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Diese Hoffnung, irgendwann, bei allem Willen, allen möglichen selbstgestrickten Strategien, um von Angst und Panik wegzukommen, habe ich endgültig aufgegeben. Selbst meine behandelnde Ärztin nahm mir diese Hoffnung, aber ich finde es gut und vertrauenswürdig, dass sie mir gegenüber ehrlich ist. Ich habe sie gefragt, ob ihr rein aus ihrer Berufserfahrung heraus, bekannt ist, dass Menschen mit Generalisierter Angststörung irgendwann ganz davon befreit, sprich gar geheilt aus diesem Teufelskreis herauskamen. Diese Frage konnte sie offen und ehrlich nur verneinen. Sie bestätigte mir genau meine Befürchtung, dass man zwar durchaus, wie ich es auch zeitweise, jedoch ständig nur von kurzer Dauer, erleben durfte, war und ist, nämlich dass man eben diesen Trash nicht heilen, nicht austherapieren kann. Ich habe immer wieder diese extremen Schübe, ständige innere Unruhe und Angst, es stapelt sich innerlich auf bis hin zu ununterbrochener Panik, dieser Dauerbeschuss, Schlaflosigkeit, ich kann aus lauter Angst dann wochenlang keine Nahrung zu mir nehmen, fahre dieses Panikprogramm ab. Nun war ich bis vor etwa drei Jahren abhängig von allen möglichen Benzos und angstlösenden, beruhigenden Mitteln. Natürlich helfen all diese Mittel, wirken angstlösend, man reduziert ja allein Lebenswillen und somit Lebensqualität automatisch nur noch auf einen anhaltenden Zustand innerer Ruhe, ohne Angst zu sein, endlich schlafen zu können. Und dieses war Auslöser, ich war mir teils dessen bewusst, worauf ich zusteuere, teils war mir nur noch jedes Mittel recht, auch hinsichtlich der Risiken, welche ich durchaus auch in Kauf nahm, um einfach, wenn schon leben, ohne Angst leben zu können. Dagegen ist dieser gesamte mir ständig diagnostizierte Borderlinemist samt sog. chronischer Suizidalität der reinste Spaziergang. Ich kann mit Druck umgehen, haben SVV völlig abgelegt, mit mich selbst austricksen, ich kann auch Suizidgedanken steuern, kann mit sehr vielem, auch dem dennoch immer noch vorhandenen und wiederkehrenden inneren Druck. All dieses habe ich einfach akzeptiert und kann die Kontrolle behalten, aber ich kann diese Angst und Panik nicht steuern, es geht schon so weit, dass ich tatsächlich tierische Angst habe, jetzt könnte ich endgültig wahnsinnig werden und jedwede Selbstkontrolle verlieren. Diese Angst war mir ja schon immer gegeben, aber in diese eigenständige Generalisierte Angststörung bin ich seit meiner Zwangseinweisung und Einsperren zum Selbstschutz nach dem massivsten Suizidversuch (Fremdgefährdung lag nicht vor und wäre auch nie Thema) geraten. Diese geschlossenen Türen überall, verschlossene Fenster. Da fing ich an, Panikattacken zu schieben, tagtäglich und v.a. am massivsten in diesen Nächten. Es war und bleibt der pure Horrortripp. Allein diese Angst vor einer psychiatrischen Klinik, d.h. diese furchtbare Angst vor einer Einweisung gegen meinen Willen, hat so weit geführt, dass ich hier im Haus auf der unteren Etage sämtliche Zimmertüren ausgehangen habe, ich ließ sie von der Sperrmüllabfuhr Schreddern. Mich fragte jemand, ob ich noch richtig ticke, aber ich erklärte es mit ganz simplen Worten, dass diese Türen nämlich somit niemand mehr schließen kann. Es war eine Art Befreiung und auch innerliche Rache, an wem oder was auch immer. Einfach nur der Gedanke, hier kann dich niemand mehr einsperren. Ich weiß, diese Verhaltensweisen sind sehr überzogen und schräg, auch extrem, aber hätte ich es damals entweder geschafft oder aber wäre nicht wie ein Schwerverbrecher eingesperrt worden, wäre es, so denke ich zumindest, heute nicht immer noch präsent und hätte sich ganz sicher nicht in diesem Maße ausgeprägt, trotz vieler negativer Erlebnisse und Ereignisse, welche Kindheit und Jugend, wie bei vielen Gleichgesinnten/Leidensgenossen und Betroffenen zugrunde liegen. Dieses liegt nun schon einige Jahre zurück, es war auch zugegebenermaßen nicht das letzte Mal, ich wurde nur zum Glück bewahrt von anderen vor einer Zwangseinweisung zum einen Teil, zum anderen habe ich alles Fehlgeschlagene eben mit sehr großem Frust einfach weggesteckt, nie darüber gesprochen, da ja, wenn man diese Gedanken und Absichten äußert, ständig dieser so genannte Selbstschutz gegen den eigenen Willen im Raum steht, Ich sehe also in diesen Kliniken nur eines: eine einzige Bedrohung und nicht Hilfe. Denke auch, wenn jemand von sich aus dort Hilfe sucht, freiwillig geht, dass ihm durchaus in einer Krisensituation geholfen werden kann, mir wurde jedoch alles aufgedrängt, ich wollte keine Hilfe, keine Therapie, sondern mich aus diesem Leben einfach nur verpissen. Habe auch nie Verständnis verlangt, ich sah einfach nur ein persönliches Recht darin, dieses sehe ich, zugegebenermaßen, nach wie vor, dieses Recht auf Sterben, und so etwas, diese negative Lebenseinstellung, diese Existenz einfach nicht annehmen wollen, entwickelt sich doch, es kommt doch keiner ernsthaft so vorgeprägt zur Welt. Ich mache auch niemandem mehr Vorwürfe, konnte verzeihen, hege keinerlei Hass auf andere, aber Vergessen ist weitaus schwieriger, zumal man doch ständig mit den gesamten Auswirkungen einschließlich dem insgesamt zwei Monate dauernden Klinik-Knast, konfrontiert ist.

Ich stelle mir gerade die Frage, ob "da draußen" oder hier im Forum wirklich jemand ist, der in ein Leben gefunden oder meinetwegen auch zurückgefunden hat, der nun wirklich dauerhaft sowie nachhaltig völlig angstfrei ist, ohne Panikattacken, ohne Schlaflosigkeit und all den Begleiterscheinungen. Es geht bei mir nun schon über 11 Jahre so und ständig kommen, auch ohne Grund oder Druck von außen, diese Schübe, welche immer massiver werden und länger andauern. Eben aufgrund dieser jahrelangen Folter und eben auch fehlgeschlagener tiefenpsychologischer Langzeittherapie auf eigenen Willen hin, diese hat mir überhaupt nichts gebracht, sehe ich jetzt, zumal ich erneut diesen nicht enden wollenden Schub erlebe, keine Hoffnung mehr, dass dieser ganze Panikdreck irgendwann von einem ablässt. Wieso kann diese Angst samt allem, was sie mit sich bringt, wie ein Überrraschungsei, denn sie kreiert ja ständig noch zusätzliche, neue Ängste, nicht einfach so plötzlich verschwinden, wie sie sich in einem eingenistet hat?

