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Hallo Ihr,

nachdem ich mich gerade wieder in einer besonders schlimmen Phase der Einsamkeit befinde, habe ich mir Eure Beiträge durchgelesen u. mich entschieden, heute selber mal zu schreiben.
Ich bin eigentlich eine Frau, die gerne lacht u. Gesellschaf mag.
Ich habe auch ein paar Freunde, mit denen ich ab u. zu etwas unternehmen kann, worüber ich auch sehr froh u. dankbar bin.
Aber tief in mir drin fühle ich oft eine Einsamkeit, die richtig weh tut.
Was mir fehlt ist Halt u. ein kleines bißchen Sicherheit....kennt Ihr das Lied von Silbermond ?
Ich wünsche mir nichts mehr, als jemand, der mich abends mal in den Arm nimmt und für mich da ist.....
Bitte nicht falsch verstehen, ich bin auch hilfsbereit u. auch immer für Freunde u. meinen Partner da, wenn ich denn einen habe......
Ich möchte Euch nicht direkt zu Anfang volltexten, darum schreib ich jetzt mal nicht länger weiter, sondern warte erst....
Ich würde mich SEHR freuen, wenn ich Post von Euch bekomme... !
Ganz liebe Grüße

09.08.2009 16:55 • 11.12.2009 #1


24 Antworten ↓


Hallo Warmherzig

Schön das Du Dich aufraffen konntest auch etwas zu schreiben.
Ich denke es geht eigentlich allen hier ähnlich - wenn auch die Umstände verschieden sind.
Zumindest ist es bei mir auch so. Meist versuche ich mich mit zig verschiedenen Dingen abzulenken - mich beschäftigen - um nicht ins Grübeln zu kommen, aber ab und an gibts nichts zu tun, und es bricht wieder durch.
Die ganze Woche in der man arbeiten geht ist das kein Thema und man wartet auf das freie Wochenende - und wenn es dann da ist, tja, ist man ja doch wieder allein auf sich gestellt und man könnte sich fast schon wünschen das die Arbeit wieder anfängt.
Zumindest ist mein Trauerspiel Urlaub und Geburtstag erstmal wieder Geschichte, aber Weihnachten kommt auch bald wieder.
Und das ganze Spiel geht bei mir seit mehr als 15 Jahren so - und ich denke ich bin im Großen und ganzen selbst dran Schuld. Aber so einfach ändern kann ich mich auch nicht.

Kannst ja mal was zu Deinen Umständen schreiben. Manchmal hilft es wenn man einfach drauf los tippert.

Ciao

09.08.2009 17:38 • #2



Neu hier und traurig

x 3


Hallo Warmherzig,

herzlich willkommen! Schön, daß du da bist.

Denke, du wirst hier viele Gleichgesinnte treffen (mich eingeschlossen).

Ich würde mich sehr über einen Austausch mit dir freuen.

Liebe Grüße
Heidelinde

09.08.2009 18:06 • #3


Danke Jumper u. Heidelinde für Eure Antworten. Ich habe mich sehr gefreut.
Es tut gut, das Gefühl zu haben, dass sich jemand für Einen interessiert.

Ich hoffe hier auch auf einen regelmäßigen Austausch.

Nun, wie kann ich etwas mehr von mir schreiben ohne Euch zuzuschütten ?!
Mmh...ich probiere es einfach mal.

Ich bin Einzelkind u. habe eigentlich keine Verwandten. Meine Eltern ließen sich in meiner Jugend scheiden u. hatten vorher schon jahrelangen Streit. Dadurch habe ich das Gefühl bekommen, die beiden nicht weiter belasten zu dürfen, da sie ja schon genug Probleme hatten. Ich habe dann viele Probleme mit mir selber ausgemacht bzw. versucht, einfach so gut wie möglich zu funktionieren.
Meine Mutter hat dann aufgrund von verschied. Sorgen sehr viel getrunken, so dass Sie zwar immer für mich gesorgt hat, aber MENTAL nicht für mich da war bzw. nicht da sein konnte. Ich werfe es ihr ja nicht vor, sie hatte ja selber Probleme u. das ist ja auch eine Krankheit.
Dadurch fehlte mir aber der Halt. Ich habe versucht, alles selber zu schaffen u. glaube, dadurch relativ stark u. selbständig geworden zu sein. Auf der einen Seite mag das gut sein. Aber seit mehreren Jahren spüre ich eine EXTREME SEHNSUCHT nach Halt u. Geborgenheit. Eine kleine eigene Familie wäre mein Traum. Ich bin jetzt Anfang 30 und leider Single. Bis vor kurzem hatte ich einen Freund u. ich dachte, er könnte mir den Halt geben, aber dann habe ich rausgefunden, dass er mich mehrfach belogen hat (mehrere Frauen hinter meinem Rücken usw.)

