App im Playstore
Pfeil rechts
×

Lieber Forenbesucher,

dieses Forum dient dazu, Menschen zu unterstützen und Austausch zu ermöglichen. Wer Hilfe braucht, findet sie hier, und wer helfen möchte, ist willkommen. Moderatoren achten darauf, dass der Umgang respektvoll bleibt. Für eine angenehme Atmosphäre sind verständnisvolle, ermutigende und einfühlsame Beiträge explizit erwünscht. Verletzende oder verurteilende Beiträge sind nicht erlaubt.

6

decemberist

decemberist
Mitglied

Beiträge:
277
Themen:
9
Danke erhalten:
39
Mitglied seit:
Ab wann würdet ihr von Gewalt sprechen?

Wenn die ABSICHT dahinter steckt, zu verletzen? Wenn körperliche Spuren entstehen? Bereits vorher?

Ist es Gewalt wenn Eltern ihre Kinder alle paar Monate ohrfeigen weil sie selbst wütend sind oder um das Kind zu maßregeln?

Ist es Gewalt wenn man ein Kind tage- oder wochenlang abweisend behandelt um es für Fehlverhalten zu bestrafen?

Ist es Gewalt wenn man einem Kind zur Strafe ihm wichtige Dinge (zB das Haustier) wegnimmt?

Oder wenn man es aus famliären Aktivitäten ausschließt?

Wenn man es anschreit?

Wenn man es festhält, in die Ecke drängt, ihm die Luft abdrückt, es kalt abduscht?

Ist das alles schon Gewalt?

10.09.2015 #1


34 Antworten ↓
L

Lianna
Gast

Decemberist,
obwohl das alles bei mir nun 30 Jahre zurückliegt, kam mir beim Lesen deines Berichtes meine eigene Erinnerung an meinen Vater wieder hoch.
Mein Vater war einerseits selber extrem empfindlich und oft sogar weinerlich, wenn ihm außerhalb der Familie ( z.B. von Arbeitskollegen) Unrecht geschah. Er hat sich anscheinend nie getraut, seine Meinung zu verteten, seinen Standpunkt zu verteidigen und Kontra zu geben.

Innerhalb seiner Familie war er das genaue Gegenteil: ein cholerisches Ar., das sich nicht bremsen ließ, wenn es erstmal so richtig in Wut geraten war.

Auf mich hatte er es besonders abgesehen. Meine jüngeren Brüder mussten, soweit ich weiß, weniger leiden.
Mein erstes bewusstes, schlimmes Erlebnis mit ihm hatte ich im Alter von knapp 4 Jahren.
Ich bin mit dem gleichaltrigen Nachbarsjungen mit dem Dreirad rumgefahren. Wir fuhren immer weiter und weiter, bis wir die Orientierung verloren hatten.
Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern. Jedenfalls wurden wir irgendwann von einem Polizeiwagen aufgegabelt und nach Hause gebracht - mein kleiner Freund mit seinem Dreirad, ich ohne.
Mein Vater schnappte mich sobald die Polizisten weg waren, legte mich übers Knie und prügelte mich mit seiner Krücke. (Er hatte zu der Zeit irgendeine Verletzung am Bein. Deshalb die Krücke)

Das war der Einstieg. Danach schlug er immer wieder zu. Meistens geschah das in einem bestimmten Raum in unserem Keller (ich vermute, weil dort unten mein Schreien von den Nachbarn nicht gehört werden konnte und weil er da immer einen Gürtel bereitliegen hatte.)

Einmal hatte ich mich vor lauter Angst in meinem Zimmer eingeschlossen.
Weil ich mich weigerte, ihn in mein Zimmer zu lassen, schlug er mit einem Hammer meine Tür ein und gab mir dann solch einen heftigen Faustschlag ins Gesicht, dass ich stark blutete. Meine ganze Matratze war voller Blut.
Die ganze Sache wurde später als Bagatelle dargestellt. Ich bekam eine neue Matratze (ich hatte damals ein sogenanntes Jugendzimmer, bei dem das Bettzeug tagsüber im Bettkasten verschwand und das Bett zum Sofa umfunktioniert wurde) und durfte niemandem erzählen, was mit der alten Matratze passiert war.

