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Hallo erstmal!

Ich bin neu hier und bin erstmal froh, dieses Forum gefunden zu haben. Ich bin derzeit wirklich verzweifelt und hoffe, dass vielleicht irgendjemand einen Tipp hat...

Ich versuche es mal zusammen zu fassen, aber ich befürchte, es wird etwas zu lang...

Meine Vorgeschichte: Ein Schockerlebnis im Sommer 2005 löste bei mir Panikattacken aus. Damals war ich 20 und habe eine Schule gemacht. Ich hatte keine Ahnung, was da mit meinem Körper passierte, was Panikattacken überhaupt sind und so weiter und hatte das Gefühl, dass ich irgendwie körperlich krank bin oder vielleicht sogar verrückt werde. Aber ich hatte keine Zeit irgendwas zu unternehmen und es war mir auch peinlich, also habe ich weitergemacht. Ich kam dann ein halbes Jahr später auf eine Neurologie, wo man mich auf den Kopf stellte, mir attestierte, dass mir körperlich nichts fehlte (da war ich erstmal froh), mir jede Menge Doxepin gab (ein Mittel, das ich bis heute nehme) und hat mich wieder entlassen. Mit der Diagnose: mittelschwere Depression mit somatoformen Anteilen und Pantikattacken.

Wieder habe ich einfach weitergemacht und es ging so, obwohl es oft schwer war. Ich hatte immer noch keine Ahung, was das alles überhaupt bedeutet und dachte noch lange, dass man bei so einer Panikattacke umkippen beziehungsweise sterben könnte... Dann gab es einen Todesfall in meinem nahen Umfeld, der mich lange runterzog. Aber ich machte immer noch weiter mit meiner schulischen Ausbildung. Irgendwann aber wurde alles zuviel - das war 2008 - und ich brach alles ab und konnte einfach nicht mehr. Ich zog mich zu Hause zurück und alles wurde nur noch schlimmer. Ich konnte nichtmal mehr in den Garten gehen vor Angst, was ich mir dann aber bald wieder angewöhnte. Aber es war dennoch schlimm. Ich konnte für Monate, ja eigentlich Jahre (es ist mir heute noch peinlich) die Straße nicht mehr verlassen, geschweige denn mein Heimatdorf.

2012 kam der Punkt, dass ich es nicht mehr aushielt. Ich hatte bis dorthin oft meine Freunde angeschwindelt und beschönigt - ich hätte einfach viel zu tun und deshalb keine Zeit und ich habe mir selbst vorgemacht, dass es nächste Woche schon wieder besser sein würde. Meine Mutter, mit der ich in einem Haus lebe, war auch verzweifelt und ich lebte jetzt schon seit 2008 von ihr - beziehungsweise, ich wohnte da halt und konnte bei ihr mitessen. Sie hat mir ein Buch geschenkt über Angsterkrankungen. Das war so ein Selbsthilferatgeber und ich wollte den befolgen. Also habe ich - war ganz schlimm für mich - ein paar Autofahrten mit ihr gemacht und mich dann dazu entschlossen, eine Therapie zu suchen.

Diese Verhaltenstherapie begann ich im Oktober 2012, aber sie musste leider schon im November 2012 unterbrechen, weil ich operiert werden musste. Was natürlich der Supergau für mich war. Jahrelang hatte ich mir Krankheiten eingebildet und jetzt, da ich erkannte, dass das alles nur Einbildung gewesen war, sollte ich zum ersten Mal im Leben unter Vollnarkose (der Horror für mich überhaupt) operiert werden. Aber das habe ich, wie man ja sieht, überlebt und irgendwie gab mir das sogar Auftrieb. Nur war die Heilungszeit extrem lange (offene Wundheilung, täglich ein Termin beim Chirurgen zur Wundsäuberung), Monate lag ich auf dem Bauch im Bett und konnte nichts machen. Und dann kam im März 2013 kurz nach der Heilung ein Rezidiv und ich musste nochmal operiert werden und die Heilungszeit dauerte dann bis Juli.
Meine Therapeutin hatte ich davon informiert und sie meinte, dass das alles nicht schlimm wäre und ich jederzeit weitermachen könne, wenn ich wieder fit sei. So geschehen im August 2013.

