5

Einsamer Stern
Hallo liebe Forummitglieder,

ca 6 Jahre ist es her, dass ich hier im Forum schrieb und auch ein paar nette Kontakte fand, wobei es nur mit einer Person zu einem persönlichen Treffen gekommen ist. Mit einer netten Person hatte ich damals viel geschrieben. Mit einer anderen Person habe ich mich sogar getroffen! Der junge Mann war sehr nett. Doch schnell merkte ich, dass er eigentlich voll im Leben gestanden ist, im Gegensatz zu mir beste Voraussetzungen hatte, um Freundschaften zu finden. Von daher wäre ich ihm bloß eine Bremse gewesen, und zog mich wieder zurück. So ist es nun auch weiterhin. Wir schreiben das Jahr 2020, und es ist geblieben wie vor 6 Jahren, und wie 6 Jahre davor, und 6 davor, usw.

Heute bin 42 Jahre, beruflich voll im Leben stehend, aber privat immer noch sehr einsam. Wie ihr dem Titel entnehmt, wohne ich in Köln, einer doch so bunten und lebhaften Stadt. Kennt ja jeder, Karneval usw. Und die meisten verbinden Köln mit einer Stadt der heiteren und offenen Menschen. So sitze ich nun in dieser "tollen" Stadt und bin alleine. Na klasse! Und in Köln ist das vielleicht sogar besonders schlimm

Die viel besungene Offenherzigkeit empfinde ich persönlich eher als oberflächlich. Es muss dir nur mal schlecht gehen, dann lässt dich hier jeder auf der Straße sitzen Doch will ich jetzt nicht die Fehler nur bei anderen suchen. Ich selber bin schon zugegebenermaßen ein introvertierter Typ. Ich nehme zwar gerne an allem teil, doch fällt es mir einfach schwer, auf die Leute zuzugehen.

Schon als Kind war ich immer Außenseiter. Und ich denke immer, ich belästige die Menschen nur wenn ich ihnen etwas erzähle. Oft habe ich auch Missachtung und Ignoranz mir gegenüber erlebt. Das hat wohl dazu geführt, dass ich nun auch eher abweisend nach außen hin wirke.

Zu meiner Familie habe ich einen nur begrenzt guten Kontakt. Ich fühlte mich sehr verbunden mit der Aussage eines anderen Herrn hier im Forum, welcher erzählte, dass er praktisch von seiner Familie gemobbt wird. So ging es mir auch immer. Schon alleine weil ich immer Schwierigkeiten damit hatte, eine Freundin zu finden. Es ist schon sehr hart, wenn dann der eigene Onkel einen als Versager einstuft. Nun ja, so zieht es sich durch alle Lebensbereiche.

Freunde habe ich wenige, eher Kumpels würde ich sagen. Die haben in der Regel Partnerinnen am Fließband oder sind dauerhaft glücklich vergeben, und so stehe ich nur daneben und staune, und bin froh, wenn ich denn mal als Lückenfüller für Unternehmungen dienen kann. Aber wirklich glücklich stellt mich das natürlich nicht.

Ich würde schon sagen, dass ich freundlich, nett, offenherzig bin, so vom Grundwesen her. Nur habe ich mittlerweile so einen Schutzwall um mich herum aufgebaut, dass ich da selbst kaum heraus komme, geschweige denn andere es zu mir schaffen. Ich bin zu vorsichtig geworden. Viele Enttäuschungen, wie gesagt seitens Familie, Freunden, meiner Ex-Freundin, alles hat mich misstrauig gemacht, teilweise bin ich glaube ich sogar gefühlskalt geworden.

Das Ganze ist insofern paradox, weil ich beruflich mit vielen Menschen zu tun habe, in meinem Betrieb auch Dreh- und Angelpunkt bin sozusagen. Aber ich bin dort wie ein Schauspieler. Das bin nicht ich. Privat ist es eben ganz anders. Da bin ich dann der zurück gezogene vereinsamte Typ.

