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Im Laufe der Monate und der Selbstanalyse bin ich jetzt an Hand eines Vorfalls dazu gekommen das bei mir der Hauptauslöser für die Ängste (Krankeitsangst/Somatisierungsstörung) die Existenzangst ist.
Solange wie die finanzielle Seite bei mir einigermaßen im Lot ist gehts mir gut. Geht aber diese Seite aus dem Lot durch Kunden die nicht zahlen oder Auftragsmangel kommen die Ängste, die Symptome und auch die Neuentdeckungen irgend welcher vermeindlichen Krankheiten.
Es ist offensichtlich denn im Moment habe ich einen erledigten Auftrag vom Juli, das Geld soll für diesen Monat sein, normal, aber der Kunde zahlt nicht. Im Urlaub war alles Ok was die Ängste betrifft, jetzt zu Hause mit der Misere gehts langsam wieder los.
Ich könnte kotzen.

14.08.2014 18:52 • 08.09.2014 #1


102 Antworten ↓


Heute morgen bin ich wach geworden und die Lust aufzustehen fehlte gänzlich. Ich war raus, raus aus der Depression, bis ich aus dem Urlaub wieder da war. Rückenschmerzen, ja auch die sind da. Verspannungen oder der Verschleiß, ich weiß es nicht. Ist auch egal, sie sind da.
Nachdem ich dann gestern dem Kunden mitgeteilt habe das ich das Inkasso einschalten werde kam die Antwort, dann müssen wir es mit Anwalt machen, kurz danach auf Facebook das er nun Pflaumen erntet. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Meine Arbeit, mein Geld steckt in seinem Haus, er fährt seelenruhig in Urlaub. Ohne zu bezahlen.
Als Angestellter hat man nach getaner Arbeit sein Geld auf dem Konto. Was mache ich mit meinen Zahlungsverpflichtungen? Es gibt kein Gesetz was den Selbstständigen schützt. Sicher, es gibt Möglichkeiten an sein Geld zu kommen, nur bis die greifen und du es tatsächlich hast, vergehen viele Wochen.
Glaubt mir, wenn ich eine Lösung wüßte, ich würde diese Selbständigkeit zum Teufel jagen, ich hab keine Lust mehr darauf. Wenn das einmal vorkäm, in der Art, aber nein das ist in 80% der Fälle so.
Wo soll das Selbstwertgefühl herkommen wenn du arbeitest und den gerechten Lohn dafür nicht bekommst. Wie soll man da fröhlich sein, ausgelassen und zuversichtlich. Wie soll man sich in Therapie und Verhalten verändern um damit es einem besser geht. Jedes kleine gute Gefühl was man vielleicht mal hat wird wieder nieder gemacht durch Menschen die Leistung in Anspruch nehmen, aber nicht die Gegenleistung erbringen.

15.08.2014 07:58 • #2



Existenzangst - Kunden die nicht zahlen

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Wie soll es gehen, Krankheitsangst abzubauen wenn die eigentliche Angst, die durch andere geschürt wird und der Auslöser eben dieser Krankheitsangst ist, wieder auf die Reihe zu kommen. Die Angst die man hat, Existenzangst (begründet durch unsere Gesellschafft und ihr Verhalten), durch keine klaren, wirklich zu realisierenden Gesetze kann nicht mehr von der Seele verstanden werden und kommt raus in Form von Krankheitsangst. Denn wenn alles, mit noch so viel Anstrengung nicht zu ändern ist, wieso sollte dann unsere Gesundheit noch funktionieren. Die bleibt übrig und nun wird von uns bei allem Zweifel am Leben eben diese Gesundheit angezweifelt. Weil wir kennen ja nur negativ, oder in den meisten Fällen eben.
So, oder so ähnlich wirds wohl bei mir sein, denke ich.

15.08.2014 08:22 • #3


Efeu
Guten Morgen,

ich kann dich sehr gut verstehen. In genau der gleichen Situation stecke auch ich gerade. Bin auch selbständig und meine Kunden scheinen zu denken, meine Firma sei ein Kreditinstitut.

Es geht einem unheimlich ans Sebstwertgefühl, wenn die Leistung nicht gewürdigt wird. Denn bei uns wird diese durch Zahlung des Kunden ausgedrückt. Wie ich diese Kunden hasse, die immer auf dicke Hose machen und anschliessend auf null Briefe reagieren, nicht ans Telefon gehen oder sich verleugnen lassen.

Aber wehe man geht selbst mal nicht gleich ans Telefon - die Welt geht unter - man hat ja auch keine anderen Kunden...

Ich bin in diesem Jahr bisher in 90% der Fälle meinem Geld hinterher gerannt. Meine Rücklagen gehen zur Neige, reichen noch für 2 Monate, wenn nichts dazwischenkommt.

