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Hallo,
ich mache jetzt ca. ein Jahr lang eine Therapie.
Als ich meinen Therapeuten das erste Mal sah, war er mir sofort sehr sympathisch.
Er hat etwa mein Alter, ist sehr nett, sehr einfühlsam und sehr , wirklich sehr geduldig.
Ich denke mal, dass er auch ein sehr guter Therapeut ist. Erfahrungen mit anderen habe ich aber nicht. Ist meine erste Therapie.
Er hat von Anfang an auf mich eine Anziehung ausgeübt. Dieses Gefühl habe ich bewusst zugelassen. Nur wegen ihm bin ich immer wieder in meine Angstsituationen eingestiegen. Wer weiss, ob ich sonst den Mut aufgebracht hätte.
Einmal habe ich in einer Therapiestunde angedeutet , dass er mir zu nahe wäre. Er hat mir zugeredet, dass ich es zulassen soll. Ihn gedanklich ruhig zur Hilfe nehmen darf.

Ich merke aber, dass ich viel zu viel an ihn denke. Ich will das gar nicht.
Im Internet lese ich viel über Übertragungsliebe. Bestimmt falle ich auch in diese Kathegorie. Weiss aber gar nicht was ich übertrage?
In einigen Beiträgen wird dazu geraten es dem Therapeuten unbedingt zu sagen. In anderen wird davon abgeraten.
Den Mut dazu hab ich eh nicht!
Wann geht dieses Gefühl endlich wieder weg? Wie kann man es beenden?

Kennt sich jemand damit aus?

12.09.2013 22:11 • 07.03.2019 #1


53 Antworten ↓


kalina
Es passiert sehr häufig, dass man sich in den Therapeuten/Therapeutin verliebt.

Ist mir auch schon mal passiert. Gibt sich wieder; bestes Gegenmittel: sich in einen realen Partner verlieben.

Denn Dein Therapeut ist nicht wirklich als Mensch und Mann so, wie er als Therapeut ist. Er übt seinen Beruf aus und muss achtsam,

geduldig, verständnisvoll, auf Dich konzentriert sein. Ist sein Job!

Glaub mir, er wäre als Partner völlig anders.

Du musst Dir bewusst machen, dass Deine Gefühle nur Teil der Therapie sind.

12.09.2013 22:20 • x 2 #2



In Therapeuten verliebt?

x 3


An deiner Stelle würde ich es ihm nicht jetzt schon sagen.
Du hast erkannt dass es eine postive Übertragung auf den Therapeuten ist. Woher diese Übertragung kommt hat die liebe kalina schon sehr schön beschrieben.

Als Partner ist der Therapeut sicherlich anders als in seinem Beruf.
Sind bei mir auch Welten dazwischen
Meine Patienten sehen mich auch als vollkommen andere Person als ich bin in dieser Hinsicht.
Aber wie gesagt, es ist eben der Job.

Sehr positiv finde ich, dass du die Situation so nüchtern und realistisch, ohne rosa Brille, bewerten kannst!
Das freut mich sehr für dich

13.09.2013 10:05 • x 1 #3


Danke für die Hilfe kalina und malory.

Bist du eine Therapeutin malory? Wenn ja, wie kommt man auf der "anderen Seite" damit klar, dass die Leute jeden Tag ihre Seelenqualen bei dir dalassen? Ich könnte das im Leben nicht.

Nächsten Dienstag habe ich wieder eine Stunde. Ich sehn mich einerseits nach den Stunden und dann wieder will ich gar nicht hin. Ist jedesmal danach wieder schlimmer und flaut dann nach einiger Zeit wieder ab. Ich mein dieses Sehnen und Tagträumen nach meinem Therapeuten.
Ich will! mich auf meine Angststörung konzentrieren. Die will ich weghaben und kein neues Problem dazu!
Also realistisch sein. Er ist als Mann ganz anders!