Wenn ich privat ausgehe werde ich praktisch von niemandem wahrgenommen, weder von den Männern als Kollege und Freund, oder bei den Frauen als Objekt des Interesses.
Manchmal gehe ich alleine in die Stadt und beobachte die Leute, will einfach trotzdem irgendwie mit dabei sein. Manchmal komme ich mir vor wie ein Geist, der alles wie aus der Vogelperspektive heraus beobachtet, ungesehen von den anderen. Wie ein Unsichtbarer bin ich mittendrin, und trotzdem so weit weg.

Zu meinen Arbeitskollegen gibt es zwar Kontakte, doch sind diese privat sehr eingeschränkt. Ich höre oft was sie alles so unternommen haben, und schweige meinerseits fast immer. Ich werde aber auch nicht wirklich gefragt, was ich denn so gemacht habe am WE oder wie ich mich fühle, oder ob man mal zusammen etwas macht. Von Feiern oder so höre ich meist im Nachhinein. Niemals würde ich gefragt, ob ich auch mal hinzu kommen möchte.

Ein "kleiner Traum" im Traum. : Ich liebe es im Sommer durch die Parks zu gehen. Na gut jetzt mal Corona ausgenommen. Aber sonst blicke ich auf die kleinen Grüppchen die ausgelassen in den Parks sitzen und grillen und einfach gesellig beisammen sind. Mensch das wär mal was da auch einfach dabei zu sein. Es ist wie ein weit entfernter Traum, ein paar Leute kennenzulernen, eben eine kleine Gruppe, mit denen man solch "ganz normale" Dinge mal gemeinsam machen kann!

Was ich mir total wünschen würde, wäre jemanden kennen zu lernen, mit dem ich mich über alles unterhalten kann. Damit das nicht falsch rüber kommt: mir geht es nicht nur um mich! Ich bin auch wirklich sehr an anderen und ihrem Leben interessiert! Ich kann zwar gut quatschen, wenngleich man es nach diesem Post wohl eher nicht glaubt, aber auch gut zuhören und bin aufrichtig interessiert!

Am besten wäre es mit jemandem aus meiner Umgebung in Kontakt zu kommen (ich meine Großraum NRW, bin mobil!). Gerne auch für Unternehmungen, weil ich eigentlich ein lebenslustiger, aktiver Typ bin. Nur wäre es wichtig, dass es jemand wäre, der mich und meine Vorgeschichte versteht. Jemand der damit klar kommt, dass ich etwas anders bin als die anderen und sich am besten in den Zustand hinein versetzen kann, wie es ist sich einsam und ausgeschlossen zu fühlen.

Es würde mich sehr freuen, wenn mir jemand zurück schreiben würde.