Habe mich in Therapie begeben, aber meine Existenzangst hat mich fest im Griff. Immer wenn ich denke, es geht aufwärts, kommt der nächste Hammer.

Efeu

15.08.2014 08:44 • #4


Efeu
Habe dadurch mittlerweile Panikattacken, dann wird die Zunge taub, meine Arme hängen nur noch schwer herunter und alles kribbelt. Mein Kiefer ist total verkrampft, sodass sich mein Gebiss verschoben hat, was zu Rücken- und Kopfschmerzen führt.

Ich liege oft nachts wach und dann rechne ich hin und her. Das macht mich total fertig. Das greift auch meine Ehe an. Ich komme mir vor wie in einem Hamsterrad. Ich laufe und laufe - doch ich komme nie an.

Ich kann mich nicht an meinem Balkon erfreuen, weil ich nur sehe, was ich alles verlieren könnte. Meine Lebensfreude ist nach 14 Jahren Selbständigkeit an einem absoluten Tiefpunkt angelangt.

15.08.2014 08:53 • #5


Zitat von Efeu:
Habe dadurch mittlerweile Panikattacken, dann wird die Zunge taub, meine Arme hängen nur noch schwer herunter und alles kribbelt. Mein Kiefer ist total verkrampft, sodass sich mein Gebiss verschoben hat, was zu Rücken- und Kopfschmerzen führt.

Ich liege oft nachts wach und dann rechne ich hin und her. Das macht mich total fertig. Das greift auch meine Ehe an. Ich komme mir vor wie in einem Hamsterrad. Ich laufe und laufe - doch ich komme nie an.

Ich kann mich nicht an meinem Balkon erfreuen, weil ich nur sehe, was ich alles verlieren könnte. Meine Lebensfreude ist nach 14 Jahren Selbständigkeit an einem absoluten Tiefpunkt angelangt.

Ganz genauso geht es mir auch. Vielleicht sollten wir uns gegenseitig unterstützen in Zukunft. Nur so als Möglichkeit. Hab schon einige Male über dieses Thema geschrieben, nur habe ich keinen direkten Mitstreiter gefunden.
Meine Frau sagte gestern: Wir sind aus dem Urlaub wieder da und du sitzt da mit einer Leidensmine.
Sie arbeitet einen Monat, gibt ihren Stundenzettel ab und 2 Tage später ist das Geld da. Bei mir geht das betteln um Geld los was mir zusteht nach getaner Arbeit.

15.08.2014 08:57 • #6


Eins ist jedenfalls klar, unsere getrübte Lebensfreude, unsere Depression, beides ist nicht krankhaft, beides hat einen natürlichen Ursprung. Das sollte uns immer klar sein. Denn beides wäre nicht vorhanden wenn diese Gesellschaft eine andere wäre. Das ist keine Jammerei wie schlecht die Menschen sind, nein, diese Menschen da draußen haben kein Ehrgefühl mehr, sie sind abgebrüht und gefühlskalt, haben vollkommen vergessen wie man es nennt was sie da tun. In meinen Augen ist das Unterschlagung.

15.08.2014 09:12 • #7


Efeu
Ja, arbeiten gehe ich seit Mai noch zusätzlich halbtags, während mein Mann sich weiterhin um die Firma kümmert. Da ist die Bezahlung überhaupt kein Thema. Aber nur mit dem Verdienst allein, kann ich keinen 4-Personen-Haushalt wuppen.

Ich bekomme dadurch zumindest etwas Wertschätzung für meine Arbeit, hoffe ich.

Die meisten Mitmenschen denken doch, wir Selbständigen leben im Schlaraffenland: immer viel Freizeit, Kohle ohne Ende...
das Gegenteil ist der Fall: hohe Mieten, hohe Versicherungskosten, Termine bei Rechtsanwälten ( die ja schließlich auch nur gegen Bezahlung arbeiten). Du musst Geld in die Hand nehmen, um irgendwann mal zu deinem Geld zu kommen. Nur woher nehmen, wenn Kunde nicht zahlt?!

Das Schlimme ist: Ich weiß das ich alles tue das es läuft und trotzdem komme ich mir unfähig vor.

15.08.2014 09:16 • #8


Zitat von Efeu:

Das Schlimme ist: Ich weiß das ich alles tue das es läuft und trotzdem komme ich mir unfähig vor.


dito

und daher kommen unsere Ängste, vor Krankheiten, vor allem. Unsere Panikattacken und alles was dazugehört.
Therapie Ende könnte man sagen, alles erkannt. Nur wie ist die Gegenmaßnahme?

