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SunSea
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Einsamkeit entsteht, weil wir alle zu Egoisten erzogen werden. Weil wir in einer Konkurrenzgesellschaft leben und jeder schöner und besser als die anderen sein möchte.
Klar hast du dann niemanden um dich, wenn du einigermassen gut aussiehst und auch noch erfolgreich bist. ist es nicht so?
Du musst immer nur geben, geben.. und die Mitmenschen nehmen und nehmen ..irgendwann denkst du: jetzt gebe ich mal nichts, mal schauen, wer sich meldet.
und wer meldet sich?
Niemand.
Prima.
Keiner gönnt dir was...die Gesellschaft ist bekloppt... null Sozialkompetenz.

22.05.2012 #1


154 Antworten ↓
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DeineProjektion
Gast

Hallo Shangir,

naja, eine genaue Angabe der Textstelle hätte es schon getan und würde auch zum guten Stil gehören. Die ganze Nikomachische Ethik wollte ich jetzt einfach nicht nach besagtem Zitat durchsuchen. Dafür hast Du sicherlich Verständnis.

Zitat:
Zitat:
Zitat:
Ich habe nicht das Bedürfnis danach, eine andere Auslegung oder Interpretaion zu suchen, da ich dieses Zitat aus dem Kontext der Humanistischen Psychologie kenne, wo er nicht als Beleg für eine unschuldige, unbewusste Freude überlebt zu haben benutzt wird, sondern als eine Illustration des Narzissmus, also der einzigen Sorge um eigene Vorteile, egal wie es dem Nebenmann geht und ob er stirbt oder nicht.

Hier wird einfach nicht ausreichend differenziert. Eine moralische Komponente hätte das Glück des günstigen Zufalls nämlich gar nicht.

Wenn ich fragen darf, aus welchem Grund bringst du an dieser Stelle Moral ins Gespräch? Was hat dich dazu inspiriert?

Möchtest Du etwa behaupten, dass Du in Deinem obigen Satz keine moralische Wertung vornimmst, indem Du "UNSCHULDIGE" Freude dem Narzissmus gegenüberstellst? Wird Narzissmus hier nicht indirekt als "schuldig" bezeichnet, also moralisch negativ gewertet? Sollte es sich wirklich nur um eine völlig wertneutrale Tatsachenbeschreibung handeln? Wir auch die "einzige Sorge um eigene Vorteile" nicht moralisch negativ gewertet? Sollte das der Fall sein, bitte ich das nächste Mal um ausdrückliche Kenntlichmachung des völlig wertneutralen Charakters dieser Aussagen. Wenn dem so ist, dann ist andererseits ja nichts verwerfliches an unserer "egoistischen Gesellschaft". Dann verstehe ich aber auch nicht, wieso man sich mit Konzepten wie Narzissmus überhaupt befassen sollte. Sind halt ausprägungen der menschlichen Natur. Was solls also.

Zitat:
Vielleicht unterläuft dir an dieser Stelle der Fehler, dass du ethisches Empfinden mit moralischem Werten verwechselst.

Tatsächlich sind moralische Gefühle und moralische Werte eng miteinander verknüpft. Ohne moralische Werte werde ich mich nicht moralisch empören. Das ist sehr einfach.

Zitat:
Den Narzissten als Teil unserer Persönlichkeitsstruktur wertet niemand indem er sagt: Der Narzisst freut sich über seinen Vorteil zu überleben selbst wenn neben ihm gerade ein anderer stirbt. Das ist eine Feststellung der Tatsachen.

Ok, darauf zielte eine meiner obigen Fragen und das habe ich bereits geklärt. Wieso interessiert uns der Narzisst dann aber überhaupt? Wollen wir ihn nur verstehen, seine Bedürfnisse ergründen? Wieso? Zu welchem Zweck? Interessiert sich der Narzisst denn so für unsere Bedürfnisse, dass wir uns mit seinen beschäftigen sollten? Oder ist so ein Quid-pro-Quo-Gedanke einfach fehl am Platze? Aber wieso wäre er es beim Narzissten nicht? Ist überhaupt alles was ist, blindlings zu akzeptieren und wünschenswert? Kommt das nicht einer Vogelstraußtaktik gleich?

Zitat:
Zitat:
Es ist schlicht das sachliche Glück des günstigen Zufalls. Ob mir der Schaden des Nebenmannes ans Herz geht oder nicht steht auf einem anderen Blatt und betrifft einen anderen Glücks-Begriff nämlich den des Wohlergehens.

Das Wohlergehen in diesem Zusammenhang kann ich nicht verstehen, vielleicht magst du das noch erläutern. Wenn ein Mensch vom Pfeil getroffen wird, ist es erstmal kein glücklicher Zufall für niemanden. Genauso wie kein glücklicher Zufall ist, dass täglich Milliarden von Tieren durch menschliche Gewalt grausam krepieren und wir uns fröhlich beim Dinner oder bei einer Theatervorführung amüsieren. Das kann auch Ansichtssache sein, warum nicht. Dann ist es eben eine.

Naja, wenn ich vom PFeil vefehlt wurde, ob da nun neben mir einer sitzt oder nicht. So ist das schon ein glücklicher Zufall - zumindest sofern man den Tod als Ungut erachtet. Andernfalls könnte es sogar als Pech gedeutet werden. Dann stellt sich aber überhaupt die Frage, wieso man sich überhaupt noch über so etwas Gedanken macht und sich nicht gleich ins nächste Messer stürzt. Insofern bin ich mal vom "common sense" ausgegangen, der den Tod als Ungut erachtet - freilich wissen wir das nicht. Hier wäre dann ein neuer Thread erforderlich: "Ist der Tod ein Ungut?". Die weiteren Vergleich von Dir führen nur in die Irre und muten als rethorisches Stilmittel an, meien Aussage zu kompromittieren. Überhaupt hast Du meine Aussage leider auch aus dem Kontext gerissen. Ich habe betont, dass dem Schaden entgangen zu sein, (gemeinhin) als glücklicher Zufall gilt. Nicht das jemand anderes Schaden erleidet. Da legst Du mir zuviel in den Mund. Und das ist Rethorik und dient nicht der Sache.


Zitat:
Zitat:
Beim Glück des günstigen Zufalls ging es aber nicht um individuelle Vorteile, sondern nur darum, keinen Schaden (nicht Nachteile, weil das implizierte einen Vergleich) erlitten zu haben.

Wir wissen nicht, ob der vom Pfeil getroffene Nebenman gestorben ist. Wenn ich keine Angst vom Tod habe und ihn als Wandel im Rahmen einer Gesetzlichkeit versteh, brauche ich den Tod nicht als "Pech" und das Leben als "Glück" zu bezeichnen. Und bei dieser Betrachtung kann ich einen Schritt weiter gehen und mir darüber klar werden, was ein irdisches Glück überhaupt bedeutet und bezwecken soll. Mein Fazit ist, dass der Mensch auf der Jagd nach seinem persönlichen Glück seit ewigen Zeiten seine Beziehungen und ebenso den gesamten Planeten zerstört. So ungefähr schätze ich dieses Glück des Menschen, der, geplagt durch seine Angst vor Vergänglichkeit meint, diesen Strohhalm einer Fristverlängerung freudig und fest in seiner Hand zu halten.

Ja, hier habe ich es nochmal ganz deutlich betont. Ok, auch Schmerzen oder Leid (und ich nehme an ein Pfeil ist schmerzhaft und verursacht Leid - das gilt vieleicht für einige besondere Masochisten nicht) gilt als Ungut. Tod oder Schmerz gelten allgemein als Ungut. Das kann man freilich anzweifeln oder gar umwerten. Ich bin einfach mal vom "common sense" ausgegenagen.
Wie ist aus der Wertneutralität auf das irdische Glück und dessen Inhalt zu schließen? Wie ließe sich der Glücksbegriff alternativ mit Inhalt füllen? Ich bitte hier um Erläuterung.
Wenn Glücksstreben nur zu Leid führt, so verstehe ich Deine Ausführungen jedenfalls, welche alternative Lebensweise schlägst Du vor?

Zitat:
Zitat:
Das ist ein wichtiger Unterschied. Daher wird EVTL.(!) der Glücksbegriff den Aristotels an dieser Stelle und damit auch der Name Aristoteles zu Unrecht für diese Illustration vereinahmt. Ich mahne hier zur Vorsicht und generell zur Vorsicht beim Interpretieren zusammenhangloser Zitate.