Viele liebe Grüße,
Einsamer Stern

11.05.2020 21:13 • 16.05.2020 x 3 #1


10 Antworten ↓


Darcyless
Lieber Einsamer Stern,

zwar komme ich nicht aus deinem Gebiet, doch ich wollte trotzdem schreiben, denn ich fühle 100% mit dir.
Auch mir fehlt ein kleiner, netter Freundeskreis der einfach zu mir passt: Menschen, bei denen ich das Gefühl hab, sie sind mit mir auf einer Wellenlänge.
Ich lieb die Familie von meinem Freund, aber ich fühl mich bei denen wie ein Alien, einfach anders.
Ansonsten habe ich, seit ich in BS wohne, keine Freunde mehr, ich lebe komplett zurückgezogen von der Außenwelt.
Menschen die mich kennenlernen sagen, ich wäre offen, selbstbewusst, herzlich, lustig, könne so gut auf Menschen zugehen.
Aber das ist die oberflächliche Version von mir.
Mein wahres Ich sehnt sich einfach nur von ganzem Herzen nach Menschen die zu mir passen.
Doch diese Menschen wollen einfach nicht in mein Leben kommen und wenn sie dann kommen, ziehen sie nach einem halben Jahr in eine neue Stadt.
So war es mit meiner besten Freundin vor 2 Jahren, die einzige Freundin in 8 Jahren die ich kennenlernen durfte, mit der ich mich freiwillig getroffen hab, für die ich freiwillig das Haus verlassen hab. Mit ihr Kaffee zu trinken, zu quatschen, Fotos zu schießen, zu lachen, zu feiern - das war wie eine Heilung, auf die meine Seele mein Leben lang gewartet hat. Ich hätte noch Jahre mit ihr gebraucht, am besten Jahrzehnte, um meine lebenslange Einsamkeit langsam vergessen zu können.
Doch nach einem halben Jahr einer wunderschönen, intensiven gemeinsamen Zeit musste sie weit weg gehen.
Schon als sie noch da war, hatte ich in mein Tagebuch geschrieben, das ist zu schön um wahr zu sein, ich weiß dass dieses Glück nicht bleiben wird, sie wird wieder aus meinem Leben gehen.
Seit sie weg ist, bin ich wieder so allein wie davor, vielleicht noch einsamer, weil ich noch weniger Lust auf oberflächliche Freundschaften habe.
90% der Menschne, die ich kennenlerne, empfinde ich als selbstsüchtig und unsympathisch.
Meine sozialen kontakte Pflege ich nur übers Internet und ich wünsche mir Tag für Tag, endlich in dieser Stadt eine Freundin zu finden, aber Gott will es nicht für mich.
Ich verstehe dich, die Einsamkeit in Kobmination mit der Weigerung, sich auf Freundshaften einzulassen die nicht echt sind.
Ich möchte einfach sagen, dass ich im selben Boot sitze.

Liebe Grüße
Darcy

11.05.2020 21:28 • x 1 #2



Einsam in Köln immer noch nach 6 Jahren

x 3


Mylenix
Meine beste Freundin zieht auch bald weit weg, ich werde sie zwar trotzdem besuchen kommen, aber ich war doch etwas traurig, ich habe sonst keine realen Kontakte, sie ist der einzige Freund den ich in meinem realen Leben habe. Aber die Einsamkeit hat bei mir Andere Gründe über die ich sehr selten spreche, so bleibt es mein eigener ewiger Kampf.
In welcher Stadt lebst du denn Darc? Sonst hätte ich eventuell mal das Angebot eines privaten Forumtreffs unter uns drei gemacht. Aber ich glaube das wäre für euch nicht das richtige.

11.05.2020 23:05 • #3


Darcyless
In Braunschweig, und du?
Warum denkst du das?

11.05.2020 23:12 • #4


Mylenix
Ich hätte eher gedacht ihr bräuchtet erstmal kennenlernzeit und festes Vertrauen untereinander und sowas.

Ich komme aus Lünen.

11.05.2020 23:17 • #5


Einsamer Stern
Hallo Darcy,
ohh, da war ich überrascht über die schnelle Antwort. Wollte gerade den Rechner herunter fahren ; -)

Also danke dir auf jeden Fall für deine Anteilnahme, wenn man das so sagen kann, und Grüße nach Braunschweig!

Nunja, ich gebe zu, ein paar Parallelen gibt es. Und was ich mich als allererstes frage ist es, ob Du da für Dich selbst so eine Art Herleitung überlegt oder gefunden hast, warum deine Situation so ist? Ich denke da wirst du wohl oft darüber nachgedacht haben. Die Frage ist eben, ob du zu einer Vermutung / Lösung gekommen bist?...

Ein bisschen klingt es so, als seist du nach Braunschweig gezogen, und seitdem (Neuanfang?) seien deine sozialen Kontakte weg bzw. nie wirklich entstanden. Daher frage ich mich, war es denn mal anders? Besser?

Und wenn du schreibst, du hast das Gefühl, dass die Meisten nicht zu dir passen, so stelle ich mir als Neutraler die Frage, wie sollten die Leute denn sein, damit sie zu dir passen?

