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Hi

Durch meine damalige erste Vollzeitmaßnahme habe ich große Zukunftsängst entwickelt.
Ich habe wegen psychischen Problemen und Phobien noch nie in meinem Leben richtig gearbeitet. Als ich dann vor einigen Jahren Harz4 beantragt habe, kam ich prompt in eine Maßnahme zur Berufsfindung. Das Jobcenter meint, meine psychischen Probleme und Phobien ständen der Jobfindung nicht im Weg. Die Maßnahme war in Vollzeit, sodass ich immer erst nach 17:00 Zuhause war. Oft musste ich dort putzen und mich auch körperlich anstrengen. Ich war danach immer so müde, dass Haushalt, Einkauf etc. nur am Wochenende erledigt werden konnte. Ich habe eine Abneigung gegen Kantinenessen und mir daher jeden Abend ein schnelles Fertiggericht mit heißem Wasser zubereitet, um meinen Hunger irgentwie loszuwerden. Irgendwann war ich auch am Wochenende so erschöpft, dass ich mich an den Tagen nur noch ausruhen wollte, sodass meine Mutter kam, um sich um Haushalt usw. zu kümmern. Ich habe oft geweint, weil ich keine zeit mehr für schöne Dinge hatte; mein Leben bestand nur noch aus Arbeit, essen, schlafen, Arbeit, essen, schlafen....
Bis diese Maßnahme dann zu Ende war.

Im Anschluss darauf kam ich in eine neue Maßnahme. Allerdings dauerte diese täglich nur bis 14:00. Dort gings mir deutlich besser. Durch die 3 Stunden mehr freie Zeit am Tag habe ich endlich wieder geschaft, alles alleine zu bewältigen. Konnte richtig kochen, mich um mich selbst kümmern und dazu auch noch Dinge tun, die mich glücklich machen. Mir gings so gut, dass ich schon damals richtige Panik davor hatte, dass dies irgendwann vorbei sein würde.

Allerdings war auch diese Maßnahme irgendwann zu ende, und nun bin ich wieder in einer neuen VollzeitMaßanhme, bei der ich samt Busfahrt um 16:00 Daheim bin. Die Busfahrt daurt eine Stunde.
Dies mache ich jetzt ein Jahr, aber gewöhnen konnte ich mich immer noch nich daran. Sobald ich daheim bin, verzehre ich ein ungesundes Fertiggericht und muss mich ausruhen. Gucke dabei einen Film, der mich vom Alltag ablenkt und bestenfalls zum Lachen bringt; auch wenn der Drang zu weinen stärker ist. Nach ungefähr zwei Stunden fühle ich mich besser, aber dann ist der Tag zu Ende und ich bleibe im Bett und schlafe ein. Ich schlafe immer früh ein, weil ich morgends schon um 5:00 aufstehen muss, weil mein Bus so früh losfährt.

Wenn ich an meine Zukunft denke, wird mir schwarz vor Augen! Wenn ich mir vorstelle, dass das normaler Alltag in meinem Leben sein soll, so lange bis ich in Rente gehe, wird mir übel und schwindelig. Oft weine ich mich auch in den Schlaf. Tage die nur aus Arbeit, essen, schlafen bestehen sind für mich verlorene, wertlose Tage, an denen viele depressive Gedanken entstehen.

Ich traue mich aber nicht zu sagen, dass ich nicht Vollzeit arbeiten mag, weil ich Angst vor den Vorurteilen und bösen Blicken habe, die mich als "Faul" abstempeln.
Ich weiß dass Vollzeit in der Gesellschaft normal ist und es sehr schwieirig ist, einen Job zu finden, von dem man auch in Teilzeit Leben kann.
Aber ich brauche nicht viel Geld und das einzige, was ich mir kaufen wollen würde, wäre kein schickes Auto und keine Reise, sondern mehr Zeit! Doch dies ist das einzige, was man nicht kaufen kann.

Was meint ihr dazu und was würdet ihr an meiner Stelle tun?