Die Rolle meiner Mutter konnte ich nie so recht einordnen.
Sie hat mich nicht beschützt.
Jedenfalls war es ihr sehr wichtig, dass außerhalb der Familie niemand davon erfuhr.
Auch meine kleinen Brüder haben wenig davon mitbekommen.
Zu ihnen war unser Vater zwar streng und oft ungerecht, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass er mit ihnen in den Keller gegangen ist.


Ich bin mit den Worten: "Du bist ein Versager" und " Ich werde von dir immer nur enttäuscht" aufgewachsen.
Diese Worte habe ich so stark verinnerlicht, dass ich mein Leben lang an mir und meinen Fähigkeiten gezweifelt habe.

Ich habe mein Abitur und eine Buchhändlerausbildung gemacht und bin von Zuhause ausgezogen.
Über das, was mein Vater getan hat, habe ich mit niemandem geredet.

Im Jahr 2000, also viele Jahre später, habe ich mich dann endlich einem sehr guten Freund anvertraut.
Er riet mir, dass ich mit meinen Eltern über die Vergangenheit reden solle, um endlich damit abschließen zu können.
Da ich mit meinem Vater einfach nicht sprechen wollte, suchte ich das Gespräch mit meiner Mutter.
Ihre Reaktion: "Lianna, was bist du gemein. Dein lieber Vater hat nie etwas getan. Wie kannst du soetwas behaupten ... ?"
Damit war für mich klar, dass ein Gespräch sinnlos ist.
Ich begann sogar, an mir und der Glaubwürdigkeit meiner Erinnerungen zu zweifeln.
War das alles etwa nur in meiner Phantasie geschehen?

Wenn ich das Thema bei meinen Brüdern ansprechen wollte, wurde sofort abgeblockt.
Später habe ich erfahren, dass meine Mutter vorsorglich die Familien meiner Brüder gewarnt hat: "Glaubt Lianna kein Wort."

Mein Vater ist vor einigen Jahren gestorben.

Vor etwa einem Jahr rief meine Mutter mich an, um mir vorzujammern, wie einsam und traurig sie ohne meinen Vater sei.
Ich hab sie daraufhin noch mal mit all dem konfrontiert, was mein Vater mir angetan hat.
Und plötzlich hat sie alles zugegeben.

Ich hab so sehr geheult, dass ich kaum noch Luft bekam und das Gespräch beendet.
Seitdem habe ich den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen.

Ich glaube, sie ist ganz froh drum, denn nun steht diese Wahrheit im Raum, von der ja keiner (nicht mal die Familien meiner Brüder) erfahren darf.

06.09.2015 12:11 • x 1 #27


Zum Beitrag im Thema ↓

A


Ab wann ist es Gewalt?

x 3


Hotin

Hotin
Mitglied

Beiträge:
13445
Themen:
8
Danke erhalten:
12579
Mitglied seit:
Hallo decemberist,

lange hat es gedauert. Und nun hast du endlich den Mut gefunden,
hier mal zu erzählen, was Dich seit Jahren so belastet.
Es belastet Dich völlig zu recht. Ich verstehe Dich sehr gut und Du wirst auch von den
anderen hier gut verstanden.
Es ist schon lange Zeit für Dich zu handeln. Immer noch glaube ich, das Dir ein Psychologe am
schnellsten helfen kann.

Zitat:
Mein Verhältnis zu meinem Vater ist kompliziert, weil ich weiß, dass er alles für meine Geschwister und
mich tun würde und dass er uns liebt und immer für uns da ist.


Das sehe ich nicht so. Er hat nicht und er würde auch nicht alles für euch Kinder tun. Vielleicht sagt er euch das.
Wichtig ist aber nie das, was ein Mensch sagt. Wichtig ist immer wie jemand handelt. Hier hat "Luna70" recht,
dass Du Deinem Vater sein Verhalten vorwerfen darfst und musst.
Eltern sind keine Götter. Sie haben mal Recht und mal Unrecht. Dein Vater hat
vermutlich ein heftiges Problem mit sich selbst.

