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Ich werde das Gefühl nicht los, für meine Eltern eine große Enttäuschung zu sein.
In dem Dorf in dem sie leben, vermeiden die beiden es auszugehen, weil sie Angst haben, jemand könnte sie nach mir fragen, was ich so mache und so. Sie schämen sich wohl, weil ich seit 11 Jahren arbeitslos bin und mit meinen 33 Jahren noch nie eine Beziehung hatte.

Meine Mutter stöbert bei jeder Gelegenheit in Facebook, um mir dann bei jeder Gelegenheit zu erzählen, was meine ehemaligen Klassenkameradinnen so aus ihrem Leben gemacht haben, viele sind verheiratet haben Kinder und eine tolle Karriere.
Merkt meine Mutter denn nicht, wie sehr sie mir damit wehtut, und wie es mir nur noch schlechter geht, wenn sie mir solche Geschichten erzählt?

Wenn ich bei ihnen zu Besuch bin, und dort übernachte, höre ich oft, wie sie über mich reden, wenn ich morgens noch im Bett liege und sie denken, ich schlafe noch. Und sie reden meist darüber, dass doch wohl irgendwas mit mir nicht stimmt. Aber sie würden mir das nie ins Gesicht sagen, stattdessen reden sie einfach hinter meinem Rücken über mich.

WEnn ich zu Besuch bin, behandelt meine Mutter mich leider wie ein kleines Kind, sagt SAchen zu mir wie beispielsweise:
"Putz dir die Zähne bevor du schlafen gehst" oder "Wasch dir das Gesicht bevor du dich einremst."
Dann bin ich jedes Mal wütend und traurig, denn ich bin doch kein kleines Kind mehr und weiss alle diese Dinge selbst. Nur weil ich noch nie eine Beziehung hatte, und keine Arbeit hatte, muss man mich doch nicht wie ein Kleinkind behandeln.

Es macht mich sehr traurig, dass ich für meine Eltern so eine Enttäuschung bin, es tut so weh, im Leben versagt zu haben und zu wissen, dass das für sie genauso schmerzlich ist wie für mich.
Mit zwanzig wäre ich einmal beinahe gestorben(nein, kein Selbstmordversuch sondern eine Gefahr in die ich mich leichtfertig begab) und heute frage ich mich oft, ob sie vielleicht glücklicher wären, wenn ich damals wirklich ums Leben gekommen wäre.
Wäre es nicht besser für sie, gar keine Tochter mehr zu haben als eine VErsagertochter?
DAnn würde jeder in dem Dorf sie bedauern, aber keiner würde sich über sie lustig machen wegen ihrer Versagertochter.

Ich bin froh, dass ich noch am Leben bin, allerdings tut es weh, dass meine Eltern leiden, weil ich so eine Versagerin bin und im Leben einfach nichts auf die REihe bekomme.

Damit, dass ich eine schwere soziale PHobie habe, können sie nicht umgehen, für sie existiert diese Krankheit gar nicht, sie sagen einfach nur: "Rede doch einfach mehr und geh auf die Menschen zu", wenn ich ihnen zu erklären versuche, dass das bei einer Phobie nicht möglich ist, dann verstehen sie das leider nicht.

27.09.2013 18:41 • 02.10.2013 x 1 #1


7 Antworten ↓


Julie, mach dich mal bitte von diesem Leistungsdenken der Gesellschaft unabhängiger.
Welche Tugenden schreibst du dir zu? Was macht dich wertvoll? Überlege mal bitte..
Meinst du ein (freies) Tier zerbricht sich den Kopf über seinen Wert, es ist auf der Welt und es lebt. Sieh dir doch einmal eine Meise an und versuche etwas von ihrer Unbeschwertheit zu lernen.
Hast du ein Haustier um das du dich kümmern kannst? Ein kleiner Hund täte dir bestimmt gut.

