Gast schrieb am Do, 27 September 2007 13:19
Hallo
Kann nur kurz antworten, hoffe dasss ich spaeter mehr Zeit habe.
1. Ich leide nicht unter Putzwut, sondern bin eher das, was man eine *beep* nennt. Ich raeume seltenst Kinderzimmer auf, sondern schiebe meistens das Spielzeug von einer Ecke in die andere um dort sauberzumachen. Mir geht es um grundlegende Dinge wie Muell rausbringen, Tisch abraeumen und Geschirr in den Geschirrspuehler zu stellen statt drauf!
Bei uns kann man nicht vom Fussboden essen, aber ich denke man muss auch nicht die Ratten und Kakerlaken anlocken.
Mit einem halbwegs aufgeraeumten Haus bin ich zufrieden.
2. Subjektive Belastungsgrenze:
Wenn ich nein zu etwas sage passiert auch nichts. Soll ich nicht zur Arbeit gehen? Dann werde ich gefeuert. Wasche ich keine Waesche habe ich nichts anzuziehen....
Spaeter mehr
Dass weder Du noch Dein Mann gesonderten Wert auf "Haustiere" legt, davon bin ich jetzt mal ausgegangen ;oD -
Es gab mal einen Monat in meiner letzten Beziehung, da hab ich mich so dermaßen unfair ausgenutzt und überlastet gefühlt, dass ich ne richtige Migräne hatte...weißte was mein eigentliches Problem war? Ich war eifersüchtig auf meinen Partner...der hat als Wissenschaftler das 7 fache verdient und konnte sich (so empfand ich das) seine Arbeitszeiten aussuchen und schick im Bett bleiben, wenn ich um 4 aufstehen musste...etc ...der hatte aber auch das 10 Fache and Verantwortung zu tragen, hatte niemals regelmäßige Arbeitszeiten und hat oft Nächtelang alleine im Labor gearbeitet...und genau darauf war ich wirklich eifersüchtig...der hat seinen Job geliebt, tut er immer noch...der geht da nicht nur hin weil er Geld verdienen muss (wie ich), sondern weil er was tut, was ihm echte Freude und Befriedigung bereitet, weil er genau das tut, wo er schon als Kind seine ganze Passion reingesteckt hat...der mußte sich noch nie im Leben um einen Job bewerben...auf all das war ich so eifersüchtig und neidisch, dass mich jede rumfliegende Socke, jeder Teller in der Spüle, sein Drucker etc etc. irre gemacht hat...bis mir wieder eingefallen ist, dass ich Hausarbeit noch nie stressig fand - auch nicht sonderlich prickelnd aber eben auch keineswegs als Stress, dass ich gerne koche etc, etc, ich hab mich einfach so sehr darauf konzentriet, was er alles macht und tut bzw. nicht tut und das auch noch richtig gerne, dass ich meinen Job als viel frustiger, anstrengender und deprimierender empfand...obwohl ich oft mit Kollegen ausgegangen bin und mit der Arbeit auch nicht wirklich Probleme hatte...
Ich behaupte weder dass Du einen Putzfimmel hast, noch dass Du annähernd so drauf bist, wie meine Mum (die selbst zu faul ist um gammliges Obst oder verwelkte Blumen zu entsorgen)oder dass Du gar keinen Grund hast, Dich schlecht und überfordert zu fühlen, und schon gar nicht behaupte ich dass Deine Familie ein tolles Team ist...Aber ich behaupte, dass Du schreibst, als wärst Du davon überzeugt dass Deine Wut, Dein Ärger und Deine Überforderung NUR und EINZIG auf das FEHLVERHALTEN Deiner Familie zurückzuführen sind. Und das stimmt so nicht.
Du nennst Dich selbst eher schlammpig und unordentlich, willst aber gleichzeitig Deine Familie zur selbstverständlichen Ordnung erziehen? Süsse, ganz ehrlich, ich bin voll auf Deiner Seite und wünschte das wär so "simpel"...das kann nur voll nach Hinten losgehen...Du machst das alles, wenn überhaupt auch nur widerwillig und vielleicht sogar angewidert...und NUR weil es einer machen MUSS...erwartest Du wirklich von Deiner Familie, dass die den nötigen Teamspirit und die richtige Motivation entwickeln?