Zitat:
In den letzten Jahren habe ich mir angeeignet, einfach gar nicht mehr zu reagieren. Ich höre weg, gehe
aus dem Zimmer, schlucke alles runter. Ich sehe keinen Sinn darin, zu diskutieren.


Alles verständlich, ich hätte das nicht anders gemacht. Leider gibt es bei diesem Verhalten aber eine
gefährliche Nebenwirkung. Und die spürst Du seit langer Zeit.

Zitat:
Es sind eher die ständigen Missverständnisse und die Kritik, die mich fertig
machen. Ich kann nie gewinnen.


Es sind keine Missverständnisse von der Seite Deines Vaters. Er weiß nicht,
wie man mit Kindern umzugehen hat. Respekt und Rücksicht scheinen Fremdworte für Deinen Vater zu sein.
Diese ständige Kritik, die Du bekommst. Und das Du nie in einem Gespräch mit Deinem Vater gewinnen kannst,
haben genau dahin geführt, wo Du heute stehst.
Du darfst Dich also nicht an falschen Stellen schuldig fühlen und auf keinen Fall selbst verletzen, weil Dein
Vater ein Problem hat.

Zitat:
Bei gemeinsamen Familienaktivitäten läuft es fast immer darauf hinaus dass ich am Ende wieder eins
drüber bekomme ... ich habe auch nach 19 Jahren noch nicht gelernt das zu vermeiden. Immer sage
oder tue ich etwas falsches. Oder ich sage bzw. tue nichts, was genauso falsch ist.


Du siehst Deine Situation sehr klar und richtig. Eine Lösung dafür zu finden, ist nur schwierig.
Du kannst es nicht vermeiden, "das Du eins drüber bekommst".
Falls Du den Mut aufbringst, kannst Du eventuell mal folgendes versuchen.
Du kannst mal sagen. "Vater ich sage Dir meine Meinung dazu nicht. Es war immer alles falsch, was ich gesagt habe.
Selbst wenn ich nichts sage ist es falsch".
Dafür benötigst Du jedoch Mut. Weil Du Deinen Vater mit solch einer Aussage mitten ins Herz triffst.
Und dies hat dann eventuell einen heftigen Wutausbruch zur Folge.
Aber Du beginnst damit mal wieder die Wahrheit zu sagen.
Und wenn Du die Wahrheit sagst, gewinnst Du wieder. Dann muss er nämlich lügen. Weil zugeben wird
er sein schlechtes und falsches Verhalten erst mal nicht.

Schwierig wird es für Dich auch immer bleiben, mit dieser Situation zurecht zu kommen.
Leider kannst Du Deinen Vater nicht erziehen. Dies wird er nicht zulassen.

Schön wäre es, wenn Du Dir überlegst, wie Du ab jetzt anders mit der Situation
und Deinen Eltern umgehst. Fühle Dich nicht immer und an allem schuldig.
Falls Du Ideen und Anregungen brauchst, stelle Deine Fragen hier ein.

Ein schönes Wochenende für Dich

Hotin

05.09.2015 23:20 • #23


Zum Beitrag im Thema ↓


Dragonlady_s
Meinst du die Frage ernst?

DEFINITIV JA!

#2


Hotin
Hallo decemberist,

Zitat:
Ab wann würdet ihr von Gewalt sprechen?


Das ist schwer eindeutig zu beantworten. Grundsätzlich ist alles das als Gewalt zu bezeichnen,
was einem Menschen einen körperlichen oder psychischen Schaden zufügt.

Du möchtest mit Deiner Frage aber doch etwas anderes wissen.
Wen beschuldigst Du, Dir geschadet zu haben. Kannst du das genauer beschreiben?

Nur wenn Du Deine Fragen noch genauer, präziser stellst, kannst Du gute Antworten bekommen.