27.09.2013 18:49 • #2



Enttäuschung für die Eltern

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@Jana

Danke für deinen lieben Post.
Sich von diesem GEdanken unabhängiger zu machen ist ja leider nicht so einfach, weil man ja von fast allen Menschen danach beurteilt wird, was man arbeitet und ob man in einer Beziehung ist.
Du hast schon REcht, in der Tierwelt gibt es solche Leistungsgedanken nicht.
Ein Haustier habe ich leider nicht, ich hätte gerne eine Katze, doch in meiner Einzimmerwohnung ist nicht genug Platz und leider kann ich mir das finanziell auch nicht leisten, das Hartz IV reicht gerade so für mich, da bliebe für Tierfutter nichts übrig.
Meine Eltern haben eine Katze, und zu diesem Tier habe ich eine sehr enge bindung, und es macht mir immer Freude, mit diesem Kater Zeit zu verbringen.
Mir gefällt an Tieren, dass sie einen, im Gegensatz zu Menschen, ohne Vorbehalte lieben.
Wenn ich überlegen soll, was mich wertvoll macht und welche Tugenden ich mir zuschreiben könnte, fällt mir leider nichts ein.

27.09.2013 18:56 • #3


liebe julie,
laste dir die Verantwortung für deine Eltern bitte nicht auf. Ich kann mir auch nciht vorstellen, dass deine Eltern denken du bist eine Versagerin. Ich denke deine Eltern wissen einfach nicht, was sie dir mit ihrem Verhalten antuen.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es für Eltern schwer ist eine psychische Erkrankung zu verstehen. Bei mir betrifft es eigentlich nur meinen Vater. Er behandelt mich auch wie ein kleines Kind und fragt sich immer was nur passiert ist. Warum ich nciht mehr so fröhlich bin wie früher. Dann kommen so Sachen wie: du siehst doch gut aus und hast doch alles. Das schlimmste ist, wenn er mir dann erzählt, dass er nicht schlafen kann, weil es mir schlecht geht und auf der Arbeit ihm schon Fehler passieren oder wenn er in meiner Anwesentheit über mich spricht, als wäre ich nciht dabei. Ich weiß, dass er das nicht böse meint, er kann das einfach nur nicht verstehen. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei deinen Eltern ähnlich ist. Sie sehen dich nur und dein Verhalten aber können sich nicht in dich hineinversetzen.
Vielleicht wäre es ganz gut, wenn sie etwas aufgeklärter wären ( Literatur, Sendungen oder Selbsthilfegruppen für ANgehörige) .
Ich glaube, ich kann in etwa nachempfinden, was du fühlst..ich fühle mich auch oft als Belastung und muss mir dann immer sagen, dass das nciht so ist. Wir sind ja nicht aus Spaß an Aufmerksamkeit erkrankt und wir wollen ja alle an unserem Zustand was ändern! Ich drücke dir die Daumen, dass deine Eltern dir irgendwann das Gefühl des Rückhalts geben, den du verdient hast und brauchst!

lg

27.09.2013 19:12 • #4


Ja, vielleicht sollte Julie ihnen mal Artikel über Sozialphobie ausdrucken und zu lesen geben. Immer mal wieder.. steter Tropfen höhlt den Stein.. oder die dann selbst vorlesen, nicht dass die Artikel nur rumliegen..

27.09.2013 19:39 • #5


Eltern können nicht mit psychischen Erkrankungen umgehen, diese Erfahrung habe ich auch gemacht.

Es heisst dann z.B.:"Du hast doch gar keine nervliche Anspannung!" "Du hast doch keine Probleme!" "Warum hast Du denn Stress?!" usw.

Mein Vater macht sich regelmässig lustig über mich, wenn das Gespräch auf das Thema Frührente kommt (die ich in absehbarer Zeit anstrebe).

Du bist also kein Einzelfall- falls Dich das ein wenig aufmuntern kann...

Vielleicht solltest Du Dich ein wenig distanzieren?
Täte Dir vielleicht besser, als Dir ständig das Gerede hinter Deinem Rücken anzuhören...