Wenn Du nicht die Energie meiner Mutter hast Deine Familie ständig und permanent für die nächsten 50 Jahre unter Druck, Stress und auch in Angst zu versetzen, dann kannst Du nur zusehen, dass Du mit therapeutischer Hilfe an die Ursachen für Deine Frustration für Deine demotivierte Einstellung etc, gehst...nee, Du sollst nicht lernen den ganzen Haushalt, die Kindererziehung und Deinen Job mit einem strahlenden Lächeln zu erledigen...weil darum geht es, wie ich glaube, auch gar nicht...
...ich kann mir vorstellen, dass Du Dich respektlos behandelt fühlst und vielleicht sogar persönlich "missachtet" wenn die Kids das Geschirr stapeln und der Mann auf dem Sofa liegt und sich den Bauch kratzt...und da soll Dich eine Therapie hinführen...warum und was fühlst Du in bestimmten Situationen? Und wieviel haben Deine Empfindungen tatsächlich was mit der Realität zu tun?
Das bei Dir zu Hause jeder gerne den Müll "übersieht" ist auch völlig normal - ein Phänomen - Tarnkappenmüll, Weit verbreitet und hoch gefährlich...ich kenne Niemanden, der gerne Müll rausträgt, muss das gemacht werden? Sicherlich...Du nimmst das aber persönlich, wenn es keiner macht...Deinen Kindern und Deinem Mann geht es aber nur darum, dass sie es nicht machen müssen und erinnern sich im Detail daran, wie sie vor 1 3/4 Jahren schon mal ne ganze Woche Mülldienst hatten oder finden, dass der und der jetzt mal dran wär etc, etc. etc. - aber die denken sich nicht "oh ich lass das für Muttern stehen, ich bin mir zu fein dazu"
Du gehst zur Thera um zu lernen sowas nicht mehr persönlich zu nehmen und hast dann den nötigen Abstand und auch die nötige Souverenität um Dich mit Mann und Kindern an einen Tisch zu setzen und ganz simple je nach Alter und Fähigkeiten Haushaltspläne zu erstellen, dann kannst Du auch zugeben, dass Dir dies und das auch keinen Spaß macht etc, aber dann gibt es statt Vorwürfe und emotionale Ansprachen und Enttäuchungen auf allen Seiten, klare Ansagen und klare Konsequenzen
z.B. wer seinen Mülldienst nicht erfüllt muss Socken sortieren - dieses ganze "mach das um Mammi zu entlasten, um sie nicht aufzuregen etc" ist einfach viel zu kompliziert und mit völlig unnötigen Emotionen belastet...das ist nämlich das, was Dich im Moment echt fertig macht und runterzieht...jedenfalls hab ich das Gefühl...das sind Deine Kinder und Dein Mann...ihr seit ein Team...das sind nicht Deine Feinde...die haben es auch viel lieber, wenn Du statt emotional an ihr Verständnis zu appellieren oder sie versuchst zu "erziehen" ganz einfach das durchziehst was ihr letzte Woche zusammen vereinbart habt...werden die Kleinen in der ersten Zeit immer noch brüllen" das ist nicht fair?"...natürlich, das sind Kinder, die probieren erstmal ob sie sich anders rauswinden können, aber die Hauptsache ist, dass Du dann nicht mehr fühlst und ausdrückst "Das ist nicht fair"...
Aber dazu mußt DU für DICH erstmal wieder lernen, dass Mülleimer nicht rausbringen, oder Geschirr stapeln und Dich respektlos und unverschämt ausnützen zwei völlig andere Planeten sind - und dass Dir diese Arbeiten genauso lästig sind, wie Deiner Familie..das ist doch ne gute Basis um miteinander was zu organisieren...aber das geht nicht mit moralischer Erpressung, mit Druck oder wenn Du Dich "missbraucht" fühlst oder gar zusammen klappst...da wird jeder ganz automatisch unfair und gemein...