Viele Grüße

Hotin

#3


decemberist
Ich habe vor einigen Tagen mit einer Freundin über meinen Vater gesprochen und ihr Szenen aus meiner Kindheit/Jugend beschrieben.
Für sie ist es Gewalt, für mich weitesgehend nachvolziehbare Stressreaktionen, die für mich zwar nicht toll waren, die ich meinem Vater aber auch nicht zum Vorwurf machen kann.

#4


ichbinMel
Zitat von decemberist:
Ab wann würdet ihr von Gewalt sprechen?

Wenn die ABSICHT dahinter steckt, zu verletzen? Wenn körperliche Spuren entstehen? Bereits vorher?

Ist es Gewalt wenn Eltern ihre Kinder alle paar Monate ohrfeigen weil sie selbst wütend sind oder um das Kind zu maßregeln?

Ist es Gewalt wenn man ein Kind tage- oder wochenlang abweisend behandelt um es für Fehlverhalten zu bestrafen?

Ist es Gewalt wenn man einem Kind zur Strafe ihm wichtige Dinge (zB das Haustier) wegnimmt?

Oder wenn man es aus famliären Aktivitäten ausschließt?

Wenn man es anschreit?

da sind Sachen dabei das ist schon Mißhandlung ---ganz schlimm sowas .
Wenn man es festhält, in die Ecke drängt, ihm die Luft abdrückt, es kalt abduscht?

Ist das alles schon Gewalt?

#5


ichbinMel
Gewalt --seelische grausamkeit ...Misshandlung ...so würde ich es nennen -es ist unfassbar ich kann nicht verstehen das man ein Kind -überhaupt jemanden so behandelt...Wochenlang nicht richtig beachten -mir dreht sich der Magen um und du machst Deinem Vater nicht mal einen Vorwurf ? Wieso nicht ?

#6


Hotin
Hallo decemberist,

Zitat:
Ich habe vor einigen Tagen mit einer Freundin über meinen Vater gesprochen und ihr Szenen aus
meiner Kindheit/Jugend beschrieben.

Das ist gut, das Du mal mit jemandem über dieses Thema gesprochen hast.

Aus Deinen Gesprächen weiß ich ja, das Dein Verhältnis zu Deinem Vater nicht so gut ist. Es kann schon sein,
das es viel damit zu tun hat, das Dein Vater kein einfühlsamer Mensch war und ist. Vielleicht war er mit
Dir und Deiner Art auch überfordert.
Die Vergangenheit und Deine Kindheit sind eine wichtige Grundlage für Dich.
Du hast eine Menge aus dieser Zeit noch nicht verarbeitet.

Was aus dem Verhältnis zu Deinem Vater kannst Du immer noch nicht verstehen?
Was würdest Du Dir von Deinem Vater besonders wünschen?

Ich meine, es ist jetzt nicht die Zeit Schuld zu verteilen oder abzurechnen.
Es geht um Dein Selbstbewusstsein und Deine Zufriedenheit.
Und darum, das Du ehrlich wieder bereit bist zu sagen, was du fühlst und wie Du zu Deinem Vater stehst.
Was spürst Du besonders wenn Du an Deinen Vater denkst oder von ihm sprichst?

Viele Grüße

Hotin

#7


Luna70
Zitat von decemberist:
Für sie ist es Gewalt, für mich weitesgehend nachvolziehbare Stressreaktionen, die für mich zwar nicht toll waren, die ich meinem Vater aber auch nicht zum Vorwurf machen kann.


Doch, natürlich kannst du ihm das zum Vorwurf machen. Ob Stress oder nicht es ist und bleibt Gewalt. Aus meiner Sicht sind alle Situationen die du geschildert hast Gewalt.