Wer hat diesen Weg erfolgreich abgeschlossen, wenn überhaupt und diesen ganzen Seelenmüll erfolgreich und endgültig besiegt? Und wenn ja, wie? In Psychiatrien sehe ich einzig eine Bedrohung, erneute Angst. Therapieformen, welche hilfreich sein könnten, kenne ich nicht. Zudem wird man ja als Borderliner, ob mit oder ohne eigenständige Angsterkrankung, in ein Schema selbst von Therapeuten gesteckt und steht sogar, dieses bilde ich mir nicht ein, bei den so genannten Fachärzten/Spezialisten auf der Rangliste ganz unten. Wieso eigentlich? Ich bin nicht einmal aggressiv auf andere, ausschließlich autoaggressiv. Wenn ich anderen gegenüber gewalttätig wäre, anderen Schaden zufügen würde, dann könnte ich dieses noch nachvollziehen, dem ist jedoch definitiv nicht so. Warum also dieses zusätzliche Stigma selbst von jenen, welche eine Tätigkeit ausüben, womit sie doch, nimmt man dieses Wort Beruf von Berufung wirklich ernst, einen Eid ablegen, in welchem sie ihren Willen zu helfen, nun wirklich schon schwören, ohne Unterschiede zu machen. So viel ich weiß jedenfalls. Ich weiß mir jetzt keinen Rat mehr, mit allem kann man noch halbwegs leben, umgehen, kann lernen, es zu steuern, irgendwie eben, aber wieso ist diese Unruhe, Angst und Panik um's Verrecken nicht in den Griff zu kriegen? Oder ist dem doch so, und finde ich nur nicht den richtigen Weg? Wäre für eine Rückmeldung sehr dankbar, denn atm sehe ich da überhaupt keine Hoffnung mehr und gerade dieses macht mir das Leben erst Recht unerträglich.

17.11.2013 00:43 • 01.12.2013 #1


36 Antworten ↓


Ohne Angst wäre die Menschheit nicht da wo sie ist.
Unsere Auslöser sind eben in den meisten Fällen unbegründet oder überzogen.
Mir hat folgendes Beispiel geholfen die Funktion im Gehirn besser zu verstehen:
Unsere bewussten Dinge speichern sich auch im Unbewussten ab. Die Straßen (Informationswege im Gehirn) die am häufigsten genutzt werden bauen wir zu Autobahnen aus. Je öfter wir die Autobahn nutzen und damit aufrecht erhalten, desto schwieriger sind die Landstraßen für uns, welche wir eigentlich zu Autobahnen ausbauen sollten in Punkto Angstauslöser.

Aber die Informationen bleiben und wir werden uns unterschiedlich intensiv stets erinnern. Wir werden damit immer konfrontiert werden und trotzdem ist die Baustelle da oben, nämlich die Landstraße zu befahren unser Ziel. Ich denke das uns Ärzte das bewusst machen wollen, wenn sie sagen das ein Rest bleibt und nicht 100% wie früher wird...

Mir fällt es beispielsweise schwer die Grenze zwischen berechtigter Vorsicht und übertriebener zu erkennen....

17.11.2013 01:17 • #2



Ich sehe es als hoffnungslos und nicht mehr als heilbar

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Hallo supergau,ich denke Deine Erlebnisse in der Klinik solltest Du unbedingt nicht als "einsperren" sondern als Hilfe betrachten.Du warst immerhin eine Gefahr für Dich selbst.Wurdest Du (so wie ich) als Kind evtl eingesperrt?Ichbin selbst Borderliner und denke das es einfach ohne Therapie nicht geht.Und Medikamente?Warum nicht wenn sie das Leben erträglicher machen und die Phasen zwischen Angst und Panik verlängern?Möchtest Du nicht aufarbeiten das Du Dich,sogar Zu Hause, eingesperrt gefühlt hast?Und die Panik hat ja auch seine Gründe.Denk mal ernsthaft darüber nach dich freiwillig in eine Klinik zu begeben,da bist Du nicht eingesperrt.Ich kann nur sagen ich war mehrmals sowohl auf einer geschlossenen als auch offenen Station und bin sehr dankbar für die Therapien mir ging es hinterher wesentlich besser.Aktuell war ich vor 6 Wochen stationär für 18 Tage und bin momentan beschwerdefrei auch Dank eines neuen Medikaments.Vielleicht solltest Du es nochmal in Erwägung ziehen DDich behandeln zu lassen?Lg Margit

17.11.2013 05:21 • #3


Hallo Maggie,

auch dir vielen Dank. Mir ist ja inzwischen schon klar, dass es reiner Selbstschutz war, ich sah damals allerdings keine Hilfe, habe sämtliche Hilfsangebote samt Therapie boykottiert. Ja, ich wurde einmal als Kind eingesperrt, weil ich mein Zimmer nicht aufgeräumt hatte. Ich fand nur einen handschriftlichen Zettel meiner Mutter. Maggie, ich hätte so vieles aus dieser elenden Vergangenheit aufzuarbeiten. Ja, ich weiß schon, Angst war ja schon immer stark ausgeprägt bei mir, schon seit frühester Kindheit, und diese Ängste bestanden aus begründeten Verlustängsten, andere Ängste wiederum vor der Gewalt meines 7 Jahre älteren Bruders. Er durfte ja ungehemmt mit mir treiben, was er wollte, und er hat definitiv nichts ausgelassen. Diese Angst vor ihm, ich fahre diese Flashbacks, seine Aggressionen, Schreierei, seine Kontrolle, ging doch über die gesamte Kindheit und Jugend, bis zu dem Tag, als er von zu Hause auszog.

Wegen Medikamenten muss ich vorsichtig sein, ich war bis vor etwa drei Jahren abhängig von Medikamenten, trieb Mischkonsum, Missbrauch mit Benzos und allem möglichen, was einzig und allein herunterfahren, beruhigen, Schlaf ermöglichen sollte. Habe auf eigenen Entschluss damals den Entzug zu Hause durchgezogen, fuhr die radikale Tour von 100 auf 0, die ersten vielen Wochen waren die Hölle, ich war mir auch bewusst, wusste es, dass man ausschleichen soll, ich war ja über sechs Jahre nur noch zugedröhnt. Mir waren auch die Gefahren bewusst, aber auch, dass ich mir notfalls jederzeit ärztliche Hilfe hätte holen können. Damals war diese harte Tour besser, anders hätte ich nicht geschafft. Und nun, ich habe das geschafft. Bekomme ja seit diesem neuerlichen Schub Diazepam, es wird nun ärztlicherseits runterdosiert, ich habe jedoch bereits vorher selbst zum eigenen Schutz runterdosiert. Mir sind diese Jahre und dieser Entzug eine Lehre, also ich will keinesfalls rückfällig werden, wird auch nicht passieren. Ich habe auch mit der Ärztin darüber gesprochen, ihr die Wahrheit gesagt. Es ist ja schon der Gedanke hilfreich, wenn man mir sagt, ich muss diese Panik nur so weit ertragen, wie ich selbst das kann und will. Natürlich, diese Medikamente, eben Benzos helfen, aber das Risiko einer Abhängigkeit ist nicht ohne. Bin ja in Behandlung, ich habe es dank der Unterstützung über Sozialbeistand auch gewagt, die Institutsambulanz aufzusuchen, weil ich kurz vorm endgültigen Abdrehen war. Mir wurde auch garantiert und zugesichert, und diese Bestätigung hole ich mir bei jedem Termin erneut ein, dass ich nicht stationär gegen meinen Willen bleiben muss. Kommt ja auch hinzu, dass ich meine Hunde, Katze und Vögel, eben Haustiere habe, und die kann ich nicht einfach abschieben und würde nicht jedem sie anvertrauen, zumal der eine Hund ein kl. Psychopath ist, sich von anderen nicht führen ließe, ich weiß das. Zudem habe ich zwar EU-Rente, aber nebenbei noch einen Gewerbeschein, d.h. ich schreibe bspw. Texte von zu Hause aus, mache auch Webdesign usw. Diese Arbeiten sind auch eine gute Beschäftigung, außerdem ein Nebenverdienst, denn von dieser Rente kann doch kein Ar. leben. Hat die Ärztin auch gleich verstanden und akzeptiert. Ich würde schon gerne eine Therapie machen, aber ambulant. Es steht auch keine Eigengefährdung im Raum. Mir ist ja mittlerweile auch klar, dass es diese Regeln und Vorschriften gibt, was Zwangseinweisung und Beschluss betrifft zum reinen Eigenschutz, denn es war wirklich ernst gemeint, fehlte auch nicht viel, und ich hätte es nicht überlebt, da ich bewusst alles über zwei Tage verteilt eingenommen habe, damit es in den Blutkreislauf schießt, und dass eine Magenspülung auf keinen Fall mehr helfen würde. Also ich weiß schon, dass ich damals mehr als gefährdet war, aber eben weil ich einfach nicht mehr konnte und wollte, habe ich alle Hilfe abgelehnt, sah mich nur noch hinter Gitter, empfand dieses als ungerecht. Ich habe ja damals noch anders getickt als jetzt und war einfach auf alle Ärzte, samt Sanis und Notarzt und Polizei stinksauer, habe die auch nach meiner Entlassung telefonisch runderneuert. Ich habe es jedem extremst übel genommen, konnte einfach nicht verstehen, warum man mich nicht gehen ließ. Dass die jedoch schon rein beruflich verpflichtet sind zu Hilfe und "Lebensrettung", war mir damals schei. egal, gebe ich auch zu, aber jetzt kapiere ich das mit zeitlicher Distanz ja durchaus. Nur was ich einfach nicht loswerde ist jetzt diese ständige Angst und Panik und zudem diese Angst vor Kliniken, Angst vor Druck und Zwang, das ist mein Problem.