06.06.2018 07:05 • 15.05.2019 x 4 #1


67 Antworten ↓


Dem Jobcenter mitteilen dass ich nur 20 Std. Arbeiten will, und mit der Konsequenz leben (u. U. weniger Geld ) wobei das bei ALG2 Bezug ja keinen Unterschied macht

06.06.2018 07:40 • x 2 #2



Angst, wegen Arbeit keine Zeit mehr zum Leben zu haben

x 3


Schlaflose
Zitat von Mirella:
Ich traue mich aber nicht zu sagen, dass ich nicht Vollzeit arbeiten mag, weil ich Angst vor den Vorurteilen und bösen Blicken habe, die mich als "Faul" abstempeln.
Ich weiß dass Vollzeit in der Gesellschaft normal ist und es sehr schwieirig ist, einen Job zu finden, von dem man auch in Teilzeit Leben kann.


Wie kommst du denn darauf? Gerade bei Frauen ist Teilzeitarbeit gang und gäbe, weil sie sich in erster Linie auch noch um Haushalt und Kinder kümmern. Ich bin seit 1989 berufstätig und habe nie Vollzeit gearbeitet, obowohl ich schon immer partnerlos und kinderlos war. Es hat mich noch nie jemand als faul bezeichnet oder schlecht von mir gedacht, zumindest nicht offen. Und wenn doch, wäre es mir völlig egal. Mein Motto ist, ich arbeite, um zu leben und nicht umgekehrt. Für mich alleine hat das Geld immer gereicht. Was will man mit mehr Geld, wenn man keine Zeit hat, es auszugeben?

06.06.2018 16:09 • x 4 #3


YesItsMe0
Zitat von Schlaflose:
Ich bin seit 1989 berufstätig und habe nie Vollzeit gearbeitet, obowohl ich schon immer partnerlos und kinderlos war. Es hat mich noch nie jemand als faul bezeichnet oder schlecht von mir gedacht, zumindest nicht offen. Und wenn doch, wäre es mir völlig egal. Mein Motto ist, ich arbeite, um zu leben und nicht umgekehrt. Für mich alleine hat das Geld immer gereicht. Was will man mit mehr Geld, wenn man keine Zeit hat, es auszugeben?


Eben! Jeder musst selbst entscheiden wie er leben möchte.

Was Mirella schildert ist der ganz normale Alltag eines Vollzeitarbeitenden. Ich studiere zurzeit und verlasse morgens das Haus um 7 Uhr und komme erst um 19 Uhr heim. Dann eine kurze Pause machen und entweder todmüde schlafen oder noch etwas machen. So geht es nicht nur mir sondern vielen.

Wenn du Teilzeit arbeiten willst bitte schön aber dann auf eigene Tasche. Insofern finde ich die Maßnahmen vom Jobcenter richtig schließlich lebst du auf Kosten des Steuerzahlers.

06.06.2018 21:24 • x 5 #4


Geht der Trend über Work Life Balance nicht eh Richtung Schwerpunkt Life statt Work (na oder so ähnlich ihr wisst schon) - ich finde es völlig legitim sich für ein kleineres Stundenmodell zu entscheiden, wenn man damit happy ist. Und es finanziell natürlich realisierbar ist.

Ansonsten mach dir erstmal keinen zu großen Kopf - denn es gibt ja auch noch weitere Stellschrauben. Ist der Job denn das Richtige für dich? Gäbe es einen Job, der dir mehr Spaß bereitet (und bei dem der Gedanke daran, ihn in Vollzeit auszuüben, vielleicht gar nicht mehr so dramatisch ist?)? Magst du dir vielleicht für die Zeit nach der Arbeit mal überlegen, was du tun möchtest? Das kann dabei anfangen, dass du dir essenstechnisch was Gutes tust, statt Fertigessen zu wählen - eine kleine Sporteinheit - eine Serie - ein gutes Buch - jemanden besuchen - etc pp. Wenn die relativ kurze Feierabendzeit mit schönen Inhalten gefüllt wird, wirkt sie auch nicht mehr, als wenn sie einem durch die Finger rinnt - empfinde zumindest ich häufig so

06.06.2018 22:14 • #5


Veritas
Tu das, was für dich machbar ist. Was andere denken mögen, ist unwichtig³.

