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Hallo, Ihr Lieben,

da ich nun endlich die Möglichkeit einer Psychotherapie in Deutschland habe, würde ich gerne einen Entzug von den Benzodiazepinen machen, die ich seit 14 Jahren gegen die Panikattacken, Phobien und div. Ängsten einnehme.
Ich nehme auch noch Antidepressiva, aber die will ich vorerst beibehalten.

Nun suche ich Erfahrungswerte.
Wer hat schon 'mal einen Entzug gemacht?
In welcher Klinik habt Ihr gute, bzw. schlechte Erfahrungen gemacht?

Vom Ort her:
eiiiigentlich egal, aber vorzugsweise max. ca. 200km von Karlsruhe entfernt.
Könnt Ihr mir einen Tipp geben?

Viele liebe Grüsse

18.09.2018 10:13 • 06.11.2019 #1


64 Antworten ↓


petrus57
Du könntest den Entzug auch gut selbst machen.

Hier mal ein Link dazu:

http://my-free-mind.at/ashton-manual-deutsch/

18.09.2018 10:32 • x 4 #2


Hallo Petrus,

mir wurde von ärztlicher und psychotherapeutischer Seite und von der Dro.
dringend ans Herz gelegt, den Entzug in einer Klinik zu machen.
Ich nehme seit 14 JAHREN Benzos - und da rät Dir jeder Arzt von einem Entzug in Eigenregie ab.

Das zu empfehlen ist sicherlich gut gemeint, aber gefährlich!
Und es steht auf der Seite, die Du verlinkt hast, nicht umsonst:

"In diesem Handbuch finden sich allgemeine Informationen, eine Anleitung (für Ärzte) zum risikoarmen und schrittweisen Reduzieren bzw. Ausschleichen der Medikamente sowie Details über die gravierende Problematik eines Absetzsyndroms, welches nach dem dauerhaften Konsum von Benzodiazepinen auftreten kann und es allen Betroffenen schwer macht, den Weg in ein medikamentenfreies Leben einzuschlagen."

Viele liebe Grüsse

18.09.2018 11:05 • x 2 #3


petrus57
Das Problem dabei ist, dass in Kliniken fast nur ein schneller Entzug gemacht wird. Von Ashton haben die meisten Ärzte noch nichts gehört.

Ich hoffe du findest eine Klinik, die den Entzug sehr langsam macht. Was nimmst du denn im Moment an Benzos?

Petrus

18.09.2018 12:07 • x 3 #4


ichliebekuchen
Hey Gauloise,

In deiner Ecke kenne ich mich nicht aus aber in NRW gibt's eine Entzugsklinik, die wohl ganz gut ist. Langenberg. Da hat eine Freundin von mir ihre Benzos abgesetzt.
War natürlich nicht schön, aber sie hat es geschafft.

Alles gute für dich!

18.09.2018 12:34 • #5


Schlaflose
Zitat von ichliebekuchen:
in NRW gibt's eine Entzugsklinik, die wohl ganz gut ist. Langenberg.


Heißt das nicht Langenfeld? Da war meine Mutter vor in den 70-er Jahren für 6 Wochen.

18.09.2018 12:39 • x 1 #6


ichliebekuchen
Sorry, klar, Langenfeld

18.09.2018 13:40 • #7


Hallo Schlaflose,
NRW ist zu weit weg- ausser, die Klinik ist wirklich aussergewöhnlich gut.
Ich schau' mir die Seite 'mal an.
Was meinst Du mit "in den 70-er Jahren"? Das Alter Deiner Mutter oder zeitlich gesehen in den 1970-er Jahren
Danke für den Tipp.

Hallo Petrus,
momentan nehme ich zu den Antidepressiva 1.5-2mg Alprazolam, was ja dann doch nicht sooo viel ist.
Komischerweise nehme ich die tatsächlich schon seit 14 Jahren ohne Dosissteigerung ein. Wenn's 'mal nicht ging, dann wurde eher das Antidepressiva gewechselt. Versuche, auf ein anderes Benzo umzusteigen halfen immer nur kurzfristig, deshlab sind wir nun beim Alprazolam geblieben.
Ich müsste laut Ashton also erst auf Diazepam umsteigen.
Mal sehen, ob ich vielleicht doch eine Klinik finde, die mit dieser Methode arbeitet.

