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 Betreff des Beitrags: Scheidung der Eltern
BeitragVerfasst: 12.Okt.2011, 01:43 
Offline

Registriert: 12.Okt.2011, 01:10
Beiträge: 1
Hallo an alle,

ich bin hier neu und das ist mein erster Beitrag. Ich bin 20 Jahre alt, und ich nehme an, dass ich damit wohl noch relativ jung bin. Wenn ihr allerdings meine Überschrift gelesen habt, denken sich vielleicht einige, dass ich wohl doch schon alt genug bin, um mit so etwas fertig zu werden. Aber ich finde, es ist egal, wie alt das Kind ist, eine Trennung der Eltern ist immer schlimm!

Ich bin Einzelkind und ich glaube, meine Eltern haben sich nie wirklich vertragen. Klar gab es oft auch schöne Momente, aber komischerweise fallen einem, wenn man zurückblickt, oftmals nur die negativen Erinnerungen ein. Jedenfalls war es sehr selten, dass meine Eltern gezeigt haben, dass sie sich mögen.
Meine Mutter ist immer schon die allerliebste Frau gewesen. Sozial und stark...Mein Vorbild in jeglicher Hinsicht!
Mein Vater war schon immer ein Sturkopf und er wurde wohl genau so erzogen, wie er mich erzogen hat. Ich hab oft den Gürtel oder die Hand zu spüren bekommen. Klar wusste ich, dass das schlimm ist, aber trotzdem hab ich meinem Vater immerwieder verziehen. Wenn er allerdings meine Mutter schlug, war ich wütend. Niemand durfte diese heilige so behandeln. Sie bekam natürlich mehr ab als einen Gürtel oder ähnliches. Heutzutage weiß ich, dass das was er getan hat nicht nur schlimm war, sondern unmenschlich. Niemand sollte geschlagen werden. Egal wie leicht oder stark.
Aber nicht nur, dass er die Hand gegen uns erhoben hat, er hat mich und natürlich meine Mutter verbal erniedrigt. Meine Mutter war dann die "blöde *beep*", die alles für uns tat, aber bei der 'alles' wohl nicht gereicht hat. Und ich war immer schon das "faule Stück", von dem er mehr erwartete, als er je erreicht hatte.

Letztendlich haben sich meine Eltern getrennt als ich 18 war, nachdem mein Vater plötzlich etwas mit seiner Kollegin angefangen hat. Welch Klischee.
Meine Mutter hat natürlich um ihn geweint und wollte ihn noch lange Zeit nach der Trennung wieder zurück. Ich hab ihr so oft gesagt, dass sie doch froh sein solle, dass er endlich fort sei. Keine Streitereien mehr, keine Tränen. Ich konnte es einfach nicht nachvollziehen, warum meine Mutter um diesen Mann weint. Dies war dann leider oftmals ein Streitpunkt zwischen meiner Mutter und mir.

Die Scheidung war furchtbar. Sowohl meine Mutter als auch mein Vater wollten mich natürlich auf ihre Seite holen. Ich stand voll und ganz hinter meiner Mutter. Ich musste sie dennoch so oft anlügen, um meinen Vater nur kurz zu sehen. Er war ja trotzdem mein Vater und ich hatte ihm viel zu verdanken, auch wenn ich ihn dafür hasste, meine wunderbare Mutter verlassen zu haben.
Wenn ich zurückblicke, bestand mein Leben sowieso aus viel zu vielen Lügen. Ich kann heute Leuten ins Gesicht lügen, ohne rot zu werden oder ein schlechtes Gewissen zu haben.

Letztendlich möchte ich darauf hinaus, dass ich nun alleine in einer 1-Zimmer-Wohnung wohne, damit ich nicht zwischen den Fronten stehe und mich weder auf die Seite meiner Mutter, noch meines Vaters stellen muss.
Und hier fühle ich mich nun einsam. Ich dachte, ich fühle mich so einsam, weil ich hier alleine wohn. Aber so ist es nicht.
Ich habe mich schon seit einigen Jahren oft einsam gefühlt. Woher ich das jetzt weiß? Ich kam noch nie damit klar, Kritik aufzunehmen. Sagt mir jemand, was ich besser machen könnte, wein ich sofort. Ich hab enorme Angst vor Ablehnung und brauch so viel Liebe und Zuneigung von meinem Freund. Ich erwarte, dass er mir ständig sagt, was er für mich empfindet und dass er mich umarmt. Ich denke, ich erdrücke ihn damit und habe so furchtbare Angst, dass ich Menschen mit meiner Anhänglichkeit erschrecke und sie somit verjage. Dann wäre ich noch viel einsamer. Wenn ich daran denke, ist der Folgegedanke sofort der Tod. Wer würde mich schon vermissen, wenn ich vor dem Zug liege? Wer kann mir überhaupt versichern, dass der Tod so viel schlimmer als das Leben ist? Vielleicht wartet dort ein Dasein ohne Druck und Ängste und Einsamkeit. Der Gedanke gefällt mir.