"Tage die nur aus Arbeit, essen, schlafen bestehen sind für mich verlorene, wertlose Tage, an denen viele depressive Gedanken entstehen."

Stimmt schon, aber ohne Moos nix los. Wer Geld haben möchte, muss halt (VZ) schuften... Ich schlafe immer extra wenig, damit Ich mehr Freizeit habe. Wenn Ich 8 Stunden Schlaf hätte, bliebe ja eine noch lächerlichere Stundenanzahl an Freizeit als es jetzt schon der Fall ist.

06.06.2018 23:52 • x 3 #6


Wie ich schon sagte, mein Ziel ist es kein Harz4 mehr zu bekommen und einen Job zu finden. Das soll jedoch ein Job sein, den man nicht in Vollzeit ausüben muss, und wo der Verdienst dennoch ausreicht. Mir reicht eine kleine Wohnung und wenig Geld. Mittlerweile ist mir sogar ziemlich egal, welche Tätigkeiten ich mache, so lange ich dabei nicht dauerhaft stehen muss, sonst habe ich Schmerzen.

Ich habe keine Kinder und deswegen sagen die anderen immer, dass es mein Ziel sein soll, irgendwann in Vollzeit zu Arbeiten. Für die Meisten ist das selbstverständlich. Genauso wie für das viele Geld, dass sie dadurch verdienen für ne Woche in Urlaub zu fliegen. Ich weiß, dass so ein Leben der ganz normale Alltag eines Vollzeitarbeitenden ist. Und das macht mir Angst. Die Menschen wissen, dass es normal ist und machen sich keine Gedanken. Viele haben nur am Wochenende Zeit für sich selbst, können aber auch diese Zeit nicht nutzen, weil sie den Haushalt machen, Einkaufen oder anderes Erledigen müssen. Und das ist Normal, weil sie es gewohnt sind.
Ich selbst habe am Monatsende oft noch Geld übrig, weil ich nie Zeit oder abends die Motivation habe, noch ins Kino zu gehen oder etwas anderes zu unternehmen. Ich habe das Gefühl, dass selbst sowas mir Zeit raubt, die ich zB. brauche, um mein Tagebuch zu schreiben. Schlafen ist mir auch wichtig, weil ich mich immer erholt und ausgeruht fühlen möchte. Im Schlaf kann ich den Alltag vergessen. Und auch für Essen bezahle ich nie viel, weil ich keine Zeit zum Kochen habe und die täglichen Nudelbecher nur ein paar Cent kosten. Oft trinke ich Energy Getränke, damit ich nach Feierabend nicht sofort im Bett lande und noch etwas Kraft bekomme, um zu Putzen oder zu Duschen. Das hilft. Ich weiß, dass das nicht gesund ist, aber wenn ich mir die Tage im Rückblick durch den Kopf gehen lasse, ist es mir irgentwie auch egal. Dann kommen die Depressionen wieder und ich grüble darüber nach, was das Leben füt einen Sinn haben soll, wenn man es so gut wie nie Zeit hat, um das zun tun, was einem wichtig ist oder glücklich macht. Ich selbst kenne ich Leute die von einem Teilzeitjob Leben können, aber wie die das machen oder den bekommen haben ist eine andere Frage...

Bin ich denn ein schlechter Mensch, wenn ich so ein normales Leben ablehne?

07.06.2018 08:14 • #7


Luna70
Nein natürlich bist du kein schlechter Mensch wenn du nur Teilzeit arbeiten möchtest. Wenn mir das Geld lang würde, würde ich meine Stunden auch reduzieren.

07.06.2018 09:00 • #8


Schlaflose
Zitat von Mirella:
Bin ich denn ein schlechter Mensch, wenn ich so ein normales Leben ablehne?


