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Hallo,

Ich bin mein Leben lang ein Außenseiter gewesen, hatte nie Freunde. Schon als ich klein war mußte
meine Mutter die Kinder zum spielen zu mir rein holen. In der Schule gab es befristete
Notgemeinschaften mit anderen die auch keiner haben wollte. Danach praktisch gar keine
Kontakte mehr. Ich habe mich völlig auf meine Familie fixiert.
Habe immer zuhause gelebt. Bin trotz meiner 49 Jahre nie selbstständig und erwachsen geworden.
Vor 8 Jahren ist meine Mutter gestorben. Solange sie lebte hatte ich jemanden zum reden,
für Unternehmungen,Reisen,Essen gehen. Wir waren uns genug. Da habe ich die Welt und die
Menschen nicht gebraucht. Meine Mutter war meine Welt.
Die einzigen Angehörigen die ich noch habe, Schwester und Nichte, leben in Spanien.
Bis letztes Jahr haben sie mich regelmäßig besucht, gab es tägliche lange Telefonate.
Dann hatte meine Schwester eine OP am Kopf und ist seit dem behindert.
Sie kann nicht mehr telefonieren, Besuch gibt es keinen mehr. Der Kontakt ist mit der Zeit
praktisch ganz abgerissen. Außer meiner Therapeutin und meiner Putzfrau habe ich keine
Kontakte mehr. Suche verzweifelt jemand dem ich die Ersatzmamarolle überstülpen, der den
Platz meiner Mutter in meinem Leben einnehmen könnte.
Natürlich erfolglos. Mit meinem Klammern treibe ich jeden in die Flucht.
Niemand will mit einem Egoisten wie mir der in anderen nur die Aufmerksamkeitsgeber sieht die
man für seine Zwecke ausnutzen kann zu tun haben. Was ich ja durchaus verstehe, seufz.
Ich bin ehrlich, mache mich nicht besser als ich bin. Mit meiner Art ziehe ich mir Wut und Hass
meiner Mitmenschen zu. Die Einsamkeit die wird wohl Teil meines restlichen Lebens sein.
Der Text ist ziemlich lang geworden, sorry. Danke für die Geduld derer die's gelesen haben.

LG cats

31.08.2015 09:53 • 20.09.2015 #1


Hi du!

Warum bist du denn in Therapie?

31.08.2015 10:03 • #2



Alleinsein=Einsamkeit

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Abhängige Persönlichkeitsstörung,Depression,Alk..
Letztes Jahr war ich zur Entgiftung im Krankenhaus und seit dem
gibt es zumindestens längere trockene Phasen.

31.08.2015 11:15 • x 1 #3


Dann hast du doch auch schon einiges mitmachen müssen. Es ist aber super, dass du was gegen den Alk unternimmst. Denn der ist keine Hilfe, sondern macht alles noch schlimmer.

Gegen die Einsamkeit kann man aber dennoch was machen. Möchtest du dich nicht mal unter Leute mischen und zum Beispiel eine Wanderung mitmachen? Was sind denn so deine Interessen?

31.08.2015 11:49 • #4


Den Alk. habe ich durch Gummibärchen ersetzt. Die machen nur fett aber nicht abhängig.
Das ist das kleinere Übel.
Interessen,hmm, das ist eine gute Frage.
Echte Interessen habe ich nicht. Kopiere immer den Menschen den ich gerade anhimmele.
Als ich im Tierheim geholfen habe war's Tierschutz. Jetzt, wo ich meine Therapeutin anschwärme,
Psychologie und Esoterik.
Mein Horizont ist sehr begrenzt. Außer über mich und meine Probleme, meine Katzen und mein
aktuelles Lieblingsthema früher nur Reiten und Pferde, dann nur Circus und heute Esoterik
kann ich über nichts reden.
Wenn die anderen nicht auf mich eingehen, mich immer wieder geduldig aus meinem Schneckenhaus
locken sage ich gar nichts.
Menschen machen mir Angst. Ich ertrage Nähe nur sehr schlecht, Berührung gar nicht und
Blickkontakt fällt mir ziemlich schwer.
Bin sehr mißtrauisch und erwarte nichts Gutes von anderen Menschen.
Seit der Schulzeit habe ich außer zu meiner Familie nur zu 3 wesentlich älteren Frauen die für
mich eher Ersatzmamas waren Kontakt gehabt.
Wirklich sicher fühle ich mich außer in meinem zuhause wo kein Fremder reinkommt und in der
Therapie eigentlich nirgends.

