Ja, ich kenne das leider auch schon so lange, dass es für mich mittlerweile schon normal wurde, ich versuch es bei mir zu akzeptieren.
Zitat von Chingachgook:Grundsätzlich ist eine gewisse Reizoffenheit natürlich sehr anstrengend. Wenn zuviel auf einen einströmt und man sich nicht ausreichend abgrenzen kann, ist schnell Erschöpfung da.
Das ist bei mir glaub ich der Grund. Eine Überempfindlichkeit gegenüber vielen Reizen; das ist aber auch abhängig davon, wie es mir gerade geht. Je schlechter, desto empfindlicher, und wenn es mir grad mal recht gut geht, kann ich auch mehr ertragen.
Wenn ich mich in der Natur bewege oder Natur anschaue, hat das einen sehr beruhigenden Effekt auf mich.
Menschenmassen, hektisch, laut, da bin ich ziemlich schnell reizüberflutet.
Aber z. B. Menschen von einem ruhigen Café aus beobachten, das kann ich stundenlang.
Treffen mit Freunden, Familie oder Bekannten: da kommt es sehr drauf an, wie diejenige Person ist. Es gibt ein paar, die kann ich stundenlang um mich haben ohne dass mich das stresst. Wo man nebeneinander sitzen kann ohne dass irgendwas gefordert oder erwartet wird, wo man einfach zusammen hockt und entspannt plaudert.
Wenn ich merke, ich kann ganz Ich sein ohne irgendwelche Ansprüche erfüllen zu müssen, ich werde voll und ganz akzeptiert, dann ist das gut für mich.
Aber es gibt auch Menschen, die ständig die volle Präsenz des Anderen brauchen, das laugt mich dann schneller aus. Danach brauch ich wieder Abstand.
Zitat von hazyhue:Oder wenn es um die Depression geht, die ich nun schon 16 Jahre mit mir rumschleppe: "geh doch mal mehr spazieren und unter Leute, dann wird das besser!"
Boa da könnte ich echt ausrasten.
Bei leichteren Depressionen kann das ja auch ein bisschen helfen, zumindest kurzfristig. Aber die Leute haben einfach keine Ahnung was eine schwere Depression ist und gehen dann nur von ihren Erfahrungen aus, was sie machen, wenn sie mal einen Durchhänger haben.
Ich bin den Leuten da nicht mehr böse, dass sie es halt irgendwie gut meinen und nur helfen möchten.
Was mich dabei nur nervt ist, dass die Erkrankung dadurch harmloser hingestellt wird als sie ist und ich dadurch falsch eingeschätzt und beurteilt werde; außerdem fühle ich mich dann irgendwie allein mit dem Mist.
Deswegen hilft es mir sehr, wenn ich hier die Berichte von anderen lese, die genau das schreiben, wie es mir auch geht.
Dann weiß ich, dass ich nicht so "verkehrt" bin, sondern "ganz normal depressiv oder angstkrank" oder was auch immer.

Zitat von Chingachgook:Es ist natürlich immer die Frage wieviel Spielraum man hat, sich grundlegend zu ändern. Mancher hängt ein Leben lang fest wie in einem Schacht und kommt da nicht raus.
Manches Leiden ist gekoppelt an ein bewusstes oder unbewusstes Selbstideal, das man nicht aufgeben will.
Wer z. B. immer fair und angemessen reagieren will, die Motivation des anderen verstehen und würdigen möchte, überzieht allzu oft sein Konto.
Sowas kostet Kraft und Energie.Und am Ende fühlt man sich belämmert und erschöpft.
Ich finde es schon legitim, Leuten höflich aber bestimmt zu sagen, wenn sie mich gerade anstrengen oder zutexten.Oder dass ihre Ratschläge immer die gleichen sind und meinem Problem nicht gerecht werden.
Darüber hinaus fand ich es hilfreich, meinen kognitiven Grundumsatz zu verringern, indem ich mich beispielsweise durch Meditation auf ganz Weniges focussiere( etwa die Atmung).
Dann bin ich belastbarer, wenn es wieder mal anstrengend wird.
Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich finde damit triffst Du es sehr gut.
Das Abgrenzen und Bei-sich-bleiben-lernen (auch durch Meditation) ist sehr wichtig und muss ich immer wieder üben.