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_Verzweifelt_

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Hallo Zusammen,
Ich habe glaube bereits vor ein paar Jahren hier zu diesem Thema geschrieben, aber es beschäftigt mich immernoch. Ich wurde während meiner 3 Jährigen Ausbildung bezüglich meines Aussehens stark gemobbt, vorallem von einer Person. Ich habe seit dieser Zeit stark verändert. Ich würde sagen ich habe mein Selbstvertrauen immerhin etwas gestärkt. Aber auch wenn ich jetzt ehemalige Mobber antreffe verfällt mein komplettes Selbstvertrauen ich weiss nicht warum ich leide wie unter einem irrationalen Fluch. Dies ist etwa vor 2 Jahren in der Stadt passiert. Ich habe zufällig einen dieser Bastarden getroffen er hat weitergemacht wie früher. Ich war so geschockt, mein Puls ist raufgegangen aber ich habe kein Wort rausgebracht... Echt traurig, aus diesem Grund habe ich immer Angst das wenn ich mit Freunden am Wochenende feiern gehe, dass ich wieder zufällig auf eine dieser Personen treffe. Ich mache schon länger Kampfsport und habe auch dadurch mein Selbstvertrauen gestärkt. Ich habe mir selber geschworen das wenn ich nochmal einen dieser Leute sehe und sie mir dumm kommen ich ihnen direkt eine reinhaue, da ich kein Wort rausbringen würde und mich nicht verbal wehren könnte... Traurig ich weiss

Nun zum konkreten Problem. In meinem Studium muss ich in 2 Monaten eine Exkursion zu seiner Firma machen. Ich weiss dass er dort immernoch zu 50% angestellt ist. Die Exkursion ist obligatorisch, aber ich kann dort nicht hingehen, ich kann ja nicht vor meinen Kollegen und Dozenten so durchdrehen und mich vor Ihnen erniedrigen zu lassen will ich auch nicht. Ich weiss nicht was ich machen soll, aber ich kann dort auf keinen Fall hin. Vielleicht kann mir jemand einen Rat zu diesem konkreten Problem oder auch allgemein zu meiner Angst gegenüber dieser Ar. geben?

Liebe Grüsse,

Verzweifelt

19.02.2019 18:13 • 21.03.2019 #1


30 Antworten ↓


la2la2

la2la2


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Zitat von _Verzweifelt_:
In meinem Studium muss ich in 2 Monaten eine Exkursion zu seiner Firma machen.

Und wenn du für den Tag (und damit es unauffälliger ist nicht nur für 1 Tag) einen Krankenschein vom Arzt hast, dass du krank bist?
Jeder vernünftige Arzt sollte dich auch bei der Wahrheit sofort krankschreiben.

19.02.2019 19:43 • x 1 #2


_Verzweifelt_


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Ja das hab ich mir auch überlegt. Aber am Nachmittag muss ich wegen nem anderen sehr wichtigen Termin an die Uni... Ich hab mir überlegt ob ich einfach sagen sollte das ich verschlafen habe, weiss hald nicht ob ich wegen so nem kleinen Patzer gleich in dem Kurs durchfallen würde. Das wäre sehr ärgerlich. Die chance besteht auch dass es gar nicht auffällt das ich fehler aber da liegen die Chancen auch ca. bei 50%. Ich weiss echt nicht was ich machen soll

19.02.2019 19:54 • #3


Daisho

Daisho


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Zitat von _Verzweifelt_:
Hallo Zusammen,...

Hallo "Du Einer"....
Eine Bitte im Vorfeld: "Unterschreibe" bitte nicht mehr mit "verzweifelt". Tausche es aus mit einem Namen, einem Nick, der dein positives Ziel bestärkt. Einem Namen, welcher positiv dir "aus dem Bauch" kommt. "Verzweifelt" kann sich ebenso zu einem negierenden Glaubenssatz entwickeln wie Anderes.
Zitat von _Verzweifelt_:
Ich wurde während meiner 3 Jährigen Ausbildung bezüglich meines Aussehens stark gemobbt, vorallem von einer Person. Ich habe seit dieser Zeit stark verändert. [ ... ] Ich habe zufällig einen dieser Bastarden getroffen er hat weitergemacht wie früher.