Gibt es deiner Ansicht nach jemanden, der ein Patent auf eine absolut wahrhafte Interpretation hat? Gibt es so etwas?

Nein gibt es nicht. Bestenfalls den Autor selbst, doch den kann man leider nur noch indirekt befragen. Hierzu wär insbesodnere das Gesamtwerk im griechischen Original heranzuziehen. Allerdings denke ich, das sich eine Klärung solcher eindeutiger Fragen, von welchem Glücksbegriff Aristoteles genau gesprochen hat auch im gemeinsamen Dialog herausfinden. Dies insbesondere deshalb weil Aristoteles sehr klar schreibt und alle verwendeten Begriffe von Anfang an definiert. Bei einer Differenzierung des Glücksbegriffs, wie ich sie freilich nur vermutet habe, dürfte daher schnell Einigkeit zu erzielen sein, ob eine solche vorliegt oder nicht und welcher Glücksbegriff genau gemeint ist.

Zitat:
Zitat:
Im Übrigen: Nur weil das Zitat im Kontext der Humanistischen Psychologie miß-/gebraucht wird, heißt es nicht, dass es richtig verstanden udn gebraucht wird. Und: Hältst Du es für lauter, Dich auf Deine Bedürfnislosigkeit im Hinblick auf die Begründung Deiner These zurückzuziehen. Freilich, das kannst Du machen, aber an arguementativer Kraft gewinnt Deine These dadurch nicht, sie büßt sie eher ein.

Du gehst davon aus, das ich eine These argumentativ belegen will. Bitte welche These meinst du? Versuche doch diese These zu zitieren. Dein bisheriger Text ist für mich eine Zusammenfassung deiner Assoziationen, die du offensichtlich meinst mit meinen paar Zeilen in Verbindung bringen zu müssen, und aus meiner Sicht hängst du diesen Zeilen Werte und Bedeutungen an, die gar nicht vorahnden sind. S. Moral.

Ich denke, dass habe ich oben geklärt. Für Dich ist der Narzissmus (und wohl auch der damit verbundene Egoismus = "ausschließliche Suche nach dem eigenen Vorteil") völlig wertneutral und daher auch keine unguter/s/unmoralischer/s Charakterzug, Persönlichkeitsmerkmal/-konzept. Das hatte ich offenbar fälschlicherweise als These unterstellt. Wobei Deiner obigen gegenüberstellung schon ein moralische Wertung zugrunde zuliegen scheint. Wäre es für Dich also in Ordnung (im Sinne von wertneutral, so dass es bei Dir auch keine moralische Empörung hervorrufen würde), wenn alle um Dich herum ausschließlich auf ihren eigenen Vorteil bedacht wären, dazu auch Schmeichelei, Lug, Trug und alle erdenklichen Mittel einsetzten? Dann erübrigt sich in der Tat die Diskussion. Mit dieser Haltung erübrigte sich der gesamte Thread.


Zitat:
Scheinbar übersiehst du etwas - und zwar, dass aus einem Werk zitiert wurde, und dass auch der Zusammenhang des Narzissmus mit dem Zitat von Aristoteles diesem Werk entnommen wurde. Darauf wärst du gekommen, wenn du meinen vorherigen Beitrag genau gelesen hättest, und ihn nicht als eine Verbreitung persönlicher Ideologien aufgefasst hättest. Die Gesamtauflage des Werkes wird sich sicher auf einige Hunderttausend belaufen, die Studie selbst beinhaltet elf Kapitel, in denen jeweils zwischen 27 und 96 Zitate (ich habe extra für dich nachgeschaut) integriert sind. Von Aristoteles, über Freud, Fromm, Kierkegaard, usw. bis Rieff und Tillich. Sollte jeder Leser eine solche Menge an Zitaten auf ihre Richtigkeit prüfen, würde er glaube ich nicht mehr als dieses eine Buch in seinem Leben lesen dürfen, falls er übehaupt die Möglichkeit hätte das eine Buch unter solchen Umständen zu Ende zu lesen.

Wie hier vorzugehen ist und inwieweit man auf die richtige Zitation des Autors und den richtigen Kontext vertrauen kann, muss jeder selbst entscheiden. Eine allgemeingültige Regel kann und will ich hierzu nicht aufstellen. Allerdings bleibt eben offen, ob das der von Aristoteles selbst gemeinte Glücksbegriff oder ob er seinen Glücksbegriff gegen andere (von denen es viele gab udn gibt) abgrenzen wollte. Das wäre zu prüfen und insofern ist ein das Zitat etwas kritikanfällig.

Zitat:
Ich kann deine Sympathien für einen Menschen, der Glück beim Unglück eines anderen verspürt, nicht nachvollziehen.

Da hast Du mich falsch verstanden! So wollte ich auch nicht verstanden werden! Ganz im Gegenteil! Ich habe lediglich vom Glück des Zufalls gesprochen und auch von Mitleid/gefühl oder Bedauern im Angesicht des Leids oder des Todes oder Unglücks eines anderen. Ich habe keine Sympathien für Narzissten geäußert, lediglich Verständnis für das Glück, das man empfinden mag, wenn man Schaden entgangen ist. Das dem das Mitgefühl für andere gegenüber stehen mag udn meistens auch tut (außer bei empathielosen Narzissten bspw.), habe ich nicht nur nicht bestritten sondern auch noch als positive Möglichkeit hervorgehoben!


Zitat:
Ich frage mich auch, wie du dir vorstellst, dass ein solcher Mensch reagieren würde wenn ein bzw. sein Kind vom Pfeil getroffen wäre. Wie viele würden dann sagen - hätte der Pfeil doch lieber mich getroffen, mein Leben ist erfüllt und dieser junge Mensch fängt gerade von vorne an, seine Lebensaufgaben zu erfüllen!

Tatsächlich habe ich auch solche Fälle implizit mit berücksichtigt (z.B. habe ich vom "Interesse am Wohl anderer"udn den Auswirkugnen auf das eigene Wohl gesprochen). Bitte hier genau lesen!

Zitat:
Und an dieser Stelle nämlich, fängt die Selektion an, hier fängt die Feindseligkeit einem anderen gegenüber am, der nicht mein Kind und nicht Ich ist. Und aus dieser dämlichen Trennung zwischen Mir und Anderen entsteht Hass, ensteht Unterscheidung, Ablehnung und ein solches "Glück", dass du als legitim bezeichnest.

Das ist scharf erkannt. Darüber muss ich nochmal nachdenken. Das würde bedeuten, ich dürfte mich über nichts freuen und auch über nichts ärgern, was geschieht. Alles wäre immer gleich gut und gleich schlecht. Eigentlich dürfte ich bei egal welchen Vorkommnissen keine werthaltige Unterscheidung machen. Aber das Wort "dürfen" kommt in Deiner Welt demnach sicherlich auch nicht vor, weil dem schon wieder eine Wertung zugrunde liegt, die Du ja leugnest zu machen. Dann ist Hass udn Unterscheidung aber genauso wertneutral und "in Ordnung" oder ist eben einfach, wie Gleichmut gegenüber allem was geschieht.

Zitat:
Diese Sätze kannst du übrigens völlig wertfrei auffassen, so sind sich auch gemeint. Sie sind eine logische Schlussfolgerung, ohne Ethik mit einem moralischen Standpunkt zu verwechseln.

Hass hältst Du also nicht für (negativ) sanktionierungswürdig. Das ist eben ein wertneutrales "natürliches" Vorkommnis? Aber wozu denn die ganzen Sätze, die Du formulierst? Das verstehe ich nicht. Der vorherige Abschnitt klingt auch danach, dass Du Differenzierungen und Hass im Grunde negativ wertest. Mag sein meine Interpretation täuscht. Aber dann: So what? Dann empfindet jeder wie er empfindet, jeder sagt eben was er sagt und jeder tut eben was er tut, dann braucht es keine Gerichte, keine Gesetze, keine Moral, nichts. Es gibt keine Werte. Es gibt nur Geschehen.

Zitat:
Zitat:
(1) Wieso sollte Freud richtig gelegen haben?

Freud oder andere Pschologen zu lesen wird niemandem etwas bringen, der nicht imstande ist, Theorien und Konzepte bei sich selbst zu hinterfragen, der nicht gelernt hat anhand der Kenntnis seines Selbst fähig ist seine eigene psychische Vorgänge zu entschlüsseln.