Oder mein Arzt ist bereit, sich auf diese Methode einzulassen. Aber dagegen spricht, dass ich dann nicht aus dem gewohnten Umfeld 'rauskomme und damit den gleichen Stressfaktoren ausgeliefert bin....
Das ist auch einer der Gründe, weshalb mir von allen Seiten ein Entzug in einer Klinik dringend angeraten wird.

Danke Dir!

Viele liebe Grüsse

18.09.2018 13:48 • x 1 #8


Schlaflose
Zitat von Gauloise:
Was meinst Du mit "in den 70-er Jahren"? Das Alter Deiner Mutter oder zeitlich gesehen in den 1970-er Jahren


Es war ungefähr 1977/78. Sie war damals Anfang 40 und richtig schwer süchtig. Sie nahm tagsüber oft so viele Schlaf- und Beruhigungsmittel zu sich, dass sie immer immer wie total besoffen war. Manchmal fanden wir sie auf dem Boden liegend vor. Leider hat sie kurz nach dem Klinikaufenthalt einen Rückfall erlitten und es dauert noch mehrere Jahre, bis sie davon loskam.

18.09.2018 14:02 • x 1 #9


Liebe Schlaflose,

Danke für Deinen sehr persönlichen Beitrag.
Das war sicherlich eine prägende Zeit für Dich.

Ich wünsche Dir alles Liebe

18.09.2018 21:04 • x 1 #10


Halloooohooo,

kennt jemand die Suchtabteilung bei Medikamentenabhängigkeit im Pfalzklinikum in Klingenmünster?

Es ist zum Verzweifeln:
Frag' 5 Leute und Du kriegst 5 Meinungen....

Für den psychischen Entzug, also die Anschlussbehandlung nach dem körperlichen Entzug, habe ich mir 'mal die Klinik Eußerthal angeschaut.
Der Träger ist die Deutsche Rentenversicherung und vorallem hat man dort Einzelzimmer, was ich bisher sonst noch in keiner Klinik gefunden habe.
Mir ist es sehr wichtig, mich zurückziehen zu können....

Kennt jemand die Kliniken in Klingenmünster und in Eußerthal?
Oder weiss jemand eine Klinik, die nach Ashton vorgeht? (Klingt ja doch sehr gut, aber ich würde auch diese Methode gerne in einer Klink machen).

Viele liebe Grüsse

22.11.2018 10:44 • #11


Hallo,

ein Entzug auf eigene Faust würde - auf die schonende Weise gemacht - sehr, sehr lange dauern. Ein Ausschleichen sollte nach so langer Einnahmezeit mindestens 2 Jahre (!) dauern, um Absetzbeschwerden zu vermeiden.

Auch bei einer geringen Menge des Benzos ist durch die Dauer und Regelmäßigkeit eine körperliche Abhängigkeit, wie Du es richtig siehst, eingetreten. Wie weit Du auch psychisch abhängig bist, ist so nicht zu sagen; bei mir war die Benzo-Abhängkeit pyschisch stärker ausgeprägt als die physische. Ich habe es über Monate ausgeschlichen.

In einer Klinik wird vergleichsweise sehr schnell entzogen, und der Entzug wird meist mit anderen Mitteln abgefangen bzw. "gedeckelt". Damit kann man leider in eine andere Medikamentenabhängigkeit rutschen. Manchmal ist ein Klinikentzug aber tatsächlich leichter durchführbar, weil man sich unter anderen Menschen, und vor allem medizinisch versorgt, besser fühlt.

Du musst also wissen, was Du selbst vorziehst. Beides hat Vor- und Nachteile.

22.11.2018 11:32 • x 1 #12


Hallo, lieber Chillangel,

Danke für die Antwort.
Ich könnte mir vorstellen, dass bei mir ebenfalls die psychische Abhängigkeit stärker ist. Aber das wird man dann sehen.
Aber als Angsthase würde ich dann sowieso lieber den stationären Aufenthalt bevorzugen, eben weil man da notfalls andere Mittel bekommt....

Viele liebe GRüsse

22.11.2018 14:56 • #13


Safira
Würde auch einen Stationären Entzug machen. Der ist aber auch heftig und zeitlich begrenzt. Am besten ist Du rufst alle möglichen Kliniken mal an und erkundigst Dich nach den prozedere.
Bewertungen im Netzt nicht anschauen, denn da sind meist solche die grundsätzlich Patjent vs.Pflegepersonal/Arzt

Bist Du Dir sicher das Du nach 14 Jahren entziehen willst? Hast Du Dir das gut überlegt? Was versprichst Du Dir davon?