Werde auf jeden Fall mit meinem Sozialbeistand und Betreuerin über eine Therapie sprechen. Die beiden können mir auch erklären, was es für Therapieformen gibt, welche dann in Frage käme. Die kennen sich da aus, insbesondere Sozialbeistand, der auch Psychiatrie-Erfahrung hat und aufgrund Zwangseinweisungen eben nicht unerheblich traumatisiert ist.

17.11.2013 12:03 • #4


Huhu supergau

Wir haben vor einigen Jahren hier im Forum schon einmal
miteinander geschrieben, damals war ich hier als "Helpless"
angemeldet.

Manchmal liegt der Weg zu einem erträglichen Leben nicht
mehr im Bestreben einer "Heilung" (Therapie, Zwangsver-
änderung etc.), sondern in der Akzeptanz des Status Quo.

Diese Akzeptanz bringt eine relative Ruhe und Angstfreiheit
mit sich, man/frau ist nicht mehr dem Wunsch/Zwang einer
Veränderung seines Zustandes/Ichs ausgesetzt, der natürlich
ansonsten immer ein gewisses Mass an Enttäuschung, Frust-
ration und Depression mit sich bringt.

Die Zeit und Kraft, die man vorher mit dem Bestreben nach
"Heilung" und Veränderung verbracht hat, lässt sich dadurch
positiv im Hier und Jetzt für ein akzeptiertes und halbwegs
zufriedenes Dasein verwenden.

Natürlich ist dieser Weg, dieses Denken und Fühlen, nicht
auf alle übertragbar. Die Gesellschaft (auch oft hier im Forum)
wertet ihn allzuoft als negativ (Aufgeben etc.), ohne jedoch
dabei zu sehen, dass es für den Betroffenen viel negativer
sein kann, bis zum "bitteren Ende" etwas anzustreben, was
unerreichbar ist (Zwangshoffnung bis zum letzten Atemzug).

Ich selber versuche daher seit etwa 4 Jahren den Weg dieser
Akzeptanz zu gehen. Weiss zwar nicht wo er hinführen wird,
aber er lässt mich mein "Hier und Jetzt" ertragen/leben.

Ganz liebe Grüsse, Beo

17.11.2013 14:17 • x 1 #5


@supergau

deine Geschichte ist so vielschichtig , dazu kann ich nicht viel sagen.

Nur soviel:

wenn es also keine vollständige Heilung gibt, ist die Akzeptanz die Beo vorschlägt doch richtig.

Und nein , ich halte das auch nicht für ein aufgeben.

Es so wie es ist zu akzeptieren bringt eine gewisse Ruhe rein.

Ich bin keine Freund von ewigen Therapien. Irgendwann ist auch mal alles gesagt.

Und alles was früher war ist eben vorbei und nicht mehr zu ändern, akzeptieren eben.

Welcher Therapeut kann dir denn deine Kindheit wieder reparieren oder dein Trauma nehmen?
Von da an wird es besser und jeder findet seinen Weg damit umzugehen (schönes Beispiel bei BEO)

Medikamente ja oder nein, muss auch jeder für sich entscheiden. Habe da keinerlei Erfahrung mit.
Denke aber so wenig wie möglich ist nicht falsch.

17.11.2013 14:41 • x 1 #6


kalina
Akzeptanz und "das Beste aus seiner Situation zu machen" ist im Leben allgemein

ein guter Ratgeber, egal ob mit psychischer Störung oder nicht.

Und: immer wieder fühlen, was einem gut tun könnte, woran man Freude hätte

und versuchen, diesen Wunsch sich selbst zu erfüllen (phantasievoll nach Wegen suchen ),

d.h. aus seinem Leben das bestmögliche zu machen

(eine Freude kann eine Tasse Kaffee sein, Kuchen, Sonne genießen, Spaziergang,

tanzen gehen uvm.)

17.11.2013 16:27 • x 1 #7


Ich finde es sehr gut das Du Leute um Dich hast die Dir helfen.Ich bin zwar bei "Betreuer" immer sehr skeptisch (hab nie selber einen gehabt),einfach vom Hören-Sagen,aber Hauptsache Du kommst gut damit klar.Ich habe auch einen 7 Jahre älteren Bruder der alles mögliche mit mir anstellte somit gleichen sich da unsere Kindheitserinnerungen genauso wie das einsperren.Ich kann gut verstehen das Du aufgrund Deiner Vorgeschichte Abstand von Medis nimmst.Jedoch kann ich "Primavera" nur bedingt zustiimmen,sicher ist mal alles gesagt in einer Thaerapie,aber das aufarbeiten bzw akzeptieren dauert eben seine Zeit und die sollte man sich auch nehmen dürfen.Stationär oder ambulant vollkommen egal Hauptsache es hilft.Ich denke auch das diese Krankheit nicht heilbar ist jedoch bin ich überzeugt das man selbst was dran verbessern kann auch mithilfe einer Therapie.Ich kann sagen ich habe gelernt besser damit umzugehen mit Angst und Panik und auch die Akzeptanz ist da gewisse Dinge aus der Vergangenheit nicht ändern zu können und einfach ruhen zu lassen.Es war ein langer Weg zu dieser Einsicht jedoch geht es mir seitdem wesentlich besser.Es ist keineswegs hoffnungslos auußer man gibt sich auf und das sollte man nicht dafür ist das Leben zu schön auch wenn es Tage mit Unruhe und Panik gibt.Hol Dir Hilfe von wo auch immer, es gibt so viele Stellen die Dich unterstützen können und mobilisiere Deine Ressourcen damit es Dir bald wieder beser geht.Lg Margit

17.11.2013 16:54 • #8


also rein statistisch gesehen wird eine generalisierte angststörung in ca. 60% der fälle nach einer therapie geheilt. die erfolgsrate gilt aber als eher gering.
steht zumindest auf dieser seite ( ganz unten, letzter absatz )
http://www.panikattacken.at/generalisie ... _angst.htm

21.11.2013 13:15 • #9


libellchen
Warum lehnst du es so ab, in eine 'normale' Klinik zu gehen?
Ich würde in dieser Situation vielleicht sogar überlegen, mir Geld zu leihen, um in eine Privatklinik zu gehen... Ohne Zwang und keine Klinik, in der man nur mit Medikamenten vollgestopft wird... Sondern mit intensiven Therapiemöglichkeiten, die meisten bieten ja mehr als nur Gesprächstherapien an...