Das lasse ich mal dahin gestellt. Das muss ja dann jeder für sich selbst entscheiden, wenn es allein durch Introspektion feststellbar ist. Dann ist Deine Antwort auf meine Frage aber auch sinnlos, denn ob es jemand gelernt hat und ob er dazu im Stande ist, kann ja auch nur jeder für sich entscheiden. Der Wert der Theorie Freuds scheint also nur subjektiv überprüfbar zu sein. Das mutet mir sehr unwissenschaftlich an.

Zitat:
Dass das Gesamtwerk umstritten ist, wissen wir alle, Freud wurde z. T. ergänzt und z. T. widerlegt, aber das mindert seinen Verdienst bei der Entstehung der Grundlagen der Psychologie und Psychotherapie für viele nicht im geringsten.

(1) Was "viele" von Freud halten ist für meine Überlegungen irrelevant. Das ist bestenfalls ein autoritatives Argument und daher nicht zwingend, sondern bloße Rethorik.
(2) Betone ich nochmal, das der Theorie Freuds ein spezifisches Menschenbild zugrunde liegt, das man nicht teilen muss und das ich auch nciht für richtig erachte, sondern für schädlich. Die auf ihm basierende Psychologie unterfordert, viel menschliches Übel wird als "natürlich" entschuldigt, um es verkürzt zu sagen. Die Ideale der Philosophie überfordern hingegen. Dessen bin ich mir auch bewusst. Allerdings sich allein auf die Psychologie zu berufen, birgt die Gefahr, dass stets der Mensch, wie er sein könnte, den Menschen beschattet, wie er ist.

Zitat:
Zitat:
(2) Wieso sollte das, was Freud entdeckt und definiert hat, weil es (vermeintlich) so ist/war/erschien, unabänderlich sein?

Könntest du erläutern, was du unter Unabänderlich verstehst?

Klar: unabänderlich = es ist nicht veränderbar


Zitat:
Das, was du beschreibst, wäre eine neurotische Auffassung des Seins

(1) Nach Deinen obigen Äußerungen ist vermutlich "neurotisch" wieder wertneutral zu verstehen. Dann ist darin ja kein Ungut zu sehen.
(2) Wenn das kein Ungut darstellt und wertneutral ist, dann besteht zwischen uns kein Widerspruch, wenn ich behaupte, dass diese Auffassung des Seins eine GUTE ist!

Zitat:
- so wie ich bin, reicht es nicht, erst muss ich jemand werden.

Von müssen habe ich nicht geredet. Ich kann es sein. Und es ist wünschenswert. Aber ein Zwang, eine Notwendigkeit besteht nicht.

Zitat:
Vieles aus der guten alten Philosophie hat nämlich einen heroistischen Hintergrund

Und ist "heroistisch" hier auch wieder wertneutral? Dann sage ich: Klasse, wieso sollen nicht alle Helden sein! Lasst uns alle Helden sein!! Das halte ich für wünschenswert! Zwischen usn bestüde kein Widerspruch. Im übrigen kannst Du "Helden" hier auch durch Narzissten, die Du ja auch für wertneutral hältst, ersetzen und es bestünde immer noch kein Widerspruch zwischen uns. Ist das so?

Zitat:
Und das ist eine begriffliche Falle der inneren Richter und Kritiker bzw. des Über-Ich, die einem Vorstellungen suggerieren, die in vielen Fällen nicht erfüllbar sind, und deren Endzustand Versagensängste und Depressionen sind. Ethik ist der Moment, in dem man achtsam ist und seine Handlungen im Rahmen des Absoluten Prinzips ausführt. Ethik ist eine Handlung, die aus keinen persönliche Vorstellungen, keinen Zwecken oder Bedürfnissen hervorgeht.

Irgendwie mutet mir das alles gar nicht mehr so wertneutral an. Du hast doch ganz klare Präfernzen! Also: Hop oder top?!
Also ich kenne keinen inneren Richter und Kritiker und auch kein Über-Ich. Das sind doch freudsche Postulate. Wieso soll ich die unversehens akzeptieren. Und selbst wenn es sie gibt, wieso sollten ihre Suggestionen nicht wünschenswert sein? Wieso sollen sie zwangsläufig zu Ängsten udn Depressionen führen? Bestenfalls finden sich da Zusammenhänge aus mehreren Beobachtungen, aber keine zwingende Kausalität. Das würde die emprischen Beobachtungen überstrapazieren.

Zitat:
Zitat:
Freud kann doch gerade (nach der Demütigung des Menschen durch die Kriche) als der Vater eine der Institutionen (Psychologie) angesehen werden, die dem Menschen jeden Stolz geraubt hat.

Sicher haben wir es, nachdem Freud in vielen Bereichen korrigiert wurde, viel leichter sich einigen Einflüssen zu entziehen, die in seiner Zeit unvermeidlich waren. Ich kann das nicht beurteilen und möchte das auch nicht werten. Es ist aus meine Sicht so viel schief gelaufen in der Geschichte der Menschheit, und es läuft auch jetzt so viel schief, dass ich Ansprüche auf die Präzision und Unfehlbarkeit einzelner Wissenschaftler für unverhältnismäßig halte.

Dementsprechend halte ich die Psychologie für eine zwar (freilich komplexe) wissenschaftliche Verfehlung sondergleichen. Ihre Verfehlungen sind sehr subtil, z.B. Postulat eines Menschenbilds mit kryptonormativem Charakter, z.B. ein naturalistischer Fehlschluss. Den meisten Psychologen ist das selbst nicht mal klar und den "Patienten" noch viel weniger. Ich halte die Psychologie für absolut überschätzt.

Zitat:
Zitat:
Nach der Psychologie besitzt der Mensch die Würde, welche die Möglichkeit der Selbstbestimmung birgt gerade nicht mehr. Denn alles, was die Menschliche Natur betrifft, ist (vermeintlich) festglegt und empirisch bestätigt. Das zugrunde liegende Motto: "Der Mensch war so, der Mensch ist so, der Mensch wird immer so sein (das haben wir empirisch herausgefunden." An dieser Stelle verweise ich auf eine kritische Auseinandersetzung mit den forschungsmethoden der Psychologie. Welches Menschenbild liegt diesen zugrunde? Welche Rolle spielt in der Psychologie das reflexive Selbstbewusstsein und die Möglichkeit des Menschen Entscheidungen zu treffen, kreativ zu sein, wie es nicht (empirisch) vorhersagbar ist? Inwieweit reduziert die Psychologie den Menschen auf einen Reiz-Reaktions-Automaten ohne jede Würde und Fähigkeit zur Selbstbestimmung? Wie nah liegt doch eine "Erkenntnis" und Definition Freuds, aus einigen (wenigen und begrenzten) Beobachtungen an diesem Menschenbild? Das wäre zu überdenken.

Wozu die Kreativität des Menschen führt, haben wir alle im geschichtlichen und im gegenwärtigen Kontext erfahren, und werden es auch immer wieder erfahren und darüber staunen können. Man könnte fast darauf hoffen, dass menschliche Gestaltungsambitionen endlich mal zum Stillstand kommen werden.

Z.B. auch zur freudschen Theorie und weiteren Psychologie.

Zitat:
Zitat:
Das reine Glück des günstigen Zufalls ist wertneutral und enthält kein moralisch beklagenswertes Desinteresse, es enthält nicht mal einen Vergleich. Denn ich habe genauso Glück wenn mich der Felsen knapp verfehlt hat und daher nicht erschlagen hat und statt dessen einfach auf den Weg gefallen ist.

Ein weiterer Aspekt! Dieses "Glück" u. a. auch relativ! Vielleicht wird dich dann am Abend jemand mit einem Messer verletzen und du in Folge dessen ein langes und qualvolles Sterben durchmachen musst? Im Vergleich dazu wäre der Felsen das große Glück gewesen.

Wie gesagt, aus der Perspektive ist dann niemals etwas wünschenswert oder nicht wünschenswert. Aber dann erübrigt sich auch jede Diskussion über eine "egoistische Gesellschaft" oder das Beschreiben irgendwelcher Persönlichkeitsmerkmale und auch das Verstehen derselben, denn dann gibt es keine Werte und auch keine Zwecke. Dann gibt es nur Gleichmut und Geschehen.

Zitat:
Er kann sich frei entscheiden, aber nur im Rahmen seiner Möglichkeiten und Kompetenzen.