22.11.2018 15:09 • x 1 #14


Plopp
Zitat von Gauloise:
1.5-2mg Alprazolam, was ja dann doch nicht sooo viel ist.


Hallo Leidensgenosse /in
War auch 12 Jahren Alprazolam abhängig erst lowdose 0,5- 1,0 mg die letzten Monate dann bis 4,0 mg Alprazolam.
Ich habe den Entzug tatsächlich zu Hause geschafft hat 3 Monate lang gedauert, war aber erfolgreich ( zumindest für 1,5 Jahre, seit 3 Monaten wieder in der Sucht)
Abgesetzt erst 0,5 mg dann pro Woche um 0,25 mg runtergegangen, zuletzt 0,125mg dann weg ...und gleich darauf in die Tagesklinik. Das war ein sanfter weg und trotzdem hart...
So war's bei mir...
Wie du dich auch entscheidest, es ist möglich... und ich wünsche dir viel Kraft und Erfolg dabei.

Liebe Grüße

22.11.2018 15:25 • x 1 #15


Hallo, liebe Safira,

ich habe mit den Benzos wegen Panikattacken, sozialer Phobie, Hundephobie, Depressionen, etc. angefangen.
Zu den Benzos bekam ich noch ein Antidepressivum, weil das wohl angstlösend ist.
Ich lebe in Frankreich und da werden solche Krankheiten leider nur psychiatrisch, also medikamentös, behandelt. Psychotherapeuten gibt es zwar auch, aber das wird von der Krankenkasse (noch) nicht bezahlt.

Nun bin ich durch Umzug in Grenznähe zu Deutschland gezogen und kann nun eine Psychotherapie machen.
Und dieser Psychotherapeut rät mir dringend dazu, den Entzug zu machen, u.a. wegen den Folgeschäden.
Zudem kommt, dass ich meine Medikamente gerne mit Alk. einnehme, was meine Leber auf Dauer auch nicht so ohne Weiteres mitmacht. Ausserdem ist die Häufigkeit, an Alzheimer zu erkranken, 50% höher als bei Nicht-Abhängigen.
Und ich habe es auch satt, ständig müde zu sein, nur halbtags arbeiten zu können, die Konzentration und die Merkfähigkeit hat deutlich nachgelassen, etc.
Den einzigen Ausweg sehe ich darin, die Benzos loszuwerden.

Was spricht denn FÜR die weitere Einnahme von Benzos? Bzw. was spricht GEGEN den Entzug? Weil es so schwer ist?
Klar, der Entzug wird hart werden, das habe ich begriffen. Aber so oft "neben der Spur" zu sein ist auch nicht schön.
Ausserdem hoffe ich, dass ich dann endlich 'mal wieder abnehme.
DANKE für den Hinweis mit dem Lesen der Bewertungen im Internet....das verwirrt nur!

Hallo PLopp,
Danke für die ermutigenden Worte. Mich wundert es, wie man von 4mg auf 0 kommen kann - ZUHAUSE!
Hut ab! Willst Du es nicht nochmal machen?
Ich bevorzuge u.a. auch eine Klinik, weil man dort in einem geschützten Rahmen ist und den Alltagsstress nicht hat..

Viele liebe Grüsse

22.11.2018 17:01 • #16


Kann dir Sagen das der Klinikalltag auch Stress machen kann, das ist dort gerade im Entzug kein Ponyhof. 2-4 Bett Zimmer sind die Regel, es ist tagsüber laut, ständig Zimmertür auf und zu(Mitpatienten, Schwestern, Reinigungsdienste, Besucher etc.).Dann die Therapien, die zum Teil nicht jedem was nützen aber mit gemacht werden müssen. Kaum Rückzugsmöglichkeiten, im Winter wird man sich nicht allzu oft ins Gelände zurückziehen wollen. Wenn du einmal entzogen hast und du wirst rückfällig weil der Entzug zu beispielsweise zu schnell ablief, kann es wg. Suchtanamnese schwer werden einen Arzt zu finden der dir weiter Benzos verschreibt.

