalation. Die traten in einem - für mich - unzudurchschauenendem Muster auf. Das heißt, ich war ständig - wenn ich zu Hause war - in einer "Hab-Acht-Stellung". Irgendwann fing ich dann eben auch an, die Kämpfe für meine Mutter zu kämpfen - was meinen Vater natürlich noch mehr auf die Palme gebracht hat, weil es jemand wagt, ihm zu wiedersprechen (in der Gemütslage gefährlich). Ich habe sie da immer heulend sitzen sehen - und hatte das unglaubliche Bedürfnis diese Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Wenn sie nicht kämpft, dann eben ich. Darum hat sich jahrelang mein Leben gedreht, leider.

Ich finde es echt beeindruckend, wie du dich auf dich selbst verlässt! So weit bin ich noch nicht. Auf manchen Ebenen schon - auf anderen nicht.

Ich hab jetzt ein Vakuum im Kopf und werde später nochmal schreiben! Das ganze Thema geht mir nah und das zehrt!

LG

20.03.2008 09:24 • #11


Hallo Sönnchen!

Selbstbewusstsein ist in der Tat absolut wichitg. Ich glaube ein richtig selbstbewusster Mensch hat keine Probleme mit Panik etc...

Für mich ist Selbstbewusstsein zu mir selbst zu stehen. Was ich will zu vertreten und was ich nicht will abzulehenen. Ich bin leider viel zu oft Kompromisse eingegangen die ich eigentlich gar nicht wollte. Ich glaub daraus ist die Panik entstanden.

Oft hab ich aber ein Problem damit überhaupt zu wissen was ich will und was nicht In dieser Angst und Panik geschichte hab ich mich irgendwie selbst sehr verloren. Und der Weg zurück ist nicht sehr einfach.

Übrigens, dass ich so fühle kennt mir niemand an. Gerade mein Umfeld meint, dass ich immer weiß was ich will und total kompetent und selbstbewusst wirke.

20.03.2008 10:41 • #12


Sönnchen
Hallo rosarot,

Ja, ich bin auch jemand, der sehr selbstbewusst wirken kann... eigentlich war das immer meine Masche, mit der ich meine Unsicherheiten überspielt habe

Ja, wer, wie was will ich überhaupt? Das kenne ich sooooo gut! Und wenn man nicht genau weiß, was man will, dann kann man ja auch das machen, was andere meinen.... jaaaaa, Kompromisse! Sich Zurücknehmen....
aber jetzt ist echt Schluß! Ich versuche mal rauszufinden, was ich will

LG

20.03.2008 13:54 • #13


wenn du eine gute technik hast um rauszufinden was du willst dann sag bescheid!

20.03.2008 13:58 • #14


Sönnchen
Ich stell das mal hier zur Disskussion:

Woher weiß man, was man will?
Wisst ihr, was ihr wollt? Ist das wichtig für euch zu wissen, was ihr wollt?

LG

20.03.2008 14:21 • #15


Hey!

Du ich stell das mal ins Agoraphobie Forum!

Das ist nämlich bestimmt auch für alle interessant die nicht in dieses hier rein schaun...

20.03.2008 18:03 • #16


Sönnchen
Hat aber mit Panikattacken nicht wirklich was zu tun... oder?

Check die ganze Aufteilung bzw. Trennung aber nicht so ganz... nehme im Zweifelsfall immer "Smalltalk"

Aber wenn du meinst, dass es da jmd. interessieren könnte, der es sonst nicht liest... gerne!

20.03.2008 18:09 • #17


du ich glaube wer richtig selbstbewusst ist hat keine panik.
ich glaube das hat ganz viel miteinander zu tun!

z.B.: Wer selbstbewusstsein gegenüber seinem körper hat der würde doch nie daran denken, dass einem der körper plötzlich im stich lässt und man ohnmächtig wird!

?

20.03.2008 18:20 • #18


Sönnchen
überzeugt!

20.03.2008 18:21 • #19


15.02.2020 21:04 • #20




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