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Ich habe eine alte Freundin "wiedergefunden". Sie wohnt inzwischen viele hundert Kilometer von mir entfernt und wir telefonieren nun seit 1 Jahr wieder regelmäßig alle paar Wochen miteinander. Wir haben uns vor über 20 Jahren kennengelernt und irgendwann aus den Augen verloren, weil sie weg zog. Diese Freundin ist ein Phänomen für mich. Ich kenne viel über ihre Lebensgeschichte und es ging ihr lange Jahre psychisch oft sehr schlecht. PAs und Angst hatte sie allerdings nie wie wir. In den Jahren unserer Kontaktsperre hat sie sich tierisch entwickelt. Sie hat sehr an sich gearbeitet in Therapien und Eigenleistung und sich auch einen Lebenstraum erfüllt. Und sie ist für mich ein wenig eine "Lehrerin" geworden, weil sie eine ganz andere Sichtweise zum Leben hat, als ich bisher. Ein wenig mag es in die spirituelle Richtung gehen, dennoch habe auch ich begonnen, mich ein wenig damit zu beschäftigen. Sie hat mir Bücher empfohlen und erzählt mir viel darüber wie sie die Welt sieht und was sie mir rät. Das hat mir zeitweise ganz neue Perspektiven eröffnet.

Dennoch habe ich diesen roten Faden in den letzten Wochen wieder verloren. Ich driftete ab in totale Einsamkeit, Depression, Angst und PAs. Ganz schlimm! Ich konnte auch niemanden mehr um Hilfe bitten. So arg war es. Dann habe ich sie doch angerufen, weil ich nicht mehr weiter wusste und wir haben 4 Stunden geredet. Ich kann nicht sagen, dass alles wieder gut ist, bestimmt nicht. Aber ich habe wieder die Ahnung eines roten Fadens in mir, wenn ich ihn auch noch nicht in Händen halte. Und es ist so unglaublich schwer, diesen Faden wenigstens im Auge zu behalten und nicht wegzuschauen, weil ich eh glaube, es nützt alles nichts mehr.

Ihr fragt Euch sicher, was ich Euch mit alledem eigentlich sagen will?

Ja, ich würde Euch so gerne von diesem roten Faden erzählen. Aber es ist in meinem Kopf noch ganz wirr, dass ich all das nicht in Worte fassen kann. Dabei ist es eigentlich ganz einfach.
Ich glaube an den Sinn des Fadens, wenn ich auch noch so riesige Schwierigkeiten habe, das zu verinnerlichen und vor allem umzusetzen.

Ich versuche mal, es in "normaler" Sprache zu erklären.