Das erinnert mich an eigene Erlebnisse: Ich wurde in meiner Schulzeit über Jahre massiv gemobbt. Nach etwa 30 Jahren zog es mich in meinen Heimatort zurück, dort traf ich in einer Eisdiele einen meiner früheren Mobber. Er begann, wie es seinerzeit endete. Plötzlich war von dem erfolgreichen Unternehmensberater - der ich u. A. zwischenzeitlich geworden war - nichts mehr übrig. Ich war genauso hilflos, wie ich es in meiner Schulzeit gewesen war. Und das - mit Verlaub - einem tatsächlich dämlichem JVA- Schlusen gegenüber.
Es brauchte Zeit, die Ursachen zu begreifen. In der Zeit, in der ich aktiv dem Mobbing unterlag, hatte ich "Strategien" entwickelt, die ein "erfolgreiches" Umgehen damit erlaubten. Doch, es waren Strategien, die einem 10jährigen genügten, nicht jedoch einem Erwachsenen. Dennoch fiel ich 'automatisch' in die Position des 10jährigen zurück. Mein Unterbewusstsein versuchte als erfolgreich erkannte Strategien erneut um zu setzen. Jedoch, ich war nicht mehr der, auf dessen Basis sie entwickelt wurden...
Folgend erlebte ich sehr ähnliche Empfindungen, wie du sie beschreibst.

Übrigens; das Mobbing der Vergangenheit bewegte auch mich, Kampfsport zu trainieren. Besser gesagt, eine Kriegskunst. Ich habe mich bis zum Träger des 2. Dan vorarbeiten können. Auch bei mir bekräftigte dies mein Selbstbewusstsein, doch änderte dies nicht an den "kindlichen" Umgehen mit in der Kindheit erlebten Verletzungen....

19.02.2019 21:49 • x 1 #4


_Verzweifelt_


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@Daisho vielen Dank für deine Beiträge! Ich werde dir morgen oder spätestens übermorgent antworten. Wäre schön wenn wir das noch etwas diskutieren könnten

19.02.2019 21:53 • #5


Daisho

Daisho


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Zitat von _Verzweifelt_:
Wäre schön wenn wir das noch etwas diskutieren könnten


Gerne. Aber sei mir nicht böse, wenn ich etwas Zeit brauche zu antworten.

20.02.2019 23:21 • x 1 #6


_Verzweifelt_


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Hey sorry das ich mich erst jetzt melde. Hab momentan viel zu tun. Ich überlege mir immernoch ob ich an diese Exkursion gehen sollte oder nicht. Was meinst du dazu? Der Gedanke hinzugehen macht mich schon sehr nervös. Ich verstehe mich mit meinen Studienkollegen sehr gut und ich sehe diesen Event als Gefahr an dass sich dies ändern könnte. Möglicherweise würde es ja gar nicht auffallen dass ich geschwänzt habe und falls ja sollte es doch auch möglich sein ein Arztzeugniss im nachhinein zu erwirken oder? Ich habe einen sehr verständnissvollen Arzt ich denke wenn das möglich ist sollte es gehen.

Wie kann ich das Problem aber langfristig lösen? Es kann ja nicht sein, dass wenn ich in die Stadt oder an andere Orte gehe Angst habe gewisse Personen zu treffen!? Es ist eigentlich echt traurig ich habe in meinem Leben so viel erreicht, ich mache Kampfsport, gehe in der Nacht im Wald joggen, war 1 Jahr im Militär, aber ich habe davor Angst so einen *beep* zu treffen Denkst du es ist möglich das Problem ohne Psychologe zu lösen? Ich habe teilweise schon so kranke Ideen, dass ich ihn abpasse und ihm einfach mal eine Verpasse um mit der Sache abzuschliessen. Ich weiss dass es dumm ist und ich mit rechtlichen Konsequenzen rechnen könnte. Ich weiss nicht wie aber ich muss etwas verändern. Nochmals zu den Glaubenssätzen, kannst du mir irgend eine Seite oder sonstige Literatur empfehlen wo dies genauer beschrieben wird?

