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201816.02




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Hallo,

bin neu hier und möchte mich kurz vorstellen. Ich bin 20 Jahre alt, Student und leide seit Ewigkeiten an den verschiedensten Zwängen. Ich war schon immer besonders, als "hochintelligent" haben sie mich damals eingestuft, einen IQ von 130 haben sie gesagt...und genau dieser wurde mir glaube ich zum Verhängnis. In der Schule fand ich nie richtig Anschluss und meine Noten ließen ab der 5. Klasse auch stark nach. Es gab Phasen, da fühlte ich mich wohl, als ich z.B. mit 12 Jahren in den Sommerferien zusammen mit meinem besten Freund das Geheimversteck bewohnte und es so gesehen keine Sorgen gab, aber diese Zeiten sind längst vorbei...klar wird man älter und muss dann halt auch mal seinen A***h zusammen kneifen, damit man nicht hängen bleibt, aber ein Leben ohne Zwänge kann ich mir mittlerweile nicht mehr vorstellen. Ich weiß nicht mehr genau, wie es war, als ich damals frei von allen Sorgen war.
Ich leide seit Jahren an Zwängen, die mal kommen und dann wieder gehen, mich aber nie ganz in Ruhe lassen. Das erste Mal war mit 5 Jahren, als ich immer einen bestimmten Satz zu meiner Mutter sagen musste, mit 12 Jahren habe ich ständig den Notruf gewählt, bis ich dann dort stand und mich entschuligen musste. Meinen Bruder habe ich Jahre lang zwanghaft geärgert, gekniffen und an den Haaren gezogen, aber all das war nicht mal so konstant schlimm. Mal kam das eine, dann das andere und danach war für ein Jahr schluss. Aber seit dem ich vor vier Jahren ein Video gesehen habe, gehen die Zwänge nicht mehr komplett weg.

Ich saß damals vor dem PC, am nächsten Morgen nach einer Feier und durchstöberte lustlos YouTube, als ich auf irgendeinen bes********n Möchtegernnachrichtensprecher traf, der der Welt mitteilen musste, wie furchtbar doch dieses eine Video von drei Ukrainern, welche einen Mann aufs Brutalste umbrachten, sei. Ich natürlich mit mir gerungen, soll ich, soll ich nicht...und selbstverständlich MUSSTE ich es sehen, was sich ungefähr 60 Sekunden später als fataler Fehler entpuppen sollte.
Sofort bekam ich Zwangsgedanken, meine Familie als Opfer, ich als Täter. Meine Familie war mir, in Anbetracht meiner wenigen Freundschaften damals, heilig und diese Gedanken machten mich fertig. Ich hielt es nicht mehr aus und stattete dem nächstliegenden Psychater einen Besuch ab, welcher eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostizierte und mir Venlafaxin in 37,5mg verschrieb. Natürlich war ich gespannt, wie es denn wirken würde, zwei Woche könnte es dauern meinte er damals. Nach knapp vier Wochen waren die Zwangsgedanken weg, aber das lag meiner Überzeugung nach nicht am Psychopharmakon, sondern einfach daran, weil ich es verarbeitet hatte. Denn kurzer Zeit später fingen die Zwänge wieder an. Was genau weiß ich nicht mehr, aber mehrere kleine Sachen, die mich den lieben langen Tag beschäftigten. Im Laufe der Monate gingen die einen, andere kamen und ich fand einfach keine Ruhe! Ich kann nur die Zwänge in den letzten Jahren aufzählen, was wann genau...keine Ahnung. Zum einen musste ich plötzlich wieder den Notruf wählen, aber nicht anrufen, sondern über den Touchscreen fahren, um die Nummer dann schnell wieder verschwinden zu lassen. Ich musste mein Handy hochschmeißen, wobei es eine Drehung machen musste, dabei an etwas denken und es daraufhin wieder richtigherum auffangen. Auch musste ich plötzlich auf eBay nach teuren Artikeln suchen, welche privat (ohne Rücknahme) angeboten wurden und mit angespanntem Finger über der Maustaste bis drei zählen. Natürlich habe ich so einiges "versehentlich" gekauft, mal ein Auto, dann einen Nerzmantel und immer war es dann mein Sohn, der an meinem Laptop herumgespielt hatte. Einmal hatte ich jedoch nach dem dritten Mal Pech und durfte 500Euro zahlen, da der Verkäufer sich gezwungen sah, dem 16 Jährigen mit starken psychischen Leiden (so habe ich es beschrieben), eins auszuwischen. Gut, also durfte ich in Raten von den 1500Euro, welche ich mir nebenbei im Baumarkt verdient hatte, was abdrücken. Ich war da natürlich geschockt, traurig, irre sauer auf mich und ihn(...) und fragte mich das erste Mal "Was zum Teufel machst du hier eigentlich?".
Davor hatte ich eine Therapie angefangen. Ein Jahr lang eine Stunde pro Woche "Wie fühlst du dich?". Nichts hat es gebracht, außer dass ich letztendlich abgebrochen habe, weil sich die Therapeutin als ziemlich geldgeil herausstellte.
Ich weiß nicht mehr genau, wie es sich damals zugetragen hatte, aber ich eignete mir, eine für mich damals revolutionäre, Methode an. Ich stelle mir ein Ziel: drei mal am Tage, dann hast du es geschafft und siehe da, es funktionierte. Ich wachte auf, wiederholte meine Rituale drei mal und dann war Ruhe...bis exakt 24 Uhr! Nun hat sich wohl dieses x mal täglich wiederholen Gehabe als, zumindest empfinde ich das so, Schutzfunktion bei mir etabliert und somit mache ich es einfach seit geraumer Zeit, um es "fertig zu haben".
Was ich herausfiltern konnte war, dass ich unter Stresssituationen, gerade innerhalb der Familie, oft zwanghafter werde, aber mehr auch nicht. Ich sitze hier gerade, weiß, dass ich es für heute drei Mal gemacht habe trotzdem geistert mir ein unwohles Gefühl durch die Birne, was mich nicht loslässt. Morgen ist ein neuer Tage, ach nein, sind ja nur noch 5 Stunden und 45 Minuten, bis ich es wiederholen muss.

