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Hallo

Eigentlich gehört dieser Beitrag/Thread ja nicht in die Smaltalk-Ecke,
denn er ist eines Nachdenkens wert (glaubt mein Gehirn zumindest).

Wir wünschen uns, dass Physe(Körper) und Psyche(Geist) nicht mehr
getrennt gesehen und behandelt werden. Auch die Medizin hat das
heute wiedererkannt, und versucht dem nachzukommen (Somatik).

Was ich aber immer wieder feststelle ist nun Folgendes:

Bei einem körperlichen Leiden, egal ob durch Unfall (z.B. Amputat-
ionen, Lähmungen etc.), oder durch Krankheit/Alter (z.B. Krebs, Al-
tersschwäche etc.), wird anerkannt, dass es chronisch, dauerhaft
und unheilbar sein kann. Akzeptanz und damit bis zum Ende leben
ist erlaubt und nicht negativ besetzt (Aufgeben, Resignieren ...).

Bei einem seelischen Leiden jedoch, wird grundsätzlich auf "Heil-
ung" und Veränderung gesetzt. Jeder Gedanke an etwas Chronisch-
es und Unveränderbares wird ausgeklammert, er gilt als "negativ".

Und dabei könnte gerade diese Akzeptanz (zusammen mit einem
nicht negativ bewerten und zwangsverändern wollen) wieder zu ei-
nem neuen Lebensweg führen, und somit eine grosse Menge an Le-
benszufriedenheit zurückbringen.

So wie ein gelähmter Rollstuhlfahrer nicht dazu gezwungen werden
sollte, zu versuchen wieder (Zwangs)Laufen zu lernen, so sollte auch
der psychisch "Kranke" nicht in jedem Falle gezwungen/überredet we-
rden, wieder "gesund und normal" zu werden.
Er sollte auch, wie der Rollstuhlfahrer, die Möglichkeit bekommen, mit
seinem psychischen Gebrechen zufrieden zu leben, also quasi mit Psy-
cho-Rollstuhl durch sein Leben zu fahren.

Meine Frage ist also:

Warum hat der Schrank des Körpers zwei Schubladen, der Schrank der
Seele aber nur eine ?

16.02.2014 19:26 • 18.02.2014 #1


75 Antworten ↓


Mein lieber Beo,
das liegt daran,dass bei physischen Belangen die Medizin ganz klar
sehr weit fortgeschritten ist,
während die Psyche wahrscheinlich auch in 100 Jahren nicht erforscht werden kann....
Persönlichkeit ist komplex und wann wird da die Grenze gezogen von normal
zu andersartig.

16.02.2014 19:30 • #2



Physe und Psyche - Zweierlei Mass ?

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Ich teile deine Ansicht, Beo. Ich habe mich das schon oft gefragt und habe diese Frage glaube ich, so in der Art, auch schon mal hier anfangs gestellt. Oder zumindest auf einen Beitrag geantwortet, wo es darum ging. Und die Resonanz war da nicht gerade positiv.
Ich erlebe auch immer wieder, dass körperlich Erkrankten weitaus mehr Mitgefühl und Akzeptanz entgegengebracht wird als psychisch Kranken. Das darf einfach nicht sein, damit wollen die meisten Menschen nichts zu tun haben. Da gibt es einfach sehr viele Vorurteile. Denn in den meisten Fällen kann man das ja nicht sehen und stempelt die Menschen dann als Simulanten und Faulenzer ab.
Der einzige "Vorteil" an psychischen Erkrankungen liegt für meine Begriffe aber bei den Möglichkeiten der Rente usw. Da, so habe ich gelesen, erlangen psychisch Erkrankte eher Erfolg als körperlich Erkrankte. Weil es eben nicht so wirklich nachweisbar ist.