Noch eine andere Frage. Denkst du der sexuelle Übergriff in meiner Kindheit könnte auch zu meinem geschwächten Selbstvertrauen beitragen? Wenn ich darüber nachdenke habe ich nicht das Gefühl, dass mich das nicht beeinträchtigt, aber könnte ja sein dass es mich unbewusst beeinflusst.

Liebe Grüsse

24.02.2019 12:57 • #7


Icefalki

Icefalki


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Hallo Verzweifelt, meinst du dein Mobber hat sich nicht weiterentwickelt? Nix dazugelernt? Immer noch im infantilem Muster unterwegs? So null Selbstbewusstsein, was sein mangelndes Selbstwertgefühl verbessern könnte? Eigentlich doch ein Armutszeugnis, wenn man mal überlegt, was du zwischenzeitlich erarbeitet hast.

Ich erarbeite mir solche Vorfälle, also meine persönlichen Problematiken insofern, dass ich mir Strategien überlege. Wenn der also tatsächlich wieder nen blöden Spruch raushaut, kannst du ihn entweder ignorieren, oder du weisst ihn ganz sachlich auf sein infantiles Verhalten hin, und bedauerst seine mangelnde Entwicklung. Innerlich akzeptierst du einfach, dass es ok ist, sich manchmal fürchten zu dürfen. Von nix haben wir ja keine Problematik entwickelt.

24.02.2019 13:16 • x 4 #8


_Verzweifelt_


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@Icefalki leider ist es wirklich so dass sich diese Person innerhalb von 4 Jahren kein bisschen verändert hat. Ich finde es auch traurig ich habe mich im Zeitraum von 17-23 enorm verändert. Aber eben als ich ihn vor ca. 2 Jahren getroffen hab, hat er genau dort weitergemacht wo er aufgehort hat. Noch trauriger ist, dass ich ihm bis jetzt noch nicht mal meine Meinung gesagt hab... Ich hab mich jetzt definitiv entschieden nicht an diese Exkursion zu gehen und mit dieser Entscheidung gehts mir immerhin etwas besser. Ich muss dieses Problem trotz allem irgendwie lösen und nicht einfach verdrängen. Entweder muss ich den Konflikt mit mir selber lösen oder villeicht wirklich eine Konfrontation mit dieser Person eingehen. Aber es kann ja nicht sein das meine Lebensqualität wegen so einem Unmensch berinträchtigt wird...

24.02.2019 15:09 • #9


kalina

kalina


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Ich glaube nicht, dass man sich immer mit allem unbedingt konfrontieren muss, vor allem nicht, wenn man etwas für sein tägliches Leben nicht unbedingt braucht.
Abgesehen davon könnte es auch sein, dass Du dem Mobber in der Firma gar nicht begegnest.Vielleicht ist er nicht da, arbeitet in einer anderen Abteilung oder sowas.

Es gibt auch Menschen in meinem Leben, bei denen ich nicht scharf drauf bin, ihnen jemals wieder zu begegnen. Falls ich sie doch irgendwo zufällig sehe, und absolut keine Lust habe, mich mit ihnen zu unterhalten, dann gehe ich ihnen aus dem Weg oder versuche sie einfach zu ignorieren. Ich brauch das wirklich nicht, mich mit jedem unangenehmen oder gar beleidigenden Mitmenschen zu konfrontieren.

Ich muss auch nicht jedem unangenehmen Zeitgenossen meine Meinung gesagt haben, dafür ist mir meine Zeit und Energie auch zu schade.

Wo es mir in meinem Leben wirklich wichtig war, es im Nachhinein noch zu tun, da hab ich das dann auch getan.

Menschen, die Dich wegen dem Aussehen mobben, das finde ich charakterlich dermaßen unterirdisch, um solche Charakterschweine würde ich sowieso einen großen Bogen machen.

Lass Dir lieber vom Arzt ne AU geben.

24.02.2019 17:02 • x 2 #10


Icefalki

Icefalki


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Ok, ist ja jetzt nicht weiters schlimm. Glaube mir, aus mir wurde auch nicht über Nacht das, was ich jetzt bin.