Da stimme ich zu im Hinblick auf bestimmte Arten von Möglichkeiten und Kompetenzen. Ja. Aber das ist immer eine Momentaufnahme.

Zitat:
Und die sind durch seine angeborene Dispositionen und durch die Arte seiner Lebensführung bestimmt.
Die Lebensführung kann jeder ändern, über das Ausmaß des Einflusses genetischer Dispositionen lässt sich trefflich streiten. Dieses hängt auch immer mit Umweltfaktoren und der individuellen Lebensführung zusammen, ist also auch wieder willentlich, freilich unter Anstrengungen, beeinflussbar. Daher: Nichts ist determiniert. Auch die Evolutionspsychologie (auf den Beobachter würde ich auch mal nocht gerne ausführlich eingehen) "entschuldigt" einfach zu leichtfertig und zu viel und unterfordert daher. Da liegt m.E. auch ein naturalistischer Fehlschluss drin. Denn aus dem vermeintlich empirisch festgestellten Sein wird auf das Sollen (im Sinne von Tun oder Unterlassen) geschlossen.

Zitat:
Sein freier Wille ist eine Folge von vielen Ursachen, die dem Moment der Entscheidung vorausgingen.

Ja, und? Das ist doch trivial, dass mein akuteller Möglichkeitenraum durch vergangene Entscheidungen bedingt ist. Aber auch mein zukünftiger Möglichkeitenraum ist durch aktuelle Entscheidungen bedingt - und das vergisst die Psychologie nur allzugerne habe ich den Eindruck. Denn es wird nur auf das Bestehende fokussiert, aber nicht das mögliche. Und nur weil etwas ist, heißt das nicht, dass es so sein oder bleiben muss, also unabänderlich ist. Das ist entweder purer Determinismus oder ein naturalistischer Fehlschluss. Purer Determinismus würde in der Tat absolute Wertneutralität nahe legen. Aber dann erübrigt sich die Debatte über Egoismus, Narzissmus etc. und deren Beschreibung. Weil es stellt sich die Frage nach dem Zweck. Ohne Werte auch keine Zwecke.


Zitat:
Zitat:
Zitat:
Und ich sehe hier durchaus einen Zusammenhang mit dem Ansatz: Ich bin froh, dass ich nicht in Afghanistan oder Nigeria lebe.

Genau und das darfst Du auch sein. Das ist ds Glück des Zufalls, das birgt keine moralische Komponente.

Bitte sprich nur für dich.

Du hast diesen Satz doch geäußert.

Zitat:
Ich warte auf keine Erlaubnis, und werde diese Freude auch nicht empfinden, weil bekanntlich eine Freude, die nicht einem selbst und auch nicht den anderen schadet, nur in absoluter Unabhängigeit von äußeren Einflüssen entstehen kann.

Klar hast Du! Du hast gesagt "Ich bin froh." Dem Satz liegt doch eindeutig eine Wertung zugrunde! Eine Erlaubnis wollte ich nicht erteilen. Ich hatte nach dem Absenden befürchtet, dass es mir so ausgelegt werden würde, ist mir aber beim Schreibe nicht gleich aufgefallen. Was ich sagen wollte ist: Dein Froh-Sein über einen glücklichen Zufall, von Schmerz oder Tod verschont geblieben zu sein, macht Dich per se nicht zu einem schlechten Menschen. Selbst wenn es das machen würde, dürftest Du es auch. Insofern war das wort "darfst" völlig unangebracht udn ein Schnellschuss. Allerdings behaupte ich weiterhin, dass es Dich nicht zu einem schlechte Menschen macht, Dich über glückliche Zufälle zufreuen. Allerdings macht es Dich zu einem schlechten Menschen, wenn Du Dich über die unglücklichen Zufälle für andere Menschen freust. Das, diese analytische Trennung in manchen Situationen eng miteinander verwoben sind, ist mir klar, aber dennnoch halte ich sie für notwendig, um die Möglichkeit verschiedener Glücksbegriffe udn damit einhergehender Moralkonzepte zu unterscheiden.

Zitat:
Manche Menschen schätzen sich glücklich als Entwicklungshelfer nach Nigeria reisen zu dürfen, und den Menschen dort vor Ort zu helfen. Ich hoffe du wirst sie nicht als Moralisten bezeichnen.

Also ich würde sie als gute Menschen bezeichnen, da die Konsequenzen ihrer Handlungen gut sind. Freilich ließe sich jetzt hier über die Güte von Entwicklungshilfe trefflich diskutieren. Aber angenommen, jemand arbeitet dort als Arzt und schient einfach nur gebrochene Beine von Kindern und das trägt zuren Überleben bei und wir erachten dieses Überleben als gut, dann sind die Konsequenzen des Handeln des Arztes gut, also würde ich ihn auch als mindestens in dieser Hinsicht guten Menschen bezeichnen. Allerdings könnten zum Konzept eines "guten Menschen" noch andere Aspekte hinzutreten.

Zitat:
Diese Freude steht also im Gegensatz zu dem von dir empfohlenen Zustand der Freude in einem von dem gröbsten Elend relativ verschonten Land zu leben.

Ich versteh weder den Satz noch die Schlussfolgerung. Ich bitte um Erläuterung. Darüberhinaus habe ich gar keine Zustand empfohlen.

Zitat:
Zitat:
Sollte Dich das hingegen nachdem Du ja Glück gehabt hast, alles nichts angehen. Würde ich auch sagen, dass Du kein guter Mensch bist.

Genau das ist eine moralische Wertung. Wie DU nur dazu kommst!

Ist die Wertung, dass moralische Wertungen nicht gut sind, etwa ihrerseits keine ethisch-moralischen Wertung? Wieso ausgerechnet ich? Ich würde auch in diesem Fall weniger von Moral als von Ethik, also von der guten individuellen Lebensführung sprechen wollen, nicht von der soialen Sittlichkeit, sozialen Normen.

Zitat:
Zitat:
Narzissten udn andre "düstere Persönlichkeiten" mangelt es genau an Empathie, weshalb sie auch gerne als Prototyp des Amoralisten herhalten dürfen.

Ich weiß nicht, ob das behauptet wird.

Das wird nicht nur behauptet und gerne mal als Beispiel angeführt, das ist sogar in psychologischen udn neurologischen Untersuchungen empirisch bestätigt worden - was immer das bedeutet.

Zitat:
Wie diese Perversion funktioniert, haben einige analysiert, allen voran Erich Fromm in seiner "Menschlichen Destruktivität", das sind Tatsachen, deren Wertungen - wie auch sonst welche Wertungen und Urteile -, keinen Nutzen oder Sinn haben.

Impliziert das Wort "Perversion" keine Wertung? Falls doch, steht das nicht im Widerspruch zu Deiner anfänglichen Behauptung, Du hättest weiter oben nicht gewertet, als Du von Narzissmus sprachst udn das der "Unschuld" gegenüber gestellt hast? Oder lehnst Du die Analysen Fromms ab? Das habe ich jetzt nicht verstanden.
Wieso haben Wertungen keinen Nutzen oder Sinn? Würdest Du das bitte nochmal erläutern?

Zitat:
Zitat:
Aber derjenige den der Glückliche Zufall getroffen hat, ist noch kein Amoralist,

Nein, er ist ein Narzisst. Narzisstische Verhaltensweise, Störung, was auch immer. Hat mit Moral nichts zu tun.

Ist "Störung" etwa keine Wertung? Verweist "Störung" nicht einen anderen (vermeintlich) wünschenswerten Zustand? Wieso sollte er ein Narzisst sein? Für den glücklichen Zufall kann er ja nichts. Und die Freude Überlebt zu haben, ist doch nciht narzisstisch? Dann ist ja jeder Mensch mit einem ÜBerlebenstrieb ein Narzisst. Er kann doch zugleich auch traurig über den Tod oder Schaden (ich verstehe nicht was diese Unterscheidung für unserer Fragestellung für einen Sinn hat, sie verlängert nur die Sätze unnötig, da beides gemeinhin als Ungut gilt) des Nachbarn sein, aber dennoch froh über sein eigenes Verschontgeblieben sein. Ein Narzisst ist er doch erst dann, wenn er darin einen Vorteil sieht, also wenn er den Schaden des anderen mit seinem Wohlfühlniveau verrechnet und vergelicht. Das halte ich auch für "sonderbar" (gestört ist mir persönlich zu hart), denn da Steckt Häme, Missgunst und die Vorteilssuche drin. Aber das Frohsein über das eigene Überleben impliziert das noch nicht, denn Mitgefühl und bedauern für andere ist dabei immer noch möglich. Das gilt auch für Dein Beispiel mit dem Kind. Da wird eine Mixtur von Gefühlen am Werke sein, die den Narzissten unbekannt bliebe.

