Zitat von sumisu:wow der letzte link ist echt... ähm... naja....
Jaaa, gewöhnungsbedürftig. Ich hab auch erst gedacht: "Okay.. wegklicken? Naja, ich geb ihm mal eine Chance." Und am Ende war's doch ein sehr gutes Video, finde ich.
Nach dem, was du jetzt geschrieben hast, ist es kein Wunder, dass du dich nicht traust, Gefühle zu zeigen. So viele negative Erfahrungen und Rückmeldungen.. das muss sehr weh tun. Anscheinend warst du die ganze Zeit über ziemlich cool nach außen hin und sehr beherrscht - und dann tut man sich sehr sehr schwer, mit diesem Image aufzuräumen. Kenn ich auch. Ich hab bis zum Tod meines Vaters auch nie vor Anderen weinen oder mich ehrlich freuen können. Aber als mein Papa gestorben ist, ging es einfach nicht mehr. Das war zu viel. Die ganze Wut und Trauer und Angst wollten aus jeder Pore raus, ich war quasi bis oben hin voll damit - und dann kam das hoch, einfach so. Ich, die beherrschte Bianca, hab vor der Familie andauernd geheult. Ich, die beherrschte Bianca, hab in der Schule einfach so in Bio oder Geschichte zu zittern und zu schluchzen begonnen. Ich, die beherrschte Bianca, hab mich Freunden und Freundinnen an den Hals geworfen in der Pause, weil ich einfach nicht mehr konnte. Das war mir sehr peinlich am Anfang, sehr unangenehm. Ich war das nicht gewohnt, und Andere waren das auch nicht gewohnt. Wie bei dir reagierten Manche mit Rückzug und Ignorieren. Aber Andere haben mich aufgefangen und gestützt, und das tat mir sehr gut.
Im Endeffekt musste echt erst was ganz Schlimmes passieren, damit ich lernen konnte, dass Weinen okay ist. Eigentlich tragisch, ebenso tragisch wie die Tatsache, dass ich mich am Klo versteckt hab, um zu weinen. Ich meine, was ist das für eine Gesellschaft, in der man das Gefühl hat, seine Emotionen heimlich ausleben zu müssen? Irgendwie krank. Ich weiß nicht, ob ich es jemals gelernt hätte, wenn nicht mein Papa gestorben und der Drück einfach zu massiv geworden wäre. Vielleicht hätte ich's nie gelernt.
Aber heute, wenn ich mich dabei ertappe, dass ich z.B. im Zug nicht weinen will vor den fremden Leuten, stell ich mir die Emotionen wie Dampf vor, der in mir drin brodelt, und bevor der Kessel explodiert -also ich- lass ich den Dampf lieber ab. Dazu gehört Weinen, sich richtig freuen und Andere umarmen, aber auch mal Wut ablassen. Und dadurch ist mein "Innendruck" immer relativ konstant, und mir geht's besser als vorher.
Vermutlich hilft dir das aber nicht viel, und mit dem Thema hat's schon gleich gar nichts mehr zu tun.
Aber ich würde an deiner Stelle versuchen, Emotionen auch mal raus zu lassen. Vielleicht hilft dir das Kessel-Bild ja ein wenig. Oder einfach der Gedanke, dass DU es bist, der mit den verkapten Gefühlen leben muss. Irgendwie muss man ja auch seine innere Mitte finden. Und das kann nicht gelingen, wenn man sich nach fremden, falschen Idealen von scheinbarer Stärke und Gefühlsarmut orientiert. Das kann nur gelingen, wenn man man selbst ist. Und dazu gehören eben auch die Emotionen.
Liebe Grüße,
Bianca