Bleib aber weiter da dran. Es lohnt sich wirklich, wenn man quasi viel in sich selber investiert. Dazu gehört auch eine Portion Selbstkritik und die Fähigkeit, zu unterscheiden, wem ich wie gestatte, mit mir umzugehen.

Eines ist aber wirklich wichtig im Leben. Und das bist du. Und damit es dir soweit gut gehen kann, benutze doch dein Chi.

Lass es fließen. Wird doch im Kampfsport trainiert. Und anstelle diese Energie nur für die Körper zu nutzen, nutze sie für deine Psyche.

24.02.2019 17:26 • x 2 #11


tuffie 01

tuffie 01


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Hallo,

Gehe hin ,vermeiden nicht. Das stärkt dein selbstbewusstsein ,noch mehr.
Du wirst sehen , dass du gestärkt aus der Situation gehst.
Jede Vermeidung lässt uns wieder in Kindesalter zurück gehen , genau zu diesem Zeitpunkt wo der mopping stattgefunden hat.

Die andere mobben Wissen von deiner intelligente Seite und sind neidisch.
Aufrecht stehen und liebe das Leben.

24.02.2019 20:44 • #12


_Verzweifelt_


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Also ich habe mich nun entschieden nicht hinzugehen, egal was für Konsequenzen es gibt. Man muss auch zu seinen Entscheidungen stehen und nicht immer hin und her entscheiden. Hat den sonst jemand nen Tipp für mich wie ich das Problem nachhaltig losen kann? Es scheint leider so dass es mich ja immernoch beschäftigt Beim Kampfsport denk ich in letzter Zeit auch wieder öfters an ihn und das gibt mir Power. Das Problem an sich wird so ja auch nicht gelöst. Denkt ihr Verdrämgung wäre eine Strategie? Einfach versuchen nicht mehr daran zu denken?

24.02.2019 22:01 • #13


Gaulin

Gaulin


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Hey ich häng mich mal kurz rein...
Verdrängen? Bitte nicht, wenn du doch die Möglichkeit hast, das Problem konfrontal zu lösen... dich beschäftigt es ja doch sehr und schränkt dein Leben und dein Vorankommen ein. Die Konsequenzen trägst allein nur du selbst. Wozu? Ist der das denn Wert? Du hast dich weiterentwickelt und kannst dich noch weiter entwickeln, indem du dich mit dem triffst. Dazu gehört ne Menge Mut und ganz egal wie es ausgeht, du kannst nur gewinnen! Du schaffst das, glaub an dich. Zeig dem, wen der vor sich stehen hat! Lass dir nix mehr gefallen von so einem Nichtsnutz, lass deine Wut genau an diesem *beep* raus, an dem Erzeuger deiner Ängste und Einschränkungen (aber bitte nicht straffällig werden, nur wehren, wenn nötig)... ballere den voll mit all deinem Ballast, mach dem Angst

24.02.2019 22:57 • #14


Daisho

Daisho


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Hallo Kohai-san...

Zitat von _Verzweifelt_:
Wie kann ich das Problem aber langfristig lösen?


Mit Sicherheit nicht, in dem du dich dessen Lösung durch ausweichen verweigerst. In so weit muss ich meinen Vorrednern vorbehaltlos beipflichten.
Das Leben ist gerade in dieser Beziehung auch äußerst 'gemein': Mir legte es verdrängte oder einfach nicht gelöste Probleme immer wieder vor. Ich fürchte, dir wird es nicht anders ergehen.

Im Grunde bin ich bei @gaulin, auch wenn ich seine Worte als etwas zu martialisch empfinde. (Sicher nicht so gemeint, oder? )

