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Hallo,

ich habe aufgrund einer Erschöpfungsdepression mit Angststörung im Februar 2014 Paroxetin 20mg verschrieben bekommen. Es half, aber ich hatte auch Nebenwirkungen, die mir dafür an anderer Stelle das Leben schwer machten.

Im November 2014 wurde dann in einer Reha die Dosis auf 10mg reduziert. Seither geht's mir deutlich besser und es sind fast alle unerwünschten Nebenwirkungen weg. Lediglich die Gewichtszunahme ist geblieben. Ich hab von Februar bis November letztes Jahr von ca. 78kg (bei 1,82m) auf gut 88-90kg zugelegt. Seit der Dosisreduzierung ist zumindest der Gewichtsanstieg gestoppt. Jedoch nerven mich die zusätzlichen gut 10-12 kg, die ich immer noch mit mir herum trage.

Wenn alles weiterhin gut verläuft, dann hat mir mein Psychiater in Aussicht gestellt, dass ich das Medikament im Herbst ganz absetzen kann. Ich bin zwar echt froh, dass es mir im Vergleich zu vor ca. 1,5 Jahren als ich echt am Ende war wieder soooooo viel besser geht. Aber mit den zusätzlichen Kilos fühl ich mich schlichtweg einfach nicht wohl. Ich hab die große Hoffnung, dass mit dem Absetzen der Tabletten auch die zusätzlichen Kilos verschwinden.

Hat einer von euch gute Erfahrungen gemacht, dass nach dem Absetzen tatsächlich die zusätzlichen Kilos wieder verschwinden? Und wenn ja wie lange hat das gedauert? Genauso lange wie die Kilos dazugekommen sind oder länger oder kürzer?

Habt ihr Tipps wie ich die zusätzlichen Kilos wieder los werde auch wenn ich das Medikament vielleicht doch noch nicht im Herbst absetzen darf?

Vielen Dank vorab an jeden, der sich hier zu diesem Thema beteiligt.

Alles Gute, der ParoxetinUser

15.07.2015 21:33 • 19.07.2015 #1


24 Antworten ↓


Perle
Hallo,

ich nehme Fluoxetin und habe bisher etwa 7 KG zugenommen. Das war die früheren Male, als ich es nehmen musste auch der Fall bzw. nahm ich damals sogar noch einiges mehr an Kilos zu. Ich wusste also, was mich erwartet. So lange ich es nehme, kann ich froh, wenn ich nicht weiter zunehme. Ich muss also stark auf mein Essverhalten achten und mich ausreichend bewegen.

Bei mir ging es damals nach Ausschleichen mit den Kilos wieder runter, parallel bin ich viel walken gegangen. Ich hoffe, es wird dieses Mal auch so sein.

Also, ich finde abnehmen während der Einnahme des AD leider sehr schwierig. Aber das heißt ja nicht, dass es nicht bei Dir klappen könnte, wenn Du Dich ordentlich sportlich betätigst.

LG, Martina

15.07.2015 21:49 • x 1 #2



Paroxetin 10 bis 12 kg Gewicht zugenommen

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Bewegung und Kaffee hilft. Und anderer ssri als paroxetin, da dieser die Gewichtszunahme besonders fördert.

Ansonsten helfen alle Psychostimulanzien egal ob synthetisch oder natürlichen Ursprungs. Diese sind allerdings bei Ängsten nicht unbedingt förderlich.

15.07.2015 22:03 • x 1 #3


Danke ihr zwei.

Schön zu hören, Martina, dass Du gute Erfahrungen beim Absetzen und damit gleichzeitiger Gewichtsnormalisierung gemacht hast.

Sport ist in der Tat bei mir im Zusammenhang mit der Erkrankung runtergegangen. Ich konnte (als Triathlet) irgendwann mit meiner Angststörung nicht mehr ins Schwimmbad oder auf's Rennrad. Bin froh, dass ich auch dank der Medikamente irgendwann letztes Jahr wieder in der Lage war schwimmen zu gehen. Das war Ende 2013 / Anfang 2014 total mies, dass ich am Beckenrand im Schwimmbad stand und dachte ich komm da nicht mehr lebend raus.
Im Vergleich dazu nehm ich (vorübergehend) die zusätzlichen Kilos in Kauf. Ein Medikamentenwechsel auf ein anderes Präparat kommt für mich erst dann infrage, wenn der Psychiater im Herbst doch nicht mehr das Ausschleichen befürwortet.