Mit meinen FReunden kann ich nicht besonders gut drüber sprechen. Sie sagen, einen Partner kann man nicht erzwingen......
Da haben sie natürlich Recht aber es tut trotzdem sooo weh......ich wünsche mir einfach nur diese Geborgenheit u. dass man weiß jemand ist für einen da......so wie ich auch immer für diesen Menschen da sein möchte......wißt Ihr, einfach mal nach Hause kommen u. jemand wartet dort auf einen.....was wäre das schön......
Ich versuche, das Beste draus zu machen u. mich zu verabreden u. mit Freunden was zu machen....aber wenn ich nach Hause komme....wieder niemand da.....oder einfach jemand, der Sonntags morgens mit mir frühstückt u. mit wuscheligen Haaren u. zerknautscht neben mir liegt.....
So ein Sonntag wie heute ist die Hölle.......

Ich habe letzten Winter auch überraschend meinen Vater verloren, er ist ganz plötzlich u. unerwartet gestorben und ich mußte mich um alles ganz allein kümmern. Ich hatte gar keine Zeit zum Trauern, da es soviel zu tun gab.......meine Mutter konnte mir gar nichts helfen, da Sie wg. seines Tods fast zusammengebrochen ist, anstatt mich zu stützen, obwohl Sie seit 20 Jahren geschieden waren und meine Mutter einen sehr netten Leb.gefährten hat, mit dem Sie auch sehr glücklich ist.
Mein Vater fehlt mir aber wie gesagt, ich bin Anfang 30 und an so Tagen wie Weihnachten usw. wünschte ich auch, eine eigene Familie zu haben, die mir Geborgenheit u. Liebe gibt, so wie ich auch jemandem Liebe u. Geborgenheit (WÄRME) geben möchte.......

Ich hoffe, das war jetzt nicht zuviel.......

Hoffe wieder auf Post von Euch.

Lieben Gruss

09.08.2009 18:38 • #4


Hallo Warmherzig,


ich denke, eine Partnerschaft kann man nicht erzwingen, so wie es deine
Freunde auch schon gesagt habe. Ich habe auch sehr lange gedacht, ohne Mann bin ich nicht glücklich. Habe, bis ich so 30 Jahre alt war, immer
in irgendwelchen Beziehungen gelebt.

Da ich zu damaliger Zeit mit mir selbst sehr unzufrieden war, konnten auch die Beziehungen nicht wirklich funktionieren. Dann bin ich angefangen eine Therapie zu machen. Es war ein langer und steiniger Weg.

Ich bin nun 42 Jahre alt, lebe alleine und komme gut damit zu Recht,
und bin mir zur Zeit gar nicht mehr so sicher, ob ich überhaupt noch mit
einem Mann zusammenleben möchte.

Sicherlich, an so manchen Tagen fühle ich mich auch richtig einsam, ganz schlimm ist es Weihnachten. Jedoch verfalle ich da nicht mehr so wie damals in Selbstmitleid, sondern versuche dann an solchen Tagen, mir was Gutes zu tun.

Wie lange warst du mit deinem letzten Freund zusammen?
Hast du schon mal daran vielleicht therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Liebe Grüße