16.02.2014 19:32 • #3


Hey,

das sind tatsächlich sehr interessante Gedankengänge. Aber ich frage mich, ob man die beiden Sachen wirklich direkt miteinander vergleichen kann. Der Körper ist etwas greifbares und wenn der "kaputt" geht und es mechanisch nicht mehr zu reparieren ist, ist das irreversibel.

Die Psyche ist nicht wirklich greifbar (klar, durch den Körper und unsere Verfassung wird sie auch irgendwie sichtbar) und kann daher auch mechanisch nicht kaputt gehen. Sie erleidet ja vollkommen andere Verletzungen als unser Körper. Sie ist formbar. Und ich bin überzeugt, dass sie deswegen auch geheilt werden kann. Unsere innere Einstellung und das was wir erleben, geben uns die Chance etwas, was aus der Bahn geraten ist, auch wieder in die Bahn zu lenken.

Dabei muss man allerdings zwischen den verschiedenen Krankheiten unterschieden. Es gibt sicherlich heftige Persönlichkeitsveränderungen, die nicht zu ändern sind, aber die zeichnen sich in der Regel schon im Kindesalter ab. Psychische Krankheiten, die man durch schlechte Erfahrungen, erwirbt, können meiner Meinung nach aber geheilt werden. Das ist alles eine Frage der inneren Einstellung und ob man einen Weg zu sich selbst findet.

Aber das ist nur meine Meinung und drückt vielleicht auch die Hoffnung aus, dass ich irgendwann wieder angstfrei leben kann.

16.02.2014 19:43 • x 1 #4


Herr Beo, Du hast da mal wieder einen sehr interessanten Gedanken formuliert.

Ich habe in den letzen Jahren gelernt, meine Angststörung als chronisch zu verstehen und zu akzeptieren. Auslöser war die ziemlich erfolglose Langzeit-PT - und die Hoffnungen, die mir die Psychohexe in den ersten Sitzungen gemacht hat. Nach zwei Jahren ( und vielen tausend Euro ) hat sie die "Behandlung" plötzlich für beendet erklärt.

Die Notwendigkeit, die Angstörung zu akzeptieren und mich mit ihr einzurichten hat mir vor zwei Jahren dann ein Psychiater vermittelt. Ja, dazu gehört auch das ach so böse Diazepam. Was ich mir von niemanden ausreden lasse.

16.02.2014 19:46 • #5


Zitat von Kater Carlo:
Herr Beo, Du hast da mal wieder einen sehr interessanten Gedanken formuliert.

Ich habe in den letzen Jahren gelernt, meine Angststörung als chronisch zu verstehen und zu akzeptieren. Auslöser war die ziemlich erfolglose Langzeit-PT - und die Hoffnungen, die mir die Psychohexe in den ersten Sitzungen gemacht hat. Nach zwei Jahren ( und vielen tausend Euro ) hat sie die "Behandlung" plötzlich für beendet erklärt.

Die Notwendigkeit, die Angstörung zu akzeptieren und mich mit ihr einzurichten hat mir vor zwei Jahren dann ein Psychiater vermittelt. Ja, dazu gehört auch das ach so böse Diazepam. Was ich mir von niemanden ausreden lasse.



@ Katerchen,
ganz ehrlich?
Ich denke ganz fest,dass ADs die Ursache einer psychischen Störung nie
und nimmer heilen können,
die verdecken das Alles nur,aber heilen werden die das nicht.
Ich lese hier sooo oft,welche Nebenwirkungen,Probleme beim Absetzen usw. da
immer wieder auftreten,da wird mir schon beim lesen Angst und Bang....
irgendwie seh ich das sogar kontraproduktiv,denn wenn man die Seele sozusagen
mit ADs <zudeckt<,wie soll man da mit sich selber wieder in Einklang kommen?

