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Hallo, ich bin Kerstin und werde in fast genau 2 Monaten 50 Jahre alt. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich mich so bescheuert fühle.
Im Mai 2021 habe ich ihn kennengelernt, er hat mir plausible Gründe genannt warum er immer wieder getrunken hat.
Im August 21 war er dann eine Woche am Stück unterwegs. Hat Handy, Papiere usw verloren. Meine Bedingung war, nicht mehr zu trinken. Ich dachte wirklich, dass es so einfach geht.
6 Wochen hat es geklappt. Er hat sich nach 3 Jahren einen Job gesucht aber jeden kommenden Anlass (unterschriebener Arbeitsvertrag, freier Tag usw) als Anlass zum Trinken genommen.
Er trinkt nicht zuhause alleine sondern „draußen“ auf der Straße, bei mir vorm Büro. Schreit, pöbelt und/oder singt auf der Straße. Jeder kennt ihn in unserer Stadt.
Ich war nie konsequent, bin immer wieder auf seine Versprechungen rein gefallen. Seit März 22 ist er wieder arbeitslos. Seit dem trinkt er ca alle 10 Tage, länger geht es nicht ohne. Mittlerweile war er bei einem Suchtmediziner und in einer Selbsthilfegruppe. Meiner Meinung nach langt das nicht. Er muss zur Entgiftung und zur Langzeittherapie, was er beides nicht möchte.
Er hat schon Abmahnungen von seinem Vermieter bekommen, eine Bewährungsstrafe weil er immer wieder besoffen seine Ex belästigt weil er die Kinder nicht sehen darf.
Nichts bringt ihn zur Vernunft. Die letzten Monate waren die Hölle für mich. Jeden Tag Angst vorm Feierabend (hat er wieder getrunken?), ständig Beschimpfungen entweder weil er getrunken hat oder weil er schlechte Laune hatte weil er nicht getrunken hat.
Am Sonntag haben wir uns so sehr gestritten, er hat mir gewünscht, dass ich gegen einen Baum fahre usw.
Ich habe dann beschlossen, dass es nicht mehr geht. Dieses Mal muss ich Konsequent sein, ich gehe daran kaputt. Immer Angst, immer Enttäuschung, ich habe in 1,5 Jahren so viel geweint wie vorher in 10 Jahren nicht.
Ich habe ihn jetzt überall blockiert weil ich wieder auf ihn rein falle wenn er sich nüchtern meldet.
Er hat nur noch seine Schwester, diese lebt 2000 km entfernt. Wenn sie ihn nicht erreicht, dann schreibt sie mir, ob ich etwas von ihm gehört habe. Da kommen dann so Sätze wie „er schafft es nicht ohne Dich“ usw. Ich fühle mich damit so unter Druck gesetzt. Er hat es doch mit mir auch nicht geschafft!?
Er hat doch schon vor mir getrunken!
Dennoch habe ich Schuldgefühle, habe das Gefühl ihn im Stich zu lassen aber ich kann und ich will so nicht leben.
Dennoch fühle ich mich schlecht.

05.10.2022 20:08 • 07.10.2022 x 2 #1


11 Antworten ↓


Ankergirl
Bitte bitte zieh den Schlussstrich. Ich bin unter einem Alk. groß geworden. Es war die Hölle. Du kannst ihm nicht helfen so lange er es nicht selber will. War mein Papa nüchtern war es der tollste Mensch der Welt, hatte er getrunken war es die Hölle

05.10.2022 20:13 • x 2 #2



Trennung von Alk.

x 3


@Ankergirl mein Verstand weiß das. Aber es umzusetzen, so das es mir damit gut geht, ist verdammt schwer.

05.10.2022 20:14 • x 1 #3


Ankergirl
@KerstinOF das verstehe ich. Ich habe meinen Papa sehr geliebt wenn er nüchtern war, hatte pure Angst und habe ihn gehasst wenn er betrunken war. Ich bin daran zerbrochen, ich habe ein riesiges Trauma was ich seit 25 Jahren zu überwinden versuche.