Apropos Ausschleichen. Sollte ich eurer Erfahrung nach auch bei der Mini-Dosis von 10mg nochmal weiter reduzieren oder kann ich das auch probieren gleich ganz abzusetzen? Wäre jeden zweiten Tag 10mg zu nehmen noch eine empfehlenswerte Variante?

15.07.2015 22:23 • #4


Paroxetin ist extrem schwierig abzusetzen und daher sollte man es besonders behutsam tun.

15.07.2015 22:24 • #5


Zitat von Serthralinn:
Paroxetin ist extrem schwierig abzusetzen und daher sollte man es besonders behutsam tun.


Hab ja schon in anderen Threads gelesen, dass Du Dich mit diversen Medikamenten stark auseinandergesetzt und viel Wissen aufgebaut hast. Was würdest Du demnach eher empfehlen? 10mg ist doch schon die kleinste Tabletteneinheit. Ich hab zudem auch noch die 20mg, von denen ich jeden Tag eine halbe nehme. Ist ja am Ende das Gleiche.

Bisheriger Verlauf Medikamenteneinahme = ca. 3/4 Jahr 20mg und anschließend ca. 3/4 Jahr 10mg. Was wäre deiner Einschätzung nach der nächste sinnvolle Schritt? Immer vorausgesetzt, dass der Gesundheitszustand so gut bleibt wie er jetzt ist, nämlich seit ca. 1 Jahr keine Panikattacken mehr.

Der Wunsch das Übergewicht loszuwerden ist nämlich mittlerweile sehr groß.

15.07.2015 22:46 • #6


Manchmal wechselt man paroxetin auf Fluoxetin und setzt das ab , da es sich extrem langsam abbaut und daher kaum Probleme macht.

15.07.2015 23:27 • #7


Zitat von Serthralinn:
Paroxetin ist extrem schwierig abzusetzen und daher sollte man es besonders behutsam tun.


Man sollte das nicht verallgemeinern denn jeder Mensch reagiert anders.
Ich habs über Nacht abesetzt von 30mg auf 0 mg wegen Herz/Kreislaufbeschwerden und hatte weder Entzugserscheinungen noch andere Probleme.
Ob das jetzt Glück war oder mein Körper recht gut mit einem kalten Entzug zurechtkommt kann ich nicht sagen.
Ich hab auf jeden Fall 7 kg mit Paroxetin zugenommen und hab die jetzt etwa 2 Jahre danach immer noch

16.07.2015 00:14 • x 1 #8


Hallo Faultier,

danke für die Antwort. Schön, dass das direkte Absetzen keine Probleme bereitet hat.

Sind denn nach dem Absetzen des Medikaments die Symptome, gegen die das Medikament ursprünglich mal verschrieben wurde, zurückgekommen oder war auch damit dann "alles gut"? Wie lange hast Du Paroxetin genommen? War die Dosis die ganze Zeit immer 30mg? Hast Du eigentlich versucht die 7kg wieder runter zu bekommen oder stört Dich das nicht weiter, weil Du Dich damit vielleicht sogar ganz wohl fühlst? Welche Erfahrungen hast Du sonst mit dem Absetzen gemacht?

Würde mich riesig freuen, wenn Du mir nochmal antworten magst. Besten Dank vorab.

16.07.2015 08:06 • #9


Meine Psychotherapeutin war heute zum ersten Mal der Auffassung, dass ich in ein paar Wochen doch ruhig mal einen Versuch starten könnte das Paroxetin abzusetzen. Sie versteht da meinen Psychiater nicht so ganz, warum der bis zum Herbst warten will. Ihrer Auffassung nach würde man i.d.R. nie zum Herbst/Winter hin ein AD absetzen.

Aufgrund ihrer Berufserfahrung war sie auch der Meinung, dass Patienten die unter AD an Gewicht zulegen, dies auch i.d.R. während der Einnahmezeit selten wieder verlieren. Aber sie schätzt die Chancen auf Rückkehr zum alten Gewicht als gut ein.