15.08.2014 09:17 • #9


Efeu
In meinen Augen ist das sogar vorsätzlicher Betrug.

Wenn ich eine Leistung in Anspruch nehme und dann nicht bezahlen will, ohne das ein Mangel vorliegt, ist das für mich schon vorsätzlich. Jeder kann in Notlagen geraten, aber einfach nicht reagieren geht gar nicht. Notfalls wird eine Ratenzahlung vereinbart, besser als nichts.

15.08.2014 09:19 • #10


Zitat von Efeu:
In meinen Augen ist das sogar vorsätzlicher Betrug.

Wenn ich eine Leistung in Anspruch nehme und dann nicht bezahlen will, ohne das ein Mangel vorliegt, ist das für mich schon vorsätzlich. Jeder kann in Notlagen geraten, aber einfach nicht reagieren geht gar nicht. Notfalls wird eine Ratenzahlung vereinbart, besser als nichts.

Wie ich schon sagte, Unterschlagung

15.08.2014 09:20 • #11


Bei mir im Handwerk kommt ja hinzu das ich meistens noch mit Materialkosten die schnell mal 4-5 tausend Euro erreichen in Vorkasse trete, treten muß da ich sonst den Auftrag gar nicht bekomme. Die leben also in meinem Geld und ....

15.08.2014 09:23 • #12


Schlaflose
Es hilft euch zwar nicht weiter, aber ich bin jemand, der seine Rechnungen immer gleich bezahlt. Ich rufe sogar in der Firma an, wenn eine Rechnung nach einiger Zeit nicht da ist, um nachzufragen, wo das bleibt. Mich macht es total wuschig, wenn ich irgendwo Schulden habe und kann nicht dann nicht schlafen.

15.08.2014 09:35 • x 2 #13


Zitat von Schlaflose:
Es hilft euch zwar nicht weiter, aber ich bin jemand, der seine Rechnungen immer gleich bezahlt. Ich rufe sogar in der Firma an, wenn eine Rechnung nach einiger Zeit nicht da ist, um nachzufragen, wo das bleibt. Mich macht es total wuschig, wenn ich irgendwo Schulden habe und kann nicht dann nicht schlafen.

Wenn alle so wären wie du dann wäre die Welt gerettet. Leider denken 99% den zu verbietetden Werbespruch: Geiz ist ge*l

15.08.2014 09:38 • #14


Was ich mir vorstellen könnte, wenn ich an eurer Stelle wäre:

Beim Kundengespräch ehrlich sein und ihm erzählen, dass die heutige Zahlungsmoral leider sehr schlecht ist und aufgrund dessen man immer Bedenken haben muss, dass man weiter machen kann. Daher möchte man doch darum bitten eine beiderseitige faire Lösung zu finden. Könnte sein eine Vorauszahlung, oder bei einem größeren Auftrag immer wieder mal eine Teilabrechnung - wöchentlich? - kein Geld, keine Fortführung der Arbeiten, oder Auflistung der Materialkosten und erstmal Übernahme dieser Kosten.

Weil, wenn man die Leute anspricht, dann gehören sie doch nie dazu, zu den nicht zahlenden. So was macht man doch nicht..... So können sie es beweisen. Und wenn man darauf nicht eingeht, dann weiß man schon, dass man dem Geld hinterherrennen muss und will man so einen Kunden dann überhaupt?

15.08.2014 10:13 • #15


Schlaflose
Zitat von mattes:
Leider denken 99% den zu verbietetden Werbespruch: Geiz ist ge*l


Das denke ich zwar auch bei Produkten, die ich kaufe (und auch immer alles gleich bar bezahle), aber wenn ich eine Leistung von jemandem erhalten habe, ist das etwas anderes. Ich denke, das liegt an meiner Erziehung. Bei uns war es immer so üblich, dass alles direkt bezahlt wird.

15.08.2014 10:14 • #16


Efeu
Ich bin auch im Handwerk selbständig, sowohl in der Montage als auch in der Projektionierungs- und Gutachterbranche.

Im Handwerk geht es oftmals noch um Restzahlungen die kommen müssen. Die Abschläge vorher lassen wir über ein Rechtsanwalts-Treuhandkonto laufen. Das funktioniert gut. Aber den Restzahlungen hinterher zurennen....

Im Projektionierungsbereich ist es sehr viel schlimmer. Alle wollen dein fachliches Feedback haben, wundern sich dann aber, wenn man diese Leistung auch bezahlt haben möchte. In meinem Bereich geht es dort schnell mal um hohe Summe. Du fährst 10 x zum Kunden hin, führst stundenlange Meetings, sitzt genauso lange noch im Büro und arbeitest aus. Und wenn die Rechnung gestellt wird, meint der Kunde: ach was, das war doch nur eine unverbindliche Anfrage....