Machst Du Therapie?
Wenn ja- mal um Hilfestellung beim Problem Eltern gebeten?
Ich hatte mal `ne Therapeutin, die hat meinem Vater sogar einen ganz tollen Brief geschrieben und ihn darin aufgeklärt und um Verständnis geworben- hat für eine Zeit auch geholfen, aber bei meinem Vater ist Hopfen und Malz verloren, irgendwann hatte er den Brief wahrscheinlich wieder vergessen...
Aber bei Deinen Eltern könnte es doch weiterhelfen?!

Ausserdem möchte ich mich meinem "Vorredner" anschliessen- Du bist ein wertvoller Mensch, wie jeder andere Mensch auch, unabhängig davon, welchen "Wert" oder "Nutzen" er für die Eltern, die Gesellschaft usw. haben mag!

Lass Dich nicht klein machen!
Wehr Dich auch mal!
Mach Dich rar!
Rede Deine Eltern an auf ihre heimlichen Unterredungen- stelle fest, dass Du das hörst und dass es Dich verletzt!

28.09.2013 01:36 • #6


Grüß Dich Julie,


das ein Geschichte ist mir bekannt, bin selbst von meinen Elter nie anerkannt worden, Nie.

Das Problem mit der Arbeit und deinen nicht gehabten Beziehungen ist ein ganz anderes Blatt.
Würde mir aber keine Sorgen da hingehend machen, das kommt und wird schon.

Wie Du ja schon gesagt hast es hängt mit deiner Phobie zusammen....

Die Sache mit dem Bevormunden finde ich auch schrecklich....

Es könnte sein, das deine Eltern sich nach dem kleinen Mädchen sehnen, das Du mal warst....

Auf jeden Fall würde ich das mal ganz offen und direkt an sprechen, das hilft vielleicht.

Ich glaube auch, dass Sie sich nicht für dich schämen, sondern ehre selbst ratlos deswegen sind.
Das ist auch so ein Punkt zu aussprechen.

Sie leiden bestimmt genau wie Du und wenn Du tot bist / wärst dann ist das schlimmer!

Du kannst durchaus Stolz sein und deine Eltern sind es auch, das sie eine Tochter habe die so gesehen " gesund und munter " ist.

Ein Punkt will ich noch ansprechen, wenn es wirklich so ist, dass deine Eltern sich für dich schämen und nicht mehr aus dem Haus gehen, Würde ich an deiner Stelle mal dort ansetzen.

Keiner ist Perfekt, da wir alle Menschen sind und Die Leute die hinter deinem oder Ihrem Rücken tuscheln sollen sich mal an der eigenen Nase packen ! Vor deren Tür oder im Keller liegt auch noch ne Leiche auf die sie Nicht stolz sind !

Selber habe ich schon viel in meinem Leben erreicht auch Ohne die Hilfe meine Familie. Darauf kann ich sehr stolz sein und ich muss mir da nicht vorwerfen...

Denk mal drüber nach.....

VLG

01.10.2013 13:52 • #7


Hallo Julie

dein Beitrag könnte auch von mir stammen. Den Spruch mit dem Zähneputzen kenne ich
Ich finde es auch schwer zu ertragen, wenn man wie ein Kind behandelt wird. Das Schlimme ist, dass ich mich bei meinen Eltern auch gleich wieder wie ein Kind fühle. Mein Selbstwertgefühl ist dann sofort auf null. Wenn ich sage, dass ich nicht wie ein Kind behandelt werden möchte, wird das kaum zur Kenntnis genommen. Wie viele Erwachsene nunmal Kinder behandeln...
Als Teenager wurde mir nie so etwas wie eine Privatsphäre zugebilligt. Während andere Eltern angeklopft haben bevor sie ins Zimmer kamen, kam meine Mutter immer ohne Vorwarnung hereingestürmt, wenn ich telefoniert habe hat sie gelauscht, Briefe an meine Freundinnen habe ich lieber versteckt. Das wäre heute noch so, wenn ich nicht mittlerweile weit weg wohnen würde.
Mit anderen verglichen zu werden oder zu hören wie über einen geredet wird tut auch sehr weh, ich kenne das.

LG

02.10.2013 17:56 • #8




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