Alles im Leben unterliegt dem Gesetz der Resonanz. "So wie es in den Wald hineinruft, so schallt es zurück."
Wir sind sozusagen selbst Schöpfer unserer Realität. Die Dinge, die uns im Alltag begegnen, ziehen wir durch unsere eigene Gedankenenergie an. Und ich glaube, dass wir im Leben immer wieder Situationen inszenieren, die uns unsere Annahmen über uns selbst bestätigen. Ich fühle mich wertlos, abgelehnt, unwichtig, nicht liebenswert. Und tagtäglich geschehen Dinge, die mir das bestätigen. Menschen verletzen mich, zeigen mir, dass ich keinen Wert habe. Die Angst besiegt mich, hindert mich daran, das zu tun, was ich tun möchte. Meine ganze Gedankenwelt ist vollkommen verstrickt und besteht nur aus "aber", "ich kann nicht", "niemand kann mir helfen", "ich bin ganz alleine", "ich schaffe das nicht", "es könnte doch dieses oder jenes passieren"...... Eine Qual und Tortur.
Doch wenn ich mir die Frage stelle, WIESO ich z.B. eigentlich keinen Wert für die Menschen um mich herum haben sollte, komme ich ins Stocken, weil mir nix einfällt. Ja, wieso eigentlich nicht? Ich bin doch auch Mensch, ich habe das gleiche Recht zu leben und glücklich zu sein wie alle anderen. Dann folgt die zweite Frage. Wie soll ich denn mit dieser Angstscheiße glücklich sein? Und schon bin ich wieder ganz weit weg von mir. Denn Thema sollte sein: Nicht die Menschen finden mich nicht liebenswert und lehnen mich ab, sondern ICH. Ich lehne mich selbst total ab. Und wie ich mich innerlich fühle, mache ich damit abhängig von den anderen. Und das strahle ich aus. Es läuft soooo viel zwischen den Menschen ab, was wir nicht erklären oder erfassen können. Ich glaube, dass ich den Menschen das sozusagen impliziere, dass sie dies oder jenes mit mir anstellen.
Ich habe keine Ahnung, wie ich all das praktisch angehen kann. Aber ich bin davon überzeugt, dass ich die Antwort nur in mir selbst finde und mein Weg, der Weg zu mir ist. Will damit sagen, dass ich anfangen muss, mich selbst zu akzeptieren, die Dinge so anzunehmen wie sie sind, weil alles geschieht, um mir eine Aufgabe zu stellen. Und eine wichtige, elementare Aufgabe ist die Selbstliebe. Wenn ich mich mag, so wie ich bin, auch mit all dieser Angstscheiße, dann gibt es keinen Grund, warum das andere nicht auch tun sollten. Und wenn es Menschen gibt, die mich dennoch nicht mögen, ist das normal und ist eben so und was wichtig ist, es macht mir nichts aus. Ich habe ja mich. Ich habe mich lieb. Und ich finde mich gut so. Das soll natürlich nicht dazu führen, dass man in Narzißmus verfällt und nicht mehr an sich arbeitet. Die Angst, die will uns was zeigen. Sie will uns auf eine Fährte führen. Auf welche, kann nur jeder für sich selbst herausfinden.

Zusammengefasst glaube ich, wenn Beziehungen zu Menschen in unserem Leben immer wieder problematisch sind, sind wir selbst diejenigen, die diese Situationen immer wieder inszenieren. Wir ziehen Menschen an, die uns schei. behandeln, weil wir damit unser mieses Selbstbild bestätigen können. Wir sind demnach keine Opfer. Wir kreieren unsere eigene Realität.
Und diese Annahme ist nur ein kleiner Teil, ein Anfang. Es zieht viel weitere Bahnen. Denn wer weiß, was um uns herum noch so vorgeht? Vielleicht kann man Unglück anziehen, weil man Unglück denkt? Versteht Ihr? Ich lade ja förmlich tagtäglich alle universelle Energie (sofern es diese gibt und man daran glaubt) zu mir ein, damit sich negativer Müll in mir ausbreitet. Schon mein Wunsch "Ich will keine Angst mehr haben", ist negativ besetzt. Klingt es nicht ganz anders zu sagen "Ich will angstfrei sein"? Oder gar das Wort Angst ganz aus meinem Wortschatz zu verbannen.

Ich habe sicherlich nichts Neues hier geschrieben. Ein wenig hat das vielleicht mit dem sogenannten "Positivem Denken" zu tun. Dennoch meine ich mehr, geht alles viel tiefer, als ich auszudrücken vermag. Man spricht doch immer wieder von Wundern, weil jemand geheilt wurde, den die Medizin aufgegeben hatte. Es gibt auch Beweise dafür. Diese Menschen haben sich nach meiner Meinung selbst geheilt. Duch Visualisierung, durch ihre innere Kraft, durch ihre Mitte, das Licht, die Wärme in sich, ihre Liebe zu sich selbst.

Und ich glaube, alles im Leben ist eine Frage der Entscheidung. Ich kann mich entscheiden, ob ich glücklich oder unglücklich sein will. Ist das nicht eigentlich wunderbar? Wieviele Menschen gibt es, die davon berichten, wie glücklich sie trotz einer schweren Erkrankung sind. Und ich bin sicher, ich kann es sogar trainieren glücklich zu sein. Vorausgesetzt ich arbeite an mir und schaue parallel genau hin. Vorausgesetzt ich lasse tiefe Gefühle zu, deckel sie nicht ab. Denn ich kann z.B. trotz des großen Schmerzes über den Verlust eines Menschen, trauern und weinen und dennoch glücklich sein, im Einklang mit mir und dem Leben sein. Und wenn ich mich so abgelehnt und alleine fühle, ist es vielleicht mein Inneres Kind, das nie das bekommen hat, was es brauchte, das nie gehört wurde. Und ich kann hinhören und handeln.

