Zitat von Gauloise:Nochmal zum Ausschleichen:
ich dachte, das geht NUR ganz, ganz langsam - wahrscheinlich auch unterschiedlich, je nach Halbwertzeit des Medikamentes.
Ich wusste nicht, dass es auch einenn stationären ruck-zuck-Entzug gibt? Wie verläuft denn sowas?
Der stationäre Entzug ist sogar eher die Regel. Dabei wird man meist von dem Benzo, das man nimmt, auf Diazepam umgestellt (dafür gibt es eine Umrechnungstabelle). Diazepam hat eine sehr lange Halbwertzeit, so dass der Gesamtspiegel langsamer sinkt. Außerdem ist es in flüssiger Form verfügbar, so dass man feiner dosieren und ggf. einen sog. verdeckten Entzug machen kann. Dieser Teil des Entzugs wäre ambulant aber auch so zu empfehlen, nur dann eben viel langsamer als stationär. Wie lange es stationär dauert, hängt natürlich von der Dosis ab. Du dürftest Dich im therapeutischen Niedrigdosisbereich bewegen, deshalb würde es wohl recht schnell gehen - u.U. zwei, drei Wochen. Grundsätzlich kann man den Entzug offen oder verdeckt machen. Offen bedeutet, dass Du weißt, wann das Benzo um wieviel reduziert wird und wann Du gar nichts mehr bekommst. Das hat den Nachteil, dass man mitunter auf Entzugserscheinungen wartet oder sie sich einredet. Beim verdeckten Entzug kommt das Diazepam in einen Fruchtsaft, den man bei der Medikamentenausgabe dann trinkt. In vielen Kliniken finden Alk. und Benzoentgiftungen auf einer Station statt, oft mit besonderen Ausgangs- und Kontaktregeln zumindest am Anfang. Und der Sinn eines stationären Entzugs liegt ganz einfach darin, dass bei schneller Dosisreduktion oder gar völligem Absetzen sowohl bei Alk. als auch bei Benzos Krampfanfälle auftreten können, und die müssen nicht ganz ungefährlich bleiben. Da werden stationär die körperlichen Entzugserscheinungen doch besser registriert, um ggf. frühzeitig gegensteuern zu können bzw. im Ernstfall sofort helfen zu können. Der Riesennachteil eines stationären Entzugs ist, dass Dein Problem, das überhaupt erst zur Abhängigkeit geführt hat, damit ja noch nicht gelöst ist, ja nicht einmal berührt wird in der kurzen Zeit. Du verlässt die Klinik mit einer Krücke weniger, ohne Alternativen dafür zu haben. Selbst wenn Du unmittelbar eine ambulante Therapie anschließen kannst, könnte das sehr schwierig werden. M.E. ist eine stationäre Entgiftung dann sinnvoll, wenn es sofort danach z.B. in eine psychosomatische Klinik gehen soll - zumal dort meist akut Abhängige gar nicht aufgenommen werden.
Zitat von Gauloise:Was halt blöd' ist: wenn ich bis jetzt weniger Benzos genommen habe, dann kriege ich Autoaggressionen und Suizidgedanken. Vernunftmässig mache ich das nicht, aber es ist sehr schwer, diesen Zustand auszuhalten. Wenn ich die Benzos absetzen will, dann brauche ich VORHER entweder eine Psychotherapie oder - wie ich es mir ausgesucht habe - eine Hypnotherapie.
Vielleicht weniger vorher, begleitend aber auf alle Fälle. Die Autoaggressionen und Suizidgedanken können außerdem direkt mit der Reduktion der Benzos zusammenhängen und nicht unbedingt mit Deiner grundsätzlichen psychischen Verfassung. Daher muss es nicht so sein, dass Du durch Psychotherapie vorher irgendetwas an Entzugssymptomen vermeiden könntest. Aber es ist einfach wichtig, dass Du in der Zeit eine kompetente Begleitung hast, um mit diesen Zuständen dann umzugehen und um den möglichen Suchtdruck auszuhalten. Schrecklich, klingt nach Junkie... Trotzdem musst Du damit rechnen, nicht nur Deine Benzos zu brauchen, sondern auch ein gewisses Verlangen nach Alk. als Ersatz zu entwickeln. Übrigens mitunter auch noch lange nach dem rein körperlichen Entzug.
Zitat von Gauloise:Wie kommt Ihr anderen von den Benzos los? Seid Ihr in Psychotherapie?
Heute kann ich sagen, dass ich eine bessere Ärztin habe, die mir Benzos nie und nimmer über einen längeren Zeitraum verschreiben würde. Vor 18 Jahren wurden sie mir von einer anderen Ärztin mal mit der Versicherung verschrieben, dass es moderne Anxiolytika seien, die überhaupt nicht abhängig machen... Was mich damals vor einer Abhängigkeit bewahrt hat, war das Lesen des BPZ und meine Angst. Da stand nämlich ausdrücklich etwas von "primärem Abhängigkeitspotential", deshalb habe ich sie nur sehr kurzfristig genommen. Und ja, damals habe ich sofort eine Psychotherapie begonnen.
Liebe Grüße
Christina