#8


decemberist
Ich denke dass ich meinem Vater deshalb keinen Vorwurf machen kann weil viele dieser Dinge darauf beruhten dass er unter extremen Stress stand und dass wir uns in unseren Persönlichkeiten so unähnlich sind dass er mich einfach nie verstehen konnte und mein Verhalten immer falsch interpretiert hat und deshalb wütend wurde. Ich habe es für ihn nicht leichter gemacht indem ich mich geweigert habe in seinen Augen alltägliche und einfache Dinge zu tun, und er konnte nicht verstehen dass ich das nicht aus Sturheit getan habe sondern weil ich eine panische Angst vor diesen Dingen hatte. Deshalb hat er manchmal überreagiert.

Mein Verhältnis zu meinem Vater ist kompliziert, weil ich weiß, dass er alles für meine Geschwister und mich tun würde und dass er uns liebt und immer für uns da ist. Andererseits ist er aber auch der Grund warum ich mein ganzes Leben lang Angst gehabt habe und mich abgelehnt und wertlos gefühlt habe.

Ich kann ihm keine Vorwürfe machen weil ich weiß dass er nie die Absicht hatte mich zu verletzen. Und weil die negativen Dinge nicht die positiven aufwiegen, die er getan hat.

Aber ich weiß auch wie ich mich immer gefühlt habe und teilweise auch heute noch fühle.

Ich glaube auch nicht dass mein Vater noch an diese Dinge denkt. Nur mich verfolgen sie immer noch.

#9


M
Zitat von decemberist:
Ab wann würdet ihr von Gewalt sprechen?

Wenn die ABSICHT dahinter steckt, zu verletzen? Wenn körperliche Spuren entstehen? Bereits vorher?

Ist es Gewalt wenn Eltern ihre Kinder alle paar Monate ohrfeigen weil sie selbst wütend sind oder um das Kind zu maßregeln?

Ist es Gewalt wenn man ein Kind tage- oder wochenlang abweisend behandelt um es für Fehlverhalten zu bestrafen?

Ist es Gewalt wenn man einem Kind zur Strafe ihm wichtige Dinge (zB das Haustier) wegnimmt?

Oder wenn man es aus famliären Aktivitäten ausschließt?

Wenn man es anschreit?

Wenn man es festhält, in die Ecke drängt, ihm die Luft abdrückt, es kalt abduscht?

Ist das alles schon Gewalt?


Ist jedenfalls nicht ok und geht in Richtung Gewalt/Terror. Bei mir war es aber wesentlich ärger. Das ist hier aber dein thread. Wink

#10


decemberist
Zitat von MathiasT:
Bei mir war es aber wesentlich ärger.


Ein weiterer Grund warum ich denke ich darf mich deswegen nicht schlecht fühlen.

x 1 #11


M
Dürfen darfst du schon, musst aber nicht. Das entscheidest du. Smile

#12


M
Wie wäre es, wenn du deinen Vater mal kalt abduscht, oder die Luft wegnimmst? Meinst du mag er das? Versteht er das?

#13


Icefalki
egal was es ist, körperlich oder psychisch, es ist der Dreh- und Angelpunkt für deine Probleme.

Du hast, die Ablehnung deutlich gespürt. Und da sich Kinder ein Leben lang nach der Anerkennung und Liebe der Eltern sehnen, wird man innerlich zerrissen, wenn sie einfach nicht erlebt wird.

Dass man auch selbst Fehler macht, oder gemacht hat, weiß man. Trotzdem möchte man so dringend um seiner selbst geliebt werden, und es funktioniert einfach nicht.

Vordergründige "Hilfen", man ist selbstverständlich für die Kinder da, man "liebt" sie ja, Warum spürst du das nicht?

Diese Liebe muss gespürt werden und nicht nur gesagt. Das ist der Unterschied.

Und in einer intakten Eltern-Kind Beziehung wissen die Eltern, dass was nicht stimmt und ich schwöre dir, ich als Mutter hätte das schon längst erkannt und mit dir gesprochen und mit meinem Mann.

Ihr lebt an einander vorbei. Der schwierige Sohn, der harte Vater. Ich vermisse immer die Mutter in deinen Beschreibungen, welche Rolle hat sie in der Familie?