05.10.2022 20:32 • x 2 #4


Perle
Hallo @KerstinOF,

ich habe leider gleiche Los gezogen wie @Ankergirl und kann ihr nur beipflichten.

Dein Gefühlschaos ist verständlich aber Du bist Dir selbst die Nächste und wenn Du Dich nicht emotional trennst, dann wirst Du kaputt gehen. Du hast aber ein Recht darauf, ein glückliches Leben zu leben. Du bist nicht für ihn verantwortlich und nicht seine Retterin, er kann sich nur selbst retten, jedoch geht das ohne nötige Einsicht seinerseits nicht. Er verleugnet seine Sucht.

Seine Schwester steht dem ebenso hilflos und vielleicht auch verzweifelt gegenüber, doch auch ihr gegenüber bist Du zu nichts verpflichtet.

Vielleicht würde es Dir helfen, wenn Du in eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alk.:innen gehen würdest.

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft.

LG Perle

05.10.2022 20:43 • x 4 #5


moo
Wllkommen @KerstinOF,

Zitat von KerstinOF:
Im Mai 2021 habe ich ihn kennengelernt, er hat mir plausible Gründe genannt warum er immer wieder getrunken hat.

Es gibt zahlreiche Gründe um zu trinken, aber keinen einzigen plausiblen.

Zitat von KerstinOF:
Meiner Meinung nach langt das nicht. Er muss zur Entgiftung und zur Langzeittherapie, was er beides nicht möchte.

Richtig erkannt. Da er beides ablehnt, will er auch nicht wirklich trocken werden. Das ist der entscheidenste Punkt.

Zitat von KerstinOF:
Da kommen dann so Sätze wie „er schafft es nicht ohne Dich“ usw. Ich fühle mich damit so unter Druck gesetzt. Er hat es doch mit mir auch nicht geschafft!?
Er hat doch schon vor mir getrunken!

So binsenweis sich das anhört, sind sich dessen aber tatsächlich viele Co-Abhängige nicht bewusst. Gut dass Du das weißt!

Durch Deine Trennung ermöglichst Du ihm eine Umkehr. Umkehren muss er jedoch selber.

Zitat von KerstinOF:
Dennoch habe ich Schuldgefühle, habe das Gefühl ihn im Stich zu lassen aber ich kann und ich will so nicht leben. Dennoch fühle ich mich schlecht.

Und lediglich daran musst Du arbeiten, nicht an seinen Themen. Bedenke, dass es für Co-Abhängige oft schwerer ist, von ihren Gefühlen loszukommen als für die Abhängigen von ihrem Suchtmittel bzw. von ihrer Sucht (was übrigens ein bedeutender Unterschied ist).

Als trockener A lkie spreche ich aus Erfahrung..

06.10.2022 05:44 • x 4 #6


Icefalki
Zitat von KerstinOF:
er hat mir gewünscht, dass ich gegen einen Baum fahre usw.

Naja, dann ist er ja auch wieder alleine. Das kann er doch auch ohne Unfall haben.

Sag dir immer, dass auch du ein Recht auf ein gutes Leben haben darfst, wie er, der dafür seinen Alk. braucht. Er scheint den Alk. dir vorzuziehen, deswegen darfst du nach deinen Regeln leben, er nach seinen.


Zitat von KerstinOF:
Dennoch habe ich Schuldgefühle, habe das Gefühl ihn im Stich zu lassen


Die hat er dir aber gegenüber nicht und auch keine Krankheitseinsicht. Du leidest, er offensichtlich nicht, er hat ja dafür seine Sucht. Deine Schuldgefühle sind echt für die Katz.

06.10.2022 12:23 • x 2 #7


kritisches_Auge
Geholfen hat mir die Selbsthilfegruppe für Angehörige.

06.10.2022 12:29 • #8


@Perle vielen Dank! Ich habe heute mal nach Selbsthilfegruppen gesucht. Die meisten sind für Betroffene. Ich hoffe, ich werde noch fündig.