Das mit dem wie ein Alien fühlen, das kenne ich natürlich auch nur zu gut. Doch das was du schreibst das mit der Familie deines Freundes, ich glaube das ist recht oft so ne schwierige Sache, auch bei anderen Menschen, die ja alle mit der neuen Parterschaft eine neue Wahlfamilie annehmen. Würdest du denn sagen die Familie hat dich akzeptiert, oder gibt es noch Vorbehalte dir gegenüber?

Also, grundsätzlich denke ich es macht immer Sinn sich breit aufzustellen. So habe ich niemals nur auf meine Familie gebaut. Aber leider hat es dann auch woanders nicht wirklich besser geklappt : (

Darcy, was Deine genaue Situation angeht, das kann ich von hier aus schwer einschätzen, aber beim Lesen deiner Nachricht kommt so ein bisschen das ungute Gefühl auf, dass du dich selbst, deine Bedürfnisse, auch den eigenen Freundeskreis aufzubauen, vielleicht von dir aus etwas zu sehr hinten anstellst. Was ich mich also frage, nimmst du dich von dir aus zurück, oder ist es wirklich vorgegeben, sozusagen von den äußeren Bedingungen her (Menschen, Treffmöglichkeiten usw.) so schwer?!

Übrigens, ich denke auch ein paar wirklich gute Freunde sind vielmehr wert als eine große Heerde von Bekannten. Klingt als suchst du nach den wirklich tiefen Freundschaften, so wie damals mit deiner Freundin. Ich befürchte nur, das ist ein Zustand, der auch in der heutigen Zeit immer weniger geschätzt wird (Werteverfall, Stress, jeder ist zu sehr bei sich selbst usw.).

Noch ein Wort zu deiner besten Freundin, weil es mich sehr bewegt. Ich habe mich zeitlebens auch immer sehr auf einzelne Menschen fokussiert. So in der Art: Du musst jetzt alle Energie in Einen stecken. Ich denke ja, man muss viel in eine Freundschaft investieren, aber man darf sich auch nicht darin verlieren (so wie viele auch in der Partnerschaft). Dann ist es natürlich umso schmerzhafter, wenn die Zeiten sich ändern, beispielsweise durch Umzug. Obwohl, es heißt ja die Freundschaft wächst mit der Entfernung ; -) Naja, ein Spruch eben. Ich weiß aber was du meinst. Es ist ein Gefühl von Vertrauen und auch von Sicherheit, die Liebsten sozusagen zum Greifen nah zu haben : )

Keine Ahnung, ich kenne dich zu wenig, aber vielleicht suchst du einfach auch nur sehr nach Sicherheit, könnte sein, klingt leicht danach. Darfst mich gerne eines Besseren belehren. Aber eines weiß ich aus bitterer Erfahrung: Echte Sicherheit bekommen wir im ganzen Leben nicht. Nie und nimmer. Es ist zumindest für mich schwer, das zu akzeptieren, dass wenn ich beginne jemanden in mein Herz zu schließen (was ohnehin schon schwer genug ist), die Änderung, die Abweisung, wie auch immer, in mir einen gebrochenen Menschen zurücklässt. Deshalb ist es ja bei mir so, dass ich mich zurückziehe, mich irgendwie zwinge kalt zu bleiben, um mir weitere Schmerzen zu ersparen.

Wie gesagt ich kenne dich zu wenig, aber so wie du schreibst erklärt sich mir nicht, wieso du so wenig Freunde hast. So vom Potential her gesehen. Ich denke es liegt ähnlich wie bei mir zuallererst an einem selber, an mir, an dir, und klar, auch an den Leuten, keine Ahnung, an der Oberflächlichkeit, der anderen Interessen, manchmal fehlt auch einfach das Glück, however. Aber es liegt wie gesagt auch ganz bestimmt an einem selber, was man signalisiert, was man ausstrahlt.

Ich muss mich hier an allererster Stelle selbst kritisieren, dass ich keine wirkliche Offenheit, oder sagen wir mal Unbekümmertheit ausstrahle, von mir aus auch mangelnde Selbstsicherheit, was ja gemeinhin sehr wichtig ist, um in der Gesellschaft gut anzukommen. Aber auch hier muss ich wieder betonen: ich kenne dich nicht genügend, um das einschätzen zu können. Aber wenn du schreibst, dass du dich auch von dir aus zurückziehst, dann vermute ich mal, dass es in diese Richtung hin geht.