Alles um uns ist Energie und das geben sogar die Physiker zu. WIE ich diese Energie für mich deute, ob spirituell oder rein rational physikalisch, liegt bei mir. Und ich spüre ganz tief in meinem Innern, dass ich durch und durch mit einem Haufen negativer Energie beladen bin, um nicht zusagen "verseucht". Diese negative Energie kann ein Lebenspartner sein, ein Ort, eine Situation, was auch immer. Und ich habe mich selbst damit beladen, ich habe diesen Weg gewählt, weil er mich an ein bestimmtes Ziel bringen soll. In diesem oder einem anderen Leben.

Eigentlich habe wir alle eine wahnsinns Energie in uns. Nur ist sie leider "angstverseucht". Was für eine Lebenskraft spricht doch daraus, dass wir zum Aushalten einer solchen Panik fähig sind? Und stellt Euch vor, Ihr könntet diese Energie umpolen?

Ja, ich weiß, alles Theorie. Ich habe es in meinem Kopf, aber auch irgendwie in meinem Bauch. Ich kann es nur noch nicht umsetzen. Und es würde sich dadurch über Nacht auch mein Leben nicht ändern. Es ist ein Weg, den ich gehen kann. Ich muss mich entscheiden. Will ich glücklich sein oder nicht? Will ich die Liebe in mir finden oder nicht? Und wenn ich sage, ich will, habe ich den ersten Schritt getan.

Und wenn Ihr jetzt denkt: "Natürlich will ich glücklich sein. Wer will das nicht. Aber mit all meinen Problemen ...!", dann habe ich mich entweder total unverständlich ausgedrückt oder Ihr habt mich nicht verstanden.

Alles Liebe

25.11.2007 15:33 • 09.12.2007 #1


6 Antworten ↓


Sönnchen
Hallo Lilly,
ich finde die Idee sehr spannend.
Allerdings frage ich mich schon, ob das nicht auch dann viel mit Verdrängen zu tun hätte... aber ich arbeite eben auch noch am richtigen Umgang mit Tiefschlägen. Ich hab es mein Leben lang eher so betrieben, dass ich dachte "wenn ich es nicht an mich ranlasse dann macht es mir auch nicht aus" oder so ählich... ich habe ein sehr "reiches" Leben geführt, mich versucht an gutem zu freuen und mich von schlechtem nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Mich von niemandem einschüchtern zu lassen, das Leben einfach zu leben und aus jedem Tag das Beste zu machen.... leider hab ich aber irgendwie "vergessen" mich mit Problemen auseinanderzusetzen... meine Ängste nicht ernst genommen, weil ja nicht rational zu begründen (z. B. vor Ablehnung)... naja, und das Resultat ist eben die Angststörung (etwas vereinfacht)... also die Gefühle kommen durch... also eigentlich genau das Gegenteil von dem wie es bei dir ist. Also nicht ein "ich bin so klein" sondern immer ein "ich mach mein Ding, egal wie und zu welchem Preis und ich darf auf keinen Fall versagen".
Mir hilft es ungemein in mich hineinzuhören... zunächst versuche ich die Gefühle wahrzunehmen, dann hinzunehmen und dann erst zu handeln... genauso klappt das bei mir übrigens auch mit der Angst ganz gut. Also wenn sie auftaucht, nehme ich sie hin und schon hat sie keinen Schrecken mehr und ich kann in den Situationen bleiben, sie meist sogar wieder geniessen.
Mit deiner "ersten Frage" machst du ja auch schon sowas wie einen "reality check", der dich anscheinend "runterbringt". ist dir das dann unheimlich, dass du dich ok finden könntest?
Tut mir leid Lilly, der Beitrag ist etwas wirr, ich kann die Gedanken, (vielleicht auch so ein "roter Faden"?) gerade ganz schlecht formulieren...
LG

28.11.2007 18:15 • #2



Roter Faden

x 3


Hallo sönnchen,

ja, wirr ist der Text wirklich. Und so sieht es auch in mir aus.