Dort, wo die Angst ist, geht dein Weg entlang, durch sie hindurch. Triff deine Entscheidung; willst du die Situation beherrschen? Oder soll sie dich weiter beherrschen?
Wenn du dich entschieden hast, durch die Situation zu gehen, dann beginne gleich zu überlegen, zu visualisieren, wie du dies erfolgreich machen willst. Allein bereits dieses bestärkt dich, schenkt dir Kraft.
Überlege im Vorfeld, was dir im schlimmsten Fall passieren könnte: Geht er dich körperlich an? DU bist Kampfsportler und ExSoldat. Normalerweise dürfte dies dir ausreichend innere Sicherheit geben, nicht so leicht zu schlagen zu sein. Die inner Ruhe, auch ohne körperliche Gewalt 'Barbaren' gegenüber treten zu können.
Ebenso ist es dir erlaubt, deinen Gegner in der Visualisierung, in deiner Vorstellung lächerlich zu machen. Ich habe mir 'Angstkunden', '-Gegner' oft in den lächerlichsten Situationen vorgestellt: Des Nachts, in wallenden Schlafgewand von Anno dazumal, mit Kerze und *beep* Pott unterwegs. Oder bei ausgesprochen "bildungsfernen Menschen" a la Wilhelm Busch Max und Moritz: Rasch über's Knie gelegt, die Hos' herab und die Hand tanzen lassen.
Sicher nichts für die Realität, aber allein die Fantasie entspannt die (DEINE) Situation. Wie angsteinflößend kann eine Person sein, die eben noch mit dem *beep* verzweifelt nach Leerung suchte, oder auf dessen entblößten Hintern du die Hand tanzen ließt?

Und, auch wenn mir sämtliche Hintergründe deiner Kampfsporterfahrung fehlen: Ich muss @Icefalki -sensei zu stimmen. Nutze dein Chi!

25.02.2019 15:55 • x 1 #15


Gaulin

Gaulin


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Nein ich meine sicher nicht damit, dass er jetzt mit seinem "Gegner" Krieg führen soll... das wäre kontraproduktiv. Er soll sich nur nix gefallen lassen, ruhig kontern und nix befürchten (sicher fast unmöglich in seiner Situation, was ich vollkommen verstehe). Nur, wenn er ihm weiter so unterlegen ist und aus Angst die Flucht ergreift bzw sein Leben so sehr dadurch einschränkt, wird es nie besser.
Liebe Grüße

25.02.2019 16:58 • x 1 #16


Angor

Angor


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Zitat von Icefalki:
Eines ist aber wirklich wichtig im Leben. Und das bist du. Und damit es dir soweit gut gehen kann, benutze doch dein Chi.

Lass es fließen. Wird doch im Kampfsport trainiert. Und anstelle diese Energie nur für die Körper zu nutzen, nutze sie für deine Psyche.

Solange man den Kampfsport dazu nutzen möchte, jemand anders einfach nur eine reinzuhauen, hat man nicht begriffen, worum es eigentlich bei diesem Sport auch geht, dann ist Chi nur ein Fremdwort.

25.02.2019 17:11 • x 5 #17


Daisho

Daisho


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@gaulin: Hallo, und danke für deine Ergänzung.

Zitat von Gaulin:
Nur, wenn er ihm weiter so unterlegen ist und aus Angst die Flucht ergreift bzw sein Leben so sehr dadurch einschränkt, wird es nie besser.


"Uns" hilft dabei etwas: wir mögen innerlich vor Angst zittern. Wenn wir uns aber in die richtige mentale Stimmung versetzen, uns quasi zuvor psychisch dopen, bemerkt niemand etwas. Ich hatte vor Jahren mal die Situation bei einem "Walk durch den Park" einer Großstadt, dass mir eine etwas abgerissene Person ein Messer vor die Nase hielt und mich um meine Wertsachen "bat". Ich reagierte - obwohl innerlich zitternd - eigentlich und scheinbar kalt: Ignorierte das Messer und sprach in entspanntem Ton mit der Person. Verbarg meine Angst. Mein Verhalten verwirrte die Person so sehr, so dass sie nach unerwiderten "Machtspielchen" die Flucht ergriff. (Fragt mich jetzt nicht, was mich ritt; auch als trainierter Kampfsportler ist ein Messerangriff nicht ohne, also bitte nicht nachmachen)

Ich habe mich hernach lange Gedanken darüber gemacht, auch fiel mir etwas auf: Ich hatte Reden "zur Lage des Betriebes" vor Mitarbeiterversammlungen zu führen. Aufregung und Aggression war vorprogrammiert. Ich bin in keine dieser Reden ohne Angst gegangen. Dennoch bemerkte dies keiner. Vor allem nicht, nachdem ich gut vorbereitet in die Situation ging. Im Gegenteil erhielt ich viele Komplimente; wohl auch, weil niemand bemerkte wie durchgeschwitzt mein Anzug tatsächlich war...