Dein Problem ist die verzweifelte Suche nach der Anerkennung deines Vaters. Die, so wie du ihn beschreibst, nicht erfolgen wird, da du den Ideal nicht entsprichst. Dadurch ist es dir auch nicht möglich, deine Probleme mit ihm zu besprechen, oder klären, da eine psychische Krankheit noch mehr enttäuschend für deinen Vater wäre.

Deine gefürchtete Ablehnung würde noch mehr Nahrung bekommen.

Tja, das sind die Themen in einer Therapie. Wie kann ich dieses Seelenchaos verändern?

Kann ich beginnen, unabhängig von der Anerkennung meines Vater, mich selbst zu mögen?

Kann ich mir erlauben, meinen eigenen Weg zu gehen? Und wie sieht er aus?

Wäre ich in der Lage, meine Gefühle und Verletzungen deutlich gegenüber der Eltern zu artikulieren? Und was wäre dann?

Du hast nach Gewalt gefragt. Die Gewalt ist immens, hat sie deine Seele doch so maßlos verletzt.

#14


Luna70
Zitat von decemberist:
Ein weiterer Grund warum ich denke ich darf mich deswegen nicht schlecht fühlen.


Doch, das darfst du. Natürlich gibt es Kinder, die es noch schlechter hatten. Das heißt aber doch nicht, dass du dich deshalb nicht trotzdem schlecht fühlen darfst. Oder anders gesagt: deine Kindheit ist der Schlüssel zu deinen Problemen.

Ich habe auch zwei Kinder, eines davon ist ungefähr so alt wie du, eines wird demnächst volljährig. Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde ich hätte als Mutter immer alles richtig gemacht. Meine Kinder haben mich manchmal auch an meine Grenzen gebracht und im schlimmsten Stress habe ich auch mal gebrüllt. Das habe ich immer bereut und mich immer entschuldigt. Das passiert vermutlich den meisten Eltern mal.

Aber das geliebte Haustier entziehen, kalt abduschen, die Luft abdrücken, Ohrfeigen, das sind ganz klar Übergriffe. Und das kann man auch nicht alles mit akutem Stress entschuldigen.

Und das was Icefalki dich gefragt hat, habe ich mich genauso auch gefragt: warum hat deine Mutter da nicht eingegriffen? Ich weiß, du liebst deine Mutter sehr und du siehst das Problem eher bei deinem Vater, aber ich glaube, das stimmt so nicht ganz. Eine Mutter sollte ihr Kind schützen und sich notfalls auch gegen einen zu strengen Vater durchsetzen. Ist jedenfalls meine Meinung und im Zweifelsfall habe ich die Auseinandersetzung mit meinem Mann auch nicht gescheut, wenn ich anderer Meinung über eine Erziehungsfrage war.

Quäle dich doch nicht mit der Frage, ob du überhaupt dazu "berechtigt" bist, ein Problem zu haben und glaube uns endlich mal, dass du an deinen Problemen arbeiten kannst.

#15


decemberist
Es ist ja nicht so als ob das täglich gewesen wäre. Das sind größtenteils einzelne Erinnerungen. Die ich aber eben nicht aus dem Kopf bekomme. Mein Vater ist mir gegenüber ein paar Mal handgreiflich geworden, nicht regelmäßig. Ich kann mich an vielleicht zehn Situationen erinnern, in denen sowas passiert ist.

Ich weiß nicht ob meine Mutter überhaupt von diesen Dingen weiß. Ich habe es ihr jedenfalls nicht gesagt. Sie weiß dass mein Vater und ich oft aneinandergeraten und sie hat auch in der Vergangenheit oft versucht, zwischen uns zu vermitteln. Das hat aber auch nicht immer funktioniert.

In den letzten Jahren habe ich mir angeeignet, einfach gar nicht mehr zu reagieren. Ich höre weg, gehe aus dem Zimmer, schlucke alles runter. Ich sehe keinen Sinn darin, zu diskutieren.

#16


M
Ach Gott, das war bei mir ähnlich. Nur aus 10 mach 100.
Schau, dass du von dem weg kommst. Ein Irrer.