09.08.2009 19:31 • #5


hallo heidelinde,

ich war seit knapp einem jahr mit meinem freund zusammen u. ich habe ihn so geliebt. er ist extrem kinderlieb u. ein familienmensch u. ich dachte, ja, wow, das ist der mann ! genau dieselben ziele u. wünsche wie ich....naja...aber ohne vertrauen gehts halt nicht.....und wenn man ständig belogen wird u. immer wieder versprechungen gemacht bekommt, die nicht gehalten werden, dann kann man auch nicht mehr vertrauen.....nach 4 monaten beziehung habe ich die lügen das erste mal rausgefunden, aber verziehen. nach einem weiteren monat wiederholte sich alles......ich habe wieder verziehen....das war nicht das letzte mal.....bestimmt denkst du jetzt, ich bin ein gutgläubiger u. dummer trottel.....(er hatte nichts mit den frauen, nur dates, sms u. emails bzw. telefonate, das weiß ich 100 %ig)


eine therapie mache ich schon seit längerem. anfangs, weil ich von meinen eltern als eine art psychologe oder seelischer mülleimer mißbraucht wurde u. damit nicht mehr fertig wurde (bitte nicht falsch verstehen, die formulierung ist böse, aber es ist nicht ganz so böse gemeint, nur hat mich das seelisch unglaublich belastet u. ich habe mich immer verantwortlich für die beiden bzw. für ihr glück gefühlt und in der therapie hat man mir beigebracht, dass ich wütend auf meine eltern sein darf, weil es NICHT ok ist, was sie alles auf meinen schultern abgeladen haben, seit ich jugendliche war).
diese therapie hat mir sehr geholfen. ich gehe auch immer noch hin aber ich scheine seit über 2 jahren nicht weiter zu kommen.
manchmal denke ich, die psychotherapeutin ist mit meinem problem der einsamkeit überfordert. weil man, wie du schon sagtest, liebe u. partnerschaft NICHT erzwingen kann u. sie kann mir ja auch keinen lieben mann schicken.....
ich habe aber angst von ihr wegzugehen, da ich mich bei ihr ansonsten gut aufgehoben u verstanden fühle u. keine schamgefühle vor ihr habe. ich denke, das ist schonmal was sehr gutes u. ich habe angst, das zu verlieren.......
wie du vielleicht merkst, klammere ich mich sehr an dinge bzw. menschen.......vermutlich weil ich halt suche....

freue mich wieder über nachrichten von euch.....danke !!

09.08.2009 19:44 • #6


Hallo Warmherzig,

ja das mit deinen Eltern, das kann ich sehr gut verstehen, bei mir war
es damals ähnlich, wurde auch seelisch mißbraucht und das war am Anfang
meiner Therapie auch großes Thema.

Auch das mit dem Klammern kommt mir sehr bekannt vor. Seitdem ich
gelernt habe, nicht mehr so an Dingen und Menschen festzuhalten, geht es
mir wesentlich besser. Wenn ich heute merke in neuen Bekanntschaften, das es halt nicht so
paßt, dann investiere ich da auch nicht mehr so viel Zeit und Gefühl hinein.

Ich denke, das du bei deiner Therapeutin schon gut aufgehoben bist. Vielleicht solltet sie mal darauf ansprechen, neue Wege aus deiner Einsamkeit zu erarbeiten, mal unabhängig vom Thema Mann.

Liebe Grüße

09.08.2009 20:08 • #7


Hallo Warmherzig

Ich bin zwar kein Psychologe - aber ich denke das Du inzwischen zu Deiner Therapeutin eine gute Beziehung aufgebaut hast. Sicher - wie Du schon schreibst, einen Freund kann sie auch nicht herzaubern - aber es ist wenigstens jemand da zum reden - und zwar offen.
Ich war auch mal bei einem - aber ich bekam keinen Draht zu ihm, irgendwie war da ein Gefühl, das ich ihm nichts sagen konnte. Sei zumindest froh, das Du das hast. Letztlich kann der einen höchstens auf den Weg bringen, den Hauptteil muß man immer noch selber machen.
Zumindest ist dort eine Vertrauensbasis enstanden, entgegen der zu Deinem Partner. Enttäuscht zu werden was Vertrauen angeht, auch da kann ich ein Lied von Singen.
Meist versuche ich wie schon beschrieben das ganze zu verdrängen und manchmal überkommt mich die Überzeugung, das ich gar keine Bindung mehr will. Aber vielleicht rede ich mir das auch nur ein. Da ich schon so oft von vermeintlichen Freunden hintergangen worden bin, lege ich eigentlich keinen Wert mehr auf sowas - aber es fehlt einem doch.
Entweder ich springe irgendwann einmal über meinen Schatten und riskiere es nochmal, oder es bleibt alles beim Alten. Eine andere Wahl habe ich zumindest nicht.

Also entweder ein gewisses Risiko oder...