Auch wenn der Zusammenhang nicht auf den ersten Blick erkennbar ist; in beiden Fällen gab es eine gewisse Erwartungshaltung: Der Messerbesitzer erwartete auf sein Vorhalten eine gewisse Reaktion von mir. (Angst, Angstreaktionen) Um sich - durch diese Ängste - mental über mich stellen zu können. Als seine Erwartungshaltung nicht erfüllt wurde, verwirrte ihn dies. Diese Verwirrung ließ sein scheinbares Selbstbewusstsein verflüchtigen. In der Mitarbeiterversammlung ähnlich. Ich war der "böse Feind", welcher die Arbeitsplätze gefährdete. (So die Sicht) Dieser Feind musste 'angegriffen werden'. Doch ließ ich mich davon (scheinbar) nicht beeindrucken. "Bewies" als scheinbar allein vor der Gruppe stehender eine Stärke, die jene der 'Angreifer' übertraf.

Sicher, das Meiste war Show. Aber, wer weiß derlei? (Ausser euch jetzt?)

@Angor
Danke für deine Worte. Würdest du bitte "Chi" erklären, damit es auch für die "Nicht-Kampfsportler" oder "Kriegskünstler" hier verständlich wird?

25.02.2019 17:51 • x 2 #18


Gaulin

Gaulin


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Danke Daisho..
Verwirrung scheint eine gute Strategie zu sein. Klar, nicht jeder reagiert gleich auf solche Gefahren. Aber ein haben wir alle gemeinsam: ANGST. Flucht ist demnach völlig normal, aber in der Situation von "verzweifelt" nach so langer Zeit ist die Flucht (und auch die Angst) eher die Erinnerung/Vergangenheit. Wenn es aktuell nur "was ist wenn"-Gedanken sind und diese das Leben beeinflussen, sollte man aktiv etwas dagegen tun, wenn man es ändern möchte. Was kann der "Feind" von damals heute noch ausrichten? Ist es real noch Angst zu haben? Besteht die Angst überhaupt heute noch oder ist es nur die Erinnerung? Er handelt heute in Form von Flucht, was aber die Vergangenheit nicht ändern kann. Beide sind reifer, erwachsener geworden, auch wenn nur unscheinbar. Aber ein Versuch wäre es wert, wenigstens mal mit ihm zu sprechen - und ihn von mir aus zu verwirren...

25.02.2019 22:00 • x 1 #19


Daisho

Daisho


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Hallo Gaulin.
Den Satz halte ich für sehr zutreffend. (Wenn auch vielleicht aus anderer Betrachtungsweise, wie du es meintest)
Zitat von Gaulin:
Ist es real noch Angst zu haben?


In meinen Augen ist Angst immer "irreal". (Unabhängig der Art des Triggers) Sie ist "einfach" ein Gefühl, welches durch unsere Vorstellungen und Fantasien, verknüpft mit der eigenen Unerfahrenheit, Unsicherheit in Situationen (oder eben Erfahrungen der Vergangenheit) angeheizt wird. Nicht der Angstkunde, -gegner ist der Energiegeber der Angst, wir selbst sind es.
Wenn aber unsere Vorstellungen und Fantasien - also jenes, was diese Person/Situation mit uns anstellen könnte - sie bestärkt, können andere Vorstellungen (gegenteilige, Siehe Beispiel) sie auch wieder mindern. Und was Situationen betrifft, ist es ähnlich dem Kampfsportler oder Soldaten: Er trainiert bestimmte Techniken zum Angriff, zur Abwehr so häufig, ein auf Kommando in den Dreck werfen, dass sie im Schlaf sitzen. Er sich auf diese verlassen kann. Dieses Wissen darum bestärkt auch das Selbstbewusstsein, das Auftreten der betreffenden Person.

25.02.2019 22:57 • x 1 #20




Prof. Dr. Borwin Bandelow

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