21.11.2013 21:05 • #10


danke euch allen für eure Antworten.

@Beobachter
ja, ich weiß, kann mich an unsere Schreiben sehr gut erinnern. Ich war damals auch noch abhängig, aber kurz darauf dann der Entschluss, weg von alledem. Du hast ja Recht, ich habe es bemerkt, dass Ankämpfen sinnlos ist und eher diese Akzeptanz, nur ständig unter Strom stehen und bis ans Lebensende in diesem Dauerzustand? Das ist noch keine Lebensqualität mehr. Es ist in der Tat auch eine Art und Weise des Aufgebens, auch wenn Halt und Hilfe da sind, aber was bringen mir denn Gespräche, ich gebe mir Mühe in jedweder Hinsicht, aber komme einfach nicht mehr aus diesem Teufelskreis heraus. Wie viele Jahre noch?

@primavera
Das ist es doch auch, ich hatte über drei Jahre Therapie, immer wieder über alles sprechen, es war ein Therapeut mit über 40jähriger Berufserfahrung und er hat dreieinhalb Jahre gebraucht, um aus mir herauszubringen, was dieses Missbrauchserfahrungen seitens meines Bruders betraf. Und damals hat er es lediglich geschafft, da meine Mutter verstorben war und ich keinen Widerstand mehr leisten konnte. Ich habe einfach vorher immer dichtgemacht, konnte und wollte darüber nicht sprechen. Ich bat ihn dann im Nachhinein, nie wieder Fragen zu stellen nach Details. Seit diesem Tag, an dem ich unter diesen extremen Stress geraten bin, habe ich doch zudem auch immer, wenn diese Schübe ein Höchstmaß erreichen, eine Sprachblockade, d.h. ich habe keinerlei Sprachstörung, bekomme dann aber kaum noch ein Wort heraus, so dass man meinen könnte, ich würde stottern etc.

Es war meinerseits alles gesagt, es ist eben von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Dem einen tut es gut, immer wieder über alles zu sprechen, dem anderen schadet es. Und mir hat es geschadet. Was soll ich denn immer wieder über diese Vergangenheit sprechen, es ändert nichts mehr. Vergeben konnte ich, und jetzt will ich einfach nur noch abhaken, aber diese Auswirkungen sind nun mal da.

Medikamente sind nicht die Lösung schlechthin, nicht auf Dauer, das weiß ich, und ich will auch nicht wieder in Abhängigkeit geraten. Aber wenn gar nichts mehr geht, dann kann man auch Entspannungstechniken, allem möglichen, dazu bin ich ja bereit, ohne innere Ruhe doch gar nicht mehr angehen.

@kalina
Ja, es ist ein guter, sogar sehr guter Rat, die Akzeptanz, dieses ist ja mein Ziel, ich habe bereits vieles als schlichtweg mir gegeben, warum nun auch immer, akzeptiert. Auch was nun einmal Suizidalität betrifft, das kann ich mittlerweile ja durchaus steuern, es ist doch seit meiner Kindheit allein dieses in mir festgegraben, das geht nicht mit brachialer Gewalt aus einem Menschen zu vertreiben. Einfach mal "wegpusten", wie eine Bekannte meinte. Wenn das so einfach wäre! Freude kann ich ja durchaus an Kleinigkeiten empfinden, auch an meinen Tieren, an der Natur. Aber dann wieder zu Hause, alleine und diese Stille, dann geht dieses Grübeln wieder los, ich weiß nicht mehr, wo das alles Sinn macht.

@Maggie46
ja, es gibt Leute, die mir helfen, mich unterstützen. Ich war auch immer mehr als skeptisch bis völlig panisch vor Betreuung. Ich habe darin immer Kontrolle, Zwang, Entmündigung gesehen. Dem ist aber nicht so, ich hatte auch einfach Glück mit meiner Betreuerin. Ich kannte sie ja vorab durch dieses Tageszentrum für Psychiatrie-Erfahrene, wir sind ja auch von Anfang an per Du. Sie übt keinen Druck aus, hat sehr schnell bemerkt, dass Druck und Zwang gerade das Gegenteil bewirken und sie weiß auch, wenn ich plötzlich mailkontakt abbreche, dass irgendwas im Busch ist. Betreuung wurde ja gerichtlich bestellt damals aufgrund Abhängigkeit, damals kamen noch schei. Dro. ins Spiel und totales Chaos. Mittlerweile übt sie die Betreuung ehrenamtlich aus. Auch Sozialbeistandschaft ist eine gute Lösung, es ist freiwillig, ich kann selbst bestimmen, wo ich Hilfe, Unterstützung benötige. Alles, was hilft, würde ich tun, aber nicht stationär, selbst wenn ich kurz davor war, mich selbst einzuweisen und jetzt gerade wieder so weit bin mit dem Gedanken, jetzt ist es mir egal, soll man mit mir machen, was man will. Es ist zum Verzweifeln, wenn man sich derart selbst hochschaukelt und denkt, man wird endgültig Wahnsinnig und verliert das letzte bisschen Selbstkontrolle. Ich merke es doch aktuell, dass ich jetzt wieder Gefahr des Rückzugs laufe und was dieses nach sich ziehen wird, aber ich will es nicht. Hätte heute Gesprächstherapie gehabt, aber bin nicht hin, habe aber nun über Wochen konsequent durchgehalten. Nur ich denke, dieses eine Mal aussetzen, ich muss ja nicht, kann man nachsehen.

@alexberlin
danke dir für den Link. Eben das ist es, was den letzten Funken Hoffnung nimmt, wenn man hört und liest, dass eben kaum eine vollständige Heilung in Sicht ist und dann die Angst, dass man für den Rest dieses Lebens eben nie irgendwann endlich diesen ganzen Dreck los wird, nie konstant zur Ruhe kommen, angstfrei sein wird und allein diese Abende und v.a. Nächte, das wünsche ich niemandem. Man reduziert diese sog. Lebensqualität nur noch darauf, zur Ruhe zu kommen, zu Schlaf.

@libellchen
Warum ich es ablehne? Berechtigte Frage, bitte nicht denken, ich sei unkooperativ oder unwillig, es spielen da eben auch Ängste mit hinein, Sozialphobie, Angst vor Nähe, Kontrolle, Zwang. Ich könnte jederzeit stationär und auch teilstationär, teilstationär wäre dann eine Tagesklinik, das hatte ich damals nach einem Tag abgebrochen. Die Therapieform war u.a. Scrabble und Gärtnereiarbeiten, da wurden keine Gespräche angeboten, sondern ein Therapieplan erstellt, samt Schwimmunterricht und dann zum Tagesabschluss eine Gesprächsrunde vor allen anderen, das konnte ich damals eben nicht, vor anderen reden. Mittlerweile habe ich das ja überwunden und dieses war nicht einfach. Aber was bringt mir denn ein solcher Therapieplan, einfach nur Beschäftigung und dann mit Dingen, die mir nichts bringen. Mir bringt es mehr, wenn ich mit meinen Hunden rausgehen kann. Nun gut, ich kann ja auch vielseitig mich mit Arbeit von zu Hause aus beschäftigen, nur momentan ist mir ja mit diesen Zuständen das alles gar nicht mehr möglich.