Achso, noch was, ich vermute das könnte uns auch beide betreffen: also ich vergleiche die Leute oft, zu oft. Damit wird man natürlich niemandem gerecht. Ich kann ja nicht von neuen Leuten erwarten, dass die so sind wie mein erster guter Freund, oder wie ich sie mir gerne vorstelle. Ich gebe zu das ist manchmal ein Problem, an dem ich selbst schuld bin. Ich muss die Leute annehmen wie sie sind, wir sollten das alle tun.

Und trotzdem: ja es stimmt, man kann nicht über alles hinwegsehen. Wenn es nicht passt, dann passt es nicht. Muss man auch akzeptieren. Das verstehe ich schon sehr gut. So wie du schreibst, Kontakt zu Leuten die nur sich selbst sehen, und unechte Freundschaften künstlich aufrecht zu erhalten, das bringt selbstverständlich gar nichts. Ich ertappe mich nur manchmal dabei, dass ich Leute zu schnell vorverurteile. Das ist dann nicht fair gegenüber diesen. Ich kenne jemanden, der ist so eine Art Lebemann, offenkundig oberflächlich, 100% anders als ich. Aber (!) Einmal hat der mir in ner Krise echt weitergeholfen, da war ich wirklich überrascht. Sowas gibts zum Glück auch noch!

Thema Glück: Ich muss spontan an den Spruch denken Wenn man das Glück versucht festzuhalten, dann läuft es vor einem weg. Wie oft ich mich darin ertappe das dennoch so zu machen!
Ich musste daran denken, als ich eben gelesen habe, wie du von deinem Glück schreibst, das nicht bleiben wird
Man ärgert sich oft über sich selbst! Weiß nicht ob es dir (oder wer da sonst hier noch liest) auch manchmal so geht?! So in der Art beim Kontaktaufbau zu anderen verhalte ich mich total ungeschickt, tollpatschig, keine Ahnung.


So denn, vielen Dank nochmal Darcy für deine Mitfahrt im einsamen Boot ;- ) Ich denke Du bist einfach ein tiefsinniger und feinfühliger Mensch. Solche haben es eben meist besonders schwer. Es wäre trotzdem schade, wenn solche Menschen sich deshalb dem oberflächlichen Mainstream anpassen! Und ehrlich gesagt glaube ich, hoffe ich, dass es in Wirklichkeit gar keinen so oberflächlichen Mainstream gibt ; )

Achso, auf die paar Fragen von mir musst du nicht antworten, falls aber doch, dann freue ich mich, ich schaue hier sicher wieder ins Forum hinein!

Ich wünsche dir wirklich sehr, dass Du eine so richtig gute Freundin kennenlernst für durch Dick und Dünn, und am besten noch einen kleinen aber feinen Freundeskreis dazu dir aufbauen kannst! Das wäre doch mal was ;- )

Liebe Grüße!
Einsamer Stern

11.05.2020 23:40 • x 1 #6


Einsamer Stern
Hi Mylenix,

danke Dir für Deine Zuschrift! Ich verstehe nur nicht ganz. Wie meinst du das mit "privaten Forumstreff"? Also ich persönlich schreibe durchaus auch ganz gerne und offen hier im Forum. Falls Du etwas persönliches mit mir schreiben möchtest freue ich mich, verstehe ich und sehr gerne kannst Du mich immer direkt kontaktieren! : )

Liebe Grüße nach Lünen!