Aber wieder zum Thema zu kommen:
ich habe auch schon mal in einem Thema darüber geschrieben,wie unterschiedlich
mit körperlichen und seelischen Krankheiten umgegangen wird (gesellschaftlich,ärztlich)
denn als ich meine Krebserkrankung hatte,wurde ich mit <Verständnis< und Mitleid nur so
zugeschüttet.
Als danach meine Angsterkrankung daherkam,stösst man eigentlich nur auf Unverständnis,
Verwunderung,zeitweise auch Ablehnung.
Dabei nehmen die psychischen Erkrankungen rasend schnell zu....da frag ich mich doch:
warum?

16.02.2014 20:04 • #6


Huhu Morticia

Sicherlich ist die Psyche (noch) nicht so wissenschaftlich greifbar
wie die Physis.
Aber man weiss dennoch, dass auch die Psyche keine "überirdische"
Blackbox ist, sondern realen neuronalen Verbindungen, Funktionen
und Vorgängen unterliegt.

Und natürlich besteht ein grosser Unterschied zwischen heilbaren
und chronischen (entgültig, dauerhaft) Erkrankungen, sowie in Be-
zug auf den Körper, als auch in Bezug auf die "Seele".

Aber im körperlichen Bereich käme niemand auf die Idee, JEDEM
Rollstuhlfahrer das Laufen und JEDEM Blinden das Sehen beibrin-
gen zu wollen ...

@ Kater Carlo :

Jupp, ich sage dazu: "Wer seine Angst (o.Ä.) akzeptiert, der hat
gleich nur noch halb soviel Angst"

Oder wie es vor 12 Jahren mein Krankenhauspsychiater gesagt hat:

"Nimm DEINE Probleme (Asperger), und gehe MIT DEINEN Problemen
durch DEIN Leben ..."

Vielleicht (nur so ein dummer Gedanke) kämen manche von uns im
Forum auch konstruktiv weiter, wenn wir nicht nur unsere Gebrech-
en und Probleme beschreiben würden, und/oder die dazugehörige
Zwangshoffnung/Zwangsheilung/Zwangsveränderung verkünden wür-
den, sondern uns über lebenswerte Wege MIT unseren Problemen
austauschen könnten/würden. Natürlich konstruktiv und ohne gleich
in der schwarzen Pessimisten-Negativ-Schublade zu landen.

16.02.2014 20:18 • #7


Zitat:
Eigentlich gehört dieser Beitrag/Thread ja nicht in die Smaltalk-Ecke,
denn er ist eines Nachdenkens wert (glaubt mein Gehirn zumindest).


Warum nur hält sich die Annahme, dass Nutzer des Smalltalk-Bereichs nicht des Denkens fähig seien, so hartnäckig?


Zur eigentlichen Frage, die hier zur Diskussion gestellt wird – warum ein chronischer Zustand bei einer körperlichen Erkrankung eher akzeptiert und anerkannt wird als bei einer psychischen: Ich denke, das liegt an der weit verbreiteten Ansicht, dass psychische Erkrankungen stärker dem Willen und der inneren Einstellung des Erkrankten unterliegen als körperliche. Es herrscht die Ansicht vor, dass man die psychische Erkrankung quasi selbst herbeigeführt hat und sich, schwach, wie man ist, von ihr übermannen hat lassen. Wenn man nur wolle, dann werde man die Erkrankung schon wieder los. Traurigerweise denken auch manche Ärzte und Therapeuten so.