Ich glaube nicht, dass es mit Verdrängen zu tun haben muss, aber es kann. Eigentlich ist es eine unglaublich positive Einstellung zum Leben, die meine Freundin durch und durch in sich hat. Natürlich gibt es auch wieder mal Krisen, doch sie hat ein Rüstzeug, um sich den Kopf gerade zu rücken und den Blick auf das Gute und Wichtige zu lenken.
Sie hat ein unglaubliches Urvertrauen. So nach dem Motto "Alles wird gut", weil alles seinen Sinn hat und jedes Schicksal, Ereignis usw. Interpretationssache ist. Verstehst Du? Es ist die typische Geschichte mit dem Glas, das halbvoll oder halbleer ist.

Ich habe ürbigens ähnlich wie Du es beschreibst in meinem Leben gehandelt: "Ich mach mein Ding, egal wie und zu welchem Preis und ich darf auf keinen Fall versagen". Meine Angstsörung ist schon ewig da und hat mich an vielem gehindert, aber was so Dinge angeht wie Ausbildung, Job oder mein Theaterspielen, dass habe ich immer irgendwie durchgezogen. Und wenn ich was nicht gepackt habe, fühlte ich mich als Versagerin. Ich habe Therapien ohne Ende gemacht, alles in meinem Kopf klar gehabt, doch nichts verinnerlicht bzw. das Fühlen dabei vergessen. Und ich glaube, dass ist bei Dir ähnlich, wenn ich Dich richtig verstanden habe. Ich habe meine Symptome zwar "gehört", aber ich habe nicht "hingehört", was sie mir sagen wollten.

Deine letzte Frage habe ich leider nicht verstanden.

Und mal abgesehen von dem roten Faden, geht im Moment fast gar nichts mehr bei mir. Meine Angst und mein Schwindel sind so übermächtig, dass ich mich nicht mehr auskenne. Und ich versuche "hinter die Kulisse" zu gucken, zu fühlen..., doch es hilft nicht oder macht alles noch schlimmer.

Ich frage mich, ob ich mir vielleicht eingestehen muss, dass ich wirklich am Ende bin und nicht mehr kann und ne Pause brauche. Mit Pause meine ich, Ruhe, Abstand, kein Tagewerk, vielleicht Klinik...... einfach mal alles abgeben und vor allem zugeben, dass ich nicht mehr kann......
Andereseits sagt man doch auch: Damit es besser wird, muss es erst ganz schlimm kommen. Vielleicht bin ich auf dem Weg und erlebe deshalb die Hölle, weil genau das alles Angst macht??

Habe keine Ahnung!

Meine roter Faden ist mir scheinbar aus dem Blick geraten. Kämpfe richtig ums Überleben.