Aus der Familie ist bei mir auch keine Unterstützung zu erwarten - mein Vater ist seit 5 Jahren tot, aber selbst wenn nicht, Kontakt hatte ich zu meinen Eltern noch viel länger nicht mehr. Und der Rest der Verwandtschaft hat wahrscheinlich längst vergessen, das es mich gibt, aber die waren eh nie meine Welt.

So dümple ich also weiterhin auch einer Welle von Gefühlen, die sich auf und ab bewegen.

09.08.2009 20:14 • #8


hallo jumper,

danke für deine nachricht.

ja, das kann ich gut verstehen, was du schreibst, sowohl, dass man dann manchmal keine bindung mehr will, als auch dass man mit dem rest der familie nichts anfangen kann.....kommt mir alles sehr bekannt vor.....

ich würde mich freuen, wenn ich auch etwas mehr über dich erfahren könnte, wie alt bist du u. was machst du so in deinem alltäglichen leben um was gegen die einsamkeit zu tun ?

lieben gruss

09.08.2009 20:20 • #9


Da bin ich wieder...

Also ich bin gerade 48 geworden und manchmal wünschte ich mir ich könnte mir mal alles von der Seele schreiben. Das würde aber ein ganzes Buch füllen. Nicht nur aufgrund der ganzen Jahre sondern auch wegen der Masse an negativen Erfahrungen. Manche von denen wären einzeln betrachtet wahrscheinlich gar nicht der Rede wert, aber in der Gesamtheit ergibt sich bei mir ein Bild, das mein Leben geprägt hat.
Sei es der Versuch einiger Schüler in der Grundschule mich umzubringen (Ertränken genau gesagt) oder die Verlogenheit meiner vergangenen Freunde. Irgendwo hier im Forum hat einer geschrieben gehabt, das er ein wenig neidisch auf seine Nachbarn schaute, der andauernd Besuch bekam. Nun, die Zeit gabs bei mir auch - ca. 10-20 Leute pro Tag war keine Seltenheit bei mir, soviel das es schon lästig wurde. Im Nachheinein stellte ich nur fest, wie sehr sie mich ausnutzten und als ich wirklich in Schwierigkeiten war, haben sie mich letzlich sogar bestohlen und bei mir eingebrochen und die Wohnung verwüstet.

Nun, Schwamm drüber. Es bleibt zwar in der Erinnerung, ist aber trotzdem Geschichte. Ich flüchte mich heutzutage ich Hobbies, die ich alleine für mich betreiben kann. Sitze entweder am PC oder schaue Filme, aber auch letzteres macht mich manchmal wieder etwas traurig. Erst recht wenn es eine Liebesgeschichte enthält oder ein Drama ist. Dann möchte ich manchmal in so einem Moment nicht alleine sein und mit jemanden reden oder diskutieren.
Vielleicht sitze ich gerade deshalb im Augenblick wieder an der Kiste und tippe wie blöde meine Geschichte rein.
Sicher - ich habe auch ein paar wenige Freunde. Aber ich möchte denen nicht immer mit meinen Problemen im Ohr liegen, vor allem, weil die eh wissen was mit mir los ist. Ein paar Fragen dann auch gar nicht mehr groß danach, da sie eh wissen, das ich mich wohl so schnell nicht ändere.
Auf der Arbeit arbeite ich lieber für mich alleine und flüchte mich in Gedanken die mich ablenken - und das wo ich nicht gerade wenig Verantwortung trage und anderen noch Arbeit zuweisen muss.
Ich werde wohl respektiert - aber ich gehöre auch dort eher zu der älteren Liga, und somit ist ein Kontakt dort eher von flüchtiger Natur.
In Kneipen gehe ich schon seit Jahren nicht mehr, da ich eh so gut wie keinen Alk. mehr trinke. Hatte Schluß gemacht kurz bevor ein Alki aus mir wurde. In der Sache war ich also mal stark.
Aber Menschen sind mir irgendwie fremd - entweder ich suche ab und an einen flüchtigen Kontakt - oder sie gehen mir derartig auf die Nerven, das ich nur weg will.
So ist im Groben mein Zustand. Vielleicht sollte ich das Fenster aufmachen und brüllen Ich bin kein Star - holt mich trotzdem raus.