Und somit - Fazit, man gerät automatisch wieder auf diese Schiene und hinterfragt den Sinn und Zweck all dessen? Wo macht denn ein Leben noch Sinn, wenn man einfach nicht mehr funktionieren kann? Da löst eine Angst die nächste ab und dann diese Panik, wie viele Jahre Lebenserwartung hat man noch und wie viele Jahre dann somit noch allein diesen ganzen Mist aushalten und ertragen? Am liebsten wäre mir eine Dauernarkose, alles vorübergehend ab- und ausschalten. Aber ich weiß ja, es ist und bleibt einfach nur Symptombehandlung, mehr nicht. Ich wünsche mir ja nichts mehr als meine gesamten Lebensumstände radikal zu ändern, nach vorne zu schauen, irgend einen Ausweg und eine Perspektive zu erkennen, nur ich sehe einfach nicht dieses Licht am Ende des Tunnels.

22.11.2013 13:30 • #11


Huhu liebe "supergau"

Zitat von supergau:
@Beobachter
ja, ich weiß, kann mich an unsere Schreiben sehr gut erinnern. Ich war damals auch noch abhängig, aber kurz darauf dann der Entschluss, weg von alledem. Du hast ja Recht, ich habe es bemerkt, dass Ankämpfen sinnlos ist und eher diese Akzeptanz, nur ständig unter Strom stehen und bis ans Lebensende in diesem Dauerzustand? Das ist noch keine Lebensqualität mehr. Es ist in der Tat auch eine Art und Weise des Aufgebens, auch wenn Halt und Hilfe da sind, aber was bringen mir denn Gespräche, ich gebe mir Mühe in jedweder Hinsicht, aber komme einfach nicht mehr aus diesem Teufelskreis heraus. Wie viele Jahre noch?


Ich selber versuche (aber auch erst seit wenigen Jahren) die Akzeptanz
nicht als Aufgeben des eigenen Dasains/Lebens zu betrachten, sondern
nur als Aufgeben eines vorherigen (Holz)Weges, der das irrationale und
unerreichbare Ziel der völligen "Heilung" gehabt hat.

Natürlich ist dieser Weg nicht übertragbar, es ist nur mein heute ganz per-
sönliches Überlebensmodell, und es ist und bleibt ein Versuch mit offenem
Ausgang.

Und wenn ich ehrlich zu mir selber bin, dieses Modell hat mich zwar vor
vielen Ängsten und Depressionen befreit, aber die (verdrängte?) Frage:
"Wie viele jahre noch?", bleibt auch bei meinem Lebensmodell noch sehr
Angstbesetzt.
Allerdings habe ich auch dazu ein Gedanken- und Planungskonzept ent-
wickelt, welches ich aber im Moment (aus Foreninternen Gründen) hier
nicht näher beschreiben möchte.

Viel Kraft, und ganz liebe Grüsse, Beo

22.11.2013 14:01 • #12


libellchen
Zitat von supergau:
@libellchen
Warum ich es ablehne? Berechtigte Frage, bitte nicht denken, ich sei unkooperativ oder unwillig, es spielen da eben auch Ängste mit hinein, Sozialphobie, Angst vor Nähe, Kontrolle, Zwang. Ich könnte jederzeit stationär und auch teilstationär, teilstationär wäre dann eine Tagesklinik, das hatte ich damals nach einem Tag abgebrochen. Die Therapieform war u.a. Scrabble und Gärtnereiarbeiten, da wurden keine Gespräche angeboten, sondern ein Therapieplan erstellt, samt Schwimmunterricht und dann zum Tagesabschluss eine Gesprächsrunde vor allen anderen, das konnte ich damals eben nicht, vor anderen reden. Mittlerweile habe ich das ja überwunden und dieses war nicht einfach. Aber was bringt mir denn ein solcher Therapieplan, einfach nur Beschäftigung und dann mit Dingen, die mir nichts bringen. Mir bringt es mehr, wenn ich mit meinen Hunden rausgehen kann. Nun gut, ich kann ja auch vielseitig mich mit Arbeit von zu Hause aus beschäftigen, nur momentan ist mir ja mit diesen Zuständen das alles gar nicht mehr möglich.


Natürlich, ich weiß was du meinst. Ich sehe das ähnlich bezüglich: Selbgsthilfegruppen für Sozialphobiker. Und diese sind dann meistens in irgendwelchen Großstädten, in die ich mich weder mit Auto, noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln wage...

Eine ganzheitliche Therapie zielt natürlich auch darauf ab, nicht den ganzen Tag mit Gesprächen zu verbringen, sondern auch ein Stük weit Alltag zu üben/herzustellen. Auch wenn dir das vielleicht auf den ersten Blick mal nichts bringen mag, erfüllt es auf Dauer ja doch seinen Sinn & Zweck. Es geht ja nicht nur darum, dich zu beschäftigen oder abzulenken, du sollst dich deinen Problemen ja auch stellen. Und das kann eben auch mal 'ne Runde Scrabble mit anderen sein, oder Gesprächsrunde mit anderen.
Ich bin kein Therapeut, aber ich denke, viele haben auch eine falsche Vorstellung von einer stationären Therapie. So ungefähr: Ich werde vier Wochen dauerberieselt und danach ist alles wie früher... Nach einer ambulanten Therapie ist das ja genauso. Auch da wird man dazu animiert, mal eben genau die Dinge zu tun, die man sonst vermeidet....

Zitat von supergau:
Und somit - Fazit, man gerät automatisch wieder auf diese Schiene und hinterfragt den Sinn und Zweck all dessen? Wo macht denn ein Leben noch Sinn, wenn man einfach nicht mehr funktionieren kann? Da löst eine Angst die nächste ab und dann diese Panik, wie viele Jahre Lebenserwartung hat man noch und wie viele Jahre dann somit noch allein diesen ganzen Mist aushalten und ertragen? Am liebsten wäre mir eine Dauernarkose, alles vorübergehend ab- und ausschalten. Aber ich weiß ja, es ist und bleibt einfach nur Symptombehandlung, mehr nicht. Ich wünsche mir ja nichts mehr als meine gesamten Lebensumstände radikal zu ändern, nach vorne zu schauen, irgend einen Ausweg und eine Perspektive zu erkennen, nur ich sehe einfach nicht dieses Licht am Ende des Tunnels.


Wer von uns wünscht sich das denn nicht? Jeder würde sicher gerne die Zeit zurückdrehen und an den Punkt gelangen, der den Stein ins Rollen gebracht hat. Ich möchte auch einfach mal einkaufen gehen, ohne hektisch an der Kasse zu stehen und mich zu schämen, weil andere wegen mir warten müssen. Ich will mir einfach mal keine Gedanken machen. Aber ohne Therapie wird das mit Sicherheit nicht funktionieren.
Es ist ganz einfach: Wir haben irgendwann gelernt, die Dinge falsch einzuordnen, falsch zu empfinden. Das es eben nicht so ist, muss man auch wieder lernen - das geht nicht von heute auf morgen und auch selten ohne fremde Hilfe.