Dann wäre ich auch ein schlechter Mensch, aber so fühle ich mich definitiv nicht. Ich tue ja keinem etwas Böses damit an, indem ich so lebe.

07.06.2018 15:49 • #9


klara84
@Mirella

Ich möchte mich entschuldigen für alle unsensiblen, unfreudlichen, verständlosen Kommentare die du bekommen hast. Furchtbar ist das.
Und dann gibt es da noch Daumen hoch für. In einem Forum für psychisch Kranke! (Bin auch etwas durch deine anderen Beiträge "geflogen".)
Die Leute die sowas machen: Euch ist in eurem Leben auch noch nichts Gutes passiert, oder?! Ich wünsche euch das euch mal was gutes passiert. Nehmt euch mal selbst in den Arm, wenn da vielleicht sonst niemand ist oder war. Wurdet/werdet ihr viel runtergedrückt? Macht andere runter zu drücken es besser? Das mal dazu.

Ich kann dich ganz genau verstehen, es geht mir genauso.

Jeden Tag aufstehen und wissen das andere für einen arbeiten gehen, ich finde das auch nicht schön. Aber ich weiß auch nicht was ich machen soll.
Ich "funktioniere" auch einfach nicht, bin für diese Arbeitswelt auch nicht geschaffen. Habe aufgrund meine psychischen Probleme auch noch keinen Tag gearbeitet.

Bin momentan auch in einer Arbeitsmaßnahme. Bin heute morgen nicht aus dem Bett gekommen, habe einen Urlaubstag genommen.
Die letze Maßnahme habe ich nach zwei Monaten auch abgebrochen. Vielleicht muss ich diese auch wieder abbrechen. Vielleicht bleibt nur die behinderten Werkstatt am Ende. Ich kann auch dieses funktionieren müssen nicht ab. Würde gerne frei sein.

Habe heute 3 Stunden Jobsuche betrieben, aber auch kein Plan was ich machen/schaffen könnte.

Wie kann man psychische kranke Leute als Faul bezeichnen? Ja wir leben auf den Kosten der arbeitenden Bevölkerung. Aber sollen wir uns umbringen? Sollte man uns besser abknallen? Ich könnte kotzen, echt. Genau, von sowas bekommt man dann noch den Rest. Na vielen Dank.

Liebe Mirella, wenn du mit deinen psychischen Problemen es wirklich mal schaffst in Teilzeit arbeiten zu gehen, so wäre das doch super. So machst du etwas und niemand kann dir vorwerfen faul zu sein. Denn du bist krank, machst aber trotzdem etwas. Normale, gesunde Menschen werden von Arbeit krank. Wie sollen wir, die schon immer krank waren, das schaffen?

Für uns bleibt:
-"selbstbewußt" Teilzeit arbeiten (man liegt dem Staat nicht komplett auf der Tasche) und sich irgendwie durchzuwurschteln, von Job zu Job, bis man vielleicht das passende findet
- arbeiten in einer behinderten Werkstatt für psychisch Kranke, muss man schauen ob das für einen was ist, vielleicht irgendwann mal als letze Möglichkeit (bin ich auch noch nicht soweit, werde auch nicht so eingestuft vom Arzt/psychologischen Dienst
- Sozialhilfe beantragen, bekommt man nicht so leicht bzw. du und ich (schätze das jetzt mal so ein) sind schon arbeitsfähig, aber eben nicht so belastbar und wer stellt denn einen psychisch Kranken ein

- allein, zu Hause, mit viel Freizeit kommt man einigermaßen klar, muss man arbeiten, je nach Stress- und Zeit/Drucklevel bricht man ein und Symptome verschlimmer sich oder neue kommen hinzu, so geht es mir auch

Es dreht sich alles im Kreis. Leider kann ich dir auch nicht helfen. Kann dir nur sagen, dass ich dich verstehe. Bin auch zufällig auf deinen Beitrag gestoßen, weil mich genau das heute auch wieder beschäftigt hat.

Wenn man sich vor den Zug geschmissen hat, ja dann wissen die Leute wie schlimm es für einen war. Dann, wenn es zu spät ist.