Was sicherlich hinzukommt, ist, dass man psychische Erkrankungen schwerer nachweisen kann als körperliche. Krebs, Multiple Sklerose, irreparable Schäden am Bewegungsapparat etc. kann ich abbilden. Depressionen hingegen hinterlassen im Gehirn keine Spuren bzw. tun dies nach Vermutung einiger Mediziner zwar, aber die bildgebenden Verfahren sind derzeit noch nicht so weit, als dass sie die Spuren abbilden können.
Ich habe das zweifelhafte Glück, dass man mir meine Depression auch ansieht. In den schweren Episoden sind z.B. meine Mimik und Gestik „eingefroren“ und der Blick ist starr und leer. Das „hilft“ mir zwar, meine Depression im Hier und Jetzt nachzuweisen. Aber die Erwartungshaltung, dass es besser werden MUSS, dass der Zustand nicht chronisch sein KANN, ist trotzdem da. Mein Psychiater ist allen Ernstes davon überzeugt, dass JEDE Depression irgendwann verschwindet – ob mit oder ohne Therapie. Es werden SICHER wieder symptomfreie Jahre in meinem Leben kommen, sagt er. Das sollte mich wohl positiv stimmen. Tut es auch, aber ich fühle mich auch irgendwie unter Druck gesetzt. „Jede Depression verschwindet irgendwann – mache ich etwas falsch, weil sie bei mir jetzt schon Jahre dauert und keine Anstalten macht, zu verschwinden?“

16.02.2014 20:55 • #8


Zitat von pumuckl:
Der einzige "Vorteil" an psychischen Erkrankungen liegt für meine Begriffe aber bei den Möglichkeiten der Rente usw. Da, so habe ich gelesen, erlangen psychisch Erkrankte eher Erfolg als körperlich Erkrankte. Weil es eben nicht so wirklich nachweisbar ist.


Ist es nicht eher umgekehrt?! Dass psychisch Kranke schwerer Reha, Rente usw. bekommen, weil psychische Erkrankungen schwerer nachweisbar sind? Also, ich habe das Gefühl, dass es so ist. Ich müsste mal recherchieren, aber ich bin ziemlich sicher, dass mehr Reha- und Rentenanträge von psychisch Kranken als von körperlich Kranken abgelehnt werden (kommt natürlich stark auf die jeweilige Art und Ausprägung der Erkrankungen an; ein direkter Vergleich ist schwierig).

16.02.2014 21:00 • #9


Huhu juwi

Ich habe das zweifelhafte Glück, dass man mir meine Depression auch ansieht.

Dieses "zweifelhafte Glück" hatte (habe?) ich nicht.
Ich sah immer jünger und gesünder aus als wie ich war
und habe (scheinbar) auch immer selbstbewusst gewirkt.
Hilfesuchen (bekommen?) war mir lange unbekannt, und
wenn doch, dann habe ich aus Angst abgewiesen zu wer-
den, so wenig "gejammert" (von mir gezeigt) wie möglich.

Ja, und so habe ich mich wohl auch langfristig selber um
eine frühzeitige Behandlung gebracht, um etwa 25 Jahre.

Zitat von juwi:
Mein Psychiater ist allen Ernstes davon überzeugt, dass JEDE Depression irgendwann verschwindet


Sarkastisch gesehen hat er damit sogar völlig recht, denn
so wie jede Erkrankung (egal ob körperlich oder seelisch,
vorübergehend oder chronisch) verschwindet auch eine
schwere Depression spätestens ab dem 150sten Lebens-
jahr ...

16.02.2014 21:48 • #10


@Herr Beo : Ein interessanter Gedanke ! Wir sollten alle mal in der Richtung nachdenken ob es möglich ist, sich mit den Ängsten einzurichten. Ich denke der krampfhafte Versuch, sie wie eine organische Krankheit heilen zu wollen, ist oft zum Scheitern verurteilt. Wenn auch für bestimmte Berufsgruppen sehr lukrativ.

16.02.2014 21:49 • #11


Da ich aufgrund meiner psychischen Erkrankungen auch schon stationär war (endogene Depression, Angststörung und schizophrener Psychose) bin ich in meinem Umfeld auf viele Vorurteile gestoßen, obwohl ich davor schon einiges an körperlichen Erkrankungen und Operationen hinter mir hatte. Es gibt aber zum Glück auch Leute, die mir gegenüber Verständnis aufbringen. Jedenfalls war das keine hilfreiche Erfahrung, einfach abgestempelt zu werden...