Bye

09.08.2009 20:39 • #10


Huhu Warmherzig,

Ich denke, wenn man so schwierige Eltern hatte, wie du es hattest, dann ist es ganz normal, dass sich das irgendwann auf die Seele nieder schlägt.
Du warst immer für Andere da, warst immer die Starke, die Stütze.
Da ist es nur normal, dass Du jetzt auch mal eine Stütze haben willst.
Nicht immer nur eine sein willst.
Das ist auch ganz richtig so, und es ist gut, dass du das von alleine möchtest. Viele Menschen brauchen lange, um zu erkennen, was sie sich wünschen.

Mir ging es, als mein Papa gestorben ist, übrigens ähnlich. Meine Mama war wie innerlich erstarrt -ich hab den Krankenwagen gerufen, als er plötzlich ins Koma fiel, und hab auch danach den gesamten Papierkram für sie abgewickelt. Auf der Beerdigung hab ich Freunde und Verwandte im Arm gehalten und getröstet, Menschen, die teilweise mehr als doppelt so alt waren wie ich und viele von den Männern waren 2 Köpfe größer.
Aber ich war, wie du, die Starke. Die Stütze.
Aber keiner kann das ewig aushalten.
Ich hab lange gebraucht, bis ich dann auch mal um meinen Papa weinen konnte. Ich hab regelrecht lernen müssen, vor Anderen weinen zu können. Das war für mich früher immer Schwäche und das hab ich mir nicht erlaubt. Inzwischen erlaub ich mir das, und mir geht es gut dabei.
Kannst du das mittlerweile auch?
Oder ist der Wunsch nach einer Stütze bloß innerlich und Äußerlich bist du trotzdem noch ganz stark, wie bisher?

Ich kann deinen Wunsch nach dem Gefühl des Fallenlassens und des Aufgefangenwerdens gut verstehen. Aber ich denke, wenn du ihn allein an einen Partner hängst, dann mutest du deinem Partner zu viel zu. Die Geborgenheit kann einem nicht nur ein Partner geben. Damit wäre ein einzelner Mensch völlig überfordert.
Ich hab mir nach Papas Tod das immer so vorgestellt: Ein Mensch (zum Beispiel ich, in meiner Vorstellung) hängt immer an vielen Seilen. Diese Seile halten die Menschen, die man kennt. Einige Seile sind nicht so dick (Bekanntschaften), einige sind dicker (Freunde) und einige ganz stark (sehr gute Freunde, Familie, Partner).
Wenn jetzt ein Seil reißt (z.B. durch den Tod meines Papas vor 6 Monaten ein ganz dickes) dann braucht man viele andere Seile, die einen trotzdem auffangen und einem Halt geben.
Je mehr Leute man kennt, desto mehr Seile hat man.
Je mehr man sich um Andere bemüht, je mehr man zurück bekommt, je mehr man gibt, desto dicker werden die Seile.
Wenn man aber all seine Wünsche nur an ein Seil hängt (wie du das im Kopf mit dem Freund machst) dann ist man am Boden zerstört, wenn das Seil mal reißt. Dann hat man ja niemanden Anderen mehr.

Ich denke, es ist sehr gut, dass du jetzt auch mal gestützt und aufgefangen werden willst. Es ist toll, dass du weißt, woher dieser Wunsch kommt und du hast auch Recht, wenn du das jetzt mal einforderst. Es steht dir auch zu.
Da gibt's keine Frage.
Aber alle Geborgenheit nur von einem Menschen abzumachen -ich glaube, das geht nicht gut.
Der Mensch braucht ein Netzwerk aus Seilen, damit er sich auch mal fallen lassen kann.
Und man kann sich auch bei guten Freunden mal fallen lassen, das darf man sich erlauben.
Die Aufgabe, Geborgenheit zu geben, hat nicht ein Mensch (der Partner) allein. Das müssen Alle machen, der eine mehr, der andre weniger.
Gut, deine Eltern haben dir das Gefühl scheinbar nicht gegeben.
Daher fehlen dir glaub ich auch mächtige Stützen.
Aber kannst du dich nicht bei Freunden auch einfach mal fallen lassen, dich geborgen fühlen?
Also einfach ihnen Alles erzählen, was dich bedrückt, in der Gewissheit, dass sie dich mit all deinen Gedanken auffangen?
Geborgenheit macht ja nicht nur aus, dass man Nachts mit jemandem kuscheln kann und morgens in nem warmen Bett aufwacht.
Geborgenheit ist ja ein viel größeres Gefühl, finde ich, das Gefühl eben, dass man bei jemandem aufgehoben ist und dass man dem vertrauen kann. Dass er einen auffängt, eben.
Das hab ich aber bei meinem Freund, bei meiner Familie, und bei Freunden und sogar bei einigen guten Bekannten.
Ich denke, das können einem viele Menschen geben.
Nicht bloß der feste Partner.