Alles Liebe für Dich

28.11.2007 19:01 • #3


Sönnchen
Hallo Lilly,
ich meinte dass MEIN Beitrag etwas wirr ist, weil ich die Gedanken dazu so schlecht in Worte fassen kann bzw. greifen kann! Ist ja irgendwie ein sehr abstraktes Thema! (was nicht gut oder schlecht ist)...
mit der letzten Frage meinte ich, ob du dir selbst nicht zugestehen kannst, "gar nicht so übel" zu sein, weil du, sobald der Gedanke kommt, ihn sofort mit deiner zweiten Frage wieder verwirfst, verstehste? Ich hab in mir auf jeden Fall solche Muster entdeckt... die einfach sehr kontraproduktiv sind.
Ja, deine Freundin hat wirklich - deinen Schilderungen nach - viel Urvertrauen. Warscheinlich vor allem in sich selbst und ihre Fähigkeiten Krisen auch meistern zu können, oder? Vielleicht auch, weil sie schon eine große Krise erfolgreich gemeistert hat? Also ich meine, dass sie durch die Bewältigung ihrer Krise gelernt hat, dass sie es auch wirklich schaffen kann?
Das ist irgendwie so eine Hoffnung von mir: also, dass mir die Angststörung den Weg zu mir selbst zeigt und ich gestärkt aus dieser Krise rausgehe...
Für mich ist es aber eben wichtig zu erfahren (durch die Therapie) warum ich dieses Urvertrauen nicht habe bzw. wo es auf der Strecke geblieben ist. Aber du scheinst da ja schon mehr Erfahrung zu haben und wie du schreibst auch alles im Kopf zu haben, aber nicht zu fühlen. Da kam mir jetzt aber schon spontan der Gedanke (du entschuldigst) "aber was macht denn die liebe Lilly gerade hier? Sie versucht das ganze Problem mit dem Kopf zu lösen"... kann es ein, dass du dich gar nicht fühlen traust? (kann ich oft nicht)
Dass es dir gerade sehr schlecht geht tut mir leid! Ich hoffe, es geht bald wieder bergauf! Und du weißt ja auch bestimmt schon aus vorherigen Erfahrungen, dass es immer wieder bergauf ging, oder? Ich war etwas irritiert über den Satz: "Damit es besser wird, muss es erst ganz schlimm kommen. Vielleicht bin ich auf dem Weg und erlebe deshalb die Hölle, weil genau das alles Angst macht?? " - ist das denn so?

28.11.2007 19:58 • #4


Liebes Sönnchen,

ich weiß es nicht. Ich frage mich in letzter Zeit sehr intensiv, was ich (natürlich unbewußt) für einen "Vorteil" oder "Gewinn" durch diese Angsterkrankung, die mich übrigens mit verschiedenen Gesichtern seit über 20 Jahren quält, haben könnte. Und in meiner Therapie und während dieser Krise in den letzten Monaten (Trennung) habe ich schon einige Gefühle zugelassen und überhaupt angefangen, Gefühle zu hinterfragen. Und vielleicht ist all das etwas, was mir Angst macht und meine Symptome verschlimmert. Ich frage mich, ob es so ein "Aufbäumen" der Angst ist, die mit allen Mitteln versucht, zu bleiben, weil sie mich oder ich sie gebraucht habe/hat, weil sie eben ihren Sinn und Zweck hat.

Ich weiß, das klingt abstrakt, ist es für mich auch.

Bis vor Kurzem hätte ich noch gesagt: "Verdammt, ich fühle sooo viel. Ich heule und weine und leide....." Ja, das ist auch so, doch ich habe gelitten und nicht gefühlt. Ich habe Wut gespürt und gelebt, aber ich habe nicht genau hingehört, wieso ich Wut habe und woher sie kommt. Ich habe geheult und war traurig, aber ich habe nicht nachgespürt, was der Ursprung dieses Gefühls ist. Ich wußte es, aber ich habe es nicht umgesetzt. Schwer zu erklären. Andere nennen es das "innere Kind", ist wurscht, welchen Namen das hat.

Und ich habe mich immer als leidendes Opfer gesehen, anderen die Schuld gegeben, dass es mir schlecht geht. Ich bin aber kein Opfer und wenn, dann ein Opfer meiner Selbst. Hier im Forum geben viele Leute anderen die Schuld daran, dass sie einsam sind. Ich trage auch ein ganz enormes Einsamkeitsgefühl in mir, bin viel alleine, aber das hat seinen Grund und daran ist niemand Schuld. Ich hasse es, aber ich brauch es scheinbar auch. Ich habe Angst, verlassen/alleingelassen zu werden und deshalb ließ ich es erst gar nicht soweit kommen. Und dann ging ich dieses Risiko ein, fühlte mich erstmals nicht mehr alleine und einsam und wurde aber doch tatsächlich verlassen. Mein Alptraum bestätigte sich. Es ist ein Teufelskreis. Und wir alle machen uns in so vielem abhängig von anderen Menschen.