16.02.2014 21:50 • #12


Keine Sorge Finja, hier sind wir Irren unter uns

16.02.2014 22:01 • #13


Huhu Herr Carlotomcat

Zitat von Kater Carlo:
Wenn auch für bestimmte Berufsgruppen sehr lukrativ.


Die Gewinne von kopf- und herzlosen Therapeuten, von
Scharlatanen und falschen Propheten, von Nervenkliniken
gigantischen Ausmasses und von Pharmaproduzenten sind
mir eigentlich egal.

Ich denke aber, in manchen Fällen (hier ist aber genau zu
unterscheiden) kann falsche Hoffnung das Leiden unnötig
vergrössern und lebenslang verlängern.

Und für diese Fälle sollten (positive) Alternativen denkbar/
sprechbar werden.

16.02.2014 22:15 • #14


Ich meine, ich hätte gelesen, dass psychische Erkrankungen eher und schneller zu einer Erwerbsunfähigkeit führen als körperliche Krankheiten. Und dass es öfter zur Frühberentung kommt als bei anderen Sachen, juwi.
Mir kommt das persönlich aber auch so vor. Ich kenne einige körperlich kranke Leute, die quasi den Kopf unterm Arm haben müssen und die dennoch keine Rente durch bekommen.

16.02.2014 22:23 • #15


Also, ich verfolge das Thema sehr gespannt und muss mich jetzt nochmal zu Wort melden, da mir eine Sache nicht aus dem Kopf geht.

In vielen Beiträgen wird kritisiert, dass man einer psychischen Krankheit viel häufiger unterstellt, dass sie heilbar sein kann und viele aussenstehende meinen, man müsse sich nur richtig anstrengen.

Aber meint ihr nicht, dass die Psyche tatsächlich ein höheres Potential hat zu heilen als der Körper und es auch gut ist, zu versuchen dieses Potential zu fördern?

Ich muss euch aber auch recht geben, dass die Akzeptanz für eine chronische psychische Krankheit eigentlich nicht vorhanden ist. Und das ist wirklich traurig und macht die Situation für Betroffene unendlich viel schwerer. Auch gerade unter dem Gesichtspunkt, dass die Anzahl der psychisch Erkrankten in der Gesellschaft zunimmt, muss sich diese veraltete Einstellung ändern.

@ beobachter

Der gedanke mit dem vermitteln von falschen hoffnungen ist interessant. Die frage ist nur, ob man am anfang einer krankengeschichte absehen kann, ob diese nun positiv oder negativ verläuft. Aber es sollte sicherlich den punkt geben, wo man demjenigen das leben mit der krankheit so gut es geht ermöglicht und nicht weitere versuche unternimmt und die person mit weiteren Fehlschlägen malträtiert.

16.02.2014 22:25 • #16


Huhu Morticia

Am Anfang (oder nur nach kurzer "Behandlungszeit") sollte (darf)
man das bei psychischen Krankheiten/Problemen auf keinen Fall
tun.
Denn deren Verlauf ist natürlich weit weniger absehbar, als wie der
mögliche Verlauf einer körperlichen Erkrankung/Unfall.

Was eine Akzeptanz betrifft, und damit eine Suche nach Alterna-
tiven Lebensmodellen mit "Krankheit", so sehe ich dieses Fehlen
nicht nur aus Seiten der "Gesunden" und/oder Mediziner, sondern
auch zwischen vielen Betroffenen untereinander.

Mit diesen Worten für heute auch gute Nacht sag, Beo

16.02.2014 22:47 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

@Frau Morticia und Herr Beo,

die Psychotherapeutin ( Wunderheilerin bzw. verbale Kräuterhexe des 21. Jahrhunderts) war keineswegs herzlos, zumindest wirkte sie nicht so.

Aber sie hat falsche Hoffnungen geweckt.