Insofern bleibt es nicht nur eine Symptombehandlung. Es ist keine Querschnittlähmung, die zwangsläufig irreversibel ist.
Versteh mich nicht falsch, aber ich habe jahrelang an meiner Angststörung rumlaboriert, ohne eben etwas dagegen zu tun. Ich verstehe dich und jeder war schon in einer Situation, die er als ausweglos betrachtet hat.

25.11.2013 20:46 • #13


@Libellchen
ich kann mit alledem, was du geschrieben hast, absolut konform gehen. Alltag, Lebensstruktur will ich mir erarbeiten, und ich bin einer Therapie nicht abgeneigt, ganz im Gegenteil.

Aber weißt du, was meine Ängste noch weiter schürt. Ich hatte gestern einen Termin mit der Ärztin der Institutsambulanz. Beim vorletzten Termin fragte sie mich, ob ich Alk. trinken würde. Dieses habe ich verneint, es entspricht auch absolut der Wahrheit, denn ich habe nicht den geringsten Hang zu Alk., ich verabscheue diesen sogar, ich mag nicht einmal Süßspeisen oder sonstwas, wo Alk. enthalten ist. Ich habe ihr erzählt, dass mein Bruder Alk. ist, dass ich vielleicht aufgrund seiner hierdurch zusätzlich gesteigerten Aggressionen und Übergriffe mir gegenüber eine solche Abneigung gegen jedes Gesöff habe. Und gestern werde ich allen Ernstes gefragt, was denn mein Alk. mache... Also warum hört man eigentlich nicht richtig zu? Ich habe dann nochmals betont, dass ich kein Alk. habe, nie eines hatte. Dass ich lediglich im Teeniealter auf Parties Alk. trank, jedoch als absolute Ausnahme, ausprobieren eben, und ich eben, zudem was meinen Bruder betrifft, dazu nicht den geringsten Hang habe. Es ist bei mir nicht, dass ich mich beherrschen muss, nein, ich habe eine sehr ausgeprägte Aversion dagegen, die so weit führt, dass mir selbst, wenn andere in meiner Gegenwart irgend einen Kräuterlikör oder Schnap. trinken, allein von dem Geruch kotzübel wird. Und mir wird immer wieder stationäre Aufnahme oder halbstationär in Form einer Tagesklinik angetragen. Okay, halbstationär, damit könnte ich mich vielleicht noch anfreunden, auch natürlich damit, mich meinen Problemen zu stellen, mich damit abzufinden, mit dieser Angstproblematik zu leben und zu versuchen, auch im Rahmen einer Therapie, damit umzugehen. Es ist nicht so, dass ich nicht will. Aber nun steht dann so etwas im Raum und dieser Gedanke, ich könne dann als Alk. behandelt werden, obwohl ich damit gar nichts zu tun habe, das kann ja meinerseits auch jederzeit gerne getestet werden. Und nichts und niemand könnte und kann mich dazu animieren. Warum hört man einem eigentlich nicht richtig zu? Da geht doch das anfänglich gefasste Vertrauen gerade wieder flöten.

Zudem habe ich gestern gebeten, mich medikamentös umzustellen, auf ein wirksames, angstlösendes Mittel einzustellen, auch dieses wurde mir verweigert und keinerlei Verständnis, als ich sagte, dass ich bspw. von Neuroleptika extreme Nebenwirkungen habe, welche nicht mehr witzig sind. Es wird trotzdem weiter verordnet und ich werde dieses Zeug jetzt nicht mehr weiter einnehmen. Es hieß dann, sie sei die Ärztin und sie müsse das alles besser wissen. Natürlich ist sie Ärztin, hat die medizinischen Kenntnisse und Berufserfahrung, das akzeptiere ich doch. Aber es heißt immer, man könne darüber sprechen, wenn Medikamente eben nicht anschlagen oder gar solch extreme Nebenwirkungen verursachen. Dem ist hierbei aber leider nicht so.

Aber ich verstehe, was du meinst, was eine Therapie bewirken soll. Ich habe ja vor ein paar Jahren, als meine Mutter im Krankenhaus lag und notfallmäßig knall auf fall auf die Intensivstation weit außerhalb von Ortsnähe verlegt werden musste, da hier im nahe gelegenen Krankenhaus kein Bett mehr frei war. Ich habe damals um ihretwillen an diesem einen Samstag sehr vieles auf einmal überwunden, bin mit dem Zug gefahren ohne jedwede Ortskenntnis und mit dieser Sozialphobie. Ich habe mich alledem gestellt und es rein, um ihr beistehen zu können, überwinden können, was selbst mein damaliger Therapeut mehr als anerkannte. Also wenn es um andere geht, dann kann ich sehr vieles, aber geht es um mich, ist es, wie jetzt gerade, nicht wirklich möglich.

Werde mich also mit verschiedenen Therapieformen beschäftigen, ich kenne mich da nämlich nicht wirklich aus. Aber da ich jetzt mit diesem Dauerzustand nicht mehr leben will, ist der Wunsch nach Hilfe da und ich werde auch Hilfe annehmen.

26.11.2013 14:15 • #14


Zitat von Beobachter:
Huhu liebe "supergau"

Zitat von supergau:
@Beobachter
ja, ich weiß, kann mich an unsere Schreiben sehr gut erinnern. Ich war damals auch noch abhängig, aber kurz darauf dann der Entschluss, weg von alledem. Du hast ja Recht, ich habe es bemerkt, dass Ankämpfen sinnlos ist und eher diese Akzeptanz, nur ständig unter Strom stehen und bis ans Lebensende in diesem Dauerzustand? Das ist noch keine Lebensqualität mehr. Es ist in der Tat auch eine Art und Weise des Aufgebens, auch wenn Halt und Hilfe da sind, aber was bringen mir denn Gespräche, ich gebe mir Mühe in jedweder Hinsicht, aber komme einfach nicht mehr aus diesem Teufelskreis heraus. Wie viele Jahre noch?


Ich selber versuche (aber auch erst seit wenigen Jahren) die Akzeptanz
nicht als Aufgeben des eigenen Dasains/Lebens zu betrachten, sondern
nur als Aufgeben eines vorherigen (Holz)Weges, der das irrationale und
unerreichbare Ziel der völligen "Heilung" gehabt hat.

Natürlich ist dieser Weg nicht übertragbar, es ist nur mein heute ganz per-
sönliches Überlebensmodell, und es ist und bleibt ein Versuch mit offenem
Ausgang.

Und wenn ich ehrlich zu mir selber bin, dieses Modell hat mich zwar vor
vielen Ängsten und Depressionen befreit, aber die (verdrängte?) Frage:
"Wie viele jahre noch?", bleibt auch bei meinem Lebensmodell noch sehr
Angstbesetzt.
Allerdings habe ich auch dazu ein Gedanken- und Planungskonzept ent-
wickelt, welches ich aber im Moment (aus Foreninternen Gründen) hier
nicht näher beschreiben möchte.

Viel Kraft, und ganz liebe Grüsse, Beo


Salü Beo,

sorry, ich war zu aufgeregt, deine lb. Antwort ist mir einfach untergegangen.