Aber nun kommen wir an den Knackpunkt. Ich wollte halt so schnell wie möglich raus aus meiner Angsterkrankung. Ich konnte jetzt immerhin wieder meinen Ort verlassen, mit meiner Mutter Auto fahren und Termine einhalten, aber selbst alleine Bus war ich halt jahrelang nicht gefahren und wegen meiner körperlichen Erkrankung konnte ich das halt leider auch nicht üben. Nichts desto trotz hatte ich mich für eine schulische Ausbildung angemeldet und die startete im September 2013. Dazu gehörte auch ein Praktikum, das schon im August begann und das Praktikum, vor dem ich (der ja fünf Jahre so gut wie nirgends gewesen war) solche Angst gehabt hatte, verlief gut. Natürlich waren die acht Stunden am Tag erstmal bisschen hart, aber ich gewöhnte mich recht schnell dran. Ich habe mit Menschen keine Probleme. Aber die Schule, die in der nächsten Stadt liegt, erreichte ich nur einmal mit Ach und Krach (meine erste Busfahrt dorthin überhaupt) alleine und dann wuchs mir alles über den Kopf. Meine alten Versagensängste waren auf Hochtouren und ich brach ab, nachdem der Lehrer sich gemeldet hatte und mir mitteilte, dass für das ganze Schuljahr überhaupt nur 10 Fehltage erlaubt seien und ich hatte da schon 5, als ich im November abbrach.

Daraufhin war ich erstmal down. Ich hatte wieder alles verdorben. Meine Psychologin hatte doch gemeint, ich würde das alles schon schaffen und bis dahin war es in dem Jahr ja auch immer bergauf gegangen. Ich konnte immer mehr, fühlte mich gut, wurde nicht mehr nervös und so weiter. Dann musste ich Hartz IV neu beantragen, aber die schrieben mir, dass mir absolut nichts mehr zustände, weil ich den Termin beim Amtsarzt nicht wahrgenommen hatte und keine Schweigepflichtsentbindung gemacht hatte. Das stimmte so nicht ganz, also legte ich Widerspruch ein und dem wurde erst kurz vor Weihnachten stattgegeben. Mir wurde halt auch mitgeteilt, dass selbst die Krankenkasse nicht mehr übernommen würde und ich war verzweifelt. Ich teilte das meiner Psychologin in einer Email mit, auf die ich nie eine Antwort bekam und ich war einfach so verwirrt in der Zeit, dass ich nicht daran dachte, sie mal anzurufen. Das machte ich erst im Januar und fragte schuldbewusst und vorsichtig, ob ich die Therapie weitermachen könnte. Sie sagte ja, aber sie sei so vollbelegt, dass ich mir keine Termine mehr raussuchen könne (wollte ich gar nicht - nur konnte ich ja nur gefahren werden zu ihr und meine Mutter, die einzige, die mich fahren kann, arbeitet halt auch).

Als ich dann also einen neuen Termin für die Therapie bekam, war ich einfach nur dankbar. Ich hatte die Therapie echt nie unterbrechen wollen. Und als ich dort war und erzählte, was im Herbst passiert war, meinte sie gleich, dass sie sich frage, ob das ambulant noch Sinn mache. Das hat mich total geschockt. Wirklich. Und ich fragte sie, ob wir nicht einfach so weitermachen könnten wie vorher - so richtig war die Therapie ja nie angelaufen, wegen meiner Operationen. Und sie machte den Vorschlag, dass ich jetzt jeden Tag mit dem Bus zu ihr - ihre Praxis liegt in der nächsten Stadt - fahren müsse. Dann soll ich mit ihr in der Mittagspause kurz einen Kaffee trinken und wieder heimfahren. Das war eine echte Herausforderung, aber ich nahm an.

Jetzt muss ich sagen, dass, wenn ich mit dem Bus am Bahnhof ankomme, noch drei Kilometer zu Fuß einen Berg hochlaufen muss, weil ihre Praxis außerhalb liegt und das war ganz schön anstrengend. Mittwoch und Donnerstag letzter Woche waren meine ersten Fahrten. Donnerstags hatte ich zum ersten Mal seit Monaten eine Panikattacke im Bus, ich konnte einfach nicht mehr schlafen und der Fußweg hat mich auch fertig gemacht. Das alles merkte ich aber erst am Wochenende, weshalb ich am Dienstag bei ihr fragte, ob es nicht möglich wäre, für den Anfang erstmall jeden zweiten Tag zu kommen. Weil ich einfach körperlich total untrainiert bin und die Fahrtkosten außerdem momentan auche in bisschen ein Problem für mich sind. Aber sie sagte: NEIN. Und wenn ich dreimal nicht käme, breche sie die Therapie ab. Das hatte ich so nicht erwartet. Ich möchte mir wirklich nichts raussuchen, ich weiß ja, dass ich MUSS. Aber letztes Jahr sagte sie immer wieder, dass mir auch Pausen zustehen würden. Ich musste dann heulen - zum ersten Mal seit ich bei ihr in Therapie bin und das war mir sehr peinlich. Sie hat mir wortlos ein Päckchen Tempos auf den Tisch gelegt und mir gesagt, dass ich von einer Skala von 100 auf 1 stehe und, dass ich fünf Millimeter davon entfernt sei, ein Psycho auf Lebenszeit zu werden. Sie sagte mir, dass die Krankenkasse das mit mir nicht mehr mitmache, mir einen Stempel als Psychisch Kranker aufdrücken würde auf meine Akten und, dass ich den auch nie mehr loswerden würde. Ich könne dann in einer Klinik gehen oder Betreutes Wohnen machen und unmündig werden. Der absolute Horror für mich.