#17

Mitglied werden - kostenlos & anonym

Icefalki
Wie gesagt, es wird Nummer 1 deiner Therapie. Selbstliebe, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein, Gefühle überhaupt haben, negative wie positive, die bewusst einordnen, usw. usw.

#18


decemberist
Es sind eher die ständigen Missverständnisse und die Kritik, die mich fertigmachen. Ich kann nie gewinnen.

In vielen Situationen geht es mir immerhin so dass ich mich noch in meinen Vater hineinversetzen und nachvollziehen kann warum das, was ich tue, jetzt aus seiner subjektiven Sicht falsch ist ... in manchen Situationen funktioniert das nicht und ich frage mich noch Jahre später was an meinem Verhalten diesmal nicht gestimmt hat.

So eine Situation war zB als ich letztes Jahr von zuhause ausgezogen bin und meine Mutter hat mir so einen Stadtplaner geschenkt, mit Infos zur Stadt und Empfehlungen etc. Ich saß abends mit dem Buch im Wohnzimmer und habe darin geblättert und erzählt was da drin steht ... und es gab ein Kapitel in dem der Dialekt der Stadt behandelt wurde. Und bei einem Wort dachte ich laut nach "Ich frage mich warum das dort so heißt". Das war eine für mich ganz harmlose Aussage aber der Reaktion meines Vaters nach nicht ... Er hat das Gesicht in den Händen vergraben, genervt aufgestöhnt und gefragt ob ich nicht einfach einmal etwas so hinnehmen könne. Ich hab dann zwei Tage lang von mir aus gar nichts mehr gesagt. Weil für mich wieder klar war, was ich sage ist immer falsch.

Bei gemeinsame Familienaktivitäten läuft es fast immer darauf hinaus dass ich am Ende wieder eins drüber bekomme ... ich habe auch nach 19 Jahren noch nicht gelernt das zu vermeiden. Immer sage oder tue ich etwas falsches. Oder ich sage bzw. tue nichts, was genauso falsch ist.

Einmal haben wir einen gemeinsame Spieleabend gemacht und meine Schwester hatt so kleine Muffins gemacht. Ich habe den Fehler gemacht mir noch einen dritten zu nehmen nachdem ich bereits zwei gegessen hatte. Mein Vater hat mir vorgeworfen gierig zu sein und immer nur an mich zu denken. Zurücklegen durfte ich den Muffin nicht weil ich ihn schon angefasst hatte. Er hat mich so lange demonstrativ angeschaut bis ich ihn gegessen habe. Die Muffins habe ich später ausgekotzt.

Einmal sollte ich vormittags auf einen Techniker warten. Und mir war nicht klar dass ich diesen nach den Kosten hätte fragen sollen. Dafür hat mein Vater mich so dermaßen zur Sau gemacht dass ich angefangen habe zu heulen. Das sollte einem in dem Alter nicht passieren.

Einmal rief meine Mutter vom Einkaufen an und bat meinen Vater mich zu fragen was ich essen wolle. Und ich sagte, es sei mir egal. Ich meinte damit einfach dass ich nichts Bestimmtes brauche, dass ich einfach esse was da ist. Mein Vater hat mich wegen dieser Aussage minutenlang angebrüllt ob ich erwarten würde dass immer alles nach mir geht und ob ich denke dass meine Mutter sich jetzt noch Gedanken machen und extra für mich in die Küche stellen würde. Gegessen habe ich an dem Tag danach gar nichts mehr.

Ich kann mir tausendmal sagen dass es nicht so schlimm ist und dass ich mich darüber nicht aufzuregen brauche, es hilft nicht.
Ich kann bis heute nicht mit solchen Situationen umgehen und richte immer alles gegen mich selbst.

x 2 #19


Icefalki
Vielleicht trägt dein Vater narzisstische Züge? Google das mal. Narzisstische Persönlichkeit.

#20


A


x 4


Pfeil rechts



App im Playstore