Es bleibt uns nur durchzuhalten, jeden Tag zu sagen, ich mach was ich kann, ich probier, ich halte durch. Ich bin ein guter und wertvoller Mensch, auch wenn ich in der Kategorie "jeden Tag gut zu funktionieren" nicht so gut funktioniere.

Du lebst in einer kleiner Stadt oder? In einer größeren hättest du vielleicht mehr Möglichkeiten und Fahrtwege wären kürzer.
Hab ich das richtig rausgelesen(anderer Beitrag)? Du möchtest keine Therapie machen? Liest du Selbsthilfebücher?
Wurde deine Arbeitsfähigkeit eigentlich mal von einem Amtsarzt/psychologischen Dienst festgestellt/eingestuft?

LG
klara

11.06.2018 18:37 • x 2 #10


ollie69
Zitat von Mirella:
ch grüble darüber nach, was das Leben füt einen Sinn haben soll, wenn man es so gut wie nie Zeit hat, um das zun tun, was einem wichtig ist oder glücklich macht. Ich selbst kenne ich Leute die von einem Teilzeitjob Leben können, aber wie die das machen oder den bekommen haben ist eine andere Frage...

Bin ich denn ein schlechter Mensch, wenn ich so ein normales Leben ablehne?


Ich sehe das genauso...Vollzeit ist im Grunde verschwendete Lebenszeit, es sei denn es ist dein Traumjob... Man hakt Mo-Fr einfach ab und lebt nur fürs Wochende. Man müßte es wie die Südländer machen: Nach der Arbeit fängt das Leben erst an...aber dazu ist der Feierabend zeitlich zu kostbar und es bleibt nur der entspannende Kurzurlaub auf der Couch...

Mein letzter Job bei der Post war Teilzeit... eigentlich ein Traum 3 Tage Arbeiten 4 Tage frei! Sehr hobbyfreundlich. Für mich ein Traum und ich konnte davon eigentlich gut leben...war aber nur befristet und leider viel zu anstrengend...wenn du mit ca 900-1000 Euro auskommst,steht dir die Teilzeitwelt offen

11.06.2018 19:12 • #11


Hi
Ja ich wohne in einer Kleinstadt und einfache Büroberufe wo man zumindets nicht dauerhaft stehen muss gibt es hier kaum. Mittlerweile sind mir alte Wünsche wie meinen Traumberuf zu finden oder eine Ausbildung in jenem Bereich zu machen gar nicht mehr so wichtig. Ich würde sogar mit Kunden arbeiten, an der Kasse, was ich damals immer gefürchtet und abgelehnt habe, einfach weil es häufig nur ein Teilzeitjob ist. Oder in einer Fabrik arbeiten. Die Arbeit ist nicht komptliziert und der Verdienst ausreichend, sodass man dort in Teilzeit arbeiten kann und genug Geld zum Leben bekommt. Wären nicht die die Bedingungen so grauenhaft; man steht unter Zeitdruck, muss im Akkord möglichst viel in wenig Zeit schaffen und immer im Stehen arbeiten, weil das angeblich produktiver ist.
Arbeit in einer behinderten Werkstatt würde mich widerum unterfordern. Ich war dort einmal kurz und die Arbeitszeiten sind dort auch bis spät Nachmittags. Würde man da in Teilzeit gehen, wäre der Verdienst wiederum zu gering.

Zur Zeit bin ich in einer Therapie (Hier in der Einrichtung in der ich auch lebe), aber die Therapeuten meinen, ich solle erst meine größeren Probleme und Ängste bewältigen, bevor ich mich um Arbeit kümmern soll. Daher habe ich auch nächste Woche einen Termin beim Amtsarzt, wo meine Arbeitsfähigkeit genauer untersucht wird. Ein wenig Angst habe ich schon, dort meine Probleme zu schildern. Auch davor, zu offenbaren, wie tief meine Ängste und die Furcht vor der Sache mit der Zeit ist und welche Gedanken dies auslöst, denn ich will nicht in einer Psychiatrie landen.