Achja, und vielen Dank für deine lieben Worte irgendwo hier in einem anderen Thread.


Alles Gute!
Pilongo

10.08.2009 14:30 • #11


Schlafkappe
Hallöle,
hab mir gerade eure Beiträge durchgelesen. Das Lustige dabei ist, dass mich meine Jungs heute am Mittagessen mal wieder vollgelabert haben, über das Thema ihre Mama und endlich mal wieder eine Beziehung. Sie würden es sehr gerne sehen, wenn es an meiner Seite wieder einen Mann geben würde.
Kurz zu mir. Ich war fast 25 Jahre mit meinem Mann zusammen und wir haben eben diese 2 Jungs. Seit der Trennung vor 8 Jahren lebe ich alleine. Und vor allem kann ich es mir nicht vorstellen noch einmal eine Beziehung einzugehen.
Warmherzig und Jumper, bei euch habe ich das Gefühl, dass ihr euch wegen eurer Einsamkeit unbedingt mir jemanden zusammentun wollt, und immer an die Falschen geratet. Was ihr schon an Betrug und Lügen hinter euch habt, da kann ich verstehen, dass ihr am Verzweifeln sind.
Ich hab zur Zeit das Problem, über Emotionen oder bei mir eher das Fehlen von Emotionen diskutieren zu müssen. Bei meiner Therapeutin und bei meinen Jungs. Komisch, dass alles immer so geballt kommt. Am Freitag hab ich noch einen Termin, bei der Therapeutin und hab richtig Angst davor.
Darum würde mich mal interessieren, wie das bei euch ist, die Gefühlsebene. Könnt ihr da noch was empfinden, vor allem, wenn ihr jemanden kennen lernt, oder ist das bei euch auch verschüttet?

10.08.2009 16:54 • #12


Hallo Warmherzig und Co.,
ich kann das gut nachvollziehen. Habe auch eine schwierige Familienphase ( Eltern geschieden) durchgemacht und meine Eltern haben mich immer mit ihren Problemen belastet. Denke das ist es normal und auch nich verkehrt wenn man in einer Beziehung oder Freundschaft versucht den Halt zu finden eben als Familienersatz. Ich kenne auch das mit dem an Menschen klammern nur zu gut aber möchte mir das jetzt abgewöhnen, weil es eher zu Ablehnung führt. Mich hat es sehr gut getan hier im Forum soviele Gleichgesinnte zu finden und es ist auch interessant mal die verschiedenen Formen der Einsamkeit zu sehen.

@Warmherig: Dass man Liebe nicht erzwingen kann ist richtig. Auch wenn sich das jetzt vielleicht blöd anhört, weil dir das jetzt vielleicht schon oft jemand gesagt hat, aber mit der Zeit wird sich das von selbst ergeben. Bei mir wars so, dass jedesmal wenn ich dachte ich will jetzt eine Beziehung und alle haben jemanden nur ich nicht hat es nicht geklappt. Dann habe ich mich anderen Dingen gewidmet, garnichmehr soviel dran gedacht und schwups habe ich zufällig jmdn kennengelernt. Ich denke, dasselbe wird bei dir auch passieren!

10.08.2009 20:56 • #13


danke rosagirl,

das ist so lieb von dir ! HEUL....... (jetzt werden hier alle denken, man, ist warmherzig bescheuert, die ist echt nur darauf fixiert, nen freund zu finden und hat torschlußpanik u. kann nicht alleine sein oder kriegt ihr leben alleine nicht in den griff.....die sucht nen mann, an dem sie wie ne klette am hosenbein hängen kann........aber ganz so ist es nicht.......ja...ich wünsche mir zur zeit nichts mehr, als eine glückliche beziehung....das gebe ich zu......aber ich bin keinesfalls so ein unselbständiges , dummes u. naives kleines anhängsel von irgendnem mann.......ich bin auch nicht so verzweifelt, dass ich jetzt direkt irgendwen nehme.........
@loneman73: das ist jetzt NICHT auf äußerlickeiten bezogen !!