Und es fällt mir schwer zu sagen, ich bin ok, um Deine Frage zu beantworten. Ich habe wenig Selbstliebe und ich finde, ich habe für einen anderen Menschen wenig zu bieten. Vor allem für einen Mann, weil ich aus sooo vielen Problemen bestehe. Mein Verstand kann Dir jetzt einen Vortrag dagegen halten, was ich alles bin, was toll an mir ist, aber tief in mir, finde, fühle ich mich schei.. Und diese Trennung hat mir das bestätigt. Auch wenn es rational gesehen nicht so ist, ist mein Selbstbild so.

Und ob ich hier nicht wieder alles über den Kopf mache? Mag sein. Dennoch sehe ich es, als eine Art "Outing" vor mir selber. Ich gestehe mir zu, dass ich wirklich Hilfe brauche und suche Verständnis, mache nicht alles immer mit mir alleine aus.

Du hast irgendwo geschrieben, dass Du nicht so schlimme Angstprobleme hast. Erinnere ich mich da falsch? Wie äußert sich Deine Angst?

Liebe Grüße

29.11.2007 21:55 • #5


Sönnchen
Hallo Lilly,
es hat jetzt etwas mit der Antwort gedauert, Sorry! Finde aber das Gespräch, dass wir haben sehr schön!
Dein Beitrag hat mich berührt, so dass ich erstmal gar nichts zu schreiben wusste und dann ist es etwas in den Hintergrund geraten!
Also um erstmal deine Frage zu beantworten: Ich glaube ich hatte einfach - trotz allem - viel Glück (oder auch Verstand ) mit meiner Angsterkrankung und nehme an, dass sie auch deswegen recht gut verläuft.
Erstens habe ich einen Mann an meiner Seite, der voll hinter mir steht und mich auffängt, bei dem ich mich immer ausheulen konnte, bei dem ich meine Verzweiflung richtig rauslassen konnte, der mich immer an meine Fortschritte erinnert, mich bei Rückschlägen tröstet.
Und dann habe ich ne super Therapeutin gefunden, bei der ich sofort anfangen konnte und auch gleich tiefenpsychologisch gearbeitet und an Zusammenhängen aus meiner Kindheit gearbeitet. Das erste Mal im Leben habe ich das Gefühl, dass ich auf dieser Ebene Verständnis (und somit irgendwie auch eine Berechtigung der Probleme) bekomme. So bin ich jetzt eigentlich uch schon viel mehr im "Reinen" mit mir selbst, auch wenn es noch viel zu entdecken gibt... Ich bin mir mittlerweile auch sicher, dass ich vorher schon ca. 10 Jahre an einem Reizmagen litt (das hat aber keine Arzt erkannt) und auch einige Jahre eine Esstörung hatte (Essattcken um Gefühle zu betäuben). Als jetzt aber die "Angst" kam, konnte ich die nicht mehr ignorieren und musste etwas machen. (Die anderen Symtome habe ich gar nicht mehr)... also, dass was mit mir "nicht stimmt" war mir irgendwie schon als Kind klar...
Zu dem "aufbäumen":
Meine therapeutin meinte auch mal was zu mir wie "vielleicht muss es ja erst schlimmer werden, dass es besser wird" fällt mir gerade wieder ein... klingt auch eigentlich sehr logisch, was du da gecshrieben hast, dass sich die Angst aufbäumt und so.
Ist schon auch irgendwie bescheuert - und damit meine ich jetzt mehr mich als dich - dass man, obwohl man weiß, was zu tun ist (Gefühle erspüren etc. ) trotzdem nicht danach lebt... da kann ich dich gut verstehen. Ich schiebe das auch noch oft beiseite oder vergesse/verdränge es einfach den Gefühlen nachzugehen... aber ich arbeite dran! Ich hab ja die Hoffnung, dass es irgendwann "normal" wird so auf sich zu achten!
Das mit deiner Trennung tut mir sehr leid. Ich kann gut verstehen, dass das runterzieht... Aber deine Trennungsängste sind bestimmt ja auch eine Riesenqual gewesen! Ich hatte solche Ängste auch - v.a. als die Angststörung los ging. Ich fühlte mich total wertlos und als Belastung. Unterbwusst schon mein ganzes Leben, aber dann richtig verstärkt. Aber irgendwie haben wir da wieder die Kurve bekommen - aber wie gesagt, ich hab auch ein echt geduldiges Exemplar Mann zu Hause der es dann auch irgendwie geschafft hat dass ich ihm jetzt WIRKLICH glaube, dass ich - trotz und wegen allem - seine Traumfrau bin.
Ich finde es auf jeden Fall super, dass du deine Sorgen teilen willst! Ich bin da ja auch ne Kandidatin für"alles allein ausmachen"... aber wir sind ja lernfähig, nä?
LG