Wie war das:
Wohlan denn,
Herz
Nimm Abschied.... und gesunde

13.09.2013 17:57 • x 1 #4


Ja ich bin Therapeutin
das ist komisch damit klar zu kommen....
vor allem dass die Patienten denken man bekommt alles auf die Reihe, dabei ist es gar nicht so.
Mein Fachgebiet ist die Psychiatrie und dadurch dass ich eben auch die andere Seite kenne kann ich mich sehr gut in meine Patienten einfühlen....Wie es ihnen geht und wie sie die Welt sehen.
Aber es ist schon komisch, gerade wenn man eine Gruppentherapie hält und alle denken man ist der Guru, und in Wirklichkeit geht es einem selbst nicht anders als den Patienten.
Dann kommen immer die Kommentare "Frau K. ich fühle mich von ihnen so verstanden" ja kein Wunder, ich kenne mich in den Abgründen der Seele selbst aus.
Wenn ich nur anwenden könnte was ich anderen Menschen rate wäre ich gesund.
Es ist aber auch schön zu sehen dass meine Patienten durch mich Hoffnung schöpfen und Trost erfahren...Sowie Linderung.
Mittlerweile weiß ich dass das meine Lebensaufgabe auf dieser Welt ist
Darum bin ich so gemacht worden wie ich bin, damit ich anderen helfen kann. Mir selbsts zu helfen ist da weit schwieriger.

Dieses Phänomen kenne ich auch von vielen befreundeten Therapeuten, die haben selbst ein großes Päckchen mit sich zu tragen.
Darum hat Forrest Gump so schön gesagt "das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man kriegt"
Heute weiß ich das stimmt. Viele Patienten denken dass ich den ultimativen Durchblick habe und es mir gut geht.
Die Wahrheit sieht leider anders aus.
Ich weiß selbst nicht wohin mit mir, auch wenn ich anderen Leuten helfen kann. Mir kann ich es oft nicht


Mich hat das Zitat von Hermann Hesse sehr berührt.
Denn so ist es, das Herz muss Abschied nehmen, so kann es gesunden. Das habe ich mittlerweile gelernt.
Keiner ist gut oder böse, falsch oder ehrlich....Wir sind alle eins. Und jeder ist Teil des Ganzen.

Das Zitat kommt am Ende vom Lied "Auf das Leben" von Jupiter Jones, hab es neulich gehört als ich ernüchtert und traurig, sogar verzweifelt an einem schönen, warmen Tag mit dem Hund allein und einsam am Fluss spazieren geganen bin. Ich hab mich dann auf eine Bank gesetzt und geweint.....Am Ende kam dieser Satz und ich musste noch mehr weinen....Weil es wahr ist.

Der Abschied des Herzens ist der Weg zur Genesung.

13.09.2013 21:05 • #5


kalina
Warum ist der Abschied des Herzens der Weg zur Genesung?


Das verstehe ich nicht.

13.09.2013 21:43 • #6


Das ist echt heftig malory.
Ja man vergisst leicht, dass Therapeuten genauso Sorgen und Probleme haben wie der Rest der Menschen. Muss ich gleich bisschen trösten
Gehst du dann eigentlich selber auch zu einem Therapeuten/in um dir helfen zu lassen?
Darf ich fragen , was du für Probleme hast?

Ich hab ja auch einen Hund mit dem ich sehr viel spazieren gehe, aber geweint habe ich mit dem noch nicht. Also muss der Kummer schon groß sein.

14.09.2013 18:10 • #7


@Kalina:
wenn das Herz Abschied nimmt von Dingen die belasten und nicht gut tun kann das Herz gesund werden, daran glaube ich.
Ich habe oft und schon sehr lange das Gefühl dass meine Seele krank ist weil ich nicht loslassen kann was mich bedrückt.


@Florence: danke dir! hatte schon die letzten 10 Jahre eigendlich durchgehend Therapie aber das hat mir null gebracht glaube ich. Wirklich etwas besser fühle ich mich erst seit ich mir vorgenommen habe los zu lassen was mich bedrückt....
Oft denke ich dass ich durch das Loslassen in der Lage bin mich selbst mehr zu lieben,

manchmal glaube ich wir sind alle nicht gesund weil es uns an Selbstliebe mangelt.

Wie geht es dir jetzt damit wo du dir vorgenommen hast dich vom Schwärmen für ihn zu distanzieren?