mir ist NICHT wichtig, ob der mann nen bauch hat oder so was.....das sind KEINE gründe für mich, einen mann abzulehnen......es ist nur so, dass ich genau weiß, was ich möchte u. darum nicht jeder mann, der vielleicht mal interesse an mir hat, für mich in frage kommt. das bedeutet zum bsp. dass mir wichtig ist, dass man auf einer wellenlänge ist, ähnliche pläne hat usw......so was ist für mich wichtig. NATÜRLICH bin ich dabei auch kompromissbereit, ist doch klar ! Kein Mensch ist perfekt u. ich somit auch nicht.
Was ich damit sagen will ist eigentlich nur, dass ich NICHT so verzweifelt bin, dass ich schon gar nicht mehr schaue, ob der mann u. ich überhaupt zusammenpassen.
warum ich dazu jetzt soviel geschrieben habe, weiß ich auch nicht.....überkam mich gerad so, weil mir die tränen runterkullerten, als rosagirl geschrieben hat, dass sie mich versteht und mir von ganzem herzen einen partner wünscht !
danke dafür !!!

gruß an euch alle

10.08.2009 21:10 • #14


@Schlafkappe

Zitat :
Darum würde mich mal interessieren, wie das bei euch ist, die Gefühlsebene. Könnt ihr da noch was empfinden, vor allem, wenn ihr jemanden kennen lernt, oder ist das bei euch auch verschüttet?

Wenn ich ehrlich bin - und warum sollte ich auch nicht - sind natürlich noch Gefühle da. Es ist ein hin und her. Auf der einen Seite kommt es vor das man für jemanden etwas empfindet und auf der andere das Abwägen ob man es wirklich riskieren soll das auch zu zeigen.
Ich für meinen Teil habe irgendwie keine Lust wieder enttäuscht zu werden oder das man diese Gefühlsduselei gegen mich wieder ausspielt. Irgendwie ist man also ein Profi darin geworden sowas zu unterdrücken, auch wenn es einem innerlich wieder weh tut. Da wünschte man sich man könnte Gedanken lesen - zumindest ab und zu mal.
Ich glaube das einzige kleine Zeichen was ich trotzdem von mir gebe, ist manchmal eine Berührung - und das wo ich sonst eigentlich keinen Menschen anfasse - vom Händeschütteln mal abgesehen. Aber das war es dann auch, der Rest wird vertuscht.

Gruß an alle hier im Forum

11.08.2009 18:49 • #15


hallo jumper

ich kann dich gut verstehen.....irgendwann kann man einfach nicht mehr......diese enttäuschungen sind wie schläge in die magengrube und irgendwann kann man halt nix mehr einstecken......also meidet man solche situationen (=sich auf einen anderen menschen, der ein potentieller partner sein könnte, einlassen).......damit einem ja nix mehr passiert.........die wunden sind einfach zu schmerzhaft u. die narben noch nicht verheilt.....mir kommt es auch oft so vor, als ob der HEILUNGSPROZESS immer länger dauert, je älter man wird.........
man macht sich auch noch mehr gedanken als früher......mit 20 tat es auch weh, aber man hatte ja noch EWIG zeit......jedenfalls kam es einem damals so vor , als wäre noch ewig zeit........jetzt , mit anfang 30, denke ich oft, irgendwann muß doch mein partner fürs leben kommen........ich bin traurig, weil ich das gefühl habe, meine besten jahre zu verschwenden......bzw. nicht richtig intensiv erleben zu können.......

aber ich denke, es bleibt einem nichts anderes übrig: wenn man intensive SCHÖNE gefühle erleben möchte, dann muß man sein herz öffnen.....das birgt leider auch immer die gefahr, dass man verletzt wird........das habe ich ja auch gerade erst (MAL WIEDER) erlebt.........
also denke ich, bevor man sich verschließt , muß man sich fragen.....WAS IST MIR WICHTIGER ? Nie mehr verletzt zu werden (=sich verschließen) oder vielleicht doch nochmal glücklich mit einem anderen menschen zu sein (=sich öffnen)..........
vielleicht ändert man seine meinung ja auch nach einiger zeit wieder und öffnet sich dann doch wieder.......

