Zitat von Herr Sonnenblume:Natürlich macht es keinen Sinn bestimmte Dinge zu machen, wenn Du das nicht wirklich willst. Aber vielleicht solltest Du einfach ganz offen an alle Möglichkeiten herangehen, ohne Dir durch eine Contra-Haltung von vornherein die Möglichkeit einer guten Erfahrung zu verbauen. Was schadest es denn, alles mal auszuprobieren. Mach doch mal was völlig neues, das Du noch nie gemacht hast.
Ja, das hab ich schon oft gehört. Meist von Leuten (oder nur), die mal in Therapie waren oder es noch sind. Also ich hab, um es vorab zu sagen, in meinem Leben schon genug probiert. Gelernter Schlosser, aber dann noch mal völlig umgeschwenkt zur Lehrkraft einige Jahre, dann über Umwege in die Bank, natürlich immer dementsprechend qualifiziert. Dann wieder andere Bereiche, von der Tankstelle (Kasse), bis zur Bar, Rotlichszene. Ehe, Beziehungen mit beiden Geschlechtern, Mehrere WG's, alles. Haus, dann wieder Wohnung. Motorradschein, PKW, Bootsschein. Oben, unten, nah, fern.
Ok, Du kannst das nicht wissen, aber wüsste nicht, was ich noch probieren soll. Ich bin zwar erst 40, aber andere brauchen dazu vielleicht 2 Leben.
Viel kann mich nicht mehr hinterm Ofen vor locken.
Bei mir gab es früher nur Action, häufig wurde ich auch mitgezogen. Im Kern wollte ich vielleicht nicht alles und brauchte immer schon meinen Freiraum. Wenn es mir zu viel wird, dann ziehe ich mich auch irgendwann zurück und das stieß nicht immer auf Verständnis.
Ähnlich war es letztes Jahr auch mit den Leuten aus der Tagesklinik, wo sich auch privat eine Gruppe bildete. Da war dann von 8-16 Uhr Klinik, nach Hause und vielleicht so um 19 Uhr klingelte das Telefon und dann wurde nicht selten bis 21 oder sogar 23 Uhr gequatscht. Am Wochenende Unternehmungen, Grillen, Kino, Freizeitpark oder Treffen bei jemandem in der Wohnung. Immer Programm.
Dann war ich raus aus der Klinik, hatte aber noch Kontakt, mit einer Frau noch 8 Monate. 1 oder 2 mal die Woche Restaurant, 1 mal die Woche Kino, einfach irgendwo hingefahren etc.
Also ich hab gerade letztes Jahr sehr viel gemacht. Natürlich auch in der Hoffnung, es hilft meinen Beschwerden. Aber das Gegenteil war der Fall. Mir wurde alles zu viel. Die Aktivitäten, die Häufigkeit, die Leute, die Themen etc.
Das fiel natürlich auf und letztlich hieß es "ja, na wenn Du nichts machst, muss es Dir ja auch schlecht gehen". Ich sehe es auch heute noch anders. Der Trubel hat mir nicht gut getan.
Vielleicht passte es auch einfach nur nicht.
Nicht alles was vielen gut tut, tut allen gut. Das wird aber immer vergessen, auch von Therapeuten.
Meine Therapeutin meint ja auch, vielleicht ist es in meinem Leben auch nur zu ruhig. Nur wie gesagt, ich empfinde es nicht so.
Und man muss es auch mal ganz sachlich betrachten. Hab ja bis vor gut 1 Jahr gearbeitet. Da fahre ich 1 Stunde hin auf Arbeit, bin dann da ca. 9 Stunden und dann fahre ich 1 Stunde zurück. Dann wartet mein Hund und fertig bin ich eigentlich auch. Viele Möglichkeiten bleiben mir unter der Woche nicht, hatte da dann auch wenig Lust auf irgendwas. Das Wochenende brauche ich auch etwas für mich und mein Hund hat ja unter der Woche auch kaum was von mir.
Sicher bleibt da noch Zeit für irgendwas, aber der Knüller ist es auch nicht. Dann kein Auto mehr und er Verdienst war auch minimal über Hartz 4 Niveau. Viel unternehmen kostet auch Geld.
Die Kollegen sind ok, aber für gute Kontakte reichte es auch kaum.
Nur mit Hartz 4 geht aber auch nichts, noch weniger.
Es sagt sich immer so leicht, aber der Knüller ist alles nicht. Ich gestalte mir irgendwie meinen Tag, laufe viel mit dem Hund, treffe mich mit Hundehaltern, koche, backe, sehe fern, sitze mal am Rechner, gehe einkaufen, telefoniere und irgendwie vergeht der Tag. Eigentlich stört mich daran nichts.
Ich sitze nun mal irgendwie in meiner eigenen Situation, letztlich ausschließlich für Männer entschieden, Familie in dem Sinne werde ich nie haben. Wenn man in der Situation nicht ständig in die Szene rennt, wird man ab 40 eh einsam.
Dann mit meiner Privatinsolvenz, die ich natürlich allein zu verantworten hab. Aber egal was ich verdienen würde, es bleibt eh nur ein Minimum.
Trotzdem bin ich nicht pessimistisch, aber gut gemeinte Ratschläge von Außenstehenden, die aber eventuell in völlig anderen Positionen sind, helfen mir nicht weiter.