Herzliche Grüße
Deine Projektion

19.05.2012 20:47 • #81


Zum Beitrag im Thema ↓

A


Egoistische Gesellschaft

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S

Shangir
Gast

Zitat:
Schön, dass Dich das interessiert und Du Dich angemeldet hast. (Darf ich fragen, wie Du auf das Forum gestoßen bist? Wegen Einsamkeit oder wegen der Dikussionsinhalte?)

Hallo, danke für deine Antwort. Ich bin mittels der Suchmaschinen unterwegs, suche nach Dateien und Links. Gestern bin ich sehr überrascht gewesen, als ich in Psychic eine solche Diskussion entdeckt habe. Nach welchem Thema ich da allerdings gerade gesucht habe, kann ich nicht mehr sagen, ich habe immer sehr viele Fenster offen, viele Dateien, dazwischen Wörterbücher, mein On-Sein ist eher ein chaotisch-geordneter Prozess, den ich im Nachhinein kaum mehr analysieren kann.

Einsamkeit - nein. Du? Ich habe gar keine Zeit dafür. Traurigkeit kenne ich, aber in solchen Zeiten bin ich gerne allein. Dann will ich sogar allein sein.

Zitat:
Ich antworte mal und hoffe, Bird kommt auch nochmal wieder und kommentiert das.

Ich kann nur für mich schreiben. Bei dir bin ich mir aber sicher, dass du alle Beiträge und Avatare gleich behandelst, hattest du das doch irgendwann in deinen Texten erwähnt. Doch darf auch ich neugierig sein - welches Thema hat dich hierher geführt?

Zitat:
Dein Beitrag ist sehr anspruchsvoll und interessant und fordernd. Das freut mich persönlich sehr, weil ich selten der Art gefordert werde, weil den meisten das zu anstrengend ist, so tief zu gehen oder einfach auch nur mitzudenken und etwas zu teilen, egal wie naiv oder quer oder chaotisch es ist. Daher danke ich für Deinen, wie ich finde äußerst inspirierenden Text und dafür, dass Du ihn geteilt hast.

Vielen Dank. Ich habe mir abgewöhnt über Texte zu urteilen, es sind immer nur einzelne Gedanken, die ich nachvollziehen kann, oder die mich quasi auch zu weiteren Erkenntnissen bringen, und hinsichtlich dessen kann ich auf jeden Fall dieses Kompliment an dich zurück geben, denn bei dir habe ich sehr viel Interessantes gefunden. Aussagen zu werten setzt ein Schema voraus, eine Werteskala, das versuche ich zu meiden, und wenn ich Unverständliches lese, verstehe ich das als einen Hinweis auf meine Unerfahrenheit, denn wer viel versteht, kann im Grunde alles nachvollziehen, was im Bereich seiner geistigen Horizonte liegt. Sieh bitte meinen Text als eine Anregung, ein hundertprozentiges Verstehen kann es überhaupt nicht geben, also können wir das Schreiben und Lesen ruhig als eine unverbindliche, aber vielleicht auch bereichernde oder sogar eine freudige Ergänzung des eigenen Erlebens betrachten.

Zitat:
Ich möchte erst nochmal klarstellen was ich mit diskursivem Denken meine: Das Denken in Begriffen. Ich vermute, wir sind uns da ziemlich einig.
Das denke ich auch, ich vereinfache nur ziemlich viel, weil es für meine Begriffe zu viel Trennendes, zu viele Kategorien, zu viele Differenzen gibt, wir suchen geradezu danach, durch die Trennung der Begriffe eine Sicherheit zu finden, die aber nur eine weitere Illusion ist. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass - wie ich das nennen - logisches oder diskursives Denken ein Weg ist und kein Ziel, dass es das Aufräumen im Raum voller Sachen ist, die man nicht versteht.

Zitat:
Intuition ist ein etwas schwieriger Begriff. Ich gebrauche ihn zur Beschreibung einer Erkenntnismethode, welche die Erkenntnis unmittelbar, ohne begriffliches oder bewusstes Denken hervorbringt. Hier bin ich mir nicht mehr so sicher, dass wir dasselbe meinen. Wenn Du ein anderes Verständnis hast, dann bitte ich jeweils um Klärung.

Nein, ich habe kein anderes Verständnis. Intuitives Wahrnehmen ist der Zustand, in dem das Denken frei von Inhalten ist. Richtig?

Zitat:
Vor diesem Hintergrund verstehe ich die Schlüsselmetapher nicht richtig. Weil sich beide Arten des Denkens vollziehen, also formale Prozesse sind, die auf denselben Inhalt gerichtet sein können. Z.B. kann ich das Verhalten in anspruchsvollen psychologischen Studien untersuchen oder einfach auf die Straße gehen und nach vielen Erfahrungen spüre ich unmittelbar, was bei jemandem vorgeht. Daher wusste ich nicht, was "im" diskursiven Denken genau bedeuten sollte. Also im Prozess oder als Objekt des Denkens?

Interessante Frage. Wie jetzt die zwei Aussagen zusammen zu bringen, weiß ich auch nicht. Um von vornherein klar zu stellen, welche Rolle der Schlüssel in meiner Geschichte spielt: Das Suchen des Schlüssels setzt die Annahme voraus, dass ich in einem abgetrennten Raum verweile. Diese Suche ist die logische Schlussfolgerung, die sich aus der Tatsache ergibt, dass ich im Moment jemand bin, den es künftig nicht mehr geben soll. Ich in meinem Traum soll jemand werden, der Klarheit hat, darum muss ich selbst den Schlüssel für eine Ausgangstür finden, die aber nur in meiner Vorstellung existiert. Diese trennende Tür gibt es gar nicht, weil der Raum außen von meinem mit alle den Inhalten (Materialien) nicht getrennt ist. Ich denke in dem Fall in den Begriffen Außen, Innen, Jetzt und Später. Nun wissen wir aber, dass diese Begriffe aus meiner Täuschung hervorgehen, wie die Tür und des Schlüssel auch.

So wie ich das verstanden habe, setzt du den Schlüssel mit intuitivem Denken gleich. Das ergibt also die Differenz. "Im" diskursiven Denken - ich glaube da war auch die Rede von einer Lösung oder ähnlich. Die sehe ich in dem Zusammenhang nicht. Der Weg ist kein Ziel. Ich habe schon geschrieben - Logik. Durch logisches Denken und daraus folgender Klarheit eröffnet sich Raum für das Wirken der Intuition. Da gibt es einen treffenden Vergleich mit den Gefäßen - ist es voll, kommt nichts neues mehr rein. Und wenn ich meine Materialien aussortiert habe, und genügend Luft da ist, dann sehe ich vielleicht auch, dass ich mich täusche wenn ich denke, dass ich in einem abgeschlossenen Raum verweile. Vielleicht kann man diesen Vorgang des Intuitiven eher als ein Durchleuchten als ein Füllen sehen.

Der Schlüssel ist für mich mit einer Lösung identisch. Wir suchen nach einer Lösung, wir wollen raus, wir wollen Tipps haben wie wir das schaffen können. Aber es gibt nichts zu suchen, und auch nichts anzustreben, denn es ist schon alles da. So zumindest heißt es im Zen, und ich habe diese Sätze nun einfach übernommen, weil ich ihnen immer wieder in unterschiedlichen Formen, aber mit der gleichen Bedeutung begegne.

Dann haben wir noch das Problem der Psychologie und des "Gespürs", wie du schreibst. Vielleicht meinst du damit die intuitive Erkenntnis, oder einfach das Mitgefühl, das es möglich macht nachzuempfinden, was andere gerade denken oder fühlen, oder wie sie leiden. Man kann aber auch sagen, dass Psychologie sehr viel dazu beitragen kann, die Verzerrungsfilter unserer Wahrnehmung zu entschlüsseln um eben den klaren Blick und die Fähigkeit der Empathie zu gewinnen.

