Winterengel

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Hallo ihr lieben Mitleidenden!

Hab mal wieder ein sehr großes Problem.

Seit 3 Wochen bin ich nun in einer Tagesklinik und die erste Zeit verlief wirklich sehr gut, natürlich zu gut...

Ich schaffte es in den 3 Wochen von überhaupt alleine das Haus nicht mehr verlassen, bis hin zu mit der Straßenbahn (ca. 30 min fahrt) alleine in die TK zu fahren. Es muss alles sehr schnell gehen, da ich mitte September wieder zur Schule muss.

Die ganzen 3 Wochen fühlte ich mich gut, leichte Angst jedoch keine Panikattacken, zwar ständig richtig müde und erschöpft, aber trotzdem gut.

Heute dann, fing es an... in der Früh noch alleine mit Straba hin, meinen Vormittag mit Therapien durchgezogen und dann fing der Schwindel an... ich dachte zuerst es sei der Kreislauf (bei diesem ständigen Wetterwechsel ja auch kein Wunder). Also nahm ich meine Kreislauftropfen, die mir eigentlich recht gut helfen. Nur heute nicht...
Ich zitterte am ganzen Körper, konnte kaum noch laufen, mir war leicht Übel und es drehte mich die ganze Zeit.
Den Schwestern erzählte ich nichts, denn die können ja auch nicht viel unternehmen, bei meinen Kreislaufproblemen.

So, nun bin ich mit dem Taxi nachhause gefahren und merke wie schrecklich gereizt ich bin.
Meine Nerven liegen blank und ich hab das Gefühl als wäre ich mit allem überfordert, alles wird mir zu viel und ich kann nicht mehr...

Jetzt hab ich auch noch Magenkrämpfe bekommen...

Ich fühl mich richtig dreckig...

Ist das normal? Hab ich jetzt doch nen Nervenzusammenbruch? Verlief das alles zu schnell für meinen Kopf und Körper?

Ich muss noch dazu sagen, ich nehme keine Medis...

Wäre nett, wenn mir jemand schreiben würde.

Liebe Grüße

09.08.2010 15:58 • 09.08.2010 #1


7 Antworten ↓


Samadhi


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hallo winterengel!

bei mir war das damals ähnlich. der erste tag war total schlimm, aber dann ging es immer besser. bis ca. nach 3 wochen es wieder richtig schlimm wurde.
es kann gut sein, dass du etwas überfordert bist und sich das nun auf deinen körper niederschlägt. bleib dran und versuch das jetzt nicht überzubewerten.

schade finde ich, dass du dich dort nicht geäußert hast. wie läuft das bei euch? habt ihr da nicht morgens und kurz vor schluss eine gesprächsrunde, wo ihr alle zusammensitzt und über euren tag bzw. eure gefühle redet? jedenfalls finde ich es sehr wichtig, dass du den schwestern dort sagst, wie es dir derzeit geht. vielleicht haben sie ja ein paar tipps für dich oder sie checken dich mal durch (blutdruck oder so). ich denk mal, dass sie dort sowas ständig erleben.

hast du schon eine entspannungstechnik erlernt?

lg

09.08.2010 17:05 • #2


Winterengel


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Doch, so eine Morgenrunde und Abschlussrunde gibt es bei uns auch. Jeder ist einer Bezugspflegerin zugeteilt die Krankenschwester ist und eben sich um einen kümmert.
Eine Ärztin und ein Oberarzt sowie eine Diplom-Psychologin sind vorhanden.

Ich bin die einzigste Angstpatientin unter ca. 25 Depressiven.

Sie haben mich dort alle kennen gelernt, als eine fröhliche, strahlende junge Frau, der ihr einziges Problem ist, dass sie das Haus nicht alleine verlassen kann. Ich erwähnte ständig das es mir gut geht, denn mir geht es ja auch sonst recht gut. Auch bei den Aufgaben die ich bekam (z.b. das üben alleine mit der Straßenbahn zu fahren) waren für mich kein Problem und mir ging es immer noch gut. Ich freute mich so sehr über meine Fortschritte und man sprach schon über meine Entlassung.