Das freut mich doch, dass ich offensichtlich die letzte Zeit einen zunehmend stabileren Eindruck mache und sie so zu dieser Empfehlung kommt. Jippie

Und dann löst sich mein Übergewichtsthema hoffentlich auch bald. Ich freu mich

16.07.2015 21:13 • #10


Perle
Hallo,

ich finde, dass Deine Therapeutin Recht hat, was den Zeitpunkt anbelangt. Gehe es jetzt demnächst an - ich drücke Dir die Daumen - Du schaffst das!

LG, Martina

16.07.2015 21:17 • x 1 #11


Hallo Martina, vielen Dank für die aufmunternden Worte. Freu mich über die Unterstützung.

16.07.2015 21:33 • #12


Zitat von ParoxetinUser:
Hallo Faultier,

danke für die Antwort. Schön, dass das direkte Absetzen keine Probleme bereitet hat.

Sind denn nach dem Absetzen des Medikaments die Symptome, gegen die das Medikament ursprünglich mal verschrieben wurde, zurückgekommen oder war auch damit dann "alles gut"? Wie lange hast Du Paroxetin genommen? War die Dosis die ganze Zeit immer 30mg? Hast Du eigentlich versucht die 7kg wieder runter zu bekommen oder stört Dich das nicht weiter, weil Du Dich damit vielleicht sogar ganz wohl fühlst? Welche Erfahrungen hast Du sonst mit dem Absetzen gemacht?

Würde mich riesig freuen, wenn Du mir nochmal antworten magst. Besten Dank vorab.


Also schwere Angst und Panikattacken hatte ich die letzten 2 Jahre ohne Paroxetin keine mehr.
Es jst noch eine gewisse Unruhe da und ich bin körperlich auch so gut wie kaum mehr belastbar ( Frührenter),aber das sind wohl nicht die Folgen der Therapie mit Paroxetin,sondern die der über Jahre nicht bzw falsch/ nicht ausreichend behandelten mittelschweren Depression.

Ich hab Paroxetin mehrmals genommen einmal Anfang 2000 ca 1/2 Jahr,dann bei einem Rückfall etwa 2010 gut 1 Jahr und dann nochmal 2013 wieder bei einem Rückfall knapp 1/2 Jahr.
Hat immer prima geholfen bis 2013 da ging dann der Blutdruck rauf und ich bekam Herzrasen durch das Medikament.
Es ging los mit 10 mg bis 30 mg (40 mg sollte ich nehmen war aber unerträglich)
Klar hab ich versucht wieder abzunehmen aber das ging nicht
Ernährungsumstellung,Diät usw alles für die Katz...kurzfristig gings 4-5 kg runter dann aber gleich wieder rauf.

Ich fühl mich mit meinen jetzt 99 kg bei 176 cm nicht wirklich unwohl,trotzdem hätte ich gerne 5-10 kg weniger weil der Blutdruck bei mir doch ziemlich spinnt
Mit 8 mg Candesartan bekomm ich ihn zwar auf unter 120/80 aber ohne Medikamente wär das natürlich besser und vor alle gesünder

Das Absetzten hat mir wie gesagt keine Probleme bereitet bis aufs Übergewicht.
Ich hatte zuerst auch Angst weil mein Hausarzt zu mir meinte das wird ein Höllentrip aber da hat er sich wohl mächtig geirrt

17.07.2015 13:41 • x 1 #13


Hallo Faultier,

wow, danke für die ausführliche und und ehrlich offene Antwort. Freut mich, dass bei Dir Angst und Panikattacken schon so lange im Griff sind. Ich finde es sehr differenziert von Dir betrachtet, dass Du nicht per Se ein Medikament als (alleinige) Ursache für die Unruhe und eher geringe körperliche Belastbarkeit annimmst. Das fehlt mir manchmal hier in anderen Threads. Ich denke auch die Grunderkrankung, in deinem Fall die mittelschwere Depression, spielt bei sowas immer eine Rolle.

