Keine richtige Familie
Hallo,
Ich hatte eine tolle Kindheit. Mein Halbbruder jedoch eher nicht.. Was mir immer mehr bewusst wird. Er wird 40 und ich werde 30, also trennen uns gute 10 Jahre. Meine Mutter ist früh schwanger geworden mit ihm, nach ein paar Jahren hat sich sein Vater umgebracht..
Nach Jahren lernte meine Mutter eben meinen Vater kennen und lieben und ich kam auf die Welt. Ich war immer Papas Liebling und lange Zeit glaubte ich wirklich mein Bruder, sei mein wirklicher Bruder, ich hatte nie groß darüber nachgedacht, es wurde auch nie darüber gesprochen. Wobei mir im Nachhinein bewusst wurde warum mein Vater nie ein wirklich gutes herzliches Verhältnis mit meinem Halbbruder hatte.
Ich denke sehr zu Leiden von ihm. Ihm fehlte wohl eine Vaterfigur. Ich bekam auch alles, das größere Zimmer, das erste Auto etc.. Mein Bruder musste für alles selbst kämpfen, erarbeiten. Mit 18 zog er in seine eigene Wohnung, wo er lebt bis jetzt. Und auch heute noch kämpft er sich so alleine durchs Leben.. Soweit ich mitbekam, hatte er nie eine Freundin. Und nur ein paar wenige Freunde. Er war immer sehr zurückgezogen und nicht wirklich sozial, wenn man es so nennen mag.
Ganz das Gegenteil von mir. Ich treffe mich regelmäßig mit ihm zum Essen, weiss aber trotzdem nicht wirklich viel von ihm ausser dass er mal in psychologischer Behandlung war..
Vielleicht lebt er so zufrieden, nur weil ich nicht gerne alleine bin heisst es nicht dass er es auch so sein muss. Aber ich mache mir trotzdem Gedanken über alles. Er soll auch der Taufpate meines ersten Kindes werden dass ich im Sommer bekomme.
Oft kämpf ich mit Schuldgefühlen, dass ich richtige Eltern hatte und alles bekommen habe und er nicht. Obwohl ich weiss dass ich als Kind nichts dafür konnte.
Auch dass er mit bald 40 nie eine Freundin hatte, alleine lebt, finde ich so schade. Er sieht gut aus hat vielleicht eine etwas noch kindliche Art und ist sarkastisch, ich kenne ihn nur so und komme damit recht gut klar. Ich kann mir schon vorstellen das ihn viele Leute komisch finden, er wirkt eher wie ein misstrauischer Mensch der niemanden an sich ran lässt. Auch ist er ein eher nervöser Typ in der Öffentlichkeit. Er zerbricht sich oft den Kopf über Lappalien, hat keine Hobbys wo er viel rumkommt oder unter Leuten ist, lebt zurückgezogen.
Zu unserer Mutter pflegt er regelmäßigen Kontakt. Jedoch traue ich mich zu behaupten, dass es zwischen meinem Vater und ihm nicht mal Geburtstagswünsche per Mail gibt.
Meinen Vater dafür zu hassen dass er womöglich nie seinen Erziehungspflichten nachkam, das kann ich auch nicht.. Es ist nun mal Vergangenheit und eigentlich wünsche ich mir nichts sehnlicher als eine "recht intakte Familie".
Ich merke auch dass er sich immer öfter mal äußert wo er mal sein wird wenn er alt ist.
Ich wäre sogar bereit ihm eine Wohnung zu bauen in dem Haus meines Vaters dass ich mal erbe.. Das jedoch erst irgendwann mal sein wird.
Oh Mann und da ich noch in einem sozialen Beruf arbeite, habe ich häufig mit so "eigenbrötlerischen" allein gebliebenen (alten) Männern zu tun, die zu Alk. etc wurden.
Das gibt mir auch oft zu denken..
In unserer "Familie" wurde leider viel totgeschwiegen.. Könnt ihr mir einen Tip geben wie ich mit dieser ganzen Situation am besten umgehen kann. Es schwirrt halt oft in meinem Kopf herum
Mfg