Ich war neulich mit einem Freund in Holland und wir haben dort so einiges geraucht. In der Hoffnung, dass es besser werden würde war ich recht aufgeregt, aber es machte sich vorher eine Angst in mir breit, ich war gespalten, obwohl es nichts neues für mich war. Ich hatte zwar lange nichts mehr konsumiert und war auch nie der *beep*, bei manchen Feiern hin und wieder ja, machte Spaß, aber auf Grund meine Krankheit wollte ich es nicht allein machen. Beim sehr leichten Rausch (dabei habe ich es belassen) musste ich Anfangs "vorarbeiten", heißt so wie an einem neuen Tag, aber nur, weil ich der Überzeugung war, ich würde mich mit einem anderen Bewusstseinszustand mich erneut einem Druck aussetzen müsse, weil es eben nicht normal war. Danach war ich für den Rest des Tages innerlich sehr unruhig, geschlafen habe ich auch schlecht.
Um es mal auf den Punkt zu bringen: jeder Zwang, den ich bisweilen hatte, war darauf ausgelegt, mich einem psychischen Druck auszusetzen oder mir psychisch sogar zu Schaden (schlechtes Gewissen etc.), nie habe ich es anders empfunden, nie!

Ihr merkt schon, es ist recht verzwickt, aber da ich erst einmal in Therapie war, vertraue ich dem Ganzen, da ich mein Leben nicht als "so ist es eben" hinnehmen will.
Ich habe etwas über Hypnose gelesen und bin neugierig geworden, aber gleichzeitig Angst, dass etwas schief gehen könnte oder ich wieder ins Leere laufe.

Was haltet ihr erstmal von meinem Gesamtbild und von Hypnose als Therapie?
Würde mich über Antworten freuen!

Grüße
Christian

Auf das Thema antworten


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NRW
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  17.02.2018 07:54  
Hallo

Es gibt schon mehrere Threads zu dem Thema Hypnose, vielleicht findest Du ja schon hier hilfreiche Antworten.

kummerforum-f31/erfahrungen-mit-hypnose-t40940.html
agoraphobie-panikattacken-f4/hypnose-erfahrungen-t55568.html
agoraphobie-panikattacken-f4/erfahrungen-mit-hypnose-t43501.html
agoraphobie-panikattacken-f4/erfahrungen-mit-hypnose-t11245.html
depressionen-f99/hypnose-bei-depressionen-wer-hat-erfahrungen-t77863.html

LG Angor



  17.02.2018 09:38  
Hallo!

Ich denke bei Deinen Zwängen und Schilderungen an Autismus oder Asperger. Gibts ja in verschiedenen Ausprägungen. Bist Du daraufhin untersucht worden? Wenn es denn so wäre, dann kann man Dir helfen und Dein Leben ein bisschen ordnen! Alles Gute wünsche ich Dir!





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  17.02.2018 13:49  
@Kiliane40

Das macht mir ein wenig Angst...
Was ich vielleicht noch beifügen sollte: ich habe mittlerweile und auch schon seit einigen Jahren etliche Freunde kennen gelernt, mit vielen gelegentlich Kontakt und halt zwei Freunde, mit denen ich wesentlich mehr mache. Auch in der Uni habe ich mich sofort mit mehreren Leuten angefreundet, also eine Sozialphobie oder gestörtes Sozialverhalten kann ich, zumindest aus meiner Sicht, nicht beklagen. Schon im Kindergarten hatte ich Freunde, wenn auch wenige, dafür gute und ich denke ich habe mich mehr der Gesellschaft angepasst, um mitzukommen und nicht als Außenseiter dazustehen, zumindest denke ich das, rückblickend auf die ersten zwei Jahre in der Grundschule.
Aber ich bin kein Experte, kann sein, dass ich es mir bloß schön reden will, dennoch denke ich, dass ein Erlebnis bzw. eine Phase in meiner Kindheit mich geprägt und bis heute nicht losgelassen hat.

@Angor

Das heißt dann wohl: ausprobieren. Mehr als nichts kann ja nicht passieren. Ich habe auch schon jemanden gefunden, welche in meiner Nähe therapiert.

Danke1xDanke

Prof. Dr. Borwin Bandelow

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