Ich habe mich auch entschlossen, alles anzunehmen, zu akzeptieren. Ich habe es bspw. geschafft, Trauer, Verlust zu akzeptieren und der Tod meiner Mutter vor nunmehr 6 Jahren hat mich zusätzlich heruntergerissen, habe den völligen Abstieg gemacht. Aber jetzt akzeptiere ich es, und ich akzeptiere viele Dinge aus der Vergangenheit, welche nicht in Ordnung, sehr zerstörerisch waren, als unabänderbar. Auch mit innerem Druck und Suizidgedanken, die ja nun einmal seit meiner Kindheit präsent sind, kann ich umgehen, kann es steuern, habe auch schon, wenn ich es mir jetzt überlege, viele Ängste abgebaut. Ich war vor Jahren so weit mit meiner Sozialphobie und Berührungsängsten, dass ich ständig Sagrotanpumpspray mit mir führte, mir, wenn mir jemand die Hand gab, dann, sobald derjenige außer Sichtweite war, da ich ja nun auch niemanden verletzen mochte und möchte, die Hände desinfiziert. Allein diese Berührungen wirkten sich wie ein Stromschlag aus. Ich habe dieses abgebaut, es gibt heute kein Spray mehr, es macht mir nichts mehr aus. Übe mich auch darin, Nähe zuzulassen, aber nicht die totale Nähe, dieses funktioniert noch nicht. Hört sich, liest sich vielleicht lächerlich, aber das allein ist sehr belastend. Ich habe auch meine Ängste abgebaut um meine kleinen Hunde. Der eine ist nun mal psychopathisch da überzüchztet, macht die Welle. Ich hatte Jahrelang Angst vor großen Hunden, nicht um mich, wir hatten selbst immer Schäferhunde, sondern die Angst um die kleinen (Westies). Ich geriet ständig bei Begegnungen in Panik, damals hatte ich nur einen Hund. Ich nahm ihn auf den Arm, ständig, bin mit ihm panisch davon gerannt. Ich bin selbst von klein auf Hundehalter, unser Schäferhund war ausgebildeter Schutz- und Fährtenhund, also ich weiß, dass es genau falsch war, nur die Panik und Angst um meinen Hund war größer. Also entschloss ich mich vor Jahren, jetzt ist Schluss damit, du tust weder dir und erst recht (d)einem Hund keinen Gefallen damit. Somit der Entschluss, es kommen zwei Hunde her, denn mit zweien unterm Arm und mit Asthma den Berg hoch flüchten, dürfte sich äußerst schwierig gestalten, also bleibt dir nur eines: du musst da durch. Und das habe ich tatsächlich geschafft.

Sind kleine Beispiele, aber da sind ja weitaus mehr Ängste und Befürchtungen, eben auch diese ätzenden nächtlichen Panikattacken. Es gelingt mir ja durchaus ab und zu, auch Panikattacken irgendwie zu überstehen, war einmal nachts, wieder mal, ich begann, die Uhr anzustarren und bildete auf jede Minute einen Reim, so musste ich eben 60 Reime erfinden, forderte mich damit, und es gelang mir, als ich fertig war, war die Panik vergessen. Es gelingt, aber leider nicht immer.

Ich habe nunmehr auch meine Lebensumstände angenommen, Alleinsein akzeptiert, will und werde versuchen, diese Abende und Nächte zu überstehen. Suche mir, wenn die Unruhe abends besonders schlimm wird, Abwechslung, indem ich unter Leute gehe, in meine Stammkneipe - aber nach wie vor, das weiß hier jeder und manche lachen schon, absolut Alk. -, um Gespräche zu führen, die lenken ab, zudem Training, Nähe zuzulassen, zu checken, was ich an meinem Verhalten ändern muss. Ich konnte auch mit denjenigen reden, habe ihnen gesagt, man soll Kritik üben, aber mir direkt gegenüber, da ich nur dann weiß, was ich falsch mache. Also Angst abbauen Richtung Sozialphobie. Bin zwar momentan in einer Rückzugsphase, werde jedoch wieder rausgehen.


Du schreibst selbst, dass du dir die Frage ebenfalls stellst "wie viele Jahre noch?". Wie kannst du damit umgehen?

Geht es dir auch so, dass du, wenn du einen alten Menschen triffst, plötzlich diese furchtbare Angst verspürst, du könntest/müsstest auch so alt werden und dieses mit diesen Angstzuständen, Schlaflosigkeit etc.? Ich weiß, es wirkt auf andere irre. Die meisten wünschen sich ja, 100 Jahre oder älter zu werden, aber für mich ist dieses die Horrorvorstellung pur. Ich drehe am Rad, während andere es sehr bemerkenswert finden, wenn uns, wie neulich, eine 95jährige Frau im Park begegnet. Sie ist froh, dass sie lebt, sie ist mobil, sagt, sie habe keine Schmerzen, könne schlafen und dass sie trotz ihres Alters Lebensqualität und auch Lebensfreude hat. Ein Bekannter fand das "cool", ich drehe direkt am Rad und bekomme Panik bei dem Gedanken, nochmals zig Jahrzehnte, noch so viele Jahrzehnte vielleicht und all dies aushalten? Bin ich denn mit einem solchen irren Programm, mit diesen Gedanken allein oder geht es dir und anderen auch so oder ähnlich?

Wie kann ich mein Leben planen? Ich war noch vor nicht allzu langer Zeit auf dem selbstzerstörerischen Tripp, konnte und wollte allein mein Leben nicht annehmen, dieses habe ich getan. Es ging ja schon über Jahre so weit, dass ich, wenn ich etwas für in zwei Wochen plante, ein schlechtes Gewissen bekam, bei dem Gedanken, stopp, bis dahin willst du längst nicht mehr sein. Auch dieses blockiert einen doch zu planen. Nun gut, davon bin ich weg, weiß, ich lebe in der Gegenwart und nicht mehr in der Vergangenheit, selbst wenn ich ab und zu noch abschweife, wenn Trauer und all dieses wieder mal sich Bahn brechen. Ich konnte auch den Tod meines Vaters im Jahr 1992 nie wirklich verkraften. Auch jetzt nicht, aber ich habe es zumindest annehmen und akzeptieren können.

Wie kommt man denn aus dieser Gedankenspirale endlich raus? Wie lernen, mit äußerem Druck umzugehen? Ich gerade hier ständig ins Gerede, und dieses schlichtweg aus Gründen meiner Rückzieherei, diese verstärkt sich dann jedoch aufgrund des Geredes, ich meide diesen Umgang ja bewusst, weiß, es ist der falsche Weg, aber es ist die Angst, ständig erneut dann trotzdem bei einem falschen oder fehlinterpretierten Wort, einer lapidaren Äußerung, erneut ins Gerede zu kommen. Ok, ich lasse sehr schnell und spontan sarkastische Sprüche raus, damit kann nicht jeder umgehen, ich habe jedoch mir dieses weitestgehend abgewöhnt, nehme mich zurück. Es sind auch keinerlei Streitigkeiten oder Konflikte vorhanden, im Gegenteil, ich will mit jedem in Frieden auskommen, stecke dann auch durchaus einiges lieber weg, denke mir mein Teil, reagiere nicht auf Provokationen, lasse mich somit auf einen Streit erst gar nicht ein. Ich akzeptiere einfach die Meinung anderer, wenn man mich als Verrückte bezeichnet, auch auf Diskriminierungen, welche so weit gehen, dass einem indirekt auch eine Existenzberechtigung aberkannt wird. Es ist auch ein Problem, welches andere mit mir haben aufgrund meiner Offenheit, d.h. ich rede nicht über andere sondern direkt mit jedem, aber auf absolut vernünftigen Niveau. Ich stehe eben nur auch zu meinen Gedanken, dass ich mich eben mit dem Tod befasse und diesen nicht, wie andere, fürchte, sondern darin eine Erlösung sehe. Auf der anderen Seite jedoch akzeptiere und verstehe ich andere absolut, welche eben an ihrem Leben hängen. Es setzt doch auch jeder andere, individuelle Prioritäten für sein Leben. Mögen andere ihre Erfüllung in Materiellem sehen, so sind meine Prioritäten ganz andere, ich hänge nicht an Vergänglichem, mir geht es nicht um Akzeptanz aufgrund dieses sog. äußeren Scheins, hinter dem doch wirklich oft gar nichts ist. Warum soll, muss man nach außen hin etwas vorspielen, was nicht Fakt ist? Kann denn nicht jeder Mensch so sein, wie er nun einmal ist?

