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Zu diesem Thread wurde nun schon länger nichts mehr geschrieben, aber viell. ließt sich das ja noch jemand durch. Jedenfalls tut es mal gut sich sein Problem von der Seele zu schreiben. Ich habe nun öfters mal in Beiträgen gelesen, dass ein häßliches Entlein mit all seinen diskriminierenden Erfahrungen zum schönen Schwan aufgeblüht ist und sein häßliches Fell endlich ablegen konnte. Bei mir ist es ganau das Gegenteil. Ich wurde vom schönen Schwan zum häßlichen Entlein.
Ich wurde in meiner Jugend wegen meiner Schönheit hofiert. Ich hatte immer überall nur Vorteile, wurde ständig bevorzugt, Lehrer haben mir immer bessere Noten gegeben, als ich es verdient habe, wurde z.B. öfters mal in einer Schlange vorgezogen. Dem entgegengesetzt wurde ich aber auch stark von meinen Klassenkameraden gemobbt, weil ich dennoch sehr schüchtern und zurückhaltend war und mich nicht wehren konnte. Manchmal gibt es Mauerblümchen, die trotz ihrer Schöhnheit erst später gesehen werden. Und in meiner Jugend, etwa bis zum 16.Lj. fehlte mir eben auch die Coolness, die genauso wichtig ist, um von seinen Gleichaltrigen akzeptiert zu werden. Von der sonstigen äußeren Gesellschaft, außerhalb der Schule, wurde ich sehr gut behandelt. Das ist jetzt vill. ein wenig kompliziert und manchmal schwer zu verstehen, aber diese unterschiedliche Behandlung seitens der Gesellschaft, trotz meines guten Aussehens, war auch teilweise abhängig von meiner Persönlichkeit. In meiner Familie wurde ich sehr stark durch immer wiederkehrende verletzende Äußerungen geprägt, die mich bis heute noch verfolgen und diese sich im Character und im Verhalten manifestiert haben.
Richtig genießen konnte ich mein Aussehen erst, als ich von der Sekundarstufe I in die II kam. Da haben sich einige fest eingebaute Verhaltensstrukturen gelöst und sich mir durch den Wechsel (Schule, Lehrer, Mitschüler) neue Perspektiven eröffnet, die mir meinen Eingang in die Außenwelt stärker ermöglicht haben. Ich wurde offener, kontaktfreudiger und ausgeglichener. Somit hat sich dann die innere Ausstrahlung mit dem Äußerlichen Aussehen positiv verbunden.
Etwa 15 Jahre, heute bin ich Mitte 30, hatte ich nun überhaupt keine Probleme mehr mit meinem Aussehen, ich habe meinem Aussehen nicht mehr oder weniger Beachtung geschenkt, wie jedes andere durchschnittliche Mädchen. Das verändert sich eben erst, wenn man vom Durchschnittlichen abkommt und eine Abweichung eintritt, die auch der Gesellschaft auffällt. Das Fremdbild bestimmt dein Selbstbild. Passender kann man es nicht beschreiben. Plötzlich hat sich eine Umwandlung durchzogen. Es entstand schleichend, ich wurde nicht entstellt oder fettleibig etc. Fremde Menschen um mich herum wurden irgendwann immer distanzierter zu mir, ich wurde immer unfreundlicher behandelt, sei es im Supermarkt, beim Arzt oder in der Bar, Club. Zuerst habe ich es gar nicht bemerkt, da ich ja immer noch dieses Schema in der Reaktion meiner Mitmenschen im Kopf hatte, dass ich bewundert werde und immer nur gut behandelt werde. Irgendwann ist es mir durch meine Freunde bewusst geworden, dass etwas nicht stimmt, wenn wir zusammen unterwegs waren. Denn durch ihre Augen konnte ich sehen, dass das, was gerade passiert ist (Unfreundlichkeit eines Dritten mir gegenüber) nicht nur Zufall war, sondern dass es explizit gegen mich gerichtet war. Nach und nach habe ich durch diese Vorfälle alle meine Freunde verloren, nicht dass ich keine guten Freunde hatte, ich habe mich zurückgezogen, isoliert, Ausreden erfunden, warum ich nicht ausgehen kann usw. Zwischenzeitlich war ich aus beruflichen Gründen ein paar Monate im Ausland und somit habe ich alle meine Kontakt abgeblockt.
Um es nicht noch zu lange weiter auszuführen: Das hat sich so über etwa 4 Jahre so entwickelt, heute bin ich arbeitslos, sitze nur noch zuhause herum, habe keine Freunde, keine Freude im Leben, traue mich nicht aus dem Haus, außer wenn es sein muss (Einkaufen, Arzt). Zwischenzeitlich bin ich beruflich innerhalb D umgezogen und sehe nun auch meine Familie nicht mehr (tel.Kontakt.). Ich sitze also nun schon seit Monaten den ganzen Tag alleine vor mich hin, sehe Filme, Internet. Das ´Vor die Tür gehen´fällt mir von Tag zu Tag schwerer. Ich werde in allen Belangen diskriminiert, dass man es sich nicht vorstellen kann. Hinter mir an der Kasse stellt sich oft keiner an, als hätte ich die Pest. An Bahn-/Bus Haltestellen ist um mich herum oft ein großer Radius frei, weil keiner in meiner Nähe stehen will.
Und das ALLER, ALLER SCHLIMMSTE ist, dass ich es mir selbst nicht erklären kann, woran das liegt. Meine Familie sagt, dass ich es mir einbilde, obwohl ich auch in ihren Gesichtern die Wahrheit ablesen konnte, wenn wir mal in der Öffentlichkeit unterwegs waren. Es ist fast so, als wenn sich ein Fluch über mich gelegt hätte. Ich bin natürlich nicht abergläubig und werde auch nicht paranoid, aber das frisst echt die Seele auf. Ich kann deswegen nicht mehr arbeiten gehen, kann nicht mehr glücklich und zufrieden an allen gesellschaftlichen Aktivitäten teilnehmen, sobald ich in einen Raum (öffentlich) komme, werde ich mit abwertenden und angeekelten Blicken gestraft, die mich am liebsten sofort rauswerfen würden. Ich verstehe schon seit Langem die Welt nicht mehr. Das ist echt kein lebenswertes Leben, wenn man so gestraft wird. Ich habe schon alles versucht mein Ausshen zu verändern, sogar eine Nasenop habe ich hinter mir, es hat allles nichts gebracht. Es nützt alles nicht. Das Einzige, was ich mir erklären kann, ist dass ich aus meinem Kindchenschema herausgewachsen bin und sich meine fraulichen Gesichtszüge durchgesetzt haben und es deswegen zu diesem extremen Wandel in den Reaktionen gekommen ist. Ich selbst sehe an mir keine Veränderungen. Ja, ich habe wirklich beide Extreme kennen gelernt: Das Leben einer Schönheit und das Leben einer Geächteten! Ich weiß, das hört sich sehr krass an, aber so fühle ich mich nun einmal.
26.03.2011 13:28 •
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