Zitat:
"Formal" habe ich bereits im Hinblick auf das DENKEN oben versucht zu definieren oder zu umreißen. Im Hinblick auf das BEWUSSTSEIN würde ich sagen, dass die Form des Denkens wiederrum gerade das Bewusstsein ist. Bewusstsein kann sich auf Denken richten. Ich kann meine Gedanken beobachten, ich kann aber auch beobachten, wie ich denke. Letzteres haben Logiker beispielsweise gemacht, aber auch Sprachphilosophen. Bewusstsein beeinhalten diskursives Denken, aber auch Intuition. Es kann sich auf das alles richten. Wenn ich denke ist mein Bewusstsein erfüllt mit Denken, mit Gedenken. Wenn ich "intuiere" ist es erfüllt mit dem Objekt der Intuition oder dem Ergebnis.

Oh, da muss ich momentan passen, weil ich deine Definition des Bewusstseins nicht kenne...

Zitat:
Mmh, das Komplement von diskrusivem Denken ist glaube ich Intuition. Das Chaos ist das Objekt des Denkens. Darauf richtet es sich. Das sortiert es, da stimmen wir überein. Das kann die chaotische Außenwelt sein, die eben durch Begriffe strukturiert wird, aber auch die Inhalte meines Denkens selbst. Dann befinde ich mich auf eine Meta-Ebene zu meinen Gedanken. Ich denke, mit den Strukturen sind wir uns einig.

Absolut.

Zitat:
Dein Raum-Beispiel ist gut gewählt, finde ich. Wie meinst Du das mit der Rolle der Intuition beim Vorgang zum Beobachter des Geschehens zu werden? Ich denke, die Intuition kann mir z.B. Anhaltspunkte für die richtigen Fragen oder die Denkrichtung geben, so dass ich etwas über mein Denken selbst z.B. lerne, lerne wie es funktioniert, was es macht, vielleicht auch ob und wie es mit meinen Gefühlen zusammenhängt.
Ja, für diese Rolle habe ich eigentlich nur ein Modell - des Weglassens. Das heißt - ich bin selbst die Intuition, erkenne es nur nicht, weil ich durch das Erscheinen diversen Projektionen verblendet bin.

Zitat:
Ja, welche Rolle spielt die Inution insbesondere bei der Beantwortung der Frage nach dem Sinn der Existenz des Raumes? Ich würde behaupten die Hauptrolle! Weil das diskursive Denken es eben nicht mehr klären kann. Selbst die Abstraktionen die Du schilderst sind sind diskursiv. Das erfolgt alles in Begriffen, mittels Definitionen, so dass eine Begriffsstruktur, eine Ontologie entsteht. Das ist nicht Intuition, nur weil es jenseits des empirisch erfahrbaren Raumes geht. Abstraktionen sind zwar irreal oder ideal, aber nicht dem diskursiven Denken unzugänglich.

Das ist richtig, das ist ein Konzept, eine Orientierung. Ein Boot, aus dem man mal aussteigen kann. In dem Sinne sind diskursives, schlussfolgerndes Denken das Boot gewesen, vielleicht der Schlüssel, den Bird meinte, dass dieser im Denken bereits vorhanden ist. Jedenfalls aber nicht der Schlüssel in meiner Geschichte.

Zitat:
Ich bin Dir das ganze Raum-Beispiel hindurch gefolgt. Habe es mehrfah gelesen, insbesondere die letzten Sätze, vielleicht stehe ich auch auf dem Schlauch. Würdest Du mir bitte noch mal genau Beschreiben, an welcher Stelle die Inution für Dich reinspielt? Gibt sie dem Denken einen neue Richtung oder eine neue Idee, z.B. der Abstraktion? Ich habe noch nicht genau verstanden, wie Du das meinst. Auch wo da jetzt die "andere Wahrnehmung" hinein kommt oder resultiert.

Man kann sagen Intuition, Geist, Gott - egal. Auf jeden Fall ist es immer da, immer gegenwärtig, es ist der Prozess selbst, nur erkennen wir das nicht. In jedem Moment, in dem ich absolut gegenwärtig, alle Abläufe meines Denkens wahrnehmen und entschlüsseln kann, wenn ich an ihnen vorbei sehen kann, bin ich es. Es ist wie ein Vakuum. Aber warum gehen wir diesen Weg, warum bleiben wir nicht in unserer geistigen Umnachtung und identifizieren uns weiterhin mit der Vorstellung von uns selbst und mit all den Gedanken und Gefühlen? Die Frage kann nur jeder für sich beantworten. Für mich ist es Gott, der nicht abweist, sondern zurück führt, genau wie du wo anders geschrieben hast: re-ligio.

Zitat:
Ok, angenommen wir sind Idealisten (vgl. z.B. Berkeley (Philosoph)), dann ist natürlich alles was wir über den Prozess der Erleuchtung sagen auch nur "Illusion". Aber was solls? Es gibt ja dann nur die Illusion. Dann ist aber der Begriff Illusion hinfällig, weil es kein Komplement dazu gibt. Wir könnten ja niemals die Nicht-Illusion erkennen. Daher ist evtl. die Unterscheidung zwischen Mental und Nicht-Mental (Materiell) hinfällig. Ok, soweit sind wir uns einig.

Ich bin kein Materialist. Über die Illusion der Erleuchtung kann ich nichts sagen, weil ich sie nicht kenne...

Zitat:
Die begriffliche Realität in der wir leben beruht auf lang zurückliegenden teils bewussten teils unbewussten Entscheidungen über Defintionen. Die kann man alle modifizieren zu den eigenen oder institutionellen Zwecken. Das ist die große Freiheit und die Verantwortung.
Zwecke und Realität zu benennen gehört zum Fristen des Daseins in einer kleinen Zelle, in einem abgetrennten Raum. Wir können uns so ein Leben so angenehm machen, wie wir es nur schaffen. Es strebt ja auch jeder in der Welt danach, der Konsum steigt, ebenso aber die Zahl der Psychischen Erkrankungen... sorry, mein Sarkasmus.

Zitat:
Auch ohne Buddhist zu sein. Der Buddhist will das alles abschaffen. Er will keine Definitionen mehr anwenden, er will sie nicht nur nicht ändern, er will sie nicht denken und auf Basis dieses Denkens auch nicht mehr fühlen. So verstehe ich es jedenfalls. Mag sein, ich leige total falsch.

"Der Buddhist" hat für mich einen ähnlichen Stellenwert wie "Gesellschaft".
Nach der Lehre gehört etwas zu wollen zum Wunscheswahn.

Zitat:
... wenn man alle Begriffe udn damit einhergehenden (Wert)urteile abgeschafft hat. Dann erfreut man sich an allem, ohne es auf Freude abgesehen zu haben. Es ist eher ein Genießen, ein bedinungsloses Aufsaugen der Wahrnehmungen ohne jede Wertung.
Ich würde zu keinem hingehen, der sich so nennt und egal was genießt. Das wäre für mich jemand, der der Illusion der Macht und des Glücks auf den Leim gegangen ist, und der sich aufgrund dessen um nichts weltliches mehr kümmern will und braucht. Aber ich bin das schon spezifisch veranlagt, nach mir braucht sich keiner zu richten..

Zitat:
Ich möchte nochmal das Buch "Tanzende Leere" von Adyashanti empfehlen. Der viele Konzepte sehr schön umschreibt, aber keine Anleitung gibt. Aber man bekommt eine ungefähre Vorstellung von dem was gemeint ist, ohne dass es direkt benannt werden kann. (Ich bekomme keine Prämie vom Verlag )

Könnte man glatt denken. Was ist an diesem Buch so besonderes, dass du es gerne weiter empfiehlst? Ich denke wenn du den Texten eine Vorstellun von dem, was nicht verbal vermittelbar ist entnehmen kannst, dann ist es für dich genau das Richtige. Ich werde bei Gelegenheit reinschauen, danke für den Tipp.

Zitat:
Das Denken ist nicht "in Wirklichkeit leer von allen Inhalten", z.B. dann nicht, wenn ich mit Dir schreibe. Aber wenn ich mich um die Leere bemühe, meditiere z.B., dann ist es leer. D.h. es kann entleert werden. Aber ob es das "in Wirklichkeit" ist oder nicht, kann nicht geklärt werden. Was soll das für eine Wirklichkeit sein? In der buddhistichen Wirklichkeit des Erleuchteten? Ja, ok, dann.

Dazu gibt es das Konzept der Zwei Wahrheiten, das Konventionelle, und das Absolute. Das hat wieder Bezug zu den zwei Arten des Bewusstseins, dualistisch und nicht-dualistisch bzw. auch zu dem In-einem-Raum-sein und der Raumunendlichkeit.