Als ich die Praxis an dem Tag verließ, hatte ich das Gefühl, dass ich mir einen Kopfschuss geben könnte. Aber ich wollte natürlich kein Psycho werden, also sagte ich mir: ich MUSS weitermachen. Ich will das ja auch schaffen. Diese Therapie ist mir wichtig. Also bin ich die ganze Woche hin und, weil sie freitags nicht da ist, habe ich drauf hingearbeitet, dass ich etwas schaffe und dann erstmal mein Wochenende irgendwie genießen werde. Ich wollte am Wochenende ja nicht rumgammeln und mich auf den Busfahrten ausruhen, wirklich nicht. Aber ich wollte einen Gang runterschalten, weil ich totale Rückenschmerzen und Muskelkater habe. Als ich bei ihr in der Praxis rumgeflennt habe, habe ich ihr gesagt, dass es in meiner Vergangenheit so viele Probleme gäbe, die ich einfach nie verarbeitet habe und sie sagte, dass wir darüber am Donnerstag reden würden. Haben wir aber nicht. Sie hat mir einen Plan gemacht, wo ich am Freitag, Samstag und Sonntag hinfahren soll. Ich sagte ihr, dass am Wochenende hier in meinem Kaff keine Busse fahren, aber sie nahm ihren PC und guckte bei Bahn.de und sagte, das stimme nicht. Sie hat das Kleingedruckte nicht beachtet, so steht, dass die Linien, die sie rausgesucht hat, nur an Wochentagen fahren...

Und jetzt geht es mir total beschissen, um ehrlich zu sein. Ich wollte am Freitag dann woanders hinfahren, aber ich stand nur an der Haltestelle und dachte aber wenn ich das erzähle, ist das sowieso nicht gut genug. Ich habe mein Ziel nicht erreicht. Ich denke seit Tagen an nichts anderes als dass ich ein Versager bin und nichts geschafft habe. Ich habe mich in den letzten anderthalb Jahren so bemüht und dachte, dass ich voran gekommen sei. Weil ich mich eigentlich allen Herausforderungen gestellt habe, so gut es ging. Ich habe auch irgendwie wirklich Probleme mit meinem Selbstwertgefühl, aber sie sagte, Selbstwertgefühl kommt nur von Leistung und es sei klar, dass ich das nicht habe, weil ich nichts leiste...

Ich kenne mich mit Therapien nicht aus und weiß nicht, ob das so alles normal ist und ob es das Richtige für mich ist? Ich will doch nicht versagen. Aber anstatt mich auf die Busfahrten zu konzentrieren, denke ich jetzt nur noch wenn du es dreimal nicht schaffst, bist du deine Therapie los und dann ist da gar nichts mehr. Dann war alles umsonst und es geht nirgends mehr weiter.

Sie hatte mir auch gesagt, dass ihr Supervisor sie gefragt hätte, ob sie sich an mir rächen wolle, weil ich mich so lange nicht gemeldet hatte. Ich sagte, dass ich das nicht so empfände, aber ich verstehe auch gar nicht, warum sie sich rächen will? Erstens habe ich ihr ja Bescheid gegeben, warum ich nicht konnte und es war doch wirklich nicht so, dass ich nicht gekommen bin, weil ich nicht wollte. Mir wurde gesagt, dass der Krankenversicherungsschutz wegfalle. Jetzt hat meine Psychologin die Krankenkasse angerufen und gesagt, der Schutz hätte immer bestanden und ich komme mir vor wie eine Lügnerin. Ich habe das Schreiben mit der Verweigerung auf ALLE Leistungen, das ich hatte, mit zu ihr genommen, aber sie hat es sich gar nicht angsehen als ich es ihr vorhielt. Ich glaube, sie denkt vielleicht auch, dass ich die Operationen nur erfunden habe. Dabei machen mir die Narben jetzt noch Probleme...