Und jetzt soll ich ankommen und sagen ich fühle mich schlecht und ich kann nicht mehr?

Ich kann das nicht...

Für mich ist auch ein großes Problem das ich seit der TK keine Zeit mehr für mich finde. Ich bin bis 16.30 Uhr dort. Bin um 17 Uhr zuhause und dann kommt natürlich der Alttag noch.
Duschen, aufräumen usw. und dann ist auch schon Zeit fürs Bett.
Am Wochenende ist mein Freund bei mir, mit dem ich natürlich auch Zeit verbringen will.
Ich hab keine Luft mehr...
Deswegen hab ich auch seit 3 Tagen wieder diese ständige Atemnot, die ich eigentlich vor ein paar Monaten losgeworden bin, indem ich mich einfach mehr um mich gekümmert habe...

LG

09.08.2010 17:21 • #3


Samadhi


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warum kannst du denn nicht zu deinen jetzigen gefühlen stehen? was meinst du denn, wie die anderen patienten darauf reagieren würden? glaubst du, dass sie dir böse wären, weil es dir nicht gut geht oder enttäuscht von dir wären? du bist ein mensch und als solcher nicht fehlerfrei. stehe dazu, niemand wird schlechtes über dich denken, im gegenteil. vielleicht wirst du dann erfahren, wie gerne andere dir mut zusprechen oder dich anderweitig unterstützen wollen. lass es raus, es gehört doch zu dir. du mußt niemanden was beweisen. gerade dafür sind solche tageskliniken doch wunderbar geeignet. man kann sich ein bisschen ausprobieren in einem geschützten umfeld. ich hoffe ich konnte dir ein wenig mut machen. ich hab ungefähr so 5-6 wochen gebraucht, bis ich zu dem stand, wie ich wirklich bin. nämlich sehr dünnhäutig und ängstlich. und meinste das hat irgendwen gestört? nein, im gegenteil. ich konnte auch endlich mal erfahren, dass man mich so nimmt, wie ich bin und das es mir damit besser geht. dieses ständige schauspielern kostet nur unnötig kraft. ich war damals übrigens auch der einzige angstpatient unter hauptsächlich depressiven. das machte es natürlich nicht leichter sich zu öffnen.

dass der alltag ein wenig auf der strecke bleibt, wenn man in eine klinik geht, ist verständlich. wie wäre es, wenn du stationär eine therapie machen würdest? würde die welt dann untergehen für deine mitmenschen? ich hab so ein bisschen die befürchtung, dass du an alle denkst und zuletzt (wenn überhaupt) an dich. vielleicht bist du da in so eine rolle geschlüpft, die du nun nicht mehr spielen kannst. sicherlich würde dein umfeld nicht unbedingt nur positiv darauf reagieren, wenn du nun mehr an dich denkst, aber man kann (nicht muss!) sich ja erklären. also dass du mehr zeit für dich brauchst, weil es dir sonst sehr schlecht ginge. wer das nicht versteht, sollte dich nicht weiter interessieren, denn du mußt dein leben leben... was bringt es dir oder anderen, wenn du irgendwann gar nicht mehr weitermachen kannst und vllt aufgrund dieses dauerstress nicht 'nur' zuckerkrank wirst sondern noch schlimmer?

ich hoffe du verstehst ein bisschen was ich meine und nimmst es mir nicht übel so mit dir zu schreiben. ich mein es gut und wenn ich falsch liege, so entschuldige. ich kenn dich zu wenig, aber habe schon viele fälle miterlebt, wo es so kam wie ich hier befürchtete.

naja, dann viel erfolg morgen in der TK und rede dort vllt mal mit einem therapeuten über deine gedanken, auch wenn sie dir banal oder unangepaßt erscheinen. dafür ist das personal ja da.

09.08.2010 17:57 • #4


Winterengel


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Ich verstehe das alles, nur es in die Tat umzusetzen ist immer so eine Sache...