31.08.2015 13:09 • #5


Verstehe dich sehr gut. Das ist bei mir meistens auch so.

Und kennst du eigentlich auch den Grund, warum es so ist, wie es ist? Ich meine die Ursache.
Hattest du einen gewalttätigen Vater, oder wurdest stark behütet? Ok, das ist sehr persönlich.
Antworte einfach nur, wenn du willst. sry

31.08.2015 13:15 • #6


Hallo cats49,

mein erster Gedanke beim Durchlesen war folgender: Du hast jetzt die Chance erwachsen zu werden und dich um deine Schwester zu kümmern.

Das war ein Gedanke und den muss ich einfach an dich weitergeben.

Zum Thema Alk. gibt es die anonymen Alk. - auch in deiner Nähe. Versuchs mal

Ich glaube an Dich
liebe Grüße
Lydia

31.08.2015 13:28 • #7


@ MathiasT

Meine Schwester ist 17 Jahre älter als ich. Ich bin materiell maßlos verwöhnt und überbehütet worden.
Sollte ja zufrieden sein, nie von zuhause weggehen und meine Eltern alleine lassen.
Das bequeme, finanziell abgesicherte Leben gab es nur gegen Unterordnung.
Meine Mutter war wahrscheinlich eine Narzisstin, sehr dominant und bestimmend.
Unsere Störungen sie die Narzisstin, ich die Co-Narzisstin mit abhängiger Persönlichkeitsstörung haben
perfekt ineinander gegriffen. Ich habe sie angehimmelt. Sie hatte in mir jemand den sie verachten,
auf dessen Kosten sie sich erhöhen konnte.
Mein Vater war ein schwacher Mann voller Minderwertigkeitskomplexe der gemeint hat Stärke besteht
darin jeden Widerspruch, jede andere Meinung niederzubrüllen.

@ Lydia1959

Erwachsen werden müssen das ist mein schlimmster Alptraum. Ich habe nie gelernt selbst zu denken.
mir ist alles abgenommen, alles mühelos auf dem Silbertablett serviert worden.
Seit 1 Jahr bin ich ganz auf mich allein gestellt muß mich irgendwie durchwursteln was mich oft
überfordert. Es geht, muß ja.Wünsche mir mein altes Leben, die Sicherheit, zurück.
Würde alles dafür geben wenn ich wieder eine Mama hätte die für mich sorgt.
Meine Angehörigen leben in Spanien. Dahin werde ich ganz sicher nicht ziehen.
Ich habe meinen Anteil in punkto Pflege bei meiner Mutter abgeleistet.
War in ihren letzten Monaten rund um die Uhr da.
Gezwungenermaßen, nicht weil ich das wollte.
Bei meiner Schwester ist jetzt meine Nichte dran. Ich habe meine Rechnung beglichen.
Jetzt zahlt sie den Preis für's angenehme Leben bei Mama.
Irgendwann ist Zahltag. So ist es immer.
Bei den Anonymen Alk. war ich mal eine zeitlang. Deren Gott und Glaubesschiene und
die sehr strengen Regeln sind nicht mein Fall. Ich habe es 1 1/2 Jahre lang versucht,wirklich.
Da passe ich nicht hin.

31.08.2015 13:59 • x 1 #8


Danke für deine Antwort, Cats. So ähnlich wars bei mir auch.

31.08.2015 14:01 • #9


Warum erkenne ich es nie rechtzeitig wenn ich zuviel rede und anderen auf die Nerven gehe ?
Mein Verlangen nach Aufmerksamkeit, danach mich mitzuteilen geht mit mir durch.
Im Yogakurs schaffe ich es inzwischen mich zu bremsen, nichts zu sagen.
Natürlich gefällt es mir nicht das die anderen dort kein Interesse an mir haben aber es ist halt so.
Mich in den Foren nicht aufzudrängen, nicht soviel zu quasseln daran muß ich noch arbeiten.
Reden, erzählen können,jemanden haben der mir zuhört das fehlt mir.
Das ist der Punkt am Alleinsein an den ich mich wahrscheinlich nie gewöhnen werde.