14.09.2013 19:23 • #8


Hab mich am Samstag wieder meiner Angst stellen müssen.
Wenn ich mir da im Kopf nicht meinen Therapeuten zur Hilfe nehme, schaffe ich es nicht.

Und zack ist er wieder voll drin. Träum von ihm und stell mir alles mögliche vor.


Wie soll ich den je loskriegen?

15.09.2013 19:59 • #9


vielleicht wäre es für deinen Therapieverlauf von Vorteil wenn du dir einen anderen Therapeuten suchen würdest.
Vielleicht eine Frau?
Du kannst dich ja sonst gar nicht voll und ganz auf die Therapie deiner Ängste konzentrieren wenn du für den Therapeuten Gefühle hast.

So wird die Therapie in den Hintergrund treten.

lg

16.09.2013 14:18 • #10


Hi malory,

ich kann nicht wechseln!
Ich wohne auf dem Land und mußte auf diese Therapie über ein Jahr warten.

Aber heute war wieder eine Stunde.
Hab ihn mir wirklich genau angesehen.
Er ist nett und ich fühl mich wohl bei ihm. Ich spüre er ist auf meiner Seite.
Und das brauche ich. Jedesmal wenn ich eine Therapiestunde hatte, fühle ich mich stark und mutig .
Wir haben heute gemeinsam beschlossen meine Therapie um 20 Stunden zu verlängern. Ich bin das wert und er macht das gerne für mich. Hat er gesagt!
Das tut so gut.
Aber es ist sein Job. Und er macht auch wirklich keinerlei Andeutungen, daß da irgendwie mehr wäre.
Bin vielleicht doch nicht verliebt.
Hab einfach nur den für mich perfekten Therapeuten gefunden.
Hoffentlich schaffe ich mit seiner Hilfe mein Ziel!

17.09.2013 13:21 • #11


Dubist
Florence, das wär doch mal eine wunderbare gelegenheit zu fragen ob er verheiratet ist so nebnbei und über Männer allgemein mal zu quatschen, vielleicht kann er dir da helfen, schließlich ist er ein Mann und noch dazu Fachmann!
Deine Chance.
Und den perfekten Therapeutein so ein Glück!

17.09.2013 14:12 • #12


Also er ist verheiratet.
Und ich glaube ich habe hier die Kleinigkeit zu erwähnen vergessen , dass ich auch verheiratet bin.

17.09.2013 16:15 • x 1 #13


Dubist
Florence du bringst mich heute zum lachen, das war süß, vielleicht das als thema machen die Ehe?

17.09.2013 16:16 • x 1 #14


kalina
Zitat von Florence:
Also er ist verheiratet.
Und ich glaube ich habe hier die Kleinigkeit zu erwähnen vergessen , dass ich auch verheiratet bin.





Also diese "Kleinigkeit" hättest Du wirklich nicht unterschlagen sollen. Ich lach mich kaputt


Das wirft doch gleich ein ganz anderes Licht auf die Geschichte.

Nein, schon okay! Trotzdem ist es nicht ungewöhnlich dass Du Dich "verliebt" hast.
Das hat mit einer realen Liebe nichts zu tun, sondern ist Teil des Therapieprozesses.
Im Grunde "verliebst Du Dich gerade in Dich selbst".

17.09.2013 20:42 • #15

Sponsor-Mitgliedschaft

Danke kalina

da bekomme ich gleich feuchte Augen beim lesen.
Ihr seid alle so nett.

17.09.2013 21:07 • #16


Dubist
Florence, vielleicht fehlt was in deiner Ehe. Aber ich glaube das muss gar nicht sein, wenn du den Tip da oben befolgst, dich neu in dich zu verlieben.

18.09.2013 10:53 • #17


Dubist
neiinm, net weinen, nein, freuen.

18.09.2013 10:53 • #18


"Vielleicht verliebst du dich gerade in dich selber"

Das liest sich so schön.

Also meinen Mann mag ich schon sehr. Will auch gar keinen anderen.

Aber meinen Therapeuten , hm.... den mag ich schon auch sehr.

Doppelliebe...nee.....Trioliebe, wenn ich mich selber auch noch liebe.

18.09.2013 17:29 • #19


Dubist
haha, genau.

18.09.2013 17:30 • #20



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