Ich habe solche Bedenken für morgen. Ich habe jetzt die Tage auch gar nicht abgeschaltet, weil ich immer dachte, ich hätte ja eigentlich was tun müssen. Aber was soll ich machen, wenn diese Busse nicht fahren? Sie will ja auch nicht, dass ich von meiner Mutter gefahren werde...

Ich möchte wirklich nicht in ein Klinik. Ich merke, dass mir persönlich Normalität gut tut. Aber ich kann mit Druck so schlecht umgehen. Momentan sehe ich nur einen Berg vor mir und heule schon seit Tagen...

Was könnte ich machen? Und was soll ich ihr morgen sagen?

23.02.2014 13:08 • 12.03.2014 #1


4 Antworten ↓


A
PS: meine Psychologin weiß glaube ich gar nicht, dass ich auch Depressionen hatte/habe. Ich wollte sie schon so oft darauf ansprechen, dass ich immer noch diese Antidepressiva nehme, die meine Hausärztin verschreibt, aber ich komme nie dazu. Ich muss meistens Sachen erfragen und das ist so viel. Also ich meine, sie lässt mich immer viel reden, aber ich weiß zum Beispiel auch gar nicht, was das jetzt für ein Konzept ist und wie es weitergeht.

23.02.2014 13:10 • #2


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Probleme mit meinem Therapeut

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F
Hallo AccioSev,

habe deinen Beitrag erst jetzt gelesen.
Warst du inzwischen nochmal bei deiner Therapeutin? Also ich finde nicht, dass du ein Versager bist. Du hast guten Willen gezeigt und dann würde ich an deiner Stelle nochmal der Psychologin genau erklären, wie sich das am Wochenende mit den Bussen verhält. Auch von deinen Depressionen reden, obwohl ich nicht denke, dass deine Therapeutin davon nichts weiß.

Wie gehts dir zur Zeit?

Liebe Grüße

27.02.2014 10:08 • #3


G
Meine Meinung: Wenn eine Ansterkrankung aus heiterem Himmel im Alter von 20 Jahren ausbricht, dann hat sie auf jeden Fall eine ernsthafte URSACHE, die man finden müsste.

So etwas einfach mit einer schlichten Verhaltenstherapie therapieren zu wollen, halte ich für extrem blauäugig. Das kann m.E. nicht funktionieren.

02.03.2014 18:34 • #4


A
Hallo!

Tut mir leid, dass ich heute erst antworte - ich war ziemlich beschäftigt mit der Therapie und den täglichen Fahrten.

@Finja - auch im Nachhinein vielen Dank für deine netten Worte. Ich war so unten in diesen Tagen, wo ich die langen Beiträge geschrieben habe, da tut es selbst jetzt noch gut, zu hören, kein Versager zu sein.

Also, ich bin da wieder hin zu ihr, nachdem sonntags, nach einem verzweifelten Wochenende, irgendwie nur noch mehr Wut als Verzweiflung da war und habe mir Luft gemacht. Meine Psychologin war erfreut, dass ich überhaupt wieder gekommen bin. Ich muss immer noch täglich mit dem Bus hin und es ist immer noch oft schwierig (vor allem körperlich, ich bin einfach sooooo unfit geworden, das kann man - vor allem ich selbst nicht - sich nicht vorstellen). Aber irgendwie geht es immer weiter und so möchte ich das auch erstmal beibehalten. Es ist immerhin ein Schritt weiter und ich versuche nicht allzu weit vorauszudenken (obwohl gerade heute wieder neue Probleme dazu gekommen sind). Das mit dem Bus am Wochenende konnte auch geklärt werden. Ich finde, dass sie mich manches Mal doch noch etwas überfordert und damit bin ich nicht ganz zufrieden, aber immerhin wage ich mich jetzt Stop zu sagen und mir Luft zu machen. Ich glaube, das ist auch was, was ich dringend lernen muss.


@GastB - das kann schon sein. Mir wäre was Tiefenpsychologisches irgendwie auch lieber, vor allem, weil ich merke, wie mir die Gesprächsstunden irgendwie mehr bringen als diese Aktionssachen. Andererseits hat ihr hartes Verhalten wohl doch auch was in mir in Gang gesetzt und so arbeite ich an alldem erstmal vorerst so weiter. Ist ja nicht leicht, den Therapeuten zu wechseln und die etwaige Wartezeit von einem halben Jahr - wo ich vielleicht wieder zurück in ein tatenloses Loch falle - traue ich mir auch nicht zu.

12.03.2014 22:06 • #5





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