In meiner jetzigen Maßanhme wurde meine Zeit nun ein wenig gekürzt, sodass ich früher heimkomme, um etwas weniger Stress zu haben und Zeit zum Kochen zu haben. Auch wenn mich das ein wenig entlastet fürchte ich die Zukunft und den normalen Alltagsstress, der mich irgendwann wieder erwartet.

12.06.2018 15:36 • #12


klara84
@Mirella

Lass dich erstmal vom Amtsarzt abchecken, es wird dir sicherlich eine eingeschränkte Arbeitszeit attestiert. Eins nach dem anderen. Vielleicht probierst du ja doch mal eine Therapie zu machen. Ich hab in den Therapiesitzungen auch oft geweint, das ist normal und nichts wofür man sich schämen muss, auch wenn man es selbst natürlich nicht toll findet.

Und du brauchst keine Angst haben in die Psychatrie zu kommen, du bist weder eine Gefahr für dich selbst (keine Selbstmordabsichten) noch für andere( aggressiv gegenüber anderen). Und du drückst dich sehr gut aus, bist klar im Kopf. Da gibt es keinen Grund für eine Einweisung.

LG
Klara

12.06.2018 22:22 • #13


Hm ich wüsste jedoch auch nicht, wie die Therapie in diesem Fall helfen soll. Wenn ich nach der Therapie irgendwann einen Vollzeitjob bekomme werde ich weniger Zeit für andere Dinge haben. Das ist fakt. Das lässt sich auch nicht in einer Therapie schönreden. Dabei gehts nichtmal um Hobbys sondern einfach darum, stressfrei zu leben.
Meine Mutter hat beispielsweise einen Vollzeitjob. Jeder Tag endet mit Einkauf, essen, Fernsehen. Sie beklagt sich oft, ist erschöpft, ändert aber nichts daran, weil es für sie das normale Leben ist. Ihr reicht das freie Wochenende.

Nein ernste Selbstmordabsichten habe ich nicht! Allerdings kommt mir oft der Gedanke mich selbst aufzugeben, sobald ich mir Vorstelle, dass ich irgendwann so ein Vollzeit- Leben führen muss, in dem ich wirklich keine Zeit mehr für mich selbst habe und mir alles egal wird. Nur fürs Wochenende zu leben, weil die Gesellschaft dies als Normal empfindet und sich daher jeder anpassen muss...
Das traue ich mich aber nicht anderen Therapeuten davon zu erzählen. Ich habe wirklich Angst, deswegen eingewiesen zu werden; in eine Klinik wo ich eine Gehirnwäsche bekomme, damit ich nicht mehr so denke und das normale Leben wie die Gesellschaft es vorschreibt wortlos akteptiere. So wie meine Mutter es tut.

14.06.2018 07:01 • x 1 #14


klara84
@Mirella

Zitat:
Ich habe wirklich Angst, deswegen eingewiesen zu werden; in eine Klinik wo ich eine Gehirnwäsche bekomme, damit ich nicht mehr so denke und das normale Leben wie die Gesellschaft es vorschreibt wortlos akteptiere.


Deswegen wird man nicht in eine Psychatrie eingewiesen. Das wäre ja auch noch schöner. Das sind ganz normale Lebens/Belastungs-Ängste. Nein, da brauchst du wirklich keine Angst zu haben.

Zitat:
Hm ich wüsste jedoch auch nicht, wie die Therapie in diesem Fall helfen soll. Wenn ich nach der Therapie irgendwann einen Vollzeitjob bekomme werde ich weniger Zeit für andere Dinge haben. Das ist fakt. Das lässt sich auch nicht in einer Therapie schönreden. Dabei gehts nichtmal um Hobbys sondern einfach darum, stressfrei zu leben.