Zitat:
Aber das Denken oder besser Bewusstsein ist eben einfach so und man kann es füllen oder auch nicht und das auch nach Belieben, mit beliebigen Inhalten udn beliebigen Definitions-Strukturen.

Das ist für mich der verspielte Geist, der Affengeist, der alles mögliche vorgaukelt und sich dann damit beschäftigt als wäre es er selbst. Das ist doch einfach nur lustig. Vielleicht sind wir auf die Welt gekommen nur um zu bewundern, wozu dieses Phänomen fähig ist. Oder um uns davor zu fürchten - es ist nicht alles nur Glück, was Menschen bewirken wollen. Aber was würdest du zu der These sagen, dass wir unser Leben nur träumen? Mich wundert in dieser Hinsicht schon lange gar nichts mehr.

Jetzt werde ich die Datei zum Thema Vorurteile zu Ende lesen. Ein super Link. Vorurteil als "Reiseführer in fremden Regionen" - tragisch und witzig zugleich!
Ich freue mich auf deine Antwort, und wünsche dir einen schönen Sonntag.

Gruß, S.

12.05.2012 23:44 • #56


Zum Beitrag im Thema ↓


R
Da hast du Recht.

#2


F
Einsamkeit entsteht durch ein schwach ausgeprägtes Selbstwertgefühl , mangelndes Selbstbewusstsein und unklaren bis fehlenden Lebenszielen.

Es liegt daran, wie man mit der Gesellschaft interagiert / interagieren kann.

Sich selbst kann man ändern, die Gesellschaft nicht. Es wäre sehr schlimm, wenn Einsamkeit wirklich an der egoistischen Gesellschaft liegen würde, weil dann könnte man gar nichts ändern.

#3


S
Na gut, dann versuchen wir uns zu ändern... wir arbeiten weiter an unserer Sozialkompetenz..wir bleiben trotzdem freundlich und "glücklich", wenn wir den Menschen nur geben, wir rufen sie an, wir fragen wie es geht, wir wollen was mit ihnen unternehmen, wir wollen ihnen helfen, wir sprechen über ihre Probleme...dann denkst du mal..ok gut, ich warte mal ab, wer von sich aus mir was gibt, wer sich für mich interessiert... u was siehst du? Nada.

echt...manchmal spreche ich gar nicht mehr über meine Erfolgserlebnisse im Leben (z.B. Job, Beziehung usw.) aus Angst, weil die Menschen nur eifersüchtig reagieren.

#4


B
Hallo

Wir können tatsächlich nur uns Selbst und unser Selbstverständnis von
uns selbst verändern, aber wir können mit dieser Veränderung Einfluss
auf unsere Umwelt und auf andere Menschen nehmen.

#5


U
Wenn ich mal so dumm fragen darf, was meinst du mit
Zitat von SunSea:
Du musst immer nur geben

#6


S
- Sich melden
- immer freundlich sein, egal wie schei. der andere zu dir ist
- sich für den anderen engagieren
- anrufen, fragen, sms schreiben
ich meine damit eigentlich immer den ersten Schritt zu tun müssen. Und wenn du mal nichts machst, dann kümmert sich keiner um dich. man fühlt sich dann irgendwie ausgelaugt...ausgenützt....

#7


F
Sei doch stolz, dass du das Melden von dir aus kannst.

Ich jedenfalls kann es nicht. Wenn sich niemand bei mir meldet, dann passiert bei nichts.

Es ist auch sehr schwer, an dieser Einstellung etwas zu ändern. Von diesem Problem handelte übrigens mein erster post.

#8


U
Die Antwort nehme ich direkt an, und frage gleich weiter.

Was verstehst du unter Einsamkeit? Findest du bist einsam? Oder gibt es welche, die noch viel einsamer sind als du?

Zitat von SunSea:
jetzt gebe ich mal nichts, mal schauen, wer sich meldet.


Das kannst du ja auch nicht machen

#9


S
An Ulf: Ich fühle mich einsam. Sicherlich gibt es Menschen, die noch einsamer sind.
Es gibt schon Menschen um mich herum, aber es ist keine tiefe Freundschaft da... Alles oberflächliche Beziehungen. Vielleicht reagiere ich auch empfindlich, weil ich ganz genau weiss, was es heisst eine tiefgründige Freundschaft zu haben. Ich hatte nämlich mal solche Freundschaften. Diese Menschen sind aber nicht mehr in meinem Leben. Und mit der jetztigen Situation möchte man sich nicht zufrieden geben, weil man weiss, dass es auch besser sein könnte... Wie einsam fühlst du dich denn?

An Frederick: Ich glaube nicht, dass die EInsamkeit etwas mit dem Selbstwertgefühl zu tun hat. Denn ich denke mein Selbstwertgefühl ist ok. Ich denke es it mehr die richtige Interaktion, das soziale Gespür, das den einsamen Menschen fehlt...
Ich habe nie darüber nachgedacht, stolz zu sein, dass ich mich melden kann:) aber der Gedanke ist gut:) Weisst du, man kann sich schon immer melden..aber man hat auch die Erwartung, dass der andere sich mal meldet... und irgendwann gibt man auf und meldet isch nicht mehr. Vielleicht ist es auch die hohe Erwartung die alles im Leben kaputt macht...
Aber verstehe ich es richtig, dass du dich dann einfach auch nicht meldest? Obwohl du weisst, dass das Melden vielleicht die "Lösung" sein könnte?

#10


U
Nicht sonderlich einsam. Nur manchmal. Aber ich weiß auch, dass ich verglichen mit anderen unnormal wenig sozialen Kontakt habe. An tiefe Freundschaften glaube ich nicht, ich glaube mehr als Oberflächliche Freundschaften sind nicht möglich. Auch wenn ich schon das Gefühl hatte, anderen sehr zu vertrauen, musste ich nachher verstellen, das dies nicht auf gegenseitigkeit beruht, und wahrscheinlich auch gar nicht möglich ist.

#11


F
Hallo Sunsea,

meine Probleme sind etwas komplizierter, lies dir einfach mein erstes Thema durch, das ich hier verfasst habe. Nur so viel: ich habe viel in meinem Leben verändert und es läuft alles viel besser als vor einem halben Jahr.

Mein Problem ist folgendes: mir fällt es schwer, eine Verbindung zu einem Menschen aufzubauen, ein Gefühl, was ich mit dem Menschen unternehmen könnte. Ich habe durch Suchtprobleme über die Jahre viele Interessen verloren. Mir fehlt einfach dieses Urvertrauen und ich bin insgesamt ein introvertierter Typ.

Bei meinen Freundschaften läuft es so ab: ich habe zwei "gute" Freunde, die selber sehr einsam sind. Diese melden sich immer bei mir. Eigentlich war es schon während der Schulzeit so, dass mein bester Kumpel immer mich angerufen hat. Ich muss dieses Problem bei einem Therapeuten thematisieren.

Grundsätzlich ist Einsamkeit ein subjektives Empfinden. Mein Interaktionsbedürfnis ist eher unterdurchschnittlich, obwohl ich eigentlich gut kommunizieren kann. Durch meine Erziehung war ich es früh gewohnt, mich selber beschäftigen zu müssen. Wenn du mich in der Kneipe erlebst, würdest du nie denken, dass ich ein einsamer Mensch bin, weil ich mir eben immer vornehme, positiv zu denken.

Es ist aber so, dass ich objektiv gesehen einsam bin. Leider habe ich eine sehr unglückliche Biographie, keine Arbeit, im Prinzip keinen familiären Rückhalt, kaum Interessen und Hobbies, keine Lebensperspektive, nichts. Dadurch habe ich über die Jahre eine stark zementierte Einsamkeit aufgebaut. Mir fällt es schwer, Bindungen einzugehen, weil ich innerlich starke Angst vor Zurückweisung habe. Leider ziehe ich wenn überhaupt die "einsamen Wölfe" an, d.h. Menschen, die mich als Freund unglaublich schätzen, jedoch mich nicht weiterbringen können, weil sie zu viele Probleme mit sich selber haben.

Wie geschrieben bemühe ich mich unheimlich, an meinem Leben etwas zu ändern. Ich möchte in den nächsten Wochen meine Englischkenntnisse vertiefen und habe mir entsprechende Literatur besorgt. Außerdem habe ich mich sehr locker gemacht und kann Smalltalk mittlerweile ausgezeichnet. Nur blocke ich von mir aus ab, sobald es intensiver wird. Ich hoffe jetzt auf den Frühling. Ich brauche die Sonne. Dir wünsche ich alles Gute!