Wie gehst du mit alledem um?

Sehr viele Fragen, aber hierzu hast du mich mit deinem Beitrag angeregt.

Danke dir hierfür.

Liebe Grüße

supergau

28.11.2013 11:14 • #15


Huhu liebe "supergau" (ja, ich schreibe es immer noch mit Gänsefüsschen)

Erst einmal meine ganz grosse Hochachtung davor, dass du auf dem
Weg der Akzeptanz, nicht auch den Pfad der Vermeidung gehst, so wie
ich es seit einiger Zeit tue.

Deine Geschichte mit deinen beiden Hunden macht dies sehr deutlich.
An der Stelle, wo ich vermeide, hast du dir einen zweiten Hund zuge-
legt, um nicht mehr vermeiden zu können (wollen).
Ich hingegen schiebe sogar meinen Herzenswunsch nach einer kleinen
Katze als Mitbewohner, seit Jahren immer wieder auf.
Natürlich nicht wirklich aus der Angst heraus, solch einem Mitbewohner
nicht gerecht werden zu können, sondern aus der damit einhergehenden
Verpflichtung heraus, auch morgen noch da sein zu müssen.

Dies beantwortet auch die Frage, wie ich mit dem Gedanken "Wie viele
Jahre noch?" umgehe.
Ich muss mir, zum täglichen "überleben", diesen Gedanken offen lassen,
die Antwort siedelt sich, je nach Tagesverfassung, also irgendwo zwisch-
en 24 Stunden und über 24 Jahen an. Wichtig ist dabei nur, dass ich die
Kontrolle über diesen Termin jederzeit selber haben muss.

Was den Moment einer Begegnung mit sehr alten Menschen betrifft, so
ist das, wie auch bei dir, immer ein kurzer Moment des Aufschreckens,
und auch mit nachfolgenden Ängsten verbunden.
Denn es macht mir bewusst, dass auch ich durch Krankheit oder Alter, in
diese Lebensphase kommen kann (unweigerlich sogar irgendwann muss,
denn es ist der natürliche Verlauf des Lebens).
Dahinter steckt bei mir, dass eine Abhängigkeit (nicht mehr selber versor-
gen können, Hilfe oder gar Pflege brauchen etc.), ein absolutes Tabu für
mich darstellt, und somit keine Alternative wäre.

Was den Druck von aussen (Familie, soziales Umfeld etc.) betrifft, so habe
ich diesen Druck heute nicht mehr, womit auch alle Konsequenzen wegfallen.
Dadurch, dass ich keinen Familienkontakt (Ausnahme ganz selten Halbschw-
ester), keinerlei privates soziales Umfeld, und seit 3 Jahren auch kein Berufs-
leben (EU-Rente) mehr habe, entfällt dieser Aussendruck nahezu komplett.
Es sind diesbezüglich also keine Fremderwartungen mehr zu erfüllen, keine
Missverständnisse (durch anderes Denken und Fühlen) mehr zu befürchten,
und keine schädlichen Verstellungen des eigenen Ichs mehr zu leisten.

Meine "Erfüllung" (Sinn?) finde ich heute im sehr achtsamen Beobachten der
Welt, möchte lernen und verstehen, begreifen wo ich wirklich war (bin), und
warum die Dinge so sind, wie sie sich uns darstellen.

Oftmals tun sich dabei aber zu jeder neuen Antwort, sofort wieder neue Fragen
auf. Daher tue ich mir heute schwer, Ratschläge zu erteilen, oder zu glauben,
etwas wirklich wissen zu können (trotz meiner gelegentlichen Beiträgen hier
im Forum, die ich mir zur Kommunikation zugestehe).

Weiss nicht, ob das alles wirklich nun zu verstehen war, aber es hat mir neben-
bei gutgetan, einmal solch eine zusammenhängende "Bilanz" zu formulieren.

Dir viel Kraft und ganz liebe Grüsse, Beo

28.11.2013 14:05 • #16


Liebe supergau, lieber Beo,

ich kann nicht so schön schreiben wie Ihr, aber ich fühle teilweise wie Ihr.

Auch ich denke fast jeden Tag daran, wie lange ich so noch leben muß/soll/kann.

Auch ich behalte mir selber meine Lebensspanne vor, soweit ich es selber vermag, sie liegt zwischen 12 Stunden und dreißig Jahren. Und nur mit dieser Gewissheit, selber zu bestimmen, wie alt ich werde, wenn es mir die Natur denn so gibt, daß ich evtl. sehr alt werden soll, kann ich weiterhin ertragen und überleben. Denn LEBEN kann man das, was ich derzeit exerziere, wirklich nicht nennen.

Mein Mann träumt davon, wenn "wir" Rentner sind, viel zu reisen, er hat Pläne. Wobei ich mich jedesmal im Stillen frage, ob wir das noch zusammen erleben werden. Ob ich es bis dahin noch irgendwie schaffe….. Ich denke, Ihr versteht, was ich ausdrücken möchte.

28.11.2013 14:24 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Huhu liebe Worrie

Ich verstehe es, und dieses Denken ist auch zulässig, wenn
man sich dessen bewusst ist, die Kontrolle darüber hat, und
es hilft, im Hier und jetzt weitermachen zu können.
Dies hat mir sogar einmal mein Arzt im psychosomatischen
Krankenhaus so bestätigt.

Bis vor wenigen Jahren dachte ich aber noch, Menschen die
noch eine Familie (Lebenspartner/Kinder) oder ein stabiles
Umfeld (auch Arbeit) haben, könnten niemals so denken
und fühlen.
Heute, nicht zuletzt durch unser Forum, weiss ich aber, dass
es dennoch so sein kann.

Auch ganz viel Kraft und liebe Grüsse, Beo

28.11.2013 15:32 • #18


Dankeschön, lieber Beo,

es ist das erste Mal, daß mir jemand mitteilt, daß diese Gedanken ZULÄSSIG sind. Ich fühle mich das ERSTE MAL verstanden, ohne viele Worte.

Diese Gedanken würde ich vielleicht nicht haben, irgendwie durchhalten wollen, wenn ich wüßte, daß mein Mann nicht stark genug ist, mit meiner Entscheidung, so ich sie denn selber fällen sollte, klarzukommen. Er würde leiden, er wäre wütend, vielleicht würde er mich sogar ein bißchen verstehen - aber er würde nicht am Leben verzweifeln - wie ich.

Sonst ist da niemand mehr in meinem Leben, an den ich denken müßte, ich habe niemanden sonst.

Dir auch ganz viel Kraft und liebe Grüße

28.11.2013 16:26 • #19


Leute,

eine Frage an euch: mit diesem Gedanken im Hinterkopf, den ich auch für zulässig halte, steht das der Hoffung nicht im Wege
bzw. verstärkt das Gefühl Hoffnungslosigkeit nicht?

(Hoffe das war jetzt nicht zu verquer ausgedrückt)

28.11.2013 16:33 • #20



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