Bereits in den ersten Sitzungen funktionierte die Kommunikation - aus meiner Sicht - sehr gut. Sie hat mich dann gefragt, was ich von der PT erwarte, und ich habe ihr meinen Wunschzettel genannt. Zwei Jahre später stellte ich fest, dass praktisch keines der Ziele erreicht ist.

Sie hat dann - ohne mit den Grund zu erklären - nach zwei Jahren die PT für beendet erklärt, allerdings wurde ich nicht "als geheilt entlassen". Vielmehr stand ich kaum anders da als zwei Jahre zuvor.

Ich hatte mir viel von der PT versprochen und bin immer gerne hingegangen. Im Anschluss an jede Sitzung habe ich mir kurze Notizen über den Inhalt der Gespräche gemacht. Gestern alles mal in Ruhe durchgelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass es sich zu 90 % um banales Geschwätz gehandelt hat. Datei gelöscht, Ende.

Immer wieder der Satz " Sie müssen wieder Vertrauen zum Leben finden ". Klar, aber wie ich da hinkomme hat sie mir nicht gesagt.

Der Psychiater hat Recht, ich muss mich mit den Ängsten einrichten. Und mit dem richtigen Medikament kann ich die durch die Ängste verminderte Lebensqualität wieder etwas erhöhen, solange ich nicht leichtsinnig damit umgehe.

Damit guten Morgen sag.

17.02.2014 08:28 • #18


Zitat von Kater Carlo:
Keine Sorge Finja, hier sind wir Irren unter uns


17.02.2014 08:33 • #19


Auch von mir

@ Kater Carlo,

es gibt sicherlich genau wie bei den Ärzten auch unter den Psychologen viele, viele Nieten, die nichts von ihrem Beruf verstehen. Ich war mittlerweile bei einer Psychiaterin (ABSOLUTE KATASTROPHE - Bis auf Medikamente verschreiben, konnte die nichts!) und zwei Psychologinnen (Jeweils mittelmäßiger Erfolg). Das hat sicherlich viel mit der zwischenmenschlichen Ebene und der grundsätzlichen Art zu denken zu tun. Wenn das nichts passt, kann man auch nicht viel für sich persönlich mitnehmen.

Das ist mir sehr stark bei der letzten Psychologin aufgefallen, bei der ich war. Das war ein absolut einfühlsamer und verständnisvoller Mensch, aber sie war ganz anders gestrickt als ich und wir haben oft aneinander vorbei geredet bzw. konnte ich ihre Ratschläge nicht wirklich verinnerlichen. Problematisch sehe ich auch, dass man in der Regel von "gesunden" Therapeuten therapiert wird, die noch keine Angstzustände erlebt haben. Wie soll mir jemand Rat geben, der das Problem nur aus Beschreibungen kennt?

Trotz allem denke ich aber, dass der Kontakt und die Auseinandersetzung zu einer beratenden Person wichtig sind. Nur so kann ich Einblick in neue Sichtweisen erlangen und an mir persönlich arbeiten. Ich würde auch von keinem Psychologen erwarten, dass ER mich heilt. Sondern ICH muss mich selbst auf den richtigen Weg bringen. Es ist nunmal nicht so, wie bei körperlichen Verletzungen, mit denen man zum Arzt geht und für die es DIE optimale Behandlung gibt. Ich muss an mir selbst arbeiten. Und dafür kämpfe ich noch immer. Ich will einfach (noch) nciht akzeptieren, dass mein Leben zu einem großen Teil durch (irrationale) Ängste bestimmt wird.

Bis zu einem gewissen Punkt kann ich deinen Standpunt aber durchaus auch nachvollziehen. Ich weiß ja nicht, wie lange du schon damit lebst. Bei mir sind es gerade mal vier Jahre. Wenn es erstmal 10, 15 sind, weiß ich auch nicht, ob ich das dann immer noch so sehe. Hoffe ja nicht, dass es soweit kommt....

Ich wünsche euch einen guten Start in den Tag.

17.02.2014 09:32 • #20



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