#12


G
Hi Sunsea,

du wirst das jetzt nicht gerne lesen, aber ich möchte dir dieses Feedback doch geben, weil es vermutlich etwas mit deinen Erfahrungen mit anderen zusammenhängt:

Du sprichst von dir sehr unpersönlich, sehr distanziert:
Du sagst oft anstatt "ich mache dies", "ich möchte das", entweder "du machst dies", "du möchtest das"
Zitat von Sunsea:
Du musst immer nur geben, geben.. und die Mitmenschen nehmen und nehmen ..irgendwann denkst du: jetzt gebe ich mal nichts, mal schauen, wer sich meldet.

oder "man möchte dies nicht", "man gibt das"
Zitat von SunSea:
Und mit der jetztigen Situation möchte man sich nicht zufrieden geben, weil man weiss, dass es auch besser sein könnte...

oder im "pluralis majestatis" "wir":
Zitat von Sunsea:
Na gut, dann versuchen wir uns zu ändern... wir arbeiten weiter an unserer Sozialkompetenz..wir bleiben trotzdem freundlich und "glücklich", wenn wir den Menschen nur geben, wir rufen sie an, wir fragen wie es geht, wir wollen was mit ihnen unternehmen, wir wollen ihnen helfen, wir sprechen über ihre Probleme...

obwohl du ja eigentlich immer dich selber meinst.

Ist dir das schon mal aufgefallen?

Versuch doch mal, konsequent in der Ich-Form zu schreiben, und beobachte dabei, wie sich das anfühlt.

#13


C
Hallo SunSea,

ich kenne das Gefühl ebenfalls. Ich hab solange Bekannte (Freunde kann ich sie noch nicht nennen), solange ich mich melde. Melde ich mich nicht, meldet sich niemand bei mir. Ich hab das (zugegeben subjektive) Gefühl, dass ich nur auf Menschen stoße, die schon Freunde haben und nicht noch mich als Freundin brauchen. Daher melden sie sich auch nicht bei mir. Sie haben ja schon genug Freunde oder genug Arbeit oder genug Stress, als dass sie sich bei mir melden könnten oder wollten.
Ich frage mich nur: Liegt es an mir? Bei anderen melden sich die Bekannten ja. Nur eben nicht bei mir. Also muss es doch auch an mir liegen oder? Früher habe ich mich das nie gefragt, aber seit einiger Zeit kommen mir nun doch Zweifel. Man kann die Fehler ja nicht immer bei den anderen suchen oder?

Ich wünsche mir Freunde, die ehrlich an mir interessiert sind, so wie ich auch an ihnen. Die sich auch mal melden, die Inititiative ergreifen und mich mal auf nen Kaffee einladen. Und nicht nur reagieren, wenn ich mich melde. Ist das zuviel verlangt? Ich denke doch nicht!

*seufz*

Verbundene Grüße!
Cammy

#14


G
Zitat von Cammy:
Ist das zuviel verlangt?

Leider ja, da man das nicht "verlangen" kann.

Möglicherweise ist das sogar mit ein Grund, weshalb die anderen dich nicht anrufen. Lässt du das vielleicht irgendwie durchklingen, dass du auf einen Anruf gewartet hast o.ä.?

#15


D
Man kann schon etwas verlangen, solang es für die mitmenschen im rahmen des erträglichen ist.
Es ist aber auch wahr das viele Freundschaften einfach nur noch Oberflächlich sind, so ist eben der großteil der Gesellschaft, es heißt aber nicht das es keine Menschen gibt die keinen wert auf tiefegreifende Freundschaften aus sind, diese Menschen gibt es auf jedenfall, es gibt auch recht viele davon, sehr viele, nur hört und sieht man die nicht und warum nicht ? Weil man sie eben nicht sieht oder hört, sie denken das gleiche wie du, machen sich also irgendwan nicht mehr die mühe es zu versuchen, dass ist auch verständlich, irgendwan hat man kein bock mehr weil es einem zu doof wird.

Man kann aber trotzdem immer die Augen offen halten und ausschau nach diesen Menschen halten, sieht man genau hin sind diese Menschen vielleicht auch unter deinen Bekanntschaften, ich hab die Erfahrung gemacht das man wahre Freundschaft finden kann indem man den Menschen zuhört und ihnen zeigt, dass man kein bock auf oberflächliche freundschaften hat und eine richtige Freundschaft will, dass will im Grunde die Mehrheit der Menschen, so sind wir Menschen gestrickt, wir waren schon immer und werden immer "Rudeltiere" bleiben, wir brauchen Menschen denen wir vertrauen können, viele haben es nur vergessen oder (nichtmal absichtlich) verdrängt solche Bindungen aufzubauen, es gibt ausnahmen, die haben wirklich kein Bock auf sowas und brauchen keine Freunde, die machen aber nur einen klitze kleinen Teil der Bevölkerung aus, in uns allen sitzt es tief drin vertrauen zu Menschen aufzubauen und daraus wahre Freundschaften und Beziehungen zu knüpfen.

Du kannst also aus diesen Oberflächlichen Freundschaften, tiefgreifende und wahre Freundschaften machen, verlang nur nicht zu viel, sonst wirst du nicht glücklich. Außerdem brauch es seeehr viel Zeit bis man eine gute Freundschaft aufgebaut hat, die wenigsten vertrauen jeden sofort und sehen sie als richtige Freunde, man brauch Geduld und muss auf die Menschen etwas rücksicht nehmen, nicht zu aufdringlich werden und vorallem zuhören, dass ist super wichtig, wenn du wissen über Freunde hast, dann kannst du es im richtigen Moment nutzen und das beeindruckt die Freunde und signalisiert ihnen " oho die hört mir zu und denkt an mich ", dass macht sehr sehr viel aus.
Es ist aber wie bei allen anderen dingen die mit Menschen zu tun haben, es ist kein Erfolgsrezept, jeder Mensch ist anders.

Mach dir nicht so viel Gedanken übe die Gesellschaft, wir können da als einzelnder nichts mehr dran ändern, spar dir die Kraft dich darüber aufzuregen, nutz sie lieber um deine Freundschaften weiter auszubauen.

#16


Fenni
Zitat von GastB:
Zitat von Cammy:
Ist das zuviel verlangt?

Leider ja, da man das nicht "verlangen" kann.

Naja, das "ist das zu viel verlangt?" ist ja mehr eine eingesetzte Floskel gewesen. Cammy hat sich ja eigentlich eher etwas gewünscht, und ich finde nicht, dass das zu viel gewünscht ist.

#17

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G
Zitat von Fenni:
Zitat von GastB:
Zitat von Cammy:
Ist das zuviel verlangt?
Leider ja, da man das nicht "verlangen" kann.
Naja, das "ist das zu viel verlangt?" ist ja mehr eine eingesetzte Floskel gewesen. Cammy hat sich ja eigentlich eher etwas gewünscht, und ich finde nicht, dass das zu viel gewünscht ist.
Das ist mir schon klar, dass das eine gewohnheitsmäßige Floskel war.

Aber gewohnheitsmäßige Floskeln DENKT man auch. Und bringt dieses gewohnheitsmäßige Denken durchaus auch in anderen Kommunikationen rüber! Selbst wenn es nicht wörtlich genauso wäre.

#18


G
Zitat von Despair:
Man kann schon etwas verlangen, solang es für die mitmenschen im rahmen des erträglichen ist.
...
Du kannst also aus diesen Oberflächlichen Freundschaften, tiefgreifende und wahre Freundschaften machen, verlang nur nicht zu viel, sonst wirst du nicht glücklich.

Und was ist dabei "zu viel"? Das war hier die Frage.

#19


Fenni
Zitat von GastB:
Das ist mir schon klar, dass das eine gewohnheitsmäßige Floskel war.

Aber gewohnheitsmäßige Floskeln DENKT man auch. Und bringt dieses gewohnheitsmäßige Denken durchaus auch in anderen Kommunikationen rüber! Selbst wenn es nicht wörtlich genauso wäre.

Ja, das ist in den meisten Fällen tatsächlich so. Kann aber in dem Fall auch ein wenig überinterpretiert sein. Ich hatte Cammy da einfach softer verstanden, beim Lesen.

#20


A


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Pfeil rechts




Dr. Reinhard Pichler
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