Einsamer Stern

11.05.2020 23:58 • #7


Darcyless
@Einsamer Stern vielen Dank für deine ausführliche Antwort!
Nun hab ich so viel gelesen, dass ich gar nicht genau weiß was ich antworten soll. Auf jeden Fall verstehe ich die Ursache für meine Einsamkeit auch nicht so ganz, ich kann es nur dadurch erklären, dass die meisten, die allermeisten Menschen mich enttäuscht haben und enttäuschen, ich nicht wirklich ich selbst sein kann und man mir nicht richtig zuhört. Mag sein, dass ich selbst schuld bin, weil ich nicht gut erzählen kann. Jedenfalls habe ich so gut wie bei jedem Menschen, den ich kennenlerne, das Gefühl, dass er oder sie zwar wunderbar darin ist, von sich selbst zu reden (und ich bin eine gute Zuhörerin, daher klappt es so rum IMMER), aber wenn es andersum dann daran geht, dass ICH war von mir erzählen möchte, wird mir eigentlich nie zugehört, ich werde übergangen etc. Dadurch kann ich bei niemandem außer meinem Freund so wirklich ich selbst sein und das hat über die Jahre wohl zu meinem sozialen Rückzug geführt, denn mittlerweile stehen mir Menschen die nur von sich reden einfach bis zum Hals. Ich habe in meiner neuen Heimatstadt letztes Jahr 2 Mädels kennengelernt, mit denen ich versuchte mich anzufreunden, doch beide sind unfassbar selbstfixiert und egozentrisch und keine von ihnen hat sich auch nur ansatzweise aufrichtig für mich als Person interessiert. Und ich hab einfach nach 26 Jahren die Schnauze voll, von den Menschen als Zuhörerin instrumentalisiert zu werden, nur weil ich das gut kann. Ich möchte Menschen in meinem Leben, mit denen die Dialoge gegenseitig sind, ein gegenseitiges Zuhören und Erzählen, dynamische schöne lustige Dialoge - und solche Menschen finde ich nicht. Meine beste Freundin ist/war so eine Person und deshalb hab ich den Kontakt mit ihr so unglaublich wertgeschätzt und tu es immer noch - aber eben über Whatsapp.

Wie würdest du bei dir die genaue Ursache für deine Einsamkeit, den Kernproblem beschreiben? Ich glaube, ich habe meines nun nochmal etwas besser auf den Punkt gebracht. Übrigens noch vielen Dank für deine Worte, dass das mit meiner besten Ferundin dich berührt hat.

LG und einen schönen Tag wünsche ich dir
Darcy

12.05.2020 12:12 • #8


Einsamer Stern
Hi Darcy,

oh sorry wollte dich nicht zutexten. Mir fielen halt nur mehrere Dinge gleichzeitig ein...

Vielleicht sollte man sich ja auch garnicht so viele Gedanken machen "warum"... Obwohl es Dir doch relativ gut klar zu sein scheint. Stichwort "Selbstgefällige Leute". Ich denke schon da ist etwas dran, dass viele Menschen vornehmlich an sich denken. Wie gesagt, das hat vermutlich auch etwas mit der Zeit zu tun. Uns wird doch überall vermittelt "Du musst etwas besonderes sein". Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar" bilden die Meinungen. Und ja, ich denke da draußen gibt es ganz viele kleine "selbsternannte Könige". Schlimm ist das. Jeder von denen will bewundert werden. Doch kaum einer kann sich mehr wirklich auf den anderen einlassen. Und dem anderen zuzuhören, und sich wirklich einzufühlen, das bereitet doch Mühe. Mensch das wirst du doch wohl nicht erwarten wollen
Ne quatsch, ich denke wenn das nicht irgendwo im Gleichgewicht ist, dann kann man auch nicht von einer guten Freundschaft sprechen, allenfalls von einer Dienstleistung des einen dem anderen gegenüber.
Aber (!): Auch hier weigere ich mich daran zu glauben, dass alle so sind! Manchmal muss man eben noch genauer gucken, woanders suchen, oder sich die Freunde etwas zurecht formen

Mhhh, wo nun mein Kernproblem liegt? Au backe das ist schwer! Du, ich schlafe da nochmal ne Nacht drüber, oder zwei, und hoffe ich komme zu einer Lösung. Ich meld mich dann nochmal!