Deine Erfahrungswerte mit der mehrmaligen Einnahme von Paroxetin helfen mir weiter. Jetzt kann ich besser verstehen, was meine Ärzte (Psychiater und auch die Hausärztin) genauso wie meine Therapeutin meinen, das ein zu frühes Absetzen des Medikaments nicht gut sei und eine gewisse Rückfallgefahr möglich ist. Das relativiert dann jetzt schon meinen Wunsch das Medikament eher schneller als später abzusetzen.

Ich hatte gestern auch noch einen Routinetermin bei meiner Hausärztin. Ich hab seit Jahren schon erhöhten Blutdruck und bin deswegen seit 2011 in Behandlung und nehme seither auch Tabletten. Nachdem ich von ramipril bzw. ramilich Reizhusten und Halsschmerzen bekommen habe, folgte der Wechsel auf Valsartan. Die Anfangsdosis von 80mg wurde dann auf 160mg erhöht und seither ist mein Blutdruck - mit Ausnahme der Angst- und Panikattacken in 2012-2014 - gut eingestellt. Gestern hatte ich zum wiederholten Male 120/80. Also tolle Werte. Meine Hausärztin bat mich selber wieder regelmäßiger zu messen und dann könne ich gern einen Versuch unternehmen zu reduzieren. Und dabei schauen wie sich die Blutdruckwerte bei 80mg Valsartan entwickeln. Ob's mehr oder weniger stabil bleibt oder doch eher rasch nach oben geht. Das fand ich wiederum eine sehr schöne Aussicht.

Ich mach ja momentan keinen Sport mache und hab Übergewicht. Das sind ja auch beides Einflussfaktoren auf den Blutdruck. Wenn ich jetzt also wieder regelmäßig Sport mache und parallel auch mein Gewicht wieder etwas reduzieren kann, dann könnte das auf mittlere Sicht vielleicht tatsächlich auch mit der geringeren Dosis beim Valsartan funktionieren ohne das der Blutdruck in die Höhe gehen muss.

Und für meine (ebenfalls mittelschwere) Depression wird sich das ebenfalls positiv auswirken.

Meine Hausärztin hat mir gestern auch nochmal - und das find ich super toll von ihr - in aller Ruhe Gelegenheit gegeben mit ihr über Paroxetin zu diskutieren. Sie hat da einfach eine beruhigende und vertrauensvolle Art und hat mir nahegelegt, dass es ja durchaus auch für mich von Vorteil sein kann, das Paroxetin vielleicht doch noch etwas länger zu nehmen. Mit etwas länger meinte sie dann bis nächstes Jahr im Sommer.
Sie hat auch den Eindruck, dass es mir deutlich besser geht und freut sich über meine Stabilisierung. Sie hat mir dann nochmal versucht den Nutzwert für mich aufzuzeigen und mir dies vereinfacht dargestellt. Nach ihrer Ansicht bewirkt das Paroxetin das sich im Gehirn neue Strukturen bilden können. Alte Muster werden "aufgebrochen" und neues, positiveres entwickelt sich. Und nach einiger Zeit hätten sich diese neuen Strukturen etabliert und würden dann auch ohne weitere Unterstützung vom Paroxetin funktionieren. Letztlich könne man aber nicht klar abgrenzen, wann dieser Prozess bei einem einzelnen Patienten weit genug vorangeschritten ist um das Medikament absetzen/ausschleichen zu können.
Meine Hausärztin hat in ihrer Berufserfahrung (sowohl im Krankenhaus in der Inneren Medizin und in der Notaufnahme als auch in eigener Praxis) wohl eine Reihe von Patienten erlebt, bei denen AD's "etwas" zu früh abgesetzt wurden.

Daher ist es ihrer Ansicht nach in meinem Fall eher eine Abwägung ob ich das Medikament soweit gut vertrage und gute Erfolge damit erziele. Auf der anderen Seite ob bzw. welche unerwünschten Wirkungen da sind und wie ich damit zurecht komme.

Und da ich mit dem Medikament gute Erfolge erziele und mit den übrig gebliebenen Nebenwirkungen auch ihrer Ansicht nach momentan gut fertig werde, würde sie mir dazu raten doch noch wie oben beschrieben das Paroxetin bis ins nächste Jahr hinein zu nehmen. Und auf keinen Fall zum Winter hin abzusetzen.