07.12.2007 13:13 • #6


Liebes sönnchen,

auch ich finde unseren Austausch sehr schön.

Habe nun einige ganz schlechte Tage hinter mir und verliere wieder meinen roten Faden, verzweifel und weiß nicht weiter.

Dabei hatte ich ein geniales Erlebnis. Montag war es mir hundeelend. Ich hatte total resigniert, sah keinen Sinn mehr. Hatte Therapie, die dementsprechend nicht lief. Ich war zu, blockiert und es war eben "alles aussichtslos". Zum Ende hin sprachen wir etwas bestimmtes an. Nichts spektakuläres. Und als ich so nach Hause fuhr, war in mir auf mal etwas anders. Ich war innerlich so ruhig, so fest, so stabil, sicher, klar. Unbeschreiblich. Und das hielt den ganzen nächsten Tag an. Meine Angst war weg, mein Schwindel auch fast. Wahnsinn!
Und ich wusste nicht wie mir geschieht, weil ich das gar nicht kannte. Ich entwickelte totale Angst vor der Angst. Erst nur langsam, dann immer intensiver. Ich glaube jetzt mit etwas Abstand behaupten zu können, dass ich alles dransetzte, um wieder in den alten Zustand zu verfallen. Ich habe dem Braten nicht getraut und solange daran "gearbeitet" bis sich mein Misstrauen bestätigt hat. Natürlich unbewußt. Oder halbbewußt?

Und inzwischen habe ich mich ganz verloren. Irrsinn! Sehe und weiß nüscht mehr und kämpfe wie ein Löwe gegen Panik an, habe den ganzen Tag Angst und Schwindel in mir.

Dennoch versuche ich mir zu sagen, dass da was Wichtiges passiert ist, dass ich vielleicht doch eine Spur gefunden habe. Verstehst Du? Wieso sollte es mir plötzlich so genial gehen (dachte schon ich sei manisch, schmiedete wieder Pläne, was ich alles machen möchte...)? Vorher war es eine Katastrophe und eigentlich konnte ich dann fast zusehen, wie es im Laufe der Woche wieder in eine solche endete.
Das Absurde ist, dass ich keinen rechten Bezug mehr zu diesen tollen Tagen und der Therapiestunde finde.
Ich verfalle von einem Gefühl ins nächste, bin plötzlich total sauer und wütend, weiß nicht warum, dann wieder tieftraurig, alles begleitet von Angst und Panikanflügen.

Tja, da ist was im Gange. Irgendwie genial und irgendwie auch nicht.

Habe das Gefühl, als könne ich den Weg zu mir nicht finden. Und diese Gefühle, die kommen und gehen, kann ich nicht "hinterfühlen".

Ich hoffe inständig, dass nicht alles nur Einbildung ist. Auch wenn ich jetzt so leide, zeigt es doch, dass da was passiert ist. Ich habe nur Angst, dass es eine "Ausnahme" war.

Gefühle erspüren usw. Ja, dass wir es noch nicht richtig können, hat seinen Grund. Und den gilt es herauszufinden.

Übrigens beglückwünsche ich Dich zu diesem tollen Mann und gebe zu, ich beneide Dich.

Machst Du denn bei der Therapeutin jetzt mehrmals die Woche eine Analyse? Läuft da denn nicht zu viel über den Kopf?

Liebe Grüße
Lilly

09.12.2007 16:17 • #7




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