Manche sagen mir: " Aber du wolltest doch allein wohnen". Ich wollte aber nur allein wohnen, um der Trennung meiner Eltern zu entgehen.
Wenn ich mir etwas wünschen könnte, würde ich mir wünschen wieder mit meinen Eltern im alten Haus zu wohnen. Selbst wenn es Streit gibt. So gesehen kann ich meine Mutter also doch verstehen, warum sie an meinem Vater hing. Ich tu es auch und nehme dafür sogar Schläge in Kauf, solang ich der Einsamkeit damit entgehe.


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Tipps und Hilfestellungen bei Trennung und Scheidung
 Betreff des Beitrags: Re: Scheidung der Eltern
BeitragVerfasst: 18.Dez.2011, 01:42 
Offline

Registriert: 18.Dez.2011, 00:31
Beiträge: 5
Ich weiß nicht, ob dir das irgendwie weiter hilft, aber ich kann deine Sitaution (was die Trennung betrifft, Schläge gabs bei uns zum Glück nie) sehr gut nach vollziehen. Meine Eltern haben sich dieses Jahr getrennt (Scheidung ist noch nicht eingereicht, und ich glaub auch ehrlich gesagt nicht, dass das nochmal passieren wird). Ich bin 22, bzw. 21 bei der Trennung, also eigentlich auch "alt genug". Wenn ich jemanden davon erzähle, kommt oft erstmal die Frage, wies meiner kleinen Schwester (15 bzw. zu dem Zeitpunkt 14) damit geht (die übrigens wesentlich besser mit der Situation umgeht als ich). Ich werd zwar auch beiläufig gefragt, wies mir damit geht, aber dann wird das Thema ziemlich schnell wieder gewechselt. Die Leute gehen meistens davon aus, dass es die Trennung der Eltern die erwachsenen Kinder zwar im ersten Moment ein bisschne knickt, aber sonst nicht weiter wirklich beschäftigt. Wir haben ja unser eigenes Leben, uns sollte doch egal sein, ob unsere getrennt oder zusammen sind, nicht wahr? Aber irgendwie ist es dann doch nicht so. Mir ist es nicht egal. Und obwohl die Trennung meiner Eltern schon im Frühling war, hab ich das Gefühl, doch nicht so richtig "drüber hinweg" zu sein.
Das ganze wird dadurch erschwert, dass meine Eltern sich genauso verhalten wie vor der Trennung (abgesehen davon, dass mein Vater jetzt wo anders wohnt) - sie sind nicht richtig zusammen und nicht richtig getrennt, es wird halt weiter auf FriedeFreudeEieruchen gemacht. Ich glaube, wenn sie sich richtig trennen oder scheiden lassen würde, wär ich zwar zunächst traurig, aber ich könnte zumindest mal damit anfangen die Situation zu verarbeiten. So ist es halt momentan so ein komisches Zwischenstadium, mit dem ich nicht richtig umgehehen kann (aber so wie ich meine Eltern kenne, wird sich an diesem "Zwischenstadium" so schnell auch nichts ändern).

So jetzt hab ich schon wieder viel zu viel von mir geschrieben, dabei ist das doch eigentlich dein Thread - Sorry!
Ich habe ehrlich gesagt keinen richtigen Ratschlag für dich, außer vielleicht, dass wir lernen müssen uns von den Problemen unserer Eltern zu lösen und unser eigenes Leben zu führen (wie genau das funktioniert, kann ich dir leider auch nicht sagen ^^). Aber, ich kann dir so viel sagen: Ich verstehe dich! Ich weiß, dass einen die Trennung der Eltern auch im erwachsenen Alter noch mitnimmt. Ich weiß wie es ist, an seinem Vater zu hängen, egal was für ein schlechter Vater er ist (wobei mein Vater noch nicht mal annäherend an das ran kommt, was dein Vater dir angetan hat), ich weiß wie es ist einsam zu sein, und ich kenne das Gefühl, sich eine glückliche, vereinte Familie zu wünschen.
Machst du eine Therapie oder hast du schon mal eine gemacht? Nimmst du Medikamente?


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