Hm. Das fand ich von ihr super erklärt. Und seither kann ich den Gedanken das Medikament vielleicht doch noch ein Jahr länger zu nehmen schon viel besser annehmen. Eigentlich sogar etwas mehr als das. Ich finde das Argument, dass mir das Paroxetin im nächsten Jahr zu mehr wirklich dauerhafter Stabilität verhelfen und mich vor etwaigen Rückfällen besser schützen kann, sehr überzeugend. Und da die Psychotherapie auch wohl noch bis mind. Ende 2015 andauern wird, die Abstände zwischen den einzelnen Sitzungen werden nach dem Sommer größer werden und nicht mehr im 1-2 Wochen Takt, passt das im Moment alles für mich gut zusammen und ich fühle mich wohl dabei.

Echt klasse, was so ein vertrauensvolles Verhältnis zum Hausarzt bewirken kann. Jetzt muss ich "nur noch" meine guten Vorsätze mit dem Sport umsetzen. Und da bin ich recht zuversichtlich, dass ich bei dem schönen Wetter nach dem Mittag den Dreh kriege und ins Freibad fahre.

Euch allen vielen Dank für die Antworten. Mal schauen ob wir hier noch weiter diskutieren können. Ich würde nämlich gern dann auch von positiven Erfahrungen bei der Gewichtsabnahme berichten können, wenn es denn eines Tages wirklich soweit ist

18.07.2015 11:47 • #14


Wenn du das Medikament noch länger nehmen sollst , wäre es vielleicht sinnvoll , doch noch einen anderen ssri zu nehmen , denn die Gewichtszunahme ist bei paroxetin doch deutlich höher als bei den andeRen ssri und die anderen nebenwirkungen auch.

18.07.2015 12:01 • #15


Danke Serthralinn für deinen Beitrag. Ich weiß ja mittlerweile, dass Du von Paroxetin abrätst und andere SSRI empfehlenswerter erachtest.

Die Entscheidung ob ich das Medikament noch über den Herbst hinaus nehmen werde/muss/soll, ist noch nicht gefallen. Auch wenn sich da für mich eigentlich im Moment eher abzeichnet, dass ich 2015 doch noch nicht das Medikament absetzen werde. Das kann sich aber noch wieder ändern und ist irgendwie ein bißchen wie eine Berg- und Talfahrt.

Anfangs wollte ich das Medikament ganz schnell wieder absetzen. Eigentlich wollte ich das Medikament schon absetzen bevor ich es überhaupt genommen hatte. Ich hatte halt Vorurteile gegenüber Antidepressiva und auch gegenüber psychischen Erkrankungen. Ich halt mich immer für sehr leistungsstark und auch stressresistent. Und das passte alles für mich nicht zusammen. Also mein Selbstbild konnte ich nicht mit dem in Verbindung bringen wie ich dann mit der Angststörung und der Erschöpfungsdepression war. Und vor allen Dingen schon gar nicht mit den Vorstellungen die ich über "Leute mit Depressionen" oder anderen psychischen Erkrankungen hatte. Das hat vielleicht auch was mit der Erziehung zu tun. Ich hab lange gebraucht um die Krankheit zu akzeptieren und mein Bild über Depressive zu ändern. Heute glaube ich zu wissen, dass man sehr wohl leistungsstark und auch stressresistent sein kann und trotzdem eine Angststörung und eine Depression entwickeln kann. Und das dies wohl auch gar nicht mal so selten vorkommt und nichts ist, wofür man bzw. in dem Fall ich mich schämen muss.

Worauf ich hinaus will ist, dass das Medikament bei mir schon einen schweren Stand hatte bevor ich es überhaupt kannte. Also ich war von Beginn an gar nicht objektiv. Dann gab es in der Einschleichphase die ersten Nebenwirkungen und ich glaube das ich entweder in der Anfangszeit nicht richtig auf das Medikament eingestellt war was die Dosis angeht. Oder das die eigentliche Wirkung recht lange gebraucht hatte sich zu entfalten. Das kann aber auch an dem Schweregrad der Erkrankung gelegen haben. Dafür kann das Medikament dann wiederum nichts.

