Hallo @sandracookie ,
ich kann dir auch noch ambulante psychiatrische Pflege (APP) empfehlen, die kann vom Hausarzt verschrieben werden (oder vom Facharzt).
Da bekommst du einen Pfleger zugeteilt, der zu dir nach Hause kommt und mit dem du alles Mögliche machen kannst. Gespräche führen, Spaziergänge machen, Einkaufen, Post bearbeiten, was auch immer anliegt.
Es ist so eine Art Bezugspfleger/ Co-Therapeut für zu Hause.
So eine Verordnung geht meist über 3 Monate.
Ich kenne viele Mitpatienten (mich inklusive), die damit den Übergang von der Klinik nach Hause ganz gut gestalten konnten. Man ist halt nicht gleich ganz auf sich alleine gestellt.
Ich könnte mir für dich gut vorstellen, den Wiedereinstieg in die Arbeit ein bisschen nach hinten zu verschieben und die Zeit zu nutzen, dir ambulant ein Hilfe-Netzwerk aufzubauen bzw. damit schonmal anzufangen: Möglichkeiten in der Umgebung ausloten, Verordnungen für Ergo oder APP besorgen, vielleicht nach einer Selbshilfegruppe umsehen, Therapeuten für Wartelisten-Plätze abzutelefonieren...., also all die Dinge, die einem schwerfallen, wenn die Arbeit erstmal wieder losgeht.
Bezüglich der Verlängerung in der TK klingt es für mich so, als wäre das eher schwierig. Kliniken sind da unterschiedlich flexibel, es gibt Kliniken, die ihre Meinung nicht mehr ändern, wenn sie einen Patienten entlassen wollen. Vielleicht ist dein Platz sogar schon an den Nachfolge-Patienten vergeben worden.
Du kannst natürlich nochmal nachfragen, aber es klingt für mich eher so, als wenn die sich nicht so leicht umstimmen lassen. Das Problem ist ja, dass fast alle Patienten ihre Klinik-Zeit verlängern wollen und wieder instabil werden, wenn es auf die Entlassung zugeht, oder sich einfach noch nicht bereit fühlen. Die Kliniken nennen das „Entlass-Krise“, und die trifft ganz viele Patienten. Darum wird darauf eher nicht so oft eingegangen, da braucht es dann schon handfeste Gründe.
Und es ist die Frage, ob es ein sinnvoller Einsatz deiner Energie ist, um eine Verlängerung zu erkämpfen, die dir vielleicht mehr Ärger und Stress als weitere Hilfe bringt.
Du kannst auch mal bei deiner Krankenkasse anfragen, was die so für Programme im Angebot haben. Es gibt einige Krankenkassen, die Programme genau dafür anbieten, Patienten nach einem Klinikaufenthalt zu unterstützen (wenn diese keinen Therapieplatz haben), auch gibt es eine Reihe von digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGa), die man sich verschreiben lassen kann, eine Nachfrage kann sich lohnen, vielleicht hat deine Krankenkasse ja etwas Passendes für dich.
Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute für den Übergang in dein Leben nach der TK !
Aus der Erfahrung vieler Mitpatienten und von mir selbst kann ich sagen, dass es durchaus zu einem Loch kommen kann, in das man nach der Klinik erstmal fällt, weil die Unterstützung wegfällt, die man dort hatte, durch die Therapeuten, die Pflege und die Mitpatienten. Aber dieses Loch geht vorbei, wenn man es schafft, nach vorne zu blicken. Und gerade der Aufbau eines ambulanten Hilfe-Netzes ist dabei wichtig und kann auch ein motivierender Faktor sein, wenn man da mit einem positiven Mindset herangeht. Es wird vielleicht nicht alles gleich auf Anhieb zu realisieren sein, aber irgendwas klappt meistens doch. Und da kann man dann wieder neue Erfahrungen machen, die einen nochmal ganz anders weiterbringen können.
Und wenn alle Stricke reißen und gar nichts funktioniert, kannst du dich immer noch vollstationär einweisen lassen (oder einen neuen TK-Aufenthalt machen).
Ich warne aber davor, zu sehr auf die Klinik-Schiene zu setzen. Ja, Kliniken können helfen, aber ich habe soooo viele Patienten erlebt, die in einen richtigen Teufelskreis geraten sind, in dem sie nur noch von Klinikaufenthalt zu Klinikaufenthalt gelebt haben, ohne sich ambulant über die Jahre eine tragfähige Alternative aufzubauen. Und das ist kein schönes Leben. Kliniken sind gut zur Stabilisierung oder für eine Phase intensiver Therapie, aber das Leben findet außerhalb der Kliniken statt.
Das ambulante Hilfe-Netzwerk ist mMn der Schlüssel zu langfristiger Verbesserung, die auch tragfähig ist.
Der Glaube an die eigene Selbstwirksamkeit ist ganz wichtig, und der kann gerne mal verloren gehen, wenn man sich selber unbewusst davon überzeugt, es ohne regelmäßige Klinik nicht zu schaffen.
(Ganz wichtig: Das beziehe ich jetzt nicht auf deine aktuelle Situation, an diesem Punkt bist du ja noch lange nicht, ich wollte nur vorsichtig skizzieren, was passieren kann, wenn man den Fokus zu sehr auf Klinik-Aufenthalte und zu wenig auf das ambulante Netz legt).
Darum ist es manchmal gar nicht schlecht, die Aufenthalte eben nicht ganz so lang werden zu lassen. Je länger man in der Klinik ist, umso mehr entfernt man sich nicht selten von dem, was das „normale/reale Leben“ ausmacht. Dann wird der Klinik-Alltag zur neuen Normalität, und das ist oftmals langfristig eher ungünstig.
Und das soll ja das Ziel sein: eine langfristig tragfähige Unterstüzung zu finden, um seinen Lebensalltag gut gestalten zu können.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ergotherapie und APP finde ich total hilfreich, vielleicht ergänzt mit einer Selbsthilfegruppe und vielleicht einem online-Programm der Krankenkasse,
und langfristig ein ambulanter Psychotherapeut, auch wenn es vielleicht dauert, bis man einen Platz bekommt. Aber jede Warteliste, auf der man steht, kann helfen.
(Und es gibt auch Kurzzeit-Therapien zur Intervention bei Krisen, da sind die Wartezeiten nicht ganz so lang.)
Ich wünsche dir alles Gute ! LG
26.11.2025 09:23 •
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