19.09.2015 17:17 • #10


Vergissmeinicht
Liebe Cats.

Nun, im Yogakurs ist es vielleicht ein wenig umpassend, aber hier im Forum kannst Du Dich jederzeit und überall einbringen. Versuche halt erstmal diesen Weg zu gehen. Hier gehst Du niemandem auf die Nerven. Nur zu, schreib was Dich bedrückt.

19.09.2015 17:22 • #11


Durch meine Isolation habe ich wenig Erfahrung im Umgang mit Menschen.
Mein Mitteilungsbedürfnis ist nicht meinem Alter angemessen, mein
Aufmerksamkeitsbedürfnis total übersteigert und ich bin zu egoistisch.
Sobald ich dann langsam anfange mich irgendwo sicher zu fühlen
rede ich zuviel. Übersehe die Signale das die anderen genervt und
gelangweilt sind von mir.
Ich habe so selten Gelegenheit zu reden das ich dann einfach nicht
bremsen kann.
Im Bereich zwischenmenschliche Kontakte und Kommunikation bin ich ein
Totalversager.

19.09.2015 18:00 • #12


Vergissmeinicht
Liebe Cats,

hast Du nie gearbeitet, nie eine Beziehung geführt? Ich würde mir einiges an Literatur besorgen @ Selbstbewusstein.

Wenn Du nicht arbeiten gehen musst gibt es viele ehrenamtliche Stellen. Die Tafel ist z.B. eine von ihnen. Sie brauchen jede Hand und die Bedürftigen freuen sich und so ergeben sich dann auch ein wenig Kontakte.

Hm, was meinst Du, was traust Du Dir zu, worauf hättest Du Lust?

19.09.2015 18:18 • #13


Hallo Vergissmeinicht,

ich bin seit fast 16 Jahren raus aus dem Beruf. Gerade habe ich gesehen das
Einsamkeit & Alleinsein ein Partnerschaft & Liebe Forum ist.
Wer lesen kann ist klar im Vorteil.
Bin zwar einsam aber dann hier wohl doch eher fehl am Platz.
Eine Beziehung hatte ich nie und strebe auch keine an.
Auch wenn ich äußerlich mit fast 50 erwachsen bin ist mein Seelenleben
eher das eines kleinen Kindes das eine Ersatzmama sucht.
Meine Psyche hat eine Menge Baustellen. Bin seit 2 1/2 Jahren in Therapie.
Ich habe mal eine zeitlang ehrenamtlich im Tierheim geholfen.
Tiere liegen mir eher. Menschen machen mir zuviel Angst.
Die Tierheimgeschichte ist ziemlich übel geendet weil ich bei allem was ich
tue eigentlich immer nach der Ersatzmama die mich beschützen und
versorgen soll suche.
Der Grund für meine Einsamkeit. Meine besitzergreifende Klammeraffenmentalität
hält niemand lange aus.
Die Balance zwischen Nähe und Distanz die beherrsche ich nicht.
Entweder totale Distanz oder ich fresse den anderen mit Haut und Haaren,seufz.

19.09.2015 18:40 • #14


Vergissmeinicht
Hallo Cats,

puh schwierig. Inwieweit konnten Dir denn bislang die 2 1/2 Jahre Therapie helfen?

19.09.2015 18:53 • #15


Hallo Vergissmeinicht,

Ich möchte glauben das die Dinge in Bewegung gekommen sind und es jetzt
endlich Fortschritte gibt. Oft denke ich ich bin ein hoffnungsloser Fall
und in den 2 1/2 Jahren hat sich außer das ich mich und meine Probleme
gut reflektieren kann und meine sozialen Ängste etwas weniger geworden
sind gar nichts getan.
Donnerstag noch einmal Therapie und dann 3 Wochen Pause weil meine
Therapeutin Urlaub hat. Der Gedanke solange im realen Leben niemanden
zum reden zu haben versetzt mich jetzt schon leicht in Panik.

20.09.2015 12:09 • #16


Vergissmeinicht
Hey Cats,

ja, ich erinnere mich als mein Thera in Urlaub ging und mir ging es garnicht gut. Vielleicht siehst Du es als eine Art Prüfung.

20.09.2015 12:42 • #17



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Dr. Reinhard Pichler