Vielleicht hätte es auch für mich von Anfang an ein besseres Medikament gegeben. Aber jetzt hab ich das Paroxetin nun schon fast 1,5 Jahre genommen und in der Zeit hab ich mich einfach auch deutlich erholt. Es geht mir sehr viel besser als vorher. Daran hat nach meiner Einschätzung auch das Medikament seinen Anteil. Es hat sicher auch andere Dinge gegeben, die meine Entwicklung in den letzten 1,5 Jahren positiv beeinflusst haben.

Die jüngste Entwicklung bei mir in den letzten Tagen ist jedenfalls die, dass mich der Gedanke das Medikament vielleicht doch noch ein Jahr länger zu nehmen einfach nicht mehr stresst. Ich kann es viel mehr wahrnehmen und genießen, dass es mir wieder in der Mehrzahl der Tage gut geht.

Anfang Oktober hab ich den nächsten Termin beim Psychiater. Bis dahin habe ich gestern für mich beschlossen werde ich weiterhin meine 10mg Paroxetin nehmen solange es mir damit nicht schlechter geht. Und dann sehen wir weiter. Ich glaube schon, dass es mir weiter gut tun würde ein SSRI zu nehmen. Ob es dann Paroxetin sein wird oder ob ich mit dem Psychiater gemeinsam auf ein anderes Medikament umstellen kann, schauen wir mal.

Egal wie es weitergeht, ich fand die Diskussionen hier im Forum mit euch hilfreich.

Ich hab mir vorhin überlegt ob ich diesem Thread nicht eine neue Ausrichtung geben kann. Ich möchte ja wieder anfangen Sport zu machen, das auch durchhalten und hab überlegt diese Erfahrungen hier einzubringen. Das würde mir vermutlich zu Beginn den letzten Schubser geben, den es braucht um dauerhaft Sport wieder in mein Leben zu integrieren. Außerdem wäre es ein schönes "Monitoring" für mich und ich glaub daraus könnte ich für mich auch noch etwas in den nächsten Wochen lernen.

Alles Gute und genießt das schöne Wochenende!

18.07.2015 18:12 • #16


Soooo,

nachdem ich mir u.a. auch in diesem Thread überlegt hatte, ob ich das Thema "Gewicht zugenommen" nicht doch auch weiterführen und in eine andere Richtung umlenken kann, hab ich heute mal einen neuen Thread eröffnet.

Ich hoffe, dass mir dies hilft die beiden Ziele "Stabilität" (in Bezug auf die Erschöpfungsdepression und die Angsterkrankung) und "mit weniger Gewicht wieder wohlfühlen" vereinen zu können. Ich bin gespannt wie sich das entwickelt.

medikamente-angst-panikattacken-f76/runter-von-den-kilos-gleichzeitig-ssri-weiternehmen-t66566.html

19.07.2015 12:48 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Bitte vergiss nicht , dass paroxetin das hungergefühl stark verstärkt und den Stoffwechsel drosselt . Sport ist zwar nett , aber man muss extrem viel Sport machen um nur etwas Gewicht zu verlieren. Und mit paroxetin noch deutlich mehr Sport.

19.07.2015 12:51 • #18


Danke. Wie gesagt, ich versuch das mal auf dem Weg unter einen Hut zu bekommen.

Und falls es in den nächsten drei Monaten trotz mehr Bewegung und Sport nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt, etwas an Gewicht zu verlieren und mehr "wohlfühlen" zu gewinnen, weiß ich beim nächsten Psychiatertermin im Oktober besser was mir dann wichtiger ist. Also entweder Wechsel des SSRI oder komplett ohne SSRI oder vielleicht doch - auch wenn es deiner Ansicht nach Unfug wäre - das Paroxetin beizubehalten.

Und ich glaube wenn es mir gelingt mehr Bewegung und Sport in den Alltag zu integrieren, dann würde auch ein Wechsel des Medikaments leichter vonstatten gehen.

Würd mich freuen, wenn Du auch im neuen Thread vorbeischaust.

19.07.2015 12:57 • #19


Sagen wir es mal so . Ich kenne deinen psychiater nicht. Aber es gibt bereits Leiter von psychiatrischen Kliniken , die paroxetin überhaupt nicht mehr verwenden und wenn die sich nicht am besten auskennen, wer dann?

19.07.2015 13:09 • #20



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Dr. med. Andreas Schöpf