06.10.2022 16:31 • #9


@moo vielen Dank moo für Deine ausführliche Antwort. Natürlich weiß ich das im Grunde alles, im Moment zweifele ich aber wirklich manchmal an meiner Wahrnehmung/ meinem Verstand. Warum lasse ich mich denn immer wieder von ihm einlullen?
Heute bin ich wenigstens konsequent geblieben. Seine Schwester bat mich bei ihm vorbei zu fahren, wir könnten doch wenigstens befreundet sein. Nein! Ich habe nicht mal mehr Kraft für eine Freundschaft.
Seit Sonntag ist er blockiert und ich habe es durchgezogen.
Ein bisschen bin ich stolz auf mich.

06.10.2022 16:36 • x 4 #10


Spaceman
Hi @KerstinOF

Als jemand, der früher (und in deutlich verringertem Maß auch heute noch) von recht ausgeprägtem Helfersyndrom betroffen war, kann ich Dir dies sagen:

Einem anderen Menschen zu helfen ist was wunderbares, aber nur so lange man selbst daran nicht kaputt geht - denn das hilft beiden nicht. Du hast jegliches Recht, an diesem Punkt auszusteigen! Wenn seine Schwester so besorgt um ihn ist, dann soll sie ihre Sachen packen, herkommen und ihm helfen. Dich unter Druck zu setzen und Dir Schuldgefühle einzureden, finde ich äußerst fragwürdig.

Zusätzlich stimme ich den anderen zu, dass er auch Hilfe bekommen und sich ändern wollen muss. Egal, was Du tust (und das habe ich in gewisser Weise selbst erfahren), fehlt dieser Wille, dann sind alle Deine Bemühungen umsonst.

06.10.2022 20:17 • x 2 #11


Butterfly-8539
Zitat von Ankergirl:
@KerstinOF das verstehe ich. Ich habe meinen Papa sehr geliebt wenn er nüchtern war, hatte pure Angst und habe ihn gehasst wenn er betrunken war. Ich bin daran zerbrochen, ich habe ein riesiges Trauma was ich seit 25 Jahren zu überwinden versuche.

Kenne das nur zu gut.
Habe ihm aber trotzdem verziehen, da er selber so unter Druck im Arbeitsleben und Privat stand, sowie selber keine schöne Kindheit hatte.
Zur Zeit habe ich seit 4 Jahren einen 20 Jahre jüngeren Kumpel gehabt. Es geht nur um ihn: die tägliche Aussage:ich, ich , ich will..............

Er hat nun einiges nach seinen Vorstellungen erreicht, borgte sich auch viel Geld von seinen Kumpels und dachte auch mich anpumpen zu müssen. Er bekam eine weitere große Summe nicht so wie er es sich vorstellte und wurde patzig, beleidigend,
Trigger

unverschämt und legte plötzlich ein Benehmen an den Tag, der unserer Kultur fremd ist.
Somit bekam er dann erst recht nichts von mir. Immerhin ging es um nichts Lebensnotwendiges, sondern um seinen Spaßfaktor, ein bestimmtes Motorrad, was andere ihm auslegen sollten.
Anschließend kamen Reperaturen des Autos zusätzlich dazu usw.
Eine endlose Angelegenheit, da er immer an chronischem Geldmangel litt, aufgrund ewiger Flausen die er im Kopf hatte. Sowie auch die weiten Fahrten in die Heimat. Ein junger Kerl halt.

Mittlerweile hat er wieder zu trinken begonnen und nimmt ggf. auch anderes zu sich. Zumindest veränderte er sich sehr sich die letzten Monate enorme negativ und genau ins Gegenteil von dem was er zuvor ablehnte.
Das fiel auch den Kollegen und Kumpels auf.
Nun hat er hat mehrere Freundinnen gefunden, mit denen er durch bestimmte Apps in Kontakt steht und sich ab und zu mal trifft. Seitdem veränderte sich sein Charakter total.
Manchmal vernachlässigt er seine Arbeit und macht auf krank, da er wieder einen Tag zuvor zu tief ins Glas geschaut hat und es ihm schlecht ging.
Er fängt an diese Leute, die für ihn immer da waren, ihm halfen, diese zu beschimpfen, auszunutzen und wird immer respektloser. Auch mir gegenüber, aber keiner steigt so richtig durch, was das soll. Niemand hat ihm was getan, im Gegenteil! Sehr oft äußerte er noch zu Zeiten wo er völlig freundlich und eben respektvoll war, das er so enorm viel Glück hier hatte, Leute um sich zu haben, die so nett sind, nochdazu Kollegen zu haben die sogar privat in Kontakt stehen, inkl. dem Chef. Er war so dankbar für den AP, den er durch eine Nachbarin, die was zu sagen hat, vermittelt bekam. Und nun kennt man ihn gar nicht mehr.