Für morgen habe ich mir auf jeden Fall vorgenommen, meiner Bezugspflegerin zu erzählen was war.

Ein vollsationärer Aufenthalt kommt für mich nicht in Frage. Ich war jetzt wirklich sehr froh, dass es mit der TK geklappt hat, sonst wäre ich wirklich vollstationär in die Psychatrie, will ja unbedingt wieder zur Schule.

Ich werd auch morgen mal das Thema ansprechen mit der Zeit für mich. Vllt findet sie ja eine Lösung.

Die beste Lösung für mich wäre, wenn ich erstmal nur halbtags die TK besuchen könnte, aber ich hab schon von Mitpatienten mitbekommen, dass dies nicht geht. Entweder ganz oder gar nicht...

Bin auch grad ziemlich enttäuscht, weil mich das heute natürlich wieder zurück geworfen hat und ich morgen wieder eine Begleitung brauche um in die TK zu kommen...

09.08.2010 18:31 • #5


kruemel81


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Ich glaube Du setzt Dich auch ein bißchen selbst zu sehr unter Druck. Z.B. dass Du unbedingt wieder zur Schule möchtest. Bist Du noch auf einer regulären Schule oder schon in Ausbildung? Manche Kliniken wie z.B. in Bad Mergentheim bieten für schulpflichtige Patienten Unterricht an.
Du darfst Dich aber nicht drauf versteifen dass Du am ersten Schultag wieder so fit wie früher bist. Es gibt sicherlich auch mal Rückschläge. Frag doch mal bei der Schulleitung was ihr machen könnt?!

09.08.2010 19:41 • #6


Samadhi


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ach weißte, du machst dich doch ganz gut. du hast es geschafft dir hilfe zu suchen und hast schon etliche fortschritte gemacht (hab ein bisschen im forum gestöbert). dass man von zeit zu zeit auch mal einen schritt zurückgeht, ist nicht weiter schlimm und manchmal sogar notwendig (weil man eben etwas doch noch nicht gelernt hat, sondern vielleicht nur geschafft hat es zu vermeiden oder zu verdrängen).

kruemel81 hat schon recht. du bist jetzt in der TK, damit du dort was lernst. das sollte eigentlich vorrang vor allen anderen aktivitäten haben. konzentrier dich jetzt doch erstmal darauf, dass es dir wieder besser geht. mach dir bewußt, wieso du dort hingehst. wenn man versucht alles auf einmal zu machen oder halt zuviel, kann es dich überfordern. ein (kleiner) schritt nach dem anderen. und wenn es dir wieder besser geht, kannst du dir neue ziele setzen.

als ich in der TK war, habe ich versucht keine erwartungen an den aufenthalt dort zu haben. ich war schon stolz auf mich, dass ich überhaupt den ersten tag überstanden habe. ich hab nämlich schon damit gerechnet, dass ich dort keine 5 minuten aushalte (waren dann aber 2 monate).

weißt du, ich denk mal, wir können alle nachvollziehen, wie wir uns ungefähr fühlen. deswegen ist jeder kleine fortschritt ein erfolg, auf den man stolz sein kann. jemand, der keine angststörung hat, kann gar nicht verstehen wieviel kraft und mut uns einfachste (für andere) aktivitäten abverlangen. deswegen kannst du dich freuen, wenn du es schaffst morgen dort hinzugehen und brauchst dich nicht zu ärgern, weil jemand mitkommen muss. hättest du keine probleme mehr, müßtest du dort auch nicht hingehen. aber deswegen machst du das dort doch...

ich wünsch dir alles gute

09.08.2010 21:33 • #7


crazy030


Ist gibt immer Höhen und Tiefen. Und mal ehrlich, die gibt es doch überall, im Job oder der Partnerschaft. Aber eben auch gerade bei psychischen Erkrankungen. Wichtig ist, im Sinne der Therapie, nicht immer wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen.

Versuchen, positiv zu denken und das beibehalten.

09.08.2010 21:40 • #8



Dr. Hans Morschitzky


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