Liebe Grüße & einen schönen Restabend!

Einsamer Stern

12.05.2020 21:35 • #9


Einsamer Stern
Hi Darcy & liebe Leser!

hier noch wie angekündigt ein Nachtrag...

Also, bei der Frage warum ich schlussendlich einsam bin, oder vielmehr gesagt, warum es mir nicht gelingen mag solide Freundschaften zu finden, kommen mir viele Gedanken.

Ich denke es ist wie so oft im Leben die Summe aus vielen Dingen. Das Wichtigste ist bei mir jedoch definitiv meine Kindheit!

Die Schulzeit Klasse 5-10 in der Realschule war mit Abstand die schlimmste Zeit in meinem Leben und hat mich bis heute zu meinem Nachteil geprägt. Ich könnte jetzt Romane schreiben, was im Detail geschehen ist, aber das tut jetzt wohl weniger zur Sache.

Fakt ist, dass ich auf einer Schule gewesen bin, wo es fast nur Jungen gab. Und es gab wirklich nur ein einziges Thema, Tag ein Tag aus: wer ist der Stärkste, der Anführer, der Leitwolf?! Wie im Tierreich!

Eigentlich war die gesamte Schulzeit nur aus Kämpfen und Mobben bestehend, wobei ich eben das Opfer gewesen bin, durch dessen Erniedrigung sich die vermeintlichen Anführer profilieren konnten (vermutlich auch weil sie zu feige waren den Kampf untereinander zu wagen). Nicht selten kamen die "Helden" zu mehreren auf mich zu und machten mich (und auch ein paar andere) fertig, um ihrer Rolle als "Top-Player" gerecht zu werden. Es gab wirklich kein anderes Thema. 6 Jahre lang.

Die Lehrer haben völlig versagt. Ich habe mich komplett zurückgezogen. Keine Freundschaften. Keine Kontakte. Ich passte nie in diese Zeit. Während sich meine "Schulkammeraden" prügelten beschäftigte ich mich damals mit Dingen wie Geologie, Astronomie, Politik usw.

Die Mitschüler hielten mich nicht nur für schwach sondern auch noch für blöde (was eben aus ihrer begrenzten Sicht heraus so die Definition für Blöde war).

Später in meinem Leben wurde es zwar ruhiger, immer besser, doch mein "erlerntes" und fehlendes Selbstbewusstsein blieb. Ich lernte wie eingangs erwähnt sogar das "weg-zu-schauspielern", konnte sogar beruflich in Leitungspositionen kommen, doch im Kern, und vor allem privat, da hat sich nichts geändert. Da bin ich weiterhin alleine, von Unsicherheit geprägt, für mich eben.

Übrigens, zwei Dinge die ich aus meiner Erfahrung heraus gelernt habe: Der Spruch Du wirst dir die Schulzeit zurückwünschen stimmt definitiv nicht! Und: Man darf als Eltern NIEMALS seinem Kind die Entscheidung überlassen. Ich werfe meinen Eltern bis heute vor, dass sie mich nicht wie von der Grundschule empfohlen aufs Gymnasium geschickt haben, sondern meinem Wunsch nachkamen, mich auf die Realschule zu stecken (weil ich dort jemanden kannte). Ein Kind darf von mir aus entscheiden, ob es ein rotes oder ein grünes Bonbon haben will, nicht aber solch grundlegende Dinge!

Naja, soweit, so schlecht. Das mit der Schulzeit bzw. der Vergangenheit ist der Hauptgrund für die Misere. Daraus resultierend ist Grund 2, nämlich das ich bis heute noch viel zu wenig unter die Leute komme.

Dann gibt es wie eingangs erwähnt sicherlich noch weitere Gründe. Doch ich will es jetzt erstmal hierbei belassen.

Wünsche Dir und Euch allen noch einen schönen Tag!

Einsamer Stern

15.05.2020 18:19 • #10


Mama050717
Du hast eine Nachricht...

16.05.2020 18:29 • #11



x 4




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. Reinhard Pichler