Eine Therapie ist auch dazu da nachzureifen. Und wenn du nachreifst und deine Ängste ablegen kannst, wird automatisch der Wunsch größer für sich selbst zu sorgen(denn dann hast du ja auch automatisch mehr Kraft über). Selbst wenn das bedeutet, das man in der Woche nicht mehr so viel Zeit hat für sich, bzw. vielleicht nimmst du das auch garnicht mehr so stark war, weil du schneller "runterkommst" und deine Ängste dir nicht mehr so viel Kraft rauben wenn du unter Menschen bist. Verstehst du? Also probier das mal, mach das für dich.

14.06.2018 22:45 • x 1 #15


Schlaflose
Zitat von Mirella:
Das traue ich mich aber nicht anderen Therapeuten davon zu erzählen. Ich habe wirklich Angst, deswegen eingewiesen zu werden; in eine Klinik wo ich eine Gehirnwäsche bekomme, damit ich nicht mehr so denke und das normale Leben wie die Gesellschaft es vorschreibt wortlos akteptiere.


Was hast du denn für vorsintflutliche Vorstellungen von einem Klinikaufenthalt? Heutzutage wird selbst in der geschlossen Psychiatrie nicht mit solchen Methoden gearbeitet. Und eingewiesen wird man nur, wenn man für sich selbst oder für andere eine Gefährdung darstellt.

Ich habe schon etlichen Therapeuten gesagt, dass ich am liebsten überhaupt nicht arbeiten würde. Keiner hat da irgendwie negativ reagiert. Ich bekam höchstens den Rat, einen reichen Mann zu heiraten. Da eine Beziehung für mich aber nie in Frage kam, blieb mir nichts anderes übrig als zu arbeiten. Ich bin froh und glücklich, dass ich es schaffe, wenigstens Teilzeit zu arbeiten. Meine Therapien waren in erster darauf abgezielt, meine Arbeitsfähigkeit so zu erhalten, dass es für die Teilzeit reicht.

15.06.2018 12:04 • x 1 #16


Kay912
Hat denn einer von euch den Weg geschafft? Also, den Job hingeschmissen und was eigenes aufgebaut, um unabhängig zu sein?
arbeitet ist verschwendete Lebenszeit, aber nur für die, die es so sehen ich sehe es aber auch so, obwohl ich eigentlich gerne arbeiten gehe. Wenn man aber überlegt, dass die meisten ( ich auch) doch nur arbeiten gehen, um steuern, Sozialbeiträge, Rechnungen und Miete zu bezahlen, nur um sich dann am Ende zu fragen, wofür man gelebt hat, dann kann ich für mich sprechen und sagen: das will ich ändern.
Klar hat man auch Freizeit, aber wofür leben wir denn wirklich? Wenn man mal ausrechnet, verbringne die meisten Menschen (40 std Woche, 45 Jahre Arbeit) 10 Jahre Ihres Lebens auf der Arbeit.
Die Zeit Kann man auch gut anders nutzen.

15.06.2018 12:40 • x 1 #17

Sponsor-Mitgliedschaft

klara84
@Mirella

Mit dem akutellem Mindestlohn, hätte man bei 30 Stunden, 863 Euro netto raus. Ist knapp aber vielleicht reicht dir das ja.

Und so lange du krank bist, wird das Jobcenter "froh" sein wenn du es schaffst Teilzeit arbeiten zugehen.

Und wegen dem ungesunden Essen, ich kenne das auch, finde einfache Gerichte oder schmier dir einfach ne Stulle schön belegt mit Tomate oder Gurke.

Das war mir noch eingefallen.

LG
Klara

16.06.2018 22:36 • #18


klara84

17.06.2018 22:28 • x 1 #19


Schlaflose
Zitat von Kay912:
Hat denn einer von euch den Weg geschafft? Also, den Job hingeschmissen und was eigenes aufgebaut, um unabhängig zu sein?


Was meinst du mit etwas eigenes aufgebaut? Selbstständigkeit? Wenn ja, dann ist das noch sehr viel stressiger als im Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Die meisten Selbstständigen arbeiten wesentlich mehr als 40 Stunden die Woche und sind gegen Krankheit und Arbeitslosigkeit schechter abgesichert.

18.06.2018 15:48 • #20



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