Ganz ehrlich: Bei 10 Treffen!?

Da frage ich mich doch manchmal echt, ob manche Kunden auf dem Baum schlafen?!

15.08.2014 11:16 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Efeu
Und da bin ich genauso erzogen worden wie Schlaflos.

Mich macht es fertig, wenn ich meine Rechnungen nicht oder sehr viel später bezahlen kann. Eben weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn du dringend Geld erwartest und du dich nicht traust auf das Konto zu schauen, weil du ahnst, das auch diese Mal wieder nichts eingegangen ist. Und das Schlimme ist: Wenn gezahlt würde, müsstest du nicht diese Existenzängste haben.

Und wenn man dann auch noch so tolle Antworten vom Kunden bekommt wie: Das ist mir doch egal, dann melde ich eben Insolvenz an, wir sind ja ne GmbH....
dann könnte ich .....

Man kommt sich so ausgenutzt, betrogen, wertlos vor, das es gar kein Wunder ist, das man davon krank wird.

Aber wie findet man sein Gottvertrauen wieder, das man denkt, es würde sich alles zum Guten fügen?

Wie geht man damit um, das man seine Ruhe haben möchte und das Gehirn aber einfach nicht die Klappe hält?

Wie bekomme ich meinen inneren Taschenrechner aus dem Kopf?

Versteht mich nicht falsch: Ich benötige für mich selbst keinen Reichtum. Ich habe keine großen Ansprüche. Ich muß nicht 2 Autos besitzen, ein Haus haben, jedes Jahr in Urlaub fahren, Markenklamotten tragen.
Ich bin da recht einfach gestrickt.

Ich möchte nur fair behandelt werden, mehr nicht. Ich verlange nur das, was ich selbst auch leiste. Mehr nicht.
Manchmal frage ich mich, ob auf meiner Stirn steht: Mit mir kann man es machen, ich bin doof.

Muß ich den erst zum Ars..loch werden, damit ich irgendwie leben kann?!

15.08.2014 11:28 • x 1 #18


Zitat von Efeu:
Und da bin ich genauso erzogen worden wie Schlaflos.

Mich macht es fertig, wenn ich meine Rechnungen nicht oder sehr viel später bezahlen kann. Eben weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn du dringend Geld erwartest und du dich nicht traust auf das Konto zu schauen, weil du ahnst, das auch diese Mal wieder nichts eingegangen ist. Und das Schlimme ist: Wenn gezahlt würde, müsstest du nicht diese Existenzängste haben.



Man kommt sich so ausgenutzt, betrogen, wertlos vor, das es gar kein Wunder ist, das man davon krank wird.

Aber wie findet man sein Gottvertrauen wieder, das man denkt, es würde sich alles zum Guten fügen?

Wie geht man damit um, das man seine Ruhe haben möchte und das Gehirn aber einfach nicht die Klappe hält?

Wie bekomme ich meinen inneren Taschenrechner aus dem Kopf?

Versteht mich nicht falsch: Ich benötige für mich selbst keinen Reichtum. Ich habe keine großen Ansprüche. Ich muß nicht 2 Autos besitzen, ein Haus haben, jedes Jahr in Urlaub fahren, Markenklamotten tragen.
Ich bin da recht einfach gestrickt.

Ich möchte nur fair behandelt werden, mehr nicht. Ich verlange nur das, was ich selbst auch leiste. Mehr nicht.
Manchmal frage ich mich, ob auf meiner Stirn steht: Mit mir kann man es machen, ich bin doof.

Muß ich den erst zum Ars..loch werden, damit ich irgendwie leben kann?!


Diese Worte hätten von mir sein können, ich sehe es und mache es und denke genauso wie du

15.08.2014 11:44 • #19


Ich habs genau beobachtet, je mehr Belastung auf mich einwirkt, beruflich und privat, desto mehr achte ich auf Feinheiten an meinem Körper, auf Veränderungen oder, wie in den allermeisten Fällen angenommene Veränderungen. Auch treten die Symptome nur dann auf. In der Regel, wenn alles läuft, gut läuft, dann komm ich gar nicht auf die Idee.
Überbelastung, Unverständnis und ignorante Kunden als Auslöser von übertriebener Selbstwahnehmung und Angst/Panik. Kann das wirklich so sein? Mann kann nicht alles an Belastung abwerfen und Menschen ändern. Warscheinlich habe ich all das zu spät bemerkt. Hätte ich früher reagiert wäre es nicht so weit gekommen. Nun gilt es einen Weg da raus zu finden, nur wo soll man ihn suchen?

15.08.2014 13:50 • #20



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