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Carcass
Hallo zusammen,

Ich habe in 2 Jahren beide Elternteile verloren . Vor einer Woche wurde Papa zu Grabe getragen und ich dachte es wird etwas besser.
Im Gegenteil, ich bin geschüttelt von Angst , Todesangst Panik und mache 2 Mal die Woche Therapie. Heute hatte ich 4 Schübe der Angst mit extremer Unruhe, Schwindel, völlig kaputt und Schweißausbrüche.

Ich musste jetzt Tavor nehmen, weil es nicht mehr ging.


Kennt das einer und was habt ihr alles unternommen dagegen , dass es besser wird ?
Alles aus dem Notfallkoffer funktioniert nicht mehr .

Morgen wieder Therapie und ich schreibe voller Angst hier hin .


Sorry,wenn es der falsche Thread ist .

Liebe Grüße und danke !

10.09.2020 20:14 • 23.09.2020 #1


7 Antworten ↓


laribum
vielleicht stationäre Einweisung und medik. Einstellung

10.09.2020 20:41 • #2



Trauersymptome extrem schlimm, was nun?

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Carcass
Öhhhm, ich mache ja Langzeittherapie und habe viele Strategien entwickelt. Klinik und Medikation sehe ich für mich nicht, weil ich halt auch konfrontiere. Frage mich immer , ob diese Symptome dermaßen heftig normal sind.

Ich will auch bald wieder arbeiten gehen

10.09.2020 21:04 • #3


Icefalki
Du bist gerade in einer Ausnahmesituation, die 1. auch "Gesunde" hilflos machen und uns, erst recht.

Da hilft nämlich nicht viel, weil dieser Stress und diese Trauer wirklich kaum zu ertragen sind. Und das ist die ganze Wahrheit. Die nächste Wahrheit ist, dass wir immer, oder beinahe immer sehr viel unserer Erkrankung entgegensetzen müssen, und kommt zuviel, ist es aus. Dann bricht der Damm und schau dich an, man leidet.

Lass es zu. Ich habe das auch vor 1,5 Jahren erleben müssen, dass ich, kommt zuviel auf einmal, nicht mehr fähig bin, meine erarbeiteten Sichtweisen, oder Konzepte durchzuhalten. Geht nicht.

Geht aber auch bei anderen Menschen nicht, auch die brechen zusammen. Es ist nur furchtbar und es braucht Zeit, damit man wieder da raus kommt. Ich habe damals zu Medis gegriffen, die mir einmal, und auch das 2. Mal geholfen haben. Heisst aber nicht, dass das auch dein Weg sein muss.

Ich persönlich habe gelernt, dass ich in psychischen, belastenden Ausnahmesituationen nicht mehr funktionsfähig bin, und egal, was man vorher erreicht hat, innerhalb kurzer Zeit befindet man sich gefühlt am Anfang.

Mit den Benzos würde ich gut haushalten, aber das weisst du eh.

Ausnahmen erfordern Ausnahmen. Und da hilft nur, das aushalten und das Wissen, dass man relativ chancenlos jetzt die Zeit überbrücken muss. Übrigens hatte ich in dieser Zeit die gleichen körperlichen Symtome. Da knallt das Adrenalin nur so rein. Grauenhaft.

Ich habe also keinen wirklichen Trost für dich, und keine guten Ratschläge, sondern nur mein Mitgefühl aus eigenem Erleben. Und auch du wirst wieder da raus finden. Allerdings braucht das seine Zeit.

10.09.2020 22:09 • #4


Schlaflose
Zitat von Carcass:
Kennt das einer und was habt ihr alles unternommen dagegen , dass es besser wird ?

Als meine Mutter vor viereinhalb Jahren starb, habe ich meine Doxepindosis für ein paar Wochen verdoppelt und nahm öfter Zopiclon und Alprazolam öfter als sonst. Bei mir ging es aber nur darum schlafen zu können und so meine Arbeit zu schaffen. Indirekt haben die Medikamente wohl auch geholfen tagsüber ruhiger zu sein.

11.09.2020 06:47 • #5


Carcass
Ich danke euch. Hatte heute Therapie und wir arbeiten weiter. Es wird bestimmt wieder besser

11.09.2020 13:16 • #6


Hallo Carcass,
ich kann gut nachvollziehen, dass es dir gerade sehr schlecht geht. Meine Eltern starben, da war ich gerade einmal 12 bzw. 13, kurz nach einander. Für mich ist damals eine Welt zusammen gebrochen. Das einzige was mir Halt gab, war meine Familie. Ich habe versucht so viel es geht aufzuschreiben. Alle Erinnerungen zu archivieren. Ich habe dauernd die Mailboxansagen von meinen Eltern angehört, nur um ihre Stimmen zu hören. Habe an dem Parfum meiner Mutter gerochen und Hemden meines Vaters getragen. Fotos und Erinnerungen haben mir geholfen. Ich bin auch zu dem Ort gefahren, an dem mein Vater starb. Ich musste einfach irgend etwas tun. Noch heute gehe ich oft zum Grab und rede mit meiner Familie. Ich weiß das sie tot sind, dennoch glaube ich ganz fest daran, dass sie mich hören und mich immer begleiten.

Und glaub mir, wenn ich dir sage, dass es besser werden wird. Aber das dauert. Du kannst nicht erwarten, dass so ein Verlust in einer Woche verkraftet ist. Es werden neue Erinnerungen kommen, welche die alten schmerzhaften verdrängen werden.

Aber selbst nah Jahren gibt es bei mir immer noch tage an denen der Schmerz so über mächtig wird, dass ich kaum atmen kann. In solchen Momenten schaue ich mir alte Videos an oder rufe eine Freundin an. Manchmal schimpfe ich lauthals auf Gott und die Welt. Manchmal tue ich auch einfach nichts. Weine mich in den Schlaf oder bade heiß, höre mir stundenlang Popsongs an und und und. Du wirst deinen eigenen Weg finden damit umzugehen.
Besuch vielleicht Orte, die deine Eltern gerne mochten, hör die ihre Lieblingslieder an, geh in ihr Lieblingsrestaurant....

Es tut mir leid um deinen Verlust und ich wünsche dir die Kraft diese schwere Phase durch zu stehen.

LG
S.

21.09.2020 18:10 • x 3 #7


Carcass
Zitat von Sonnen:
Hallo Carcass,ich kann gut nachvollziehen, dass es dir gerade sehr schlecht geht. Meine Eltern starben, da war ich gerade einmal 12 bzw. 13, kurz nach einander. Für mich ist damals eine Welt zusammen gebrochen. Das einzige was mir Halt gab, war meine Familie. Ich habe versucht so viel es geht aufzuschreiben. Alle Erinnerungen zu archivieren. Ich habe dauernd die Mailboxansagen von meinen Eltern angehört, nur um ihre Stimmen zu hören. Habe an dem Parfum meiner Mutter gerochen und Hemden meines Vaters getragen. Fotos und Erinnerungen haben mir geholfen. Ich bin auch zu dem Ort gefahren, an dem ...


Vielen lieben Dank für deinen Beitrag. Mensch , dich hat es noch härter getroffen , so jung. Tut mir auch sehr leid und finde deinen Umgang damit grandios!

23.09.2020 15:22 • #8




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