dass es verdamm schwer ist, weiß ich.....glaub mir......

du wirst nie die sterne sehen, wenn du dauernd nach unten blickst

ganz lieben gruß

11.08.2009 21:08 • #16


Hi Warmherzig

Sooo isses. - Je älter man wird, desto schwieriger wird es weitere Rückschläge einstecken zu können. Wenn ich so einige Jahre zurückdenke, war ich doch etwas aufgeschlossener und nun, denkt man einfach zuviel nach und läßt es nicht mehr so einfach auf sich zukommen.
Dazu kommt dann noch, das ich ungern überhaupt unter Leute gehe. Auf der Arbeit sind die Leute nicht annähernd in meiner Altersklasse - als sportlich kann man mich auch nicht gerade beschreiben und meine Hobbies spielen sich doch eigentlich immer zu Hause ab.
Hatte mich dann auch mal im Internet umgesehen - aber meist bekam ich den Eindruck, das dort der schnelle Sex gesucht wird. Wenn es das wäre was ich suchen würde, na dann gibts die einschlägigen Adressen, aber das ist nichts für mich. Vielleicht sollte ich mal den Versuch mit nem Singletreff machen - aber auch hier bin ich skeptisch. Hat da schon jemand Erfahrungen mit gemacht ?
Vielleicht sollten sich einige aus diesem Forum mal zusammentun. Zumindest haben wirklich die meisten hier doch die gleichen Erfahrungen gemacht. Es wäre bestimmt auch hier eine gewisse Überwindung nötig, es ist schließlich immer leichter mit Fremden über seine Probleme zu reden, als mit Bekannten.
Naja, c'est la vie.

Bye

11.08.2009 21:52 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

hi jumper

mit singlebörsen im internet habe ich auch so meine erfahrungen.
mit nem singletreff (noch) nicht. es gibt ja sowas wie speed-dating, aber davon halte ich nichts......zu oberflächlich, in ca. 3 min. zu entscheiden, ob man einen menschen nochmal wiedersehen möchte.....

es gibt noch so nen freizeit-treff, mußt mal im internet schauen. die unternehmen wohl verschiedenes u. es gibt da auch 3 versch. altersgruppen glaube ich.
positiv ist wohl, dass die gemeinsamen unternehmungen im vordergrund stehen u. man sich dann auf natürlichere weise kennenlernt, als wenn man es so verkrampft bei nem singletreffen macht......glaube ich zumindest....
ich wollte immer mal dahin, aber irgendwie habe ich mich nicht getraut bzw. mich nicht überwinden können......mmhh...

wie sieht es bei den anderen hier aus ? hat noch jemand ideen / weitere tips diesbezüglich ?

lg

11.08.2009 22:04 • #18


Wieso hast du dich denn nie getraut, mal auf so nen Freizeit-Treff mit zu gehen?
Ich meine: Was ist denn das Schlimmste, was dir dabei passieren könnte?
Es gibt eigentlich bloß zwei Möglichkeiten:
Entweder, du hast Spaß und freundest dich mit Jemandem an.
Das ist recht wahrscheinlich, denn wo viele Menschen aufeinander treffen, ist eigentlich für Jeden was dabei. Ich denke, da findest du bestimmt Anschluss.
Ganz unwahrscheinlich die zweite Möglichkeit: Du hast keinen Spaß und findest keinen Anschluss.
Aber dann hast du wenigstens nen aktiven und schönen Tag in Gesellschaft verlebt und kannst eine Option abhaken.
Und vor Allem: Du hast es mal probiert.

Man kann noch so viel und lange über eine Sache nachdenken.
Aber man findet nie raus, ob es klappt, bevor man es nicht einfach mal versucht.

11.08.2009 22:27 • #19


Zitat von Warmherzig:
hat noch jemand ideen / weitere tips diesbezüglich ?

Altenheim. Da trifft man immer wieder noch recht rüstige Leute, die lieber draussen wären als drinnen (Personal mein ich). Und Du kommst rein und darfst auch ohne Nachteile während deren Arbeitszeit auch wieder gehen. Du kannst natürlich was erzählen von wegen sozial und so Zeuch. Aber die freuen sich bestimmt, jemand zu sehen, der geistig noch voll da ist.

12.08.2009 19:37 • #20



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