22.11.2018 19:19 • x 1 #17


Liebe Gauloise,

hier kann ich Dich, glaube ich, beruhigen:
Zitat:
Ausserdem ist die Häufigkeit, an Alzheimer zu erkranken, 50% höher als bei Nicht-Abhängigen.
Lange wurde das so gesehen, weil angeblich durch Studien bewiesen. Das hat sich inzwischen als Irrtum herausgestellt: die Studien waren nicht objektiv durchgeführt worden, und es gibt neuere, die das Gegenteil aussagen: Nicht nur KEIN erhöhtes Risiko durch Benzos, die Alzheimer-Krankheit zu bekommen, sondern teilweise sogar WENIGER Risiko, und das ausgerechnet bei Hochdosis! Leider habe ich die Quelle nicht mehr parat, ich müsste danach suchen. Ich glaube, hier kann die Angst davor mehr Unheil anrichten als das Medikament selbst.

Wirkt sich Dein Benzo tatsächlich auf das Gewicht aus? Bei mir war das nicht so; ich hatte zuletzt über 2 Jahre Bromazepam (habs früher schon mal geschafft, es loszuwerden und bin nach 20 Jahren (!) wieder abhängig geworden).

Auszuschleichen bzw. abzusetzen hat natürlich viele Vorteile, wenn man es schafft. Warum solltest Du es nicht riskieren? Für so manchen dürfte das Loswerden alle Mühe wert sein.

Liebe Grüße,
der Chillangel

23.11.2018 11:54 • x 2 #18


Hi Chillangel,

Danke für Deine aufschlussreiche Antwort! Dann kann ich bezüglich Alzheimergefahr ja schon 'mal beruhigt sein.
(Meine Tochter sagt schon seit 2 Jahren, dass ich mich 'mal auf Alzheimer untersuchen lassen soll, weil ich so vergesslich bin ..)

Ich weiss nicht, ob meine Gewichtszunahme vom Alprazolam kommt, da ich auch Hashimoto habe.
Jedenfalls habe ich seit den Panikattacken/Hashimoto 30 kg zugenommen und krieg's ums Verrecken nicht mehr 'runter
Im Internet habe ich aber folgenden Beitrag gelesen:
https://psylex.de/psychopharmaka/psycho ... nwirkungen
GANZ sicher bin ich lediglich, dass Mirtazepin Gewichtszunahme verursacht - und das nicht zu knapp. Da kann man förmich sehen, wie die Fettpolster kommen.

Wie kommt es, dass Du nach 20 Jahren wieder rückfällig wurdest? Das tut mir echt leid
Konntest Du nicht auf andere Medis zurückgreifen? SSRI oder sowas?

Und da bin ich jetzt bei Acunthurus:
wenn Du nach einem Entzug keine Benzos mehr bekommst: ist das nicht auch sinnvoll?
Wird es nicht bei jedem Rückfall schwieriger, sich wieder auf einen Entzug einzulassen?

Eine Bekannte bekam nach einem traumatischen Erlebnis nur kurzfristig Benzos, danach hat der Arzt Canna. verschrieben (ohne Rauschmittel), da das nicht süchtig macht und genauso gut wirkt. Wäre doch eventuell eine Alternative?

Viele liebe Grüsse Euch allen

23.11.2018 14:17 • #19


Jain, bei schnellem Entzug ist die Rückfallquote besonders hoch, dein Körper und auf jeden Fall aber die Psyche ist oft noch nicht so weit mit Null klar zu kommen. Außerdem sind deine Ängste ja nicht sofort weg sondern können sich sogar erst mal wieder verschlimmern. Was dann?

Bringen dir andere Medikamente etwas? Anscheinend nicht, sonst müsstest du kein Benzodiazepin nehmen. Das steht dir schlimmstenfalls aber nach dem Entzug nicht so ohne weiteres zur Verfügung. Dir bleiben dann nur Alternativen die erst mal nicht an die Wirkung heranreichen.

In den allermeisten Fällen bekommt man im Entzug andere Medikamente, wie sedierende Neurolpetika oder Antidepressiva aufgedrängt die den Entzug zusätzlich abfedern sollen. Das funktioniert in der Praxis selten gut und man hat dann wenn man Pech hat 1-2 zusätzliche Medikamente am Hals die man dann ggf. mühevoll wieder ausschleichen darf.

Ein Entzug ambulant oder stationär kann gelingen aber nicht im Schnellverfahren. Daher würde ich nur eine Klinik aufsuchen die keinen Zeitdruck hat dich schnell auf Null zu bringen.

23.11.2018 15:16 • x 3 #20




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Dr. med. Andreas Schöpf