Ich für mich habe fest entschlossen, nicht mehr auf sein rufen, seine Anrufe, etc. zu reagieren. Wenn er mir zufällig über den Weg läuft, er wieder besser gelaunt ist, versuche ich kühl zu reagieren und keine Wärme mehr aufzubauen, denn man wird wieder enttäuscht. Würde ihm dann schnell eine Absage erteilen und wäre weg.
Er sagte immer, das er nie mehr trinken würde, was auch die Kollegen damals skeptisch sahen. Er hielt tatsächlich etwas durch und plötzlich fing er wieder an mit hartem Alk.. Er trank weiter, obwohl ich ihn direkt beim Einschenken hindern wollte.......................

Ein Alk. würde nie zugeben, das er ohne nicht mehr klar kann. Die brauchen immer einen Pegel, der sie den Tag überstehen läßt, auch wenn es dem Nüchternen ggf. gar nicht auffällt.

Dieser junge Mann war bis vor ein paar Monaten respektvoller, entschuldigte sich auch, wenn er einsah, das er Tage zuvor sehr beleidigend war. Doch nun kamen Anrufe, bei denen er nur noch frech, unverschämt und wie ich empfand, er betrunken war. Das nächste mal wußte er wieder nichts mehr davon.
Was will man mit so einem Menschen, der keine Vernunft annehmen will? Ich habe das damals schon im engsten Familienkreis lange genug miterleben müssen und es war ein Horror.

Es ist ständig ein Ärgernis, eine Belastung, Kränkung, Beleidigung. Man macht sich Sorgen, da er auch noch mit dem Motorrad unterwegs ist und manchmal völlig übertreibt, obwohl er so zuvor nie war.

Das beste ist, sein eigenes Leben vor so einem labilen Menschen zu schützen und vorallem die ständigen Auf und Ab´s des Gefühlslebens zu beenden. Diese ständigen Enttäuschungen zu unterbinden. Sowas schadet einem und das eigene Leben ist nur noch geprägt von den Launen so eines Menschen. Man lebt förmlich nur für so einen Menschen, der es nicht wert ist.
Dein eigenes Leben bleibt auf der Stecke und deiner Gesundheit schadet es nur. Ziehe einen Schlußstrich, denn es würde bestimmt keine gute Zukunft für dich werden.

Versuche dich mit anderen Gedanken abzulenken und so einen Menschen von dir fern zu halten. Es ist anfangs hart, aber es wird ansonsten auch nicht besser. Er wird immer rücksichtsloser werden, dich beleidigen, anpumpen, ausnutzen..................

Kurzum, versuche dich von ihm frei zu machen.
Wenn die Schwester anruft, sag ihm, du bist nicht seine Betreuerin und auch nicht sein Vormund. Du hälst es so nicht mehr aus und was hätte er für Hilfe, wenn du selbst krank dadurch geworden bist und ihm keine Stütze mehr sein könntest. So geht es nicht weiter und du bist auch für diesen erwachsenen Mann nicht verantwortlich.
Die würden dir ansonsten ständig alles in die Schuhe schieben, was in seinem Leben weiterhin falsch laufen würde.

Der soll sich in seine Hosenbeine schwingen und sein Leben in die Hand nehmen.
Setze ihr ggf. eine Frist, das wenn er nicht freiwillig einen Entzug macht, du weg bist.
Du hast auch nur ein Leben und möchtest noch deinen 50. ten gesund verbringen können.

06.10.2022 23:02 • x 2 #12



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